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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter February 10, 2022

Die Erweiterung der Unithèque in Lausanne – eine Vision

The expansion of the Unithèque in Lausanne – a vision
Rachel Vez Fridrich ORCID logo and Jeannette Frey ORCID logo
From the journal ABI Technik

Zusammenfassung

Da der UNIL Campus in Lausanne-Dorigny in den letzten 30 Jahren stark gewachsen ist, erhält die Kantons- und Universitätsbibliothek – Lausanne für 2025 eine Erweiterung ihres Hauptgebäudes, der Unithèque, von den Studenten wegen seiner geschwungenen Form liebevoll „Banane“ genannt. Das Projekt „Abaka“ des Architekturbüros FHV erhielt den Zuschlag und die Bauarbeiten haben 2020 begonnen. Die erweiterte Unithèque wird somit der universitären Gemeinschaft schon 2025 innovative Dienstleistungen in attraktiven neuen Räumen bieten können.

Abstract

As the UNIL campus in Lausanne-Dorigny has grown considerably over the last 30 years, in 2025, the State and University Library of Lausanne will receive an extension to its main building, the Unithèque, affectionately called the “banana” by students because of its curved shape. The “Abaka”-project by the architects of FHV was chosen, and construction work started in 2020. The expanded Unithèque will thus be able to offer its academic community innovative services in attractive new spaces as early as 2025.

1 Einleitung

Die Unithèque, auf Grund ihrer geschwungenen Form auch „die Banane“ genannt, ist ein zentrales Gebäude auf dem Campus der Universität Lausanne (UNIL). Als einer der sechs Standorte der Kantons-und Universitätsbibliothek Lausanne (BCUL) ist die Unithèque allen Bürgerinnen und Bürgern von Lausanne bekannt und hat Generationen von Studierenden geprägt. Das Gebäude erfüllt mehrere Funktionen: Man findet in ihm die Bibliothek, aber auch das Hauptrestaurant der Universität, eine Brasserie und die Verwaltungsbüros der UNIL. Die Unithèque befindet sich im Zentrum des Campus mit Blick auf den See und die Berge und ist ein unverzichtbarer Ort des Lebens auf dem Campus. Die Bibliothek ist 7 Tage die Woche von 8 bis 23 Uhr geöffnet.

Die Bibliothek wurde 1983 als zentraler Ort der Begegnung und des Wissens in Betrieb genommen und hat ihre Aufgaben seitdem für Studierende und Forschende perfekt erfüllt, indem sie Arbeitsplätze und ständig aktualisierte Sammlungen angeboten hat. Das Wachstum der Universitätsgemeinschaft sowie die Entwicklung der Bedürfnisse und der neuen Technologien haben seit Ende der 2000er Jahre gezeigt, dass es notwendig wird, die Räume zu erweitern und die Organisation neu zu gestalten. Im Jahr 2010 wurde der Grundstein für die Erweiterung durch eine Bezifferung der Bedürfnisse gelegt. Nach den zahlreichen politischen, finanziellen und verwaltungstechnischen Etappen hat der Bau nun begonnen, und die Eröffnung der erweiterten Unithèque ist für 2025 geplant.

Dieses gewaltige Projekt ist eines der größten Bauvorhaben des Kantons Waadtland. Es verdeutlicht das Vertrauen, das der Waadtländer Regierungsrat und die UNIL in die Kantons- und Universitätsbibliothek Lausanne setzen. Die für den Bau des neuen Gebäudes bereitgestellten Mittel zeugen davon, dass die Aufgaben der BCUL betreffend Wissen und Studium einen Schwerpunkt der Ziele der Legislaturprogramme darstellen. Dies unterstreicht die Qualität der Arbeit des BCUL für die akademische Gemeinschaft. Die erweiterte Unithèque wird künftigen Generationen hervorragende Bedingungen für Ausbildung und Forschung bieten.[1]

2 Campus Dorigny

2.1 Die Universität Lausanne

Im September 2021 belegte die Universität Lausanne in der „Times Higher Education“-Rangliste unter 1 600 Institutionen weltweit den 176. Rang. Mit diesem Ergebnis werden sieben Fakultäten und zahlreiche Institute und interdisziplinäre Zentren ausgezeichnet.

Dieses Ranking ist zwar eine Momentaufnahme, aber ein Meilenstein in einer langen Geschichte, die im 16. Jahrhundert begann. Die Haute Ecole wurde 1537 gegründet und befand sich im Gebäude der Akademie innerhalb der Mauern der Cité-Dessus,[2] auf einem der drei Hügel von Lausanne. Die Akademie, die die Stadt dominierte, befand sich neben der Kathedrale. Im Jahr 1890 wurde sie zur Universität und zog in das Palais de Rumine, ein Gebäude im neoflorentinischen Stil, auf dessen Frontispiz auch heute noch „Universität – Museen – Bibliothek“ steht. Dort wurden viele Kurse angeboten. Doch die Zahl der Studierenden und die auf mehr als 40 Standorte in der Stadt verteilten Lehr-, Forschungs- und Verwaltungsräume zwangen die Universität, sich nach anderen Räumlichkeiten umzusehen. 1963 wurde eine Studienkommission für die Entwicklung der Universität eingesetzt, die 4 Jahre später einen Masterplan für die zukünftige Universität Lausanne erstellte.

