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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter August 14, 2009

Gefängnisseelsorge in der sich wandelnden ostdeutschen Gesellschaft. Eine Analyse der kulturellen, theologischen und sozialen Spannungen

Irene Becci and Joachim Willems
From the journal

Zusammenfassung

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Ostdeutschland wurde die Beziehung zwischen Staat und Kirche neu geregelt. Die Konsequenz war ebenfalls eine Redefinition der Beziehung von Kirche und Gesellschaft. In diesem Artikel konzentrieren sich die Autoren beispielhaft auf einen Aspekt im Zusammenhang dieses Wandels: die Gefängnisseelsorge in ostdeutschen Gefängnissen. Dabei schlagen sie einen Vergleich zur Einführung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen vor. Sie beschreiben die spezifischen Bedingungen der gegenwärtigen gesellschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Gefängnisseelsorge in Ostdeutschland, portraitieren fünf Gefängnisseelsorger und analysieren Interviews, die mit ihnen gemacht wurden. Sie fokussieren auf drei Arten von Spannungen, die als charakteristisch für den ostdeutschen Kontext angesehen werden können und mit denen die Gefängnisseelsorger und –seelsorgerinnen einen Umgang finden müssen: ihre konfessionelle Identität, die in staatliche Strukturen eingebettet ist, die Hilfe in einer hochsäkularisierten Gesellschaft anbieten; ihr Rückgriff aus in der DDR gemachte Erfahrungen, als sie mit dem neuen Staat kooperieren mussten; und schließlich die Neujustierung der Beziehung von Gefängnis und der Gesellschaft außerhalb der Gefängnismauern.

Abstract

After the breakdown of the Communist regime in Eastern Germany, a new relationship between state and church was established. The consequence was an overall redefinition of the relationship between church and society as well. In this article, the authors look at one aspect of the changes that occurred in this context, pastoral care in Eastern German prisons, suggesting a comparison to the introduction of religious education in state schools. They describe the specificity of the current social and legal conditions of prison chaplaincy in Eastern Germany, portray five prison chaplains, and analyze the interviews conducted with them. They focus on three types of tensions specific to the Eastern German context that these chaplains must find a way to handle: their confessional identity which is embedded in state structures that provide care in a highly secular society, the use they make of their experiences during the GDR when having to cooperate with the new state, and finally the readjusted relationship between prison and society outside prison walls.

Online erschienen: 2009-08-14
Erschienen im Druck: 2009-September

© Walter de Gruyter 2009