Heinz-Jürgen Lorenzen

Bibliothek & Information Deutschland (BID) – Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände e. V.

Tätigkeitsbericht für die Zeit von April 2016 bis März 2017

Open Access
De Gruyter | Published online: October 23, 2017

1 Zur Einführung

Das Jahr 2016 war geprägt von dem erfolgreichen Bibliothekskongress im März, aus dem sich in weiten Teilen das Arbeitsprogramm für die nachfolgenden Monate ergab. Dazu gehörte – neben der Nachbereitung des Kongresses – das Partnerlandprojekt USA, das auf dem Kongress gestartet wurde und unter der Regie von Bibliothek und Information International (BII) in den nächsten drei Jahren den Austausch zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Bibliotheksszene befördern soll.

Darüber hinaus nahm der Dachverband vielfältige Aufgaben in verschiedenen bibliothekarischen und kulturpolitischen Gremien auf nationaler und internationaler Ebene wahr und fungierte als koordinierendes Organ für die Mitgliedsverbände. Die Kommission BI-International trug maßgeblich zur Verstetigung des internationalen bibliothekarischen Fachaustausches bei.

Die Behandlung berufsethischer Fragen bildete einen Schwerpunkt der thematischen Arbeit des Verbandes. Höhepunkt des Veranstaltungsjahres war die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille an Thomas Beyer.

Die überarbeitete und erweiterte Neuauflage des Standardwerkes „Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland“ in deutscher und in englischer Sprache wurde 2016 vorbereitet.

2 Organe und Gremien

2.1 Mitgliederversammlung

Im Berichtszeitraum fand eine BID-Mitgliederversammlung am 05. Juli 2016 in der Polizeibibliothek Berlin statt.

Folgende Verbände und Einrichtungen sind Mitglied von BID:

  1. Berufsverband Information Bibliothek e. V. (BIB)

  2. Deutscher Bibliotheksverband e. V. (dbv)

  3. Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e. V. (VDB)

  4. ekz.bibliotheksservice GmbH

  5. Goethe-Institut e. V.

2.2 Vorstand

Der Vorstand von BID bestand im Berichtszeitraum aus folgenden Personen:

  1. Präsident:

  2. Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  3. Schatzmeister

  4. Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  5. dbv:

  6. Dr. Arne Ackermann

  7. Hella Klauser (seit 1.10.2016)

  8. Barbara Lison

  9. Barbara Schleihagen

  10. Dr. Beate Tröger

  11. BIB:

  12. Kristina Lippold

  13. Vesna Steyer, stellv. BID-Präsidentin

  14. Dr. Dirk Wissen

  15. VDB:

  16. Dr. Klaus-Rainer Brintzinger

  17. Konstanze Söllner, stellv. BID-Präsidentin

  18. ekz.bibliotheksservice GmbH

  19. Andreas Mittrowann

  20. Goethe-Institut:

  21. Gerlinde Buck (seit 01.10.2016; davor: Hella Klauser)

Ständige Gäste der Vorstandssitzungen sind: Dr. Ewald Brahms (BII-Sprecher), Prof. Frauke Schade (KIBA: Konferenz der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge); Dr. Monika Braß (BID-Geschäftsführerin).

BID-Vorstandssitzungen fanden statt

  1. am 05. Juli 2016 in der Polizeibibliothek Berlin

  2. am 11. Januar 2017 in den Bücherhallen Hamburg.

Im Verlauf des Jahres nahmen Präsident und Vorstandsmitglieder an zahlreichen Gesprächen und Veranstaltungen bibliothekarischer sowie kultur- und bildungspolitischer Gremien und Institutionen teil.

3 Finanzen

Für 2016 fällt der Wirtschaftsplan durch die Abrechnung des Bibliothekskongresses positiv aus. Nach Abzug der Übertragungen aus dem Vorjahr besteht ein gewisser finanzieller Spielraum zur Durchführung von Projekten und Maßnahmen, wobei der Ausgleich möglicher Defizite in den nächsten drei Jahren sowie die Zwischenfinanzierung und das Risiko des Kongresses 2019 in die Planungen einbezogen werden müssen.

Für 2017 gilt ebenfalls, dass ein gewisser finanzieller Spielraum zur Durchführung von Projekten und Maßnahmen besteht.

4 Ständige Kommission Bibliothek und Information International (BII)

Bibliothek & Information International (BI-International) ist die ständige Kommission von BID für den internationalen Fachaustausch.

In dieser Kommission arbeiten die Delegierten der Mitgliedsverbände zusammen. Ihr Sprecher war im Berichtszeitraum Dr. Ewald Brahms (Bericht s. u. 9.2).

5 Berufsethik

Im Berichtszeitraum wurde von außen evaluiert, wie der gesamte Themenkomplex Berufsethik in Zukunft durch BID zu behandeln ist. Außerdem war eine Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der berufsethischen Grundsätze eingesetzt.

6 Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2016

Am 1. November 2016 wurde die Karl-Preusker-Medaille im Zeughaus Wismar an den Bürgermeister der Hansestadt Wismar, Thomas Beyer, verliehen. BID würdigte damit das Engagement des Kommunalpolitikers und langjährigen Vorsitzenden des dbv-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern. Dieser hat sich unter schwierigen Rahmenbedingungen nachdrücklich und erfolgreich für zukunftsfähige Bibliotheken und die Entwicklung einer modernen Bibliotheksinfrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt. Darüber hinaus hat er auch die länderübergreifende Zusammenarbeit mit den Bibliotheken Westpommerns wiederbelebt, wie Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen bei der Ehrung des Preisträgers betonte.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig würdigte Thomas Beyer in ihrer Laudatio als herausragenden Kommunalpolitiker, der nicht nur an einem zukunftsweisenden Bibliotheksentwicklungsplan und dem Entstehen des Onleihe-Verbundes maßgeblich beteiligt war, sondern sich als Begründer der Sommer-Leseclubs in Mecklenburg-Vorpommern auch in besonderer Weise für Kinder eingesetzt hat.

Thomas Beyer hob in seinen Dankesworten hervor, dass der Preis eigentlich dem gesamten Landesverband gelte, der mit ihm ständig sehr engagiert zusammengearbeitet hatte. Seiner Überzeugung nach würden Bibliotheken auch in Zukunft nicht durch Online-Angebote ersetzt werden, sie bleiben auch als reale Orte Kristallisationspunkte für Bildung, und zwar Bildung für alle mit niedrigschwelligem Angebot.

7 Kooperationen

In folgenden Gremien wird BID durch seine Vorstandsmitglieder oder durch externe Delegierte vertreten:

7.1 Deutsche Literaturkonferenz (DLK)

BID ist institutionelles Mitglied der Deutschen Literaturkonferenz. Dr. Klaus Ulrich Werner vertritt als stellvertretender Sprecher der DLK die Interessen von BID in diesem Gremium.

7.2 Deutscher Kulturrat

Die Deutsche Literaturkonferenz bildet die Sektion Literatur im Deutschen Kulturrat. Durch ihre Mitgliedschaft in der DLK ist BID mittelbar im Deutschen Kulturrat vertreten. Als stellvertretender Sprecher der DLK ist Dr. Klaus Ulrich Werner zugleich Mitglied im Sprecherrat des Deutschen Kulturrats.

In den Fachausschüssen des Deutschen Kulturrates ist BID in der Amtszeit 2016 bis 2019 mit folgenden, über die Deutsche Literaturkonferenz nominierten Personen vertreten:

  1. Fachausschuss Arbeit und Soziales: Barbara Lison

  2. Fachausschuss Bildung: Barbara Schleihagen

  3. Fachausschuss Europa/Internationales: Dr. Christine Wellems

  4. Fachausschuss Kulturerbe: Prof. Dr. Thomas Bürger

  5. Fachausschuss Medien: Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider

  6. Fachausschuss Steuern: Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  7. Fachausschuss Urheberrecht: Dr. Arne Upmeier.

7.3 Deutsche UNESCO-Kommission (DUK)

BID ist seit Mitte 2004 Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und dort durch seinen Präsidenten vertreten.

7.4 Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)

Frau Dr. Schelle-Wolff vertritt BID seit Juni 2012 im DIE.

7.5 Beirat Leipziger Buchmesse

BID ist durch seinen Präsidenten im Beirat der Leipziger Buchmesse vertreten.

8 Berufliche Aus- und Weiterbildung

Die Kooperation mit den bibliothekarischen Ausbildungseinrichtungen verläuft sehr erfolgreich. Prof. Frauke Schade vertritt die Konferenz der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge, KIBA, mit Gaststatus bei den BID-Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen.

9 Internationale Aktivitäten

Auf internationaler Ebene agiert BID durch seine Vertretung in internationalen Verbänden und durch seine Ständige Kommission Bibliothek und Information International (BII).

BID nimmt die Alleinvertretung der deutschen Bibliotheken und bibliothekarischen Verbände in der europäischen Dachorganisation EBLIDA (European Bureau of Library, Information and Documentation Associations) wahr und ist dort in mehreren Expertengruppen vertreten.

Außerdem ist BID Mitglied in IFLA (International Federation of Library Associations) und ist im IFLA-Nationalkomitee vertreten. Einige Personen aus dem Kreis des BID-Vorstands und seiner Gäste sind in verschiedenen Gremien von IFLA aktiv.

Die Berichte über EBLIDA und den IFLA-Vorstand finden sich im Anschluss unter 9.1 und 9.2, der Bericht des IFLA-Nationalkomitees wird in diesem Heft nach dem BID-Tätigkeitsbericht auf S. 824 veröffentlicht.

9.1 EBLIDA – Bericht von Barbara Lison

Im Berichtszeitraum nahm Barbara Lison an folgenden Vorstandssitzungen teil:

  1. 9./10. Mai 2016: Den Haag (gleichzeitig auch Annual Council Meeting and Conference)

  2. 22./23. November 2016: Rom

  3. 22./23. Februar 2017: Malta

Strategie

Die neue EBLIDA-Strategie 2016–2019 wurde auf dem Annual Council Meeting in Den Haag verabschiedet (auf der EBLIDA-Website).

Urheberrecht/Copyright

Nach wie vor ist eine der wichtigsten Aufgaben von EBLIDA die Lobbyaktivität zu allen Copyright und e-Lending-Fragen auf europäischer Ebene. Insbesondere die anstehende Urheberrechtsreform (Copyright Directive in the Digital Single Market), die das Europäische Parlament noch im Jahr 2017 verabschieden will, führte zu verstärkten Lobbyaktivitäten in Richtung Parlament und Kommission. EBLIDAs Position ist vor allem bestimmt durch die Forderungen nach Einführung von Barrieren und Schranken für Bibliotheken bzw. der Beibehaltung des Verleihrechts von E-Books. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 10. November 2016 zur Klage des niederländischen Bibliotheksverbandes gegen die niederländische Verwertungsgesellschaft Stichting Leenrecht in Sachen E-Books für Öffentliche Bibliotheken wurde von EBLIDA im Grundsatz begrüßt und natürlich bei den weiteren politischen Aktivitäten argumentativ verwendet.

Auch die Verhandlungen zur Integration des Vertrages von Marrakesch (WIPO (World Intellectual Property Organization) mit Beobachterstatus) in die EU wurden von EBLIDA konsequent begleitet, und es wurde versucht, im Sinne der Bibliotheken und ihrer Nutzer so viel Einfluss wie möglich zu nehmen. Hier stand EBLIDA in enger Allianz mit IFLA und LIBER.

Von besonderer Bedeutung für die Arbeit auf diesen Feldern ist die EBLIDA-Arbeitsgruppe EGIL (Expert Group on Information Law).

Zu diesen und anderen aktuellen, die Bibliotheksarbeit berührenden Themen, die auf Ebene der EU diskutiert werden, publiziert EBLIDA selbständig oder in Zusammenarbeit mit LIBER und IFLA Statements, Pressemitteilungen, Briefings etc. Detaillierte Informationen über Projekte, Arbeitsergebnisse und weitere Aktivitäten, insbesondere der EBLIDA Annual Report 2016/2017 finden sich unter www.eblida.org.

EBLIDA-Arbeitsgruppen

  1. EGIL (Expert Group on Information Law) (s. o.)

  2. EBLIDA Literacies Expert Group (die Nachfolge-Expertengruppe von EGCIS (Expert Group on Culture in the Information Society)), die ein stärkeres Gewicht auf die Rolle der Bibliotheken im EU-Literacy-Kontext legen soll.

  3. Task Force on E-Books

  4. Working Group on Finance and Membership

Projekte im Berichtszeitraum

  1. Library Advovacy 4 EU (Fragebogenaktion zur Rolle von Bibliotheken beim informellen Lernen und entsprechenden nicht formalen, kursgebundenen Lernprozessen)

  2. Zusammenarbeit mit dem Projekt „Public Libraries 2020“

Verbandsangelegenheiten

Die Finanzierung von EBLIDA läuft im Wesentlichen über die Mitgliedsbeiträge. Eine Arbeitsgruppe zur Finanzoptimierung und Mitgliederwerbung legte ein umfassendes Konzept für ein noch restriktiveres Finanzgebaren und für eine verstärkte Mitgliederwerbung mit mehreren Optionen insbesondere für potenziell assoziierte Mitglieder. Jedes EC-Mitglied ist angehalten, im Laufe der kommenden zwölf Monate mindestens zwei neue assoziierte Mitglieder einzuwerben. Außerdem wird für 2018 eine Satzungsänderung angestrebt, die auch nationalen Bibliotheksverbänden aus Nicht-EU-Staaten, z. B. Schweiz, die Vollmitgliedschaft bei EBLIDA ermöglichen soll.

Annual Council Meetings: Das Annual Council Meeting 2016 in Den Haag fand am 10. Mai statt. Die sich anschließende Konferenz unter dem Motto “Libraries Empowering Europe” widmete sich schwerpunktmäßig den Aktivitäten, die die europäischen Bibliotheken unternehmen, um die Politik auf die Bedeutung der Bibliotheken in der digitalen Welt aufmerksam zu machen und deren wichtigen Beitrag zur Kompetenzentwicklung der Bevölkerung zu verdeutlichen.

Das Annual Council Meeting 2017 findet vom 3. bis 4. Mai in Aarhus/Dänemark statt, die Konferenz wieder zusammen mit NAPLE unter dem Motto: “Let’s Re-Think!”

Im März 2017 fand in Den Haag ein Treffen der Bibliotheksverbände der deutschsprachigen Länder statt, bei dem an einem Tag auch eine Konsultation mit EBLIDA, LIBER und IFLA durchgeführt wurde. Ziel war es, dass sich die Verbände über Lobbyaktivitäten und entsprechende Projekte austauschten, Vernetzungsmöglichkeiten eruierten und gegebenenfalls Umsetzungsoptionen dafür konzipierten.

9.2 IFLA-Vorstand – Bericht von Barbara Schleihagen und Dr. Christine Wellems

Im Berichtszeitraum nahmen Barbara Schleihagen und Dr. Christine Wellems an folgenden Vorstandssitzungen teil:

  1. 11.–13. April 2016, Den Haag

  2. 11.–12. und 19. August 2016, Columbus/Ohio

  3. 5.–9. Dezember2016, Den Haag

  4. 31. März bis 2. April 2017, Athen.

Strategie

Der Strategieplan der IFLA gibt die strategische Ausrichtung und die Ziele für die Jahre 2016 bis 2021 vor. Es werden darin vier strategische Schwerpunkte formuliert: Bibliotheken in der Gesellschaft, Information und Wissen, Kulturelles Erbe und Kapazitätsaufbau. Der Fortschritt der Umsetzung wird auf jeder Vorstandssitzung überprüft. Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielen Themenbereichen, an denen die beiden deutschen Vorstandsmitglieder unmittelbar beteiligt sind.

