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Publicly Available Published by De Gruyter November 28, 2017

Kontinuität der Krise, Krise der Kontinuität? – Zur Geschichte wissenschaftlicher Bibliotheken im Nationalsozialismus

Continuity of the Crisis or the Crisis of Continuity? About the History of Academic Libraries during the Nazi Period
Wilfried Enderle

Zusammenfassung

Die Forschung zur Geschichte wissenschaftlicher Bibliotheken im nationalsozialistischen Deutschland ist in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien zu einzelnen Bibliotheken und Bibliothekaren sowie insbesondere auch durch die Konjunktur der NS-Provenienzforschung weiter vorangetrieben worden. Der Aufsatz greift diese Forschungen sowie neuere Ergebnisse der Wissenschaftsgeschichte auf, um den Blick auf einige zentrale zeitgenössische bibliothekspolitische Entwicklungen zu lenken. Dabei wird deutlich, wie sehr die durch den Ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik ausgelösten krisenhaften Momente die Bibliotheken und das bibliothekspolitische Handeln der führenden Bibliothekare durchgängig prägten und ein spezifisches Interpretament für die Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Zeit des Nationalsozialismus bildete, das sie von der Geschichte anderer Institutionen und Fächer im damaligen Wissenschaftsbetrieb unterschied.

Abstract

Research about the history of academic libraries during the Nazi period has made further progress in recent years by numerous studies about single libraries and individual librarians as well as by the strong momentum of provenance research. Referring to these results as well as to recent discussions in the field of science history the article is focusing on some central developments of contemporary library politics. This makes clear that the crisis triggered by the First World War and the economic difficulties of the Weimar Republic shaped the libraries and the library politics of the key actors and that distinguished the academic libraries in the time of national socialism from other institutions and disciplines of contemporary academic life.

1 Einführung und Stand der Forschung

In der März/April-Ausgabe der Minerva-Zeitschrift von 1933, den Nachrichten für die gelehrte Welt, erschien ein Beitrag mit dem Titel Die nationale Revolution und die Bibliotheken. Verfasst hatte ihn Richard Fick, von 1921 bis 1932 Direktor der Universitätsbibliothek Göttingen und als ehemaliger Vorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB), Mitglied des Preußischen Beirats für Bibliotheksangelegenheiten und des Bibliotheksauschusses der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaften ein profilierter bibliothekspolitischer Akteur in der Weimarer Republik. Fick gab in dem Artikel seiner Hoffnung Ausdruck, „dass eine kraftvolle autoritäre Regierung sich aus eigener Initiative der Bibliotheken annehmen [...] wird“[1] und seine schon vor Jahren erhobenen Forderungen nach einer generellen Verstärkung der Mittel für die Bibliotheken sowie einer Aktion für das deutsche Buch erfüllen und endlich auch eine Einigung bei der Frage eines deutschen Gesamtkataloges herbeiführen werde. Diese hoffnungsvolle Erwartung des Autors ist bei genauerem Hinsehen nicht erstaunlich. Ursprünglich Mitglied der DNVP war Fick 1925 als Mitglied mit der Nr. 2757 in die NSDAP aufgenommen worden, wobei er später wegen der gleichzeitigen Mitgliedschaft im Stahlhelm die Parteizugehörigkeit hatte ruhen lassen.[2] Seine Sympathien für das neue Regime dürften aber unstrittig sein und dass er hierbei unter seinen Berufskollegen nicht alleine stand, hat die Forschung in den letzten Jahren zur Genüge gezeigt. Abgesehen von der politischen, durch den Machtantritt Hitlers ausgelösten Euphorie zeugt der Artikel Ficks vor allem von seinem bibliothekspolitischen Kalkül, vom Versuch, auf die Wissenschaftspolitik der neuen Regierung publizistisch Einfluss zu nehmen, auch wenn es heute nur schwer nachzuvollziehen ist, dass ein derart ausgewiesener Bibliothekar erwartete, dass die neue Regierung unter Hitler nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Probleme der Zeit lösen, sondern sich darüber hinaus auch noch, dazu aus „eigener Initiative“, der Sorgen und Nöte der Bibliothekare annehmen werde. Anscheinend waren die echten oder vermeintlichen Nöte der Bibliothekare 1933 so groß, dass selbst einige profunde Akteure bereit waren, sich derlei simplen Hoffnungen hinzugeben. Hatte die Krise, in der sie sich als Bibliothekare gefangen glaubten, ihr Urteil derart getrübt?

Die bibliothekshistorische Forschung hat sich seit den vor allem in den 1980er-Jahren erschienenen monografischen Studien von Marta L. Dosa,[3] Ingo Toussaint,[4] Pamela Spencer Richards[5] und Hans-Gerd Happel[6] sowie dem zweibändigen, grundlegenden Sammelband von Peter Vodosek und Manfred Komorowski[7] zunehmend verbreitet. Mit den genannten Arbeiten war gleichsam der Bann des Schweigens über die Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Zeit des Nationalsozialismus gebrochen worden. Der Blick richtete sich zunächst vor allem auf die Geschichte einzelner Bibliotheken und so liegen mittlerweile Studien, sei es als Aufsatz oder kleinere Monografie, zu den Bibliotheken der Universitäten und Technischen Hochschulen von Aachen, Berlin, Bonn, Braunschweig, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Jena, Köln, Leipzig, Marburg und München vor,[8] aber auch zu einigen Landes- oder wissenschaftlichen Stadtbibliotheken, wie denen in Detmold, Düsseldorf oder Stuttgart[9] und natürlich zur Preußischen Staatsbibliothek,[10] der Bayerischen Staatsbibliothek[11] und der Österreichischen Nationalbibliothek.[12] Ein neuer Sammelband thematisiert die Geschichte österreichischer Bibliotheken nach 1933.[13] Neben einzelnen Bibliotheken waren es die Akteure, die Bibliothekare und deren Verhältnis zum Nationalsozialismus, die zuvorderst von der Forschung in den Blick genommen wurden, wobei eine 2009 in Weimar durchgeführte Tagung zu Bibliothekaren im Nationalsozialismus sich expressis verbis diesem Ansatz gewidmet hat.[14] In den letzten Jahren wurde die Erforschung der „braunen Bibliotheksgeschichte“ dann vor allem durch die Beschäftigung mit dem Thema Raub- und Beutegut entscheidend befördert. Hervorzuheben sind hier die umfangreichen Studien zur Preußischen Staatsbibliothek in Berlin und zur Österreichischen Nationalbibliothek in Wien sowie die Konferenzbände zu vier Hannoverschen Symposien sowie zu einigen weiteren Tagungen.[15] Dazu kommen eine Reihe weiterer Arbeiten zu einzelnen Bibliotheken sowie spezifischen Facetten des Themas.[16]

Bereits die frühen Studien haben mit der Legende von den unpolitischen Bibliothekaren und den Bibliotheken als Rückzugsorten aufgeräumt. Nach Jan-Pieter Barbian waren die Bibliothekare gar „nach dem 30. Januar 1933 mit fliegenden Fahnen zu den nationalsozialistischen Machthabern übergelaufen“.[17] Die Personalpolitik an den Bibliotheken, vor allem die Entlassung jüdischer und politisch missliebiger Kollegen ist mittlerweile gut dokumentiert;[18] ebenso die Entwicklung der Benutzung, die zunehmenden Repressalien gegenüber jüdischen Lesern wie auch die verschiedenen Formen der Sekretierungspraxis oder die Aktivitäten durch Ausstellungen, die in einigen Fällen deutlich im Dienste der nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik standen. Erwerbung und Bestandsaufbau war ein weiteres Thema, das bei der Untersuchung der Bibliotheken eine wichtige Rolle spielte, definierten sich doch die Bibliothekare ganz wesentlich darüber. Auch wenn die Provenienzforschung an Bibliotheken erst in ihren Anfängen steht, so ist doch mittlerweile deutlich geworden, in welchem Ausmaß Bücher in Deutschland nach 1933 ihren Besitzern, seien es verbotenen Organisationen oder verfolgten Privatpersonen, geraubt und an wissenschaftliche Bibliotheken wie auch die Büchersammlungen von Organisationen der NSDAP weitergegeben wurden. Durch die Beutezüge nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Zahl der durch Europa verschleppten wie auch der bewusst zerstörten Bücher noch um ein vielfaches gesteigert, was die Akteure nach dem Ende des Dritten Reichs so rasch wie möglich zu verdrängen und zu verschweigen suchten.[19]

Trotz einer häufig schwierigen Quellenlage ist es in den letzten drei Jahrzehnten gelungen, das Wissen um die Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Zeit des Nationalsozialismus sichtlich zu erweitern und zu vertiefen. Auch wenn viele Details zu einzelnen Bibliothekaren und Bibliotheken oder zu spezifischen Themen noch nicht erforscht sind und auch wenn es noch keine prosopografische Gesamtanalyse der Bibliothekare gibt, so sind doch die Konturen der Geschichte so weit erkennbar, dass es möglich ist, sich mit der Frage nach übergreifenden Interpretamenten zu beschäftigen. Dabei liegt es nahe, stärker als das bislang der Fall war, neuere Forschungsansätze und -ergebnisse zur Wissenschaftsgeschichte des Dritten Reiches aufzugreifen,[20] die sich gegen ältere Auffassungen von der Wissenschaftsfeindlichkeit des NS-Regimes wenden und die Entwicklungsperspektiven für die Wissenschaften im Dritten Reich ebenso akzentuieren wie die Tatsache, dass nicht nur NS-Anhänger im engeren Sinne, sondern gut ausgebildete und anerkannte Wissenschaftler sich in von der NS-Ideologie geformte Projekte einbinden ließen. „The Third Reich was based on the union of irrational ideology with the dynamic of science and technology“,[21] betont Margit Szöllösi-Janze. Und die Bibliotheken waren ein integraler Teil dieses zeitgenössischen Wissenschaftsbetriebs. Zugleich hatten die Bibliothekare freilich innerhalb des Wissenschaftsbetriebs eine eigene professionelle Identität ausgebildet und sahen sich in ihrem Alltag mit spezifischen und nur für sie relevanten Problemen konfrontiert. Im wissenschaftspolitischen Kontext bildete die Bibliothekswelt mithin ein Geflecht personeller und institutioneller Akteure mit eigenen Identitäten und Interessen. Damit stellt sich die Frage, inwieweit diese spezifischen professionellen Identitäten und Interessen die Geschichte der Bibliothekare und ihrer Einrichtungen im Dritten Reich geprägt und beeinflusst haben.

Oder lässt sich, um den eingangs zitierten Artikel von Richard Fick aufzugreifen, die Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken im Dritten Reich, zumindest partiell, aus dem zeitgenössischen Krisenbewusstsein der Bibliothekare erklären, aus dem Umstand, dass die Bibliotheken durch den Ersten Weltkrieg und die schwierige Zeit der frühen Weimarer Republik sowie insbesondere erneut durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 in eine tiefe Krise geraten waren? Auf den ersten Blick erscheint das einleuchtend, ist das Dritte Reich doch generell nicht ohne den Krisendiskurs wie die tatsächlichen sozialen und ökonomischen Krisenfaktoren der Weimarer Republik zu denken. Mit der Krisenmetapher als interpretatorischem Modell sollte man freilich mit gebotener Vorsicht umgehen, wie jüngst Jürgen John am Beispiel der Wissenschaftsgeschichte der Weimarer Republik gezeigt hat; kontrastierte er doch den zeitgenössischen Krisendiskurs mit einer in Wirklichkeit beachtlichen Dynamik und Entwicklungsfähigkeit des Wissenschaftssystems in den 1920er-Jahren. Er zeigte auf, dass gerade in der Weimarer Republik das Wissenschaftssystem expandierte und infrastrukturelle Erweiterungen sowie konzeptionelle Reformen erfolgreich in Angriff genommen wurden.[22] Gab es also keine echte Krise der Bibliotheken, sondern nur eine vermeintliche im Bewusstsein der Bibliothekare? Entscheidend zur Beantwortung dieser Frage ist aus bibliothekshistorischer Perspektive zweifelsohne, ob die Bibliotheken an der von John konstatierten wissenschaftspolitischen Dynamik der Weimarer Republik partizipieren konnten.

Die Beschäftigung mit der Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken im Dritten Reich muss also von ihrer Situation in der Weimarer Republik ausgehen (Abschnitt 2). Da die Bibliotheken als Ganzes in den Blick genommen werden sollen, ohne dass in diesem Rahmen eine ausführliche Darstellung ihrer Geschichte gegeben werden kann, bietet es sich an, von den bibliothekspolitisch einflussreichsten Akteuren auszugehen (Abschnitt 3) und sich die Problemfelder anzusehen, mit denen sie konfrontiert waren (Abschnitt 4). Neben der Reaktion der Bibliothekare stellt sich aber auch die Frage nach ihrer Aktion, also danach, ob so etwas wie eine spezifische nationalsozialistische Bibliothekspolitik der politisch zentralen Akteure zu erkennen ist (Abschnitt 5). Das Dritte Reich hat zudem nicht nur eine Vorgeschichte in der Weimarer Republik, es hat ebenso eine „Nachgeschichte“ in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Geschichte, die zunächst ebenso im Krisenmodus stand, nicht zuletzt aufgrund der Zerstörungen in den Bibliotheken durch den Krieg, bei der sich aber zugleich die Frage nach den Kontinuitäten stellt (Abschnitt 6).

2 Die Krise der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Weimarer Republik

In den zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg hatte die entscheidende Professionalisierung der wissenschaftlichen Bibliothekare stattgefunden. Gemeinhin gilt das Gesetz von 1893 über die Referendarausbildung im preußischen Bibliothekswesen als ein Ausgangspunkt für die Formierung als eigener Berufsstand. Nicht minder wichtig für die Ausbildung einer eigenen professionellen Identität dürfte das seit 1884 publizierte Zentralblatt für Bibliothekswesen als zentrales Publikations- und Informationsorgan sowie die Gründung eines eigenen Berufsverbandes mit dem Verein Deutscher Bibliothekare im Jahr 1900 gewesen sein. Dazu gelang es, sich im Kosmos des Althoff‘schen Wissenschaftsbetriebs mit eigenen Konzepten und Projekten zu etablieren, wie zum Beispiel dem Aufbau des preußischen Leihverkehrs, dem Auskunftsbureau der Deutschen Bibliotheken und dem Preußischen Gesamtkatalog sowie weiteren spezielleren Projekten wie dem Gesamtkatalog der Wiegendrucke.[23] Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Formierungsphase. Alle Bibliotheken mussten massive Einbrüche bei ihren Erwerbungen hinnehmen, insbesondere der Bezug ausländischer Periodika brach flächendeckend ein. Ein im Aufschwung befindliches, expandierendes System war jäh gestoppt worden. Es versuchte allerdings in der Weimarer Republik, erneut in Gang zu kommen.

Wie sah nun die Landschaft der größeren wissenschaftlichen Bibliotheken in der Weimarer Zeit aus, welches waren die entscheidenden Institutionen? Im Kern bestand sie aus zwanzig Universitätsbibliotheken, einigen Landes- und wissenschaftlichen Stadtbibliotheken sowie der Bayerischen Staatsbibliothek in München und als dominierender Leitbibliothek der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin. Dazu kann man noch die Bibliotheken technischer Hochschulen nennen sowie eine Reihe von Spezialbibliotheken, wobei die letzteren im Folgenden nicht weiter berücksichtigt werden.[24] Versucht man ein vorsichtiges Ranking aufgrund der jährlichen Gesamtausgaben, der Ausgaben für Bücher und Zeitschriften sowie der aktiven Fernleihzahlen, die etwas über die überregionale Ausstrahlung einer Bibliothek aussagen, so waren es fünf Bibliotheken, die in all diesen drei Kategorien unter den ersten zehn rangierten: die Preußische Staatsbibliothek zu Berlin, die Bayerische Staatsbibliothek, die Universitätsbibliothek Göttingen, die Staats- und Universitätsbibliothek Breslau und die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Geht man allein von den Gesamtausgaben einer Bibliothek aus, so kann man zu dieser Spitzengruppe noch die Universitätsbibliotheken in Leipzig und Berlin, die Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg sowie die Landesbibliothek in Dresden hinzuzählen.[25] Unstrittig war die dominierende Sonderrolle der Berliner Staatsbibliothek in jenen Jahren. Ihr Bucherwerb überstieg im Schnitt denjenigen einer durchschnittlichen Universitätsbibliothek um das Vier- bis Fünffache; ihr Gesamtetat lag um das zehnfache darüber. Generell beherrschten die preußischen Bibliotheken das Feld – mit Berlin, Breslau, Göttingen und Köln gehörten ihr mehrere herausragende Universitätsbibliotheken an. In Bayern standen die Universitätsbibliotheken im Schatten der Staatsbibliothek in München, auch wenn deren Buchetat nur knapp über dem Durchschnitt einer herausragenden preußischen Universitätsbibliothek lag. Im Südwesten gab es mit Freiburg, Heidelberg und Tübingen zwar einige traditionsreiche Universitätsbibliotheken, es war aber die Landesbibliothek in Stuttgart, die in den 1920er-Jahren mit einer auffallend hohen Fernleihquote unter diesen Bibliotheken überregional hervortrat. Nimmt man nur die aktive Fernleihquote als Indikator für die nationale Relevanz einer Bibliothek, so war es auch hier die Preußische Staatsbibliothek, die von den 1,4 Mio. Bänden, die von 30 wissenschaftlichen Bibliotheken zwischen 1925 und 1933 in Deutschland in die Fernleihe gegeben wurden, mit 381 017 allein 27 % abdeckte. Danach folgten die Bayerische Staatsbibliothek (155 528), die Landesbibliothek Stuttgart (124 369) und die UB Göttingen (108 066). Diese vier Bibliotheken deckten mithin allein ca. 54 % der nationalen Fernleihe ab. Der Anteil der übrigen Bibliotheken lag bei 3 % pro Bibliothek und weniger.