2.2 Von der Akademie Lausanne zum Campus Dorigny

Die Wahl des Standorts war nicht einfach. Es hieß, die Ereignisse vom Mai 1968 in Paris ließen die Bürgerinnen und Bürger mögliche Ausbrüche befürchten, wenn die Universität und die rebellischen Studierenden im Stadtzentrum bleiben würden. Man beschloss, sich in einer landschaftlich reizvollen Gegend, weit weg vom Lärm der Stadt, niederzulassen, um „Wissen zu kultivieren“. In seiner Botschaft anlässlich der Einweihung eines der ersten Gebäude auf dem Campus drückte der Bundespräsident die Hoffnung aus, dass „in dieser wunderbaren natürlichen Umgebung [daran besteht kein Zweifel], die von den harmonischen Gebäuden geschaffene Atmosphäre nur einen günstigen Einfluss auf Studium und Forschung haben kann“.[3]

Der gewählte Ort für den Campus der Universität Lausanne liegt in der Landschaft von Dorigny, die völlig abgelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht leicht zu erreichen war. Dorigny, ein Ortsname ungewissen Ursprungs, liegt im Westen der Stadt am Ufer des Genfer Sees. Dieses riesige Gebiet ist seit der Römerzeit besiedelt und hat sich in mehreren Etappen entwickelt. Der Ort wurde zuvor schon zweimal für große Bauprojekte in Betracht gezogen, 1918 für eine Olympiastadt und 1945 für einen internationalen Flughafen. Beide Projekte wurden abgelehnt; schließlich konnte 1968 der Campus der Universität Lausanne auf dem Gelände gebaut werden. Das weitläufige Gebiet mit seinen Grünflächen, Hügeln, Wäldern und einem Fluss besteht aus Grund- oder Seitenmoränen sowie Ablagerungen von Sand und Kies. Seine geologischen Formationen stammen aus der Eiszeit.

Der Campus Dorigny ist auf 74,5 Hektar Fläche und über die vier Gemeinden Chavannes, Ecublens, Lausanne und Saint-Sulpice verteilt. Die Entwicklung der Infrastruktur und der Räumlichkeiten fand kontinuierlich statt, heute ist sie in fünf Quartiere gegliedert. Sie folgt der Zunahme der Anzahl der Studierenden, fast 17 500 Anfang September 2021. Die starke wirtschaftliche und demografische Entwicklung des Waadtlandes, der steigende Anteil junger Absolventinnen und Absolventen sowie die Attraktivität der Universität Lausanne auf nationaler und internationaler Ebene erklären dieses Wachstum. In den letzten 40 Jahren hat diese Entwicklung den regelmäßigen Bau neuer Gebäude und Verkehrsinfrastrukturen motiviert. Die M1-Metro verbindet seit 1991 den Campus mit dem Stadtzentrum sowie in 15, resp. 30 Minuten mit zwei Bahnhöfen, die ihn mit der gesamten Schweiz vernetzen. Die Entwicklung dieses Raums spiegelt den Aufschwung des Lausanner Westens wider, eine wahre Erfolgsgeschichte, die auch den benachbarten Standort der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) einschließt. Jeden Tag kommen und gehen Tausende von Menschen, Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Gemeinden, Arbeitende, Studierende, Lehrende, Forschende, Wanderinnen und Wanderer, Kinder usw. auf und über das Gelände. Denn wer auf den Campus kommt, wird verzaubert durch den Anblick des Sees und der Berge, der Wiesen und Wälder, des Flusses La Chamberonne, der Schafherden und der Vielfalt einer akademischen Gemeinschaft, die hier ebenso konzentriert wie begeistert arbeitet.

Abb. 1: Erste Gebäude auf dem Campus Dorigny (Foto: unbekannter Fotograf)

Abb. 1:

Erste Gebäude auf dem Campus Dorigny (Foto: unbekannter Fotograf)

2.3 Die „Banane“ von Guido Cocchi

Guido Cocchi, der Architekt der bestehenden Bibliothek, hatte Tessiner Wurzeln und arbeitete in Lausanne zuerst für die Landesaustellung 1964, die damals die Ufer des Genfersees nutzte und deren Schönheit hervorhob. Danach wurde er für die Entwicklung der Landschaft von Dorigny eingestellt.[4] Über 30 Jahre arbeitete er dort als Chefarchitekt. Seine architektonische Vision hat die Universität Lausanne tief geprägt. Zunächst war es der Park, der seinen Blick beeinflusste. Er versuchte, die Topographie, die Harmonie des Geländes und der Höhenlinien bei der Gestaltung zu respektieren. Die Realisierung, die Schritt für Schritt stattfand, wurde unterschiedlichen Architekturbüros anvertraut, wobei jedes Büro seinen eigenen Blickwinkel und seine Besonderheiten einbringen konnte.

Die Gestaltung der Unithèque beruht auf recht einfachen Grundsatzentscheidungen, die den Ort auch heute noch zu einem außergewöhnlichen Ort machen. Guido Cocchi spricht von einer „Weitwinkligen Öffnung zum See und zu den Alpen“,[5] vom Verzicht auf architektonische Massen, um dieses Bild nicht zu stören, von einem Waldgürtel und der Platanenallee, die den Blick in die Ferne begleitet.

Um die Bibliothek zu entwerfen, lief der Architekt unermüdlich das Gelände ab und ließ den Boden analysieren. Dieser erwies sich als kompliziert, mit Wassereinschlüssen und starken Bodenbewegungen, die durch die Abfolge von Warm- und Kaltzeiten verursacht wurden. Nicht ohne hitzige Diskussionen mit dem damaligen Bibliotheksdirektor Jean-Pierre Clavel setzte Cocchi ein Gebäude in Form eines Kreissegmentes durch, das sich an die Kurve des Waldes anpasst. Zwei Terrassen folgen so dem natürlichen Gefälle des Geländes hin zum See.

