Kerstin Klein

Informationskompetenz im Fachkontext fördern: Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für eine Institutsbibliothek

De Gruyter | Published online: November 27, 2015

Zusammenfassung

Institutsbibliotheken in zweischichtigen Bibliothekssystemen sind als Schnittstellen zwischen Fachwissenschaftlern und Studierenden prädestiniert dafür, Aufgaben zur Förderung der fachspezifischen Informationskompetenz zu übernehmen. Am Beispiel der Bibliothek des Instituts für Politische Wissenschaft an der RWTH Aachen wird gezeigt, wie ein Konzept zur Förderung der Informationskompetenz mit Beteiligung der Institutsbibliothek erstellt und an die fachspezifischen Bedürfnisse der Klientel angepasst werden kann. Aufbauend auf einer Bedarfsanalyse wurden dabei bestehende Standards und lerntheoretische Überlegungen einbezogen.

Abstract

In decentralized university library systems department libraries act as interfaces between scientists and students that qualifies them to promote information literacy in particular. The following article describes the development of a concept for the promotion of information literacy courses at the Department of Political Science at RWTH Aachen University. The concept, based on the results of a survey among teaching staff, is influenced by accepted standards and guidelines of information literacy skills and it will take didactical requirements into consideration.

1 Einleitung

Seit der umfassenden Reform der Hochschullehre durch den Bologna-Prozess wird von den Hochschulen neben der fachwissenschaftlichen Qualifikation auch ein Fokus auf die Vermittlung von praxisorientierten Schlüsselqualifikationen gelegt.[1] Dabei wird auch die „Vermittlung von Techniken der methodischen Informationsgewinnung und -bewertung [als] Teil jeder wissenschaftlichen und wissenschaftlich fundierten Ausbildung [...]“[2] begriffen und es wird als Aufgabe der Hochschulen aufgefasst, „geeignete Ausbildungsmodule“[3] für diese „entscheidende Schlüsselqualifikation“[4] anzubieten. Infolge dieser neuen Anforderungen haben insbesondere Hochschulbibliotheken die Vermittlung von Informationskompetenz mehr und mehr zu ihrem Aufgabenbereich gemacht.[5] Dabei wurden anfänglich klassische Benutzerschulungen favorisiert, deren Inhalte insbesondere die bibliothekarischen Rechercheinstrumente in den Vordergrund stellten und die weniger die umfassende Förderung von Informationskompetenz beinhalteten.[6] Seit einigen Jahren lässt sich jedoch beobachten, dass an einer Professionalisierung und Standardisierung im Bereich der Schulungskonzepte für Informationskompetenz gearbeitet wird. Neben den Hochschulbibliotheken sind zunehmend auch andere Akteure an der Vermittlung von Informationskompetenz beteiligt, wie beispielsweise „die Fakultäten und Fachbereiche, [...] Rechenzentren und Medienzentren.“[7] In zweischichtigen Bibliothekssystemen kommen auch die Institutsbibliotheken hinzu, die einen eigenen Auftrag zur Informationsversorgung gegenüber den ihnen übergeordneten Instituten erfüllen. Während in einschichtigen Bibliothekssystemen die Fachreferenten für die Vermittlung von Informationskompetenz in den einzelnen Fachbereichen zuständig sind,[8] werden diese Aufgaben im zweischichtigen System häufig von den Institutsbibliotheken in direkter Zusammenarbeit mit den Instituten erfüllt.[9] Wie Söllner und Sühl-Strohmenger anmerken, kann die fachwissenschaftliche Informationsvermittlung in Zusammenarbeit mit den Institutsbibliotheken sehr sinnvoll sein, da in diesen institutsnahen Einrichtungen eine besonders intensive Nähe zu den Nutzern sowie zu den Wissenschaftlern gegeben ist.[10] Ihre Stellung als ‚embedded library‘[11] können Institutsbibliotheken auch beim Thema Förderung von Informationskompetenz nutzen. Während sich in zentralisierten Hochschulbibliothekssystemen die Fachwissenschaftler mit den zuständigen Bibliothekaren der Hochschulbibliothek erst genauestens absprechen und verständigen müssen, um geeignete Konzepte und Inhalte für Schulungen zu entwickeln, ist die Verständigung einer Institutsbibliothek mit dem Institut schon strukturell in der Zweischichtigkeit angelegt. Eine Institutsbibliothek ist Teil des Institutes, befindet sich meist auch örtlich in seiner Nähe und kann so durch die Förderung des Forschens und Lernens in den institutsnahen Bibliotheksräumen einen stärkeren Beitrag zur Vermittlung der Fachkultur leisten, als dies durch ein institutsexternes Angebot möglich ist.[12] Hinzu kommt, dass Angebote der Institutsbibliothek einfacher und spontaner an die aktuellen Studieninhalte angepasst werden können, gleichzeitig niedrigschwelliger sind, da sie in der gewohnten Studienumgebung stattfinden und ihnen so seitens der Studierenden mit weniger Berührungsängsten begegnet wird. Ausgehend von der Schilderung der Ausgangssituation am Institut für Politische Wissenschaft an der RWTH Aachen (IPW) und auf der Grundlage einer Bedarfsermittlung durch eine Umfrage bei den Lehrenden der Institutes wird in diesem Betrag die Entwicklung eines Konzept zur Förderung von Informationskompetenz geschildert.

