Skip to content
BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 11, 2022

Der Mythos vom »Import«. Islamische Codes und europäische Ideologie im muslimischen Antisemitismus

The Myth of the »Import«. Islamic Codes and European Ideology in Muslim Anti-Semitism
  • Philipp Henning EMAIL logo
From the journal Aschkenas

Abstract

Today’s anti-Semitism in European societies is often said to have been imported on a large scale by Muslim immigrants. It needs to be revealed that this is a historically abbreviated representation useful for particular political purposes – especially from the right. The influence of medieval European-Christian anti-Judaism and modern anti-Semitism on the Muslim world has a centuries-old history and is usually disregarded in the debate. Nevertheless, there are clear anti-Jewish terms and conventions in Islamic tradition. However, some of these codes are not immediately recognizable as anti-Jewish to a European audience. They are still widely used in today’s politics and popular culture of Muslim societies both in the Middle East and the West. The article aims to provide orientation on the genesis and development of this cultural exchange of hate and refute one-sided accusations.

(Re)Import

In der gegenwärtigen Diskussion über einen wiedererstarkenden Antisemitismus wird oft vom sogenannten »importierten Antisemitismus« gesprochen. Damit ist ein angeblicher »Import« von antisemitischen Ressentiments durch zumeist arabisch-islamische Migranten nach Europa gemeint. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gibt es zahlreiche Beispiele von Äußerungen von Politikern und Journalisten, die unter diesem Rubrum auf Antisemitismus unter Muslimen aufmerksam machen wollten. Besonders im konservativen bis rechten politischen Spektrum ist diese Argumentation zu finden – etwa bei der AfD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Alice Weidel, beim ehemaligen AfD-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski[1] oder der österreichischen Integrationsministerin Susanne Raab.[2] In der neurechten Zeitung Junge Freiheit wurde der Begriff verwendet, um in angeblicher Sorge vor zunehmendem Antisemitismus ein Argument gegen Einwanderung aus muslimisch geprägten Ländern vorzutragen.[3] Der Begriff »importierter Antisemitismus« suggeriert, dass die Europäer aus ihrer Geschichte gelernt und den eigenen Antisemitismus überwunden hätten, nun aber von »fremdem« Antisemitismus bedroht seien. Damit wird eine bequeme Gelegenheit geschaffen, Antisemitismus auf Muslime abzuwälzen. Dass eine solche Suggestion wirksam werden kann, hängt auch damit zusammen, dass die europäische Öffentlichkeit mit der Genese der heute verwendeten, als muslimisch gelesenen Ausdrucksformen des Antisemitismus nicht vertraut ist. Um die Entwicklung des Antisemitismus unter Muslimen zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte nötig, der mit dem mittelalterlichen Spanien und Nordafrika beginnt, um dann über den Ideologietransfer des 19. Jahrhunderts und den Kolonialismus zum 20. Jahrhundert und zum Einfluss NS-Deutschlands auf die Entwicklung eines Antisemitismus in der muslimischen Welt zu kommen. Schließlich müssen die seit 1947/48 im palästinensisch-arabischen Umfeld gebräuchlichen Narrative und Codes erläutert werden. Dabei wird deutlich werden, dass der heutige »muslimische« eher als ein »re-importierter« und nachträglich »islamisierter« Antisemitismus zu sehen ist.

Beginn des Ideentransfer in Al-Andalus und Nordafrika

Im muslimisch beherrschten Spanien des Mittelalters war das Zusammenleben zwischen Muslimen und Juden im Vergleich zum christlichen Europa von relativer Toleranz geprägt. Es war eine Zusammenarbeit von Angehörigen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gemeinschaften aus Zweckmäßigkeit, wie es der Religionswissenschaftler Brian A. Catlos in seiner Studie über Al-Andalus ausdrückte.[4] Juden waren dhimmi, nichtmuslimische Schutzbefohlene, die zwar nicht mit Muslimen gleichgestellt waren, aber dennoch Rechte genossen. Diese waren im sogenannten Pakt von Umar, dessen Entstehungsgeschichte in der Forschung jedoch sehr umstritten ist, aufgeführt.[5] In keiner Weise gab es eine muslimische Tradition, die mit dem christlichen Antijudaismus und seinen Vorstellungen von den Juden als Verschwörern und Gottesmördern vergleichbar wäre.[6] Bemerkenswert ist, dass Juden in muslimisch beherrschten Gebieten des Mittelalters ohne Beschränkungen der Wohnortwahl oder des Berufes leben konnten. Allerdings war vorgeschrieben, dass sie sich durch das Tragen von spezieller Kleidung und bestimmten Merkmalen in der Öffentlichkeit kenntlich machen mussten, um von den »wahren Gläubigen« unterscheidbar zu sein. So wurden mit Bezug auf den Pakt von Umar im Bagdad des Frühmittelalters Juden erstmals gezwungen, ein gelbes Abzeichen zu tragen, was später in verschiedenen Variationen auch in Europa übernommen werden sollte.[7] Die frühe islamische Theologie befasste sich im Gegensatz zur christlichen kaum mit dem Judentum, da sie es durch die eigene Offenbarung als veraltet und als wenig bedeutend einstufte.[8] Erst durch die Kreuzzüge wuchs in der muslimischen Welt eine repressivere Haltung gegenüber allen Nicht-Muslimen.[9]

Der Historiker David Nirenberg macht darauf aufmerksam, dass die Einteilung in »Rassen« seinen Ursprung nicht etwa erst in der Moderne und im europäischen Kolonialismus habe, sondern weiter zurückgehe. Im Hochmittelalter lebten in Nordafrika und Spanien viele Christen in muslimisch beherrschten Territorien und vice versa.[10] Unter der Dynastie der berberischen Almohaden nahm jedoch die Toleranz ab und die dhimmi (sowohl Juden als auch Christen) wurden zur Konversion zum Islam gezwungen.[11] Dadurch kamen christliche antijüdische Traditionen in die muslimische Gesellschaft. Viele der wichtigsten antijüdischen Polemiken der islamischen Klassik des Mittelalters wurden von christlichen Konvertiten verfasst.[12] Aufgrund der vielen Konvertiten wurde begonnen nach Herkunft zu unterscheiden. Sowohl im islamischen als auch im christlichen Herrschaftsbereich standen Menschen mit muslimischer bzw. christlicher Herkunft über den Konvertiten. Eine biologistische Ableitung von jüdischer Herkunft begann sich also bereits im Mittelalter zu entwickeln.[13] Während der sukzessiven christlichen Eroberung der iberischen Halbinsel (Reconquista) dienten Juden oft als Vermittler zwischen christlichen Herrschern und muslimischer Bevölkerung. Sie waren Notare, Steuereintreiber und Aufseher der muslimischen Gemeinden und übernahmen damit eine Rolle, die sie Jahrhunderte später im europäischen Kolonialismus erneut einnehmen sollten.[14] Diese Position ließ im 13. Jahrhundert die antijüdische Stimmung unter Muslimen wachsen.[15] Das Leben in Koexistenz in Spanien endete im 14. Jahrhundert. Die von christlicher Seite sich stetig aufbauende religiös, ökonomisch und politisch motivierte Feindschaft gegen Juden führte zu Pogromen wie 1391 in Sevilla.[16] Dies führte zu einer steigenden Zahl an jüdischen Konvertiten zum Christentum. Diese sogenannten Conversos wurden jedoch oft verdächtigt, nur zum Schein konvertiert zu sein und im Verborgenen noch immer den jüdischen Riten anzuhängen. Diesen Anschuldigungen nachzugehen war Aufgabe der 1478 etablierten Spanischen Inquisition.[17] Schließlich wurden die spanischen Juden mit dem Alhambra-Edikt von 1492 aus Spanien vertrieben oder mussten konvertieren, um zu bleiben.[18] Das Osmanische Reich unter Sultan Bayezid II. nahm diese durch christlichen Herrscher vertriebenen Juden aus Spanien dagegen mit offenen Armen auf. Diesem wird der Ausspruch nachgesagt: »Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.«[19]

Wie der Islamwissenschaftler Bernard Lewis betonte, gab es in vormodernen muslimischen Gesellschaften kaum Anzeichen für eine tief verwurzelte emotionale Feindseligkeit gegenüber Juden, die mit dem Antijudaismus der christlichen Welt vergleichbar gewesen wäre. Das bedeutet nicht, dass jüdisches Leben unter muslimischer Herrschaft nicht auch von Demütigung und Gewalt gekennzeichnet gewesen wäre.[20] Jedoch waren die Verfolgungen in keinem Fall vom gleichen Ausmaß wie die christlichen Judenverfolgungen seit Beginn der Kreuzzüge. »Der grundlegende Unterschied«, so Lewis, »zwischen dem Erfolg der Juden gegen Christus und ihrem Misserfolg gegen Mohammed wirkte sich entscheidend auf die Einstellung der Judenhasser beider Religionen aus. Für den Christen stellte er [der Jude] eine dunkle und tödliche Macht dar, fähig zu Taten von kosmischer Bosheit. Für den Moslem mochte er feindselig, verschlagen und rachsüchtig sein, aber er war schwach und unwirksam.«[21] Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen gerieten schließlich auch griechisch-orthodoxe Christen unter muslimische Herrschaft. Ihre antijüdischen Mythen gelangten so in die osmanische Gesellschaft.[22]

Kolonialismus und der moderne europäische Antisemitismus

Vor der westeuropäischen kolonialen Expansion nach Nordafrika und ins Osmanische Reich im 19. Jahrhundert blieb die muslimische Toleranz und die Schutzgarantie für die jüdische Minderheit bestehen. Die europäischen Kolonialmächte brachen dieses Zusammenleben auf. Sie nutzten mit Vorliebe religiöse Minderheiten als intermediäre oder koloniale Agenten in mehrheitlich muslimischen Ländern. Zunächst waren davon naturgemäß christliche Minderheiten, etwa in Syrien in Kooperation mit Frankreich, betroffen. Dies änderte sich, als Großbritannien nach einheimischen Minderheiten suchte, die für eine Agententätigkeit Schutz durch die Kolonialmacht erhoffen konnten. Juden sollten britische Interessen vertreten und im Gegenzug den Schutz des Empires erhalten. Durch diese Kooperation mit den Kolonialmächten und die daraus folgende Besserstellung der Juden nahmen die antijüdischen Einstellungen in der muslimischen Mehrheitsbevölkerung zu. Außerdem kamen durch die Präsenz der europäischen Mächte zunehmend die gerade im Europa des 19. Jahrhunderts virulenten antisemitischen Motive langsam in den Nahen Osten. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der Damaskus-Affäre von 1840. Ein Kapuzinermönch aus Sardinien und sein muslimischer Diener waren spurlos verschwunden. Der französische Generalkonsul in Damaskus beschuldigte darauf die jüdische Bevölkerung, die beiden entführt und für rituelle Zwecke ermordet zu haben. Dieser nahöstliche Vorläufer der Dreyfus-Affäre war das erste moderne antisemitische Medienereignis in der arabisch-muslimischen Welt und diente gleichzeitig als Anlass für Schauergeschichten über angebliche »barbarische« Folterungen von »zivilisierten« Europäern im Orient. Die französische (aber auch die deutsche) Presse behandelte den Fall ausgiebig und nutzte ihn für Attacken auf Juden in Frankreich und Syrien.[23] Nach Nirenberg war der Ursprung des Eindringens moderner antisemitischer Stereotype in die islamische Welt eine Folge der kolonialen Technik der Ausspielung einer Minderheit gegen eine andere. So wiegelte die Kolonialmacht Frankreich die syrischen Christen gegen die syrischen Juden, die angeblich Agenten der Briten waren, auf. Die gleichen europäischen Kolonialregime, die den Juden einerseits Schutz versprachen, produzierten andererseits eine antisemitische Rhetorik und verbreiteten sie im arabisch-muslimischen Diskurs. Berichte über die Dreyfus-Affäre und den folgenden antisemitischen Schauprozess wurden in Form von Flugblättern auf Arabisch in der gesamten muslimischen Welt des Nahen Ostens verteilt.[24] Die Antisemitismusforscher Klaus Holz und Thomas Haury argumentieren von der entgegengesetzten Perspektive. Sie stellen heraus, dass es sich nicht in erster Linie um einen Export des modernen Antisemitismus von europäischer Seite, sondern auch um einen aktiven Import von arabischer Seite handelte. Sie sprechen damit der arabischen Seite eine klare agency in der Übernahme des Antisemitismus zu.[25] Durch den Bedarf an neuen Selbstbildern in der arabischen Welt, habe die Suche nach geeigneten Feindbildern und Welterklärungen für die eigene Lage im kolonialen Kontext zur Aneignung dieser »genuin moderne[n] Weltanschauung mit antimoderner Stoßrichtung« geführt.[26]

NS-Propaganda und radikaler Islam

Die eigentliche Zäsur im muslimisch-jüdischen Zusammenleben im Nahen Osten war allerdings erst die Balfour-Erklärung vom 2. November 1917, in der Großbritannien eine Garantie für eine jüdische Heimstatt in Palästina abgab. Den bereits 1915 gegebenen britischen Versprechungen bezüglich einer arabischen Selbstbestimmung (Hussein-McMahon-Korrespondenz) waren hingegen keine Maßnahmen gefolgt. In der Folge sahen viele Muslime die zionistischen Siedler aus Europa erneut als westliche Kolonisatoren und fanden schließlich auch bei führenden Vertretern des Nationalsozialismus in Deutschland Unterstützung.[27] An der Entwicklung des libanesischen Autors und muslimischen Intellektuellen Rashid Rida ist dies exemplarisch nachvollziehbar. So argumentierte Rida noch während der Dreyfuss-Affäre pro-jüdisch, änderte seine Meinung aber ab 1930 fundamental, nachdem er den zusehends erstarkenden Zionismus als Gefahr wahrnahm und begann, die Schlüsseltexte des europäischen Antisemitismus wie die »Protokolle der Weisen von Zion« aufzugreifen.[28] Nach Holz/Haury liege hier der »Geburtsfehler« des muslimischen Antisemitismus:[29] Der Kampf gegen die Kolonialmächte und die zunehmende zionistische Einwanderung wurde religiös-fundamentalistisch aufgeladen und verband sich mit dem europäischen Antisemitismus. Laut dem Historiker Omar Kamil sei der »arabische Antisemitismus« deshalb als in der muslimischen Tradition »historisch wurzellos« anzusehen.[30] Er erfülle eine »(anti)koloniale Funktion in den Modernisierungsprozessen des Nahen Ostens«.[31] Damit übernahm er aus einer akuten politischen Krisensituation heraus die Ausdrucksformen des europäischen Antisemitismus mit seiner christlich-antijüdischen Tradition, ohne sich mit dieser auseinandergesetzt zu haben.

Abb. 1 und 2: Wandgemälde im Foyer des Yasser-Arafat-Museums in Ramallah. (Fotos: Philipp Henning)
Abb. 1 und 2: Wandgemälde im Foyer des Yasser-Arafat-Museums in Ramallah. (Fotos: Philipp Henning)
Abb. 1 und 2:

Wandgemälde im Foyer des Yasser-Arafat-Museums in Ramallah. (Fotos: Philipp Henning)

Ein Schüler Ridas war in den 1920er und 1930er Jahren der Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini. Husseini hatte 1914 in Istanbul an einer osmanischen Militärakademie studiert. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er in die Osmanische Armee einberufen und diente bis 1916 als Artillerieoffizier.[32] Inwiefern sein glühender Antisemitismus in seiner Zeit in osmanischer Ausbildung und im Militärdienst geprägt wurde, ist nicht nachweisbar. Husseini avancierte zum Anführer der arabischen Aufstände gegen die britische Mandatsherrschaft und die zunehmende jüdische Einwanderung nach Palästina, die durch die Machterlangung der Nationalsozialisten in Deutschland verstärkt wurde. Das NS-Regime baute mit Kriegsbeginn seine Bemühungen um Partner in der arabischen Welt aus und richtete im April 1939 einen arabischsprachigen Rundfunksender ein. Das faschistische Italien hatte dies mit Radio Bari bereits 1934 getan. Da der Islam nach Überzeugung der NS-Propaganda »nach Ursprung und Wesen eine politische Religion« war,[33] stellte er einen zentralen Bezugspunkt in den arabischsprachigen Rundfunksendungen dar. Dies äußerte sich durch die Rezitation von Koranstellen, die Nutzung religiösen Vokabulars oder die Anrede der Zuhörerschaft als Muslime. Die Sendungen konzentrierten sich auf eine Auswahl von (politisch nutzbarer) religiöser Terminologie, Parolen und Rhetorik.[34] Durch eine »selektive Aneignung und Interpretation« des Islam sollte ein »kultureller Zugangspunkt« geschaffen werden, über den die eigenen ideologischen und politischen Inhalte dem arabischen Publikum übermittelt werden konnten.[35] So verknüpfte die deutsche Propaganda den Islam mit modernen antisemitischen Mythen und exportierte damit Judenhass europäischer Prägung in die arabische Welt. Die Orientalisten des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in der Forschungsstelle für den Orient der Universität Tübingen (Amt VI C13) kooperierten dabei mit dem Amt III C4 für den Rundfunk. Sie entdeckten die besonders bei Schiiten verbreitete Vorstellung bezüglich der Rückkehr des Propheten (Mahdi), welche sich auf Hitler projiziert ließ. Das RSHA fand heraus, dass in allen islamischen Eschatologien der Glaube an einen Mahdi im Vordergrund stand. Dieser sollte am Jüngsten Tag den Gläubigen zur Gerechtigkeit verhelfen und den König der Juden besiegen.[36]

Auch der als Farhud bekannt gewordene Pogrom an den Juden von Bagdad am 1./2. Juni 1941 muss im Kontext dieser antisemitischen Aufwiegelungen verstanden werden. Laut dem Historiker Dan Diner wird die Bedeutung dieses Ereignisses noch immer nicht ausreichend anerkannt. Es sei als Wendepunkt zu sehen, nach dem das Sicherheitsgefühl von Juden, die in mehrheitlich muslimischer Umgebung lebten, erschüttert war.[37]

Als Gallionsfigur der Rundfunkpropaganda nutzte das NS-Regime den Mufti von Jerusalem, wodurch er in der arabischen Welt noch größere Bekanntheit erlangte. Husseini ist in der palästinensischen Erinnerungskultur noch immer von zentraler Bedeutung. So wird er etwa im Yasser-Arafat-Museum in Ramallah als Anführer des Widerstandes gegen die Mandatsmacht und den Zionismus verehrt und nimmt dort seinen Platz auf einem großen Wandgemälde neben Arafat ein, mit dem er im Übrigen auch verwandt war. Auf mehreren Schautafeln wird Husseini als ehrbarer Geistlicher und Kämpfer für die palästinensische Sache dargestellt. Über seine Kollaboration mit dem Nationalsozialismus in der Propaganda oder seiner Verehrung für Adolf Hitler wird jedoch kein Wort verloren.[38]

Abb. 3: Plakat »Die Allianz. Welttreffen der Islamisten und Nazis«. (Moustafa Ayad, Islamogram. Salafism and Alt-Right Online Subcultures, Institute for Strategic Dialogue [ISD], London 2021, S. 36, Figure 54.)
Abb. 3:

Plakat »Die Allianz. Welttreffen der Islamisten und Nazis«. (Moustafa Ayad, Islamogram. Salafism and Alt-Right Online Subcultures, Institute for Strategic Dialogue [ISD], London 2021, S. 36, Figure 54.)

Die Allianz zwischen dem Mufti und dem NS-Regime wird auch heute noch von Onlineaktivisten der Alt-Right-Szene und sogenannten »Islamogrammern« heraufbeschworen, um einen gemeinsamen Kampf gegen die Liberalisierung der Gesellschaft und Multikulturalität zu forcieren.[39]

Verschmelzung der Antisemitismen nach 1945

Nach 1945 wechselte die arabisch-islamische Zuschreibung über die Juden zunächst zu einer angeblichen »imperialistischen Agententätigkeit« für die Sowjetunion und dann ab Ende der 1960er Jahre für die USA. Im Kontext des Kalten Krieges war die arabisch-islamische Welt stark vom stalinistischen Antisemitismus in der Sowjetunion, ausgelöst durch die sogenannte »Ärzteverschwörung« von 1953, beeinflusst.[40] Der von einer Allianz arabischer Staaten begonnene Israelische Unabhängigkeitskrieg (1947–49), die Staatsgründung Israels (1948) und die Flucht und Vertreibung von ca. 700 000 Araber aus dem ehemals britischen Mandatsgebiet Palästina, der sogenannten nakba (»Katastrophe«), leiteten die bis heute dominanten Narrative des Nahostkonflikts ein. Besonders einflussreich war die 1950 vom Ideologen der Muslimbruderschaft Sayyed Qutb veröffentlichte Schrift »Unser Kampf mit den Juden«.[41] Darin erfuhr die Verbindung von europäischen Antisemitismen und antijüdischen Passagen in islamischen Schriften eine erste theoretische Manifestation, die nun nicht mehr direkt von europäischer Propaganda beeinflusst war, sondern autonom von arabisch-islamistischer Seite ausging. Die verbreitete Ansicht, der Antisemitismus in den Gesellschaften des Nahen Osten sei allein eine Folgeerscheinung des Israel-Palästina-Konflikts, greift, wie aufgezeigt wurde, viel zu kurz. Wie u. a. die Kognitionswissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel nachwies, ist die These, der Nahostkonflikt sei die primäre Ursache für muslimischen Antisemitismus, nicht haltbar. Vielmehr ist er ein vielschichtiges Zerrbild, dessen Dekonstruktion sich als sehr komplex erweist.[42]

In der jüngeren Vergangenheit ist seit der Al-Aqsa Intifada im Jahr 2000 ein Anstieg antisemitischer Aufwiegelung in den Medien islamisch geprägter Gesellschaften des Nahen Ostens und der Türkei festzustellen. In der Folge ist durch eine verstärkte Migration nach Europa ein Re-Import-Phänomen in Europa zu beobachten.[43] Antisemitische Mythen können aus ihrem ursprünglichen kulturellen und religiösen Kontext herausgelöst werden und um Feindbilder beliebiger anderer Kulturen erweitert werden. Der moderne Antisemitismus besteht somit aus »flexiblen Codes«,[44] die eine sehr hohe Anschlussfähigkeit bieten. Codes können in bildlichen Darstellungen, Sprachbildern, Symbolen, Tonsignale oder Zahlenfolgen ausgedrückt werden. Sie sind kondensierte Kommunikationsmuster, die nur innerhalb einer bestimmten Gruppe durch ein vorhandenes geteiltes Vorwissen verstanden werden und dadurch für Außenstehende nicht ohne weiteres zu entziffern sind. Ein komplexer Inhalt wird somit mittels eines Codes in komprimierter Form kommuniziert. Im Laufe der Zeit kann auch eine Umkodierung/Resignifikation stattfinden. Der moderne Antisemitismus sei, so der Islamwissenschaftler Michael Kiefer, eine generelle Anklage gegen die moderne Gesellschaft, die Globalisierung, den Kapitalismus und – sofern es die islamische Welt betrifft – den Westen.[45]

Für den Antisemitismusforscher Klaus Holz ist es die antimoderne Sehnsucht nach überschaubaren Zugehörigkeitsentitäten – im muslimischen Fall ist dies die umma, die Gemeinschaft aller Muslime – die dem »Modernen«, »Westlichen« und »Jüdischen« entgegengesetzt wird.[46] Juden für ein Auseinanderdriftende traditioneller Gemeinschaft verantwortlich zu machen, dient der Reduktion von Komplexität und unterscheidet sich in diesem Punkt nicht vom radikalisierten Konservatismus der Neuen Rechten in Europa.[47]

Bis zur arabischen Niederlage im Sechstagekrieg 1967 war der Antisemitismus hauptsächlich ein Kampfmittel des panarabischen Nationalismus. In der Folge der erneuten Niederlage gegen Israel wurde dieser zunehmend von der Ideologie des Islamismus verdrängt, die sich nun ebenfalls mit dem Antisemitismus verband. Das Jahr 1979 sorgte für eine weitere Verstärkung dieser Entwicklung. Der Friedensvertrag von Camp David aus dem Vorjahr war ein Schock für die islamistischen Kräfte und die Iranische Revolution, die das israelfreundliche Schah-Regime gegen die Herrschaft Ajatollah Khomeinis austauschte, sah in Israel das Feindbild. Durch den Siegeszug islamistischer Gruppierungen und Regime begannen vermehrt gezielte Bemühungen, um eine Rückbindung der Antisemitismen an das koranische Judenbild nachträglich zu konstruieren.[48] Dies war spätestens Ende der 1980er Jahre abgeschlossen. Als prominentestes Beispiel dafür kann die Hamas Charta von 1988 mit ihrer gleichzeitigen Verwendung von antijüdischen Zitaten aus islamischen Quellen (Artikel 7, 22) und der direkten Anlehnung an die »Protokollen der Weisen von Zion« (Artikel 22) als prominentestes Beispiel gesehen werden.[49] Die »Protokolle« waren bereits 1926 von christlichen Würdenträgern in Kairo und Beirut ins Arabische übersetzt worden waren. Die Niederlagen der arabischen Staaten gegen Israel wurden nun mit einer jüdischen Weltverschwörung erklärt. Seitdem ist die sukzessive Verbreitung eines islamistisch übertünchten Antisemitismus zu erkennen. Die Juden erschienen nun als Gruppe, die den Islam schon seit seiner Gründung bedroht hätte. Die Koransuren, die den Konflikt des Propheten mit den in Medina ansässigen jüdischen Stämmen thematisieren, dienten nun als Beleg – auch für die Mythen des europäischen Antisemitismus. Islamistische Schriftgelehrte schreckten nicht davor zurück, den Koran mit Hitlers »Mein Kampf« in Verbindung zu setzen und darin eine Bestätigung der koranischen Berichte über die Verderbtheit der Juden auszumachen.[50] Dasselbe war zuvor bereits in der NS-Rundfunkpropaganda und durch den Mufti von Jerusalem geschehen. Der Verweis auf islamische Quellen stellte dabei nur eine oberflächliche Überformung bestehender Feindbilder dar. Kiefer nennt das Phänomen deshalb »islamisierten Antisemitismus«.[51] Und auch Yehuda Bauer betont, dass es sich um einen radikal-islamischen oder islamistischen Antisemitismus handelt.[52] Der Islamismus adaptierte den modernen europäischen Antisemitismus. »Demnach«, so der Politikwissenschaftler David Ranan, »beruht die Sicht der Islamisten nicht auf muslimischen Lehren, auf dem Koran oder anderen heiligen Schriften, sondern auf einer europäischen antimodernistischen Idee.«[53] Klar als muslimisch zu erkennende Codes sind schwer auszumachen, da sich die Antisemitismen globalisiert und angeglichen haben.[54] Ein Zitat aus dem Koran allein genügt nicht, um einen uralten islamischen Judenhass herzuleiten. Gleichwohl sind es einzelne Koranstellen, die für die religiöse Legitimierung eines Antisemitismus unter Muslimen herangezogen werden. Allerdings aus heutiger und nicht aus der ursprünglichen Perspektive heraus.

Muslimische Codes des Antisemitismus

Doch auf welche Grundlagen stützen sich die muslimischen Codes des Antisemitismus? Insbesondere zwei Motive aus der koranischen antijüdischen Idiomatik werden häufig verwendet: Die Gleichsetzung von Juden mit Affen und Schweine sowie die Bezichtigung der Kriegstreiberei im Koran und eine endzeitliche Überlieferung aus den Hadithen, der Überlieferung der Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed.[55] So heißt es unter anderem in Sure 5:60:

Sag: Soll ich euch kundtun, was als Belohnung bei Allah (noch) schlechter ist? – Diejenigen, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen und Schweine gemacht hat und die falschen Göttern dienen. Diese befinden sich in einer (noch) schlechteren Lage und sind (noch) weiter vom rechten Weg abgeirrt.

Bei einer palästinensischen Demonstration in Damaskus im Mai 2002 wurden der US-Präsident George W. Bush und der israelische Premier Ariel Sharon als Affen dargestellt. Hierbei war sowohl der koranische Code (Affe) als auch der aus dem europäischen Antisemitismus stammende Weltverschwörungsgedanke (Israel steuert die USA) klar zu erkennen.

Zum anderen heißt es in Sure 5:64 in Bezug auf die Opposition jüdischer Stämme gegen Mohammed: »Jedes Mal, wenn sie ein Feuer zum Krieg anzünden, löscht Allah es aus. Und sie bemühen sich, auf der Erde Unheil zu stiften. Aber Allah liebt nicht die Unheilstifter.« Neben etwa Hassan Nasrallah, dem Generalsekretär der Hisbollah, der in einer Rede 1998 Juden als »Nachkommen von Affen, Schweinen und anderen Tieren« bezeichnete,[56] war es im vergangenen Jahrzehnt besonders Mohammed Mursi, von 2011 bis 2013 Präsident Ägyptens und Muslimbruder, der für eine prominente Wiederbelebung dieser Koranstellen sorgte. So sagte er 2010: »Dies ist, was diese Besatzer Palästinas können – diese Blutsauger, die die Palästinenser angreifen, diese Kriegstreiber, diese Nachkommen von Affen und Schweinen.«[57] Auch hier ist die Mischung aus typisch europäischem Antisemitismus (»Blutsauger«), koranischem Antijudaismus (»Kriegstreiber« und »Affen und Schweine«-Vergleich) und dem seit 1948 entstandenen antiisraelischen Vorwurf der Kolonisierung (»Besatzer Palästinas«) in nur einem Satz komprimiert. Beispiele für diese Codes finden sich zahlreich bei antiisraelischen Demonstrationen und in Karikaturen.

Abb. 4: Palästinensische Demonstration in Damaskus 2002. (Foto: Khaled Al Hariri, REUTERS/Alamy Stock Photo), Image ID 2D4372G.
Abb. 4:

Palästinensische Demonstration in Damaskus 2002. (Foto: Khaled Al Hariri, REUTERS/Alamy Stock Photo), Image ID 2D4372G.

Ägypten stellte hier einen besonders interessanten Fall dar. Seit Gamal Abdel Nasser war der Antisemitismus in den Regierungsmedien Ägyptens ein fester Bestandteil zur Stärkung eines ägyptischen Nationalismus.[58] Präsident Husni Mubarak änderte dies jedoch. Nach dem 11. September 2001 ließ er die Richtlinien der regierungsnahen Medien ändern und bewirkte dadurch ein deutliches Nachlassen antisemitischer Meldungen und Holocaustleugnungen in ägyptischen Medien. Auch wenn diese Maßnahmen nicht aus Überzeugung implementiert wurden, sondern auf die Verbesserung der Beziehungen zu den USA abzielten, welche den Kampf gegen den Terrorismus und Antiamerikanismus mit dem Kampf gegen Antisemitismus verknüpften, zeigte das Mursi-Zitat doch, welchen Einfluss die (staatliche) Propaganda gegen Juden in arabischen Staaten bis in die Gegenwart hat.[59] Bekanntestes als antisemitisch verwendetes islamisches Zitat ist jedoch eine Stelle aus dem Buch der Heimsuchungen als Teil der Hadithe. Dort heißt es:

Die Stunde wird nicht schlagen, bis die Muslime die Juden bekämpfen und töten, sodass die Juden sich hinter Steinen und Bäume verstecken. Die Steine oder Bäume sagen jedoch: O, Muslim! O, Diener Gottes, ein Jude versteckt sich hinter mir. Komm und töte ihn! Nur al-Gharqad nicht; denn er ist ein Baum der Juden.[60]

Dieses Zitat reicht am nächsten an einen Erlösungsantisemitismus nach der Definition des Historikers Saul Friedländer heran.[61] Der Kampf gegen das Judentum in seiner Gesamtheit bekommt hier heilsgeschichtliche Bedeutung als Vorbereitungshandlung für den Jüngsten Tag. So ist es naheliegend, dass dieser Ausspruch in der NS-Propagandaschrift »Islam – Judentum. Aufruf des Großmuftis an die islamische Welt im Jahre 1937« und im Artikel 7 der Hamas-Charta von 1988 zitiert wird.[62] Am 9. Januar 2012 hielt Muhammad Ahmad Hussein, der Mufti von Jerusalem und Palästina, anlässlich des 47. Jahrestages der Gründung der Fatah in Ramallah eine Rede. Er zitierte dabei diese Stelle aus dem Hadith, was dazu führte, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ihn mit seinem Amtsvorgänger Amin al-Husseini verglich.[63]

In der islamischen Historiografie sind die Feldzüge des Propheten Mohammed durch den Geschichtsschreiber al-Wāqidī in seinem Kitāb al-Maghāzī (Das Buch der Feldzüge) dargestellt. Darin wird der »Der Zug nach Chaibar« beschrieben, ein Feldzug Mohammeds gegen die von Juden bewohnte Oase Chaibar im Frühjahr 628, bei dem die Juden, die sich gegen die Expansion Mohammeds stellten, vertrieben wurden. Diese Erzählung findet sich ebenfalls in »Islam – Judentum«.[64] Auf einer Demonstration in Wien im Frühjahr 2021 wurde ein Video gezeigt, in dem der Slogan »Chaibar, Chaibar, oh ihr Juden, Mohammeds Heer kommt bald wieder« zu hören ist.[65] Jedoch muss klargestellt werden, dass der Koran und andere islamische Quellen insgesamt eine untergeordnete Rolle in der antijüdischen Argumentation und Haltung unter Muslimen spielen.[66] In der Gegenwart sind es vor allem die traditionellen Verschwörungsnarrative europäischer Provenienz – namentlich die »Weltverschwörung« und die Kontrolle der internationalen Finanzmärkte (»Rothschilds«), Freimaurerei, der Ritualmord-Mythos in der Variante des Kindermords oder der Brunnenvergifter-Legende. So sorgte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei seiner Rede vor dem Europäischen Parlament für einen Eklat, als er Israel vorwarf, die Wasserversorgung im Gazastreifen zu vergiften.[67] Bereits in den 1950er Jahren wurde der Staat Israel als Krake dargestellt, der sich um Palästina schlingt.

Abb. 5: Buchcover mit dem Titel »besetztes Palästina« (filastin al-muhtalla), 1952. (http://www.midafternoonmap.com/2015/04/arab-maps-of-palestine-during-lost.html)
Abb. 5:

Buchcover mit dem Titel »besetztes Palästina« (filastin al-muhtalla), 1952. (http://www.midafternoonmap.com/2015/04/arab-maps-of-palestine-during-lost.html)

Abb. 6: Cover der ägyptischen Zeitschrift salam fi al dschaisch (Friede in der Armee) am Vorabend des »Sechstagekrieges« 1967.
Abb. 6:

Cover der ägyptischen Zeitschrift salam fi al dschaisch (Friede in der Armee) am Vorabend des »Sechstagekrieges« 1967.

In zeitgenössischer islamischer Auslegung wird für die Apokalypse in der Literatur prophezeit: »Jerusalem ist arabisch-muslimisch und ganz Palästina vom Fluss bis zum Meer ist arabisch-muslimisch. Es gibt dort keinen Platz für diejenigen, welche vom Frieden und von der Herrschaft des Islam abweichen.«[68] Auf diese Passage beziehen sich der Slogan »Vom Fluss bis ans Meer« und der Schlachtruf »Treibt die Juden ins Meer«, die im Kontext des Sechstagekrieges 1967 – etwa in der ägyptischen Zeitschrift Salam fi al-dschaisch – Verbreitung fanden und auch in der Gegenwart noch genutzt werden.

Durch den Israel-Palästina-Konflikt entstand eine islamisch gefärbte Amalgamierung des europäischen Antisemitismus. Zwar enthalten der Koran und die Hadithe die genannten antijüdischen Passagen, diese reichen aber bei weitem nicht aus, um von einem umfassenden, genuin aus der islamischen Tradition kommenden muslimischen Antisemitismus zu sprechen. In ähnlicher Weise nutzte die nationalsozialistische Propaganda in Deutschland auch Zitate aus dem Neuen Testament, um fromme Christen vom NS-Antisemitismus zu überzeugen. Dabei wurden in beiden Fällen losgelöste Zitate ohne historische Kontextualisierung genommen, um politischen Zwecken der jeweiligen Gegenwart zu dienen. Zuvorderst sei hier die Stelle »Der Vater der Juden ist der Teufel.« aus dem Johannes-Evangelium (8,44) genannt, die an vielen Ortseinfahrten oder auch an Stürmerkästen, den Schaukästen für das Hetzblatt »Der Stürmer«, angebracht war.

Abb. 7: »From the River to the Sea Palestine will be free.« (https://palestinianfreedomsyndicate.wordpress.com/page/3/)
Abb. 7:

»From the River to the Sea Palestine will be free.« (https://palestinianfreedomsyndicate.wordpress.com/page/3/)

Zusammenhanglose Zitate aus heiligen Schriften sind ohne ihren theologischen Kontext immer eine politische Instrumentalisierung. Damit ist die Bezeichnung »islamischer Antisemitismus« auch vor innereuropäischen Debatten der Schuldabwehr und der Migrationsdebatte zu sehen. Im Kern ist der Antisemitismus unter Muslimen derselbe wie der in Europa beheimatete. So wie Rechts- und Linksextreme leicht unterschiedliche Codes des Antisemitismus verwenden, gibt es auch eine muslimische Variante. Wie Ranan zeigte, ist in den europäischen Gesellschaften der Gegenwart eine Identifikation mit dem Nahostkonflikt gerade bei vielen jungen Muslimen präsent. Auch sie fühlen sich in Europa als unterdrückte Minderheit und vergleichen dies mit der Situation der Palästinenser.[69] Dina Porat, leitende Historikerin in Yad Vashem, sieht in der radikalislamischen Propaganda den Versuch, Antizionismus und Antisemitismus bewusst zu verwischen, um Kritik am Zionismus und am Antisemitismus nach europäischer Tradition nicht mehr unterscheidbar zu machen.[70] Für die Historiker Bashir Bashir und Amos Goldberg dienen sowohl der Holocaust als auch die nakba als vorherrschende nationale Narrative, die einander ausschließende Identitäten innerhalb der beiden Gruppen festigen. Beide Gruppen sähen ihre eigene Katastrophe als einzigartiges Ereignis und strebten danach, die Katastrophe der anderen Gruppe abzuwerten oder sie sogar zu leugnen.[71] Die Verknüpfung oder Gleichsetzung der nakba mit dem Holocaust ist im gegenwärtigen muslimischen Antisemitismus eine zentrale Komponente und dient zuvorderst der Provokation und Generierung von Aufmerksamkeit. Zuletzt war dies beim Besuch von Mahmud Abbas im August 2022 im Berliner Bundeskanzleramt und dem damit verbundenen Eklat zu beobachten.[72] Besonders in Karikaturen – etwa denen der palästinensischen Organisation BADIL – wird die Gleichsetzung von nakba und Holocaust betrieben. Im Iran gab es 2006 und 2016 sogar einen Wettbewerb für Holocaust Karikaturen.[73]

Abb. 8: »Der Vater der Juden ist der Teufel.« NSDAP Eschenbach, Bayern. (https://collections.ushmm.org/search/catalog/pa1179582)
Abb. 8:

»Der Vater der Juden ist der Teufel.« NSDAP Eschenbach, Bayern. (https://collections.ushmm.org/search/catalog/pa1179582)

Abb. 9: Die eintätowierte Jahreszahl 1948 auf dem Arm einer palästinensischen Frau weckt Assoziationen zur Praxis in nationalsozialistischen Konzentrationslagern die Häftlinge mit tätowierten Nummern zu kennzeichnen. Damit wird eine Gleichsetzung des Holocaust mit der nakba von 1948 insinuiert. Latuff »Nakba«-Karikatur, 2012.(https://latuffcartoons.wordpress.com/tag/nakba/)
Abb. 9:

Die eintätowierte Jahreszahl 1948 auf dem Arm einer palästinensischen Frau weckt Assoziationen zur Praxis in nationalsozialistischen Konzentrationslagern die Häftlinge mit tätowierten Nummern zu kennzeichnen. Damit wird eine Gleichsetzung des Holocaust mit der nakba von 1948 insinuiert. Latuff »Nakba«-Karikatur, 2012.(https://latuffcartoons.wordpress.com/tag/nakba/)

Multiplikator von sublimem Antisemitismus in der Popkultur

Eine der in den letzten Jahren einflussreichsten Jugendkulturen ist der »Gangsta-Rap«. Neben diversen anderen problematischen Punkten geben zahlreiche Musikstücke aus diesem Genre – teils unreflektiert – klar antisemitische Codes wieder. Bestes Beispiel hierfür sind »Armageddon« (2013) und »Apokalypse« (2016) des Interpreten Kollegah. So werden in »Apokalypse«[74] verschiedene islamisierte Codes des Antisemitismus aufgerufen.[75] In dem monumental aufgezogenen und in vier Akte aufgeteilten Musikvideo geht es um eine Welt im Zusammenbruch, die von dunklen Mächten beherrscht wird und deren Schicksal in der letzten Schlacht am Jüngsten Tag entschieden wird. Es schließt mit einer Aussicht auf das nach der Apokalypse und dem Sieg über die Mächte der Bösen erhoffte Paradies. In Akt II, »Die alten Mysterien«, heißt es (Hervorhebungen P.H.):

All jene, die die Geschicke der Welt geschäftsmännisch lenkten

War’n alles letztendlich Menschen vom Blut eines Dämonen

Die ihre Kraft aus ihm schon seit Urzeiten bezogen

Und es geht aus diesen Buchkapiteln auch hervor

Dass man Menschenopfer aus Burgverliesen auserkor

Und Düsternis heraufbeschwor.

So kam es, dass so manch ein Delinquent zum Zweck der Blutmagie sein Haupt verlor.

Mit den typischen antisemitischen Tropen der »Protokolle der Weisen von Zion« (manichäischen Weltdeutung, Weltverschwörung, internationale Finanzwelt [Stichwort »Rothschild«], Ritualmordmythos) wird die Exposition für die folgenden Verknüpfungen mit islamischen Prophezeiungen zum Jüngsten Tag vorgenommen. Weiter heißt es:

Tödliche Dschinn – seit Ewigkeiten durch Magie gestärkt.

Mit jedem Mord, jedem Leid, jedem Krieg genährt.

Die Dschinn tauchen zwar bereits in der vorislamischen arabischen Mythologie als eine Art Dämon auf, doch auch im Koran werden sie häufig erwähnt. Dort sind sie moralisch indifferente Wesen.[76] Die Wurzel des Wortes Dschinn im Arabischen steht für »unsichtbar« oder »versteckt«. Damit fügt sich der Dschinn in das antisemitische Bild des im Verborgenen agierenden Bösen ein, das nach Weltherrschaft strebt. Weiter heißt es:

Auch wenn jetzt kein weiterer Dämon mehr nachkommt

Gleicht ganz Ost-Jerusalem einer enormen Schlachtfront

Die letzte Bastion der Menschheit wehrt sich mit Kämpferherz

Gegen eine endlose Übermacht auf dem Tempelberg.

Mit der Verortung des Szenarios in Ost-Jerusalem wird auf die islamische Überlieferung Bezug genommen, nach der das Jüngste Gerichte zwischen Tempelberg und Ölberg stattfinden wird.[77] Außerdem bedient der Hinweis auf eine »Übermacht auf dem Tempelberg« islamistische Propagandaerzählungen des antiisraelischen Antisemitismus über die angebliche jüdische Besetzung der islamischen Heiligtümer in Jerusalem. Akt III endet mit den Worten: »Der Kampf in Jerusalem geht weiter, doch endlich sterben die Dämonen.« Wer die »Dämonen« sind, wird noch immer nicht explizit gesagt. Der Beginn des vierten Aktes, der mit »Eden« betitelt ist und damit einen klar religiösen Bezug aufweist, gibt darüber aber implizit Aufschluss:

Etliche Jahre sind seit dem Kriegsende vergangen

Die Menschen auf der Erde leben friedfertig zusammen

Man sieht, wie Buddhisten, Muslime und Christen

Gemeinsam die zerstörten Städte wieder errichten.

Im Kontext der »Apokalypse«, die klar zum Fundus der drei abrahamitischen Religionen gehört, fällt das Auftauchen der »Buddhisten« statt der »Juden« auf. Dies legt nahe, dass die Juden nicht mehr existent sind, da sie ja die angebliche große Bedrohung waren, die am Jüngsten Tag besiegt werden musste. Eine Welt ohne diese »Dämonen«, die die Welt ins Unheil stürzten, könne dann friedlich von den anderen Religionen errichtet werden. Die Vorstellung, dass die Verfolgung und Ermordung von Juden Frieden und Gerechtigkeit bringen, entspricht damit genau der Definition des Erlösungsantisemitismus von Friedländer.

Dies ist nur eines der offensichtlichsten Beispiele für islamisierte antisemitische Codes in der Populärkultur. Ob ein Interpret selbst ein antisemitisches Weltbild vertrete oder nur entsprechende Stereotype bediene, um zu provozieren bzw. ohne um sie zu wissen, ist hinsichtlich des Beeinflussungspotenzials der Texte irrelevant.[78] Auch wenn die Codes von den Hörern meist gar nicht entschlüsselt werden können, werden sie doch mit ihnen vertraut gemacht. So werden sie an ein manichäisches Weltbild herangeführt und lernen mit der Zeit, wer mit der verborgenen, dunklen Macht, die angeblich die Welt beherrscht, gemeint ist.

Stetige Entwicklung

Abschließend soll gezeigt werden, wie dynamisch sich die antisemitischen Codes auch an aktuelle Entwicklungen anpassen lassen und wie hitzig die Debatten darum geführt werden. Zum iranischen Neujahrsfest im März 2020 behauptete das religiöse Oberhaupt Irans, Ali Chamenei, die COVID-19-Pandemie wäre auf das Zusammenwirken von bösen Geistern (Dschinn) und Menschen zurückzuführen. Später hieß es auf seiner Website, es gäbe »keinen Zweifel«, dass »Juden und insbesondere Zionisten« eine besondere »Beziehung zum Teufel und zu Geistern« hätten.[79] Im April 2020 verglich Chamenei in einem Tweet schließlich Israel und den Zionismus mit dem Coronavirus.[80] Unter dem Hashtag COVID1948 wurde die Pandemie außerdem mit der nakba in Verbindung gesetzt.[81] Dabei wird das Coronavirus mit der jüdischen Einwanderung und der Staatsgründung Israels verglichen. Wobei die Gleichsetzung von Juden mit einem »Virus«, »Bazillen«, »der Pest«, »Schädlingen« oder »Mikroben« eine weitere typische Trope des europäischen Antisemitismus ist.[82] Außerdem würde Israel das Virus nutzen, um die Weltgemeinschaft abzulenken und die Palästinenser in ihren Forderungen mundtot zu machen.[83]

Schließlich haben die Unruhen auf dem Tempelberg im Frühjahr 2021, die Raketenangriffe der Hamas auf Israel und die israelischen Reaktionen darauf zu einem neuen Aufflammen der Diskussion über Antisemitismus unter Muslimen geführt. Islamistische Gruppierungen wie »Muslim Interaktiv« diffamierten auf Demonstrationen in Deutschland Israel wiederholt als »Kindermörder«.[84] Die Solidaritätsbekundung des österreichischen Bundeskanzleramts, das die israelische Flagge gehisst hatte, wurde zudem vom türkischen Präsidenten Erdogan mit den Worten erwidert: »Der österreichische Staat versucht wohl, die Rechnung für die Juden, die es einem Genozid unterzogen hat, den Muslimen auszustellen.«[85]

Auch der Skandal um die auf der documenta 15 in Kassel ausgestellten Werke von Künstlern aus dem Globalen Süden, denen vorgeworfen wurde sich einer antisemitischen Bildsprache zu bedienen, sind in diesem Kontext zu betrachten.[86] Es handelte sich dabei erneut ausschließlich um antisemitische Darstellungen europäischer Provenienz, die heute aber in muslimisch geprägten Gesellschaften (die betreffenden Künstler kamen u. a. aus Indonesien, den palästinensischen Gebieten, Syrien und Algerien) adaptiert werden.[87] Eine Auseinandersetzung mit den hier vorgestellten historischen Hintergründen fand dabei bedauerlicherweise von Seiten der documenta nicht hinreichend statt. Anhand der in mehreren Stufen gescheiterten Kommunikation zwischen den Perspektiven der documenta-Leitung und des indonesischen Kuratoren-Kollektivs Ruangrupa auf der einen und den Kritikern auf der anderen Seite hat sich gezeigt, wie konfliktreich die Verständigung über dieses Thema im interkulturellen Umfeld ist. Der Genozidforscher A. Dirk Moses konstatierte, »die Begegnung zwischen Ost und West, Nord und Süd« sei »aufgrund gegenseitigen Unverständnisses mit Risiken behaftet«. Er fordert deshalb einen »offenen Dialog«.[88] Dass der Antisemitismus in vielen Gesellschaften des Globalen Südens offensichtlich erst durch die documenta hierzulande richtig wahrgenommen wurde, zeigt aber auch, dass es offenbar zu wenige an einem aufrichtigen gegenseitigen Austausch interessierte Begegnungen gibt. Ansonsten hätte ein solcher Skandal an anderer Stelle schon früher losgetreten werden müssen. Zumal es sich um teilweise über 30 Jahre alte Publikationen handelte.[89] Der Fall und die große mediale Aufregung darum zeigte vor allem, wie groß die Unsicherheit und das Unwissen in Deutschland selbst im Umgang mit Antisemitismus sind. Er lässt erahnen, welche Diskussionen und Auseinandersetzungen über Antisemitismus im Globalen Süden – und dabei vor allem in muslimischen Gesellschaften – sowie dessen Zusammenhang mit dem europäischen Kolonialismus, Faschismus und Nationalsozialismus die Zukunft noch bereithalten wird.

Verantwortung anerkennen

Weder die europäische noch die (arabisch-)islamische Seite kann sich von ihrer Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus freimachen. Dass es der christliche Antijudaismus war, der ab dem Mittelalter auch unter Muslimen Einfluss auszuüben begann und später im 19. Jahrhundert der moderne europäische Antisemitismus, der heute im Antisemitismus unter Muslimen eine eigene Ausformung entwickelte, ist im vorliegenden Artikel dargelegt. Gleichzeitig wurde diese Ideologie von bestimmten Gruppen wie den arabischen Nationalisten und islamistischen Extremisten mit offenen Armen aufgenommen, anstatt sie etwa als koloniale Ideologie aus Europa zu verwerfen. Der Grund für diese Aufnahmebereitschaft lag zunächst an der Situation nach dem Ersten Weltkrieg, in der sich die arabisch-islamische Welt in der postimperialen Konkursmasse des Osmanischen Reiches in Orientierungslosigkeit zurückgelassen sah. Diese politischen Umstände ließen die Übernahme von Versatzstücken des Antisemitismus und die Vermengung mit antijüdischen Traditionen aus den Entstehungsjahren des Islam als nützlich zur Legitimierung und Durchsetzung eigener Ziele – wie dem Streben nach Unabhängigkeit und der Bekämpfung des Zionismus – erscheinen. Der französisch-libanesische Politologe Gilbert Achcar verurteilte jene arabischen Nationalisten, die sich blind den Achsenmächten anschlossen, ohne deren Ideologie zu hinterfragen.[90] Allerdings könne aus dieser Kooperation keine grundsätzliche Nähe zum Faschismus/Nationalsozialismus geschlossen werden.[91] Tendenzen in der Gegenwart, die Auswirkungen der NS-Propaganda als einzige Ursache für den modernen arabischen Antisemitismus zu sehen, nehmen eine verkürzte Perspektive auf die Geschichte ein und lassen die notwendige Einordnung in den historischen Kontext unbeachtet.

Der Antisemitismus muslimischer Zuwanderer im Europa der Gegenwart ist damit nicht der Antisemitismus der anderen. Europa, so die Antisemitismusforscherin Sina Arnold, müsse den Antisemitismus unter Muslimen ebenso als den eigenen anerkennen wie den rechts- und linksextremistischen. Eine Ablehnung der Verantwortung für diesen muslimischen Antisemitismus sei eine Variante der Schuldabwehr und des Abschiebens des Antisemitismus auf Zugewanderte.[92] In seinem Essay »Nur in Deutschland« schrieb Fabian Wolff im Mai 2021 in der Zeit:

Die Schimäre des ›importierten Antisemitismus‹ ist ein willkommener Vorwand, um sublimierten Rassismus auszuleben. Menschen aus Einwandererfamilien gerade aus dem arabischen und afrikanischen Raum und muslimische und muslimisch gelesene Menschen müssen in Deutschland immer erst einmal beweisen, dass sie keine Antisemit*innen sind, und gelten ansonsten als Gefährder*innen.[93]

Es gibt klar antijüdische Codes, die aus der islamischen Tradition heraus entstanden sind. Doch diese sind erst durch den europäischen Einfluss des 19. Jahrhunderts mit seiner Biologisierung auch antisemitisch im modernen Sinn geworden und wären ohne die etablierten europäischen Narrative nicht tragfähig. Europa hat diese Gedankenwelt entwickelt und sie schließlich vorsätzlich an die muslimische Welt weitergegeben. Dies auszublenden und den in muslimischen Gesellschaften verbreiteten Antisemitismus als Beweis eines nicht erfolgten Fortschritts zu sehen, würde die hier skizzierten historischen Entwicklungen ignorieren und einen paternalistischen Blick auf den »Orient« im Geist des Orientalismus des 19. Jahrhundert offenbaren. Gleichzeitig darf die Verwendung antisemitischer Stereotype und Codes im Globalen Süden nicht durch die historischen Hintergründe heruntergespielt werden, da auch dies Ausdruck jenes abwertenden Blicks wäre. Es würde bedeuten, die dortigen Akteure nicht als für ihre eigenen Handlungen verantwortlich anzusehen und sich nicht im Klaren über Herkunft und Aussage der von ihnen verwendeten Antisemitismen zu sein. Das Ziel muss sein, all diese in sich verschachtelten ideologischen Konstruktionen aufzuarbeiten, sich ihnen zu stellen und klar die jeweilige Mitverantwortung für deren Bekämpfung zu übernehmen. Oder, um mit David Nirenberg zu schließen: »Es mag verführerisch sein, heutige Aussprüche als Beispiel eines spezifischen islamischen Antijudaismus zu sehen. Aber wenn wir lange genug innehalten in unserer Empörung, hören wir in diesen Worten ein Echo unserer eigenen europäischen Ideologien.«[94]

Published Online: 2022-11-11
Published in Print: 2022-11-09

© 2022 bei den Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 29.2.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/asch-2022-2018/html
Scroll to top button