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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter 2020

Die Haftung von Konzerngesellschaften im europäischen Wettbewerbsrecht

Der wettbewerbsrechtliche Unternehmensbegriff und seine Legitimationsgrundlagen

Heike Schweitzer and Kai Woeste

Zusammenfassung

Für Verstöße gegen europäische Wettbewerbsregeln muss nach ständiger Praxis der Kommission und der Unionsgerichte nicht nur der unmittelbar am Verstoß beteiligte Rechtsträger einstehen. Es haftet auch die Muttergesellschaft, sofern sie „bestimmenden Einfluss“ ausgeübt hat. Die Haftung auch anderer der „wirtschaftlichen Einheit“ zuzurechnender Rechtsträger wird diskutiert. Unter Gesellschaftsrechtlern stößt diese wettbewerbsrechtliche Praxis auf vehemente Kritik, weil sie den Grundsatz der Haftungsseparierung zwischen Rechtsträgern durchbricht. Der vorliegende Beitrag erörtert, welchen Rechtsträgern der Verstoß eines „Unternehmens“ auf Sanktionsebene zugerechnet werden kann und geht der Frage nach, ob der Bruch mit dem gesellschaftsrechtlichen Trennungsprinzip und dem Grundprinzip der Haftungsbeschränkung aus rechtsökonomischer Perspektive gerechtfertigt ist.

Abstract

According to a consistent practice of both the EU Commission and Union courts, it is not only the legal entity that directly violated competition law that can be held liable, but also the parent company, provided it has exerted „decisive influence“. The liability of other legal entities that are part of the infringing „undertaking“ is debated. Company lawyers have sharply criticized this practice, as it amounts to a „piercing of the corporate veil“ beyond established company law principles. In our contribution, we discuss which legal entities can be held liable – both with regard to fines and in the context of private cartel damage claims – and we ask whether the observed break with the company law principles of separate and limited liability can be justified on efficiency grounds.

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Munich/Boston
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