2 Ausgangssituation

2.1 Informationskompetenz am Institut für Politische Wissenschaft

Am IPW gibt es zurzeit ca. 600 Studierende.[13] Bis zum Sommersemester 2012 wurde Informationskompetenz − oder wie es im IPW genannt wird: die ‚Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens‘ − im ersten Studienjahr in curricular verankerten ‚Einführungstutorien‘ vermittelt.[14] Diese bewährte Form der Vermittlung von fachlicher Informationskompetenz musste aus internen organisatorischen Gründen[15] mit dem Auslaufen des bisherigen ‚Bachelor Politische Wissenschaft‘ aufgegeben werden. Der Nachfolgestudiengang ‚Bachelor Gesellschaftswissenschaften‘,[16] wurde zunächst ohne die Integration entsprechender Inhalte eingeführt. Die Problematik, dass Studierende aller Studiengänge mehr Orientierung und Anleitung im wissenschaftlichen Arbeiten benötigen, wurde jedoch zur gleichen Zeit im IPW thematisiert und nach Wegen gesucht, diesem Umstand mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen. Außer den Einführungstutorien wurden vom Institut und der Institutsbibliothek bisher keine Schulungen im Bereich der Informationskompetenz angeboten.[17] Expertise in Hinsicht auf die fachspezifische Informationskompetenz für die vom Institut angebotenen Studienfächer ist bei den Dozenten am IPW vorhanden. Für die Realisierung eines solchen Projektes musste jedoch zunächst eine Verständigung mit den lehrenden Fachdozenten über die Inhalte und Veranstaltungsformen der Vermittlung von Informationskompetenz erfolgen. Die Ausarbeitung dieses Konzepts ist das Ergebnis dieser Verständigung. Die Institutsbibliothek spielte in diesem Zusammenhang eine zentrale und koordinierende Rolle.

2.2 Informationskompetenz an der RWTH Aachen

Im Bereich der Informationskompetenz gibt es an der RWTH Aachen ein breites Spektrum vielfältiger Angebote der Universitätsbibliothek (UB)[18] und des Zentrums für Kreatives Schreiben. Die Angebote der UB stehen zwar allen Studierenden offen, fachspezifische Angebote in den geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fächern gibt es allerdings kaum. Sie bestehen aus einer Benutzerschulung für Studierende, die als Präsenzveranstaltung und auch als Online-Tutorial angeboten wird sowie aus Schulungen zu den Literaturverwaltungsprogrammen Citavi und Endnote.[19] Diese Angebote sind nicht in die Curricula der einzelnen Studiengänge integriert, gleichwohl gibt es eine intensivere Zusammenarbeit der Studiengänge mit der UB. Da das Bibliothekssystem der RWTH Aachen zweischichtig organisiert ist, gibt es im Bereich der Schulungsangebote zur Informationskompetenz keine Koordination der verschiedenen Bibliotheken oder Fachbereiche untereinander. Ein Austausch zwischen dem zuständigen Fachreferenten der UB mit dem IPW bestand zur Zeit des Projektes ebenfalls nicht. Als weiterer Akteur im Bereich der Vermittlung von Informationskompetenz bietet das Zentrum für Kreatives Schreiben Kurse und Workshops rund um den wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Schreibprozess an. Dabei wird teilweise mit eigenen Texten gearbeitet, das kreative Schreiben in Workshops erprobt oder das wissenschaftliche Schreiben im Englischen trainiert.[20]

3 Entwicklung eines fachspezifischen Konzeptes zur Vermittlung von Informationskompetenz am IPW

3.1 Projektziele

Ausgehend von der oben beschriebenen Ausgangssituation wurde in einem Projekt der Verfasserin im Rahmen des MALIS-Studiums an der Fachhochschule Köln ein Gesamtkonzept für die Förderung der fachspezifischen Informationskompetenz am IPW erarbeitet.[21] Dabei sollten die bestehenden Defizite hinsichtlich der Informationskompetenz bei den Studierenden identifiziert und Strategien zu deren Überwindung entwickelt werden. Um dabei jedoch nicht nur von einem vermuteten Bedarf an einem solchen Angebot auszugehen, wurde in einem ersten Schritt der reale Bedarf an Förderung der Informationskompetenz der Studierenden mittels einer Umfrage unter den Lehrenden erhoben. Damit konnten besonders zu beachtende Zielgruppen sowie die wichtigsten Inhalte und bevorzugte Veranstaltungsformen aus Sicht der Lehrenden ermittelt werden. Die Auswertung dieser Umfrage stellt dann die Grundlage für das erarbeitete Konzept dar, in dem die Inhalte, Zielgruppen und Lernziele konkret definiert wurden (siehe Abb. 9). Methodische Überlegungen sowie Vorschläge der Lehrenden zur didaktischen Gestaltung wurden ebenfalls in das Konzept aufgenommen, die Ausgestaltung sollte jedoch den verantwortlichen Fachdozenten überlassen bleiben. Insgesamt wurde darauf geachtet, dass die konzipierten Schulungsangebote nicht redundant zu schon vorhandenen Schulungen der Hochschule sind. Die neuen Angebote des IPW sollten vielmehr die identifizierten Lücken im Schulungsangebot der RWTH – insbesondere im Bereich der Vermittlung fachspezifischer Informationskompetenz – schließen. Ferner mussten die entwickelten Veranstaltungen mit den Personalkapazitäten des Instituts abgedeckt werden können. Als günstig erwies sich, dass beide zentralen Studiengänge des Instituts im Jahr 2014 neu konzipiert wurden, so dass jeweils Teilmodule zur Informationskompetenz von Beginn an in die Lehrpläne integriert werden konnten. Im Fall des Masterstudienganges waren die Überlegungen zur Integration eines Teilmoduls zum Präsentieren und Publizieren schon vor dem Beginn dieses Projektes realisiert worden. Die Planung und didaktische Konzeption des entsprechenden Teilmoduls zum Wissenschaftlichen Arbeiten im BA-Studiengang Gesellschaftswissenschaften war dagegen zentraler Bestandteil dieses Projektes. Beide Veranstaltungen wurden ab dem Wintersemester 2014/15 eingeführt. Neben den beiden in die Studiengänge integrierten Veranstaltungen sollten weitere Maßnahmen in das Gesamtkonzept einbezogen werden, die allen Studierenden unabhängig von Studiengang oder Fachsemester offen stehen und weitere Bedarfe abdecken können. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Bemühungen von Institut und Institutsbibliothek auch positive Effekte auf das ‚Image‘ des Institutes haben werden. Diese Anleitung im wissenschaftlichen Arbeiten kann sich auf die Zufriedenheit der Studierenden mit ihrem Studiengang auswirken und sie es als bewältigbarer erleben lassen. Darüber hinaus stellt das Angebot auch einen Beitrag zur Chancengleichheit dar: Studierende, deren Vorkenntnisse im Umgang mit Informationen bisher nicht so stark ausgebildet waren, erhalten durch diese Angebote nicht nur wichtiges Grundlagenwissen für das Studium, sondern auch Methodenkompetenz für das lebenslange Lernen.

3.2 Theoretische Grundlagen

Nach Maßgabe der gängigen fachwissenschaftlichen Definitionen ist Informationskompetenz „die Gesamtheit aller Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erforderlich sind, um situationsrelevante Informationsbedarfe festzustellen, Information zu beschaffen, weiterzuverarbeiten, zu bewerten, zu präsentieren und Nutzungsbedingungen von Information einzuordnen.“[22] Um die Vergleichbarkeit und Koordination von Schulungen zur Informationskompetenz deutschlandweit zu verbessern, wurde aus den unterschiedlichen grundlegenden Modellen und Standards zur Informationskompetenz[23] für deutsche Hochschulbibliotheken fünf Standards erarbeitet, die die Kompetenzen konkretisieren, die Studierende beherrschen sollen. Damit werden Ziele definiert, die Angebote der Informationskompetenz erfüllen sollten. Kurzgefasst geht es um das Erkennen des eigenen Informationsbedarfs (1. Standard), das Finden des Zugangs zu den Informationen (2. Standard), die kritische Bewertung der gefundenen Informationen (3. Standard), die effektive Verarbeitung der gewonnenen Erkenntnisse (4. Standard) und die verantwortungsvolle Nutzung von Informationen (5. Standard).[24] Für alle dieser fünf Standards werden zudem auch Indikatoren genannt, die die Kompetenzen genauer spezifizieren.[25] Für die Planung, Durchführung und Evaluation von Schulungen zur Informationskompetenz ist die Kenntnis der Standards sehr hilfreich. Auch wenn die Umsetzung der Standards von Informationskompetenz in den Hochschulbibliotheken noch am Anfang steht,[26] geschah die Erarbeitung des Konzeptes für das IPW in Orientierung an diesen Standards. Gleichzeitig aber wurden auch die entsprechenden Durchführungsempfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)[27] berücksichtigt. Diese enthalten Leitlinien, die bei der Gestaltung von Informationskompetenzverantaltungen an Hochschulen empfohlen werden und auch vom Deutschen Bibliotheksverband (DBV)[28] und der Arbeitsgemeinschaft der Universitätsbibliotheken in Nordrhein-Westfalen (AGUB) unterstützt werden.[29] Die HRK sieht demnach drei zentrale Herausforderungen, die bei der Planung von Veranstaltungen zukünftig von allen Akteuren der Vermittlung von Informationskompetenz zu berücksichtigen sind. So sollen die Lehrangebote an den tatsächlichen Wissensstand der Studierenden anknüpfen, bisher erworbene Kenntnisse berücksichtigen und nicht im Netz erlernbare Inhalte in den Vordergrund stellen.[30] Außerdem sollen die Angebote mit anderen Akteuren der Hochschule abgestimmt werden, um redundante Angebote zu vermeiden und sich gegenseitig besser zu ergänzen.[31] Schließlich soll darauf hingewirkt werden, dass die Lehrangebote zur Informationskompetenz curricular verankert werden, die Teilnahme durch die Studierenden dadurch verpflichtend und so die Informationskompetenz flächendeckend verbreitet wird.[32] Mit der Erfüllung dieser Grundsätze sollen Angebote der Informationskompetenz insgesamt besser koordiniert und gesteuert werden. Grundsätzlich wurden die hier dargestellten Standards und Leitlinien bei der Entwicklung des Gesamtkonzeptes zur Vermittlung von Informationskompetenz am IPW einbezogen. Da sich die Erarbeitung des Gesamtkonzepts jedoch an der finanziellen und personellen Machbarkeit für das Institut richten muss, konnten nicht alle Standards und Leitlinien abgedeckt werden. Die Ausführungen waren jedoch für die Planung und Orientierung hilfreich und gaben wertvolle Anregungen für den möglichen Ausbau des Konzepts in der Zukunft.

