Accessible Published by De Gruyter Saur October 26, 2018

zeit.punktNRW - das nordrhein-westfälische Zeitungsportal

Michael Herkenhoff
From the journal Bibliotheksdienst

Zusammenfassung

Die Digitalisierung der historischen Zeitungen in Deutschland (bis Erscheinungsjahr 1945) erfordert große Anstrengungen und beträchtliche Mittel. Eine DFG-Förderung allein ist nicht ausreichend. Sie muss durch regionale Programme ergänzt werden. Der folgende Beitrag stellt ein Verbundprojekt nordrhein-westfälischer Archive und Bibliotheken zur Zeitungdigitalisierung vor, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert wird. 20 Mio. Zeitungsseiten sollen in zehn Jahren digitalisiert und online gestellt werden. Das nordrhein-westfälische Zeitungsportal „zeit.punktNRW“ ist Ende Juni 2018 freigeschaltet worden.

Abstract

The digitization of historical journals and newspapers published in Germany (until the year 1945) is a major task and requires substantial efforts and funding. Support by the DFG (German Research Foundation) alone is not enough. It has to be supplemented by regional programmes and resources. The article presents an integrated project of North Rhine-Westphalian libraries and archives for the digitization of newspapers and journals state-funded by the Ministry of Science and Culture of North Rhine-Westphalia. Over the next ten years 20 million pages of newspapers are set to be digitized to go online. North Rhine-Westphalia’s newspaper portal “zeit.punktNRW” has been officially launched at the end of June 2018.

1 Einleitung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im März 2018 eine Ausschreibung zur „Digitalisierung historischer Zeitungen des deutschen Sprachgebiets“ veröffentlicht. Im Rahmen der DFG-Förderung soll die Anzahl digitalisierter Zeitungen in Deutschland maßgeblich erhöht werden. Bis zum 16. Juli 2018 waren Absichtserklärungen einzureichen, die Förderungsanträge selbst sind bis zum 16. Oktober zu stellen. Zugleich hat die DFG angekündigt, dass eine weitere Ausschreibung unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse zur Volltexterkennung geplant ist[1]. Für entsprechende Projekte stellt die Zeitschriftendatenbank mit dem Masterplan zur Zeitungsdigitalisierung sowie weiteren Handreichungen einschlägige Informationen bereit[2].

Mit dem Einsetzen einer DFG-Hauptphase wird die Massendigitalisierung historischer Zeitungen in Deutschland einen nachhaltigen Aufschwung erfahren. Die Erschließung und Nutzung historischer Zeitungen wird sich gravierend verbessern, auch die Erforschung ihrer Inhalte. Historiker und Medienwissenschaftler werden von dem digitalisierten Quellenkorpus ebenso profitieren wie andere Kulturwissenschaften. Die DFG-Förderung kann aber nur ein Baustein im Rahmen einer nationalen Strategie zur Digitalisierung historischer Zeitungen sein. Die mehr als 21.000 historischen Zeitungsunternehmen, die in Deutschland zwischen 1600 und 1945 erschienen sind, umfassen laut Masterplan etwa 295 Mio. Seiten. Ca. 40 Millionen Seiten liegen bereits digital vor oder sind in Vorbereitung, weitere 58 Mio. Seiten sollen mittelfristig mit DFG-Mitteln digitalisiert werden[3]. Für die Digitalisierung der verbleibenden 200 Mio. Seiten müssen folglich andere Finanzierungsformen gefunden werden.

Die DFG-Förderung wird sich auf Zeitungen mit überregionaler Bedeutung für die Forschung konzentrieren. Als entsprechende typologische Kriterien sind in der Ausschreibung u. a. „Dauerbrenner“, „Leitmedien“ und „Innovatoren“ genannt[4]. Die Digitalisierung der großen Masse der historischen Zeitungen, vor allem der zahlreichen Lokal- und Regionalblätter, kann somit nicht über eine DFG-Finanzierung erfolgen. Nationale Programme zur Zeitungsdigitalisierung müssen somit durch regionale Fördervorhaben ergänzt werden, die andere Gewichtungen und Schwerpunkte setzen. Im Blickpunkt dieser Projekte steht weniger die wissenschaftliche Relevanz als vielmehr der landesgeschichtliche bzw. landesbibliothekarische Blick auf Orte und Regionen, für die die Lokalpresse eine wichtige Quelle darstellt. Es gibt in Deutschland bereits erste Projekte dieser Art: etwa das Zeitungsinformationssystem ZEFYS der Berliner Staatsbibliothek, das sich auf die preußische Amtspresse, DDR-Zeitungen und wichtige Berliner Blätter konzentriert[5], sowie vor allem das Projekt „digipress“ der Bayerischen Staatsbibliothek. Auf dieser Plattform sind bereits jetzt knapp 800 Zeitungsunternehmen mit mehr als 6,5 Mio. Seiten online zugänglich, die im Zuge der Kooperation der BSB mit Google in den letzten Jahren digitalisiert worden sind[6]. Diese beiden Angebote werden jetzt ergänzt durch das nordrhein-westfälische Portal „zeit.punktNRW“[7], das im Folgenden vorgestellt werden soll.

2 Projektgenese

Die Ausgangslage in Nordrhein-Westfalen entspricht vermutlich der in vielen anderen Bundesländern. Rheinische und westfälische historische Zeitungsbestände werden in unterschiedlichen Institutionen aufbewahrt: Universitäts-, Landes-, Stadt- und Kreisbibliotheken, kommunalen Archiven sowie sonstigen Einrichtungen (z. B. Vereine, Verlage, Museen). Eine zentrale Sammelstätte gibt es nicht. Während die Zeitungen der Bibliotheken in der ZDB nachgewiesen sind, sind die Archivbestände in der Zeitschriftendatenbank kaum verzeichnet. Einen Überblick über Zeitungsbestände in kommunalen Archiven bietet lediglich das Portal „Archive in NRW“. Bei den Bestandsübersichten sind dort häufig auch die vorhandenen Zeitungsbestände angegeben[8].

Die Digitalisierung historischer Zeitungen erfolgte in Nordrhein-Westfalen bis 2015 eher sporadisch und unkoordiniert. Die Digitalen Sammlungen der ULBs in Münster und Düsseldorf, der Lippischen Landesbibliothek in Detmold sowie der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln enthalten jeweils einige Zeitungstitel. Auch einige kommunale Archive wie etwa die Stadtarchive in Hennef[9] und Euskirchen[10] digitalisierten Zeitungen und veröffentlichten diese auf ihrer eigenen Webseite. Lediglich die ULB Bonn setzte ab 2009 bewusst einen Schwerpunkt auf der Zeitungsdigitalisierung. Die Bonner Bibliothek besitzt gute 520 Zeitungstitel, drei Viertel davon Pflichtexemplare aus dem Gebiet der ehemaligen preußischen Rheinprovinz. Der Bestand ist umfangreich, aber keineswegs vollständig. Eine in den 1990er Jahren durchgeführte Verfilmungsaktion konzentrierte sich deshalb auf Titel des Pflichtbereichs aus eigenem Bestand mit Schwerpunkt auf der engeren Region. Die ULB Bonn hat ab 2009 diese Filme von Dienstleistern scannen lassen und die digitalisierten Ausgaben in ihren Digitalen Sammlungen veröffentlicht. 2015 zählte die Kollektion 150 Zeitungstitel mit knapp 1,5 Mio. Images, darunter bereits zahlreiche Titel aus Beständen anderer Einrichtungen[11].

Die langjährige Beschäftigung mit Zeitungsdigitalisierung führte der ULB Bonn sowohl die Lückenhaftigkeit ihrer eigenen Bestände als auch die Vorteile eines großen gemeinsamen Zeitungsportals deutlich vor Augen. 2015 entwickelte die ULB Bonn deshalb in enger Zusammenarbeit mit dem Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR-AFZ) einen Fragebogen, der an über 90 Gedächtniseinrichtungen der ehemaligen preußischen Rheinprovinz, vor allem an kommunale Archive, verschickt wurde. Erbeten wurden Auskünfte zum historischen Zeitungsbestand mit Erscheinungsjahr bis 1945 mit Angaben zum Erscheinungsverlauf und zum Umfang von Originalen, Mikroformen (Master-/Duplikatfilme) und Digitalisaten sowie eine Einverständniserklärung zur Digitalisierung und Veröffentlichung durch die ULB Bonn. Es ging zum damaligen Zeitpunkt um einen Masterplan zur Digitalisierung der historischen rheinischen Zeitungen und den Aufbau eines rheinischen Zeitungsportals. Für diesen Zweck sollten Fördergelder beim damaligen Ministerium für Familie, Kinder, Jugend und Sport (MFKJS) des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt werden. Die Rücklaufquote war erstaunlich gut. Mehr als 2/3 der angeschriebenen Institutionen antworteten, viele davon positiv[12]. Es zeichnete sich ein erhebliches Mengengerüst ab. Die ULB Bonn und das LVR-AFZ haben daraufhin ein Konzept zur Digitalisierung rheinischer historischer Zeitungsbestände erstellt. Dieses sah die Digitalisierung und Onlinestellung von ca. neun Mio. Seiten innerhalb von fünf Jahren vor. Die Digitalisierung sollte in Brauweiler vom Mikrofilm erfolgen, die Bearbeitung und Onlinestellung der Images in Bonn. Die Landesbibliothekenkonferenz NRW diskutierte Anfang November 2015 das Konzept. Sie stimmte dem Vorhaben nicht nur zu, sondern beschloss sogar die Ausweitung der Aktion auf ganz Nordrhein-Westfalen. Ein Lenkungskreis aus Archivaren und Bibliothekaren sollte ein Konzept entwickeln, das Mitte März 2016 im Ministerium einzureichen war. Um ein zuverlässiges Mengengerüst für Westfalen zu gewinnen, wurde die ULB Münster mit der Durchführung einer zweiten Fragebogenaktion in den drei westfälischen Regierungsbezirken beauftragt. Die Kollegen haben diese Umfrage im Winter 2015/2016 mit Unterstützung des Archivamtes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) durchgeführt[13].

Der Lenkungskreis hat sich im Dezember 2015 konstituiert und bis Mitte Februar die inhaltlichen und organisatorischen Vorgaben für das Projekt bestimmt. Dabei wurden folgende Festlegungen getroffen:

  • Digitalisierung von Mikroformen: Ausschlagend für diese Entscheidung war vor allem die Kostenfrage. Eine Direktdigitalisierung vom Original erzeugt zwar hochwertigere Digitalisate. Die Unterschiede sind aber nicht so gravierend, wenn man für die Mikrofilmdigitalisierung qualitativ hochwertige Filme heranzieht, die nach den entsprechenden DIN-Normen erstellt worden sind. Die Kostenersparnis bei einer Mikrofilmdigitalisierung ist bei einem Massendigitalisierungsprojekt dagegen immens. Nur die Digitalisierung vom Film gewährleistet, dass man ein derartiges Projekt in einem vertretbaren Zeitraum zu überschaubaren Kosten durchführen kann. Dazu kommt, dass man vielfach schon bei der Mikroverfilmung Lückenergänzungen und Bestandszusammenführungen vorgenommen hat. Diese Prozesse müsste man bei einer Direktdigitalisierung vom Original mühsam wiederholen.

  • Einbindung bereits vorhandener Zeitungsdigitalisate: In das Projekt eingebunden werden sollten nach Möglichkeit bereits vorhandene Zeitungsdigitalisate (abhängig von ihrer Qualität). Dies betrifft vor allem den großen Zeitungsbestand der ULB Bonn (1,5 Mio. Images), aber auch die bereits digitalisierten Zeitungsbestände nordrhein-westfälischer Archive und Bibliotheken.

  • Konzentration auf Zeitungen allgemeinen Inhalts: Ausgeklammert bleiben Spartenblätter wie etwa Kirchen-, Theater- oder Sportzeitungen. Zurückgestellt wurden zunächst auch Zeitungen, die von der NSDAP und ihren Organen herausgegeben worden sind.

  • Orientierung an den Grenzen des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen: Die von der ULB Bonn bereits digitalisierten Titel aus dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz sollen jedoch auf das neue NRW-Portal migriert werden.

  • Digitalisierung von Zeitungen aus den Erscheinungsjahren 1801 - 1945: Zeitungen der Nachkriegszeit sollen aus rechtlichen Gründen ausgeklammert bleiben. Bereits vorhandene Digitalisate aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie der Nachkriegszeit sollen nach Möglichkeit auf den neuen Server migriert werden.

  • Einrichtung eines zentralen Zeitungsportals beim hbz unter Verwendung des Systems Visual Library.

  • Kalkulation mit einem Mengengerüst von 20 Mio. Seiten in fünf Jahren.

Der Lenkungskreis entwickelte ein Konzept, das im März 2016 im Ministerium eingereicht wurde. Die zwei Monate später eingetroffene Förderzusage erforderte eine Nachjustierung. Das Ministerium streckte die Laufzeit des Projektes von fünf auf zehn Jahre, und es wurden zunächst nur Mittel für eine dreijährige Startphase zur Verfügung gestellt. Die ULB Bonn überarbeitete mit Unterstützung des Lenkungskreises das Konzept, erstellte einen abgespeckten Kostenplan für die Haushaltsjahre 2017 - 2019 und reichte den Antrag neu ein. Vorgesehen war jetzt die Digitalisierung von sechs Mio. Zeitungsseiten innerhalb von drei Jahren sowie die Migration von weiteren zwei Mio. Seiten auf das neue Portal. Das Ministerium bewilligte den revidierten Antrag im Herbst 2016. Das Projekt konnte also zum 01. Januar 2017 starten.

3 Projektstruktur

Projektleitung: Die ULB Bonn leitet das Projekt. Sie koordiniert die verschiedenen Teilprojekte, beruft Sitzungen des Lenkungskreises und der Arbeitsebene ein und leitet diese, hält den Kontakt mit dem Ministerium und vertritt in enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern und dem Lenkungskreis das Projekt nach außen.

Projektpartner: Projektpartner sind die ULB Bonn, die ULB Münster und das hbz in Köln. Die ULB Bonn ist inhaltlich und organisatorisch für den Landesteil Rheinland zuständig, die ULB Münster für den Landesteil Westfalen. Das hbz ist für den technischen Betrieb der Plattform verantwortlich: u. a. Beschaffung der Hardware, das Hosting der Images und Abschluss von Lizenzverträgen. Diese drei Einrichtungen beantragen Projektmittel bei den zuständigen Bezirksregierungen und beim Ministerium. Die Aufgaben der drei Einrichtungen sind in einer trilateralen Kooperationsvereinbarung geregelt. Ein weiterer Projektpartner ist das LVR-AFZ in Brauweiler, das für die ULB Bonn die Digitalisierung der rheinischen Zeitungsfilme durchführt. Grundlage hierfür ist eine Vereinbarung dieser beiden Einrichtungen.

Abb. 1: Projektstruktur.

Abb. 1:

Projektstruktur.

Lenkungskreis: Der Lenkungskreis setzt sich zusammen aus Vertretern der Universitäts- und Landesbibliotheken in Bonn, Düsseldorf und Münster, der Lippischen Landesbibliothek Detmold, der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, dem Hochschulbibliothekszentrum (hbz), dem Institut für Zeitungsforschung in Dortmund (IfZ), dem LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum in Brauweiler, dem LWL-Archivamt für Westfalen und jeweils einem Vertreter der Archive bei den kommunalen Spitzenverbänden, also beim Landkreistag NRW, dem Städte- und Gemeindebund NRW sowie dem Städtetag NRW. Der Lenkungskreis tagt einmal jährlich. Ihm obliegt die strategische Projektplanung, die Beratung der Projektleitung, die Mitarbeit bei Folgeanträgen und der Öffentlichkeitsarbeit sowie das Aussprechen von Empfehlungen bei Fragen, die auf der Arbeitsebene nicht entschieden werden können. Die Archivvertreter im Lenkungskreis berichten in ihren jeweiligen Gremien über das Projekt.

Arbeitsebene: 2017 ist zusätzlich eine Arbeitsebene eingerichtet worden, die in diesem Jahr dreimal getagt hat. Diese setzt sich zusammen aus den Leitern der Teilprojekte und den Fachleuten für die Bereiche Digitalisierung, VL-Strukturierung und ZDB-Katalogisierung der Projektpartner sowie Vertretern der Firmen Semantics und Walter Nagel. Die Arbeitsebene hat Workflows und Standards definiert sowie Arbeitsaufträge und Zeitfristen festgelegt. Eine weitere Sitzung der Arbeitsebene ist nicht geplant.

Kooperationspartner: Besonders wichtig sind die Kooperationspartner. Mehr als 100 nordrhein-westfälische Archive und Bibliotheken haben ihre Mitarbeit an dem Projekt zugesagt. Diese stellen Mikrofilme, gegebenenfalls auch Originale zur Lückenergänzung zur Verfügung. Kosten für die Kooperationspartner entstehen nicht.

4 Förderphase 2017 - 2019

Für die erste Förderphase wurden inhaltlich interessante Zeitungsunternehmen, in der Regel mit langen Laufzeiten und großem Volumen, ausgewählt, wobei auf eine ausgewogene regionale Verteilung sowie die Einbeziehung vieler kommunaler Archive geachtet wurde. Die Digitalisierung erfolgt von Masterfilmen, um eine möglichst gute Qualität der Bilddateien zu gewährleisten. Als realistisch wurde ein Gesamtvolumen von 4.800 Filmen in drei Jahren (jeweils 2.400 pro Landesteil angesehen). Dementsprechend wurden im Rheinland und in Westfalen Titellisten mit einem Umfang von jeweils ca. 3.600 Filmen angelegt (incl. einer 50 % Reserve). Die Titellisten wurden vor Projektbeginn mit den Arbeitskreisen der Archive abgestimmt. Die Digitalisierungsabsicht wurde anschließend in der ZDB verankert (Pica-Feld 4260: „geplante Bestandsschutzmaßnahme“).

Zu Projektbeginn entwarfen die beiden ULBs sowie das LVR-AFZ einen Mustervertrag, der die Digitalisierung von Zeitungsmikrofilmen der Kooperationspartner durch die beiden Bibliotheken regelt. Nachdem der Lenkungskreis dem Vertrag zugestimmt hatte, wurde dieser im Februar 2017 an die vorgesehenen Kooperationspartner verschickt. Im Rheinland waren dies 14 Archive und Bibliotheken. Zwei Einrichtungen sahen sich aus grundsätzlichen Erwägungen trotz vorheriger Kooperationszusage nicht in der Lage, den Vertrag zu unterschreiben. Dafür rückte ein anderes Stadtarchiv nach. In Westfalen schrieb die ULB Münster neun Kooperationspartner an, von denen sieben den Vertrag unterschrieben. Ein weiteres Archiv ist 2018 dazugekommen.

Die Filmdigitalisierung in Münster und Brauweiler begann am 01. Mai 2017. Für beide Digitalisierungsstellen ist vor Projektbeginn ein Soll von 75 Filmen im Monat als realistisch angesetzt worden, die gescannt und deren Inhalt anschließend auf den hbz-Server hochgeladen werden sollte. 16 Monate später lässt sich konstatieren, dass diese Annahme im Großen und Ganzen stimmt. Die momentane Ist-Leistung liegt bei 81,23 Filmen im Monat und damit etwas über 8 % über dem Soll (Stand: 01. August 2018).

Die Strukturierung der Filme durch SHKs in Bonn und Münster startete am 01. Juli 2017. Die ursprüngliche Annahme ging von 22,5 Filmen aus, die eine SHK (jeweils 9 WS) pro Monat strukturieren kann. Es zeigte sich schnell, dass die tatsächliche Strukturierungsleistung das Soll deutlich übertrifft. Momentan, nach 14 Monaten, liegt sie bei 36,43 Filmen pro Monat, und somit bei knapp 62 % über dem Richtwert. Somit werden deutlich weniger SHKs für das Projekt benötigt als ursprünglich veranschlagt.

Insgesamt konnten bis zum 01. August 2018 2.437 Zeitungsmikrofilme digitalisiert (Soll: 2.250) und der Inhalt von 1.676 Filmen strukturiert werden (Soll: 1.350).

5 Workflow

Die datenliefernden Kooperationspartner stellen Mikrofilme zur Digitalisierung bereit. Die kommunalen Archive pflegen die URNs der digitalisierten Zeitungen in das Portal „Archive in NRW“ ein. Die Kooperationspartner erstellen idealerweise eine Beschreibung der aus ihren Beständen digitalisierten Zeitungsunternehmen, die auf dem Zeitungsportal hinterlegt wird.

Die Digitalisierungsstellen im LVR-AFZ (Rheinland) und in der ULB Münster (Westfalen) bearbeiten die Filme. Dabei fallen folgende Arbeiten an:

  • Transport der Filme in die Digitalisierungsstellen und zurück,

  • stichprobenartige Qualitätskontrolle der Filme zur Beurteilung der Digitalisierungswürdigkeit,

  • Scannen der Filme mithilfe eines Mikrofilmscanners,

  • Trennen der doppelseitigen Mikrofilmaufnahmen in zwei Einzelseiten,

  • Ausrichten bzw. Begradigen der Digitalisate,

  • gegebenenfalls eine automatisierte Nachbearbeitung von Images, um bessere Kontraste etc. zu erreichen,

  • Ablage der Digitalisate nach einer vorgegebenen Dateistruktur,

  • Hochladen der Images auf den hbz-Server.

Für das Scannen der Filme wird jeweils ein Mitarbeiter (TV-L E5) auf einer 60 % Stelle aus Projektmitteln finanziert. Die Betreuung der Digitalisierung sowie die Leitung dieser beiden Teilprojekte sind Eigenleistungen der ULB Münster und des LVR-AFZ.

Abb. 2: Darstellung des Workflows.

Abb. 2:

Darstellung des Workflows.

Bearbeitungsstellen: Die ULB Bonn und die ULB Münster greifen mithilfe eines Clienten der Visual Library auf den hbz-Server zu und bearbeiten die Images. Dabei ergeben sich diese Arbeitsschritte:

  • Automatische Vorstrukturierung der Images,

  • Strukturierung der hochgeladenen Images mit dem Segmentierungstool der Visual Library, d. h. Aufbereitung für die Kalendersicht,

  • Protokollierung von größeren Bestandslücken,

  • Katalogisierung der entstandenen digitalen Sekundärformen, gegebenenfalls auch der Originalausgaben, in der Zeitschriftendatenbank,

  • Erzeugung von PDF-Dateien für jede Tagesausgabe,

  • Freigabe für die Benutzung,

  • Information der besitzhaltenden Einrichtung über die Onlinestellung u. a. zur Verlinkung der Archivbestände im Archivportal Nordrhein-Westfalen

Die Strukturierung der Images erfolgt in beiden Bibliotheken durch Studentische Hilfskräfte, die aus Projektmitteln bezahlt werden. Eigenleistungen der ULB Bonn und der ULB Münster sind das Einarbeiten und Betreuen der Studentischen Hilfskräfte, das Erzeugen von PDF-Dateien, die Freigabe der digitalisierten Titel sowie die Katalogisierung von Sekundärformen, gegebenenfalls auch der Originale in der Zeitschriftendatenbank, die Finanzierung bereits vorhandener VL-Lizenzen sowie die Leitung dieser Teilprojekte.

Zeitungsportal: Das hbz ist zuständig für die technische Betreuung des Zeitungsportals, die Übergabe der Bilddateien an das Digitale Archiv NRW zur Langzeitarchivierung und die Bereitstellung der Metadaten für übergeordnete Portale.

6 Zeitungsportal

Abb. 3: Das nordrhein-westfälische Portal „zeit.punktNRW“.

Abb. 3:

Das nordrhein-westfälische Portal „zeit.punktNRW“.

Das Zeitungsportal „zeit.punktNRW“ (https://zeitpunkt.nrw) konnte am 29. Juni im Rahmen einer Fachtagung zu historischen Zeitungen in Dortmund für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden. Das Design des Portals beruht auf einem sehr gelungenen Entwurf der ULB Münster. In Aufbau, Struktur und Funktionalitäten sind die Vorbilder „digipress“ oder auch „Der Erste Weltkrieg im Spiegel hessischer Regionalzeitungen“[14] der hebis-Verbundzentrale unverkennbar. Auch im NRW-Portal nehmen die Sucheinstiege und Findpunkte eine zentrale Position auf der Eingangsseite ein. Wie „digipress“ bietet auch „zeit.punktNRW“ eine Zeitungsliste und eine Kalenderfunktion als zentrale Einstiegspunkte an. Die Zeitungsliste enthält nicht ein Verzeichnis der Zeitungstitel, sondern der Zeitungsunternehmen, die als kleine Kollektion in dem Portal angelegt sind. Jedes Zeitungsunternehmen enthält eine Verlinkung auf die Titelsplits und die Beilagen sowie im Idealfall eine Beschreibung, die von der jeweiligen besitzhaltenden Einrichtung erstellt worden ist und die über die Geschichte, Entwicklung, Verbreitung und politische Ausrichtung der Zeitung informiert. Darüber hinaus eröffnet „zeit.punkt“NRW“ die Möglichkeit, gezielt Verbreitungsorte von Zeitungen zu suchen. Dafür stehen sowohl eine Ortsliste als auch eine Karte zur Verfügung. Für letztere werden die georeferenzierten GND-Daten der Verbreitungsorte aus den Metadaten ausgelesen und in eine Kartendarstellung überführt. Voraussetzung hierfür ist, dass die Verbreitungsorte bei der ZDB-Katalogisierung vollständig und genau erfasst werden.

Im Gegensatz zu „digipress“ und zum hebis-Weltkriegsportal ist in „zeit.punktNRW“ zurzeit noch keine Volltextsuche möglich. Die Kosten für eine OCR-Erkennung, die bei übergroßen Zeitungsformaten besonders hoch sind, können in der ersten Projektphase nicht finanziert werden. Die Texterkennung ist aber ein großes Desiderat und soll im nächsten Förderzeitraum realisiert werden.

Ansonsten entsprechen die Funktionalitäten des Portals den üblichen Standards in der Präsentation historischer Zeitungen. Die Bilder können gezoomt und gedreht, jede einzelne Zeitungsausgabe als PDF-Datei heruntergeladen und gedruckt werden.

Bei Freigabe des Portals waren 111 Zeitungsunternehmen, 242 Zeitungstitel, 424.599 Ausgaben und 2.537.795 Seiten zur Benutzung freigegeben.

7 Ausblick

Das Projekt ist erfolgreich gestartet, das Zeitungsportal ist online und erfreut sich zunehmender Bekanntheit. Das angestrebte Ziel, zum Ende der ersten Förderphase acht Millionen Zeitungsseiten anzubieten, ist realistisch. Dennoch bleibt noch viel zu tun. Die fehlende OCR-Erkennung ist schon angesprochen worden. Zudem gilt es, weitere Kooperationspartner in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, um die Datenbasis zu verbreitern und um noch bestehende Lücken zu schließen. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit anderen Zeitungsportalen und -projekten wünschenswert. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit der Forschung, die sicher noch vertieft werden muss. Allerdings konnte bereits jetzt mit dem Institut für Zeitungsforschung in Dortmund ein wichtiger Kooperationspartner innerhalb der Zeitungsforschung gewonnen werden Schließlich sei daran erinnert, dass das nordrhein-westfälische Projekt sich zunächst auf die Digitalisierung von Mikrofilmen beschränkt. Viele Zeitungen sind aber nicht verfilmt. Sie liegen nur im Original vor, häufig in einem sehr schlechten Zustand. Die Digitalisierung und Konservierung historischer Zeitungen ist ein langwieriges Unterfangen, das gemeinsame Anstrengungen vieler unterschiedlicher Partner und einen langen Atem erfordert. Das nordrhein-westfälische Verbundprojekt von Archiven und Bibliotheken stellt dafür ein gutes Modell dar.

Published Online: 2018-10-26
Published in Print: 2018-10-10

© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston