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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter December 21, 2007

Juden um Landgraf Philipp den Großmütigen von Hessen

J. Friedrich Battenberg
From the journal

Die Stellung Landgraf Philipps des Großmütigen gegenüber den Juden ist in der historischen und theologischen Forschungsliteratur viel diskutiert worden. Im Vordergrund standen dabei stets die Beratungen um die Einführung einer neuen Judenordnung in den Jahren 1538 und 1539, besonders der Schriftwechsel mit dem Straßburger Reformator und theologischen Berater des Landgrafen, Martin Bucer. Nicht ohne Grund hat man im Hinblick darauf feststellen können, daß Philipp in der Frage der Duldung oder Vertreibung der Juden, die in der Reformationszeit wieder vor einem veränderten Hintergrund neu diskutiert worden war, eine sehr ›judenfreundliche‹ Haltung eingenommen habe. In einer Entgegnung auf den berühmten theologischen Ratschlag wie die Juden geduldet mochten werden, der schon von den Zeitgenossen als verbindliche Grundlage für die Haltung der Reformatoren zu den Juden erkannt wurde und der deshalb auf Veranlassung des Landgrafen sogleich im Druck veröffentlicht wurde, beklagte sich Philipp über die harte Haltung der Theologen. Unter Heranziehung einiger Bibelzitate kam er selbst zu dem bemerkenswerten Schluß: Dann wir finden ja nit in der Heyligen Geschrift oder im Newen Testament, das wir die Juden so übel halten sollen. […]. derwegen dann die Juden uns umb der Väter willen zu lieben sind vor allen Ungläubigen, ob sie wol nach dem Evangelio Feind seien. Denn – so argumentiert der Landgraf weiter: Got hat die Fremdling lieb, das er ihnen auch Speis und Kleider gebe. Darum solt ihr auch die Fremdlinge lieben, dann ihr seyd auch Fremdlinge gewesen im Egyptenland, wie er unter Bezugnahme auf Deuteronomium Kap. 10 [Vers 19] schrieb. Siegmund Salfeld hat genau vor einhundert Jahren aus diesen Äußerungen geschlossen, er habe in seinen Anschauungen über die Juden »hoch über seiner Zeit und den eifernden Vertretern der viel umstrittenen neuen Lehre« gestanden. Nach Wilhelm Maurer hatte Philipp seine religiöse Haltung der politischen Verantwortung untergeordnet, also im Einklang mit seinen religiösen Überzeugungen politisch verantwortlich gehandelt.

Online erschienen: 2007-12-21
Erschienen im Druck: 2005-July-03

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Postfach 2140, D–72011 Tübingen, 2004