3.3 Bedarfsermittlung

Den Ausgangspunkt für ein Konzept zur Förderung der Informationskompetenz sollte die Einschätzung des Bedarfs durch die Lehrenden des Instituts bilden. Ausgehend von der Annahme, dass die Lehrenden durch ihre Veranstaltungen und die Korrektur von Studienarbeiten die Fertigkeiten der Studierenden realistisch einschätzen können, wurde eine Umfrage durchgeführt. Die Befragung wurde mithilfe eines Online-Fragebogens realisiert und konzentrierte sich auf drei zentrale Themengebiete:

  • Gibt es einen Bedarf für die Verbesserung der Informationskompetenz?

  • Wie werden die Fähigkeiten der Studierenden von den Dozenten eingeschätzt?

  • Welche Bereiche sollen in welchem Studiengang verbessert werden?

Die Einladung zur Umfrage wurde an alle Lehrenden des Institutes – Professoren, wissenschaftliche Mitarbeitende und die Lehrbeauftragten – verschickt und war drei Wochen lang zur Befragung freigeschaltet. Insgesamt haben sich von zu diesem Zeitpunkt 21 Lehrenden 17 Personen an der Befragung beteiligt. Die prozentuale Verteilung von Professoren zu wissenschaftlichen Mitarbeitenden sowie den Lehrbeauftragten in der Gruppe der Befragten entsprach dabei etwa dem Verhältnis in der Grundgesamtheit.

In der ersten Frage wurde zunächst nach dem wahrgenommenen Bedarf an Verbesserung der Vermittlung von Informationskompetenz gefragt. Dabei sahen alle befragten Lehrenden – bei einer Enthaltung – eine Verbesserung als notwendig an.

Abb. 1: Umfrageergebnis zum Bedarf der Förderung von Informationskompetenz.

Abb. 1:

Umfrageergebnis zum Bedarf der Förderung von Informationskompetenz.

In der zweiten Frage wurde die Einschätzung der Lehrenden zum gegenwärtigen Stand der Informationskompetenz bei den Studierenden insgesamt abgefragt. Dazu sollten die Kenntnisse der Studierenden in den verschiedenen Bereichen[33] bewertet werden. Es mussten Formulierungen für die verschiedenen Bereiche der Informationskompetenz gefunden werden, die von den Lehrenden zweifelsfrei verstanden und auf Ihre Erfahrungen in der Lehre übertragbar waren. Dies war wichtig, da sich die Lehrenden bisher nicht mit informationswissenschaftlichen Konzepten der Informationskompetenz auseinandergesetzt hatten und Missverständnisse vermieden werden sollten.[34] Die Kenntnisse der Studierenden konnten auf einer Skala den Werten ‚sehr gut‘, ‚gut bis ausreichend‘ und ‚ungenügend‘ zugeordnet werden. Die Auswahl ‚keine Angabe‘ war ebenfalls möglich. Auffallend war, dass nur im Bereich Bibliographieren und Zitieren von zwei Personen die Kenntnisse der Studierenden als ‚sehr gut‘ eingeschätzt wurden. Alle anderen Bereiche erhielten keine ‚sehr guten‘ Bewertungen. Als Defizite wurden insbesondere die Nutzung von fachspezifischen Datenbanken und Fachzeitschriften, die Benutzung der Institutsbibliothek, die Literaturverwaltung und das Exzerpieren sowie das Unterscheiden und Beurteilen von wissenschaftlichen Quellen angesehen.

Abb. 2: Umfrageergebnis zu den Defiziten der Studierenden nach Bereichen.

Abb. 2:

Umfrageergebnis zu den Defiziten der Studierenden nach Bereichen.

In einer offenen Frage wurde nach weiteren Defiziten gefragt. In den sieben Antworten wurden in drei Kommentaren explizit die Schwierigkeiten der Studierenden beim Verfassen von Hausarbeiten thematisiert. Dabei wurden das Fehlen einer systematischen Vorgehensweise sowie Probleme bei der Entwicklung von Fragestellungen und Hypothesen, der Darstellung von Methoden und der Entwicklung eines ‚roten Fadens‘ aufgeführt. Ebenso häufig wurde der unkritische Umgang mit und die überdurchschnittliche Verwendung von Internetquellen von den Lehrenden kritisiert. Ferner wiesen einige von ihnen auf die Unsicherheiten der Studierenden in Fragen des korrekten Zitierens und auf Probleme beim Verständnis und der Interpretation von Texten hin. In einem Fall wurde das Unverständnis der Studierenden für die Wichtigkeit einer gründlichen Literaturrecherche als Defizit genannt.

