Skip to content
Publicly Available Published by De Gruyter Saur April 30, 2014

Lebenslanges Lernen und E-Learning in Bibliotheken

Das E-Learning-Projekt der Stadtbibliothek Ludwigsburg

Frank Nachtwey and Alexandra Sterz
From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung:

Das Land Baden-Württemberg fördert im Rahmen des Bündnisses für Lebenslanges Lernen innovative Formen der Weiterbildung und stellt dafür unter anderem eine Lernplattform auf ILIAS-Basis zur Verfügung. Auf deren Grundlage hat die Stadtbibliothek Ludwigsburg eine eigene Lernplattform konzipiert und den individuellen Anforderungen entsprechend angepasst. Seit Mitte Juli 2013 können NutzerInnen mit gültigem Benutzerausweis zeit- und ortsunabhängig auf Sprach-, Wirtschafts- und EDV-Kurse zugreifen. Der Artikel beschreibt die Rahmenbedingungen des Ludwigsburger Projekts und gibt einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen.

Abstract:

As part of the Alliance for Lifelong Learning the state of Baden-Württemberg promotes innovative forms of training and provides, among other things, a virtual learning environment based on ILIAS (German for “Integrated Learning, Information and Work Cooperation System”). On that basis the public library of Ludwigsburg has designed its own learning platform which is adapted to its individual needs. Since mid-July 2013, library users have been able to gain access to language, business and computer courses with a valid library card, regardless of time and location. The article describes the framework of the Ludwigsburg project and gives an insight into its latest developments.

1 Lebenslanges Lernen in der Weiterbildung

Seit Mitte der 1960er Jahre ist die Erwachsenenbildung fester Bestandteil der Weiterbildung in Deutschland. Mit ihr etablierte sich auch der Begriff des Lebenslangen Lernens. Bis heute haben der Begriff und das Konzept Lebenslanges Lernen verschiedene Entwicklungen vollzogen; die Vielzahl der Definitionen in der Fachliteratur zeigt, dass Lebenslanges Lernen auf vielerlei Weise verstanden werden kann. Es lässt sich jedoch festhalten, dass der Begriff des Lebenslangen Lernens sich auf die Ausweitung des Lernens auf die ganze Lebensspanne bezieht und die Forderung nach ständiger Weiterbildung enthält. Je nach Definition hat der Begriff dabei unterschiedliche Ausgangspunkte, Ansprüche und Schwerpunkte.

Lebenslanges Lernen ist in vielen Bereichen, also auch in Bibliotheken, ein aktuelles Thema und gewinnt vor allem deshalb an Bedeutung, weil die Anforderungen an die Gesellschaft, die Politik und den Einzelnen selbst steigen.

1.1 Motive für das Lebenslange Lernen

Wird von Gründen für das Lebenslange Lernen gesprochen, wird oftmals der Wandel zu einer Informations- und Wissensgesellschaft als Argument herangezogen. In dieser Art der Gesellschaft ist „Wissen […] die einzig wichtige Ressource“[1] , Bildung für alle Bevölkerungsschichten steht dabei im Vordergrund und der Zugang zur allgemeinen und beruflichen Bildung soll einfach und demokratisch erfolgen. Ein wichtiger Punkt hierbei ist der Erhalt der Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit. „Der aktuelle wirtschaftliche und technologische Strukturwandel hat zur Folge, dass einmal erworbene Erfahrungen, Wissensbestände und Qualifikationen rascher veralten.“[2] Deshalb ist es nötig, sich auch nach Abschluss der Erstausbildung weiterzubilden und Kompetenzen und Qualifikationen zu erwerben, die sowohl für den Alltag als auch für den Beruf benötigt werden, jedoch einem ständigen Wandel unterliegen und sich immer weiter vermehren. Eine einmalig absolvierte Ausbildung reicht nicht aus, die Herausforderungen des gesamten Berufslebens zu meistern. „Die Informations- und Wissensgesellschaft ist eine Netzwerkgesellschaft, in der Wissen, das in der schnelllebigen Zeit von heute über eine vergleichsweise geringe Halbwertszeit verfügt, permanent und bedarfsgerecht zu jeder Zeit an jedem Ort in vernetzter Form verfügbar sein muss. Ohne Informations- und Kommunikationstechnologien ist lebenslanges Lernen kaum realisierbar, das gilt insbesondere angesichts der zunehmenden Notwendigkeit, verfügbare knappe Zeiten als Lernzeiten zu nutzen.“[3] „Wissen, sowie die Fähigkeit das erworbene Wissen anzuwenden, müssen durch Lernen im Lebenslauf ständig angepasst und erweitert werden.“[4] Dies liegt im Wandel der Arbeitswelt begründet.