Urheberrecht: IFLA engagiert sich in den letzten Jahren auch verstärkt in Europa und konzentriert ihre Lobby-Aktivitäten vor allem auf das Urheberrecht. Der Weltverband hat Beobachterstatus bei der World Intellectual Property Organization (WIPO) in Genf und begleitet dort die Modernisierung des Urheberrechts und die Ausarbeitung des Marrakesch-Vertrages („Books for the Blind“; seit 30.09.2016 in Kraft).

Action for Development through Libraries Programme (ALP): In diesem Programm stehen drei wichtige Unterprogramme im Mittelpunkt: der Einsatz für die UN 2030 Agenda zur Nachhaltigkeit und ihre nationale Umsetzung durch Bibliotheken durch das „International Advocacy Programme (IAP)“, das „International Leaders Programme (ILP)“ zur Gewinnung von Führungskräften für die IFLA und Projekte im Rahmen des „Building Strong Library Associations Programme (BSLA)“ für Bibliotheksverbände.

Einige Projekte im Berichtszeitraum

Stiftung IFLA Global Libraries

Das „Global Libraries“ Programm der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung wird in den kommenden Jahren abgewickelt. Aus ihm wurden in den vergangenen Jahren Projekte der IFLA im Umfang von etwa einer Million Dollar jährlich finanziert. Ein Vermächtnis wurde neben der Public Library Association, USA, und der Technological & Social Change Group der University of Washington, USA, auch an die IFLA hinterlassen. Ein entsprechender Projektantrag für eine Förderung, die über 10 Jahre erfolgen soll, wurde in 2016 über die Summe von ca. 28 Mio. Euro bewilligt. Für die Umsetzung des Vermächtnisses wurde eine neue Stiftung nach niederländischem Recht eingerichtet, die Stiftung „IFLA Global Libraries“ (SIGL), die inzwischen als gemeinnützig anerkannt wurde. Grundsätzliches Ziel der Arbeit wird es sein, die Stellung der Bibliotheken und Informationseinrichtungen weltweit zu stärken.

Globaler Visionsprozess

Eine Zielsetzung der IFLA ist ihre verstärkte Präsenz in den Regionen der Welt sowie die Erarbeitung einer gemeinsamen weltweiten Vision für die moderne Bibliothek. Zur Erreichung dieser beiden Ziele fand im Dezember 2016 ein Workshop für Vorstandsmitglieder und Anfang April 2017 in Athen ein sog. „Vision Workshop“ mit ca. 120 Teilnehmern statt. Auf den Workshop folgen weitere Workshops in den Regionen der IFLA. Weitere Information: https://globalvision.ifla.org/

Welt-Bibliothekskarte

Eine weitere Aktivität, die aus den Mitteln der neuen Stiftung finanziert wird, ist die Erarbeitung einer „Library Map of the World“ mit grundlegenden statistischen Daten über Anzahl, Beschäftigte, Nutzer, Besucher und elektronische Möglichkeiten der Bibliotheken weltweit, wozu die Deutsche Bibliotheksstatistik wertvolles Material liefert.

Verbandsangelegenheiten

Arbeitsgruppen des Vorstands

Professional Committee (PC): Ein wichtiges Thema neben der Vergabe von Zuschüssen für die Sektionen ist die Struktur und Gestaltung der Jahreskonferenz. Grundsätzlich muss ständig evaluiert werden, ob Dauer, Struktur und Inhalt der Konferenz verbessert werden können.

Das IFLA Journal hat in den vergangenen beiden Jahren unter dem neuen Herausgeber Steve Witt bereits mehrere Themenhefte erstellt. Der Sage-Verlag hat im Jahr 2016 erstmalig einen Artikel für das Journal nach dem Prinzip „online first“ publiziert.

Ausschuss für die Jahreskonferenzen (CAC): Im Konferenzausschuss wurde über die nächsten Auswahlschritte für den Konferenzort 2019 beraten. In 2017 findet die Konferenz in Wroclaw statt, in 2018 in Kuala Lumpur. Weiterhin stand die Evaluierung der Konferenz in Columbus/Ohio 2016 sowie die Finanzsituation der IFLA Konferenzen auf der Tagesordnung.

Financial Committee (FC): Der Haushalt der IFLA ist derzeit ausgeglichen. Für die Arbeit und Organisation der IFLA wurde zum zweiten Mal innerhalb der letzten Jahre eine Risikoanalyse durchgeführt und im Vorstand beraten.

Transparenz und Offenheit: Auf Anregung einiger Mitglieder des Vorstandes war überprüft worden, ob die laut IFLA-Satzung für Mitglieder öffentlichen Sitzungen aller Gremien auch tatsächlich öffentlich sind. Im April 2017 wurde erstmalig auf der IFLA-Website die Tagesordnung der Vorstandssitzungen veröffentlicht. Es wird erwartet, dass während der Sitzungen im Rahmen des Weltkongresses weiterhin einige Mitglieder als Beobachter teilnehmen werden.

9.3 Bibliothek & Information International (BI-International) – Bericht von Dr. Ewald Brahms

BII-Gremium – Geschäftsstelle

Am 31.03.2016 endete die Amtszeit von Susanne Riedel als BII-Sprecherin. Zum 01.04.2016 hat Ewald Brahms das BII-Sprecheramt übernommen. Bis November 2016 blieb Susanne Riedel Mitglied des BII-Gremiums. Ihr folgte Frank Redies als zweiter BIB-Vertreter.

Das BII-Gremium besteht seit dem 01.10.2016 aus folgenden Mitgliedern:

  1. Blinten, Benjamin (VDB)

  2. Brahms, Dr. Ewald (VDB, Sprecher)

  3. Buck, Gerlinde (Goethe-Institut)

  4. Klauser, Hella (dbv)

  5. Lison, Barbara (dbv)

  6. Mittrowann, Andreas (ekz)

  7. Redies, Frank (BIB)

  8. Stummeyer, Sabine (BIB)

Als Gäste nehmen an den Sitzungen teil:

  1. Brühl, Bettina (BII-Geschäftsstelle, bis 30.11.2016)

  2. Lorenzen, Dr. Heinz-Jürgen (BID-Präsident)

Die BII-Sachbearbeiterin Bettina Brühl verließ BII zum 30.11.2016. Die Stelle wurde zum 01.04.2017 mit Kerstin Bröring neu besetzt.

BII-Förderung

Deutsche Kolleg/innen ins Ausland

2016 konnten 102 Personen gefördert werden. Die Förderung bezog sich auf fünf Fachaufenthalte, 31 Kongressteilnahmen (davon 20 Teilnahmen am IFLA-Kongress in Columbus/Ohio) sowie vier Studienreisen mit insgesamt 66 Teilnehmenden.

Ausländische Kolleg/innen nach Deutschland

Für das Jahr 2016 sind Studienreisen und Fachaufenthalte von 22 Kolleginnen und Kollegen aus fünf Ländern zu verzeichnen, davon 16 Personen einer Reisegruppe aus Kenia, drei Personen aus Polen, sowie jeweils eine Person aus Georgien, Kanada und Mazedonien. 26 Personen erhielten eine Förderung zur Teilnahme an Kongressen.

Insgesamt war 2016 ein Rückgang der Förderanträge für Studienreisen und Fachaufenthalte zu beobachten. Vergleichbare Rückgänge gab es auch in früheren Jahren. Mit Schwankungen bei den Antragseingängen ist grundsätzlich zu rechnen. Um dem zukünftig entgegen zu wirken, sollen die BII-Fördermöglichkeiten in Zusammenhang mit in Deutschland stattfindenden internationalen Konferenzen intensiver beworben werden.

Finanzen

Die deutschen Antragsteller/innen erhalten die Förderung aus Mitteln des Goethe-Instituts, die das Auswärtige Amt bereitstellt. Auch im Jahr 2016 wurden diese Mittel vollständig verausgabt. Die Mittel für ausländische Antragsteller/innen (bereitgestellt über die DNB) wurden 2016 nicht vollständig verausgabt. Für das Jahr 2017 stehen BII erfreulicherweise wieder beide Budgets in gleicher Höhe zur Verfügung wie im Jahr 2016.

106. Deutscher Bibliothekartag (DBT) im Mai 2017 in Frankfurt am Main

BII hat die von den bibliothekarischen Verbänden BIB, BID, dbv und VDB benannten ausländischen Kolleg/innen eingeladen und für sie ein Besuchsprogramm organisiert. Für 35 Personen wurden Hotelzimmer gebucht, ein „Welcome Dinner“ sowie Stadt- und Bibliotheksführungen organisiert. Zudem wurde eine Einführungsveranstaltung „International Librarians‘ Orientation“ angemeldet, um ausländische Kolleginnen und Kollegen über den DBT sowie über die Arbeit von BII zu Informieren.

IFLA-Kongress 2016 in Columbus, Ohio

2016 wurden 16 Reisestipendien für Funktionsträger/innen in Sektionen, Vortragende und Posterpräsentationen bewilligt. Zum zweiten Mal wurde das sog. „Orientierungsstipendium“ vergeben, eine Nachwuchs-Koordinatorin unterstützt und zwei „IFLA-Express“-Nachwuchsstipendien gewährt, so dass die IFLA-Förderung insgesamt 20 Personen umfasste.

„Librarian in Residence 2016“

Als Thema des Jahres 2016 wurde „Bibliotheksangebote für Geflüchtete“ vereinbart. Die Entscheidung der Auswahljury fiel auf Frau Inka Jessen, die Mitte Oktober einen dreiwöchigen Aufenthalt in New York antrat. Seit Juli 2013 ist Frau Jessen die Leiterin der 17 Stadtteilbibliotheken und der Fahrbibliothek der Stadtbibliothek Stuttgart und koordiniert den Bereich Interkultur.

Partnerland USA 2016 – 2019

Auf dem Bibliothekskongress in Leipzig fand ein Workshop zum Partnerland USA statt, mit dem auf das Partnerland-Projekt aufmerksam gemacht und die Fachöffentlichkeit eingebunden wurde. Zudem hielten mehrere amerikanische Kolleg/innen Vorträge.

Im Rahmen des Partnerland USA-Programms hat die ALA für ihre 2017 Annual Conference in Chicago (22. – 27. Juni 2017) angeboten, vier „German focused programs“ in das Programm aufzunehmen. Für die deutschen Teilnehmer/innen ist damit eine „free registration“ verbunden. Als Thema für einen Veranstaltungsblock wurde von amerikanischer Seite „German Libraries‘ Services to Refugees“ gewünscht. Als weitere Themenblöcke wurden auf der BII-Sitzung am 14.10.2016 festgelegt:

  1. Bibliotheksentwicklungen in Deutschland (ÖB- bzw. WB-Entwicklungen in Deutschland im Unterschied zu den USA)

  2. Change Management (z. B. mit Blick auf Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Kooperationen von Bibliotheken innerhalb und außerhalb der eigenen Universität)

  3. Bibliotheken unterstützen Forschung (z. B. Fachinformationsdienste, Forschungsdatenmanagement, Forschungsinformationssystem, neue Services für Wissenschaftler/innen).

Für alle vier Veranstaltungsblöcke konnten Referent/innen gefunden werden. Auf einen deutschen Stand auf der ALA-Konferenz wird aus organisatorischen und finanziellen Gründen verzichtet.

10 Ausblick

In diesem Jahr werden der Relaunch der BID-Website, die Neuausrichtung hinsichtlich des Umgangs mit berufsethischen Fragen, die Herausgabe der „Portale“ sowie erste Vorbereitungen für den Leipziger Kongress 2019 eine wichtige Rolle spielen.

Ich danke den Mitgliedern, dem Vorstand, der Geschäftsführerin sowie dem BII-Sprecher, den Mitgliedern des BII-Gremiums und der Sachbearbeiterin für die sehr gute Zusammenarbeit und das hohe Maß an Vertrauen, das sie mir im vergangenen Jahr entgegengebracht haben.

Published Online: 2017-10-23
Published in Print: 2017-10-28

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