BY-NC-ND 3.0 license Open Access Published by De Gruyter March 19, 2015

Rezensionen

HalleAxelDr. 1

Buch – Bibliothek – Region. Wolfgang Schmitz zum 65. Geburtstag / Hrsg. von Christine Haug und Rolf Thiele. Wiesbaden: Harrassowitz, 2014. VII, 547 Seiten. 98 €[Autor]

Aus Anlass des 65. Geburtstages von Wolfgang Schmitz haben der stellvertretende Direktor der USB Köln, Rolf Thiele, und die Buchwissenschaftlerin Christine Haug für den langjährigen Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) eine umfangreiche Festschrift herausgegeben. Neben einem Vorwort der Herausgeber, das vor allem Persönlichkeit und Wertschätzung des Jubilars zum Ausdruck bringt, sind dem sorgfältig redigierten Buch drei Grußworte vorangestellt. Es ist selten, dass sowohl Rektor als auch Kanzler einer großen Universität ihrem Bibliotheksdirektor in einer Festschrift Dank und Anerkennung aussprechen. Das dritte Vorwort, des bekannten Proust- und Petrarca-Sammlers Reiner Speck, ist eigentlich eine Mischung aus Grußwort, bibliophilem Bekenntnis und Danksagung und hätte mit Berechtigung bei etwas anderem thematischen Zuschnitt gut in den Abschnitt Buch gepasst, zumal dort von Ernst Fischer ein umfangreicher Artikel über Bibliophilie platziert wurde. Der umfangreiche Hauptteil gliedert sich in die Abschnitte Buch (11 Aufsätze), Bibliothek (14 Beiträge) und Region (7 Gratulanten). Abgeschlossen wird die Festschrift durch ein Verzeichnis der Schriften von Wolfgang Schmitz (23 Seiten mit über 260 Publikationen, allerdings auch viel Ephemeres, z. B. Rezensionen). Ein Autorenverzeichnis rundet die Festschrift ab.

Jede Festschrift will zunächst die wissenschaftliche, berufliche Leistung und die Wertschätzung, die dem Jubilar entgegengebracht werden, dokumentieren. Der vorliegenden Publikation gelingt dies mit ihrer breiten Themenwahl und der großen Zahl von Beiträgern in außerordentlicher Weise. Wolfgang Schmitz ist nicht nur fachlich ein allgemein anerkannter Experte im Bereich Buchwissenschaft und Regionalgeschichte und hat die USB langjährig verdienstvoll geleitet, sondern wird durch seine kooperative, unterstützende Art weit über die Grenzen Kölns geschätzt.

Charakteristikum vieler Festschriften ist, dass die Beiträger große Freiheiten haben, ihre speziellen Interessengebiete mit meist noch spezielleren Fragestellungen auszubreiten. Nicht selten sind dies dann Beiträge, die an anderer Stelle nur schwer hätten publiziert werden können. Die vorliegende Festschrift ist denn auch nicht nur außerordentlich breit angelegt, ohne letztlich einem roten Faden zu folgen, sondern führt im Ergebnis dazu, dass in der thematischen Breite des Sammelbandes jeder Beitrag isoliert steht. Konsequenter Weise verzichtet daher das Vorwort darauf, dem Leser diese Orientierung geben zu wollen. Letztlich ist das einzig Verbindende die Beziehung des Beiträgers zum Jubilar.

Wenn nun aber der Jubilar, wie im vorliegenden Fall, durch eigene Publikationen, persönliche Beziehungen und berufliche Praxis ein sehr breites Feld bestellt hat und die Festschrift dies abbilden will, ist es faktisch nicht möglich, die Aufsätze thematisch zu integrieren. Dies wird bereits mit dem Titel der Festschrift deutlich, denn darunter kann man (leider) fast alles subsummieren, ohne dass dem Leser klar wird, was er darunter zu verstehen hat, es sei denn, er kennt das Wirkungszentrum des Jubilar. Allerdings gehen die meisten Beiträge sehr weit über dieses Zentrum hinaus, denn sie reichen von den Briefen eines Agenten Herzog Augusts d. J. (Werner Arnold) über Leihbuchromane nach 1945 (Christine Haug) und alternative Buchdistributionen (Anke Vogel), zum St. Galler Bibliotheksgesetz (Cornel Dora), dem rheinischen Notfallverbund (Hanns Peter Neuheuser) und zum Kölner Hochschulradio (Tassilo Küpper), ohne dass der Leser dieser Rezension damit erahnen kann, welche Themen die „dazwischen liegenden“ Aufsätze haben könnten. Und so sind die Beiträge in den drei Kapiteln der Festschrift nach dem Alphabet der Beiträger geordnet, was dann letztlich jeglichen inneren Zusammenhang zerreißt, auch wenn er das eine oder andere Mal durchaus vorhanden ist, z. B. die Beiträge von Pilzer und Bilo zur Bibliothekspolitik, von Mittler und Stäcker zur virtuellen Forschungsumgebung oder von Ottermann und Nolden zur Provenienzforschung.

Das Kapitel Buch beginnt mit einem Aufsatz von Werner Arnold über Jean Beeck, gefolgt von Thomas Bremer zum Verlagsarchiv Gebauer, Oliver Duntze/Falk Eisermann zu Lienhart Ysenhut, Ernst Fischer über Bogeng, Christine Haug – lesenswert – zur industriellen Produktion von Leihbuchromanen als Baustein zur Populärkultur der jungen Bundesrepublik. Vincent Kaufmanns philosophischen Überlegungen zum digitale Humanismus folgen Erich Kleinschmidt über Friedrich Dominikus Ring, Annelen Ottermann mit ersten Ergebnissen der Provenienzforschung des Buchbesitzes von Dionysis und Jacobus Campius, Christoph Reske mit interessanten Darlegungen zum Einfluss der Technik auf das Aussehen der Buchschrift. Mit V wie Anke Vogel wird das Kapitel mit einem eher feuilletonistischen Beitrag von Secondhandvermarktung von Büchern abgeschlossen.

Das Kapitel Bibliothek beginnt mit einem Aufsatz von Albert Bilo zur Frage, was ist eigentlich Bibliothekspolitik und wird fortgesetzt von Cornel Dora (Wiborada lächelt), Claudia Fabians Beitrag zur Nachlassbibliothek Heinz Friedrich in der Bayerischen Staatsbibliothek, Michael Knoches Beschreibung der bibliographische Lage der germanistischen Literaturwissenschaft, Sven Kuttners Beitrag zur Sondersammlung Richard Koch in einer Spezialbibliothek in der Republik Moldau, Elmar Mittlers Reflektionen zur Geschichte der Forschungsbibliothek und aktuellen Entwicklung zur Bibliothek in virtuellen Forschungsumgebungen. Hanns Peter Neuheuser widmet sich den Anfängen der rheinischen Notfallverbünde. Reiner Nolden geht sehr akribisch und umfassend den Kölner Inkunabeldrucken in Trier nach und Harald Pilzer analysiert mit politologischer Kompetenz die Bibliothekspolitik unter besonderer Berücksichtigung der Föderalismusreformen. Jürgen Rolshoven und Claes Neuefeind gehen auf die digitale Rätoromanische Chrestomathie ein und Klaus G. Saur breitet seine verlegerische Erfahrung mit den allseits bekannten bibliothekarischen Bestsellern unterhaltsam aus. Thomas Stäckers anspruchsvoller Beitrag widmet sich dem Sammeln, Erschließen und Benutzen im digitalen Zeitalter und Rolf Thiele gibt einen Erfahrungsbericht über die Sacherschließung am Beispiel der USB Köln. Abschließend geht Peter Vodosek auf das so genannte „Ergänzungsexamen für Ostzonenbibliothekare“ ein, ein längst vergessenes Kapitel innerdeutscher Bibliotheksgeschichte.