Die Globalisierung und der dadurch verstärkte Wettbewerb machen die Strukturen der Arbeitswelt komplexer, häufiger Arbeitsplatzwechsel vor allem für jüngere Generationen ist schon fast eine Selbstverständlichkeit. „Der Prozess der Globalisierung erhöht […] entscheidend den Wettbewerbsdruck zwischen den einzelnen Unternehmen und hat darüber hinaus erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität und Sicherheit der Arbeitsplätze.“[5] Arbeitnehmer müssen sich auf immer neue Herausforderungen in ihrem Beruf oder bei einem Arbeitsplatzwechsel einstellen und den sich ändernden Qualifikationsanforderungen anpassen. Dafür ist es unabdingbar, sich ständig weiterzubilden.

Eine weitere Herausforderung, die nicht nur den Arbeitsmarkt nachhaltig verändert, sondern auch die gesamte Gesellschaft, ist der demografische Wandel. Geringe Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung verändern die Altersstruktur. Auf dem Arbeitsmarkt wächst der Anteil der älteren Arbeitnehmer durch das Ausbleiben junger Nachwuchskräfte und die Heraufsetzung des Rentenalters. „Die entsprechende Herausforderung für Politik und Bildungspraxis besteht derzeit vor allem darin, die älteren Arbeitnehmer durch Weiterbildung im Arbeitsprozess zu halten […].“[6] Dieser Bevölkerungsgruppe der älteren Arbeitnehmer, aber auch der älteren Erwachsenen, die bereits aus dem Beruf ausgeschieden sind, wird meist ein hoher Beteiligungsgrad an Weiterbildung bescheinigt, was laut Schmidt[7] in erheblichem Maße auf Sozialisationsprozesse zurückzuführen sei. Deshalb wird dem Lebenslangen Lernen nicht nur aus ökonomischen Gründen eine große Bedeutung beigemessen, „sondern auch weil es die Teilhabe am sozialen, politischen und kulturellen Leben der Gesellschaft sichere“[8] und „eine Voraussetzung für soziale Integration und […] die kulturelle und politische Partizipation der Älteren“[9] sei.

1.2 E-Learning zur Unterstützung des Lebenslangen Lernens

In diesem Kontext wird das E-Learning (electronic learning), „der Oberbegriff für alle Varianten elektronischer Lehr- und Lernmedien“[10] , als Unterstützung des Lebenslangen Lernens verstanden und bietet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten eine praktische und flexible Erweiterung herkömmlicher Lernsituationen und -konzepte. Während das Lebenslange Lernen bereits seit einigen Jahrzehnten einen festen Bestandteil der Erwachsenenbildung darstellt, „dauerte es noch bis weit in die neunziger Jahre hinein, bis e-Learning als potenziell nützliches neues Lernwerkzeug – gekoppelt an den Grad der Popularisierung der Internetnutzung – auch in breiteren Schichten unserer Gesellschaft wahrgenommen wurde.“[11]Wichtige Merkmale des E-Learnings sind vor allem die Interaktivität, die Flexibilität, die Selbstbestimmung und Selbstorganisation der Lernenden, die Möglichkeit der Personalisierung, Aktualität und die leichte Aktualisierbarkeit sowie die Vielzahl der möglichen Lerntechniken, Lernmethoden und Lehr- und Lernarrangements.

