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Accessible Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2022

Die multiperspektivische Analyse von Migrationsmoscheen

Bewegungsarchitekturen

Mehmet Bayrak

Abstract

Die vorliegende Untersuchung liefert Einsichten in Moscheen der Migration als ‚Bewegungsarchitekturen‘. Hierzu nimmt sie sich des Beispiels einer Moschee an, die von 2004 bis 2017 in zentraler Lage in Köln bestanden hat, und liefert über ein multiperspektivisches Beschreibungsdesign, das über architektonische Parameter hinausgeht (Städtebau, Kulturanalyse, Fotoanalyse), ein mögliches Untersuchungspanorama von Migrationsmoscheen. Die Kale-Moschee ist eine dachverbandsunabhängige, heterogene Architektur im Sinne einer „Heterotopie“ (Foucault), die sehr spezifische und zugleich auch auf andere - abwertend als ‚Hinterhofmoscheen‘ bezeichnete - Religionsstätten der Muslime neuartige Blicke im Sinne einer postmigrantischen Perspektive (Hill und Yildiz 2018) möglich macht. Die qualitative Untersuchung stellt hierbei Thesen und Erkenntnisse im Hinblick auf die Konstitution solcher Architekturen auf und liefert so soziologische, architektonische, kulturelle und städteplanerische Anregungen für die künftige Forschung. Das zentrale Ergebnis hierbei ist: Moscheen der Migration befinden sich aufgrund der Notwendigkeit des permanenten Umzugs und ihrer architektonischen und sozialen Parameter - stets wieder neue Gemeinde- und Vereinsgründungen und Interaktionen mit der sozialen und gebauten Umwelt - in besonderer Bewegung; sie bewegen sich im städtischen Raum. Und auch auf der kulturell mikro-skopischen Ebene sind sie performativ und durch ein Prinzip der Migration geprägt; oder anders formuliert: Sie sind Bewegungsarchitekturen. Daher bedarf es für die künftige Auseinandersetzung mit ihnen einer anderen Sensibilität, um der Vielfältigkeit ihrer architektonischen und sozialen Besonderheiten gerecht werden zu können. Der Beitrag verfolgt so die zentrale These, dass Architekturen als „Medien des Sozialen“ (Delitz 2010a) dienen und Integration nicht erst über die Gemeindemitglieder formiert wird, sondern über die gesamten architektonischen und städtebaulichen Charakteristika der religiösen Gebäudekomplexe.

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston