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Accessible Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2019

Geschlechter(un)ordnungen in der Grammatik: Deklination, Genus, Binomiale

Damaris Nübling

Abstract

Dieser Beitrag berichtet nicht nur uber „Neues vom heutigen Deutsch“, sondern auch „vom alten Deutsch“, das bislang nicht gehoben wurde. Tief in grammatische Strukturen eingelassen verstecken sich (historische) Geschlechterkonzepte, die weit uber das hinausgehen, was die Linguistik zu eindimensional unter Sexus versteht. Vielmehr geht es um Gender, um Geschlechterordnungen, die Frauen und Mannern ihre sozialen Platze zuweisen. Zuwiderhandlungen werden durch grammatische Devianzen und ‚Fehlklassifikationen‘ geahndet. Dabei werden die beiden Nominalklassifikationen des Genus (die Tunte, das Weib) und der Deklinationsklasse (die Vögte vs. die Strolche) analysiert. Als Drittes werden syntaktisch verfestigte Sprachgebrauchsmuster in Gestalt von Binomialen beleuchtet. Als gehartete Folgen koordinierter Personenbezeichnungen kodieren sie geschlechterhierarchische Rangfolgen (Mann und Frau, Mama und Papa) und erweisen sich dabei ebenfalls als Reflexe von Sozial- und Geschlechterordnungen: Manner treten dabei (immer noch) vor Frauen, Mutter aber zunehmend vor Vater und vor allem Mamas vor Papas.

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Munich/Boston