Das Web 2.0 als „Mitmachmedium“ beeinflusst das E-Learning in vielerlei Hinsicht und trägt maßgeblich zur Akzeptanz der E-Learning-Angebote bei: die Lernenden konsumieren nicht nur Inhalte, sie werden selbst aktiv und können eigene Inhalte erstellen und verbreiten. Dazu ist es nicht mehr notwendig, umfangreiche technische Kenntnisse zur Erstellung von E-Learning-Inhalten zu besitzen, denn Web 2.0 Technologien vereinfachen den Einstieg in die Produktion eigener Inhalte. Zudem werden „neue Lernräume und Lernmöglichkeiten […] erschlossen. Die Lernenden gestalten ihre Lernprozesse aktiv und verantwortlich mit.“[12]Die Möglichkeit der Vernetzung und des Austauschs zwischen den Lernenden, wesentliche Merkmale des Web 2.0, wird durch zahlreiche Tools wie Blogs, Foren, Wikis oder Lern-Communities ermöglicht.„Eine gut gemachte E-Learning Plattform bietet größtmögliche Freiheit, Individualisierbarkeit (modulare Strukturen), Collaboration, Verlinkungen zur Stoffvertiefung, Entertainment, Kommunikation, Multimedia und Innovation.“[13] Diese veränderte Art des Nutzungsverhaltens von E-Learning wird oftmals als E-Learning 2.0 bezeichnet.

Schon jetzt zeichnen sich verschiedene Trends ab, wie das E-Learning sich weiterentwickeln kann. Die Möglichkeit des mobilen Lernens wird durch die schnelle Verbreitung mobiler Endgeräte immer wichtiger, Game-based-Learning mittels Serious Games rückt weiter in den Vordergrund, Open-Source- und Open-Access-Angebote werden ebenso wie das gemeinschaftliche Lernen weiter an Bedeutung gewinnen und das sogenannte Microlearning, „das Lernen mithilfe kleiner ‚Wissenshäppchen‘“[14] wird große, umfangreiche Kurse ablösen.

1.3 Bibliotheken als Stütze des Lebenslangen Lernens

Die Gesellschaft und die Politik sehen sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Bibliotheken bieten sich hier verschiedene Möglichkeiten, ihre Wichtigkeit im Bereich der Weiterbildung herauszustellen, denn das Lebenslange Lernen ist ein Thema, das Bibliotheken ganz besonders betrifft. „Bibliotheken sind von ihrer Funktion her bereits als Anlaufpunkte für Lebenslanges Lernen angelegt.“[15] Durch ihre vielseitigen Angebote haben Bibliotheken die idealen Voraussetzungen, allen Menschen den Zugang zu Informationen und digitalen Medien zu ermöglichen. Sie sind Lernorte für die persönliche und individuelle Weiterbildung. Öffentliche Bibliotheken erfüllen heute zahlreiche und vielfältige Aufgaben, um die Weiterbildung zu fördern und zu unterstützen. Sie verstehen sich sowohl als Kultur- wie auch als Bildungseinrichtungen.

Die Themen Lebenslanges Lernen und E-Learning, die besonders den (Weiter)Bildungssektor betreffen, haben Auswirkungen auf Bibliotheken. Sie bieten Bibliotheken die Chance, ihre Aufgaben und Angebote in diesen Bereichen weiter auszubauen und diese in den Fokus des öffentlichen Diskurses zu stellen, um dadurch die breite, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und ihre Position als Bildungs- und Kultureinrichtungen nicht nur im finanziellen Sinn zu stärken. „Öffentlich zugängliche Bibliotheken sind unverzichtbare Kultur- und Bildungseinrichtungen unserer Gesellschaft. Sie sind Wissenszentralen, die sich dem digitalen Wandel anpassen und ihr Angebot auf die Ansprüche ihrer Nutzer abstellen. Diesen öffentlichen Auftrag können sie jedoch nur erfüllen, wenn sie von ihren Trägern eine adäquate Ausstattung erhalten.“[16]

Auch das Thema E-Learning spielt für die Förderung der Weiterbildung durch Bibliotheken eine immer größere Rolle. Was an Hochschulen und Hochschulbibliotheken bereits selbstverständlich ist, trifft inzwischen in verstärktem Maße auch auf Öffentliche Bibliotheken zu: sie stellen ihren Nutzern zeit- und ortsunabhängige E-Learning-Angebote zur Verfügung, damit diese sich in verschiedenen Themenbereichen selbstständig weiterbilden können.

2 Das E-Learning-Projekt der Stadtbibliothek Ludwigsburg

An diesem Punkt setzt das E-Learning-Projekt der Stadtbibliothek Ludwigsburg an. Innerhalb eines Projekts des Landes Baden-Württemberg mit dem Ziel, digitale Medienangebote einer breiten Öffentlichkeit in leicht und niederschwellig zugänglicher Weise zu vermitteln und damit die Teilhabe an innovativen Bildungsmöglichkeiten zu ermöglichen, wurde in der Stadtbibliothek Ludwigsburg eine Online-Lernplattform, auf Basis des Open-Source-Lernmanagementsystems ILIAS[17] , mit verschiedenen E-Learning-Inhalten aufgebaut.

2.1 Unterstützung durch das „Bündnis für Lebenslanges Lernen“

Da für das Land Baden-Württemberg Bildung die zentrale Zukunftsaufgabe darstellt, wurde im Jahr 2009 die Enquetekommission „Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft – berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung“ vom 14. Landtag des Landes Baden-Württemberg eingesetzt. Ziel dieser Kommission „ist es, auf der Grundlage einer systematischen Bestandsaufnahme Handlungsstrategien aufzuzeigen, die geeignet sind, das berufliche Schulwesen, die berufliche Ausbildung und die Weiterbildung zukunftsfähig zu machen“.[18] Dafür wurden Experten aus den betreffenden Gebieten angehört und die daraus resultierenden Erkenntnisse für die Erstellung von Handlungsempfehlungen herangezogen. Diese umfangreichen Handlungsempfehlungen und Vorschläge wurden als Grundlage für zukunftsweisende Veränderungen und Reformen des Bildungswesens im Jahr 2010 im Abschlussbericht der Kommission veröffentlicht. Im Fokus standen dabei vor allem die Bildung in Beruflichen Schulen sowie die Weiterbildung. Um die Empfehlungen der Kommissionumzusetzen, hat die Landesregierung dazu im Jahr 2011 das „Bündnis für Lebenslanges Lernen“ (BLLL) ins Leben gerufen, das vornehmlich mit der Umsetzung der Handlungsempfehlungen im Bereich der Erwachsenenbildung beauftragt ist.Das Bündnis für Lebenslanges Lernen besteht aus zahlreichen Weiterbildungsträgern: rund 40 Verbände, Organisationen und Einzeleinrichtungen aus der allgemeinen, beruflichen und wissenschaftlichen Weiterbildung sowie der betroffenen Ressorts. Erklärte Ziele des Bündnisses für Lebenslanges Lernen sind die Stärkung und Weiterentwicklung vorhandener Weiterbildungsstrukturen in der Erwachsenenbildung sowie die Bedeutungssteigerung von Lebenslangem Lernen in der Landespolitik.

Seit Anfang 2012 beteiligt sich die Stadtbibliothek Ludwigsburg innerhalb der Förderlinie „Konzeptionelle Entwicklung und Erprobung von Modellen zur Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung von Bildungsfernen“ mit dem vom Land geförderten Projekt „Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung durch neue mediale Lernangebote öffentlicher Bibliotheken“ an der Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Kommission und erprobt innerhalb des Bündnis für Lebenslanges Lernen innovative Formen des selbstgesteuerten Lernens.

Mit dem Projekt sollten auch die Chancen von Lernplattformen und ihre Mehrwertfunktionen für die Unterstützung der Lernenden ermittelt und die Projektergebnisse allgemeingültig und praxisorientiert für andere Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden. Die Stadtbibliothek Ludwigsburg übernahm durch dieses Projekt eine Vorreiterrolle, denn bisher gibt es neben der Lernplattform der Bücherhallen Hamburg, die auf der Basis des SITOS-Lernmanagementsystems von bit media beruht, kein vergleichbares Angebot im Bereich der Öffentlichen Bibliotheken.

2.2 Grundlagenarbeit in der ersten Projektphase

In der ersten Projektphase ging es zunächst darum, eine geeignete Online-Lernplattform zu finden. Die Entscheidung für die Open-Source-Software ILIAS wurde u. a. wegen der weiten Verbreitung von ILIAS in Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Hochschulen sowie einer großen Entwicklungscommunity und der vielfältigen und vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten der Plattform getroffen. Ein weiterer Grund war die Förderung des Landes Baden-Württemberg, das die Nutzung dieser Plattform allen Weiterbildungsträgern innerhalb des Bündnisses für Lebenslanges Lernen kostenlos zur Verfügung stellt. Wikis, Foren, Gruppen und Kurse können über die Lernplattform ohne großen Arbeitsaufwand innerhalb kurzer Zeit eingerichtet, mit Weblinks, Dateien, Tests, Umfragen und Übungen angereichert werden. Über das integrierte, intuitiv bedienbare Autorentool können sogar komplexe und umfangreiche Lernmodule – mit Text-, Audio- oder Videobeiträgen – erstellt werden. Eine Erweiterung um zusätzliche Tools ist über sog. Plugins jederzeit möglich. Dadurch konnten u. a. das Online-Konferenz-Tool vitero sowie eine Bildergalerie dem Funktionsumfang hinzugefügt werden. Open-Source-Software erfüllt zudem nicht nur Unabhängigkeit von der Unternehmenspolitik kommerzieller Anbieter, sondern ebenfalls höchste Sicherheitsanforderungen, was die Zertifizierung durch die NATO beweist.

Für den nachhaltigen Einsatz der Plattform mussten technische Anpassungen die Funktionalitäten und das Aussehen betreffend durchgeführt werden. Das Design (techn. „Skins“) der Plattform wurde an die Corporate Identity der Stadtbibliothek angepasst, die umfangreichen Funktionen für eine leichtere Bedienbarkeit reduziert und eine automatisierte Nutzerauthentifikation über den gültigen Bibliotheksausweis wurde implementiert. Die Firma vi-motion, diedie technischen Änderungen durchführte, ist bei diesem Projekt von Beginn an Kooperationspartner der Stadtbibliothek Ludwigsburg und somit an der technischen Weiterentwicklung der Plattform beteiligt.

Nach der Anpassung der Lernplattform an die Bedürfnisse der Bibliothek wurden drei verschiedene E-Learning-Angebote eingebunden, die die Themenbereiche Sprache, Wirtschaft und EDV abdecken (s. Abb. 1). Derzeit sind Sprachkurse von TellMeMore, Wirtschafts- und EDV-Kurse der TEIA AG sowie Videotutorials von video2brain erfolgreich integriert. Um das bestehende Angebot zu verbessern bzw. zu erweitern, finden derzeit weitere Verhandlungen mit verschiedenen Inhalteanbietern statt.

Abb. 1: Übersicht über die Angebote der Stadtbibliothek Ludwigsburg, die auf der neuen Online-Lernplattform zur Auswahl stehen.

Abb. 1:

Übersicht über die Angebote der Stadtbibliothek Ludwigsburg, die auf der neuen Online-Lernplattform zur Auswahl stehen.

Seit Mitte Juli 2013 können Nutzer mit einem gültigen Bibliotheksausweis ohne zusätzliche Kosten die Inhalte auf der Lernplattform nutzen.

Dank eines mächtigen Rollen- und Rechtemanagements von ILIAS ist das Angebot nicht nur auf eine bestimmte Zielgruppe beschränkt. So konnten im Rahmen eines ersten Kooperationsprojekts mit der Volkshochschule Ludwigsburg erfolgreich erste eigene Lerneinheiten für 20 TeilnehmerInnen eines VHS-Integrationskurses (Niveaustufe A2/B1) erstellt und ergänzend zum Kursbuch – im Blended-Learning-Verfahren – auf der Lernplattform zur Verfügung gestellt werden. Die Resonanz der VHS-KursteilnehmerInnen und mittlerweile über 450 angemeldeten BibliotheksnutzerInnen war bislang durchweg positiv und wurde wohlwollend vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport zur Kenntnis genommen.

