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Publicly Available Published by De Gruyter Saur January 15, 2016

Von musica reanimata bis zum Instrument des Jahres: Die Musikbibliothek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und ihre Öffentlichkeitsarbeit

Susanne Hein
From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung:

Die Musiksammlung der ZLB ist mit ihrem Bestand von ca. 270.000 Medieneinheiten eine der größten Öffentlichen Musikbibliotheken Deutschlands. Schon ihre Vorläufereinrichtungen, die Musikabteilungen der Amerika-Gedenkbibliothek und der Berliner Stadtbibliothek, waren für eine vielfältige Öffentlichkeitsarbeit bekannt, eine Tradition, die seit der Fusion zur ZLB fortgeführt wurde. Der Artikel portraitiert die Musikbibliothek der ZLB und stellt aktuelle Beispiele ihrer Öffentlichkeitsarbeit vor, bei denen Kooperationen im Vordergrund stehen.

Abstract:

The ZLB’s musical collection is one of the largest public music libraries in Germany, considering its collections of about 270,000 media units. Already its predecessors, the music departments of the American Memorial Library and of the Berliner Stadtbibliothek (Berlin city library), were known for their public relations work, a tradition kept up since they were merged to form the ZLB. The article portrays the ZLB’s music library and presents current examples of its public relation work focussing on co-operations.

1 Zum Profil der ZLB-Musikbibliothek

Die Musikbibliothek der ZLB existiert als solche seit 1998: Drei Jahre nach Gründung der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek fusionierten als letzte Fachbereiche die bisherigen Musikbibliotheken der ehemaligen Berliner Stadtbibliothek und Amerika-Gedenkbibliothek. Beide waren zuvor innerhalb mehrerer Jahrzehnte aufgebaut worden. Entsprechend der ZLB-Fächerteilung wurden die Musikmedien dem Haus Amerika-Gedenkbibliothek zugeordnet. Der dort zur Verfügung stehende Platz reicht jedoch bis heute nur für weniger als die Hälfte der Bestände, wiederum verteilt auf ca. 25 % Freihand und 25 % Magazin. Die restlichen Medien müssen aus den Magazinen der Berliner Stadtbibliothek oder dem Außenmagazin bestellt werden. Zusätzlich lagern Sonderbestände mit historischen Tonwalzen, Salonnoten, Musiknachlässen und wertvollen Drucken sowie Handschriften bei den Historischen Sammlungen bzw. der Streitschen Stiftung im Haus Berliner Stadtbibliothek. Sie werden dort in guter Zusammenarbeit mit den Kolleginnen der Musikbibliothek betreut. Die Erweiterung dieser Sondersammlungen gehört inzwischen nicht mehr ins Erwerbungsprofil. Gleiches gilt für die Sammlung mit Noten und Tonträgern US-amerikanischer Komponistinnen und Komponisten des 20. Jahrhunderts, die in der Amerika-Gedenkbibliothek zwischen 1968 und 1982 aufgrund verschiedener Schenkungen entstand.[1] Ein besonderes Charakteristikum ist daneben unser Status als Pflichtexemplarbibliothek für Berlin: Die Produktion der deutschen „Musikhauptstadt“ mit Universal Music neben unzähligen kleineren Tonträgerfirmen und mehreren Notenverlagen hat einen entscheidenden Einfluss auf die Bestandsentwicklung und beträgt mehr als ein Drittel des jährlichen Musik-Zugangs.

Durch die Fusion waren zunächst aufwändige, teilweise bis heute noch nicht abgeschlossene Maßnahmen der Umsystematisierung und Systematik-Überarbeitung erforderlich. Auch die Retrokatalogisierung ist immer noch Thema, doch zumindest enthält der Online-Katalog inzwischen ca. 140.000 Titeldatensätze für Noten und Tonträger (zum Vergleich: 1998 waren insgesamt 12.000 Noten und Tonträger EDV-katalogisiert). Sehr froh sind wir über unsere 2001 für die Bibliothekssoftware aDIS/BMS verbundweit konzipierten Musiktools im OPAC,[2] anhand derer man nach normierter musikalischer Ausgabeform, nach Besetzung, nach enthaltenen Werken und nach Verweisungen von klassischen Titeln recherchieren kann, die jeweils in einer Werktiteldatei hinterlegt sind – fast alles Kategorien, die bereits seit Langem zur Verfügung stehen und im Zuge der RDA-Entwicklung neue Bestätigung finden. Durch die gute Erschließung und die kontinuierliche Erweiterung der Noten-, Tonträger- und Musikbuchbestände ist inzwischen eine attraktive Sammlung entstanden, die sich mit über 400.000 Entleihungen pro Jahr zur meistfrequentierten Musikbibliothek Berlins entwickelt hat. Ein weiteres Charakteristikum ist die große Bandbreite von populären bis wissenschaftlichen Materialien sämtlicher musikalischer Stilrichtungen, die ein extrem differenziertes und internationales Publikum aus Laien und Profis anzieht. Es enthält Ukulele-Fans ebenso wie Opernfreaks und reicht von der russischen Klavierlehrerin bis zum Fellow am Wissenschaftskolleg oder vom Straßenmusiker bis zum Philharmoniker – daher ist die Arbeit an der Musik-Infotheke sehr abwechslungsreich und setzt große Flexibilität voraus. 59 Stunden pro Woche ist die Auskunft fachspezifisch besetzt.

2 Die musikbibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit

Sowohl in der Berliner Stadtbibliothek als auch in der Amerika-Gedenkbibliothek hatte sich eine lange Tradition musikbibliothekarischer Öffentlichkeitsarbeit gebildet. In der Ersteren wurden z. B. seit den 1960er-Jahren die Formate des Schallplattentheaters und des Phono-Clubs gepflegt und daneben viele Diskographien und andere musikbezogene thematische Verzeichnisse veröffentlicht. Live-Auftritte von Paul Dessau, Gisela May oder Peter Schreier gingen hier in die Annalen ein, während in der Amerika-Gedenkbibliothek Karel Gott oder Eugen Cicero auftraten, Komponisten wie Kurtag, Yun und Enescu aufgeführt wurden oder japanische Koto-Spieler das Publikum erfreuten.[3]

In der Zeit ab dem Jahr 2000 bildeten ca. zehn Konzerte pro Jahr den Kern der Öffentlichkeitsarbeit, teils im Berlin-Saal in der Berliner Stadtbibliothek und teils im Musik-Freihandbereich der Amerika-Gedenkbibliothek. Im Berlin-Saal boten wir bis 2012 abendfüllende klassische Konzerte in Kooperation mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler an (Liedklassen Wolfram Rieger und Cello-Studierende von und mit David Geringas), daneben verschiedenste Kammerkonzerte sowie Liederabende von Stephan Rügamer, Dietrich Henschel oder Annette Dasch. In der Amerika-Gedenkbibliothek veranstalten wir nach wie vor halbstündige Konzerte bei laufendem (Samstags-)Betrieb, sehr oft mit Jazz- und Weltmusikensembles, aber auch Klassik. Eine andere Art der PR-Arbeit ist die Pflege der 2003 aufgebauten Linksammlung „Musik in Berlin“, die zurzeit ca. 1.800 kommentierte Links enthält und deren fortlaufende Aktualisierung wir auch als landesbibliothekarische Aufgabe begreifen.[4] Seit 2010 versenden wir einen eigenen Musik-Newsletter und seit Anfang 2014 beteiligt sich die Musikbibliothek sehr aktiv am Facebook-Auftritt der ZLB. Neben diesen Konstanten haben sich in den letzten Jahren weitere Formate herauskristallisiert und etabliert, die hier im Folgenden genauer beschrieben werden sollen.

3 Impuls von außen: Die Zusammenarbeit mit musica reanimata

Im Frühjahr 2011 bot ein Kollege aus einer anderen Abteilung ungewöhnlichen Gesprächsstoff. Er berichtete von einer kürzlich gehörten Radiosendung, in der die Musikbibliothek der Amerika-Gedenkbibliothek erwähnt wurde, weil eine Pianistin dort einen besonderen Notenfund gemacht hatte. Die Sendung handelte offenbar von zeitgenössischer Musik. Das gab mir und meinen Musikbibliothekskolleginnen Rätsel auf, denn leider erinnerte sich der Mitarbeiter an keine Namen und ebenso wenig an den Sender oder das genaue Übertragungsdatum.

Doch über andere Kanäle klärte sich diese Begebenheit kurze Zeit später auf: Einer unserer engagierten Bibliothekskunden nahm selbige Geschichte zum Anlass, der Zentral- und Landesbibliothek und musica reanimata e. V., einem Berliner Förderverein zur (Wieder-)Entdeckung vom NS-Regime verfolgter Komponisten, eine Kooperation vorzuschlagen. Er hatte das vom Kollegen wahrgenommene, vom Deutschlandfunk aufgezeichnete Gesprächskonzert besucht und dort erfahren, wie die Pianistin Adina Mornell den zufälligen Notenfund im Freihandregal der Amerika-Gedenkbibliothek als Auslöser für eine Kontaktaufnahme und anschließende Zusammenarbeit mit der in den USA lebenden Komponistin Ruth Schonthal beschrieb. Der Nutzer kannte die ZLB-Musikbestände und wusste, dass viele Medien aus dem Repertoire, welches musica reanimata ins Visier nimmt, bereits vorhanden waren. Und da das 100. Gesprächskonzert des Vereins bevorstand, hielt er den Zeitpunkt zur besseren Vernetzung der beiden Institutionen für passend. Beide Seiten waren aufgeschlossen, es dauerte allerdings noch etwas, bis die richtige Form gefunden war. Die Vervollständigung unserer Noten-, Tonträger- und Musikliteraturbestände mit Medien von den und über die im Fokus der aktuellen Gesprächskonzerte stehenden Personen war ein erster Ausgangspunkt.

musica reanimata macht die verfolgten Komponistinnen und Komponisten auf verschiedenen Wegen zum Thema – der Verein veranstaltet beispielsweise wissenschaftliche Konferenzen und publiziert deren (und andere) Forschungsergebnisse in einer eigenen Schriftenreihe. Den Vorstand des Vereins bilden Dr. Albrecht Dümling und weitere Musikwissenschaftlerinnen und Musikjournalisten, im Kuratorium engagieren sich Persönlichkeiten wie Daniel Barenboim und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen ca. fünf Gesprächskonzerte pro Jahr, die im Konzerthaus Berlin stattfinden und eine/n Komponisten/-in vorstellen, gelegentlich auch eine Gruppe oder Familie. Moderierte Gespräche mit geladenen Gästen werden mit kammermusikalischer Livemusik ergänzt, die Veranstaltungen werden vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und zeitversetzt ausgestrahlt.

Das 100. Gesprächskonzert war Georg Kreisler gewidmet und fand im Februar 2012 statt. Wir konzipierten ein umfangreiches Bestandsverzeichnis mit in der ZLB vorhandenen Medien von und über Kreisler, die Kolleginnen aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit halfen beim Layout, diejenigen aus der Einbandstelle übernahmen die Vervielfältigung im Broschürenformat. Die Verzeichnisse wurden vor der Veranstaltung und in der Pause an das Konzertpublikum verteilt und mit wohlwollendem Interesse aufgenommen, daneben fand die neue Kooperation in der Anmoderation eine sehr freundliche Erwähnung.

Momentan, im November 2015,sind wir gerade dabei, die Verzeichnisse für das 120. und 121. Gesprächskonzert zu produzieren. Vieles hat sich eingespielt, z. B. die Zuständigkeit einer Kollegin der ZLB-Musikbibliothek für die Koordination dieser Arbeiten. Sie behält die Termine im Auge, stellt die Medienverzeichnisse zusammen, beauftragt deren Vervielfältigung und sorgt für die Zustellung zum Gesprächskonzert, nicht selten durch persönliche Anwesenheit aus der Musikbibliothek. Parallel dazu überprüfen alle Musiklektorinnen ihre Bestände und ergänzen sie entsprechend der Programmübersicht der Gesprächskonzerte, sobald diese aktualisiert wird. Sehr hilfreich ist es, dass die Termine teilweise bis zu einem Jahr im Voraus schon feststehen. Wenn etwa seltene Noten aus dem Ausland mit längeren Lieferzeiten zu besorgen sind, klappt es nicht immer mit der Lieferung bis zum Redaktionsschluss des Bestandsverzeichnisses. Bei manchen Komponisten ist es sinnvoll, eine Auswahl zu treffen, weil sie sehr bekannt sind und es zu viele Publikationen gibt (z. B. Paul Dessau, Erwin Schulhoff). In anderen Fällen dagegen gelingt es kaum, Material zu orten, denn es ist nicht gerade selbstverständlich, dass die Werke der verfolgten Komponistinnen und Komponisten gedruckt oder als Tonträger erschienen sowie aktuell im Handel erhältlich sind. Einzelne Artikel und Aufsätze sind jedoch meist vorhanden und werden ebenfalls mit aufgenommen, sofern wir die entsprechenden Zeitschriften in Printform oder als elektronischen Volltext in der Bibliothek vorhalten. Fehlende physische Tonträger kompensiert sehr oft die Naxos Music Library. Die in diesem Streamingportal vorhandene Musik nehmen wir ebenfalls in die Verzeichnisse auf, seit wir eine verbundweite Lizenz dafür haben.

Zusätzlich zur Verteilung der Broschüren bei den Gesprächskonzerten legen wir diese in der Musikbibliothek aus, veröffentlichen sie als PDF-Dateien auf der ZLB-Website[5] und machen die Inhalte im OPAC vor Ort unter „Thementipps“ sichtbar.

Die Resonanz lässt sich nicht objektiv erfassen, dennoch ist diese Kooperation sehr sinnvoll. Wir profitieren von der Verlinkung auf der musica-reanimata-Website[6] und von der Erwähnung in der Anmoderation der Konzerte, außerdem sind die Broschüren bei den Konzerten sehr willkommen und nachgefragt. Auch unter den Auslagen an der Infotheke der Musikbibliothek werden die Verzeichnisse wahrgenommen. Zudem halten wir es für unseren kulturpolitischen Auftrag, mit dieser Bestandsergänzung zur Wiederentdeckung verfolgter Komponisten beizutragen und die Arbeit des Vereins musica reanimatae. V. zu unterstützen.

4 Multiplikator Landesmusikrat: Musikbibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit in landesweiten Projekten

Auch von anderer Seite wurden und werden uns Bälle zugespielt – dies betrifft vor allem Kooperationen, die aus der Gremien- und Netzwerkarbeit im Landesmusikrat Berlin heraus entstanden. Als Vertreterin der Berliner Musikbibliotheken hatte ich zunächst nach längerer Zeit der bloßen Präsenz 2010 mit einem Programmvorschlag selbst die Initiative ergriffen und daraufhin die Gelegenheit bekommen, auf der jährlich stattfindenden Generalversammlung einen kurzen Vortrag mit Standards und berlinspezifischen Tipps zur Musikrecherche im Internet präsentieren zu können. Drei Jahre später wurde das Themenfeld Musikbibliothek auf der Generalversammlung 2013 sogar Gegenstand einer Podiumsdiskussion; Letztere räumte mit einigen Irrtümern darüber auf, welches die aktuellen Probleme unserer Zunft sind und mündete in eine produktive Gesprächsrunde. Diese beiden Veranstaltungen haben sehr dazu beigetragen, den Musikbibliotheken mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, z. B. hinsichtlich der aktiven Einbeziehung in verschiedene Projekte des Landesmusikrates, die im Folgenden näher skizziert werden.

a) Rechercheworkshops im Projekt Jugend forscht: Musik

2011 gründete der Landesmusikrat auf Initiative der Vizepräsidentin Prof. Dörte Schmidt den Runden Tisch Bildungs- und Wissensgesellschaft Musik in Berlin, dessen Arbeitsergebnis ein Wettbewerb und Förderprogramm mit dem Titel Jugend forscht: Musik ist. Die beteiligten Institutionen (darunter Museen, Bibliotheken und Archive) wurden angeregt, anhand ihrer spezifischen Bestände geeignete Themen für Schülerpräsentationen bzw. Hausarbeiten zu stellen und zu betreuen. Das Projekt richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, aber auch der 9./10. Klasse. Ziel von Jugend forscht: Musik ist die bessere Vernetzung von Wissenschaft und Schule; daneben sollen Anregungen für Schülerinnen und Schüler geschaffen werden, sich mit Musik zu beschäftigen. Ein Thema mit Betreuung innerhalb einer bekannten Musikinstitution bietet einen besonderen Anreiz, außerdem werden die besten Arbeiten prämiiert. Von Seiten der ZLB bieten wir begleitend dazu zweistündige Workshops zur Musikrecherche an, in denen wir den Schülerinnen und Schülern einige Grundlagen vermitteln, aber auch individuelle Fragen hinsichtlich der Suche nach Material zu ganz bestimmten Themen beantworten. Diese Workshops werden auf dem Projektflyer und auf der Website beworben.[7]

b) Beteiligung am Projekt Instrument des Jahres[8]

Seit einigen Jahren stellen die Landesmusikräte Berlin und Schleswig-Holstein jeweils ein Jahr lang ein bestimmtes Instrument in den Mittelpunkt und organisieren dazu zahlreiche Veranstaltungen. Es werden Schirmherrschaften vergeben, teilweise sogar Kongresse abgehalten und landesweit sehr viele Konzerte auf die Beine gestellt. Zur prominenten Platzierung des jeweiligen Instrumentes gehört auch, dass ihm stets ein Solokonzert im Programm des Landesjugendorchesters reserviert wird. Der Landesmusikrat Berlin veröffentlicht zu Jahresbeginn eine Broschüre, die alle Aktionen sowohl des LMR selbst, aber auch seiner Mitgliedsverbände präsentiert,[9] neuerdings gibt es im Spätsommer zusätzlich einen aktualisierten Nachdruck. Da diese Broschüren in einer Auflage von über 3.000 Stück z. B. in den Berliner Musikschulen ausgelegt und von mehreren Mitgliedsverbänden des Landesmusikrates verteilt werden, ist die Werbung für dort aufgelistete Termine also besonders effektiv und es liegt nahe, Konzerte mit dem Instrument des Jahres in die Veranstaltungsplanung der Bibliothek zu integrieren. Im Januar 2012 konnte die ZLB mit dem Fagottduo Satyros die Auftaktveranstaltung anbieten, was z. B. dem Kulturradio vom RBB eine Meldung wert war. In Bezug auf Konzerte ist ebenfalls die Musikbibliothek des Bezirks Steglitz-Zehlendorf aktiv. Was dagegen den reinen Bestandsaufbau betrifft, beteiligen sich mehrere Öffentliche Musikbibliotheken Berlins. Im Verbundkatalog des VÖBB lassen sich diese Bestände in der Kategorie „Thementipps – Instrument des Jahres“ recherchieren.

Abb. 1:  Konzert mit dem Satyros-Fagottduo am 17.1.2012 im Berlin-Saal der ZLB.

Abb. 1:

Konzert mit dem Satyros-Fagottduo am 17.1.2012 im Berlin-Saal der ZLB.

c) Werbung im Fachbrief Musik für alle Berliner Schulmusiker/innen

Eine besondere Gelegenheit zur zielgruppenspezifischen Werbung bot 2014 ein Präsidiumsmitglied des Landesmusikrates, und zwar der Berliner Landesvorsitzende des Bundesverbandes Musikunterricht (BMU). Er schickt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft regelmäßig Material für den Fachbrief Musik, in dem einmal jährlich Wissenswertes für Musiklehrer/innen an allen Berliner Schulen mitgeteilt wird. Was liegt näher als der Hinweis auf die Musikbibliotheken und deren Bereitschaft, themenspezifische Führungen für Oberstufenkurse oder Schulklassen anzubieten? Adressen und Ansprechpartnerinnen waren schnell gefunden, ebenso der Hinweis auf ein paar im Internet abrufbare Standards zur Musikrecherche.[10] Zur Resonanz gehörte beispielsweise der Besuch eines Lehrers mit einem Musik-Oberstufenkurs zum Thema Chanson.

Sämtliche Projekte des Landesmusikrates sind natürlich nicht der ZLB vorbehalten. Wie schon erwähnt beteiligen sich die Öffentlichen Musikbibliotheken fast alle bei den Aktivitäten zum Instrument des Jahres. Die Musikabteilung der Staatsbibliothek ist dagegen bei Jugend forscht: Musik mit im Boot. Die Bibliothek der Universität der Künste wird im Fachbrief Musik bei den Führungen für Schulklassen mit aufgelistet. Die Weitergabe der relevanten Informationen und Einbindung der verschiedenen Musikbibliotheken gehören zu den Aufgaben der Vertretung im Landesmusikrat.

Zwar lassen sich die beschriebenen Formate und Projekte nicht ohne Weiteres auf andere Städte oder Bibliotheken übertragen, doch vom Prinzip her gibt es überall vor Ort Anknüpfungspunkte für verschiedene Formen der Zusammenarbeit. Wir sind froh über diese Kooperationen, denn sie erhöhen die Reichweite der eigenen Arbeit und bringen Gewinne auf beiden Seiten. Eine wichtige Komponente für die gesamte musikbibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit ist allerdings die aktive Teilnahme am Musikleben der Stadt: Künstlerkontakte pflegt man am besten durch den Besuch von Konzerten, auch andere Protagonisten der Musikwelt trifft man bei Veranstaltungen. Ein nicht unerheblicher Teil der Netzwerkarbeit findet also außerhalb der Arbeitszeit statt – das gelingt nur bei der Überschneidung mit privaten Freizeitinteressen und einer gewissen Portion Enthusiasmus.

Published Online: 2016-01-15
Published in Print: 2016-02-01

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