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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter December 21, 2007

Abramo Colorni, jüdischer Hofalchemist Herzog Friedrichs I., und die hebräische Handelskompanie des Maggino Gabrielli in Württemberg am Ende des 16. Jahrhunderts. Ein biographischer und methodologischer Beitrag zur jüdischen Wissenschaftsgeschichte

Daniel Jütte
From the journal

Über dreihundert Jahre hat es in Württemberg kaum eine nennenswerte Siedlung von Juden gegeben. Im Zeitraum vom Ende des 15. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert waren Juden gemäß der württembergischen Landesordnung offiziell nicht geduldet, ihre Niederlassung blieb allenfalls vereinzelt. Eine kurze und schillernde Ausnahme hat es kurz vor 1600 gegeben, und sie ist von der württembergischen Landesgeschichtsschreibung gelegentlich am Rande erwähnt worden. Über diese lange zurückliegende Episode wird auch in Lion Feuchtwangers Erfolgsroman Jud Süß der Protagonist, der jüdische Finanzexperte Joseph Süß Oppenheimer, belehrt:

Das war die Sache mit dem großen Judenkünstler Abraham Calorno aus Italien – es mochte jetzt gut ein Jahrhundert her sein, unter Herzog Friedrich I. – und seinem Generalkonsul Maggino Gabrieli. Der Herzog hatte diese welschen Juden mit großen Versprechungen ins Land gezogen. Er war von dem aimablen Wesen, der Gelehrsamkeit, dem finanztechnischen Geschick des großen Judenkünstlers wie verhext, er hatte grenzenloses Zutrauen zu ihm, wies alle Beschwerden der Pfaffen und der Landschaft barsch und ungnädig zurück, ja, er verbannte der Juden wegen den Oberpfaffen Osiander aus dem Herzogtum, und Abraham Calorno und die Seinen saßen groß und prächtig in Stuttgart. Aber schließlich endete die Geschichte doch mit Graus und Schrecken, etliche wurden martervoll hingerichtet, der Rest nackt und bloß aus dem Land gejagt, Juden auf lange Zeit nicht mehr ins Herzogtum gelassen.

Online erschienen: 2007-12-21
Erschienen im Druck: 2006-July-03

© Max Niemeyer Verlag, 2006