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Publicly Available Published by De Gruyter Saur November 7, 2019

Fachinformationsdienst Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft - ein Werkstattbericht

Specialised Information Services in Book Studies, Library and Information Sciences - A Workshop Report
Bettina Gierke, Johannes Mangei, Dorian Merz and Sandra Simon
From the journal Bibliotheksdienst

Abstract

Nach einem kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte des Fachinformationsdienstes Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft (FID BBI) sowie einer Skizze zum Stand der Fachinformationsdienste im Allgemeinen bietet der vorliegende Bericht aus der Werkstatt des FID BBI vor allem Aussagen zu den Erwerbungskriterien des Dienstes und Informationen zu dem kürzlich freigeschalteten Portal. Die Angaben sollen dem Austausch mit der bibliothekarischen und fachlichen Community dienen und schließen daher auch offene Fragen und noch unerreichte Meilensteine ein.

Abstract

After a brief history of the predecessor of the specialised information service for the book, library and information sciences and a glimpse of the current state of the programme in general, this article shares insights into the service’s acquisition criteria and the recently launched portal. It intends to stimulate discussion with the professional community both in libraries and in the disciplines; therefore, it includes open questions and goals that have not been reached yet.

Sondersammelgebiete und Fachinformationsdienste statt „Massenliteratur-Versorgungsanstalten“

Paul Raabe (1927-2013) beklagte in den 1980er Jahren, dass die wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands „Massenliteratur-Versorgungsanstalten“ geworden seien.[1] Nicht erst damals war es mitunter eine Herausforderung, Literatur für den hoch spezialisierten Bedarf in Fächern wie zum Beispiel Buch- oder Bibliothekswissenschaft, gerade auch aus dem Ausland zu erwerben und bereitzustellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zur Unterstützung dieses spezialisierten Literaturerwerbs seit 1949 verteilt auf mehr als zwanzig Staats- und Universitätsbibliotheken über Jahrzehnte ein dezentrales System von Sondersammelgebieten (SSG) gefördert.[2] Damit wurde die abgestimmte Erwerbung von Medien unterstützt, um in den verschiedenen Wissenschaften Spezialliteratur für Forschung und Lehre bereitzuhalten. Vor allem sollten schwer erreichbare ausländische Veröffentlichungen an deutschen Hochschulstandorten verfügbar gemacht werden.

Für die drei Fächer Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft wurde 1949 an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen das entsprechende SSG eingerichtet.[3] Dieses konzentrierte sich zunächst auf die Geschichte und Gegenwart des Buches, der Bibliotheken und der Archive. In den 1960er Jahren wurde der Sammelauftrag um die Gebiete Dokumentation und Information erweitert. Bis zum Auslaufen des SSG 2015 fanden auch aktuelle Themen wie etwa der Medienwandel des 20. und 21. Jahrhunderts Eingang. Außerdem wurde eine Virtuelle Fachbibliothek (b2i) für die drei Fächer erstellt und 2006 freigeschaltet. Von 2008 bis zur Einstellung des Sondersammelgebiets 2015 übernahm die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) das SSG. Nach dem Wechsel an die BSB München folgte 2009 auch ein Relaunch des Portals.[4]

Aufgrund der vor allem durch die Digitalisierung bedingten gravierenden Veränderungen der Forschungslandschaft, dem tiefgreifenden Wandel im Bibliothekswesen und der Neuerungen im Bereich der wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde eine Abkehr von der Förderung der SSG und eine Umstellung auf die Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) vollzogen.[5] Ein wesentlicher Unterschied zwischen den SSG und FID besteht darin, dass sich die FID systematisch mit den nutzenden Wissenschaften über die Fragen des realen Bedarfs abstimmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass reale (oder aktuelle) Bedarfe nicht zwingend nur Zugriffe auf Literatur bedeuten, sondern vielfältige Dienstleistungen angesprochen sein können. Für die Fächer Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft bewarben sich nach der Umstellung auf das FID-Programm die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) in einem Gemeinschaftsantrag um den Aufbau eines Fachinformationsdienstes Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft (FID BBI, https://katalog.fid-bbi.de). Dieser Antrag wurde im Februar 2017 bewilligt; der Projektauftakt erfolgte im Oktober 2017.[6]

Zur Entwicklung der Fachinformationsdienste

Bis heute wurden knapp vierzig FID von der DFG bewilligt.[7] Zum Teil konnten diese in unmittelbarer Nachfolge an zuvor von der Einrichtung betreute SSG anknüpfen, zum Teil (wie beim FID BBI) ist das nicht der Fall. Manche der FID befinden sich noch in ihrer jeweils ersten Arbeitsphase (wie der FID BBI), andere stehen bereits in der zweiten Arbeitsphase. Um die Struktur und die Leistungsfähigkeit des Programms zu beurteilen, setzte der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) 2016 eine Kommission zur Evaluierung des Förderprogramms ein.[8] Sie wurde beauftragt, eine differenzierte Evaluierung des FID-Programms zu konzipieren und durchzuführen und auf der Basis der Evaluierungsergebnisse Empfehlungen an den AWBI zur weiteren Programmgestaltung auszusprechen. Auf dieser Grundlage wird die Weiterentwicklung des Förderprogramms und damit verbunden auch eine Neuausrichtung in Angriff genommen.[9] Die Evaluierungskommission hat ihrerseits zur methodischen Unterstützung eine kommerzielle Firma (Prognos AG) mit der Durchführung einer differenzierten Evaluationsstudie beauftragt. Dabei war u. a. von Interesse, wie die Leistungen und Dienste sowie die Akzeptanz der FID bei den Fachcommunities und auf Bibliotheksseite eingeschätzt werden. Im Zentrum der Auswertung standen Fragen nach der Zielerreichung des Programms, der Leistungsbewertung der FID, dem Bedarf der wissenschaftlichen Communities sowie der Ausrichtung der Förderung. In zwei Phasen erfolgten Befragungen, Analysen und die Ergebnisauswertung in entsprechenden Kommissionssitzungen.[10] Daraufhin sind von der Kommission Einschätzungen zum Stand des Programms und Empfehlungen für die künftige Förderung der FID entwickelt worden.[11] Aus der Sicht der Kommission ist „der eingeschlagene Weg grundsätzlich richtig und notwendig“, auch seien „schon nach kurzer Laufzeit Erfolgspotentiale für innovative und nachhaltige Angebote für die Wissenschaftsdisziplinen offenbart“ worden.[12] Die Empfehlungen der Kommission zielen besonders auf verstärkte Kooperationen (sowohl zwischen den FID und ihren jeweiligen Zielgruppen, als auch zwischen den FID selbst), auf eine Einbeziehung der Mandantenbibliotheken ohne eigene FID und auf eine Selbstorganisation der FID ab, um neue Anforderungen und Aufgaben effizienter aufgreifen und nachhaltig realisieren zu können.

FID BBI - Beteiligte Institutionen und Personen

Für den FID BBI arbeiten HAB Wolfenbüttel und UB Leipzig eng zusammen. Die inhaltliche Ausrichtung, die Erwerbung von Medien und Lizenzen sowie das community building werden in erster Linie von Wolfenbütteler Seite in Angriff genommen. Dagegen bringt sich die UB Leipzig vor allem mit ihrer Kompetenz hinsichtlich des technischen Portalaufbaus in das Projekt ein. In der Anfangsphase war das Projekt durch Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung in seiner Arbeit noch gebremst. Dennoch wurden schon frühzeitig im Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern der Fächer und den Fachverbänden Erwerbungskriterien erarbeitet.[13] Seit Frühjahr 2019 sind alle Projektstellen besetzt, und die Unternehmung konnte an Fahrt aufnehmen. Seither wurde die Vernetzung vorangetrieben und der Portalaufbau sowie die Auswahl von nachzuweisenden Datenquellen intensiviert. Dazu wurden entsprechende Vorschlagslisten erstellt und die im Folgenden vorgestellten Erwerbungskriterien weiter ausgearbeitet. Darüber hinaus konnte sich in seiner konstituierenden Sitzung vom 19. Juli 2019 der wissenschaftliche Beirat etablieren, der den Bedarf der Fachgemeinschaften einbringt und der dem Projekt fachliche Beratung angedeihen lässt. Er fungiert zum einen als sounding board für die Auswahlkriterien, zum anderen aber auch als Multiplikator, der diese in den jeweiligen Disziplinen weiter verbreitet. Der Beirat setzt sich aus den folgenden fünf Vertreterinnen und Vertretern der angesprochenen Fachdisziplinen zusammen:

  • Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm (Fachhochschule Potsdam; Hochschulverband Informationswissenschaft),

  • Prof. Dr. Robert Jäschke (Humboldt-Universität zu Berlin),

  • Prof. Dr. Günther Neher (Fachhochschule Potsdam; Vertreter der Konferenz der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge (KIBA) der Sektion 7 im dbv),

  • Prof. Dr. Ursula Rautenberg (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und

  • Prof. Dr. Ute Schneider (Johannes Gutenberg-Universität Mainz).

Zielgruppen des FID BBI

Das Ziel des FID BBI ist die bedarfsorientierte Versorgung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der assoziierten Disziplinen mit Spezialliteratur und forschungsrelevanten Informationen. Der FID BBI ergänzt so die bestehende Versorgung des Grundbedarfs durch die Hochschulen. Im Gegensatz zu den SSG liegt der Fokus der FID nun nicht mehr auf einem umfassenden und auf Vollständigkeit bedachten Bestandsaufbau in einer oder mehreren Disziplinen, sondern in dem Nachweis und der Bereitstellung vielfältiger Ressourcen, die den aktuellen Forschungsbedarf der jeweiligen Zielgruppen decken.[14] Folglich ist eine inhaltliche Schwerpunktsetzung in der Erwerbung notwendig. Um stets den aktuellen Forschungsbedarf zu bedienen, ist nicht nur eine regelmäßige Evaluierung und Aktualisierung der Auswahlkriterien erforderlich, sondern auch der enge Kontakt mit den adressierten Zielgruppen unabdingbar.

Für den FID BBI ergibt sich bei der Definition der Zielgruppen[15] ein vielleicht einzigartiger, mindestens aber ein besonderer Fall in der FID-Landschaft. Die Berufspraxis spiegelt sich nicht nur in den Forschungstrends der Wissenschaften wider, sondern Berufspraktikerinnen und Berufspraktiker in Bibliotheken, Verlagen und im Buchhandel fühlen sich ebenfalls von den Angeboten des FID BBI angesprochen. Während anwendungsbezogene Forschungstrends in der inhaltlichen Ausrichtung des FID problemlos Berücksichtigung finden und Berufspraktikerinnen und Berufspraktiker die nicht-kostenpflichtigen Angebote des FID nutzen können, würde eine Erweiterung der Zielgruppe auf Berufspraktikerinnen und Berufspraktiker[16] ohne vordergründig wissenschaftliches Interesse dem Grundgedanken des FID-Programms widersprechen und die ohnehin schon anspruchsvolle Aufgabe der Einrichtung überregionaler Lizenzen von FID-Ressourcen erschweren.

Allgemeine Erwerbungsgrundsätze

Entsprechend der „Grundsätze für den Erwerb von Publikationen in den DFG-geförderten Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft“[17] soll sichergestellt werden, dass die adressierten Zielgruppen einen ortsunabhängigen, möglichst schnellen und direkten Zugriff auf benötigte Ressourcen erhalten. Um das gewährleisten zu können, soll der digitalen Form der Veröffentlichung Vorzug gewährt werden, sofern nicht fachliche Gründe dagegen sprechen, ein geeignetes überregionales Bereitstellungsmedium fehlt oder die nachhaltige Bereitstellung nicht gewährleistet ist. Weitere Einschränkungen sind inhaltlich durch die Ausrichtung des FID-Programms begründet und betreffen die Prämisse, Spezialbedarfe zu bedienen, so dass Ressourcen von der Erwerbung ausgeschlossen sind, die zum Grundbedarf eines Faches gehören und in den Aufgabenbereich der Hochschulbibliotheken fallen.[18]

Während die Erwerbungsgrundsätze der DFG eine e-only-policy propagieren, ist dies in der Realität der hier bearbeiteten Disziplinen nicht immer umsetzbar. Zum einen spielen unterschiedliche Fachkulturen eine Rolle, in denen teils noch eine ausgeprägte Bevorzugung physischer Medien vorherrscht, zum anderen aber auch die Anforderungen an die Lizenzierung überregional genutzter Medien.[19] Bei der Lizenzierung und Bereitstellung von FID-Ressourcen erhalten die FID Unterstützung von dem ebenfalls im Rahmen des FID-Programms geförderten Kompetenzzentrums für Lizenzierung (KfL), das an der SUB Göttingen, der SBB-PK Berlin und der BSB München angesiedelt ist und das nicht nur Beschaffungs- und Lizenzierungsmodelle für die FID entwickelt, sondern auch Standards in der überregionalen Lizenzierung setzt.[20] Der FID BBI hat in der bisherigen Projektlaufzeit noch keine überregionalen Lizenzen abgeschlossen und sich stattdessen zunächst auf die Erwerbung von Einzelmedien, den Nachweis bereits verfügbarer Nationallizenzen, bspw. die Volltextdatenbanken Early English Books Online (EEBO) und Eighteenth Century Collections Online (ECCO),[21] sowie die Einbindung nachnutzbarer Metadaten wie bspw. des K10plus oder der British Library und den Nachweis frei verfügbarer Datenbanken und elektronischer Ressourcen konzentriert. Die Lizenzierung kostenpflichtiger Angebote ist aber vorgesehen, denn auch für die BBI-Disziplinen sind zentrale Datenquellen, wie bspw. die Library and Information Science Abstracts (LISA), für die Forschung notwendige Ressourcen.

In der Ausrichtung des FID BBI werden auch Grenzbereiche mit Bezug zu den BBI-Disziplinen berücksichtigt, für die kein eigenes FID-Angebot besteht, wie die historischen Hilfs- und Grundwissenschaften, Restaurierung und Konservierung, die Archiv- und Museumswissenschaften sowie die Digital Humanities. Aufgrund der teils starken Inter- und Transdisziplinarität der FID-BBI-Disziplinen[22] ergeben sich teils erhebliche Überschneidungen zu anderen Disziplinen bzw. Fachinformationsdiensten, die berücksichtigt werden müssen. Um die Angebote für interdisziplinäre Fragestellungen zu öffnen, ist es deshalb unabdingbar, die Erwerbungskriterien des FID BBI im Hinblick auf Überschneidungen zu anderen FID-Angeboten zu überprüfen. Dies erfolgt über eine Bestandsabfrage während der Erwerbungsarbeit.

Überschneidungen und Interdisziplinarität

Es sei angemerkt, dass der dublette Nachweis in den verschiedenen fachspezifischen Nachweisportalen der FID durchaus sinnvoll ist. Denn die FID streben an, die Spezialbedarfe der Fachwissenschaften durch zentrale Portallösungen zu decken, die bspw. mit einer Suche alle für eine Fragestellung relevanten Ressourcen an einem Ort nachweisen und im Idealfall auch die Bereitstellung gewährleisten. Es sollte vermieden werden, die ohnehin schon knappen Erwerbungsmittel für bereits anderswo bestehende Zugriffe oder Bestände einzusetzen. Ist bspw. eine Publikation in einem anderen Fachinformationsdienst oder der TIB vorhanden bzw. umfassend in deutschen Bibliotheken nachgewiesen, darf davon ausgegangen werden, dass der dauerhafte Zugriff durch entsprechende analoge und digitale Maßnahmen der Archivierung gewährleistet ist. In diesen Fällen erfolgt in der Regel keine weitere Erwerbung oder Lizenzierung durch den FID BBI. Aber der Nachweis und damit verbunden eine Verfügbarkeitsabfrage erfolgen durch die für die BBI-Disziplinen profilierten Metadaten, die in das BBI-Portal eingespielt werden.

Um die knappen Erwerbungsmittel, die für elektronische Lizenzen vorgesehen sind, effizient einzusetzen, wurden im Vorfeld der Antragsstellung sowie im bisherigen Projektverlauf Bedarfe der Zielgruppen in Gesprächen mit dem wissenschaftlichen Beirat und weiteren Fachvertreterinnen und Fachvertretern ermittelt. Im Einzelfall bzw. in Abstimmung mit den ebenfalls betroffenen FID ist zu klären, ob Datenquellen, die aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung nicht nur mehrere Fachinformationsdienste betreffen bzw. bereits von zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken lizenziert sind, tatsächliche Spezialbedarfe darstellen.

Bei der Entwicklung der FID-Portale wird auf eine breite Zugänglichkeit geachtet; für den FID BBI bedeutet das, dass die Recherche über alle Nachweise im zentralen Portal kostenfrei und ohne Anmeldung möglich ist. Die freie Zugänglichkeit wird letztlich jedoch begrenzt, wenn perspektivisch FID-Lizenzen abgeschlossen werden. Entsprechend der Ausrichtung des FID-Programms auf die Versorgung der Wissenschaft liegt der Fokus der Bereitstellung der FID-Lizenzen auf den adressierten Zielgruppen. Eine Erweiterung auf weitere Nutzende im Sinne einer Nationallizenz ist allein aus Kostengründen durch einzelne FID nicht zu leisten.[23] Für den FID BBI bedeutet das, dass abgewogen werden muss, ob die enge Zielgruppendefinition, die weder die in den Disziplinen herrschende Inter- und Transdisziplinarität noch die Berufspraxis abbildet, tragfähig ist, oder ob es in diesen Fällen andere Lizenzmodelle geben muss. In Zusammenarbeit mit dem KfL sollen hierfür geeignete Möglichkeiten austariert werden.

Erwerbungsentscheidungen im FID BBI

Ein häufig angesprochenes Desiderat des Bestandsaufbaus im abgewickelten SSG 24,1 war der Nachweis interdisziplinärer und internationaler Literatur. Der FID BBI versucht, dieses Desiderat zu beheben und berücksichtigt insbesondere Publikationen aus dem anglo-amerikanischen und romanischen Kulturraum sowie interdisziplinäre Publikationen, die BBI-relevant sind. Mittels verschiedener Klassifikationssysteme (Dewey Decimal Classification, Regensburger Verbundklassifikation, Basisklassifikation, Library of Congress Classification) wurden umfangreiche Übersichten erstellt, die bei der Erwerbung BBI-relevanter Publikationen auch aus den Grenzbereichen unterstützen und auch die Erschließung der erworbenen Medien bzw. die Selektion aus den Metadaten für das BBI-Portal erleichtern.[24]

Ein ebenfalls angesprochenes Desiderat des Bestandsaufbaus betrifft Qualifikationsarbeiten. Es lässt sich trefflich streiten, ob es sich bei studentischen Qualifikationsarbeiten auf Bachelor- oder Masterniveau tatsächlich um Spezialbedarfe der Wissenschaft handeln kann. Es ist jedoch unstrittig, dass Qualifikationsarbeiten insbesondere in den Bibliotheks- und Informationswissenschaften Forschungsimpulse geben und daher Berücksichtigung finden müssen. Der bisher gewählte Weg sieht also vor, die auf universitären Repositorien veröffentlichten und qualitätsgeprüften Arbeiten einzubinden[25] und in Auswahl auch publizierte Qualifikationsarbeiten zu erwerben.[26]

Die Erwerbungsunterlagen des FID BBI sind vielfältig. Neben den einschlägigen Nationalbibliographien (Deutsche Nationalbibliographie, British National Bibliography, Bibliographie nationale française) werden regelmäßig für die BBI-Disziplinen profilierte Neuerscheinungsdienste verschiedener Lieferanten,[27] Verlagskataloge einschlägiger Fachverlage sowie Mailinglisten und Ankündigungen von Neuerscheinungen der Fachwissenschaft ausgewertet. Noch nicht nachgewiesene Ressourcen oder Bestände können auch von den Nutzenden aktiv über das Anschaffungsformular im FID BBI-Portal oder per E-Mail an den FID BBI gemeldet werden.

Es wird versucht, die Erwerbungsmittel gleichmäßig auf die drei beteiligten Disziplinen zu verteilen. Dies ist jedoch nicht immer möglich bzw. abbildbar, da die entstehenden Kosten der Disziplinen sehr unterschiedlich sind. Für die Buch- und Bibliothekswissenschaft werden unter anderem auch Publikationen aus dem romanischen Sprachraum erworben, für die deutlich geringere Durchschnittspreise aufgerufen werden als dies bspw. für informationswissenschaftliche Literatur der Fall ist. Darüber hinaus werden entsprechend der Förderbedingungen die Erwerbungsmittel des Förderprogramms durch Eigenleistungen von 15 % Beteiligung an Kosten für die Lizenzierung digitaler Medien bzw. 30 % Beteiligung an der Erwerbung aller anderen Medien ergänzt.[28]

Erwerbungsschwerpunkte und Erwerbungstiefen

Die Erwerbungstiefen orientieren sich an der fachlichen Schwerpunktsetzung der Disziplinen sowie an den Grundsätzen der DFG. Im Folgenden sollen vier Erwerbungsstufen unterschieden werden: 3 Erwerbung / Lizenzierung in breiter Auswahl; 2 differenzierte Auswahl; 1 strenge Auswahl; 0 Verzicht. In den tabellarischen Aufstellungen werden die fachlichen Bereiche der drei Disziplinen einer Erwerbungsstufe und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen zugeordnet sowie Überschneidungen mit anderen Fachdisziplinen und Fachinformationsdiensten zur Abstimmung aufgezeigt.

Im Vordergrund der Erwerbung stehen neben den thematischen Forschungsschwerpunkten auch allgemeine Erwerbungskriterien, die Medientypen sowie Sprache und fachliche Ausrichtung betreffen. Einschlägige Ressourcen werden entsprechend der Erwerbungstiefe erworben; Ausnahmen sind hier Primärliteratur und Neuauflagen, auf die in der Erwerbung verzichtet wird. Für besondere Medientypen gelten zusätzliche Einschränkungen. Doktorarbeiten und Habilitationsschriften werden nur bei fachlicher Einschlägigkeit umfassend, sonst in Auswahl erworben. Studentische Qualifikationsschriften werden in strenger Auswahl berücksichtigt und nur sofern Qualitätssicherung stattgefunden hat. Konferenzberichte werden insbesondere in der Informationswissenschaft nur in Auswahl erworben, da viele Ressourcen durch den Sammelschwerpunkt der TIB bereits überregional zur Verfügung stehen. Elektronische und periodisch erscheinende Ressourcen wurden bisher nur berücksichtigt, sofern sie frei verfügbar sind. Verhandlungen für ausgewählte elektronische Ressourcen (Datenbanken und E-Book-Pakete bzw. Pick-and-choose-Modelle) werden zeitnah erfolgen. Für den FID BBI werden vorrangig originalsprachige Ressourcen in Deutsch und Englisch, in Auswahl auch in Französisch, Italienisch und Spanisch erworben; weitere Sprachen und Übersetzungen finden nur in strenger Auswahl Berücksichtigung. Die Erweiterung der Erwerbungskriterien auf internationale und interdisziplinäre Ressourcen ist durch die im Folgenden beschriebenen fachlichen Kriterien in den Tabellen geleitet.

Tabelle 1:

Buchwissenschaft.

Buchwissenschaft

Stufe

Schwerpunkte und Überschneidungen

Buchforschung unter Einschluss medientheoretischer Aspekte / Buchgeschichte

3

Übergreifende Darstellungen zur Buchgeschichte von den Anfängen des Buches (Rolle) bis zur digitalen Revolution; Buch und Gesellschaft; Medien(um)brüche; Medienkonvergenz

Überschneidung: Medien- und Kommunikationswissenschaft; Literatur- und Kulturwissenschaft

Buchhandels- und Verlagsgeschichte

3

Buchhandel; Buchhandels- und Verlagsarten; Fallstudien; Markenforschung; Marketing; Öffentlichkeitsarbeit; Organisation; Verlagswesen

Überschneidung: Medien- und Kommunikationswissenschaft; Kultur- und Literaturgeschichte; Recht; Wirtschaft

Buchwissenschaft

3

Methode und Theorie; Perspektiven des Fachs

Leserforschung

3

Fallstudien in historischer und moderner Perspektive; Leseförderung; Lesesozialisation; Literacy; Medienkonvergenz; Theorie und Methode

Überschneidung: Erziehungswissenschaften; empirische Sozialforschung; Medienwissenschaften; Soziologie; Literatursoziologie

Schriftgeschichte und Typographie

3

Drucker; Druckgeschichte; Druckschriften; Schreiber; Schriftgeschichte; Schriftgießer; Typographen

Überschneidung: Paläographie; regionale FID; Medienwissenschaft

Digitale Publikationsformen

2

Digitale Editionen; Formate; Gestaltung; Langzeitverfügbarkeit; Marketing; Medienkonvergenz; Nachhaltigkeit; Nutzung; Qualitätssicherung; Rechtsgrundlagen; technische Grundlagen; Vertrieb; wissenschaftliches Publizieren

Überschneidung: Buchgeschichte / -wissenschaft; Leserforschung; Recht; Wirtschaft

Handschriftenkunde / Kodikologie

2

Entstehungsprozesse; Materialität (Beschreibstoffe, Schreibgeräte, Schriften und Buchschmuck); Medienwandel; Provenienz

Überschneidung: Altertumswissenschaften (mittel- und neulateinische Philologie); historische Grundwissenschaften

Inkunabelkunde

2

Buchgestaltung; Gutenberg und andere Frühdrucker; Materialität; Provenienz; Publikationsformen und Gattungen; Satz- und Drucktechnik; Typographie

Überschneidung: historische Grundwissenschaften; Paläographie

Medienkompetenz und Mediennutzungsforschung

2

Bezogen auf die Nutzung von Schriftmedien

Überschneidung: Leserforschung; Medienwissenschaft

Restaurierung / Konservierung

1

Bezogen auf die Erhaltung von Schriftmedien

Überschneidung: Archiv- und Museumswissenschaft

Tabelle 2:

Bibliothekswissenschaft.

Bibliothekswissenschaft

Stufe

Schwerpunkte und Überschneidungen

Archiv-, Bibliotheks- und Dokumentationsgeschichte und -politik

3

Automatisierungsprozesse / Bibliothekstechnik; Berufspraxis; Bibliotheksinfrastrukturen; Bibliotheksmanagement; Bibliotheksrecht; Bibliotheksstrategie; Bibliothekstypologie; Bibliothekswesen allgemein; Geschichte einzelner Bibliotheken; Innovationsmanagement; Qualitätsmanagement

Bibliothek / Archiv und Gesellschaft

3

Aufgabe und Rolle der Bibliothek; Herausforderungen

Digitale Bibliothek

3

Digitalisierung; digitale Editionen; hybride Bibliothek; Langzeitarchivierung; Mensch-Maschine-Interaktion; Urheberrecht; Weiterentwicklungen

Überschneidung: Informationswissenschaft

Informationskompetenz und Informations(kompetenz)-vermittlung

3

Best practices; eLearning; Gamification; Informationsdidaktik; Open Educational Ressources; Teaching Library

Überschneidung: Bildung; Information Behaviour; Sozialwissenschaften

Klassifikation

3

Automatische Verfahren; FRBR; Positionen; RDA; Sacherschließung

Bestandserhaltung

3

Restaurierung und Konservierung von Sammlungsgut; best practices; Standards

Überschneidung: Archiv- und Museumswissenschaft

Langzeitarchivierung

3

Best practices; Lösungen; Standards

Überschneidung: digitale Bibliothek; digital curation

Leserforschung / Nutzerforschung

3

Nutzerforschung; usability

Überschneidung: Mediennutzungsforschung; auch Buchwissenschaft (Leserforschung); Emotional Information Retrieval

Lizenzierung

3

Herausforderungen; Lizenzverwaltung; rechtliche Grundlagen

Überschneidung: Recht

Nutzung

3

Auskunft; Ausleihe / Leihverkehr; Benutzungsordnung; Bestandspräsentation; Öffentlichkeitsarbeit; Rechtsfragen; Standards

Überschneidung: Leser- / Nutzerforschung

Open Access

3

Best practices; Herausforderungen; rechtliche Grundlagen

Sondersammlungen

3

Bibliothekarische Sammlungen; Deposita

Bibliotheksbau

2

Bibliotheksbau; Konzeption; Planung

Überschneidung: Architektur; Baumanagement

Digitale Publikationsformen

2

Bezogen auf Bibliothekswissenschaft; best practices; Digital Humanities; Forschungsdaten; Repositorien

Überschneidung: Electronic Ressource Management; Lizenzverwaltung

Electronic Ressource Management

2

Best practices; Herausforderungen; Lizenzverwaltung; Medienmanagement; Systeme

Überschneidung: Bestandsentwicklung

Informationsdienstleistungen

2

Best practices; Fachinformation; Neuerungen

Informationsethik

2

Berufsethik; Bibliotheksrecht; ethische Fragestellung der Informationsversorgung

Informationsgesellschaft

2

Siehe Bibliothek / Archiv und Gesellschaft

Überschneidung: Web Science

Informationsinfrastruktur

2

Siehe Bibliotheksgeschichte

Informationsmanagement

2

Nutzung, Planung und Steuerung von Informationen

Informationsmarkt

2

Siehe Bibliothek / Archiv und Gesellschaft

Informationsmarketing

2

Marketing; Öffentlichkeitsarbeit

Informationsverhaltensforschung

2

Informationsstrategien; Studien; Suchverhalten

Überschneidung: Leser- / Nutzerforschung

Medienkompetenz

2

Siehe Informationskompetenz

Mediennutzungsforschung

2

Mediennutzung in Bibliotheken

Überschneidung: Medienwissenschaft

Metadaten

2

Bibliothekarische Metadaten; Datenformate; Datenmodelle; Metadatenmanagement; Schnittstellen; Standards

Normdaten

2

Bibliothekarische Normdaten; Datenmodelle; Standards

Semantic Web (Linked Open Data)

2

Datenmodelle; Standards; Vokabulare

Social Media

2

Bezogen auf Einsatz in Bibliotheken

Text Mining

2

Bibliothekarische Dienstleistungen; Forschungsansätze; rechtliche Voraussetzungen

Virtuelle Forschungsumgebung

2

Best practices; Bedarfsermittlung; Dienstleistungen; Medienmanagement; Standards

Überschneidung: Electronic Ressource Management

Wissensmanagement

2

Bezogen auf Bibliothek

Überschneidung: Informationskompetenzvermittlung

Zensur

2

Berufsethik; Grundrechte; Informationsfreiheit; Jugendschutz

Überschneidung: Bestandsentwicklung; Recht

Interkulturelle Bibliotheksarbeit

1

Insbesondere Öffentliche Bibliotheken; aktuelle Fragestellungen

Tausch

1

Bestandsaufbau, Beziehungen zwischen Bibliotheken

Volltexterfassung / OCR

1

Best practices; Standards; Strukturdatenerfassung; Tagging; TEI / XML

Überschneidung: Digitalisierung

Terminologie

1

Mapping; Thesaurus; Wissensrepräsentation

Tabelle 3:

Informationswissenschaft.

Informationswissenschaft

Stufe

Schwerpunkte und Überschneidungen

Automatische Indexierung

3

Indexierungsverfahren; Qualitätsmaße

Überschneidung: Information Retrieval; Klassifikation

Bibliometrie und Szientometrie

3

Methoden; alternative Metriken (altmetrics); Verfahren

Überschneidung: auch bibliothekarische Dienstleistungen

Digitale Bibliothek

3

Digitalisierung; digitale Editionen; Digitalisierung und Gesellschaft; hybride Bibliothek; usability; Weiterentwicklungen

Überschneidung: Bibliothekswissenschaft

Information Behaviour

3

Datenvalidität; Informationserschließung; Informationsnutzung / -suche; Informationsvermeidung; Informationsüberfluss; Interface-Design; Nutzungskontexte; Online-Nutzerforschung; Personal Information Management; Theorie und Methoden der Nutzerforschung; usability

Überschneidung: Informationskompetenz; Nutzerforschung; Wissensmanagement

Information Retrieval

3

Darstellung; Emotional Information Retrieval; Indexierung; Informationslinguistik; kontrollierte Vokabulare; mehrsprachiges Retrieval; Prozesse der Informationsverarbeitung und -bereitstellung; Retrievalmodelle; Speicherung; Visualisierung

Überschneidung: Informatik

Klassifikation

3

Automatische Verfahren

Langzeitarchivierung

3

Best practices; Lösungen; Standards

Überschneidung: digital curation

Ontologien

3

Kontrollierte Vokabulare

Open Access

3

Best practices; Herausforderungen; OA-Systeme

Semantic Web (Linked Open Data)

3

Datenmodelle; RDF; SKOS; Standards; Vokabulare

Big Data

2

Analyse großer Datenmengen; Computerlinguistik; Datenmodellierung; Einfluss auf Informations- und Wissensprozesse; maschinelles Lernen; natural language processing; Spracherkennung

Überschneidung: Informationsanalyse; Text Mining

Data Mining

2

Siehe Text Mining

Digital Curation

2

Digitale Langzeitarchivierung; Herausforderungen; Verfahren

Digitale Publikationsformen

2

Bezogen auf Informationswissenschaft; best practices; technische Grundlagen

Überschneidung: virtuelle Forschungsumgebungen

Digitalisierung

2

Digitale Rechteverwaltung; Digitalisierungsverfahren; Standards

Electronic Resource Management

2

Herausforderungen; Medienmanagement; Systeme

Informationsanalyse

2

Empfehlungsdienste; Informationsbedarfe / -verhalten; Organisations- und Geschäftsmodelle; Medien und Kommunikation

Überschneidung: Medien- und Kommunikationswissenschaft; Nutzerforschung

Informationsvermittlung

2

Technische Grundlagen; eLearning; Gamification

Informationsvisualisierung

2

Mensch-Maschine-Interaktion; Wissensmodellierung; Wissens(re)präsentation

Metadaten

2

Bibliothekarische Metadaten; Datenformate; Datenmodelle; Metadatenmodellierung; Mapping; MARC 21; METS / MODS; semantic web; Standards

Normdaten

2

Bibliothekarische Normdaten; Datenmodelle; Standards

Text Mining

2

Automatische Verfahren; Forschungsansätze; rechtliche Voraussetzungen; Systeme

Virtuelle Forschungsumgebung

2

Best practices; eScience; Standards; Systeme

Web Science

2

Gesellschaftliche Relevanz des Internets / WWWs; Bewertung Medienentwicklung; Medienkonvergenz; Wissensgesellschaft

Überschneidung: Buchwissenschaft; Medien- und Kommunikationswissenschaft

Webtechnologie

2

Auszeichnungssprachen; Content-Management-Systeme; Datenbanksysteme; Datenaustauschformate; Identifikatoren; Interface-Design; mobile Anwendungen; Netzwerke; Protokolle; Schnittstellen; Skripte; Sprachverarbeitung; Suchmaschinen; Technikfolgen

Wissensmanagement

2

Bezogen auf Informationswissenschaft; Literaturverwaltung; Wissensmodellierung; Wissensorganisation und -repräsentation

Volltexterfassung / OCR

1

Best practices; Standards; Strukturdatenerfassung; Tagging; TEI / XML

Terminologie

1

Indexierung; Mapping; terminologische Kontrolle; Thesaurus; Wissensrepräsentation

Überschneidung: Information Retrieval; Klassifikation; semantic web

Portal

Das zentrale Nachweisportal des FID BBI ist seit September 2019 für die Öffentlichkeit unter https://katalog.fid-bbi.de zugänglich. Die oben beschriebenen Erwerbungskriterien sind auch für den fachspezifischen Nachweis BBI-relevanter Informationen im Portal anzuwenden. Durch die Kooperation der beiden Projektpartner, HAB und UBL, ist es möglich, nicht nur inhaltliche Synergieeffekte zwischen zwei verwandten FID, dem gemeinsam geführten FID BBI und dem an der UBL ebenfalls angesiedelten FID Kommunikations-, Medien- und Filmwissenschaft (https://katalog.adlr.link), zu erzielen, sondern auch in der technischen Portalentwicklung Synergien zu generieren. Der FID BBI profitiert von den bereits geleisteten Entwicklungen, bringt aber zunehmend auch eigene Impulse für die Weiterentwicklung der Portallösungen. Dies geschieht auf zwei Ebenen: Zum einen können Ressourcen über den gemeinsam genutzten Index der finc-Gemeinschaft[29] durch den FID BBI nachgenutzt werden, zum anderen können bereits vorhandene bzw. sich in Entwicklung befindende Portalfunktionalitäten übernommen und an die fachspezifischen Bedarfe des FID BBI angepasst werden.

In der ersten Arbeitsphase wurde der Schwerpunkt im FID BBI auf die inhaltliche Ausrichtung sowie grundlegende Portalfunktionen gelegt. Die inhaltliche Ausrichtung betrifft einerseits die regelmäßige Erwerbungsarbeit (siehe oben), sie betrifft aber andererseits auch die Einbindung von Ressourcen in das Nachweisportal. Für diesen Zweck werden seit Projektbeginn Quellen gesammelt, die eine oder alle der adressierten Disziplinen betreffen. Ausgangsbasis waren Quellen, die bereits im nicht mehr verfügbaren b2i-Portal eingebunden waren, die im Vorfeld der Antragsstellung als Wünsche aus den Disziplinen geäußert wurden oder die in den etablierten Kontakten zu Beirat und Fachvertreterinnen und Fachvertretern genannt wurden sowie einschlägige BBI-Ressourcen. Darüber hinaus wurden die im gemeinsamen finc-Index enthaltenen Ressourcen auf BBI-Inhalte überprüft. Die so ermittelte Übersicht ist bewusst umfangreich gehalten und enthält verschiedene Medientypen: von Datenbanken über Repositorien bis hin zu Einzelpublikationen und auch Webseiten. Die Übersicht wird stetig insbesondere auch durch Input der Fachvertreterinnen und Fachvertreter ergänzt. Aufgrund des Umfangs ist es erforderlich, die Medien nach verschiedenen Kriterien zu priorisieren. Neben der inhaltlichen Relevanz (Einschlägigkeit in einer oder mehreren der Disziplinen; Relevanz für eine oder mehrere Disziplinen / Teilgebiete) spielen hier insbesondere auch Fragen der Datenqualität (Datenformate, aber auch Erschließungsqualität), der Zugänglichkeit (Datendump, Schnittstellen etc.) und der Kosten (freie Zugänglichkeit zu Metadaten und Volltexten, freie Zugänglichkeit nur zu Metadaten, kostenpflichtige / lizenzbewehrte Metadaten und Volltexte) eine Rolle. Entsprechend dieser Kriterien wurden die Datenquellen zunächst inhaltlich priorisiert (Priorität 1-3) und anschließend auf Basis der weiteren Kriterien Festlegungen getroffen. Für einige Ressourcen heißt das, dass sie bis auf weiteres zurückgestellt sind. Bei niedriger inhaltlicher Priorität und einem relativ hohen Aufwand dafür, die Daten für eine sinnvolle Darstellung im Portal aufzubereiten, ist das vertretbar. Andere Ressourcen, die etwa bereits im finc-Index enthalten sind bzw. die mit angemessenem Aufwand in den Index eingebunden werden können,[30] und die inhaltlich relevant sind, wurden höher priorisiert und bei der Einbindung in das Portal vorgezogen. Auf diesem Weg wurde bereits frühzeitig mit der Aufbereitung der Wolfenbütteler Bibliographie zur Geschichte des Buchwesens im deutschen Sprachgebiet, 1840-1980 (WBB), in der ca. 98.000 selbstständige und unselbstständige Titel zur Buchgeschichte erfasst sind, begonnen. Die ursprünglich als Druckausgabe erschienene Bibliographie wurde bereits 2006 als eigenständige Datenbank veröffentlicht.[31] Die im Allegro-Format vorliegenden Metadaten wurden in der Folge auf die Zielformate MARC21/MARC21 XML, Dublin Core Qualified und SKOS gemappt sowie nachträglich bereinigt, um sie anschließend in den finc-Index einzubringen.

Für die Darstellung in dem Portal ist es aber auch sinnvoll, möglichst umfassende und vielfältige Ressourcen abzubilden und diese in weiteren Schritten fachspezifisch selektieren zu können. Im Idealfall lassen sich die Metadaten über bereits vorhandene fachliche Zuschnitte oder über bibliothekarische Klassifikationen für einen BBI-Ausschnitt auswerten. Hierfür wurden - soweit die jeweiligen Klassifikationen (DDC, RVK, BK und LCC) diese zulassen - feine Abstufungen erarbeitet. Aufgrund der unterschiedlichen Erschließungsformen und der Qualität der vorhandenen Erschließung bedarf es häufig dennoch Einzelfalllösungen.[32] Für die im FID BBI sowie in dem abgeschlossenen Sondersammelgebiet 24,1 erworbenen Medien sowie die aufgebauten Fachkataloge erfolgt die Einbindung über das vergebene FID- bzw. SSG-Kennzeichen. So gelingt es, auch interdisziplinäre Ressourcen (Datenbanken, aber auch Bibliothekskataloge) sowie Ressourcen aus den Grenzbereichen der BBI-Disziplinen nutzbar zu machen. Die ausschließliche Auswertung nach derart vordefinierten Parametern kann unter Umständen aber auch zu einer Nichtberücksichtigung von Datenquellen führen, deren Metadaten diese Parameter nicht enthalten. Um diese Sonderfälle dennoch nutzbar zu machen, werden - teils noch zu definierende - Einzellösungen angewandt. Mit der Zusammenführung der Verbunddatenbanken des GBV und des SWB zum K10plus ist es nun möglich, umfassende Bibliotheksbestände nach den beschriebenen Kriterien (Selektion nach Klassifikationen und SSG-/FID-Kennzeichen) für das BBI-Portal zu selektieren. Neben BBI-Ressourcen von nicht einschlägigen Bibliotheksstandorten kommen so auch die Bestände des ehemaligen SSG der SUB Göttingen in das Portal. Zeitnah soll nun auch die Einbindung des B3Kat, der gemeinsamen Katalogisierungsplattform der Bibliotheksverbünde BVB und KOBV, erfolgen, um auch die SSG-Bestände der BSB München abzubilden.

Workflows und Updates

Inzwischen haben sich verschiedene Geschäftsgänge zur Einbindung von Datenquellen in das BBI-Portal bewährt. Nachdem die Wolfenbütteler Projektgruppe die inhaltliche Relevanz sowie die rechtlichen Bedingungen der Einspielung in den Index bzw. der Einbindung in das Portal geklärt hat, übernimmt die Leipziger Projektgruppe die technische Bearbeitung. Hierbei haben sich zwei Wege etabliert: Ressourcen, die abgeschlossen sind, bei denen also kein Update zu erwarten ist, können über eine einmalige Lieferung der Metadaten in den Index übernommen werden. Dies ist auch für Ressourcen möglich, die in größeren, regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass fast alle Übertragungs- und Datenformate in den Index aufgenommen werden können. Es ist allerdings notwendig, in regelmäßigem Kontakt mit den Verantwortlichen der Datenquelle zu stehen, um erfolgte Updates zeitnah übernehmen zu können. Auf diese Weise nutzt der FID BBI beispielsweise die Datenbank Deutsches Bibliothekswesen (DABI) des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin nach; regelmäßige Updates werden im Abstand von sechs Monaten geliefert und werden dann in das Portal eingebunden. Bei der anderen Vorgehensweise werden Metadaten über Schnittstellen abgerufen. Auf diese Weise werden beispielsweise die Verzeichnisse deutscher Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts (VD 16, VD 17 und VD 18), der K10plus, aber auch freie Ressourcen wie das LIS Scholarship Archive (LISSA), das verschiedenste Formate (von Pre- und Postprints über Antragstexte, Poster und Code bis hin zu Audiodateien) aus den Bibliotheks- und Informationswissenschaften sammelt, in das BBI-Portal aufgenommen. Der Vorteil der Nutzung von Schnittstellen liegt darin, dass diese - in die Update-Routinen des finc-Teams eingebunden - regelmäßig abgefragt werden können. Zudem ist dabei nur geringer administrativer Aufwand nötig, um den Datenpool des FID BBI aktuell zu halten. Daneben wurde mit der Entwicklung grundlegender Funktionen des zugehörigen Web-Portals begonnen. Die technische Infrastruktur basiert auf dem Open Source-Framework VuFind[33], welches umfassende Funktionen für die Nutzung in Bibliotheken anbietet. Dies beinhaltet vor allem ein Discovery-System, das unter Anbindung auf einen SOLR-Index das - möglichst einfache bzw. intuitive - Auffinden der für die angesprochene Zielgruppe relevanten Ressourcen ermöglicht.

Zur Suche

Dazu stehen eine einfache und eine erweiterte Suchfunktion (Expertensuche) und die nachträgliche Filterung der Suchergebnisse über sogenannte Facetten zur Verfügung. Die Anlage als Open Source-Projekt ermöglicht allerdings die gezielte Anpassung und Erweiterung sowohl der Funktionalitäten als auch des Frontend-Designs an die Belange von Fachinformationsdiensten. Funktionalitäten werden modular entwickelt, um für andere FID und im Kontext der finc-Gemeinschaft von anderen Bibliotheken je nach tatsächlichen Bedarfen nachgenutzt werden zu können.[34] Durch ein Update der VuFind-Versionen mussten einzelne Funktionen erst auf den neuesten Stand gebracht werden, darunter die Nutzerverwaltung. Derzeit steht die Optimierung der Suche über verschiedene Quellen im BBI-Portal im Vordergrund. Die Suchbox kann auch über einen HTML-Code in der eigenen Website eingebunden werden, um von dort aus direkt im BBI-Portal zu suchen. Neben der einfachen Suche über alle eingebundenen Ressourcen können auch einzelne Quellen über die erweiterte Suche oder die Facette „Quelle“ ausgewählt werden. Eine weitere Möglichkeit, die Ergebnisse der Suche zu verbessern, bieten die verschiedenen Facetten. Hier ist perspektivisch geplant, über die Fachgebietsfacetten eine bessere Abbildung der BBI-Disziplinen zu erreichen. Ein nicht zu vernachlässigender Teil BBI-relevanter Aspekte wird aus den bibliothekarischen Klassifikationen in die Facette „Allgemeines“ gemappt. Es wird entsprechend versucht, die entsprechenden Untergruppen zu trennen und die Facetten „Buchwissenschaft“, „Bibliothekswissenschaft“ und „Informationswissenschaft“ zu bilden, um einen echten Mehrwert zu bieten. Während die Nutzung des Portals zur einfachen Suche, zur temporären Speicherung von Titeldaten in der Zwischenablege oder zur allgemeinen Anzeige der Verfügbarkeit eines Einzeltitels in einer Bibliothek in der Nähe (WorldCat[35]-Anzeige) ohne Anmeldung möglich ist, ist eine vorherige Registrierung für weitergehende, personalisierte Funktionalitäten notwendig: Haben Nutzende sich beispielsweise registriert und auch eine Heimatbibliothek angegeben, also die Bibliothek, die primär genutzt wird, so ist es möglich, aus der Suche im Portal heraus eine Bestandsabfrage in der Heimatbibliothek anzustoßen. Ist der Titel tatsächlich vorhanden, so werden entweder Verlinkungen zu elektronischen Ressourcen (teils als Volltextzugriff, teils zu den Verlagsangeboten) angeboten oder der lokale Standort übermittelt. Auch die Speicherung von Titeln in einer permanenten Favoritenliste ist nach erfolgter Anmeldung möglich. Diese Listen können von den Nutzenden individuell angepasst werden. So ist es nicht nur möglich, eigene Schlagwörter (tags) zu vergeben, sondern auch verschiedene, beispielsweise thematische Listen anzulegen und diese über einen Link als öffentliche Liste zu teilen. Weitere Funktionalitäten sollen im weiteren Projektverlauf in das Portal integriert werden. Neben der stetigen Verbesserung der Grundfunktionen sowie der Anpassung an zukünftige VuFind-Versionen stehen die Integration eines Kommunikationsforums in die Portalseite sowie perspektivisch auch der Aufbau eines Digitalisierungsservices an. Ebenso gilt es, das bisher noch schlichte Design des Portals anzupassen.

Fazit

Die vorhergehenden Ausführungen möchten über die bisherige Arbeit des FID informieren und zur Diskussion über seine weitere Entwicklung einladen. Es haben sich Herausforderungen gezeigt, die auch andere bzw. alle FID betreffen, wie etwa Fragen der Verstetigung, der Interdisziplinarität oder aber der Lizenzbedingungen und Lizenzkosten. Während für die ersten beiden Punkte die durch die Evaluierung angeregte stärkere Selbstorganisation und verstärkte Kooperation probate Mittel sein dürften, stellt die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung für Letztere den erfolgversprechenden Weg dar. Außerdem wurden Herausforderungen deutlich, die insbesondere den FID BBI betreffen; darunter die für die vertretenen Fächer gegebene, besondere Form der Interdisziplinarität, aber auch die Besonderheiten bei der Definition adäquater Zielgruppen.

Trotz der vergleichsweise kurzen Laufzeit des FID BBI können mit den hier vorgestellten Erwerbungskriterien und mit dem Portal zwei sichtbare Ergebnisse der Projektarbeit vorgelegt und zur Diskussion gestellt werden. Bei der näheren Auseinandersetzung mit den beiden Arbeitsschwerpunkten wird deutlich, dass beide Ergebnisse ständiger Weiterentwicklung, laufender Korrektur und Ergänzung bedürfen. Hinter diesen sichtbaren und bereits angewendeten bzw. nutzbaren Zwischenständen wird der Dienst allerdings von weniger deutlich wahrnehmbaren Anstrengungen getragen: Von der kontinuierlichen Erwerbungsarbeit und von der Vernetzung mit der community - zwei Aufgaben, die im eigentlichen Sinn nicht zu einem Abschluss kommen und die ebenfalls weiter vorangetrieben werden.


Article Note

Die Autorinnen und Autoren danken Julia Landsberg (HAB Wolfenbüttel) für die sorgfältige Korrektur und für inhaltliche Hinweise.


Published Online: 2019-11-07
Published in Print: 2019-11-01

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