Abb. 2: Der Standort Unithèque der BCUL, Sicht von Süden (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

Abb. 2:

Der Standort Unithèque der BCUL, Sicht von Süden (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

In technischer Hinsicht mussten „Hohlräume geschaffen“, das Gewicht der Bücher berücksichtigt und die Gerüche des im Erdgeschoss untergebrachten Restaurants in Schach gehalten werden. Die Materialien des Gebäudes zeichnen sich durch eine Mischung aus Sichtbeton und Holz sowie durch große Fensterfronten aus. Im Inneren ist das Gebäude auf fünf Stockwerken organisiert, von denen drei im Untergeschoss liegen.

2.4 Eine Bibliothek für die akademische Gemeinschaft

Die Geschichte der Kantons- und Universitätsbibliothek – Lausanne hallt in der Geschichte der Universität wider. Eine den Professoren der Akademie vorbehaltene Bibliothek wird erstmals 1549 erwähnt, 1898 wird sie zur Kantons- und Universitätsbibliothek (BCU). Zunächst im Palais de Rumine untergebracht, wurden ihre Universitätssammlungen 1977 in den neu entstehenden Campus integriert. Mit der Eröffnung der Unithèque im Jahr 1983 wurde die Zentralisierung der Fakultätsbibliotheken an einem einzigen Ort verwirklicht.

Die BCU Lausanne zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl eine kantonale, auf die breite Öffentlichkeit ausgerichtete Bibliothek mit der Pflicht zur Erhaltung des Kulturerbes als auch eine Universitätsbibliothek ist, deren Aufgabe es ist, die für die Lehre und Forschung an der Universität Lausanne notwendigen Dokumentensammlungen aufzubauen und zu verwalten. Ihre Tätigkeit wird durch das Gesetz über das bewegliche und immaterielle Kulturerbe (LPMI) vom 8. April 2014, insbesondere Artikel 32, geregelt.

Die BCUL untersteht dem Amt für kulturelle Angelegenheiten (SERAC), das zum Departement für Bildung, Jugend und Kultur (DFJC) gehört. Die an sechs Standorten organisierte Bibliothek bedient ein sehr unterschiedliches Publikum, das oft von einem Standort zum anderen wechselt, je nach seinen Bedürfnissen in Bezug auf Nähe, Arbeitsräume und Sammlungen, Studium oder Freizeit. Sie verwaltet auch zwei wichtige Mandate: die Koordination von Renouvaud, des Waadtländer Bibliotheksnetzwerks, und die Koordination der Schulbibliotheken des Kantons. Der Standort Unithèque ist der größte der Standorte der BCUL, sowohl was die Fläche als auch die Anzahl der Publikationen betrifft, die er beherbergt. Als Ort der Begegnung haben das Gebäude und seine beiden Hauptaktivitäten, das Restaurant und die Bibliothek, eine symbolische Dimension auf dem Campus, indem sie „die Nahrung des Körpers und des Geistes“ in einem einzigen Gebäude vereinen.

Normalerweise besuchen täglich rund 3 000 Benutzerinnen und Benutzer die Bibliothek, wobei sich die Zahlen für das Jahr 2020 aufgrund der Richtlinien im Zusammenhang mit der Covid-Epidemie ungefähr halbiert haben. Heute finden sich hier 34 Sammlungen auf zwei Etagen und eine komplette Etage mit Serienpublikationen. In diesem Freihandbereich, der zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme 1983 einzigartig war, nehmen die Bücher einen Großteil des Raums ein, wobei sich die Arbeitsplätze zum Horizont – See oder Wald – hin öffnen.

Die Universitätsgemeinschaft ist ihr wichtigstes Publikum, von den Bachelorstudierenden bis zu den erfahrenen Forscherinnen und Forschern. Im September 2021 sind an der UNIL 50,6 % Bachelorstudierende, 31,2 % Masterstudierende und 14,2 % Doktorierende eingeschrieben. Die Dienstleistungen der BCUL werden auch von Lehrkräften der UNIL, externen Nutzenden und der Öffentlichkeit, die sich für die Sammlungen des Kulturerbes interessiert, in Anspruch genommen. Die Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen sind unterschiedlich. Während Einzelarbeitsplätze, Gruppenarbeitsplätze, Lese- und Lernräume zu Beginn des Studiums sehr wichtig sind, nimmt dieser Bedarf im Laufe der Jahre im akademischen System ab. Fernressourcen werden dann immer beliebter.

Abb. 3: Eine sehr beliebte Freihandbibliothek, vor allem während der Prüfungsvorbereitung (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

Abb. 3:

Eine sehr beliebte Freihandbibliothek, vor allem während der Prüfungsvorbereitung (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

3 Die Erweiterung der Unithèque

3.1 Entstehung des Projekts

Bei ihrem Amtsantritt als Direktorin der BCUL 2008 stellte Jeannette Frey schnell fest, dass die bestehenden Gebäude bereits überlastet waren. Sie versuchte dementsprechend, die Bedürfnisse der zukünftigen Bibliothek zu ermitteln. Um denjenigen des Universitätspublikums gerecht zu werden, forderte der Bericht „BCUL 2035“[6] Maßnahmen für den Standort Unithèque. Mit dieser Vision bekräftigt sie erneut die Priorität des Freihandbereichs für die Aufnahme von Arbeitsplätzen und gedruckten Sammlungen sowie die Bedeutung von Lagerräumen in den Magazinen.

Auf der Seite der Sammlungen wird der Prozess der Entmaterialisierung trotz der Ausbreitung der digitalen Medien und der erwarteten großen Versprechungen in den verschiedenen Studienbereichen unterschiedlich vorangetrieben. Gedruckte Publikationen bleiben ein zentrales Element, zum Beispiel in Bereichen wie Literatur und Kunstgeschichte. Auch die Nutzung von unterirdischen Magazinen ist unerlässlich, damit wissenschaftliche Publikationen unter den besten Bedingungen aufbewahrt werden können.

Der Arbeitsbereich, der ursprünglich für einen Campus mit 7 000 Studierenden konzipiert war, muss laut dem Bericht „BCUL 2035“ an eine mehr als doppelt so hohe Studierendenzahl angepasst werden. Die Lernbereiche sind nach wie vor sehr beliebt bei den Studierenden, die einerseits allein sein müssen, um sich besser konzentrieren zu können, andererseits aber auch umgeben von anderen Menschen sein wollen, um ihr Sozialleben auch auf dem Campus zu leben. Gemeinschaftsräume sind daher von entscheidender Bedeutung. Aber die Entwicklung der akademischen Lehre mit neuen Lernformen und der Gewohnheit, in Gruppen zu arbeiten, macht es notwendig, das Programm zu überarbeiten. Zu den großen frei zugänglichen Bereichen kommt der Bedarf an geschlossenen Räumen, in denen sich zwei, vier oder zehn Personen versammeln können. Leinwand, Beamer, Wifi usw. müssen das Lernen und die Diskussionen begleiten.

Es ist bekannt, dass in der Perspektive der Bibliothek als Dritter Ort die Koexistenz der Nutzungen eine Notwendigkeit ist. Die erweiterte Unithèque soll verschiedene Facetten bieten und sowohl Lernen, wie auch Begegnungen und Entspannung in einem benutzerfreundlichen und komfortablen Ort ermöglichen, der dem Geist eines Learning Centers nahekommt.

3.2 Ziele

Das Erweiterungsprojekt entspricht dem Auftrag des Staates, allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu Bildung und Kultur zu gewährleisten. Es ist sowohl im Legislaturprogramm 2012–2017 enthalten, das vorsieht, „die Rolle und Bedeutung der Waadtländer Hochschulen auf nationaler und internationaler Ebene zu betonen“,[7] als auch im Programm 2017–2020, das eine Konsolidierung des „Hochschulpols und seiner Ausstrahlung durch die Verbreitung von Wissen, die Entwicklung neuer Erkenntnisse und die Modernisierung ihrer Infrastrukturen“ erwartet. Daher ist die Erweiterung der Unithèque Teil der Position der UNIL als führende Universität.[8]

Um dem politischen und administrativen Prozess gerecht zu werden, wurde im Januar 2015 ein Exposé und Entwurfsvorschlag (exposé des motifs et projet de décret – EMPD) eingereicht.[9] Darin wird dem Regierungsrat ein Planungskredit von 7,24 Millionen Schweizer Franken gewährt, um die notwendigen Vorarbeiten für die Erweiterung und Anpassung des Gebäudes der Unithèque auf dem Campus der UNIL in Dorigny zu finanzieren. Darin werden mehrere Hauptziele dargelegt:

  • Den BCUL-Standort in Dorigny in die Lage zu versetzen, seiner Funktion als Hauptsitz der Kantons- und Universitätsbibliothek und seiner Aufgabe als verantwortlicher Standort für die Erhaltung eines Kulturerbes, das der gesamten Universitätsgemeinschaft und im weiteren Sinne der Waadtländer Gemeinschaft gehört, langfristig zu gewährleisten;

  • der Universitätsgemeinschaft ein Gebäude zur Verfügung stellen, das gute Studien- und Arbeitsbedingungen garantiert;

  • die Verpflegungsbedingungen für die Universitätsgemeinschaft zu verbessern und

  • das Gebäude der Unithèque, das seit 1983 in Betrieb ist, in einen angemessenen Zustand zu versetzen.

Die Ziele der Erweiterung des Standorts Unithèque (EXT UTQ) waren die folgenden:

  • Verdoppelung der Anzahl der Arbeitsplätze, um 2 000 Studierende pro Tag aufnehmen zu können;

  • Verdoppelung der linearen Meter (LM) an Regalen, d. h. plus 47 557 LM, in Ergänzung zu den bestehenden 47 579 LM;

  • den Bestand an Dokumenten in der Freihandbibliothek um 1 200 LM erhöhen;

  • mehrere Normen erfüllen (Brandschutz, Erdbeben, Energie, Asbest);

  • die Konsultationsbereiche für Manuskripte und Werke des wertvollen Altbestands modernisieren;

  • die Größe des Empfangsbereichs entsprechend den Besucherströmen anpassen,

  • den Ausleihbereich mit einem automatischen Rückgabesystem ergänzen, das eine größere Autonomie der Nutzerinnen und Nutzer ermöglicht;

  • zusätzliche 4 100 m2 für die Magazine der akademischen Sammlungen anbieten;

  • zusätzliche 225 m2 für die Magazine des wertvollen Altbestands anbieten,

  • zusätzliche 384 m2 für die Handschriftenmagazine anbieten;

  • weitere 400 m2 für die Wiedereingliederung der theologischen Sammlung „Les Cèdres“ anbieten;

  • einen Quarantänebereich für die Magazine der Nachlasssammlungen einrichten;

  • die Büros modernisieren, ohne Erweiterung, mit Ausnahme der professionellen Bereiche, die mit dem Renouvaud-Netzwerk verbunden sind;

  • die Logistikbereiche vergrößern.

