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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter January 15, 2008

Die ›Epitoma rei militaris‹ des Vegetius zwischen ritterlicher Ausbildung und gelehrt-humanistischer Lektüre. Zu einer weiteren unbekannten deutschen Übersetzung aus der Wiener Artistenfakultät

Frank Fürbeth
From the journal

Als Joseph Victor von Scheffel vor 150 Jahren in seinem historischen Roman um ›Ekkehard‹, einer »Geschichte aus dem 10. Jahrhundert«, den »alten Feldhauptmann« vor der entscheidenden Schlacht gegen die in den Bodenseeraum eingefallenen »Hunnen« seine Reitertruppen in »der Schlachtordnung der römischen Legionen« aufstellen ließ, konnte er mit der ihm zustehenden dichterischen Freiheit übergehen, daß die Kampfweise des römischen Heeres kaum in einer militärischen Auseinandersetzung des Mittelalters zu gebrauchen war. Zwar hätte der Feldhauptmann in einem der umliegenden Klöster durchaus Kenntnis der um 400 n.Chr. verfaßten ›Epitoma rei militaris‹ des Flavius Vegetius Renatus erhalten können, er hätte aber gleichwohl kaum deren militär- und kriegstheoretische Informationen, die als Summe des gesamten römischen Kriegswissens für Kaiser Theodosius I. (379–395) niedergelegt worden waren, in einer Schlacht umsetzen können, die üblicherweise von der Karolingerzeit bis noch ins 14. Jahrhundert durch den taktisch wenig geordneten Einsatz von gepanzerten Reiterhaufen gekennzeichnet war. Für den Literaturhistoriker stellt sich damit die Frage, weshalb trotz der offensichtlichen Diskrepanz zwischen den gebotenen Informationen der ›Epitoma rei militaris‹ und der mittelalterlichen Kriegspraxis selbst die Lehrschrift des Vegetius zum meistrezipierten militär- und kriegstheoretischen Text des Mittelalters wurde: in welchen Gebrauchszusammenhängen also die ›Epitoma‹ überhaupt im Mittelalter gelesen wurde.

Online erschienen: 2008-01-15
Erschienen im Druck: 2002-September-27

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2002

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