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Accessible Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2022

‚Hinterhofmoscheen‘ als Transtopien

Erol Yildiz

Abstract

In diesem Beitrag soll zunächst gezeigt werden, wie sich eine gewisse historische Kontinuität imUmgang mit Migration etabliert hat und wie bestimmte Geschichten und Wissensformen privilegiert werden,während andere als defizitär und desintegrativ abgewertet wurden. Aus historischer Perspektive wird anhand wissenschaftlicher Migrationsstudien das Konzept der Integration vorgestellt und so diskutiert, wie sich spezifische Bilder über Migration und Integration herausbilden konnten. Im Gegensatz zu diesem ‚Migrantismus‘, der Menschen nach ethnischer Herkunft sortiert,wird hier eine Position eingenommen, die den Fokus auf das Ausgelassene und Nichterzählte richtet. Es geht um ignorierte, marginalisierte und entwertete Migrationserfahrungen und -geschichten; um Gegenerzählungen zur diskurshegemonialen Geschichtsschreibung der Migration. Es geht um einen Bruch mit der hegemonialen Normalität, der uns erlaubt, anders über historische Entwicklungen zu denken und eine andere Genealogie der Gegenwart - und damit eine neue Kartographie des Unsichtbaren - zu zeichnen. Anhand von ‚Hinterhofmoscheen‘, die von Angehörigen der ersten Generation von Arbeitsmigrant:innen in den 1970er Jahren gegründet wurden, beschreiben wir, wie diese Orte aus hegemonialer Sicht immer noch als desintegrative Phänomene wahrgenommen werden, obwohl es sich um kreative und hochintegrative Leistungen der jeweiligen Gruppen handelt. ‚Hinterhofmoscheen‘ werden als Räume diskutiert, in denen Migrationserfahrungen umgeschrieben, neu artikuliert und repräsentiert werden.

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston