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Publicly Available Published by De Gruyter Saur October 23, 2017

Die bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Bachelorstudiengänge an der Humboldt-Universität zu Berlin

Vivien Petras

Vivien Petras

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and Maria Gäde

Maria Gäde

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From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung

Das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (IBI) ist das einzige deutsche universitäre Institut mit dieser disziplinären Ausrichtung. Die Lehre und Forschung deckt den Informationskreislauf in seiner Gesamtheit ab, wobei der Fokus auf bibliothekswissenschaftlichen Forschungs- und Anwendungsfragen liegt. Dieser Artikel beschreibt kurz die wissenschaftliche Ausrichtung des IBI und seine Perspektive auf die berufliche Ausbildung, bevor die angebotenen Bachelorstudiengänge Kombinationsbachelor Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Informationsmanagement und –technologie am Institut beschrieben werden. In einem weiteren Artikel in diesem Heft werden die Masterstudiengänge beschrieben.

Abstract

The Berlin School of Library and Information Science of the Humboldt-Universität zu Berlin (IBI) is the only German university institute with this kind of disciplinary orientation. Teaching and research cover the entire information circuit while the focus is on research and application issues within library science. This article describes briefly the IBI’s scientific orientation and its perspective towards the vocational training, before details about these Bachelor’s programmes at the institute are given: combined Bachelor’s Programme in Library and Information Science and Information Management and Technology. The Master’s programmes are described in another article in this issue.

1 Einleitung

Das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (IBI) blickt auf eine lange Tradition bibliothekarischer Ausbildung zurück. Vor fast 90 Jahren (Wintersemester 1928/29) wurde das Institut für die Ausbildung der Volontäre im wissenschaftlichen Bibliotheksdienst vom ehemaligen Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek Fritz Milkau gegründet, eine Aufgabe, die das Institut auch heute noch erfüllt[1]. Nach der kriegsbedingten Neugründung (1955) erkannte das Institut die Bedeutung anderer informationsverarbeitender Einrichtungen und erweiterte das Institut um das Fachgebiet „wissenschaftliche Information“ schon 1966. Zwar gab es durch die gesellschaftlichen Veränderungen in den Wendejahren eine kurze Trennung der Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Berlin[2]; diese wurde aber durch die bislang letzte Namensänderung in Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (2005) wieder zusammengeführt.

Heute positioniert sich das Institut in der disziplinär breiter aufgestellten Informationswissenschaft. Aus seiner historischen Entwicklung ergibt sich aber nach wie vor ein Fokus auf bibliothekswissenschaftliche Forschungs- und Anwendungsfragen. Die Tradition der Ausweitung der bibliothekarischen Perspektive auf gesamtgesellschaftliche oder wirtschaftliche informationsinfrastrukturelle Prozesse, die im Institut schon in den 60er Jahren begonnen wurde, ist mit den Neuberufungen der letzten Jahre und einem Umgestaltungsprozess, der 2006 begann, konsequent fortgesetzt worden. Heute ist das IBI in seinen Forschungs- und Lehrbereichen so ausgerichtet, dass der Informationskreislauf möglichst vollständig abgebildet wird. Die Lehrstühle des Instituts bilden die strategische Abdeckung wichtiger Komponenten des Informationskreislaufs ab: Information Processing and Analytics, (Informationsorganisation und) Information Retrieval sowie Informationsmanagement bilden die Arbeitsprozesse ab, um Informationsressourcen zu verarbeiten, während Information Behavior und Digitale Bibliotheken essentielle methodische Untersuchungsansätze der Prozesse integrieren. Weitere wichtige Fachgebiete wie die Szientometrie oder Bibliotheksrecht werden durch strategische Partnerschaften bzw. durch Honorarprofessuren am Institut unterstützt.

Bibliotheken als Objekt- und Wissensspeicher stehen am IBI traditionell im Fokus des Erkenntnisinteresses. Andere Organisationen und Einrichtungen der Informationsgesellschaft, die Informationsprozesse gestalten und steuern, werden zunehmend in die wissenschaftliche Betrachtung miteinbezogen. Dies bedeutet nicht nur eine Ausweitung der Analyse informativer Objekte und Informationsprozesse über das bibliographische Universum hinaus, sondern auch die Ausweitung der Ausbildung, um die AbsolventInnen auf Karrierewege in einem breiten Kontext informationsverarbeitender Organisationen vorzubereiten. Das IBI glaubt, dass die Ansätze, Methoden und Standards der bibliothekarischen Informationsversorgung einen sehr guten Ausgangspunkt geben, um Informationsprozesse auch in anderen Kontexten gestalten zu können.

Eine Konzentration in der Forschung erfolgt auf die Gedächtnisinstitutionen (hier allen voran die Bibliotheken) und den wissenschaftlichen Forschungsprozess als Informationskreislauf mit den damit verbundenen Informationsressourcen (von Forschungsdaten zu Kulturerbe-Objekten) und Informationsprozessen (von der Informationsaufbereitung zu Digital Curation und digitaler Langzeitarchivierung) – diese Inhalte sind alle in die Lehre integriert.

Seit 2008 ist das IBI eine iSchool[3], Mitglied eines internationalen Konsortiums von Ausbildungseinrichtungen, die sich der Informationsdisziplin, breit definiert als die Wissenschaft der Beziehungen zwischen Information, Menschen und Technologie, angehörig fühlen. Die durch den Bologna-Prozess angestoßene internationale Öffnung der Hochschulausbildung wird durch Kooperationen innerhalb der Humboldt-Universität (z. B. mit dem Masterstudiengang Wissenschaftsforschung), innerhalb des iSchool-Verbundes (z. B. mit der Royal School of Library and Information Science) und mit anderen Hochschulen in Deutschland und Europa weiter verstärkt. Im Masterbereich werden mit dem Joint Study Profile Information Science and Cultural Communication (zusammen mit der Royal School of Library and Information Science der Universität Kopenhagen) sowie dem Weiterbildenden Masterstudiengang Digital Curation englischsprachige Angebote auch für internationale Studierende zur Verfügung gestellt.

Als einziges universitäres Institut mit dem Schwerpunkt Bibliotheks- und Informationswissenschaft bildet das Institut auf allen Ebenen der universitären Ausbildung aus: zwei Bachelorstudiengänge, drei Masterstudiengänge sowie die Promotion werden angeboten. Das Institut bezieht dabei die wissenschaftliche Forschung, aber auch die Beziehungen aller Lehrstühle zur professionellen Praxis in die Lehre mit ein.

Die Bachelor-Studiengänge sollen in ihrer Ausrichtung in diesem Artikel detailliert beschrieben werden[4]. Eine Besonderheit für viele Bachelorstudiengänge an der Humboldt-Universität ist der Kombinationsstudiengang: hier wird ein Kernfach (umfasst 120 Leistungspunkte) mit einem Zweitfach (umfasst 60 Leistungspunkte) kombiniert. Monobachelorstudiengänge bilden im Gegensatz dazu für eine Disziplin aus, wobei mind. 20 Leistungspunkte dem überfachlichen Wahlpflichtbereich (also Lehrangebote in anderen Fächern) vorbehalten ist. Bibliotheks- und Informationswissenschaft kann im Kombinationsbachelorstudiengang sowohl als Kern- als auch als Zweitfach studiert werden. Die Disziplin kann mit zu 35 anderen Fächern[5] kombiniert werden. Mit einem Abschluss im Kern- oder im Zweitfach kann man zum konsekutiven Masterstudiengang im Direktstudium zugelassen werden. Der Studiengang Informationsmanagement und Informationstechnologie ist ein Monobachelor, dessen Studienangebot sowohl vom IBI als auch vom Institut für Information der Humboldt-Universität gestellt wird. Absolventen des Studienganges können sowohl zum konsekutiven Masterstudiengang im Direktstudium des IBIs als auch des Instituts für Informatik zugelassen werden.

Die Masterstudiengänge der Humboldt-Universität umfassen gewöhnlich 120 Studienpunkte. Mit einer Gesamtzahl von 300 Leistungspunkten (ein abgeschlossenes Bachelor- und Masterstudium) ist man zulassungsfähig für eine Promotion. Alle Bachelor- und Masterstudiengänge (mit Ausnahme des Studiengangs Digital Curation) enthalten als Pflichtbestandteil ein Praktikum in einer Bibliothek oder anderen Informationseinrichtung, um die Studierenden auch in den praktischen Arbeitskontext einzuführen.

2 Bachelorkombinationsstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Das Studium zielt auf den Erwerb von Kenntnissen über Funktion, Strukturen und Arbeitsmethoden des Bibliotheks- und Informationsbereiches sowie Handlungskompetenzen für die Organisation von Wissens- und Informationsprozessen. Der Studiengang verbindet praktische Fragestellungen mit wissenschaftlichen Methoden. Studierende erlangen diese Kompetenzen in der Mischung aus Präsenzlehre, E-Learning und Selbststudium. Darüber hinaus sollen durch Studien im Ausland sowie Kooperationen mit Praxispartnern und Ausbildungseinrichtungen in europäischen und außereuropäischen Ländern internationale Kompetenzen gefördert werden.

Der Bachelorkombinationsstudiengang hat eine Regelstudienzeit von 6 Semestern und umfasst insgesamt 180 Leistungspunkte, die sich aus dem Kern- und Zweitfach zusammensetzen. Das Fach Bibliotheks- und Informationswissenschaft kann dementsprechend sowohl im Kernfach mit 120 Leistungspunkten oder aber als Zweitfach mit einem Umfang von 60 Leistungspunkten belegt werden. Die Immatrikulation zum 1. Fachsemester erfolgt zum Wintersemester und fand erstmals im akademischen Jahr 2005/2006 statt.

Die Inhalte gliedern sich in einen Pflicht- und Wahlpflichtbereich, wobei das Zweitfachstudium nur den Pflichtbereich umfasst. Darüber hinaus werden im Rahmen des überfachlichen Wahlpflichtbereichs Veranstaltungen aus dem gesamten Fächerangebot der Universität im Umfang von 20 benoteten Leistungspunkten absolviert. Der Pflichtbereich umfasst insgesamt 7 Module, davon 5 Grundlagenmodule: Einführung in die Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie, Informationsproduktion und -management, Informationsaufbereitung und -organisation und Human Information Behavior, ein Projektmodul, das siebenwöchige Praktikum sowie das Abschlussmodul mit der Bachelorarbeit und dem obligatorischen Begleitcolloquium.

Im fachlichen Wahlpflichtbereich wählen die Studierenden zwei von fünf Vertiefungsmodulen und legen somit weitere Schwerpunkte wie z. B. Informationsdidaktik, Information Processing and Storage, Information und Gesellschaft, Human-Computer-Interaction oder Wirtschaftliche Grundlagen des Informationssektors fest.

Die Einsatzmöglichkeiten für Absolventen erstrecken sich von klassischen Tätigkeitsfeldern in Bibliotheks- und Informationseinrichtungen der Wissenschaft und des öffentlichen Sektors bis hin zum Bereich der Contentindustrie und anderen rechercheintensiven bzw. informationsverarbeitenden Feldern der freien Wirtschaft wie z. B. Verlage, Medienindustrie, Software-Unternehmen etc. Ein erfolgreich abgeschlossenes Studium führt zum Erwerb des akademischen Grades „Bachelor of Arts“ (B. A.).

AbsolventInnen des Kombinationsbachelor können den konsekutiven Master anschließen[6].

3 Monobachelorstudiengang Informationsmanagement und Informationstechnologie

Der Studiengang ist ein Monobachelorstudium, welches sich aus Inhalten aus den Instituten für Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Informatik zusammensetzt. Er ist damit technischer ausgerichtet als der Kombinationsbachelorstudiengang. Die Immatrikulation zum 1. Fachsemester erfolgt zum Wintersemester und fand erstmals im Jahr 2012/13 statt.

Das Studium zielt auf die Vermittlung von Kompetenzen, Wissen und Fähigkeiten im Informationsmanagement und in Informationstechnologien. Die Studierenden erhalten technische und analytische Fähigkeiten und Kompetenzen in der Erschließung, Speicherung, Vermittlung, Darstellung, Suche und Analyse von Informationen in computergestützten Systemen. Das Studium vermittelt dazu Wissen über gängige Systeme und Techniken der Informations- und Wissensverwaltung, insbesondere in Bezug auf die Organisation und Strukturierung von Daten. Darüber hinaus sollen durch Studien im Ausland sowie Kooperationen mit Praxispartnern und Ausbildungseinrichtungen in europäischen und außereuropäischen Ländern internationale Kompetenzen gefördert werden.

Der erfolgreiche Abschluss des Studiums qualifiziert für vielfältige Berufsfelder im Umfeld des Einsatzes von Computern, wie Anwendungsentwicklung, Datenbankentwicklung, Systemanalyse oder Softwareevaluation sowie außerdem für Einsatzmöglichkeiten in Informationseinrichtungen der Wissenschaft und des öffentlichen Sektors, Information Services von Forschungseinrichtungen und Unternehmen bis hin zum Bereich der Content-Industrie und anderen rechercheintensiven und informationsverarbeitenden Feldern der freien Wirtschaft wie z. B. Verlage, Medienindustrie, Software-Unternehmen etc.

Im Vergleich zu einem Kerninformatiker eröffnen sich Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs weitere Berufsfelder in den klassischen „Informationsbereichen“ Bibliothek, Fachinformation, Wissenschaftsorganisation, Verlag und Archiv. Im Vergleich zu einem Absolventen des Studiengangs Bibliotheks- und Informationswissenschaft adressiert der Studiengang auch solche Berufe, die Entwurfs- und Entwicklungskompetenz für Informationssysteme benötigen.

Im Detail qualifiziert der Bachelor für Positionen in folgenden Bereichen:

  1. Analyse, Modellierung, Entwicklung, Einführung und Betrieb von Informationssystemen in klassischen „Informationsinstitutionen“ (Bibliothek, Dokumentation, Archiv, Verlag, Museum), aber auch allgemein in Unternehmen und dem öffentlichen Dienst (Verwaltung),

  2. Konzeption, Entwicklung, Einführung und Betrieb von Daten-, Dokumenten-, Content-, Wissensmanagement-Lösungen (Medienagenturen, Verlage, Behörden, Unternehmen, Webwirtschaft),

  3. Analyse, Organisation/Strukturierung und Präsentation von Daten/Informationen (z. B. in einem journalistischem Kontext), auch und gerade im World Wide Web,

  4. Analyse, Bedarfsforschung und Evaluation von Nutzern von Informationssystemen (Beratungsunternehmen),

  5. Recherche und Vermittlung von wissenschaftlich-technischen Informationen/Vermittlung von Informationskompetenz (Lehre, Bildungsträger, Hochschulen),

  6. Generell Einrichtungen im Umfeld von (digitalen) Bibliotheken oder Archiven,

  7. Management von Informations- oder Wissenschaftseinrichtungen,

  8. E-Government.

Der Monostudiengang hat eine Regelstudienzeit von 6 Semestern und umfasst insgesamt 180 Leistungspunkte, die in einer Kombination aus dem Lehrangebote des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft und des Instituts für Informatik erworben werden. Die geforderten Leistungspunkte setzen sich zusammen aus:

  1. 85 LP als Pflichtveranstaltung (verteilt zwischen IBI (siehe Abschnitt 2) und Institut für Informatik (Grundlagen der Programmierung, Algorithmen und Datenstrukturen, Einführung in die Theoretische Informatik und Grundlagen von Datenbanksystemen)

  2. 50 LP als Wahlpflichtveranstaltung (wahlfrei zwischen IBI (siehe Abschnitt 2) und dem Institut für Informatik (wechselndes Angebot)

  3. 10 LP als Projektseminar (wahlfrei zwischen IBI und dem Institut für Informatik)

  4. 20 LP als Überfachlicher Wahlpflichtbereich (10 Leistungspunkte wahlfrei universitätsweit) & 10 Leistungspunkte für Lineare Algebra)

  5. 10 LP als 7-wöchiges Praktikum und

  6. 15 LP als Bachelorarbeit und Verteidigung (wahlfrei zwischen IBI und dem Institut für Informatik oder als Kombination mit GutachterInnen beider Fächer)

Momentan können Studierende des INFOMIT Studiengangs die konsekutiven Masterstudiengänge am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft oder Informatik aufnehmen, ein Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Informationsmanagement und -technologie steht jedoch zur Diskussion[7].

About the authors

Vivien Petras

Vivien Petras

Maria Gäde

Maria Gäde

Published Online: 2017-10-23
Published in Print: 2017-10-28

© 2017 by De Gruyter

Downloaded on 3.12.2022 from frontend.live.degruyter.dgbricks.com/document/doi/10.1515/bd-2017-0106/html
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