Das Kapitel Region beginnt mit einem Aufsatz von Konrad Adenauer über die Familien Alfred und Bertha Krupp und wird fortgesetzt vom unterhaltsamen Beitrag Detlev Buschmanns zum Austausch materieller und immaterieller Güter durch Studienstiftungen. Detlev Hellfaier stellt die Berichte aus dem Jahr 1589 in einer Lemgoer Zeitung über Überfälle am Niederrhein und in Westfalen amüsant dar. Tassilo Küpper berichtet vom Kölner Hochschulradio und Werner Schäfke legt eine aufschlussreiche, umfassende Bibliographie Kölner Stadtführer vor. Dieter Strauch beschäftigt sich mit dem Kölner Stapelrecht und Jürgen Wilhelm mit dem Rheinland zwischen Kaiserreich und Europa.

Die Leser dieser Rezension werden angesichts dieses Potpourris nachvollziehen können, dass hier nicht die Qualität einzelner Aufsätze besprochen werden kann. Der wissenschaftliche Wert ist sehr unterschiedlich zu beurteilen; manche sind herausragende Beiträge in ihren Spezialgebieten, andere wiederum lassen den Rezensenten fragen, ob der Aufwand für den Autor und die zu erwartende Leserschaft in einem angemessen Verhältnis stehen. Diese Frage stellt sich umso mehr, wenn bei ausschließlich gedruckter Verbreitung des Buches die Kenntnis über die Aufsätze nicht breit gestreut sein dürfte. Angesichts der Möglichkeiten, open access zu publizieren und damit auch stark spezialisierten Aufsätzen eine große Verbreitung zu sichern, muss die Feststellung erlaubt sein, dass gedruckte Festschriften zwar dem Geehrten eine Freude machen, der Allgemeinheit eine freie elektronische Veröffentlichung nützlicher gewesen wäre.

VodosekPeterProf. Dr.2

Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta. Verleger – Entrepreneur – Politiker. Göttingen: Wallstein Verlag, 2014. 967 S. 16 Farbtafeln. Fest geb. – ISBN 978-3-8353-1396-5. € 49,90[Autor]

Es ist zwar nicht ganz üblich, aber ausnahmsweise soll diese Rezension mit drei Zitaten eingeleitet werden. Sie beziehen sich auf Johann Friedrich Cotta, nach der Restituierung seines alten Familienadels 1817 Freiherr Cotta von Cottendorf, auf Döringen, Plettenberg, Hipfelbeuern, Hohenkammer und Giebing (1764–1832). Am 22. Mai 1804 schrieb Schiller an ihn: „Sie, mein werthester Freund, haben mir soviele Proben ihrer edlen Freundschaft gegeben [...]. Gebe mir nur der Himmel Gesundheit und Thätigkeit, dass ich noch recht viel leiste, dass mein Fleiß Ihnen so wie ich wünsche, Früchte trage“. Noch 20 Jahre nach seinem Tod charakterisiert ihn Heinrich Heine am 26. März 1852 in einem Brief an Georg, den Sohn Cottas: „Das war ein Mann, der hatte die Hand über die ganze Welt“. Am Weitesten ging wohl Friedrich Buchholz, der ihn 1807 als den „Napoleon unter den Buchhändlern“ titulierte. Aber was schon bei Heine anklingt: Er war mehr als ein Buchhändler und der berühmte Verleger der Klassikerausgaben von Schiller, Goethe und Herder. Er „führte mehrere Leben in einem: Großverleger, Großagrarier, Politiker“ (S. 588).

Nun, dies ist alles bekannt und die Literatur über ihn und seine Aktivitäten umfangreich, einschließlich der zahlreichen edierten Briefwechsel wie etwa mit Goethe, Schiller, Friedrich Wilhelm Schelling oder Karl August Varnhagen von Ense. Es ist das Verdienst dieser ersten umfassenden Biographie, den „ganzen“ Cotta, sein Leben, sein Wirken und seine vielen Facetten in einer großen Monographie zusammengeführt zu haben, quellenbasiert, kritisch und lesbar. Wer wäre als Autor geeigneter gewesen als Bernhard Fischer, von 1992 bis 2007 Herr über das einzigartige Cotta-Archiv im Deutschen Literaturarchiv Marbach und seit 2007 Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs in der Klassik Stiftung Weimar? Das Buch ist rechtzeitig zum 250. Geburtstag Cottas, der am 27. April 1764 das Licht der Welt erblickte, erschienen.

Über den Menschen Cotta, der wenig private Lebenszeugnisse hinterlassen hat, wüsste man im Unterschied zu seinem Wirken wenig, lebte er nicht in den Äußerungen seiner Zeitgenossen: seiner Autoren, Mitarbeiter, Verlegerkollegen und von Politikern. Das, was er geschaffen hat, dokumentieren seine in Marbach aufbewahrten Geschäftspapiere, sonstige schriftliche Zeugnisse und Akten.

Cotta hatte, bevor er in den kleinen Verlag seines Vaters in Tübingen eintrat, Mathematik und Jura studiert. Diese Kenntnisse sowie sein ausgeprägt rationales Denken haben ihm nicht nur beim Ausbau des übernommenen Unternehmens zum Universalverlag genützt sondern auch als „Entrepreneur“ auf den verschiedensten Gebieten. Werner Birkenmaier hat im Feuilleton der Stuttgarter Zeitung mit Recht seinen „Sinn für die Ökonomisierung des Lebens“ hervorgehoben und ihn einen „Mitbegründer der Moderne“ genannt.[1] Von seinen zahlreichen Tätigkeitsfeldern hätte vermutlich schon eines eine weniger umtriebige Persönlichkeit ausgefüllt. Einige davon seien im Folgenden kurz gestreift.

Als Verleger wirkte er in einer Umbruchzeit des Buchhandels, in der sich vom Verhältnis Verleger – Autor bis zum Vertriebssystem und zum Lesepublikum so gut wie alles änderte. Cotta war an der Reform des Buchhandels ebenso beteiligt wie am Kampf gegen Nachdruck. Gemeinsame Interessen verbanden ihn, wenn auch keineswegs immer spannungsfrei, mit seinen Kollegen und Konkurrenten wie zum Beispiel Friedrich Justin Bertuch oder Georg Andreas Reimer. Er zählte auch in technischer Hinsicht zu den Pionieren, wenn er die dampfbetriebene Schnellpresse einsetzte und mit der Lithographie experimentierte.

Es war für ihn wohl wie ein Treffer im Lotto, dass er Schiller nicht nur als Autor an sich binden konnte, sondern ihn gleichzeitig auch als Berater und lebenslangen Freund gewann. Schwieriger war sein Verhältnis zu Goethe bis hin zum Zerwürfnis in den 1820er-Jahren. Durch die beiden, aber auch durch Herder, Wieland und Jean Paul, wurde er zum Klassikerverleger schlechthin. Ab 1801 war die schöne und unterhaltende (Bildungs)Literatur der Verlagsschwerpunkt, so dass Fischer geradezu von einer „,Revolution‘ im literarischen Verlagssegment“ spricht (S. 272). Um 1805 war Cottas Verlag vermutlich der attraktivste in Deutschland. Den meisten seiner Autoren gegenüber erwies er sich im Vergleich zu den damaligen Usancen als außerordentlich großzügig. Ein weiterer Schwerpunkt war sein Engagement für die politische Zeitung und die literarische Zeitschrift. Es möge genügen, auf Schillers „Horen“, die „Allgemeine Zeitung“ oder das „Morgenblatt für gebildete Stände“ hinzuweisen.

Es war unvermeidlich, dass ihm dieser Geschäftszweig aufreibende Auseinandersetzungen mit den Zensurbehörden einbrachte. Aber nicht nur in diesem Zusammenhang war er in das politische Geschäft involviert. Im Auftrag der württembergischen Landschaft, also der Stände, reiste er 1799 in diplomatischer Mission nach Paris. Er war Kongress-Deputierter des deutschen Buchhandels beim Wiener Kongress und schließlich als Landtagsabgeordneter in die württembergischen Verfassungskämpfe verwickelt. Seine langjährigen Beziehungen zum Erbprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren König Wilhelm I. von Württemberg, waren starken Schwankungen unterworfen. Vor allem nach den Karlsbader Beschlüssen war er nach 1819, wie ein Kapitel überschrieben ist, „Aus der Gnade verwiesen“.

Weniger prekär, dafür umso verdienstvoller war sein Engagement in der Sozialpolitik. Für die bis heute hochgeschätzte Königin Katharina von Württemberg entwarf er ein Programm für eine subsidiär-präventive Sozialpolitik und war maßgeblich am Zustandekommen des „Wohlthätigkeitsvereins“ beteiligt, dessen „Central-Leitung“ er angehörte und dem er 1817 55 000 fl. zur Verfügung stellte. Ebenso gehörte er der Zentralstelle des „Handels- und Gewerbe-Vereins“ und des Landwirtschaftlichen Vereins an, letzteres auch, weil er als Besitzer ausgedehnter Landgüter, die er erfolgreich betrieb, entsprechende Erfahrungen aber auch Interessen einbringen konnte.[2] Dieses ist wie gesagt nur ein kleiner Ausschnitt seiner Aktivitäten, denen keineswegs nur „politische Nebenstunden“ gewidmet waren. Zuletzt sei noch sein – nicht ganz so erfolgreicher – Einsatz für die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee und auf dem Rhein erwähnt.

Fischer hat seine Monographie in 7 große, chronologisch angeordnete Hauptkapitel gegliedert:

  • Von Tübingen auf den nationalen Markt. 1787–1794

  • Der Aufbau des politischen Verlags. 1795–1798

  • Cottas Klassikerverlag. 1799–1806

  • Unter Napoleon. 1807–1814

  • Verfassungskämpfe. 1815–1819

  • Karlsbad und die Folgen. 1819–1827

  • Im Bann der hohen Politik. 1827–1832

In die Unterkapitel werden die vorher skizzierten Themen eingebaut. Dazwischen eingefügt sind die Schicksale des Privat- und Familienmenschen: seine beiden Ehen[3], die problematischen Beziehungen zu seinem Sohn (und Nachfolger) Johann Georg von Cotta. Man erfährt auch von seinen beruflichen und privaten Reisen nach Paris, Berlin, Wien, München, in die Schweiz und nach Italien. Er rekreierte sich durch regelmäßige Badeaufenthalte, vornehmlich im heutigen Baden-Baden, wo er das Hotel Badischer Hof besaß. Trotzdem bleibt der Mensch Cotta merkwürdig blass. Was seinen Charakter betrifft, so lässt sich dieser vor allem aus seinen „Taten“ erschließen. Er war kein einfacher Zeitgenosse: einerseits in sich zurückgezogen, andererseits ein „Genie der öffentlichen Kommunikation“, wie ihn Fischer nennt. Er war großzügig, dann plötzlich auch wieder geizig (oder schwäbisch sparsam?), cholerisch, unbeugsam bis zur Rechthaberei und Starrheit. Ab 1812 ist generell ein Charakterwandel zu beobachten. Wenn es um seinen Vorteil ging, konnte er sich auch unterwürfig geben, auffallend besonders als es um seine „Peerswürde“ ging. Der ihm nahestehende Sulpiz Boisserée hat geradezu über seine „Pairs Narrheit“ gespottet.

Es ist bewundernswert, wie es Fischer gelingt, diese Fülle (notwendiger) Details zu einem Ganzen zusammenzufügen und dennoch lesbar zu bleiben. Für den allerdings, der das Werk als Handbuch heranziehen will, was durchaus möglich ist, wäre ein Sachregister hilfreich gewesen. Zu den Vorzügen des Buches zählt, dass die eigentliche Biographie in den breit angelegten historischen, politischen und kulturhistorischen Hintergrund integriert ist und sich so dem Leser ein weiter Horizont öffnet. Fischer baut in den Text ungewöhnlich zahl- und umfangreiche Zitate aus den unterschiedlichsten Quellen ein, aus Briefen, Berichten, Gutachten, Stellungnahmen usw. Dies erhöht nicht nur die Authentizität seiner Darlegungen, sondern bringt Abwechslung in die Darstellung und erleichtert, sich sozusagen in den „Geist der Zeiten zu versetzen“.

Mit 67 Seiten Anmerkungen sind die Ausführungen akribisch dokumentiert. Es folgen Verzeichnisse der Abkürzungen und Siglen, der Siglen von Archiven und Bibliotheken, der Literatursiglen sowie ein Literaturverzeichnis. Das Personenverzeichnis wurde bereits angesprochen. 16 Farbtafeln runden den Band ab.

Es scheint, als ob gegenwärtig die Zeit der großen Biographien im Zeichen einer neuen Biographik eine Renaissance erlebte. Fischers Opus magnum darf wohl als ein Maßstäbe setzender Höhepunkt hervorgehoben werden.[4]

WeberJuttaDr.3

Stephan Füssel (Hrsg.): „Ungeöffnete Königsgräber“. Chancen und Nutzen von Verlagsarchiven. Wiesbaden: Harrassowitz, 2013. 114 S., 5 Abb., 8 Tab., br. (Mainzer Studien zur Buchwissenschaft; 22) ISBN 978-3-447-06712-6, € 29,90

2013 erschien als Band 22 der von Stefan Füssel herausgegebenen „Mainzer Studien zur Buchwissenschaft“ ein Sammelband, der, so der Herausgeber, einen Anstoß geben soll „zur weiteren Rettung von Verlagsarchiven und zu ihrer Erschließung“[+]. Er trägt, wie das „XVI. Mainzer Kolloquium“ das im Januar 2011 in Mainz stattfand, und als deren Ergebnis er publiziert wurde, den wunderbaren Titel „Ungeöffnete Königsgräber“.

Füssel beschreibt in seinem Vorwort die deutsche Verlagsarchivlandschaft treffend: „Es gibt allerdings in Deutschland keine zentrale Anlaufstelle wie zum Beispiel das Institut Mémoires de l’edition contemporaine (IMEC) in Frankreich. Häufig genug werden Verlagsarchive in aktiven Verlagen nur wenig gepflegt, nicht selten erfolgt lediglich eine ,Ablage im Keller‘“.[+] Daher wird am Ende dieses Bandes (S. 113–114) der 2009 veröffentlichte Aufruf „Verlage brauchen ein Gedächtnis“ erneut abgedruckt, der von den Teilnehmern an der Marbacher Tagung „Tag der Verlage. Fragen der Erwerbung und Erschließung von Verlagsarchiven“ initiiert wurde. Dieser Aufruf endet mit dem Absatz: „Gerade im Zeitalter der Digitalisierung und der Umstellung auf elektronische Korrespondenz sollte mit dem Papiererbe verantwortungsbewusst umgegangen werden. Was jetzt nicht erhalten wird, ist für die Geistesgeschichte auf ewig verloren. Daher appellieren wir an alle Entscheidungsträger in den Verlagen: Sichern Sie das Kulturgut unserer Branche!“ (S. 114).

Der Band enthält einen Teil der auf dem Mainzer Kolloquium gehaltenen Vorträge. Der Verleger Christoph Links erläutert die Bedeutung von Verlagsarchiven an Beispielen von Verlagen der DDR und bemerkt, zu Recht, dass „Verlagsarchive viel von der Kulturgeschichte eines Landes erzählen“ (S. 17) können. Hermann Staub, Leiter der Sondersammlung „Archiv und Bibliothek des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V.“ in der Deutschen Nationalbibliothek, plädiert dafür, ein „Verzeichnis der deutschen Verlagsarchive“ zu erstellen (S. 32), nachdem er umfassend über die Geschichte seines Archivs referiert hat. Auch der Buchhistoriker Siegfried Lokatis bezieht sich auf die Bestände seines Hauses, des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, und beschreibt die dort vorhandenen Möglichkeiten, Verlagsarchive mit Studierenden als „buchwissenschaftliches Forschungslabor“ zu nutzen, so der Titel seines Beitrages. Michael Knoches Beitrag zum Archiv des Springer-Verlages ist eine knappe Darstellung der Verlagsgeschichte. Helen Müllers Darstellung des Archivs des Bertelsmann-Verlages unterstreicht mit einem interessanten Ansatz die Rolle des Firmenarchivs als Mittel der Reputationssteigerung des Unternehmens: Unternehmensgeschichte, Forschung zum Unternehmen und „nachhaltige Integration der Unternehmensgeschichte in die Unternehmenskultur“ (S. 52). Gabriele Dietze, ehemalige Cheflektorin des Rotbuch-Verlages, hält unter dem Titel „Doppelblind“ ein Plädoyer für die „Verlagsarchive als Referenzsysteme in der großen Arbeit am kollektiven Literatur-Gedächtnis“, da sie „langfristiger als Kanonisierungsformen [...] als Modus von „Checks and Balances“ genutzt werden“ (S. 63) können. Kurt Groenewold zeichnet die Geschichte von Wagenbach und Rotbuch-Verlag nach; Anneliese Baas steigt in die Tiefen des Rotbuch-Verlagsarchivs und zeigt Beispiele kollektiver Verlagsführung an. Abschließend berichten Cornelia Gisevius und Beatrix Obal über das „Mainzer Verlagsarchiv“ (MVA).

Der schmale Band (114 Seiten) lädt mit den sehr unterschiedlichen Themen, vorgetragen aus ebenfalls sehr unterschiedlichen Blickwinkeln – Verleger, Archivare, Bibliothekare, Forscher – zum Nachdenken über die große Bedeutung von Verlagsarchiven an. Die „ungeöffneten Königsgräber“ werden allerdings, das kommt in dem Sammelband natürlich auch zur Sprache, zur Zeit an vielen Stellen bearbeitet und erschlossen. Marbach, Mainz, Leipzig, Berlin werden genannt. Zu ergänzen wäre, dass gerade in der Staatsbibliothek zu Berlin mit der Erschließung der großen Verlagsarchive von Mohr Siebeck und Vandenhoeck & Ruprecht in der nationalen Verbunddatenbank Kalliope Standards gesetzt werden, um die in Deutschland verstreut verwahrten Verlagsarchive und vor allem die in ihnen verwahrte Korrespondenz elektronisch zu erfassen. Hier entsteht, wie in den genannten anderen Einrichtungen, eine hohe Kompetenz im Umgang mit Verlagsarchiven, die gemeinsam zu erweitern und zu verstätigen sicher eine wichtige strategische Aufgabe für Bibliotheken und Archive in der nächsten Zeit sein wird. Der Vorschlag von Hermann Staub, ein „Verzeichnis der deutschen Verlagsarchive“ zu erstellen, kann – so begrüßenswert er ist – zu dieser Idee nur eine erste Stufe darstellen. Die Königsgräber müssen, nachdem sie erschlossen sind, auch erforscht werden. Eine gut koordinierte Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken, Archiven und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland, begleitet von dem Zuspruch der Verleger, muss die überreiche Quellenlage nutzen, um das, was die „Königsgräber“ an Schätzen bergen, in der Forschung wirksam werden zu lassen.

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Georg Adler: Handbuch Buchverschluss und Buchbeschlag: Terminologie und Geschichte im deutschsprachigen Raum, in den Niederlanden und Italien vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Mit Zeichnungen von Joachim Krauskopf. Wiesbaden: Reichert, 2010. XI, 241 S., zahlr. Ill. ISBN 978-3-89500-752-1[Autor]

Mit dem „Handbuch Buchverschluss und Buchbeschlag“ präsentiert Georg Adler die Ergebnisse seiner langjährigen Recherchen in zahlreichen Bibliotheken des In- und Auslands in einem opulent ausgestatteten Bildband. Obwohl das Thema einige Zielgruppen wie Bibliothekare, Sammler, Antiquare, Restauratoren, Einbandforscher und Archäologen anspricht, sind dazu in der Fachliteratur bisher nur wenige umfassende Veröffentlichungen zu finden. Insbesondere fehlte es bislang an einer einheitlichen Systematik und Terminologie zur wissenschaftlichen Beschreibung von Buchverschlüssen und Buchbeschlägen. Diesem Desiderat widmet Georg Adler den ersten von drei Abschnitten seines Handbuchs. Die dort vorgeschlagene Systematik zur Benennung einzelner Verschluss- und Beschlagtypen richtet sich in erster Linie nach der Art, wie der Benutzer den Schließvorgang ausführt. Das kann beispielsweise durch Einhaken, Aufstecken oder das Einschieben einer Klappe erfolgen. Eine weitere Untergliederung wird über die Art der Anbringung vorgenommen, beispielsweise als Riemenschließe oder als Ganzmetallschließe. Die zu definierenden Begriffe werden mit Siglen belegt, was eine verkürzte Beschreibung in Publikationen oder das Einpflegen in Datenbanken erleichtert. Die begleitenden technischen Zeichnungen von Joachim Krauskopf sind bemerkenswert exakt ausgeführt und ergänzen die schriftlichen Ausführungen in diesem Teil hervorragend. Die Details einer allgemein verbindlichen Systematik und Terminologie von Buchverschlüssen und Buchbeschlägen werden in Fachkreisen sicher noch einige Diskussionen erfordern. Das zeigt beispielsweise ein Vergleich mit der 2009 von Claus Maywald veröffentlichten Arbeit zum selben Thema.[1] Georg Adler sagt in seinen Vorbemerkungen dazu: „Wir stehen erst am Anfang!“ Er liefert hier mit seinen Vorschlägen zur Systematik und Terminologie allerdings bereits eine weitgehend ausgearbeitete Grundlage für die zukünftige Beschäftigung mit diesem Thema.

Das Handbuch geht im Folgenden weit über die terminologischen Fragestellungen hinaus und behandelt eine Reihe von weiteren Aspekten rund um das Thema. Am Ende des terminologischen Teils steht ein interessantes, allerdings recht kurz gehaltenes Kapitel über die Hersteller der Buchverschlüsse und Buchbeschläge. Dazu gibt es eine Reihe von Farbabbildungen von vereinzelt auf Schließen und Beschlägen vorkommenden Herstellermarken und -monogrammen.

Der zweite Abschnitt des Buches liefert auf 130 Seiten einen Überblick zur Entwicklung der Schließen und Beschläge vom 8. bis ins 20. Jahrhundert. Ausgestattet mit umfangreichem Bildmaterial von größtenteils hoher Qualität wirkt dieses Kapitel auf den Benutzer sofort gefällig. Es eignet sich hervorragend als Nachschlagewerk und für die Bestimmung von eigenem Material. Zu den meisten Abbildungen finden sich zudem zitierfähige Informationen in den Legenden. Aus kunsthistorischer Sicht ist die für diesen Abschnitt gewählte Epocheneinteilung stellenweise allerdings nicht ganz stringent. Das betrifft beispielsweise den Begriff „Industrialisierung“ für die Epoche „Industrialisierung und Historismus (1850–1915)“ oder auch die Zusammenfassung karolingischer, ottonischer und romanischer Einbände unter dem Epochenbegriff „Romanik“. Abgesehen davon wird dieses Kapitel wohl jedem interessierten Leser große Freude bereiten, denn eine vergleichbar anschauliche und umfangreiche Übersicht zu Schließen und Beschlägen am Buch gab es bisher noch nicht.

Den dritten Teil des Buches bilden acht Anhänge. Anhang I liefert Anwendungsbeispiele der alphanumerischen Kennzeichnungen für die Beschreibung von Buchverschlüssen und Buchbeschlägen. Anhang II listet tabellarisch verschiedene Konturformen von Schließen- und Beschlagteilen mit Abbildungen auf. Da den Formen auch Begriffe zugeordnet werden, ergänzt die Tabelle den ersten Buchabschnitt zur Terminologie. Anhang III zeigt einige wenige Beispiele für Spuren von verlorenen oder beschädigten Verschluss- und Beschlagteilen. Dieser besonders für Restauratoren interessante Abschnitt ist mit zweieinhalb Seiten recht dünn geraten und zeigt leider überhaupt keine Spuren verlorener Teile aus Leder oder Textil. Gerade diese Materialien, die beispielsweise für geflochtene griechische Riemenschließen oder Verschlussbänder im 16. und 17. Jahrhundert Verwendung fanden, sind heute sehr häufig verloren und nur noch anhand von signifikanten Spuren zu identifizieren. Anhang IV liefert eine nützliche Konkordanz der Fachtermini in fünf Sprachen. Darauf folgt der ebenso hilfreiche Anhang V mit einem Register der im Buch genannten Buchbinder, Klausurmacher und Silberschmiede. Die Bibliographie im Anhang VI ist mit der Angabe von über 140 überwiegend deutschsprachigen Publikationen zum Thema sehr umfangreich. Hier wäre ergänzend lediglich noch die zusätzliche Aufnahme einzelner Titel wünschenswert gewesen. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit von Thorkild Ramskou zu archäologischen Funden von normannischen Buchbeschlägen.[2] Anhang VII bietet ein nach Institutionen geordnetes Verzeichnis der im Buch zitierten Objektsignaturen. Ein Register der erwähnten Fachtermini schließt das Werk als Anhang VIII ab.

Insgesamt betrachtet kann das „Handbuch Buchverschluss und Buchbeschlag“ jedem an diesem speziellen Thema interessierten Leser unbedingt empfohlen werden. Es ist ein mit viel privatem Engagement erarbeitetes Fachbuch, das eine solide Grundlage für die zukünftige Beschäftigung mit dem Thema liefert und im Bereich der Einbandkunde eine Lücke schließt.

MarwinskiKonradDoz. Dr.5

Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit: Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig.Hrsg. von Thomas Fuchs, Christoph Mackert und Reinhold Scholl. Wiesbaden: Harrassowitz, 2012. – X, 328 S.: Ill. (Schriften und Zeugnisse zur Buchgeschichte; 20) ISBN 978-3-447-06689-1 / ISSN 2942–4709[Autor]

Der vorliegende Sammelband enthält Projektberichte über die Erschließung von Sonderbeständen, die sich im Besitz der 1539 gegründeten Universitätsbibliothek (UB) Leipzig befinden (Gesamtbestand 2012:[1] 5 418 564 Bände, 43 138 elektronische Publikationen, Sonderbestand: 18 239 Handschriften und Autographen). In ihrer historischen Entwicklung erreichte die „Bibliotheca Albertina“ Mitte des 19. Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt.[2] Im Vorwort betonen die Herausgeber, dass die UB Leipzig zu den großen Bibliotheken in Deutschland gehöre, „die sich durch die besondere Menge und Vielfalt ihres Altbestandes[3] auszeichnen“.

Seit Beginn der 1990er-Jahre beschäftigt sich die UB Leipzig intensiv mit der Erschließung dieser Sonderbestände. Der Band vereinigt 20 Beiträge, die sechs großen Themenkomplexen zugeordnet sind: (1) Antike Überlieferung (Papyri und Ostraka), (2) mittelalterliche Dokumente, (3) neuzeitliche Handschriften (Stammbücher, Nachlässe, Autographensammlungen, Buchrestaurierungen), (4) Druckschriften (Inkunabeln, Gelehrtenbibliotheken, Schulschriften), (5) „Orientalia“ (Familienbibliothek aus Damaskus, islamische Handschriften, Jaina-Handschriften) und schließlich – den Rahmen des Buchtitels sprengend – (6) das Münzkabinett der Universitätsbibliothek als Sonderbestand ohne Bücher.

Die sowohl von Mitarbeitern der UB Leipzig als auch von Drittmittelbeschäftigten verfassten Beiträge vermitteln Einblicke „in die Struktur der Leipziger Sondersammlungen“ und beschreiben die aktuelle Situation der Bestandsbearbeitung, die durch „differenzierte Arbeitsprozesse, wissenschaftlich und bibliothekarisch abgesicherte Erschließungsarbeiten und ein ausgeklügeltes Bestandsmanagement“ bemerkenswert sind, „das auf EDV-technischen Grundlagen wie Datenbanktechnik und Digitalisierung basiert“. Die „vielfältigen inhaltlichen, philologischen, fach- und hilfswissenschaftlichen sowie informationstechnologischen Anforderungen an moderner Erschließungsarbeit im Bereich der Sonderbestände“ hat zu einem Professionalisierungs- und Spezialisierungsprozess geführt, der die Projektarbeit immer stärker in den Vordergrund treten lässt. Der Einleitung zufolge sei zumindest im Bereich der Erschließung der Anteil der Projektarbeit so massiv angestiegen, „dass sie in einigen Segmenten den Hauptteil der Erschließungsaktivitäten“ bestreite. Ein Nachteil sei, dass die für das Projekt eingestellten Mitarbeiter nur vorübergehend an der UB Leipzig bleiben können, denn sie müssen nach dem Abschluss des Projektes unter Mitnahme ihres dabei erworbenen Spezialwissens wieder ausscheiden. Vor diesem Hintergrund sei der Sammelband entstanden, er zeige „die große Bedeutung, die den Projektbeschäftigten inzwischen neben den Kompetenzen und Aktivitäten des hauseigenen Personals“ zukomme. „Nachhaltige Projektarbeit“ trage zur „Profilierung des Altbestandes“ bei (S. 33). Die Bibliothek habe nun die Verpflichtung, den erarbeiteten Wissensstand zu den Materialien im Rahmen des laufenden bibliothekarischen Arbeitsprozesses zu erhalten und, da die Ergebnisse in Abhängigkeit mit der EDV-technischen Entwicklung erzielt wurden, diese laufend zu verfolgen und deren Einsatzfähigkeit zu garantieren. Diese Projektberichte, die auch kurze Bestandsbeschreibungen enthalten, machen in der Hauptsache den Sammelband aus.

Die vom Bereichsleiter Sondersammlungen der UB Leipzig, Thomas Fuchs, verfasste umfängliche Einleitung Bibliotheken zwischen Kultureller Memoria, Wissenschaft und Musealität enthält Überlegungen zur Rolle der Bibliotheken als „mögliche Gedächtnisspeicher“, „Selektionsinstitutionen“ und „Orte des Nicht-Lesens“; die des Buches wird als „Textträger“, „Sammlungsbestandteil“, „museales Objekt“ und dessen „Nutzenwert“ angedeutet. Danach sei die Zweckbestimmung des Buches lediglich in der „Erhaltung“ und im „Gebrauch“ (Nutzung) zu sehen, es stehe nicht zum Lesen, „sondern für die Eventualität des Lesens“ bereit (S. 9). Im Vergleich zur „Buch-Bibliothek“ sind dagegen die Probleme bei elektronischen Medien anderer Natur. Die modernen „analogen Datenträger“ (Videos, Tonbänder, Schallplatten, Filme, Dias, Fotografien, CD, DVD) stellten an die Bibliotheken neue Anforderungen. Im Abschnitt Wissenssoziologische Fundamente der Bibliothek werden Sonderbestände als „Museumsbestände“ analysiert und die Umwandlung von „Normalbeständen in Sonderbestände“ angedeutet, mit der Schlussfolgerung: „Die Altbestandsbibliotheken wandeln sich im Strom der Zeit zu Museen, sie bilden keinen neuen Sonderbestand mehr aus“ (S. 19). Im letzten Abschnitt Die Wissenssoziologie des alten Buches und die Universitätsbibliothek wird deren Entwicklungsgeschichte seit 1539 überblicksartig dargestellt, mit der Übernahme des Bibliotheksgutes der sächsischen Klöster und dessen Konzentration in Leipzig (1542) wurde die Kontinuität der neuen Bildungseinrichtung gesichert.

Dem Einleitungskapitel folgt der Aufsatz Die Papyrus- und Ostrakasammlung der Universitätsbibliothek Leipzig: Geschichte, Bestand und wissenschaftliche Erschließung von Reinhard Scholl. Die Leipziger Papyrus-Sammlung wurde erst 1902 über die Bereitstellung von Finanzmitteln durch den Leiter des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und öffentlichen Unterricht, Kurt Damm Paul von Seydewitz (1843–1910), in Verbindung mit der Kgl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig und der Verwaltung der Albrechtstiftung in Leipzig gegründet. Die Gelder wurden für die Erwerbung ägyptischer, also aus Ägypten stammender griechisch geschriebener Papyri, eingesetzt, mit dem Ergebnis, dass sich in der Folgezeit Leipzig zum Zentrum der Papyrusforschung entwickeln konnte. Glanzstück der Leipziger Sammlung ist der Papyrus Ebers, ein altes ägyptisches medizinisches Handbuch aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts v.u.Z. Im Winter 1872/73 [nicht 1972/73!] fand Georg Ebers (1837–1898), Ägyptologe und Romanschriftsteller, in Theben diese Papyrusrolle, die er erwarb und der UB Leipzig übergab. – Die Arbeiten an der Papyrus- und Ostrakasammlung wurden nach langer zeitlicher Unterbrechung 1993 wieder aufgenommen. Ein neuer Arbeitsabschnitt begann 1998. Mit finanzieller Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung konnte für zwei Jahre eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle geschaffen werden. 2001 kam man auf die Idee, die Papyrus-Sammlungen der neuen Bundesländer gemeinsam zu digitalisieren, zu katalogisieren und die Ergebnisse im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es entstand das Papyrus-Projekt Halle–Jena–Leipzig, das inzwischen erweitert wurde. – Die Leipziger Sammlung ist heute eine der größten in Deutschland. Mit Stand von Februar 2011 waren etwa 4 600 Objekte inventarisiert und z. T. katalogmäßig erfasst: fast 3 000 Papyri, 12 Pergamentblätter, 5 Hadernpapierseiten und 1 584 Ostraka.

Unter dem Titel Virtueller Zusammenschluss digitaler Papyrussammlungen stellt Marius Gerhardt Das „Papyrusportal“ vor, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die verschiedenen nicht miteinander kompatiblen einzelnen oder wie das Projekt Halle–Jena–Leipzig schon in Zusammenschlüssen existierenden Papyrus-Datenbanken in Deutschland miteinander zu verbinden, um die Recherchen im Internet effektiver zu gestalten.

Die wissenschaftliche Erschließung und Katalogisierung abendländischer mittelalterlicher Handschriften in Bibliotheken und anderen Sammlungen wird seit 1990 kontinuierlich in besonderen Programmen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Zur Realisierung dieses nationalen Vorhabens bedarf es einer straffen Organisationsstruktur. Deshalb wurden für die Bundesrepublik Deutschland 6 Handschriftenzentren geschaffen, zu denen neben der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt a. M., der Bayerischen Staatsbibliothek München, der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel auch die Universitätsbibliothek Leipzig gehört. Die genannten Handschriftenzentren besitzen selbst umfangreiche Handschriftensammlungen, einen Bestand einschlägiger Nachschlagewerke, Datenbanken und natürlich ein qualifiziertes, den einzelnen Teilaufgaben entsprechend strukturiertes Fachpersonal, das auch in der Lage sein muss, sich über den eigenen Bereich hinaus gegenseitig zu unterstützen. Einen informativen Bericht Zur Methode der Kurzerfassung mittelalterlicher Handschriften: Ergebnisse und Funde in einem Segment theologischer Handschriften der UB Leipzig gibt Almuth Märker. Die Erschließungstiefe stellte von Anfang an ein Problem dar. Bekanntermaßen erfordert eine Tiefenerschließung einen hohen Zeitaufwand, man muss für ein Objekt ein durchschnittliches Arbeitspensum von 10 Arbeitstagen ansetzen. Um das Problem zu lösen, wurde eine Verschlankung vorgeschlagen. Schon 1992 hat die DFG auf eine „verkürzte Beschreibung“ hingewiesen.[4] Für die Handschriftenkatalogisierung an der UB Leipzig gilt heute die Kurzerfassung. Die Bibliothek besitzt einen Bestand von 2 200 mittelalterlichen Handschriften. Von den 870 theologischen Codices, die hier beispielhaft herangezogen wurden, sind über ein dreiviertel Jahrhundert hindurch etwa 85 Prozent mittels Tiefenerschließung katalogisiert worden. Für die noch fehlenden 120 Codices wurde die Kurzerfassung gewählt.

Zur Fragmentsammlung der Leipziger Universitätsbibliothek verfasste der Stellvertretende Bereichsleiter Sondersammlungen und Leiter des Handschriftenzentrums Christoph Mackert einen ausführlichen Bericht. Wie jede Bibliothek mit historischen Beständen besitzt auch die UB Leipzig eine umfangreiche Fragmentsammlung, deren Anfänge im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts liegen. Es werden die Inventarisierungsmethoden beschrieben, zu denen auch die elektronische Erfassung elementarer Grunddaten gehört. Vier ausgewählte Funde aus der Sammlung werden vorgestellt, darunter eine spätmerowingische Handschrift (2 Doppelblätter) und eine Parzival-Handschrift des 13. Jahrhunderts mit Initialbildschmuck. Karin Sturm, die als studentische Hilfskraft an der Erfassung der Fragmente beteiligt war, informiert über den EDV-Einsatz bei der Beschreibung mittelalterlicher Handschriften der UB Leipzig Manuscripta Mediaevalia und Manuscriptum XML (MXML). Es geht um die komplexe Frage, „inwieweit Möglichkeiten der EDV an der Universitätsbibliothek bei der Erschließung mittelalterlicher Handschriften aufgenommen und deren Potentiale nutzbar gemacht werden“ können.

Über den Bestand der Neuzeitlichen Handschriften informiert Thomas Fuchs im nächsten Beitrag. Die Bibliothek besitzt mehr als 10 000 Handschriften von der Spätantike bis zur Gegenwart, die im Kontext zum historischen Verlauf der Bestandsbildung ausführlicher beschrieben werden. Die 4 100 neuzeitlichen abendländischen Handschriften bilden die größte Gruppe. Hinzu kommen noch die Handschriften aus dem Bestand der Leipziger Stadtbibliothek.[5] In einer nach dem Provenienzprinzip aufgestellten Abteilung befindet sich noch eine unbekannte Anzahl von Manuskripten, das betrifft Nachlässe, Autographen und die Goethesammlung des Leipziger Verlagsbuchhändlers Samuel Hirzel (1804–1877).

Über die Stammbücher der UB Leipzig und ihre Verzeichnung berichtet Steffen Hoffmann in seinem auch für interessierte Laien gut verständlichen Aufsatz. Die UB Leipzig besitzt 117 Stammbücher, die in einer Übersicht aufgelistet werden.[6] Hoffmann bietet außerdem eine kurze Geschichte zur Herausbildung des Stammbuches, untersetzt mit typischen Beispielen aus der Sammlung.

Es schließt sich der Aufsatz von Thomas Fuchs über Formale Widerspenstigkeit: Nachlässe und Autographensammlungen an. Die UB Leipzig besitzt etwa 230 Nachlässe von Personen oder Institutionen, deren überliefertes Material sich auf eine bestandsbildende Person oder Institution bezieht. Bibliotheken und Archive stehen bei jedem Nachlass vor dem Problem einer sachgemäßen und übersichtlichen Erschließung. Der Autor berichtet über die Entwicklung des Nachlassfundus der UB Leipzig und über die Verfahrensweisen. – Seit 1962 befinden sich 10 Nachlässe der Stadtbibliothek Leipzig als Depositum an der UB Leipzig. – Die Autographensammlung, in gewisser Beziehung mit der den Nachlässen verwandt, umfasst 60 000 Dokumente und mehr als 230 000 Briefe.

In einem Projektbericht stellen Sylvia Kabelitz, Doris Kothe und Arnulf Kutsch die Erschließung und Digitalisierung des Nachlasses des Nationalökonomen, Historikers und Zeitungswissenschaftlers Karl Bücher (1847–1930) vor, der mit seinen 5 600 Dokumenten, 1 800 Korrespondenten (4 900 Briefe), umfangreichen Manuskripten und Drucken einen hohen wissenschaftshistorischen Rang einnimmt. Unter den Korrespondenten finden sich bedeutende Persönlichkeiten wie Max Weber (1844–1920), Gustav Stresemann (1878–1929), Hermann Duncker (1874–1960) und Erich Kästner (1899–1974). Es handelt sich um ein 2009 begonnenes, inzwischen abgeschlossenes DFG-Projekt, das in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Universität Leipzig bearbeitet wurde. Der Nachlass ist erschlossen und digitalisiert und steht damit für Forschungszwecke zur Verfügung.

Jörg Graf vermittelt einen kurzen Einblick in die Buchrestaurierung an der UB Leipzig. Die Restaurierungswerkstatt wurde 1970 begründet, trotz des damals immer noch katastrophalen baulichen Zustandes des Bibliotheksgebäudes und der damit verbundenen Raumnot. Zu den ersten Aufgaben gehörten die Bekämpfung des Schimmelbefalls und die Beseitigung von Schmutz und Taubendreck. Schon in den 1990er-Jahren wurden Gamma-Strahlen eingesetzt. Nach der Rekonstruktion des Bibliotheksgebäudes 2002 entstand eine moderne Restaurierungswerkstatt, die allen fachspezifischen Anforderungen entspricht.

Die Inkunabelsammlungen der UB Leipzig und der Stadtbibliothek Leipzig beschreibt Thomas Thibault Döring. Im Eigenbestand der UB Leipzig befanden sich vor dem Zweiten Weltkrieg ca. 3 200 Inkunabeln, von denen 301 Stücke als Kriegsverluste zu beklagen sind. Die exakte Zahl wird sich aber erst nach Fertigstellung des Inkunabel-Kataloges ergeben. Im INKA an der UB Tübingen werden für die UB und die Stadtbibliothek Leipzig 3 677 Inkunabeln aufgeführt, 688 Inkunabeln stammen aus der Stadtbibliothek (Deposita). Aus der Kirchenbibliothek St. Thomas sind noch 13 (von ehemals 66) vorhanden, aus St. Nicolai gelten alle 33 Inkunabeln seit der Auslagerung als vermisst. – Seit November 2009 wurde mit finanzieller Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung an einem neuen zum Druck bestimmten Katalog gearbeitet, der 2014 in vier Bänden im Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, erschienen ist.[7] Interessant ist die Auflistung der Druckorte, an deren zweiter Stelle die Leipziger Drucke stehen: Venedig mit 666 an der Spitze, gefolgt von Leipzig (574), Köln (335), Straßburg (274) und Nürnberg (193). Als ältestes Druckwerk befand sich die 42-zeilige Gutenberg-Bibel (Mainz 1454/55) in zwei Exemplaren im Bestand – nur das Pergamentexemplar ist noch am Standort, das Papierexemplar wird heute wahrscheinlich in der Bibliothek der Lomonossow-Universität Moskau aufbewahrt.

Inwieweit Gelehrtenbibliotheken als bestandsprägender Faktor in der UB Leipzig eine Rolle gespielt haben, untersuchen Peter König und Cordula Reuss. Am Anfang standen der Bibliothek zunächst wichtige Teile der Klosterbibliotheken aus dem albertinischen Sachsen zum Bestandsaufbau zur Verfügung, dann sei sie aber bis Ende des 18. Jahrhunderts „in Lethargie“ verfallen. Im Ergebnis ihrer Untersuchung beschreiben sie unter Auswertung eines interessanten Quellenmaterials ausführlich neun Gelehrtenbibliotheken aus dem 19. Jahrhundert, die durch Ankauf oder Schenkung an die UB Leipzig gekommen sind. Ihr Bestand war innerhalb eines knappen Jahrhunderts von ca. 25 000 Bänden auf 500 000 Bände (1891) angewachsen. In der zweiten Jahrhunderthälfte standen beträchtliche Finanzmittel zur Verfügung, so dass neben der Beteiligung an Auktionen auch zahlreiche Gelehrtenbibliotheken direkt erworben und Bestandslücken gezielt geschlossen werden konnten, was umso leichter fiel, als diese Privatbibliotheken zumeist den Charakter von Spezialbibliotheken besaßen. Das galt u. a. für die Bibliotheken des Arabisten Ernst Friedrich Rosenmüller (1768–1835), des Orientalisten Joseph Frhr. von Hammer-Purgstall (1774–1856), die Gehlersche Sammlung[8] und die Goethesammlung des schon oben erwähnten Leipziger Verlegers Salomon Hirzel (1804–1877).

Gebrauchsgraphik, Porträtstich-Sammlung und Exlibris-Sammlung der UB Leipzig stellt Thomas Fuchs kurz als „randständige“ Sammlungen vor und äußert sich anschließend unter dem Titel Bibliotheken in der Bibliothek, Schulschriftensammlungen der Universitätsbibliothek über diese „weitgehend unerschlossene“ Sammlung. Die UB Leipzig besitzt rund 330 000 Schulschriften, die aus drei Quellen stammen: UB-Bestand (ca. 40 000 Dokumente), Belegsammlung des Teubner-Verlages und Sammlung der Comenius-Bücherei[9]. Die Schulschriften der UB Leipzig sind bisher nur zu einem kleinen Teil katalogisiert, ein besonderes Problem dürften die Dubletten sein.

Der Themenkomplex 5 des Sammelbandes enthält drei Aufsätze: Boris Liebrenz berichtet über Die Rifā‛īya, in Neuen Forschungen zur Geschichte einer Familienbibliothek aus dem osmanischen Damaskus. Die mehr als 450 arabische Handschriften enthaltende Bibliothek konnte 1853 erworben werden. Liebrenz schildert den Kauf der Sammlung und ihre Bestandsentwicklung. Beate Wiesmüller gibt unter der Überschrift Von Istanbul nach Palembang einen Überblick über Die unerschlossenen islamischen Handschriften der UB Leipzig. Neben den Beständen in Berlin, München, Gotha und Dresden gehört die Leipziger Sammlung zu den wertvollsten Kollektionen islamischer Manuskripte in Deutschland. Von den rund 3 600 orientalischen Handschriften liegen ca. 1 925 Manuskripte in Arabisch, Osmanisch-Türkisch und Persisch vor.[10] Als Beispiel: 54 islamische Handschriften stammen aus der Bibliothek des bedeutenden Sprachwissenschaftlers Hans Georg von der Gabelentz (1840–1893)[11], der 1878 als außerordentlicher Professor für ostasiatische Sprachen an die Albertina berufen wurde. Es war dies die erste Professur dieser Disziplin im Deutschen Reich. 1889 übernahm er an der Berliner Universität die Professur für ostasiatische Sprachen und allgemeine Sprachwissenschaft. – Mittelfristig sollen alle islamischen Handschriften erschlossen werden, eine Digitalisierung wird angestrebt. In ihrem Aufsatz über die Jaina-Handschriften der UB Leipzig referiert Anett Krause unter dem Titel Das etwas andere „alte Buch“ über diese Spezialsammlung. Der Jainismus entstand im 5./4. Jh. v. u. Z. als eine indische Erlösungsreligion. Mit diesen Handschriften steht die UB Leipzig nach der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz an zweiter Stelle in Deutschland. Ihre Erschließung wurde von der DFG gefördert und sollte 2012 abgeschlossen sein.

Den Abschluss bildet der Bericht über Die Wiedererschließung des Münzkabinetts der Universitätsbibliothek Leipzig von Klaus Thieme, dem er bruchstückhaft das Goethe-Zitat Was du ererbt von deinen Vätern ... voranstellt, das aber vollständig lautet: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“ – dieser Satz könnte übrigens als Motto für den ganzen Band gelten, der in seiner Gesamtheit dem kulturellen Welterbe verpflichtet ist. – Die Münzsammlung war im Sommer 1945 aus dem Auslagerungsort Schloss Mutzschen in die UdSSR abtransportiert worden. 1958 kam sie aus Leningrad (St. Petersburg) zunächst in das Staatliche Münzkabinett in Berlin und von dort schrittweise nach Leipzig zurück. Es waren, wie aus der Geschichte der Münzsammlung hervorgeht, zunächst freiwillig tätige Numismatiker, die sich um die Sammlung kümmerten. Erst in den 1990er-Jahren erwachte das Interesse an der Sammlung erneut. Mit ihren 85 000 Münzen und Medaillen handelt es sich um die größte universitäre Münzsammlung Deutschlands. Die Veröffentlichung kleinerer Bestandskataloge wird angestrebt.

Nach dem ersten Eindruck lässt der weitgespannte Bogen im Titel des Sammelbandes eine Geschichte des Buches von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit vermuten. Doch geht es um die nachhaltige Erschließung und das Zugänglichmachen von Handschriften und älteren Drucken der historischen Medienlandschaft, die im Bibliotheksalltag ein besonderes Herangehen an die Materie erforderlich machen. Mit der Publikation dieser Projektberichte hat die UB Leipzig einen wesentlichen Beitrag zur Bekanntmachung, Charakterisierung und Profilierung ihrer Sonderbestände geleistet, der auch darin besteht, dass konventionell überlieferte Medien mit Hilfe moderner EDV-bedingter Erschließungsstrategien „aktualisiert“ und in das digitale Zeitalter übergeleitet werden können. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse und Arbeitsergebnisse sollten als Grundlage für weiterführende Diskussionen dienen und bei der Neuentwicklung von Projekten ähnlicher Art mit herangezogen werden.

Online erschienen: 2015-3-19
Erschienen im Druck: 2015-4-30

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