Mit der Erweiterung wird somit die Nutzfläche um 36 % erhöht, d. h. um 10 750 m2 zusätzliche Nutzfläche über die 19 300 m2 modernisierte Nutzfläche im bestehenden Gebäude hinaus. Die Gesamtfläche inklusive der bestehenden Bibliothek und der Erweiterung wird somit 10 689 m2 für den Freihandbereich und 9 165 m2 für die Magazine betragen.

Parallel zu den für die Bibliothek ermittelten Bedürfnissen bestätigt die UNIL die Rolle der Unithèque als zentrales Gebäude auf dem Campus. Die Kapazität der Gastronomiebereiche soll ebenfalls um 400 Plätze erweitert werden.

3.3 Governance, Budget und administrative Etappen

Schon bei den ersten Analysearbeiten innerhalb der BCUL und in enger Zusammenarbeit mit der UNIL bestand kein Zweifel daran, dass eine Anpassung notwendig war. Die Arbeiten standen unter einem günstigen Stern, so dass das Projekt Fortschritte machen konnte. Die administrativen, finanziellen und politischen Etappen waren jedoch zahlreich und seit 2011 befindet sich die BCUL auf einem langen Weg, der bis 2025 abgeschlossen sein soll.

Hier sind mehrere wesentliche Meilensteine zu erwähnen: die beiden EMPD von 2012 und 2015, die 400 000 bzw. 7,24 Mio. Schweizer Franken für Planungskredite bewilligten, der Architekturwettbewerb im Jahr 2015 und schließlich der EMPD vom April 2019,[10] der dem Regierungsrat einen Baukredit von 54,7 Mio. Schweizer Franken bewilligte. Hinzu kommen 17,55 Mio. Schweizer Franken für die obligatorische Anpassung an die Normen und die Anpassungen des bestehenden Gebäudes. Die Kosten werden durch einen Bundeszuschuss für Universitätsinvestitionen unterstützt, der auf 12 Mio. Schweizer Franken geschätzt wird. Die Auswirkungen auf den Betriebshaushalt und den Personalbestand werden fast gleich Null sein, da mit den Investitionskrediten kein reguläres Personal finanziert wird. Es sind jedoch drei Vollzeitstellen vorgesehen, um den Bedarf an öffentlichen Dienstleistungen, Logistik und Kulturvermittlung zu decken, sowie eine zusätzliche Hilfskraft, um die Aufsicht zu gewährleisten.

Um das Projekt bis ins kleinste Detail zu steuern und zu verfolgen, bilden drei Ausschüsse die Governance. Die strategische Überwachung wird von einem Lenkungsausschuss (CoPil) mit der Direktion für Hochschulbildung (DFJC-DGES), der Direktion für Immobilien und Vermögen (DFIRE-DGIP) und dem Vizerektorat der UNIL, das für den ökologischen Wandel und den Campus zuständig ist, sichergestellt.

Die operative Gesamtleitung wird vom Projektausschuss (CoPro) übernommen, dem die Direktion für Architektur und Ingenieurwesen (DFIRE-DGIP-DAI), die Generaldirektion für Hochschulbildung (DFJC-DGES), die Direktion der BCUL und der Bereich Planung und Projekte (UNIL-UNIBAT) angehören.

Schließlich ist es das operative Komitee (COOP), das an der täglichen operativen Leitung der Baustelle arbeitet und Projektleitung, Architekturbüro, Auftragnehmer und die BCUL als Nutzerin vereint.

3.4 Wettbewerb

Der im Januar 2015 ausgeschriebene Wettbewerb[11] stieß auf breites Interesse, vor allem bei den Architekturbüros der Region. Eine Bibliothek zu bauen und die legendäre „Banane“ zu erweitern – die Anziehungskraft war groß! Unter den 52 eingereichten Projekten wurde „Abaka“ (Name einer in Ostasien heimische Pflanzenart aus der Gattung Bananen) einstimmig ausgewählt.

Es wurde vom Büro Fruehauf, Henry und Viladoms (FHV) entworfen. Die drei Architekten, Claudius Fruehauf, Guillaume Henry und Carlos Viladoms, lernten sich an der EPFL kennen.[12] FHV wurde 2008 gegründet und gehört zu den aufstrebenden Architekturbüros. Es entwickelt einen Geist, der Einfachheit und Klarheit, Leichtigkeit und Eleganz verbindet. Ob Wohnhäuser, Museen, Infrastruktur oder Bibliotheken – die Projekte, an denen die drei Architekten arbeiten, leben von der Überschneidung ihrer jeweiligen Kulturen und einem intensiven Diskussionsprozess. Im kulturellen Bereich gewannen sie ein weiteres wichtiges Projekt, die Erweiterung des Musée du Léman in Nyon am Ufer des Genfersees.

Die Jury schätzte an Abaka besonders „die Achtung der Identität des Ortes, die Anpassung an die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer und die Erhaltung der Naturräume rund um das Gebäude“.[13]

3.5 Abaka: das Architekturprojekt

Die Umgebung der „Banane“ von Guido Cocchi hat sich mit den Jahren verändert. 2021 ist der Campus mehr denn je ein Ort des Lernens und des Austauschs. Neben der großen Cafeteria, in der sich Studierende, Professorenschaft und Verwaltungspersonal sowie externe Kundinnen und Kunden treffen, haben sich auf dem Campus weitere Verpflegungs- und Veranstaltungsorte vervielfacht: Studierendenbars, Theater, Kulturräume, ein jährliches Musikfestival, Tage der offenen Tür, Laboratorien, Ateliers, die Kunsttriennale, Ausstellungen, ein wöchentlicher Biomarkt usw.

