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Publicly Available Published by De Gruyter Saur February 6, 2014

Medien- und Informationskompetenz (MIK)

Bericht von der „European Conference on Information Literacy“ in Istanbul

  • Sonja Gust von Loh

    Dr. Sonja Gust-von Loh, B.A., M.A.

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From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung:

Vom 22.–25. Oktober 2013 fand in Istanbul die European Conference on Information Literacy statt. Teilnehmer kamen nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt. Organisatoren dieser Konferenz waren das Department für Informationsmanagement der Hacettepe Universität in Ankara und das Department für Informations- und Kommunikationswissenschaft der Universität Zagreb. Im zentralen Fokus der Konferenz stand die Vermittlung von Informationskompetenz sowohl in Bibliotheken als auch in der Hochschulbildung.

Abstract:

From 22–25 October 2013, the European Conference on Information Literacy took place in Istanbul. Participants arrived not only from Europe but from all over the world. The conference was organized by the Department of Information Management of Hacettepe University of Ankara and by the Department of Information and Communication Science of Zagreb University. The main issue of the conference was the teaching of information literacy in libraries and in Higher education.

1 Einleitung

Vom 22. bis 25.10.2013 fand die erste „European Conference on Information literacy“ in Istanbul statt. Organisiert wurde die Konferenz vom Department für Informationsmanagement der Hacettepe Universität in Ankara und dem Department für Informations- und Kommunikationswissenschaft der Universität Zagreb. Zentrales Thema war die Informationskompetenz im Allgemeinen und wie man diese sinnvoll lehren kann. Insbesondere Universitätsbibliotheken waren mit Vorträgen und Pecha-Kucha-Referaten (20 Folien á 20 Sekunden) zahlreich vertreten. So wurden Vorgehensweisen verschiedener Länder thematisiert, u.a. wurde Informationskompetenzvermittlung bei ibero-amerikanischen und finnischen Universitätsblibliotheken, dänischen Bibliotheken sowie der Stand der Kompetenzen von LIS-Studenten in der Schweiz dargestellt.

2 Zurkowski über die Zukunft der Vermittlung von Informationskompetenz

Mit der Keynote „Towards Universal Information Literacy: The Economic and Social Building Blocks“ von Paul G. Zurkowski gelang es den Organisatoren, einen „Weltstar“ des Szene referieren zu lassen. Zurkowski war derjenige, der den Begriff „information literacy“ das erste Mal benannte. Im Jahr 1974 nutzte er ihn in einem Proposal für die US National Commission on Libraries and Information Science. Zur gleichen Zeit war er Präsident der Information Industry Association. In seinem Vortrag wurde klar, dass er Informationskompetenz nicht zwingend mit dem Bibliothekswesen in Verbindung bringt, sondern sie in einem umfassenderen Kontext ansiedelt. Er lieferte einen Rückblick auf die letzten 40 Jahre und stellte fest, dass Information Literacy einem enormen Wandel in diesem Zeitraum unterworfen war und dieses auch weiterhin noch sein wird. Insbesondere durch technische Entwicklungen jeglicher Art – wie z.B. Entwicklung von Datenbanken, dem Internet und seinen Suchmaschinen etc. – hat sich der Begriff sehr verändert. Auch die Menge der Informationsressourcen hat sich bedeutend vergrößert. Er sprach von einem „goldenen Zeitalter für die Informationskompetenz“ in den nächsten vier Dekaden. Vor allem drei neue Möglichkeiten wird es geben – the emerging global information economy, group information literacy und information code of ethics. Der erste Aspekt steht für die sich ständig ändernden und besser werdenden Systeme, der zweite Aspekt für Gruppenarbeit, die im Zusammenhang mit Informationskompetenz immer wichtiger wird, und der letzte Punkt für die Informationsqualität und -validierung. Wann sollte die Vermittlung von Informationskompetenz ansetzen? In einem Interview mit Jeffrey V. Kelly betonte Zurkowski: „Students can start learning IL through critical thinking at around age seven and that laying the foundation for lifelong learning and creating can begin from conception with proper nutrition, healthy brain stimulus and appropriate loving experiences, all to help create information-literate world citizens.“[1]

3 Bruce über Forschungen zu Informationskompetenz und Banerjee zu MIK

Die zweite Keynote wurde von Christine Susan Bruce gehalten. Die Wissenschaftlerin hat ihren Forschungsschwerpunkt im Bereich Informationskompetenz und Universitätsbildung. Insbesondere Informationskompetenz in Kombination mit Lernen steht bei ihren Forschungsarbeiten im Fokus. In ihrem Vortrag „Information Literacy Research and Practice: An Experiental Perspective“ vermittelte sie dem Auditorium erfahrungsbasierte Perspektiven über Informationskompetenz in Theorie und Praxis.

Indrajit Banerjee war der dritte Keynotespeaker. Er ist Direktor der Abteilung für Information und Kommunikation der UNESCO. Er vermittelte den Zuhörern insbesondere, dass Informationskompetenz ohne Medienkompetenz undenkbar sei und diese beiden Aspekte zwingend zusammengehörten. Aus Information Literacy (IL) würde dann Media and Information Literacy (MIL) werden. Dieser Ansatz ist im Endeffekt nicht neu, aber sehr sinnvoll, da Informationskompetenz meistens auch mit dem Umgang mit Medien – in welcher Form auch immer – einhergeht.

4 Pädagogik, Informationswissenschaft und MIL

Im Panel 3 „Information Literacy: When Research Meets Practice“ wurde der Gedanke der MIL erneut aufgegriffen. Dieses Panel war fest in deutscher Hand. Teilnehmer waren Alexander Botte, Leiter des Informationszentrums Bildung beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Heike vom Orde, Dokumentarin beim Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, und Wolfgang G. Stock, Leiter der Abteilung für Informationswissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Heike vom Orde präsentierte den Anwesenden Schlüsselergebnisse zum Suchverhalten von sogenannten Digital Natives. Erstaunlicherweise lässt sich feststellen, dass diese Gruppe von Kindern und Jugendlichen nicht zwingend über eine bessere Informationskompetenz verfügen als andere Generationen. Sie haben nur eine höhere Affinität zur Informations- und Kommunikationstechnik und häufigeren Zugang zum Web. Bei einer Suche nach geeigneter Information stehen insbesondere Wikipedia und Google im Fokus der jungen Generation.

Alexander Botte berichtete von Aktivitäten, Informationskompetenz in (deutschen) Schulen zu unterrichten. Spannend wurde es, als Botte ankündigte, dass beim nächsten PISA-Test (an dem das DIPF für Deutschland beteiligt ist) auch Aspekte der Informationskompetenz abgefragt werden sollen.

Wolfgang G. Stock vermittelte die Auffassung, dass die Informationskompetenz eine tragende Rolle im Alltag der Informationsgesellschaft spielt. Deswegen forderte er, dass bereits Schulkinder mit deren Wichtigkeit konfrontiert werden. Bereits in der Schule muss Informationskompetenz unterrichtet werden. Denkbar sind hier zwei Ansätze – zum einen kann diese Kompetenz in ein anderes Schulfach integriert werden, zum anderen ist aber auch ein eigenes Schulfach „Informationskompetenz“ denkbar. Er diskutierte ausführlich spezifische Didaktiken, mit denen Informationskompetenz an Schulen, aber auch an Universitäten, vermittelt werden kann. Unterschiedliche Lehr- und Lernansätze wie z.B. Inquiry-based Learning, Team-basiertes Lernen, aber auch Gamification kommen zum Einsatz.

Neben diesen Vorträgen gab es eine abschließende Diskussionsrunde, bei der die Problematik der Informationskompetenz im Kindesalter noch einmal aufgegriffen wurde. In die Diskussion wurde sogar die Vermittlung von MIL an die Allerkleinsten – nämlich die Kindergartenkinder – mit einbezogen. Es kam die Idee auf, dass Informationskompetenz bereits in diesem frühen Stadium wichtig sei. Neben diesem Aspekt wurde auch die Problematik der sozialen Herkunft angesprochen. Es wäre sinnvoll, wissenschaftlich zu analysieren, ob auch Informationskompetenz (wie etwa die PISA-Ergebnisse bzgl. der Schulleistungen) von der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Schichten abhängt.

5 Gamification bei der Vermittlung von MIL

Die Abteilung Informationswissenschaft der Heinrich-Heine-Universität war auf der European Conference on Information Literacy gut vertreten. Kathrin Knautz (Projektleiterin), Lisa Orszullok und Simone Soubusta, die die Studie vorstellte, arbeiten an dem Thema Gamification in der Hochschullehre. Soubusta erläuterte, wie in Düsseldorf „Wissensrepräsentation“ gelehrt wird. Die Besonderheit dieser Lehrveranstaltung ist, dass Studierende mittels einer epischen Story lernen. Hier werden in einem (eigentlich) spielfremden Kontext Spielmechanismen angewendet, und es sind bereits große Erfolge zu verzeichnen – sowohl beim Lernen der Studierenden als auch im Hinblick auf das allgemeine öffentliche Interesse. Der essentielle Ansatz ist es, Studenten an sinnvolle Problemlösungen heranzuführen und einen Überblick über ihre eigenen Fähigkeiten und Wissen zu liefern. Der Vortrag führte nicht nur wissenschaftlich in Probleme der Gamification bei MIL ein, sondern brachte auch einen Ausschnitt aus einer Geschichte. Hier ging es um eine Abenteuerhandlung, in die Stoff über Klassifikationen (NUTS und IPC) eingebunden war. Simone Soubusta überzeugte dabei auch als „Märchenerzählerin“.

Lisa Beutelspacher und Lisa Orszullok nahmen an einer Pecha-Kucha-Session teil. Sie griffen das Thema der Erfassung von MIL bei Kindern und Jugendlichen auf. Sie beschrieben in ihrem sehr anschaulichen Vortrag, über welche Social Media Skills Kinder bzw. Jugendliche im Alter von 12 und 17 Jahren verfügen.[2]

6 Fazit

Insgesamt war die Konferenz gut besucht – und das nicht nur von Interessenten aus Europa, sondern die Teilnehmer kamen aus der ganzen Welt. Leider waren die Sessions mit zwei bis zweieinhalb Stunden und vier bis sechs Vorträgen sehr lang und voll von Informationen. Kürzere Sessions mit weniger Vorträgen wären für den Zuhörer vermutlich ausreichend gewesen, da die Fülle von Informationen in dieser doch recht kurzen Zeit gar nicht sinnvoll erfasst werden konnte. Trotzdem war die Konferenz ein Erfolg, und es wird sicherlich nicht die letzte europäische Konferenz der Informationskompetenz sein. Die nächste Konferenz wird im Oktober 2014 in Dubrovnik stattfinden.

About the author

Sonja Gust von Loh

Dr. Sonja Gust-von Loh, B.A., M.A.

Sonja Gust von Loh:

Published Online: 2014-02-06
Published in Print: 2014-02-28

© 2014 by De Gruyter

Downloaded on 24.2.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/bd-2014-0018/html
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