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Publicly Available Published by De Gruyter Saur April 30, 2014

Schulbibliotheken vernetzt – ein Zukunftsmodell?

Simone Vetter
From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung:

Eine Kreisverwaltung in Mittelhessen vernetzt mittlerweile 70 Schul-, kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken und das regionale Medienzentrum miteinander und erreicht damit eine einzigartige, mehrfach ausgezeichnete Qualitätsbasis für die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz für Schüler/innen und Lehrer/innen. Der Aufbau von IT-Infrastruktur und zentralen bibliotheksfachlichen Dienstleistungen, die Unterstützung der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen vor Ort und die vielseitigen und konstruktiv genutzten Kommunikationswege zwischen zentraler Servicestelle und Netzwerkteilnehmern, finanzielle Unterstützung, zentrale Online-Lizenzen und fruchtbringende Kooperationen sind zentrale Aspekte der Arbeit des Fachpersonals der Kreisverwaltung.

Abstract:

One of the district administrations in the middle part of Hesse has set up a network which currently includes 70 libraries – school libraries, combined school and public libraries as well as the regional media centre there. Having won several awards the network stands for a unique basis for teaching media and information skills to pupils and teachers alike. Other aspects of the work done by specialised staff of the district administration in question include: setting up an information technology infrastructure as well as central library services, giving assistance to volunteers, administering the manifold ways of communication between the services centre and its network partners, giving financial support, providing access to centrally licensed databases and establishing profitable cooperations.

1 Wie? Hier gibt‘s kein IMeNS[1] ?

Wenn Lehrer/innen oder Schüler/innen aus dem Lahn-Dill-Kreis in einen anderen Landkreis wechseln, kommt es mit einem irritierten Blick auf ihren IMeNS-Ausweis immer wieder zu dieser Frage.

Denn der Lahn-Dill-Kreis bietet mit seinem Informations- und Mediennetzwerk für Schulen (Kurzform: IMeNS) eine Fülle von Nutzungsmöglichkeiten von Medien und Informationsquellen – beginnend in der Schulbibliothek ihrer Grundschule und altersgerecht wachsend bis zum Abitur oder zur Ausbildung und wer möchte auch darüber hinaus. Dafür wird in der Regel nur ein Ausweis benötigt – der IMeNS-Ausweis.

2 PISA, Internet, Ausbau der Ganztagsschule und 100 Schulen auf dem Land

2004 wechselte ich mit meinem gesammelten Wissens- und Erfahrungsspektrum aus dem HeBIS[2] -Verbund der wissenschaftlichen Bibliotheken und der Stadtbücherei Frankfurt in die Schulabteilung des Lahn-Dill-Kreises und übernahm u. a. den Verantwortungsbereich für die Schulträgerpflichtaufgaben Schulbibliotheken, IT-Service für Schulen und Medienzentrum für damals 97 Schulen in über 100 Standorten auf über 1.000 km2.

Ein wichtiges Ziel war es, vor dem Hintergrund „leerer öffentlicher Kassen“, der schlechten PISA-Ergebnisse, der gesellschaftlichen Forderung nach Medienkompetenz und mit neuen Richtlinien zum Ausbau von ganztägig arbeitenden Schulen sowie der Schulsituation im ländlichen Raum ein sinnvolles Konzept und eine effektive Infrastruktur zu schaffen, um Schulbibliotheken modern und flächendeckend aufzubauen und zu betreuen.

Nach Analyse der internen Ressourcen, entsprechender organisatorischer Vorbereitung und Erhebung der Schulbibliothekssituation im Landkreis wurde im Mai 2004 in direkter Zusammenarbeit mit den Schulen und unter Nutzung von IT-Fördermitteln das IMeNS-Projekt ins Leben gerufen.

Im April 2005 erfolgte die Produktivschaltung des Informations- und Mediennetzwerks IMeNS für acht Pilot-Schulen aller Schulformen quer durch den Landkreis und die beiden Medienzentrumsstandorte in Dillenburg und Wetzlar auf der Basis des von den Kreisgremien beschlossenen Mediothekskonzepts 2004.

3 Zuwachs IMeNS-Zweigstellen

Heute ist die Arbeitsgrundlage das Mediothekskonzept 2008 und der IMeNS-Verbund ist auf 70 aktive Zweigstellen angewachsen, darunter auch drei kombinierte Schul- und Gemeindebibliotheken und eine Stadtbibliothek (s. Abb. 1). Während beim Produktivstart 2005 also 10 % der Schulen im Lahn-Dill-Kreis aktiv im Netzwerk arbeiteten, sind es Ende 2013 gut 70 %. Die Verteilung nach Schulformen stellt sich wie folgt dar: 40 von 62 Grundschulen = 65 %, 5 von 6 Haupt- und Realschulen = 83 %, 2 von 4 Gymnasien = 50 %, 4 von 5 Beruflichen Schulen = 80 % (die 5. ist in Vorbereitung), 4 von 5 Förderschulen = 80 %, 11 von 12 Gesamtschulen 92 %.

Abb. 1: Entwicklung IMeNS-Verbund nach teilnehmenden Zweigstellen.

Abb. 1:

Entwicklung IMeNS-Verbund nach teilnehmenden Zweigstellen.

4 Kunde Schule – Zielorientierung Lernen

Zentrale Zielsetzung des Mediothekskonzepts ist es, schülerbezogen eine altersgerechte Gewinnung von Lese-, Informations- und Medienkompetenz mit Medien aller Art und nur einem Ausweis bestmöglich zu unterstützen. Dabei dient IMeNS als zentrale Plattform[3] zur Vermittlung entsprechender Angebote und Dienstleistungen und ist überdies auch ein wirksamer Baustein im Rahmen der Haushaltskonsolidierung. Hier finden Schüler/innen und Lehrer/innen direkten Zugang zum Bestand ihrer eigenen Schulbibliothek, zu den Unterrichtsmedien des Medienzentrums Lahn-Dill und vielen Online-Quellen zum Lernen und Lehren.

Für die über 200 von der IMeNS-Zentrale betreuten ehrenamtlichen Mediothekshelfer/innen stehen im geschützten Portalbereich eine Vielzahl von Anleitungen und systematischen Hilfen jederzeit abrufbereit zur Verfügung. Telefon-Hotline, kontinuierliche individuelle Vor-Ort-Schulungen und aktive Dienstleistungen wie zentrale Medieneinarbeitung für mehr als die Hälfte der IMeNS-Schulbibliotheken dämpfen dabei das Fluktuationsproblem von Ehrenamtsarbeit ab und helfen ein hohes Niveau schulbibliothekarischer Arbeit zu halten und die kompetente Vermittlung des IMeNS-Angebots zu gewährleisten.

Denn im Vordergrund steht: mit Medien lernen lernen.

5 Neue Medienarten? Kein Problem!

Die IMeNS-Infastruktur ermöglicht es, neue Informationsquellen und Medien schnell, flexibel und mit überschaubarem finanziellen Aufwand allen Nutzer/innen zugänglich zu machen. So können Lehrer/innen und Schüler/innen – und auch immer mehr Bürger/innen – im Lahn-Dill-Kreis mit ihrem IMeNS-Ausweis sowohl physische Medien in den Zweigstellen ausleihen, verlängern und vorbestellen als auch zunehmend auf via Kreis-, Landes- oder Konsortiumslizenz erworbene Online-Medien zugreifen.

Das Besondere dabei ist, dass durch die Kombination der medialen und informatorischen Angebote eines Medienzentrums und dem eines Bibliotheksverbundes ein vielschichtiges und attraktives Gesamtangebot zur Verfügung steht – egal, ob eher eine Freizeit- oder Lernnutzung im Vordergrund steht.

6 Zentraler Service

Medienangebote und IT-Infrastruktur im Bildungskontext sind nur noch schwer zu trennen. Denn für den Lehrer ist es nicht relevant, woher er adäquate Unterrichtsmaterialien erhält und die Schülerin möchte genauso schnell an ihr Lieblingsbuch kommen wie verlässliche Informationen für ihr Referat finden. Schulische Kundenorientierung erfordert ein flexibel verfügbares Medien- und Dienstleistungsangebot, das sich schnell und einfach an den aktuellen pädagogischen Anforderungen, der technischen Entwicklung oder auch politischen Vorgaben und nicht zuletzt auch an den Bedürfnissen und der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ausrichten kann.

Und je mehr das Unterrichten und die Lerninstrumentarien online gehen, desto wichtiger wird das verlässliche Funktionieren einer adäquaten schulischen IT-Ausstattung – von ausreichender Strom- und Netzverkabelung bis hin zu Whiteboards und bald wohl auch Tablets in den Klassenräumen. IT-Ausstattung und -support, Netzverbindungen, Online-Medien und Lernsoftware, aber auch das Know-how und die Akzeptanz von Lehrkräften und Schüler/innen zur entsprechenden pädagogischen bzw. lernorientierten Nutzung sollten ganzheitlich betrachtet und geleistet bzw. unterstützt werden. Daher hat sich der Fachdienst Medienservice mit dem Aufgabenspektrum Schulbibliotheken, IT-Service für Schulen und Medienzentrum Lahn-Dill als zentrale Kompetenzstelle für „alles rund um Medien und IT“ für Schulen respektive für Bildung organisiert.

So zählen zum Aufgabenspektrum:

  1. Zentrale technische und bibliothekarische Betreuung und Steuerung (IMeNS-Zentrale) mit zentraler System- und Netzwerkadministration, Katalogdatenbank, Parametrisierung, System- und Registerpflege der Bibliothekssoftware (Zweigstellensystem) und Datensicherung,

  1. Zentrales Vertragsmanagement, Organisation der Verbundkommunikation, Kooperationsmanagement und Projektarbeit,

  1. Akquirierung von Drittmitteln und Abwicklung von Förderprogrammen,

  1. Fortbildungs- und Veranstaltungsmanagement (schulübergreifend) sowie Informations- und Öffentlichkeitsarbeit,

  1. Mediendistribution Unterrichtsmedien, Online-Zugriffe auf Datenbanken und Online-Medien, Geräte- und Medienverleih an Schulen,

  1. Telefon-Hotline und Ticket-System für alle Service-Bereiche,

  1. IT-Planung und -Beratung der Schulen, IT-Beschaffung für Schulen, IT-Standards für Neubau und Sanierung,

  1. Zentrale Softwareverteilung und Lizenzmanagement für Schulen sowie IT-Support vor Ort, per Telefon oder Fernwartung,

  1. Medienpädagogik und Fachberatung Medienbildung,

  1. Lehrerfortbildungen zur Mediennutzung für Unterricht und Lernen,

  1. Zentrale Medieneinarbeitung für die Hälfte der vernetzten Schulbibliotheken sowie Schulung und Betreuung der Medieneinarbeitung in den Schulen vor Ort,

  1. Bibliotheksfachliche Unterstützung, Vermittlung fachlicher Standards sowie Beratung zur funktionalen Raumausstattung von Schulbibliotheken und Kombi-Bibliotheken,

  1. Arbeitsteilung und strukturierte Vorgehensweise beim IMeNS-Einstieg,

  1. Schulungen, Workshops, Anleitungen zur Bibliotheksarbeit,

  1. Fachliche Fortbildungen und Veranstaltungen wie Klassenführungen zur Gewinnung von „Lese-, Medien- und Informationskompetenz“ sowie Literaturvermittlung,

  1. Hilfen zu Bestandsaufbau und -pflege.

Zum immer wichtiger werdenden zentralen Fortbildungs- und Veranstaltungsangebot zählten in den letzten Jahren insbesondere:

  1. Präsentationen des Informations- und Medienangebots von IMeNS und Medienzentrum in Lehrerkonferenzen sowie ggf. daran anschließende Workshops,

  1. konzeptionell ausgearbeitete und von Mitarbeiter/innen der IMeNS-Zentrale durchgeführte Klasseneinführungen in die Arbeit mit Schulbibliothek und Medien für die Klassen 2 bis 12,

  1. jährlich stattfindende schulübergreifende Autorenlesungen für mehrere 100 Schüler/innen bzw. auch mehrere Klassen pro Veranstaltung bis hin zu Theaterworkshops zur Literaturvermittlung klassischer Stoffe in der Oberstufe sowie

  1. Lehrerfortbildungen rund um den unterrichtlichen Einsatz von Medien inklusive möglicher Gefahrenpotenziale (z. B. Jugendmedienschutz im Internet).

7 Dezentrale Nutzung

Die Schulen bzw. Zweigstellen nutzen die zentralen Serviceangebote dezentral für ihre lokale Medienarbeit in den Schulbibliotheken, im Unterricht und in unterschiedlichsten (Selbst-)Lernszenarien unabhängig von Zeit und Ort.

So kann ein Schüler für sein Referat über die „Globalisierung“ neben dem Bestand seiner Schulbibliothek und den DVDs des Medienzentrums auch via PC, Tablet oder Smartphone z. B.

  1. die Chronik und das Länderarchiv von Munzinger,

  1. School-Scout-Arbeitsblätter und Sachbücher des Onleihe-Verbundes Hessen

  1. und auch Filme und Filmsequenzen der FWU[4] -Mediathek mit dem IMeNS-Ausweis schnell und kostenlos nutzen.

8 Gemeinsame Weiterentwicklung

IMeNS ist ein Netzwerk – technisch, bibliothekarisch, pädagogisch und kommunikativ. Gerade der letzte Aspekt scheint mir in der Rückschau ein ganz wesentlicher zu sein. Wissen und Weiterentwicklung, Effektivität und Effizienz – all diese gerne verwendeten Schlagworte finden meines Erachtens nur durch das Äußern und Zusammenfinden von Ideen, Wünschen, Problemen, gemeinsamer Nutzung gleicher Ressourcen eine konkrete Ausgestaltung. Für uns zeigt sich insbesondere durch zwei fest verankerte Kommunikationstermine der tatsächliche Stand und die wirklich von unseren Bildungskunden gebrauchte künftige Ausrichtung unserer Arbeit: in den mit den Schulen zu ihrer Schulbibliothek, ihrer Medienarbeit und unserem Service jährlich durchgeführten Entwicklungsvereinbarungsgesprächen und in der jährlich stattfindenden IMeNS-Vollversammlung im Austausch mit allen Zweigstellen.

9 IMeNS in Zahlen (Stand 31.12.2013):

Medienbestand physisch (s. Abb. 2):

421.000 Exemplare in der zentralen Katalogdatenbank, davon sind direkt dem schulisch nutzbaren Bereich zuzuordnen:

  1. 221.184 Bestand Schulbibliotheken inklusive Kombi-Bibliotheken = 52 %

  1. 150.186 Bestand Lehrmittel (Schulbücher, Lektüren etc.) = 36 %

  1. 15.896 Bestand Lehrerbibliotheken = 4 %

  1. 19.565 physischer Bestand Medienzentrum (vornehmlich DVDs) = 5 %

  1. 14.169 Sonstige Bestände = 3 %.

Online-Medien:

Zusätzlich stehen den 29.529 IMeNS-Ausweisinhaber/innen zur Verfügung:

Allen Nutzergruppen:

  1. 59.320 eMedien des Onleihe-Verbundes Hessen

  1. 80.755 Artikel des Munzinger-Online-Archivs (zuzüglich der Brockhaus Enzyklopädie online)

Lehrer/innen und Schüler/innen:

  1. 4.400 Unterrichtsfilme, -sequenzen und Arbeitsmaterialien der FWU-Mediathek

Lehrer/innen:

  1. 335 didaktische Online-Gesamtproduktionen (Online-Versionen didaktischer DVDs des Medienzentrums; EDU-Medien-Portal)

  1. 13.345 Filme bzw. Film- und/oder Audiosequenzen für den Unterricht (Schulfernsehen u. ä.; EDU-Medien-Portal)

  1. 2.000 aktuelle Arbeitsblätter und andere Unterrichtsmaterialien mehrerer Schulbuchverlage (Schroedel aktuell)

  1. 101 Themenpakete mit 9.000 Arbeitsblättern (für Overhead- bis Whiteboard-Einsatz) zur Lernsoftware Mastertool.

Abb. 2: Bestandsentwicklung im IMeNS-Verbund 2010–2013.

Abb. 2:

Bestandsentwicklung im IMeNS-Verbund 2010–2013.

Für die besondere aktive Leseförderung stehen darüber hinaus Kreislizenzen für alle interessierten Grund- und Förderschulen für Antolin[5] und Onilo[6] zur Verfügung. Die interaktiven Boardstories von Onilo ergänzen zudem den umfangreichen Bilderbuchkino-Bestand des Medienzentrums in effektiver Weise.

Nutzung der Bestände und Zugriffsmöglichkeiten:

In Schulbibliotheken liegen die Ausleihzahlen immer niedriger als in öffentlichen Bibliotheken, da die Präsenznutzung aus dem Unterricht heraus und in den Pausen, für Hausaufgaben, Vorbereitung auf Referate etc. einen großen Nutzungsumfang einnimmt, der statistisch nicht erfasst wird (s. Abb. 3). Dennoch hat 2013 von der mit 81 % größten Nutzergruppe der Schüler/innen jede/r durchschnittlich 4,09 Medien entliehen (= 71 % der Gesamtausleihen), jede Lehrkraft durchschnittlich 7,37 Medien (= 15 % der Gesamtausleihen) und die 7 % Bürgerkunden in unseren drei kombinierten Einrichtungen haben 8,08 Medien (= 12 % der Gesamtausleihen) entliehen.

Abb. 3: Entwicklung physischer Ausleihen im IMeNS-Verbund 2010–2013.

Abb. 3:

Entwicklung physischer Ausleihen im IMeNS-Verbund 2010–2013.

Dazu kommt in den letzten Jahren eine Verschiebung der Nutzung von der Ausleihe physischer Medien hin zum Abruf von Online-Medien per Wiedergabe (Streaming) oder Download. Mit der Zunahme der Vielfalt des Online-Angebots schwanken die Zugriffszahlen untereinander etwas, insgesamt sind sie jedoch steigend (s. Abb. 4).

Abb. 4: Entwicklung der Nutzung von Online-Medien im IMeNS-Verbund 2010–2013.

Abb. 4:

Entwicklung der Nutzung von Online-Medien im IMeNS-Verbund 2010–2013.

10 Mediothekskonzept

Gemäß Mediothekskonzept 2008 gibt es einen Personalkostenzuschuss (PKZ) zur Betreuung von Schulbibliotheken unter der Voraussetzung des Abschlusses einer jährlichen Entwicklungsvereinbarung zwischen Schulleitung, Bibliotheksleitung und IMeNS-Zentrale. Für Grund- und Förderschulen liegt dieser bei maximal 400 Euro pro Jahr, für Schulen mit Sekundarstufe I bei maximal 1.200 Euro pro Jahr und für Schulen mit Sekundarstufe II bei maximal 2.400 Euro oder die IMeNS-Zentrale stellt alternativ eine Halbtagsfachkraft quasi als „Ausleihe“ per Vereinbarung bereit. Es wird deutlich, dass die verteilten Zuschüsse der insgesamt 40.000 Euro für die zumeist ehrenamtlichen Mediothekshelfer/innen in den meisten Fällen nur eine Aufwandsentschädigung bzw. kleine Honorierung darstellen, bei größeren Schulen gibt es mittlerweile jedoch tatsächlich durch Mittelergänzung aus anderen Quellen (z. B. Förderverein) Minijob-Verträge. Die „Luxus“-Variante der Ausleihe einer ausgebildeten Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste der IMeNS-Zentrale unterliegt dem Haushaltsvorbehalt und konnte bisher erst einmal realisiert werden. Allerdings gibt es seit Langem eineinhalb Stellen zur Betreuung der Schulbibliotheken eines Oberstufengymnasiums und einer Berufsschule, die in das Konzept integriert und dem Fachdienst Medienservice zugeordnet wurden.

Seit 2012 ist der Verteilungsschlüssel des PKZ der demografischen Schülerzahlenentwicklung angepasst worden, so dass nun auch kleine Schulen gegen Abgabe eines Evaluationsformulars davon profitieren können – diese Maßnahme hat die Zahl der abrufenden Grundschulen verdreifacht. Die Entwicklung der den PKZ abrufenden Schulen mit Entwicklungsvereinbarungsgespräch oder Rücksendung eines Evaluationsformulars (für Schulen unter 200 Schüler/innen) ist kontinuierlich auf einen nun stabilen Wert von 41 Gesprächen mit Entwicklungsvereinbarung und 22 zurückgesandten Evaluationsformularen gestiegen. Nicht abgerufene Mittel werden auf die abrufenden Schulen verteilt.

Die regelmäßige Kommunikationsbasis zahlt sich vielfältig aus, so auch um das aktuelle Dienstleistungsangebot des Fachdienstes direkt zu vermitteln. Eine Stabilisierung der Öffnungszeiten konnte vor dem Hintergrund der pro Schule und Jahr geringen Mittel mit großer Anstrengung und leichten Schwankungen und ab Sekundarstufe I sogar mit leichter Steigerungstendenz erreicht werden (s. Abb. 5). Die Änderung des Verteilungsschlüssel und der damit verbundenen Zunahme der abrufenden Grundschulen von ca. zehn (ab 300 Schüler/innen) auf nun über 30 Grundschulen (auch solche unter 50 Schüler/innen) schlägt sich in der Statistik ab 2012 derart nieder, dass nun viele kleine Schulbibliotheken erfasst sind, die zwar regelmäßig, aber z. T. nur in den Pausen geöffnet haben, wodurch der Schnitt gegenüber dem der „großen“ Zehn aus den Vorjahren zwangsläufig gesenkt wird.

Abb. 5: Entwicklung der Öffnungszeiten von Schulbibliotheken im Lahn-Dill-Kreis.

Abb. 5:

Entwicklung der Öffnungszeiten von Schulbibliotheken im Lahn-Dill-Kreis.

An Medienkostenzuschuss (MKZ) für eine regelmäßige Aktualisierung des Schulbibliotheksbestandes stehen jährlich in der Summe 30.000 Euro zur Verfügung. Auch hier ist der Verteilungsschlüssel der demografischen Entwicklung angepasst worden. Der MKZ beträgt zwischen 200 Euro und 850 Euro je nach Schülerzahl und Schulstufe und mit dessen Hilfe und den Entwicklungsvereinbarungsgesprächen konnte die durchschnittliche Aktualitätsquote (Bestand nicht älter als 10 Jahre) kontinuierlich von 37 % (2009) auf 45 % (2013) gesteigert werden.

11 Team, Kooperation, Software-Partner

Für die zentralen Dienstleistungen „rund um Medien und IT“ steht im Fachdienst Medienservice ein Team von IT-, Bibliotheks-, Verwaltungs- und pädagogischen Fachkräften zur Verfügung ergänzt um FAMI- und IT-Auszubildende und FOS[7] - oder FSJ[8] -Kultur-Praktikanten.

IMeNS pflegt bilaterale wie regionale Kooperationen und Mitgliedschaften verschiedener Art, die den Vernetzungscharakter nicht nur nach innen richten. So bestehen Kooperationen mit dem Landesschulamt und dem regionalen Staatlichen Schulamt zum Thema Medienpädagogik, mit der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt zu Aus- und Fortbildung, mit Städten und Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis zu kombinierten Bibliotheken im IMeNS-Verbund, mit der Lahn-Dill-Akademie zu verschiedenen regionalen Bildungsthemen, mit sieben mittelhessischen öffentlichen Bibliotheken zum gemeinsamen Mittelhessenportal (digibib), mit dem US-Konsulat in Frankfurt zu America@yourlibrary, mit der Technischen Hochschule Mittelhessen zum Thema Studienorientierung und mit dem Studienseminar Wetzlar zum Medien- und IMeNS-Führerschein für die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst.

Der IMeNS-Verbund ist Mitglied im Onleihe-Verbund Hessen, dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv), der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Hessen und im Forum Schulbibliotheken Hessen. Darüber hinaus wird das Zentrum für Literatur der Phantastischen Bibliothek Wetzlar über eine Leistungsvereinbarung finanziell unterstützt.

Es hat sich gezeigt, dass die wirklich hervorragende Zusammenarbeit mit dem Software-Partner beim gemeinsamen Aufbau der technischen IMeNS-Basis vor zehn Jahren von herausragender Bedeutung für die Effektivität und den Erfolg von IMeNS insgesamt war. Umso bedauerlicher ist, dass seit mehr als drei Jahren die Ablösung des IMeNS-Portals durch eine moderne Web 2.0-fähige Content-Management-Oberfläche zwar in Vorbereitung ist, diese sich jedoch leider aufgrund immer noch mangelnder Funktionalität des entsprechenden Softwaremoduls und aus unserer Sicht aktuell wieder ausbaufähiger Unterstützung durch den Bibliothekssoftware-Partner über Gebühr verzögert, so dass eine baldige funktionsfähige Produktivschaltung weiterhin ungewiss scheint. Das betrifft nicht nur die Portalfunktionalität, sondern auch die in den Updates der letzten Jahre kaum noch berücksichtigten Schulbibliotheksfunktionen und wichtige Parameter- und Statistikfunktionen. Denn natürlich ist die Unterstützung durch den Bibliothekssoftware-Partner auch weiterhin für den Erhalt der Funktionstüchtigkeit und eine adäquate Weiterentwicklung von IMeNS von Bedeutung.

12 Zwischenbilanz und Blick in die Zukunft

Insgesamt hat sich die IMeNS-Infrastruktur unseres Erachtens mehr als bewährt, da eine kontinuierliche quantitative, aber insbesondere auch qualitative Entwicklung der Schulbibliotheken und des direkt von Schüler/innen und Lehrer/innen nutzbaren Medien- und Informationsangebots zu Buche schlägt. Dabei werden die entsprechenden technischen Bedürfnisse zur Nutzung wie auch eine adäquate Know-how-Vermittlung zielgerichtet mit berücksichtigt und der ständige Austausch mit den Schulen ermöglicht eine effektive und flexible Medienbildungslandschaft.

Der Mut, den der Lahn-Dill-Kreis vor zehn Jahren aufgebracht hat, im Angesicht der Thematik „Haushaltskonsolidierung“ einen neuen, innovativen und vernetzten Weg im Bereich der Schulbibliotheken einzuschlagen, wurde durch die seither rasant gewachsenen Teilnehmer- und Nutzerzahlen mehr als belohnt. So ist es nicht verwunderlich, dass der IMeNS-Ausweis heute ganz selbstverständlich im Lahn-Dill-Kreis für den individuellen Lern- oder Lehrprozess eingesetzt wird.

Wenn wir den Blick auf die Schulbibliothek der Zukunft richten, dann ist sie für uns in jedem Fall „IMeNS“, denn sie

  1. ist der erste und zentrale Zugangsort zu Medien und Informationen aller (auch künftiger) Art,

  1. bietet relevante Unterstützung für die individuelle (Medien-)Bildungsbiographie,

  1. stellt hierfür ein modernes und flexibles Medien- und Informationsangebot bereit,

  1. leistet eine kompetente persönliche Beratung und Hilfestellung,

  1. und kann diese Anforderungen (vermutlich nur) in Vernetzung und Kooperation mit anderen Einrichtungen erfüllen, und zwar – nach unseren Erfahrungen – am effektivsten, wenn dabei eine zentrale Kompetenz- und Koordinierungsstelle zur Seite steht.

Simone Vetter:

Published Online: 2014-04-30
Published in Print: 2014-05-31

© 2014 by De Gruyter

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