Im weiteren Verlauf der Umfrage wurden die Lehrenden gebeten anzugeben, in welchen Bereichen die Studierenden der jeweiligen Studiengänge vor allem gefördert werden sollten. Den Lehrenden zufolge besteht im B. A.-Studiengang in allen genannten Bereichen ein ähnlich hoher Bedarf an der Vermittlung von Informationskompetenz (siehe Abb. 3). Vergleichbares gilt für die Lehramtsstudiengänge, bei denen die Ergebnisse analog ausfallen.

Abb. 3: Umfrageergebnis zu den gewünschten Inhalten für B. A.-Studierende.

Abb. 3:

Umfrageergebnis zu den gewünschten Inhalten für B. A.-Studierende.

Im M. A.-Studiengang sehen die Lehrenden die Schwerpunkte eher in den Bereichen der fachspezifischen Rechercheinstrumente (Zeitschriften und Datenbanken) und des Schreibens und Gliederns wissenschaftlicher Texte sowie des kritischen Umgangs mit Quellen (siehe Abb. 4). In fast allen genannten Bereichen wurde ein Bedarf an der Vermittlung von Informationskompetenz auch im M. A.-Studium von den Lehrenden formuliert. Es wird allerdings deutlich, dass die Vermittlung der Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens grundsätzlich eher im Bachelorstudium verortet wird.[35] Im Masterstudium dagegen werden drei Bereiche als besonders ausbaufähig bewertet: der kritische Umgang mit Quellen, der auch in den offenen Fragen auch in Bezug auf Internetquellen angemerkt wurde, das Schreiben wissenschaftlicher Texte und die kompetente Nutzung von Fachdatenbanken.

Abb. 4: Umfrageergebnis zu den gewünschten Inhalten für M. A.-Studierende.

Abb. 4:

Umfrageergebnis zu den gewünschten Inhalten für M. A.-Studierende.

Bei der abschließenden Frage zur favorisierten Durchführungsform haben die Lehrenden mehrheitlich für die Vermittlung außerhalb der regulären Veranstaltungen votiert, ein relativ großer Anteil hält die Vermittlung innerhalb der Lehrveranstaltungen ebenfalls für angemessen.

Abb. 5: Umfrageergebnis zur gewünschten Durchführungsform.

Abb. 5:

Umfrageergebnis zur gewünschten Durchführungsform.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass durchweg alle befragten Lehrenden die Verbesserung der Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens als Zielsetzung von Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz für sinnvoll erachten. Als defizitär werden dabei insbesondere folgende Bereiche angesehen: der kritische Umgang mit (Online-)Quellen, das Gliedern, Strukturieren und Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit sowie die Nutzung von fachspezifischen Zeitschriften und Datenbanken. Als wichtigste Zielgruppe für Angebote zur Förderung von Informationskompetenz am IPW werden die B. A.-Studierenden identifiziert. Die von den Lehrenden bevorzugte Umsetzungsform ist die additive: Informationskompetenz soll aus ihrer Sicht vornehmlich außerhalb der regulären Lehrveranstaltungen vermittelt werden.

3.4 Didaktische Überlegungen

Grundlegend für das Konzept des IPW waren neben den Inhalten, der Beachtung der Standards und hochschulpolitischen Vorgaben auch didaktische Überlegungen. Dabei wurden verschiedene Aspekte der Veranstaltungsplanung und deren Interdependenzen betrachtet. Für jedes Angebot innerhalb des Konzepts musste dementsprechend definiert werden, welche Inhalte behandelt und welche Ziele erreicht werden sollen (siehe Abb. 6). Zudem wurde überlegt, wie die methodische Umsetzung erfolgen kann. Hinzu kamen die jeweiligen Rahmenbedingungen der Veranstaltung wie Gruppengröße, Veranstaltungsart, Raumausstattung. Das Konzept sollte die Inhalte und Ziele der Angebote bestimmen und Vorschläge zur methodischen Durchführung geben. Dadurch sollte den Lehrenden Raum für die eigene didaktische und inhaltliche Gestaltung gelassen und verschiedene Themen auf die Interessen und Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe angepasst werden. Zudem sollten die didaktischen Methoden der Angebote variieren. Einerseits können wissenszentrierte Methoden insbesondere für große Gruppen angewendet werden, um viel Inhalt zu vermitteln. Andererseits können auch aktivierende, konstruktivistische Methoden eingesetzt werden, die weniger auf eine Vermittlung von großen Mengen an Wissen, sondern auf ein Lernen durch selbständiges Handeln abzielen.[36] Diese Methoden sind besonders sinnvoll, wenn es darum geht, auf das vorhandene Wissen der Studierenden aufzubauen. Auch das Konzept des Peer-to-Peer-Lernens – die Vermittlung durch studentische Tutoren – hat sich als besonders effektiv erwiesen, da so das selbständige Lernen besonders gefördert werden kann.[37]

3.5 Konzeptentwicklung

Aus den gegebenen Rahmenbedingungen, den Vorüberlegungen zu Didaktik und Standards sowie den Ergebnissen der Umfrage wurde schließlich ein Gesamtkonzept zur Förderung der Informationskompetenz am IPW erarbeitet. Nach den Ergebnissen der Umfrage bei den Lehrenden ergab sich, dass insbesondere die B. A.-Studierenden die Zielgruppe für Informationskompetenzschulungen sein sollten. Ebenso haben die Lehrenden angegeben, dass Inhalte der Informationskompetenz hauptsächlich außerhalb der regulären Veranstaltungen vermittelt werden sollten. Daher soll das Konzept neben den beiden curricular verankerten Veranstaltungen schwerpunktmäßig auf freiwilligen Angeboten außerhalb der Lehrveranstaltungen basieren. Seine Struktur ist in Abbildung 6 visualisiert.

Abb. 6: Bausteine des Gesamtkonzepts mit Verortung in den verschiedenen Studiengängen.

Abb. 6:

Bausteine des Gesamtkonzepts mit Verortung in den verschiedenen Studiengängen.

Das Konzept der Informationskompetenz am IPW besteht zunächst aus fünf Bausteinen, die nachfolgend näher beschrieben werden.

3.5.1 Bibliotheksführung

Auch wenn Bibliotheksführungen didaktisch und fragwürdig erscheinen mögen, wurde – entsprechend des von den Lehrenden artikulierten Bedarfs – eine Führung durch die Räume der Bibliothek mit Erklärungen einzelner Angebote konzipiert. Damit sollen die Teilnehmer die Literatursuche vor Ort – am Regal und in Katalogen – kennenlernen. Da von überschaubaren Teilnehmerzahlen auszugehen ist, ist die Bibliotheksführung zweiteilig geplant: einem Lehrvortrag und einem praktischen Teil mit Selbstlernbezug. Die Teilnehmenden erhalten einen Rechercheauftrag und sollen je nach Gruppenzusammensetzung erlernen, Medien in der Bibliothek zu lokalisieren oder Medien einer bestimmten Art zu einem Thema zu finden. Ziel des Angebotes ist es, dass die Studierenden die Informationsinfrastruktur des Institutes kennenlernen und effektiv nutzen können.[38] Die Veranstaltung ist damit insbesondere für Studienanfänger bzw. Studierende vor der ersten Hausarbeit geeignet. Angeboten wird die Veranstaltung bis zu zweimal im Semester und vom Bibliothekspersonal in den Räumen der Bibliothek durchgeführt; die Teilnahme ist freiwillig. Seit der Neukonzeption wird die Bibliotheksführung von den Lehrenden gern auch in laufende Seminare eingebaut, um den Studierenden die Möglichkeiten der Recherche vor Ort direkt nahezubringen und sie zur Nutzung der Bibliothek zu motivieren. Ein Beamer für die Demonstration am Katalog, PCs für die eigenständige Recherche und ein Schulungsraum sind in der Räumen der Bibliothek vorhanden.

3.5.2 Online-Tutorial

Eine mit dem Programm Exe-Learning erstellte Lerneinheit wird auf der zurzeit in Überarbeitung befindlichen Interseite der Institutsbibliothek des IPW eingebunden werden (Abb. 7 und 8). Sie stellt in ca. 20 Minuten die einzelnen Dienstleistungen der Institutsbibliothek vor und gibt eine erste Orientierung über die Angebote der Bibliothek. Am Ende des Tutorials werden einige Testfragen gestellt, mit denen der Nutzer sein Wissen zur Bibliothek überprüfen kann.

Abb. 7: Startseite des Online-Tutorials.

Abb. 7:

Startseite des Online-Tutorials.

Abb. 8: Beispielseite aus dem Online-Tutorial.

Abb. 8:

Beispielseite aus dem Online-Tutorial.

Das Tutorial ist insbesondere für Studienanfänger und externe Nutzer geeignet. Die Lerneinheit ist für diejenigen Nutzer gedacht, die nicht an einer Bibliotheksführung teilnehmen können oder wollen. Sie bildet vor allem den Vortragsteil der Führung in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum ab und kann jederzeit von jedem Ort aus aufgerufen werden. Die Lerneinheit hat ebenfalls zum Ziel, den Nutzern ihre Informationsinfrastruktur am Institut zu erläutern und die Dienstleistungen der Institutsbibliothek vorzustellen. Insbesondere in den einführenden Lehrveranstaltungen sollte auf dieses Angebot hingewiesen werden.

3.5.3 Vortrag: Fachspezifische Recherche

Da die Lehrenden insbesondere bei der Nutzung von Fachzeitschriften, -datenbanken und -portalen Defizite bei den Studierenden sahen, ist in diesem Bereich ein Angebot entwickelt worden. Alle Lehrenden werden ab dem Wintersemester 2014/15 darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht, zu diesem Thema einen Vortrag in die eigene Lehrveranstaltung einzubauen. Der Vortrag ist im Rahmen des Konzepts von der Verfasserin in Zusammenarbeit mit den Studentischen Hilfskräften am IPW erarbeitet worden und besteht aus einer Präsentation zur Literaturrecherche in den verschiedenen Bibliothekskatalogen und (Fach-)Datenbanken von ca. 60 Min. Länge.[39] Wahlweise kann der Vortrag von den Lehrenden selbst oder von einer der Studentischen Hilfskräfte gehalten werden. Als Frontalvortrag ist diese Veranstaltungsform objektorientiert und eignet sich daher wenig, das Informationsverhalten der Studierenden nachhaltig zu beeinflussen. Vorteil des Frontalvortrags ist jedoch, dass eine große Menge an Studierenden gleichzeitig erreicht werden kann und die Vermittlung des Inhaltes mit den Ressourcen des Instituts bewältigbar bleibt. Da der Bedarf zurzeit relativ hoch zu sein scheint, ist diese Veranstaltungsart sinnvoll. Die Präsentation wird einmal pro Semester von den studentischen Hilfskräften der Teilbereiche aktualisiert. Inhaltlich wäre auch eine entsprechende Veranstaltung durch das Fachreferat der Universitätsbibliothek denkbar, die in den Räumen der UB unter weniger Zeitdruck stattfinden könnte. Die Studierenden müssten dann jedoch an einem speziellen (freiwilligen) Kurs in der Hochschulbibliothek teilnehmen. Der Vorteil der jetzt geplanten Form ist die direkte Anbindung an eine konkrete Lehrveranstaltung bei der der Bezug zum Studium direkt gegeben ist und die Dozenten gezielter in die Veranstaltungsinhalte eingreifen können. Zudem ist durch die Anwesenheitsdisziplin in den Seminaren die Teilnahme einer größeren Anzahl der Studierenden gewährleistet.

3.5.4 Propädeutikum

Das Propädeutikum wurde in den Bachelorstudiengang Gesellschaftswissenschaften als eigenes Modul eingefügt und wurde nach der Studiengangsreform im Wintersemester 2014/15 erstmals angeboten. Dieses Modul besteht aus verschiedenen Wahlpflichtveranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, die von den vier am Studiengang beteiligten Instituten angeboten werden. Die Planung des Beitrags des IPW mit den zuständigen Lehrenden war zentraler Bestandteil der Projektarbeit. Ergebnis ist ein Teilmodul zum Thema Informationskompetenz innerhalb des Propädeutikums[40], in dem eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten gegeben wird, die insbesondere auf das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit abzielt. Dabei werden nicht nur grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten der Informationskompetenz vermittelt sondern auch entsprechend trainiert. Mit diesem Angebot wird der von den Lehrenden formulierten Problematik Rechnung getragen, dass die Studierenden gravierende Probleme bei Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten haben. In diesem Rahmen können alle Standards der Informationskompetenz abgedeckt werden: Die Studierenden lernen, ihren Informationsbedarf zu erkennen und verschiedene Textarten nach ihrem Informationsgehalt zu unterscheiden. Außerdem erlernen sie, wie sie sich effektiv Zugang zu fachlich relevanten Informationen verschaffen und diese Informationen zu einem wissenschaftlichen Text verarbeiten. Dabei wird auch auf das richtige Zitieren und der verantwortungsvolle Umgang mit Informationen – Stichwort Plagiarismus – eingegangen. Als Ergebnis der Veranstaltung werden die Studierenden ein nach den Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens verfasstes Exposé für die im ‚Modul Propädeutikum‘ zu schreibende Hausarbeit erstellen. Das Exposé wird nicht bewertet, sondern dient den Studierenden mit den Kommentaren der Dozenten als Hilfestellung für die Hausarbeit. In diesem Exposé sollen die Forschungsfrage, der Forschungsstand und die Methode der wissenschaftlichen Arbeit dargestellt werden sowie ein Literaturverzeichnis erstellt werden. Dabei soll die Methode des problembasierten Lernens angewendet werden: Die einzelnen Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens werden in den Sitzungen des Propädeutikums teils in Vortragsform, teils in Gruppenarbeit vermittelt und direkt angewendet. Zu bestimmten Themenfeldern werden auch studentische Tutoren eingesetzt, die auf die Themen näher eingehen können. Dabei kommt das Konzept des Peer-to-Peer-Lernens[41] zum Einsatz.

3.5.5 Übung: Publizieren und Präsentieren

Ebenfalls im Curriculum verankert ist die Übung ‚Publizieren und Präsentieren‘. Auch sie wurde im Wintersemester 2014/15 zum ersten Mal durchgeführt. Seitdem werden im ersten Semester des Masterstudiengangs Politikwissenschaft in dieser Veranstaltung Präsentationstechniken und das Verfassen verschiedener Textarten in mehreren Workshops eingeübt. Damit wird in dieser Veranstaltung insbesondere der vierte Standard der Informationskompetenz, die Verarbeitung von Informationen, aufgegriffen. Ziel des Angebotes ist es, dass die Studierenden erlernen, Informationen angemessen und effektiv in Präsentationen und verschiedenen Textformen zu verarbeiten. Der Workshopcharakter der Veranstaltung eignet sich besonders gut, den Verarbeitungsprozess für die Studierenden erlebbar zu machen, da vor allem durch das eigene Handeln, Schreiben und Präsentieren gelernt wird. Höhepunkt der Veranstaltung ist eine Abschlusssitzung, bei der die Arbeitsergebnisse der Studierenden öffentlich präsentiert werden. Die besten schriftlichen Arbeiten, die aus diesem Seminar hervorgehen, sollen im Rahmen einer vom IPW herausgegebenen Open-Access-Schriftenreihe veröffentlicht werden.

In Abbildung 9 werden zu besseren Veranschaulichung die Bausteine des erarbeiteten Konzeptes einzeln aufgelistet. Ihr sind die jeweilige Veranstaltungsform bzw. die verwendete Methodik sowie die definierten Inhalte und Lernziele zu entnehmen. Außerdem werden die Dauer und der Zeitpunkt der Veranstaltungen im Studienverlauf, die anvisierten Zielgruppen wie auch die ungefähre Gruppengröße dargestellt.

Abb. 9: Bausteine des Gesamtkonzepts mit Planungsdetails.

Abb. 9:

Bausteine des Gesamtkonzepts mit Planungsdetails.

3.5.6 Begleitende Maßnahmen

Neben den oben genannten Veranstaltungen wurden einige weitergehende Maßnahmen am Institut angestoßen, die ebenfalls zur Förderung der Informationskompetenz, nicht nur der Studierenden, beitragen sollen. Als erster Schritt sollten die Internetseiten der Institutsbibliothek überarbeitet werden. Leider dauert die Umstellung der Internetpräsenz noch an, so dass, die im Rahmen des Projektes erarbeiteten Inhalte noch nicht eingebaut werden konnten. Es ist geplant, Hinweise zur Literaturrecherche, das Online-Tutorial und einen neu überarbeiteten Zitierleitfaden einzufügen sowie die Struktur der Seiten zu verbessern. Außerdem werden weitere thematische Bausteine für Vorträge und Unterrichtseinheiten zu den von den Lehrenden in der Umfrage angesprochenen Themen erarbeitet. Zur stetigen Verbesserung der Angebote und des Konzepts selbst sollen alle Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz durch Evaluationen begleitet werden. Nur so kann festgestellt werden, wo Verbesserungen nötig sind, an welchen Stellen das Konzept sich bewährt hat oder ausgeweitet werden sollte und wo Angebote vielleicht nicht notwendig sind. Auch die Anpassung der Inhalte an das Vorwissen der Studierenden kann durch Evaluationen überprüft und optimiert werden. Eine weitere wichtige Aufgabe der Institutsbibliothek wird es zukünftig sein – entsprechend der Leitlinie der Hochschulrektorenkonferenz – den Kontakt zum zuständigen Fachreferat an der UB auszubauen, um die Angebote für die Studierenden besser aufeinander abzustimmen und breiter aufzustellen. Alle Informationskompetenz fördernden Angebote anderer Akteure, wie der UB und des Zentrums für kreatives Schreiben, werden außerdem zukünftig von Institut und Bibliothek aktiver als bisher beworben.

4 Fazit

Das neue Konzept zur Förderung von Informationskompetenz am IPW zeigt, dass und wie auch mit geringen personellen und finanziellen Mitteln eine Verbesserung der Informationskompetenzvermittlung bewirkt werden kann. Durch die Einbeziehung der Lehrenden in die Konzeptplanung und die Verankerung der oben dargestellten Veranstaltungen im Lehrangebot des IPW wurde ein Rahmen geschaffen, der den Angeboten trotz ihres überwiegend fakultativen Charakters eine hohe Verbindlichkeit verschafft. Auch in Zukunft werden die Erfahrungen und Wünsche der Lehrenden einbezogen und das Konzept thematisch erweitert werden. Damit wird eine nachhaltige Akzeptanz dieser Angebote im Institut geschaffen. Auch wenn nicht alle Standards für alle Zielgruppen abgedeckt, alle Wünsche der Lehrenden erfüllt und die Leitlinien der Hochschulrektorenkonferenz nicht lückenlos umgesetzt werden konnten, ist das Gesamtprojekt ein Erfolg. Es gelang sogar, mehrere Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz in die Lehrpläne der zentralen Studiengänge des Instituts zu integrieren. Insbesondere das einsemestrig stattfindende Propädeutikum wird dabei der Forderung der Lehrenden gerecht, innerhalb des Bachelorstudiengang Informationskompetenz zu vermitteln.

In Zukunft soll – neben der Verbesserung der Koordination mit anderen Angeboten der Hochschule und dem zuständigen Fachreferat – auch die studentische Perspektive stärker in die Planung der Veranstaltungen einbezogen werden. Durch die Evaluierung der einzelnen Bausteine des Konzeptes soll eine dementsprechende kontinuierliche Weiterentwicklung gewährleistet werden. Zur Messung des Lernerfolgs auf Seiten der Studierenden und damit der Wirksamkeit des Konzeptes wären eine erneute Befragung der Lehrenden und eine gezielte Leistungsmessung bei den Studierenden in Zukunft ebenfalls sinnvoll.

Insgesamt ist es mit dem Projekt gelungen, am IPW ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Förderung der Informationskompetenz zu schaffen, die Lehrangebote des Institutes aktiv mitzugestalten und dabei bibliothekarische Expertise einzubringen. Durch die Verknüpfung mit den fachwissenschaftlichen Studieninhalten und die Kooperation mit den Lehrenden konnte der Stellenwert des Themas Informationskompetenz am IPW sowohl unter den Lehrenden als auch unter den Studierenden erhöht werden. Als ein Nebeneffekt konnte die Wahrnehmung der Bibliothek innerhalb des IPW als gestaltende Akteurin deutlich gestärkt werden. Durch diese Entwicklung hat sich die Institutsbibliothek des IPW weiter in Richtung einer ‚embedded library‘ entwickelt, eine Rolle, die auch in Zukunft weiter ausgebaut und verstärkt werden soll.

Published Online: 2015-11-27
Published in Print: 2015-12-1

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