Skip to content
Publicly Available Published by De Gruyter Saur January 15, 2016

Stand und Perspektiven der ViFaMusik im Rahmen des neuen Fachinformationsdienstes Musikwissenschaft

Jürgen Diet
From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung:

Vor knapp zehn Jahren, im Sommer 2006, wurde die erste Version der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaft (ViFaMusik) unter der Web-Adresse www.vifamusik.de freigeschaltet. Seither wurde dieses Fachportal, das einen zentralen Zugang zu musikwissenschaftlicher Fachinformation bietet, kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Dieser Beitrag beleuchtet zunächst die Organisation und Finanzierung des ViFaMusik-Projektes, stellt dann die aktuellen Angebote der ViFaMusik vor und gibt zum Schluss einen Ausblick auf die Ausbaupläne der ViFaMusik.

Abstract:

Almost ten years ago, in the summer 2006, the first version of the virtual specialist library for musicology (ViFaMusik) was launched, bearing the web address www.vifamusik.de. Since then, this portal offering central access to musicological specialist information has been built up and further developed. The following article starts with giving details about its organisation and the way the ViFaMusik project is financed, then it introduces the current offers of ViFaMusik and finally gives a preview of the plans to further expand ViFaMusik.

1 Organisation und Finanzierung des ViFaMusik-Projektes

Die ViFaMusik ist ein Fachportal für Musikwissenschaftler und Musikinteressierte, das seit 2005 mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Bayerischen Staatsbibliothek gemeinsam mit den beiden Projektpartnern Gesellschaft für Musikforschung und Staatliches Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz aufgebaut wird. Die DFG hat der ViFaMusik zwischen 2005 und 2014 im Rahmen des Förderprogramms „Virtuelle Fachbibliotheken“ in drei Projektphasen finanzielle Förderung gewährt. Die Förderung der ViFaMusik durch die DFG dauert an und ist bis Anfang 2017 im Rahmen des Projektes „Fachinformationsdienst Musikwissenschaft“ gesichert. Das Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“[1] ist das Nachfolgeprogramm der DFG zum Förderprogramm „Sondersammelgebiete“.

Abb. 1:  ViFaMusik-Logo.

Abb. 1:

ViFaMusik-Logo.

Die musikwissenschaftliche Fach-Community ist eng eingebunden in die Weiterentwicklung der ViFaMusik. Dazu dient der im Frühjahr 2014 eingerichtete Beirat für den Fachinformationsdienst Musikwissenschaft. Die Mitglieder dieses Beirates sind auf der ViFaMusik-Webseite[2] zu finden.

2 Die aktuellen Angebote der ViFaMusik

Die ViFaMusik-Suche

Ein zentrales Angebot der ViFaMusik ist die Metasuche, bei der mit einer Suche in derzeit 14 verschiedenen Datenquellen gleichzeitig gesucht werden kann, u. a. in den Musikbeständen von renommierten europäischen Musikbibliotheken in Berlin, Leipzig, London, München und Wien, in der RISM-Datenbank, in Inhaltsverzeichnissen von einschlägigen Zeitschriften und in sorgfältig ausgewählten Internetressourcen. Der Einsatz von aktueller Suchmaschinen-Technologie bei der ViFaMusik-Metasuche führt zu sehr kurzen Antwortzeiten und einer benutzerfreundlichen Browsing-Möglichkeit anhand von Facetten innerhalb einer Trefferliste. In der Trefferliste wird ggf. eine Verfügbarkeitsrecherche angeboten und (falls vorhanden und falls es lizenzrechtlich möglich ist) ein Zugriff auf den Volltext über den „Online-Lesen“-Button.

Die Abbildung 2 zeigt die erweiterte Suche der ViFaMusik, bei der man aus der Liste aller eingebundenen Datenquellen diejenigen auswählen kann, die durchsucht werden sollen.

Abb. 2:  Erweiterte Suche der ViFaMusik.

Abb. 2:

Erweiterte Suche der ViFaMusik.

Fachinformationsführer und Webarchivierung von Internetressourcen

Im ViFaMusik-Fachinformationsführer werden musikwissenschaftlich relevante Internetressourcen erschlossen und über eine eigene Browsing- und Suchoberfläche[3] bereitgestellt. Derzeit sind im Fachinformationsführer knapp 3.000 Internetressourcen zu finden.

Seit dem Jahr 2014 wird eine Teilmenge dieser Webseiten inkl. deren Unterseiten nach Einholung einer entsprechenden Genehmigung des Rechteinhabers zweimal pro Jahr kopiert und langzeitarchiviert. Die archivierten Webseiten sind im Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek verzeichnet und unveränderbar. Dadurch ist deren Zitierfähigkeit gewährleistet. In der Ausgabe 3-4/2015 der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie gibt es einen Schwerpunkt zur Webarchivierung, u. a. mit einem Beitrag von Tobias Beinert und Astrid Schoger, in dem der Webarchivierungs-Workflow in der Bayerischen Staatsbibliothek detailliert beschrieben wird.[4] Barbara Lenk hat in der Zeitschrift Forum Musikbibliothek die Webarchivierung musikwissenschaftlicher Internetressourcen beleuchtet[5] und die Ergebnisse ihrer Umfrage unter Musikwissenschaftlern präsentiert, die sie im Rahmen eines Studienprojektes[6] zur Erschließung und Archivierung von Internetressourcen befragt hat.

Digitale Sammlungen

In der ViFaMusik-Rubrik „Digitale Sammlungen“ wird eine Vielzahl von digitalen musikwissenschaftlichen Angeboten aufgelistet. Hier bietet sich die Möglichkeit, in den digitalen Angeboten von verschiedenen Institutionen zu stöbern. Unter anderem sind dort auch die im Rahmen des ViFaMusik-Projektes digitalisierten Zeitschriften zu sehen: Die Zeitschrift für Instrumentenbau[7] und die Phonographische Zeitschrift[8] .

Dokumentenserver

Im ViFaMusik-Dokumentenserver werden sowohl Born-digital-Dokumente (also nur im digitalen Format vorhandene Dokumente) als auch Retrodigitalisate publiziert. Man findet dort die Beiträge des Symposiums „Musikwissenschaft im Digitalen Zeitalter“, das während der GfM-Tagung 2012 in Göttingen stattfand, über 100 Beiträge aus den Kongressberichten des ICTM[9] -Nationalkomitees Deutschland, die Konferenzbände der Music Encoding Conference aus den Jahren 2013 und 2014 sowie einige gemeinfreie musikwissenschaftliche und musikpädagogische Dissertationen und Habilitationen, die nur noch in wenigen Exemplaren weltweit existieren.

Alle Dokumente im ViFaMusik-Dokumentenserver wurden mit URNs versehen und sind somit zitierfähig. Außerdem ist für die Langzeitarchivierung der Dokumente gesorgt: Sie werden im Archivierungssystem „Rosetta“ abgelegt, das seit 2013 in der BSB im Einsatz ist.[10]

Experten- und Institutsdatenbank und Dissertationsmeldestelle

Die ViFaMusik-Expertendatenbank[11] enthält knapp 1.000 musikwissenschaftliche Expertinnen und Experten aus dem deutschsprachigen Raum. Der Ersteintrag erfolgt durch die Gesellschaft für Musikforschung, anschließend erhält jeder Experte bzw. jede Expertin eine eigene Zugangskennung, um seine/ihre Daten selbst zu pflegen. Über die eindeutige Nummer der Gemeinsamen Normdatei (GND) sind die Experteneinträge mit den Literaturlisten aus der Deutschen Nationalbibliothek, dem Bibliotheksverbund Bayern und der Bibliographie des Musikschrifttums (BMS online) verknüpft. Die Expertendatenbank ist eng verknüpft mit der ViFaMusik-Institutsdatenbank[12] , in der knapp 200 musikwissenschaftliche und musikpädagogische Institute im deutschsprachigen Raum aufgelistet sind inkl. der Kontaktmöglichkeiten über E-Mail-Adressen und Webadressen.

Die Institutsdatenbank der ViFaMusik bildet die Basis für die Dissertationsmeldestelle der Gesellschaft für Musikforschung[13] (DMS). In der DMS werden musikwissenschaftliche Dissertationsvorhaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfasst. Für den Inhalt und die Datenpflege bei der DMS zeichnet das Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Münster verantwortlich. Die DMS-Webseiten und die DMS-Datenbank, die bisher an der Universität Münster gehostet wurden, wurden im Rahmen des ViFaMusik-Projektes neu erstellt und auf Servern der BSB gehostet.

RIdIM

Im Rahmen der ersten ViFaMusik-Projektphase von 2005 bis 2007 wurden eine Web-Datenbank für RIdIM Deutschland und ein Webauftritt zum Zugriff auf diese Datenbank erstellt.[14] Das „Répertoire International d‘Iconographie Musicale“ (RIdIM) ist ein internationaler Verbund zur Verzeichnung und Erschließung von Musik- und Tanzdarstellungen im Bereich der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks.

Die deutsche RIdIM-Arbeitsstelle ist seit 1979 an der Bayerischen Staatsbibliothek angesiedelt. Die Arbeit wird von Bund und Ländern über die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften mit Sitz in Mainz finanziert.

Katalogisiert werden v. a. Objekte aus größeren Museen, Sammlungen und Bibliotheken in Deutschland. Derzeit sind in der Münchner RIdIM-Arbeitsstelle rund 14.000 Objekte in „RIdIM Deutschland: Datenbank zu Musik und Tanz in der Kunst“ erschlossen. Begleitend zur Katalogisierung dokumentiert die Arbeitsstelle die katalogisierten Objekte mit Bildreproduktionen. Die Bilddokumentation wird – in Zusammenarbeit mit den Museen und Bibliotheken als den Bildrechteinhabern bzw. mit den Inhabern der Urheberrechte (im Falle der modernen Kunst) – im Laufe der Zeit als Anreicherung der Datenbank zur Verfügung gestellt.

RISM-OPAC

Das „Répertoire International des Sources Musicales“ (RISM)[15] ist ein seit über 60 Jahren laufendes Vorhaben mit dem Ziel, möglichst umfassend und weltweit die musikalischen Quellen (vor allem handschriftliche und gedruckte Noten) zu dokumentieren. Im RISM-Projekt katalogisieren ca. 100 Personen in 34 Ländergruppen die musikalischen Quellen in einer zentralen Datenbank, die von der RISM-Zentralredaktion in Frankfurt betreut wird. Die Präsentation der RISM-Daten erfolgt über den RISM-OPAC[16] , der in einem Kooperationsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek, der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und RISM entwickelt wurde und an der Bayerischen Staatsbibliothek gehostet wird. Die Implementierung des RISM-OPAC wurde hauptsächlich durch Projektmittel der ViFaMusik finanziert. Eine Besonderheit beim RISM-OPAC ist, dass nicht nur nach Metadaten wie z. B. Komponistenname und Titel des Werkes gesucht werden kann, sondern auch eine inhaltsbasierte Suche durch Eingabe eines Noteninzipits möglich ist.

Abb. 3:  Einzeltrefferanzeige beim RISM-OPAC.

Abb. 3:

Einzeltrefferanzeige beim RISM-OPAC.

Die RISM-Daten sind als Datenquelle in die ViFaMusik-Suche eingebunden. Außerdem stehen die RISM-Daten als linked open data im MARC-XML-Format und im RDF-Format auf einer Unterseite des RISM-OPAC zur Verfügung.[17]

Handwörterbuch der musikalischen Terminologie

Die ViFaMusik stellt im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem Stuttgarter Steiner-Verlag das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie (HmT) inkl. Volltextsuche online bereit und hat diese Datenquelle auch in die ViFaMusik-Suche eingebunden.[18] Sämtliche Artikel der sechs HmT-Bände wurden gescannt, mit OCR bearbeitet und mit einer speziellen Präsentationsform versehen. Diese ermöglicht es dem Benutzer nicht nur, die gesuchten Termini gleichzeitig in allen Artikeln des HmT zu finden und innerhalb der Artikel bequem hin und her zu blättern, sondern sie erkennt in den Artikeln auch häufig erwähnte Orte, Personen und sogar Substantive, nach denen der Benutzer die Suche zusätzlich filtern kann. Die gefundenen Suchbegriffe werden farblich hervorgehoben. Jede einzelne Seite des HmT besitzt einen persistenten Link und ist somit zitierfähig. In der Vollansicht eines HmT-Artikels werden zudem sämtliche im Text erkannte selbständige musiktheoretische Publikationen vor 1900 angezeigt. Wenn diese online als Digitalisate frei verfügbar sind, wird der Benutzer mittels stabilem Link zu diesen Digitalisaten weitergeleitet.

Themenportale

Die ViFaMusik bietet allen Fachgruppen der Gesellschaft für Musikforschung die Möglichkeit, Themenportale in der ViFaMusik zu erstellen. Bisher haben die Fachgruppen „Musikethnologie“ und „Aufführungspraxis und Interpretationsforschung“ diese Möglichkeit genutzt und jeweils ein Themenportal zu ihrem Fachgebiet in der ViFaMusik aufgebaut.[19] Innerhalb des musikethnologischen Themenportals wurde auch das im Jahr 2014 erschienene Buch „Tradition and Craft in Piano-Playing“ von Tilly Fleischmann online bereitgestellt. Tilly Fleischmann ist eine Enkel-Schülerin von Franz Liszt und beschreibt in ihrem Buch die von Franz Liszt vermittelte Art des Klavierspielens. Eine Besonderheit dabei ist das multimediale Zusatzmaterial. Die Musikbeispiele aus diesem Buch wurden in einzelnen Video-Sequenzen aufgezeichnet und sind ebenso wie das gesamte Buch über die ViFaMusik abrufbar.[20]

ViFaMusik-Blog und -Twitter-Account

Der ViFaMusik-Blog[21] und der ViFaMusik-Twitter-Account[22] liefern aktuelle Informationen zur ViFaMusik und sind daher gute Möglichkeiten, um sich über Neuigkeiten im ViFaMusik-Projekt zu informieren.

3 Die Ausbaupläne für die ViFaMusik

In den nächsten Jahren sind weitere Ausbaustufen bei der ViFaMusik geplant. Im Frühjahr 2016 wird ein Fortsetzungsantrag zum Fachinformationsdienst Musikwissenschaft für weitere drei Förderjahre bei der DFG eingereicht werden, in dem der ViFaMusik-Ausbau ein zentraler Bestandteil sein wird. Dieser Antrag wird derzeit von der federführenden Bayerischen Staatsbibliothek, der Gesellschaft für Musikforschung und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden erarbeitet. Einige der dort geplanten Arbeitspakete sind:

  1. Einbindung von weiteren Datenquellen in die ViFaMusik-Suche, so dass daraus mittelfristig ein Europäischer Musikkatalog wird,

  2. Aufbau einer zentralen Datenbank zum Nachweis von Konzert- und Opernprogrammen in deutschen Bibliotheken, Archiven und anderen Einrichtungen,

  3. Ausbau des ViFaMusik-Dokumentenservers mit zusätzlichen Inhalten und mit weiteren Funktionalitäten mit dem Ziel, das DINI-Zertifikat „Open Access Repositorien und -Publikationsdienste“ zu erhalten,

  4. Weiterentwicklung des RISM-OPAC und der RIdIM-Datenbank,

  5. Aufbau einer Infrastruktur zur Langzeitarchivierung von digitalen musikwissenschaftlichen Editionen.

Die Öffentlichkeitsarbeit für die ViFaMusik soll noch intensiviert werden. Neben den bisherigen Aktivitäten wie Beiträgen in Zeitschriften, Vorträgen auf Tagungen der Bibliotheks- und der Musikwissenschafts-Community und Web2.0-Auftritten wird in Kürze eine ViFaMusik-RoadShow hinzukommen für die Zielgruppe Musikwissenschafts-Studenten zu Beginn ihres Bachelor-Studiums. Sehr erfreulich ist, dass die ViFaMusik nicht nur im deutschsprachigen Raum wahrgenommen wird, sondern auch auf internationaler Ebene, wie die Rezensionen über die ViFaMusik von Heather Platt und Henry Hope in den Zeitschriften „Nineteenth-Century Music Review“ (2013) und „Music Theory Online“ (2014) belegen.

Published Online: 2016-01-15
Published in Print: 2016-02-01

© 2016 by De Gruyter