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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2020

Menschenrechtsarbitrage als Gefahrenquelle

Systemkohärenz einer Verkehrspflicht zur Menschenrechtssicherung in Lieferketten?

Marc-Philippe Weller and Laura Nasse

Zusammenfassung

Der Referentenentwurf für ein Lieferkettengesetz aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht die Einführung einer deliktsrechtlichen Sorgfaltspflicht von inländischen Muttergesellschaften bzw. Großauftraggebern für Menschenrechtsverletzungen durch ausländische Tochtergesellschaften oder Zulieferer vor. Anhand dieses Entwurfs wird im Folgenden überprüft, ob sich eine solche Verkehrspflicht in das System des Gesellschaftsrechts sowie des Deliktsrechts einfügt. Die Anerkennung einer menschenrechtlichen Verkehrsplicht durch judikative Rechtsfortbildung wird in der Diskussion um die „Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen“ bislang überwiegend abgelehnt. Mit Blick auf die Internationalität der paradigmatischen Fälle stellt der folgende Beitrag mit der Menschenrechtsarbitrage als Gefahrenquelle ein weiteres Argument für eine Verkehrspflicht zur Diskussion.

Abstract

The draft supply chain act provides for the introduction of an unprecedented duty of care in tort law. Domestic parent companies shall be held liable for human rights violations committed by foreign subsidiaries or suppliers. Based on the draft prepared by the Federal Ministry for Economic Cooperation and Development, this contribution examines whether such a duty of care complies with the rationales of company law and tort law. While the judicial development of a human rights due diligence has been largely rejected, the following article argues for a duty of care on the basis of human rights arbitrage as a cause of risk.

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Munich/Boston
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