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Accessible Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2022

Imaginationen kollektiver Identität

Das Theologisch-Politische und die Bedeutung von Moscheebauten

Heike Delitz

Abstract

Im Blick auf die Bedeutung der in ‚Bewegung‘ befindlichen Architekturen (als die in diesem Band kleinere Moscheen in den westeuropäischen Gesellschaften bezeichnet werden) geht es dem Beitrag zunächst um einen grundlegenden Blick, um eine gesellschaftstheoretische Klärung in der Frage, was eigentlich ‚religiöse Gemeinschaften‘ sind.Welche Form der Institution von Kollektiven und kollektiven Identitäten liegt hier vor, und was ‚sind‘ Kollektive ganz generell? Die kollektive Funktion religiöser Bedeutungen wird als Modus der „imaginären Institution von Gesellschaft“ (Castoriadis) denkbar - als jener Modus der Behauptung einer kollektiven Einheit und Identität, der sich auf ein ‚fundierendes Außen‘ stützt. Von hier aus wird erst die Bedeutung von Architekturen erkennbar: Ist jede kollektive Einheit und Identität eine imaginäre Institution, so beruht das kollektive Leben immer auf Bedeutungssystemen: auf Diskursen, Praktiken, Artefakten. Architektur ist daher als ein Modus (und nicht Ausdruck) kollektiver Existenz aufzufassen. Dabei unterscheiden sich die architektonischen Kulturen erheblich - nicht zuletzt in der Einteilung von Territorien, der Verortung von Körpern, der Sichtbarkeit des Kollektivs gegenüber anderen, in der Einteilung von Geschlechtern oder der Trennung von Natur und Kultur. Dem Beitrag geht es hier darum, die Differenz zwischen ‚bewegten‘ (nomadischen) und ‚fixen‘ Architekturen anzudeuten - die Moscheebauten im aktuellen Europa werden so einerseits als solche sichtbar, die Ankerpunkte muslimischer Kollektive in hegemonial nicht muslimisch instituierten Kollektiven bilden; und zugleichwerden sie als solche sichtbar, die einer prinzipiell fixierten, infrastrukturierten Institution kollektiven Lebens angehören.

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston