Skip to content
Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter December 21, 2007

Die deutschsprachige Beschneidungsdebatte im 19. Jahrhundert

Klaus Hödl
From the journal

Zusammenfassung

Im vorliegenden Artikel wurden drei Phasen vorgestellt, in denen liberale Juden jeweils unterschiedliche Neubestimmungen der Brit Milah vornahmen. In den 1840er Jahren wurde sie von ihnen als irrelevant für das Judesein gedeutet. In den darauffolgenden Jahrzehnten waren Bemühungen erkennbar, die Beschneidung mit bürgerlich-gesellschaftlichen Standards der Ästhetik in Übereinstimmung zu bringen. Seit den 1890er Jahren gab es eine neue Wertschätzung der Brit Milah. Diese erfuhr sie allerdings nicht als ein religiöses Bundeszeichen, sondern als ein säkularisiertes nationales Merkmal.

Alle drei Formen des nichttraditionellen Umgangs mit der Brit Milah spiegeln die Assimilations- und Akkulturationshoffnungen aufgeklärter Juden wider. Sie geben Einblick in die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden und Aufschluß über die Verfassung des Judentums. Sie zeigen auch, wie sehr die Selbstdefinition der Juden durch eine Außenperspektive bestimmt war. Die Beschäftigung mit der Brit Milah kann somit nicht als ausgefallenes wissenschaftliches Interesse erachtet werden, sondern bringt viel über die Verfassung des zeitgenössischen Judentums zutage. Wenn Fragen nach der Einhaltung des Sabbats oder der Bedeutung der Mikwe Gradmesser für die jüdische Identität sein können, dann umso mehr die Haltung zur Beschneidung.

Online erschienen: 2007-12-21
Erschienen im Druck: 2003-December-08

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Postfach 2140, D–72011 Tübingen, 2003