Skip to content
Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter December 21, 2007

Alexander Altmann – Ein Porträt anläßlich seines 100. Geburtstages am 16. April 2006

Thomas Meyer
From the journal

Als im vergangenen Jahr Raymond Klibansky 99jährig verstarb, waren die Nachrufe nicht nur von der Trauer über einen bedeutenden Gelehrten erfüllt. Darüber hinaus nahm man den Tod Klibanskys als das definitive Ende einer deutsch-jüdischen Wissenschaftsepoche wahr, zu der neben vielen anderen etwa Hans Baron und Paul Oskar Kristeller gehörten. Ihnen war die humanistische Bildung selbstverständlich, sie widmeten sich sehr früh der Erforschung der Renaissance, initiierten und vollendeten gewaltige Editionsvorhaben und schienen ihre Arbeit trotz der erzwungenen Emigration ohne Brüche fortgesetzt zu haben. Ohne die individuellen Meriten und die angewandten Methoden allzu sehr einebnen zu wollen, so läßt sich doch von dieser Gelehrtengruppe sagen, daß sie es im wesentlich waren, die den Begriffen und den Vorstellungen von Geistes-, Ideen- und Problemgeschichte ein theoretisches und ein praktisches Profil gaben. Wie sehr dies stimmt, zeigt die Entwicklung der deutschen Nachkriegsphilosophie, die sich unter anderem durch die nahezu vollständige Abwendung von den genannten Forschungsrichtungen auszeichnet. Zwar wurden die genannten Intellektuellen hierzulande geehrt, teilweise übersetzt und auch rezipiert, doch niemals war man bereit, ihre Arbeiten mit der Bedeutung begriffsgeschichtlicher, hermeneutischer oder später poststrukturalistischer Ergebnisse gleichzusetzen. Ihnen haftete, wenn Baron, Klibansky oder Kristeller denn als gewichtige Stimmen überhaupt gehört wurden, allenfalls der Glanz der Vergangenheit an.

Online erschienen: 2007-12-21
Erschienen im Druck: 2006-July-03

© Max Niemeyer Verlag, 2006