Bibliothek & Information Deutschland (BID) - Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände e.V.

Tätigkeitsbericht für die Zeit von April 2017 bis März 2018 erstattet vom Präsidenten von BID, Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

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De Gruyter | Published online: October 26, 2018

1 Zur Einführung

Das Jahr 2017 stand bereits im Zeichen der Vorbereitung des nächsten Bibliothekskongresses 2019. In diesem Zusammenhang wurde auf dem Bibliothekartag in Frankfurt in Anwesenheit von Vertretern der Königlichen Bibliothek der Niederlande das Gast- und Partnerlandprojekt Niederlande initiiert. Es soll auf dem Kongress 2019 in Leipzig mit dem Gastlandauftritt der Niederlande gestartet werden und unter der Regie von Bibliothek und Information International (BII) in den darauf folgenden drei Jahren den Austausch zwischen der niederländischen und der deutschen Bibliotheksszene befördern.

Die Veröffentlichung der Berufsethischen Grundsätze bildete einen Schwerpunkt der thematischen Arbeit des Verbandes im vergangenen Jahr. Höhepunkt des Veranstaltungsjahres war die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille an Dr. Claudia Fabian.

Die überarbeitete und erweiterte Neuauflage des Standardwerkes „Portale zu Vergangenheit und Zukunft - Bibliotheken in Deutschland“ wurde zum Bibliothekartag 2017 in deutscher und zum IFLA-Kongress 2017 in englischer Sprache veröffentlicht.

Ende März 2018 ging die neue BID-Website online. Damit ist ein wichtiger Meilenstein bei der Verbesserung der Sichtbarkeit und Kommunikation des Verbandes nach außen erreicht.

Darüber hinaus nahm der Dachverband vielfältige Aufgaben in verschiedenen bibliothekarischen und kulturpolitischen Gremien auf nationaler und internationaler Ebene wahr und fungierte als koordinierendes Organ für die Mitgliedsverbände. Die Kommission BI-International trug maßgeblich zur Verstetigung des internationalen bibliothekarischen Fachaustausches bei.

2 Organe und Gremien

2.1 Mitgliederversammlung

Im Berichtszeitraum fanden zwei BID-Mitgliederversammlungen statt:

  • am 04. Juli 2017 in der Bezirksbibliothek Berlin-Reinickendorf, Humboldtbibliothek

  • am 10. Januar 2018 in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen.

Folgende Verbände und Einrichtungen sind Mitglied von BID:

  • Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB)

  • Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)

  • Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V. (VDB)

  • ekz.bibliotheksservice GmbH

  • Goethe-Institut e.V.

2.2 Vorstand

Der Vorstand von BID bestand im Berichtszeitraum aus folgenden Personen:

  • Präsident:

    Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  • Schatzmeister

    Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  • dbv:

    Dr. Arne Ackermann

    Hella Klauser

    Barbara Lison, stellv. BID-Präsidentin

    Barbara Schleihagen

    Dr. Beate Tröger

  • BIB:

    Kristina Lippold

    Vesna Steyer

    Dr. Dirk Wissen

  • VDB:

    Dr. Klaus-Rainer Brintzinger

    Konstanze Söllner, stellv. BID-Präsidentin

  • ekz.bibliotheksservice GmbH

    Andreas Mittrowann

  • Goethe-Institut:

    Brigitte Döllgast

Ständige Gäste der Vorstandssitzungen sind:

Dr. Ewald Brahms (BII-Sprecher bis Feb. 2018)

Prof. Frauke Schade (KIBA: Konferenz der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge)

Dr. Monika Braß (BID-Geschäftsführerin).

BID-Vorstandssitzungen fanden statt

  • am 04. Juli 2017 in der Bezirksbibliothek Berlin-Reinickendorf, Humboldtbibliothek

  • am 10. Januar 2018 in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen.

Im Verlauf des Jahres nahmen Präsident und Vorstandsmitglieder an zahlreichen Gesprächen und Veranstaltungen bibliothekarischer sowie kultur- und bildungspolitischer Gremien und Institutionen teil.

3 Finanzen

Die Finanzen von BID bewegen sich im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung von 2017 bis 2019. Dank des Überschusses aus dem Bibliothekskongress aus dem Vorjahr besteht ein gewisser finanzieller Spielraum zur Durchführung von Projekten und Maßnahmen, wobei der Ausgleich der Defizite in den nächsten zwei Jahren sowie die Zwischenfinanzierung und das Risiko des Kongresses 2019 in die Planungen einbezogen werden müssen.

Der Abschluss 2017 fällt aufgrund von höheren Einnahmen und geringeren Ausgaben um etwa 10 T€ günstiger aus als geplant. Die Planung für das Jahr 2018 und die Voraussicht für das Jahr 2019 decken die Erfordernisse ab.

4 Ständige Kommission Bibliothek und Information International (BII)

Bibliothek & Information International (BI-International) ist die ständige Kommission von BID für den internationalen Fachaustausch.

In dieser Kommission arbeiten die Delegierten der Mitgliedsverbände zusammen. Ihr Sprecher war bis 8. Februar 2018 Dr. Ewald Brahms. Seither hat Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen das Amt des kommissarischen Sprechers inne (Bericht s. u. 10.3).

Neben der laufenden Arbeit wurden intensive Gespräche mit dem Goethe-Institut geführt, um die erfolgreiche, langjährige gemeinsame Arbeit auf der Grundlage einer Vereinbarung verbindlich fortzusetzen.

5 Berufsethik

Im Berichtszeitraum war eine Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der berufsethischen Grundsätze eingesetzt. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden in einem Workshop auf dem Bibliothekartag im Juni 2017 einem breiten Publikum zur Diskussion gestellt. Danach wurden sie im BID-Vorstand behandelt und mit Ergänzungen und Modifikationen am 5. Oktober 2017 beschlossen.

Sie sind unter dem Titel „Ethische Grundsätze von Bibliothek und Information Deutschland“ auf der BID-Website publiziert. https://www.bideutschland.de/de_DE/berufsethik#grundsatzpapiere

6 Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2017

Mit der Karl-Preusker-Medaille 2017 wurde am 29. September die Leitende Bibliotheksdirektorin Dr. Claudia Fabian ausgezeichnet. Bibliothek und Information Deutschland würdigte in einem Festakt im Fürstensaal der Bayerischen Staatsbibliothek die herausragenden Verdienste der Preisträgerin für die Erforschung und Sichtbarmachung des schriftlichen Kulturguts vom Mittelalter bis in die neuste Zeit.

In ihrer Begründung hob die Jury hervor, dass Claudia Fabian nicht nur die wissenschaftliche Erschließung und Erforschung des schriftlichen Kulturerbes der Bayerischen Staatsbibliothek und seine sach- und zeitgemäße Vermittlung in nationalen und internationalen bibliothekarischen Kontexten verfolgt. Sie bringt dieses Erbe auch durch exzellent konzipierte Ausstellungen der Öffentlichkeit näher. Herausragende Beispiele aus den letzten Jahren sind die Ausstellungen „Pracht auf Pergament“ (2012/13) und „Bilderwelten - Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit“ (2016/17).

Bereits durch ihr Wirken in der Katalogabteilung und als Leiterin der Benutzungsdienste der Staatsbibliothek hat Claudia Fabian einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, Benutzer und Bestände einander näher zu bringen, so ihr langjähriger Betreuer an der Hochschule, Prof. Dr. Werner Suerbaum, in seiner Laudatio.

Die Preisträgerin bedankte sich in ihrer Rede bei den Verbänden, die die Strukturen und den Rahmen bereitstellten, um wichtige nationale und auch internationale Netzwerke aufbauen zu können. So haben das Konsortium der europäischen Forschungsbibliotheken CERL und der europäische Verband LIBER ebenso wie der Weltverband IFLA ihre berufliche Entfaltung geprägt.

Die inspirierende Umgebung der Bayerischen Staatsbibliothek, ihre Bestände und die kollegiale Gemeinschaft seien immer Ansporn für Claudia Fabians Tun gewesen. In diesem „glückhaften Netzwerk“ sei Sichtbarmachung der Bestände kein Verdienst, sondern eine Selbstverständlichkeit gewesen. Denn nur wenn die Bibliothek ihre Bedeutung für ihre Zeit wahrnimmt, dann bleibt sie lebendig, so Fabian in ihrer Dankesrede.

7 Relaunch der BID-Website

Die bisherige BID-Website, die bereits seit 2007 bestand, hatte eine Rundumerneuerung dringend nötig. Mit der Stiftung Kulturserver gGmbH aus Berlin wurden in den zurückliegenden Monaten ein neues Konzept und ein neues Design entwickelt, basierend auf deren CMS [cb-flex].

Die Hauptmenüpunkte der Seite wurden auf wenige reduziert, die Texte überarbeitet und verschlankt. Viele Inhalte sind neu strukturiert und werden nun in übersichtlichen Aufklappern präsentiert. Aktuelle Nachrichten erscheinen auf der Startseite in rechteckigen Feldern. Die Inhalte der bisherigen Menüpunkte sind auf die drei neuen Menüpunkte „Aktivitäten“, „Partner“ und „Über uns“ verteilt.

Zur Veranschaulichung des Bildmaterials sind auf der Hauptseite und auf jeder Unterseite seitenbreite Bildslider installiert, die die Bandbreite der Verbandsaktivitäten sinnfällig illustrieren. Die Seiten sind responsiv angelegt, d. h. sie passen sich je nach Bildschirmgröße an. Es gibt auch eine zusammenfassende Seite in englischer Sprache. https://www.bideutschland.de/

8 Kooperationen

In folgenden Gremien wird BID durch seine Vorstandsmitglieder oder durch externe Delegierte vertreten:

8.1 Deutsche Literaturkonferenz (DLK)

BID ist institutionelles Mitglied der Deutschen Literaturkonferenz. Dr. Klaus Ulrich Werner vertritt als stellvertretender Sprecher der DLK die Interessen von BID in diesem Gremium.

8.2 Deutscher Kulturrat

Die Deutsche Literaturkonferenz bildet die Sektion Literatur im Deutschen Kulturrat. Durch ihre Mitgliedschaft in der DLK ist BID mittelbar im Deutschen Kulturrat vertreten. Als stellvertretender Sprecher der DLK ist Dr. Klaus Ulrich Werner zugleich Mitglied im Sprecherrat des Deutschen Kulturrats.

In den Fachausschüssen des Deutschen Kulturrates ist BID in der Amtszeit 2016 bis 2019 mit folgenden, über die Deutsche Literaturkonferenz nominierten Personen vertreten:

  • Fachausschuss Arbeit und Soziales: Barbara Lison

  • Fachausschuss Bildung: Barbara Schleihagen

  • Fachausschuss Europa / Internationales: Dr. Christine Wellems; Hella Klauser (seit Januar 2018)

  • Fachausschuss Kulturerbe: Prof. Dr. Thomas Bürger

  • Fachausschuss Medien: Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider

  • Fachausschuss Steuern: Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

  • Fachausschuss Urheberrecht: Dr. Arne Upmeier.

Dr. Sabine Homilius war 2017 Mitglied in der Adhoc-Arbeitsgruppe „Gesellschaftlicher Zusammenhalt/Kulturelle Integration“ des Deutschen Kulturrats.

8.3 Deutsche UNESCO-Kommission (DUK)

BID ist seit Mitte 2004 Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und dort durch seinen Präsidenten vertreten.

8.4 Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)

Frau Dr. Schelle-Wolff vertritt BID seit Juni 2012 im DIE.

8.5 Beirat Leipziger Buchmesse

BID ist durch seinen Präsidenten im Beirat der Leipziger Buchmesse vertreten.

9 Berufliche Aus- und Weiterbildung

Die Kooperation mit den bibliothekarischen Ausbildungseinrichtungen verläuft sehr vertrauensvoll. Prof. Frauke Schade vertritt die Konferenz der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge, KIBA, mit Gaststatus bei den BID-Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen.

10 Internationale Aktivitäten

Auf internationaler Ebene agiert BID durch seine Vertretung in internationalen Verbänden und durch seine Ständige Kommission Bibliothek und Information International (BII).

BID nimmt die Alleinvertretung der deutschen Bibliotheken und bibliothekarischen Verbände in der europäischen Dachorganisation EBLIDA (European Bureau of Library, Information and Documentation Associations) wahr und ist dort in mehreren Expertengruppen vertreten.

Außerdem ist BID Mitglied in IFLA (International Federation of Library Associations) und ist im IFLA-Nationalkomitee vertreten. Einige Personen aus dem Kreis des BID-Vorstands und seiner Gäste sind in verschiedenen Gremien von IFLA aktiv.

Die Berichte über EBLIDA und den IFLA-Vorstand finden sich im Anschluss unter 10.1 und 10.2.

10.1 EBLIDA - Bericht von Barbara Lison

Im Berichtszeitraum nahm Barbara Lison an folgenden Vorstandssitzungen teil:

3. Mai 2017: Arhus (gleichzeitig auch Annual Council Meeting and Conference)

16/17. Oktober 2017: Brüssel

26./27. Februar 2018: Sofia

EBLIDA versucht, seine Sitzungen bzw. auch das Annual Council in die Länder zu legen, die zu dem entsprechenden Zeitpunkt die EU-Ratspräsidentschaft innehaben. Dies kann nicht immer gelingen, wird aber als Prinzip weiter verfolgt.

Strategie

a. Urheberrecht/Copyright:

Nach wie vor ist eine der wichtigsten Aufgaben von EBLIDA die Lobbyaktivität zu allen Copyright und e-Lending-Fragen auf europäischer Ebene. Hier steht EBLIDA in enger Allianz mit IFLA und LIBER.

Insbesondere die noch immer nicht abgeschlossene Copyright-Reform (Copyright Directive in the Digital Single Market), die das europäische Parlament noch im Jahr 2018 verabschieden will, führt weiterhin zu starken Lobbyaktivitäten in Richtung Parlament und Kommission. Die Position von EBLIDA ist vor allem bestimmt durch die Forderungen nach Einführung von Barrieren und Schranken für Bibliotheken bzw. der Beibehaltung des Verleihrechts von E-Books. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 10. November 2016 zur Klage des niederländischen Bibliotheksverbandes gegen die niederländische Verwertungsgesellschaft Stichting Leenrecht in Sachen E-Books für Öffentliche Bibliotheken wird bei den politischen Aktivitäten weiterhin argumentativ verwendet.

Von besonderer Bedeutung für die Arbeit auf diesen Feldern ist die EBLIDA-Arbeitsgruppe EGIL (Expert Group on Information Law).

b. Zu diesen und anderen aktuellen, die Bibliotheksarbeit berührenden Themen, die auf Ebene der EU diskutiert werden, publiziert EBLIDA eigene - oder in Zusammenarbeit mit LIBER und IFLA - Statements, Pressemitteilungen, Briefings etc.

c. EBLIDA-Arbeitsgruppen

EGIL (Expert Group on Information Law), und EBLIDA Literacies Expert Group, die Nachfolge-Expertengruppe von EGCIS (Expert Group on Culture in the Information Society), die ein stärkeres Gewicht auf die Rolle der Bibliotheken im EU-Literacy-Kontext legen soll. Die Task Force on E-Books, und die Working Group on Finance and Membership bestehen bzw. bestanden im Berichtszeitraum weiterhin.

d. Projekte

Zusammenarbeit mit dem Projekt „Public Libraries 2020“. Hier nahmen Vertreter von EBLIDA wiederum an den Veranstaltungen zur Code-Week des EU-Parlaments teil.

Verbandsangelegenheiten

a. Der bisherige Direktor von EBLIDA, Vincent Bonnet, wird seinen Posten zum September 2018 aufgeben und seine Beurlaubung aus dem französischen Staatsdienst beenden. Es wird daher noch vor dem Sommer eine Ausschreibung für diese Position geben.

b. Die Finanzierung von EBLIDA läuft im Wesentlichen über die Mitgliedsbeiträge. Einige nationale Verbände bzw. Einzelmitglieder bleiben manchmal über mehrere Jahre ihre Mitgliedsbeiträge schuldig, so dass es unerfreulicherweise immer wieder zu Stundungen, aber auch zu Ausschlüssen kommen muss. Das schwächt natürlich die Organisation. Das von der Arbeitsgruppe zur Finanzoptimierung und Mitgliederwerbung vorgelegte Konzept wurde auf allen Sitzungen des Executive Committee eingehend diskutiert. Es wurde zwischen den diversen Varianten, die Finanzlage zu verbessern, abgewogen. Zwei wesentliche Bereiche neben einem noch restriktiveren Finanzgebaren wurden für besonders handlungsrelevant befunden: eine verstärkte Mitgliederwerbung, insbesondere bei potenziellen assoziierten Mitgliedern. Jedes EC-Mitglied wurde angehalten, im Laufe der kommenden 12 Monate mindestens zwei neue assoziierte Mitglieder einzuwerben - aus Deutschland kamen drei neue Mitglieder! Außerdem wird für 2018 eine Satzungsänderung angestrebt, die auch nationalen Bibliotheksverbänden aus Nicht-EU-Staaten, z. B. der Schweiz und demnächst auch Großbritannien die Vollmitgliedschaft bei EBLIDA ermöglichen soll.

c. Annual Council Meeting 2017:

Das Annual Council Meeting in Arhus am 4. Mai fand mit knapp 100 Teilnehmenden in der neuen Zentralbibliothek von Arhus Dokk 1 statt. Es gab einen speziellen Anlass zum Feiern: 25 Jahre EBLIDA! Die sich anschließende Konferenz hatte das Motto “Let’s Rethink”. Schwerpunkt der Vorträge waren Anstöße für Innovationen und Neues Denken in den Bibliotheken. Besonders interessant waren die Vorträge, die über den Tellerrand hinausblickten.

Ausblick auf das Annual Council Meeting 2018:

30./31.5. in Straßburg unter dem Motto: “Libraries bridging borders”. Auf diesem Council Meeting wird es eine Satzungsänderung geben. Zudem finden die regulären Vorstandswahlen und die Wahl eines neuen Präsidenten statt.

10.2 IFLA-Vorstand - Bericht von Barbara Lison

Im Berichtszeitraum nahmen zunächst noch Barbara Schleihagen und Dr. Christine Wellems als Vorstandsmitglieder für den Zeitraum August 2015 bis August 2017 an folgenden IFLA Vorstandssitzungen teil: 1.4.2017 in Athen und 18.8.2017 in Breslau. Im Anschluss an die Aprilsitzung wurde von den IFLA-Vorstandsmitgliedern in einem mehrtägigen Workshop der weltweite Prozess einer globalen Strategiebildung durch Identifizierung von Herausforderungen und Chancen begonnen (s. u.). Diesen Prozess hatten beide deutschen Vorstandsmitglieder bereits in einem Workshop Ende Dezember 2016 mit vorbereitet. Barbara Schleihagen moderierte am 5./6. Juni in Madrid den europaweiten Global Vision Workshop in Madrid.

Als Mitglied des IFLA-Governing Boards August 2017 bis August 2019 (GB) und Treasurer nahm ich an den regulären Sitzungen dieses Gremiums im August und Dezember 2017 sowie im März 2018 teil. Zwischen diesen Sitzungen gab es mehrere Einzeltermine in Sachen IFLA im Zusammenhang sowohl mit meiner Aufgabe als Treasurer als auch in Bezug auf einzelne Aktivitäten der IFLA (s. u.). Als Treasurer bin ich geborenes Mitglied in folgenden Ausschüssen des Vorstandes: Executive Committe, Congress Advisory Committee, Finance Committee (Vorsitz).

Die Arbeit des GB war neben den Routinearbeiten eines Verbandsvorstandes vor allem geprägt durch die aktuellen weltweiten Projekte, die die IFLA seit 2016/2017 sehr intensiv betreibt. Diese Projekte hängen im Wesentlichen mit den Fördergeldern der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zusammen, die an eine der IFLA nahestehende neu gegründete Stiftung geflossen sind. Zur Bearbeitung genuiner bibliothekspolitischer Aktivitäten der IFLA wie Copyright, Erhalt des Kulturellen Erbes sowie zur Sicherung des freien Zugangs zur Information verfolgt die IFLA vier Strategische Felder:

1. Libraries in Society: Hier vor allem die kontinuierliche Arbeit am IFLA Trend Report, der jährlich partiell aktualisiert wird und alle fünf Jahre grundlegend überarbeitet werden soll.

2. Information and Knowledge: Stichworte sind hier vor allem Aktivitäten bei der WIPO, der EU und auf nationaler Ebene in Sachen Urheberrecht.

3. Cultural Heritage: Zusammenarbeit mit Blue Shield, Aktivitäten zum UNESCO Memory of the World Programme, Fortführung der Arbeiten am Risk Register. IFLA ist seit Jahren aktiv bei der Problematik zur Rettung des kulturellen Erbes, das sowohl durch Naturkatastrophen, als auch durch kriegerische oder andere Gewalteinwirkungen schon zerstört wurde oder möglicherweise zerstört werden könnte. Hier hat IFLA nicht nur unterstützend gewirkt, um Schäden zu beheben, sondern auch, um den Schutz des kulturellen Erbes im Vorfeld zu erhöhen.

4. Capacity Building: IAP (International Advocacy Project) vor dem Hintergrund der UN-Agenda 2030. IFLA führte weltweit Workshops durch, um Bibliotheken die Chancen zu vermitteln, die sich für eine effektive Interessenvertretung ergeben können in der aktiven Arbeit der Bibliotheken auf den Feldern der UNO-Nachhaltigkeitsziele.

Daneben führt IFLA aktuell mehrere große weltweite Projekte durch, die im Wesentlichen aus dem Fonds der Gates-Stiftung finanziert werden:

1. Library Map of the World (LMW), die über möglichst alle Staaten relevante Informationen zur jeweiligen Bibliothekssituation enthalten soll. Statistische Auswertungstools sollen internationale Vergleiche ermöglichen. Ziel: Nutzung der Daten für die internationale und nationale Interessenvertretung. https://librarymap.ifla.org

2. Mitgliederbefragung: Zum ersten Mal in der 90jährigen Geschichte der IFLA fand eine Mitgliederbefragung statt mit dem Ziel, die Arbeit der IFLA noch stärker an den Interessen der Mitglieder auszurichten. Die Ergebnisse werden auf dem Kongress in Kuala Lumpur vorgestellt.

3. Global Vision Initiative: In einem straff organisierten weltweiten Beteiligungsprozess mit regionalen und nationalen Workshops will IFLA ein konsensuales Verständnis über die wesentlichen Aufgaben und Herausforderungen der Bibliotheken erarbeiten. Daraus abgeleitet werden soll dann eine Strategie für den Verband. Die Ergebnisse der Arbeit des ersten Halbjahres 2018 werden in Kuala Lumpur präsentiert. https://www.ifla.org/node/11900

4. Arbeit an einem kompletten Relaunch der IFLA-Website. Dieses Projekt ist ebenfalls stark auf die dialogische Kommunikation mit den Mitgliedern und auch den einzelnen Fachgruppen orientiert und soll ein attraktiveres Bild der IFLA in die Welt vermitteln. Natürlich sollen auch hier die sieben IFLA-Sprachen genutzt werden können.

10.3 Bibliothek & Information International (BI-International) - Bericht von Dr. Ewald Brahms

BII-Gremium - Geschäftsstelle

Auf der BII-Gremiumssitzung am 8. Februar 2018 hat Dr. Ewald Brahms sein Sprecheramt niedergelegt. Seither ist Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen kommissarischer Sprecher von BII.

Das BII-Gremium besteht aus folgenden Mitgliedern:

  • Blinten, Benjamin (VDB)

  • Brahms, Dr. Ewald (VDB, BII-Sprecher bis 8.2.2018)

  • Döllgast, Brigitte (Goethe-Institut)

  • Klauser, Hella (dbv)

  • Lison, Barbara (dbv)

  • Lorenzen, Dr. Heinz-Jürgen (kommissarischer BII-Sprecher seit 8.2.2018)

  • Mittrowann, Andreas (ekz)

  • Redies, Frank (BIB)

  • Stummeyer, Sabine (BIB)

Als Gast nimmt die BII-Sachbearbeiterin Kerstin Bröring an den Sitzungen teil. Sie trat ihre Stelle am 1. April 2017 an.

Die Aufgaben in der BII-Geschäftsstelle wurden in folgende Bereiche aufgeteilt:

a) Verwaltungsarbeiten in Zusammenhang mit der Förderlinie „Ausländerinnen und Ausländer nach Deutschland (AnD)“ sowie ausländische Gäste beim Bibliothekskongress bzw. Deutschen Bibliothekartag auf Einladung der bibliothekarischen Verbände.

b) Betreuung der BII-Website, der BII-Social-Media-Aktivitäten sowie der BII-Öffentlichkeitsarbeit.

Für den Bereich b) konnte eine zusätzliche Stelle eingerichtet werden, die seit 1. Mai 2018 mit Elgin Jakisch besetzt ist.

Förderprogramme

Ausländische Kolleg/innen nach Deutschland (AnD)

Im Jahr 2017 wurden 16 Konferenzteilnahmen von Kolleginnen und Kollegen aus 11 Ländern gefördert. Allein 5 Teilnehmende kamen aus dem Partnerland USA. Weitere Fördergelder flossen an eine norwegische Besuchergruppe, die einen Fachbesuch an zwei Universitätsbibliotheksstandorten absolvierte und eine kleine Gruppe von polnischen Bibliothekaren, die in der UB Stuttgart zu Gast waren. Weitere Fachbesuche wurden von sechs einzeln reisenden Personen aus Schweden, Indien, Ägypten, Aserbaidschan, Tschechien und Polen unternommen.

Hinzu kamen Einladungen ausländischer Kolleginnen und Kollegen zum 106. Deutschen Bibliothekartag 2017 in Frankfurt am Main (106. DBT) auf Vorschlag von BIB, BID, dbv und VDB. Die Kommission BII übernahm wieder die Organisation und die Kosten für Hotelübernachtungen, die Konferenzgebühr, die Einladung zu einem ‚Welcome Dinner‘, die Teilnahme an der Kongressparty und für eine englischsprachige Stadtführung.

Aufgrund des Rückgangs der Förderanträge für Studienreisen und Fachaufenthalte wurde auf die BII-Fördermöglichkeiten bei in Deutschland stattfindenden internationalen Konferenzen hingewiesen. Diese ‚Werbemaßnahme‘ wird im Jahr 2018 fortgesetzt.

Deutsche Kolleg/innen ins Ausland (DiA)

Die deutschen Antragsteller/innen erhalten die Förderung aus Mitteln des Goethe-Instituts, die das Auswärtige Amt bereitstellt. Auch im Jahr 2017 wurden diese Mittel vollständig verausgabt.

Bewährt hat sich aus Sicht der BII-Kommission die Bewilligung von Förderpauschalen. 2017 stand die Teilnahme an der ALA-Konferenz in Chicago und an der IFLA-Konferenz in Wroclaw (Polen) im Fokus der Förderung.

Für das Jahr 2018 stehen BII voraussichtlich wieder beide Budgets, AnD und DiA, in gleicher Höhe zur Verfügung wie im Jahr 2017.

IFLA-Kongress 2017 in Wrocław

2017 wurden 16 Reisestipendien für Funktionsträger/innen in Sektionen, Vortragende und Posterpräsentationen bewilligt. Erneut wurde das sog. „Orientierungsstipendium“ vergeben, eine Nachwuchs-Koordinatorin unterstützt und drei „IFLA-Express“-Nachwuchsstipendien gewährt, so dass die IFLA-Förderung insgesamt 21 Personen umfasste.

„Librarian in Residence 2017“

Als Thema des Jahres 2017 wurde „Die Rolle der Bibliotheken bei der Zielerfüllung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030“ vereinbart. Für das Austauschprogramm konnte Monika Ziller, Direktorin der Stadtbibliothek Heilbronn, gewonnen werden.

Es wurde beschlossen, das Programm trotz des Ausstiegs des Goethe-Instituts mit eigenen Mitteln fortzuführen.

Partnerland USA 2016-2019

Im Rahmen des Partnerland-USA-Programms nahmen elf deutsche Kolleginnen und Kollegen an der ALA Jahreskonferenz 2017 in Chicago teil. In vier „German focused programs“ erfolgten Präsentationen zu den Themen „Libraries in Germany“, „Serving Refugees: Experiences from German Libraries“, „German Academic Libraries: New Trends in Management“ und „Libraries Support Research in Germany“.

In Zusammenhang mit dem Partnerland-USA-Programm erfolgte zudem die Förderung von zehn US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen im Rahmen eines internationalen Symposiums, das während der Frankfurter Buchmesse in der DNB stattfand.

Für das Jahr 2018 plant eine Gruppe US-amerikanischer Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme am 107. DBT sowie den Besuch mehrerer Bibliotheken in Deutschland.

Partnerland Niederlande 2019-2022

Auf dem 106. DBT in Frankfurt am Main wurde zwischen BID und Vertretern der Königlichen Bibliothek der Niederlande vereinbart, dass die Niederlande Gastland auf dem 7. Bibliothekskongress in Leipzig 2019 sein werden und anschließend BID-Partnerland bis 2022.

11. Ausblick

In diesem Jahr werden die Vorbereitung des Leipziger Kongresses 2019 und die Konkretisierung des Partnerlandprojektes Niederlande eine wichtige Rolle spielen.

Ich danke den Mitgliedern, dem Vorstand, der Geschäftsführerin sowie dem BII-Sprecher, den Mitgliedern des BII-Gremiums und der Sachbearbeiterin für die sehr gute Zusammenarbeit und das hohe Maß an Vertrauen, das sie mir im vergangenen Jahr entgegengebracht haben.

Berlin im Juni 2018, gez. Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

Published Online: 2018-10-26
Published in Print: 2018-10-10

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