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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter December 21, 2007

Das Thema Waffen aus der rabbinischen Perspektive

Israel Yuval
From the journal

Waffen sind ein männliches Attribut. Im Lateinischen ist von vir (Mann) die virtus, Tugend oder Tüchtigkeit abgeleitet, hebräisch kommt Gibor-Held von Gever-Mann. Im babylonischen Talmud (Nasir 59a) steht geschrieben, einer Frau sei es verboten, in den Krieg zu ziehen, nicht weil ihre Keuschheit dadurch bedroht sei, auch nicht weil sie den Schrecken des Krieges nicht gewachsen wäre, sondern weil es sich bei Waffen um ›Männerkleidung‹ handele, deren Tragen Frauen in der Bibel untersagt werde (Dtn 22,5). Die Geschichte der Juden nach dem Untergang ihres eigenen Staates nahm somit eher weibliche Züge an, indem sie vor Waffen und Krieg einen Abscheu empfand. In der Bibel ist den Israeliten zwar geboten, sie sollten das Land in Besitz nehmen (Dtn 1,8), was im Klartext doch wohl heißt, sie sollten es seinen ursprünglichen Bewohnern mit Brachialgewalt wegnehmen; aber der Midrasch hat für diesen Bibelvers eine andere, vielleicht allzu harmlose Deutung anzubieten: »Wenn ihr in das Land hineinkommt, braucht ihr keine Waffen, vielmehr verordne ich Zirkel und Meßstab« (Sifre Dtn § 7, S. 15). Demnach soll es möglich gewesen sein, die Besiedlung des doch bereits bewohnten Landes durch die Israeliten friedlich, ohne Anwendung von Gewalt, zu lösen; was hier geschildert wird, ist eine Art Übereignung von Grund und Boden, vollzogen durch Landvermesser auf der Grundlage gleichmäßiger Verteilung des Bodens unter die beiden Völker.

Online erschienen: 2007-12-21
Erschienen im Druck: 2003-December-08

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Postfach 2140, D–72011 Tübingen, 2003