Baden-Württembergs Staatssekretärin Marion von Wartenberg überraschte bei der Pressekonferenz Mitte Juli 2013 zusätzlich mit der Bekanntgabe, dass dem zweiten Projektantrag der Kooperationspartner Stadtbibliothek Ludwigsburg und vi-motion ebenfalls stattgegeben wurde.

2.3 Ausweitung auf weitere Bibliotheken in der zweiten Projektphase

Die zweite Projektphase, die im Oktober 2013 begann, hat das Ziel, eine nachhaltige, übertragbare und für weitere Bibliotheken sowie Weiterbildungsträger zugängliche Infrastruktur zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, an innovativen und zukunftsfähigen (Weiter)Bildungsmöglichkeiten zu partizipieren. Eines der erklärten Ziele ist es, weitere Bibliotheken sowie weitere E-Learning-Inhalte in die vorhandenen Strukturen einzubinden. Mit den Bibliotheken Bietigheim-Bissingen, Göppingen, Heilbronn, Karlsruhe und Stuttgart konnten Projektpartner gewonnen werden, die auch aktiv an der technischen und inhaltlichen Weiterentwicklung der Plattform mitwirken. Im Rahmen der zweiten Projektphase wurden zusätzlich die Bibliotheksmanagementsysteme von OCLC und datronic eingebunden und erste individuelle Skins für die Bibliotheken umgesetzt. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurden verschiedene Lerninhalte aus den Bereichen Sprache, EDV und Wirtschaft nicht nur aus qualitativer, sondern auch aus preis-, lizenz- und datenschutzrechtlicher Sicht miteinander verglichen. Aufgrund des raschen technologischen Wandels und der stärkeren Verbreitung und Nutzung von mobilen Endgeräten wurden technische Anforderungen an die Mobilfähigkeit der Lerninhalte in der Marktsichtung ebenfalls berücksichtigt.

Nach erfolgreichem Abschluss des Kooperationsprojekts mit der Volkshochschule Ludwigsburg wurden weitere VHS-KursleiterInnen im Umgang mit der Lernplattform geschult und ein zweiter, aufbauender VHS-Integrationskurs (Niveaustufe B2) entwickelt, der seit Mitte Februar 2014 läuft und 20 KursteilnehmerInnen zur Verfügung steht.

Im Bewusstsein, dass ein lokales Marketing – über Flyer, Homepage, lokale Presse, Social Media etc. – jeder einzelnen Bibliothek für ein derart neues und innovatives Projekt zwar unerlässlich, aber zum Erreichen einer großen öffentlichen Aufmerksamkeit wahrscheinlich nicht ausreichend ist, wurde mit der Filmakademie Baden-Württemberg und dem dortigen Studiengang Motion Design ein renommierter und kreativer Partner für die Erstellung und Umsetzung eines globalen Marketingkonzepts gewonnen. Unter dem Motto „Neue Perspektive“ soll der Brückenschlag aus der analogen in die virtuelle Welt geschlagen werden.

Die zweite Projektphase wird voraussichtlich Ende September 2014 abgeschlossen sein. Auf der Suche nach einer nachhaltigen und auf Dauer angelegten Support- und Weiterentwicklungsstruktur laufen derzeit Gespräche mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport.

2.4 Regionales und überregionales Interesse vorhanden

Das E-Learning-Projekt stößt sowohl innerhalb wie auch außerhalb der bibliothekarischen Fachöffentlichkeit und auch außerhalb von Baden-Württemberg auf großes Interesse, Präsentationen auf der LEARNTEC 2014 und der didacta erfreuten sich zahlreichen Zulaufs. Am 18. Juli 2014 findet der erste Fachkongress des Bündnisses für Lebenslanges Lernen im Stuttgarter Haus der Wirtschaft statt, auf dem neben zahlreichen weiteren beteiligten Organisationen auch die Stadtbibliothek Ludwigsburg mit ihrem E-Learning-Projekt vertreten sein wird. Interessierte sind hierzu herzlich eingeladen.

Weitere Informationen zum Projekt bietet folgende Präsentation: http://www.tinyurl.com/online-lernplattform.

Frank Nachtwey:

Alexandra Sterz:

Published Online: 2014-04-30
Published in Print: 2014-05-31

© 2014 by De Gruyter

Scroll Up Arrow