Abb. 4: Das Modell von Abaka (Foto: Bureau FHV)

Abb. 4:

Das Modell von Abaka (Foto: Bureau FHV)

Heute ist der Campus ein Ort, an dem Tag und Nacht das Leben pulsiert. Die täglich bis 23 Uhr geöffnete Bibliothek und verschiedene nächtliche Aktivitäten beleben ihn. Gleichzeitig wohnen seit 2020 rund 1 000 Studierende im VORTEX, einem Nachbargebäude der Unithèque. Die ursprüngliche Idee, die einen Campus nach amerikanischem Vorbild mit einer Kombination aus Klassenzimmern und Wohnungen ablehnte, wurde aufgeweicht.

Das von FHV entwickelte Konzept entsprach den von Guido Cocchi gezeichneten Erweiterungsprojektionen. Das Projekt besteht aus drei Hauptteilen: dem bestehenden Gebäude, der Erweiterung und einem erhöhten Lichtschacht. Es respektiert das Wesen des ursprünglichen Gebäudes und führt seine Philosophie fort. Man findet das radiale geometrische System, die Einfügung in den Hang und die Verwendung von Beton als Hauptmaterial.

Das Prinzip der Erweiterung beruht auf der Verlängerung des bestehenden Gebäudes durch eine große Halle auf der Rückseite des Gebäudes, der Nordseite, die seine geschwungene Geometrie in der Landschaft aufnimmt und harmonisch weiterführt. Die Erweiterung lehnt sich an das ursprüngliche Gebäude an und überschreitet dessen Höhe nur um wenige Meter. Sie passt sich der Topografie an, versteckt sich im Gelände und entzieht sich dem Blick. Sie verschmilzt mit der Landschaft und lässt sich nur durch einen erhöhten Lichtschacht an der Westseite erahnen. Dieser Vorsprung markiert sowohl den Eingang als auch die architektonische Intervention in das neue Gebäude, verteilt den Personenfluss und leitet das natürliche Licht ins Innere.

Alte und neue Teile verbinden sich in einer symbiotischen Beziehung zu einer Einheit, die als auf natürliche Weise untrennbar erscheint. Dies geschieht unter Beibehaltung der charakteristischen Merkmale beider Teile. Der zusätzliche Körper bietet einen großzügigen Lesebereich, der Sammlungen, Arbeitsplätze, Magazine und Logistikräume beherbergt. Die ursprüngliche Deklination in Terrassen wird im neuen Gebäude durch ein Kaskadenkonzept betont, das Beziehungen von einem Stockwerk zum anderen schafft.

Während Guido Cocchis Architektur den See und die Alpen feierte, schränkt Abakas Architektur die Sicht auf die äußeren Elemente ein, was der Konzentration dienlich ist. Ein Shed-System überspannt die Lesehalle in einer einzigen Spannweite. Das Dach besteht aus vorgespannten Stahlbetonträgern mit einer Spannweite von 33,5 m, einer Breite von 0,18 m und einer Höhe von 3,05 m, die es ermöglichen, die Erweiterung in einer einzigen Geste zu überspannen. Aufgrund ihrer Z-Form werden alle Arbeitsplätze in ein indirektes Licht getaucht, das eine angenehme Wirkung hervorruft.

An den Ost- und Westwänden werden die großen Glasfenster durch Segeljalousien ergänzt, um die Sammlungen zu schützen. Auf energetischer Ebene werden die vorhandenen Verglasungen durch Dreifachverglasungen ersetzt. Um den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung zu entsprechen, werden das SméO-Tool zur optimalen Planung, Ausführung und Nutzung von Gebäuden und der Minergie-P-Eco-Standard auf die Erweiterung angewendet.

Abb. 5: Die Erweiterung und der erhöhte Lichtschacht mit Blick auf den See und die Berge (computergeneriertes Bild: Büro FHV)

Abb. 5:

Die Erweiterung und der erhöhte Lichtschacht mit Blick auf den See und die Berge (computergeneriertes Bild: Büro FHV)

3.6 In den Räumen zirkulieren

Das Gebäude wird sich über sechs Stockwerke erstrecken, von M00 bis P05. Im Untergeschoss (M00) führt ein Straßentunnel zu den Lager- und Logistikräumen und zu einer ersten Reihe von Magazinen. Die 42 Magazine werden in den ersten fünf Stockwerken untergebracht. Sie werden die Dokumente der akademischen Sammlungen und der Kulturerbesammlungen (Manuskripte, wertvolle Bücher, ikonographische Sammlung und Musikarchiv) aufnehmen.

Das Erdgeschoss (P01) ist auf der Südseite ebenerdig. Wenn die Benutzerinnen und Benutzer vor diesem großen Gebäude stehen, werden sie durch den Leuchtturm, der den Eingang der Bibliothek markiert, visuell geleitet und gelangen in eine erste Eingangshalle. Hier befinden sich ein Treffpunkt, Geldautomaten und Bankdienstleistungen sowie der Zugang zum Restaurant.

Weiter oben, auf der Etage P02, kann die Rückgabe der Ausleihen über einen hinter einer Wand verborgenen Rückgabeautomaten erfolgen. Die Nutzung der Dienstleistungen und die Arbeit im Backoffice durch die Bibliotheksangestellten koexistieren ab diesem Zeitpunkt nebeneinander. Mit einer Höhe von 20 m wird der Baukörper in einer Sichtbetonumgebung ein repräsentatives und durchaus feierliches Entrée darstellen, das Raum für den Durchgang von Personen lässt und zugleich Treffpunkt ist. Auf dieser Etage werden sich auch zwei Konferenzräume, Schulungsräume und zwanzig Gruppenarbeitsräume befinden. Damit wird den neuen Bedürfnissen Rechnung getragen, die sich aus der Entwicklung des universitären Unterrichts ergeben. Nach vorheriger Anmeldung können sich Studierende zusammenfinden, um gemeinsam und mit den nötigen Hilfsmitteln die erforderlichen Präsentationen und Arbeiten zu erstellen. Die Schulungsräume werden gebraucht, um Kurse über die Nutzung von Werkzeugen zur Literaturrecherche anzubieten. In den Konferenzräumen können Fach- und Kulturvermittlungsveranstaltungen in verschiedenen Formaten stattfinden, wobei die Räume flexibel gestaltet werden sollen.

Im P03 werden sich der Empfangsbereich, sowie der Ausleih- und Informationsschalter befinden. Dahinter befinden sich der Back-Office-Bereich und die Büros für die Vorbereitung der Dokumente. Der öffentliche Zugang zum Lesebereich und zu den Publikationen wird über den sogenannten Zollbereich erfolgen, einer Pufferzone, die mit elektro-magnetischen Anti-Diebstahl-Sicherheitsportalen ausgestattet ist. Der Raum für die Einsichtnahme in die Dokumente des Kulturerbes wird gut sichtbar und zugänglich sein und sich in der Nähe der Büros der Konservatorinnen und Konservatoren befinden, was die Bereitstellung und die Interaktion erleichtern wird. Die Büros der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben im Wesentlichen im ursprünglichen Gebäude erhalten und befinden sich in den nordöstlichen und südöstlichen Ecken der Stockwerke P03 und P04.

Abb. 6: Seitenansicht, Integration in den Hang und erhöhter Lichtschacht (Foto: Bureau FHV)

Abb. 6:

Seitenansicht, Integration in den Hang und erhöhter Lichtschacht (Foto: Bureau FHV)

Auf der P04-Ebene sind Büros, frei zugängliche Sammlungen und Arbeitsplätze vorgesehen. Auf der Ebene P05 schließlich wird das Gebäude eine neue Etage mit einem schmalen Zwischengeschoss bieten, das auf der Nordseite an den Wald angrenzt und auf der Südseite in die Räume der Freihandbibliothek eintaucht.

Die Einrichtung wird zur Lesbarkeit der Räume und Dienstleistungen beitragen. Von P02 bis P05 wechseln sich ruhige und informellere Bereiche ab, wobei die Möbel die Nutzung bestimmen. Der Rhythmus der Regale wird immer wieder durch komfortable und gesellige Zonen zum Durchatmen mit Sofas und niedrigen Tischen unterbrochen. Es wird davon ausgegangen, dass je weiter man sich vom Ausleihschalter entfernt, der einen etwas lauteren Austausch mit sich bringt, sich umso mehr Ruhe durchsetzen wird. Aber es sind vor allem die Nutzerinnen und Nutzer, die die Atmosphäre bestimmen, indem sie sich den Raum zu eigen machen.

Die Sammlungen werden auf vier Etagen (von P01 bis P04) präsentiert, wobei die Freihandbibliothek im architektonischen Entwurf vorherrschend bleibt. Die Organisation nach Disziplinen, die Monographien und Serien am selben Ort vereint, wird den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten. Der Großteil der Sammlungen wird im bestehenden Gebäude untergebracht, was eine thematische Verkettung fördert und Affinitäten zwischen den Wissensgebieten suggeriert. Für die Nutzerinnen und Nutzer wird Serendipity weiterhin ein integraler Bestandteil eines Besuchs der Unithèque sein.

3.7 Das Kunstprojekt

Seit 1974 setzt der Kanton Waadt systematisch das Prinzip von künstlerischen Animationen an Staatsgebäuden um, auch Kulturprozent genannt, wobei 1 % des Wertes des Bauwerks einer künstlerischen Intervention gewidmet werden muss. Im Jahr 2018 wurde das Projekt konzipiert, das laut den Wettbewerbsbedingungen „als starker Marker für die symbolische und praktische Bedeutung des Gebäudes als wichtige, emblematische Infrastruktur des Standorts Dorigny“[14] konzipiert werden sollte. Für die Durchführung dieser Intervention wird ein Betrag von 225 000 Schweizer Franken zur Verfügung gestellt.

Das Projekt „Inhaltsverzeichnis“ von Robert Ireland gewann den Wettbewerb.[15] Der Vorschlag des Künstlers spielt mit dem geschlossenen und dem offenen Buch und umfasst 120 Tische, die über den gesamten Freihandbereich verteilt sind. Auf den Holzplatten werden Zeichnungen, Schemata und Diagramme im Siebdruckverfahren aufgetragen. Dieses künstlerische Werk ist ein gutes Beispiel für die Echos und Überschneidungen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen, die sich in den letzten Jahren verstärkt haben.

Abb. 7: Der neue Lesesaal und sein vielfältiges Mobiliar (computergeneriertes Bild: Büro FHV)

Abb. 7:

Der neue Lesesaal und sein vielfältiges Mobiliar (computergeneriertes Bild: Büro FHV)

4 Die Baustelle heute und morgen

2020 markierte den Startschuss für den Bau. Das Feld hinter dem Gebäude, das oft von den berühmten UNIL-Schafen beweidet wird, wurde ausgehoben, um als Auffangbecken für die Erweiterung zu dienen. Die Bauarbeiten begannen Ende Juni 2020 mit Aushubarbeiten im Norden des derzeitigen Gebäudes. Sechs Monate lang entnahmen Bagger riesige Mengen an Erde, während die Flanken des Hügels nach und nach durch das Einwerfen von Beton in Stahlarmierungen stabilisiert werden mussten.

Gleichzeitig fanden innerhalb des bestehenden Gebäudes Vorbereitungsarbeiten rund um die Aufzüge und Treppenhäuser sowie auf dem Dach statt. Die ersten Störungen begannen und zeigten, wie schwierig es ist, eine Baustelle solchen Ausmaßes mit den Dienstleistungen der BCUL und der Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vereinbaren. Im Herbst 2021 trat aufgrund der Verlangsamung der Arbeiten eine Verzögerung von einigen Monaten ein.

Die Bibliotheksteams arbeiten seit 2013 an der Leistungsbeschreibung und der Detailprüfung zahlreicher Aspekte. Die Pläne folgten aufeinander und beinhalteten die Steckbriefe aller Räume und die verschiedenen technischen Schichten. Arbeitsgruppen, die sich mit spezifischen Themen befassen, wurden eingerichtet. Themen wie die Anordnung der Sammlungen im Freihandbereich und in den Magazinen, die Möblierung, die Einrichtung provisorischer Büros, die Beschilderung oder die Kommunikation waren Gegenstand eingehender Recherchen und von Empfehlungsheften. Um einen Leistungskatalog zu entwickeln, wurde 2019 eine breit angelegte Umfrage zur Zufriedenheit und den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer des Standorts Unithèque durchgeführt. Zwar zeigten sich die Befragten insgesamt zufrieden, es wurden aber auch Verbesserungspunkte und der Wunsch nach neuen Leistungen geäußert. In den nächsten Monaten soll die Vorgehensweise verfeinert werden, um neue Dienstleistungen einzuführen, die sowohl das Studium als auch den Austausch mit den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, die Arbeitsbereiche, die Entspannungsbereiche und den Zugang zu digitalen Daten betreffen.

Abb. 8: Erste Etappen der Baustelle im Jahr 2020 (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

Abb. 8:

Erste Etappen der Baustelle im Jahr 2020 (Foto: Laurent Dubois © BCU Lausanne)

Die Baustelle bringt mehrere große Herausforderungen mit sich. Das Einhängen der Dachbalken wird eine Meisterleistung sein, auf die sich die Baufachleute schon jetzt freuen. Da die Erweiterung an das bestehende Gebäude angebaut wird, müssen technische Elemente wie die Belüftung untergebracht werden. Organisatorisch ist es eine Herausforderung, die Bibliothek während der Bauphase in vollem Umfang in Betrieb zu halten und alle Dienstleistungen ohne Einschränkung anzubieten. Neben zahlreichen internen Umzügen und der Nichtverfügbarkeit bestimmter Räume müssen auch erhebliche Beeinträchtigungen in Kauf genommen und Risiken für Sammlungen, Personal und Nutzende vorgebeugt werden. Das Dienstleistungsniveau muss jeweils entsprechend angepasst werden.

Zahlreiche Berufsgruppen tragen ihren Teil dazu bei. Ein ständiger und konstruktiver Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen ist unerlässlich. Projektleute aus den Behörden, den Architektur- und Ingenieurbüros sowie Nutzerinnen und Nutzer müssen ihre Kompetenzen und Bedürfnisse zusammenbringen, sich den Zwängen anpassen und gemeinsam die besten Lösungen finden, um die unvermeidlichen Schwierigkeiten zu bewältigen und dabei die möglichen Auswirkungen auf die Aktivitäten der Partner zu berücksichtigen.

Die Bibliothek muss sich auch den Anforderungen der Kommunikation stellen, damit die internen und externen Benutzerinnen und Benutzer diese sehr spezielle Situation bestmöglich erleben können. Begleitmaßnahmen wie die Einrichtung alternativer Arbeitsplätze, Arbeit im Home Office, aber auch Change-Management sind vorgesehen.

Wie bei einer Baustelle dieser Größe üblich erstreckt sich die Dauer des Projekts, das von zahlreichen Faktoren abhängt, über einen längeren Zeitraum. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie sich in Geduld üben müssen. Die Verantwortlichen wechseln, und die Bedürfnisse entwickeln sich weiter, auch im Zeitraum zwischen 2013, als die Pläne erstellt wurden, und 12 Jahre später, 2025, wenn die neuen Räumlichkeiten eröffnet werden sollen. Daher müssen einige Analysen und Entscheidungen neu getroffen werden, damit die Erweiterung der Unithèque den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer so weit wie möglich entspricht und der akademischen Gemeinschaft tatsächlich die notwendige Umgebung und die passenden Dienstleistungen bietet.

Das Ziel der BCUL für die Eröffnung ihrer Erweiterung der Unithèque im Jahr 2025 ist es, das akademische Publikum von morgen unter den besten Bedingungen in Räumen zu empfangen, die für den Erwerb, die Bereitstellung und die Aufwertung von Wissen geeignet sind, und mit Hilfe der neuen Technologien die Geschichte dieser außergewöhnlichen Bibliothek fortzusetzen.

5 Einige Zahlen

5.1 Erweiterung

Fläche: + 4 767 m2 für die Freihandbibliothek, + 4 865 m2 für die Magazine

Höhe des Baukredits: CHF 89,15 Mio.

Anzahl der Arbeitsplätze: + 1 000 Arbeitsplätze

5.2 BCUL Unithèque

Printsammlungen: 1 525 239

Jährliches Anschaffungsbudget: CHF 7,2 Mio.

Jährliche Besucherzahl: 649 732 (2021), 549 281 (2020), 919 949 (2019)

Published Online: 2022-02-10
Published in Print: 2022-02-23

© 2022 Rachel Vez Fridrich und Jeannette Frey, publiziert von De Gruyter.

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