Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter August 13, 2007

Grundlagen des konstruktivistischen Unternehmensschuldbegriffes

Carlos Gómez-Jara Díez
From the journal

Abstract

I. Problemstellung

Soll das deutlichste Argument gegen eine Unternehmensstrafbarkeit benannt werden, so entscheidet sich der Dogmatiker wahrscheinlich rasch für die Schuldunfähigkeit des Unternehmens. Die Gründe dafür sind zahlreich und bekannt: Unmöglichkeit eines gegen das Unternehmen zu formulierenden sozial-ethischen Schuldvorwurfs; Untauglichkeit des Unternehmens als Normadressat; Mangel des Unternehmens an subjektbezogener Reflexionsfähigkeit; Koordinierungsschwierigkeiten zwischen Unternehmensschuldzurechung und Organsschuldzurechung, unter anderen. Es kann behauptet werden, dass die h. M. in der deutschen Strafrechtsdogmatik das Konzept einer echten Unternehmensschuld ablehnt. Ganz in die Gegenrichtung aber bewegen sich die Tendenzen in der Europäischen Union; dort gewinnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Unternehmen an Boden, und dies mit zunehmender Geschwindigkeit. Die neuen Regelungen in der Schweiz, Polen, Spanien und der Europäischen Union stellen eine klare Bestätigung der europäischen Tendenz dar, Unternehmen als Strafrechtspersonen zu betrachten. Obwohl in Deutschland jüngste entsprechende Vorstöße, um eine solche Verantwortlichkeit einzuführen, keinen Erfolg gehabt haben, ist es wahrscheinlich eine Zeitfrage, dass neue legislatorische Vorschläge in naher Zukunft präsentiert werden – sei es aufgrund nationaler Bedürfnisse, sei es wegen europäischer Verpflichtungen.

Published Online: 2007-08-13
Published in Print: 2007-05-23

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