Auch wenn im Selbstverständnis der Bibliothekare die föderal geprägte Vielfalt und Breite den Rang des deutschen wissenschaftlichen Bibliothekswesens im internationalen Vergleich ausmachte und bei einigen eine deutliche politische Neigung gegen zentralisierende Tendenzen zu erkennen ist,[26] so zeigt der Blick auf die Daten der zeitgenössischen Bibliotheksstatistik, dass diese Vielfalt von einigen wenigen Bibliotheken dominiert wurde. Dazu kam noch in der Weimarer Zeit ein entscheidender neuer Akteur hinzu, der sich als zentralisierendes Moment erweisen sollte: Die 1920 gegründete Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft mit ihrem Bibliotheksausschuss. Dessen Gründung war eine Reaktion auf die durch den Weltkrieg ausgelöste Krise bei der Erwerbung internationaler wissenschaftlicher Literatur. Unter der Geschäftsführung des jungen Bibliotheksrats Adolf Jürgens gelang es dem Bibliotheksausschuss, in kurzer Zeit ein funktionierendes zentrales System zur Beschaffung ausländischer Fachzeitschriften und Fachliteratur aufzubauen, das Verluste aus der Zeit des Ersten Weltkrieges kompensierte. Es wurde eine Standardliste von 3 600 Zeitschriftentiteln erstellt, aufgrund derer die Hochschulbibliotheken, freilich nicht vollständig, beliefert wurden. Ergänzend dazu wurden Sondersammelgebiete und ein deutsch-ausländischer Buchtausch eingerichtet. Rasch nahm das Bibliotheksprogramm der Deutschen Notgemeinschaft im Laufe der 1920er-Jahre an Fahrt auf. Nachdem man ursprünglich gehofft hatte, die Lückenergänzung bei den Zeitschriften in ein oder zwei Exemplaren über Tausch zu organisieren, wurde das Programm ausgeweitet. Auch wenn der Tausch einen wichtigen Stellenwert behielt, wurde parallel noch ein Kaufprogramm entwickelt und umgesetzt. 1922 wurden 5 Mio. Reichsmark für den Erwerb von Monografien bewilligt, von 1924 bis 1926 stieg der Jahresetat des Bibliotheksausschusses von 1 Mio. auf 1,5 Mio. Reichsmark. Zwar wurden die beiden Staatsbibliotheken als große Fernleihlieferbibliotheken mit Vorrang bedacht, doch kamen zunehmend alle Universitätsbibliotheken in den Genuss von Buchlieferungen, die über den Bibliotheksausschuss der Notgemeinschaft organisiert wurden. 1929 sollen über den Börsenverein ca. 7 000 Zeitschriften für die Notgemeinschaft bezogen worden sein, dazu ca. 5 000 über Tauschbeziehungen. Mit der Einrichtung der Sondersammelgebiete wurde auch bewusst das Konzept formuliert, die internationale wissenschaftliche Literatur in qualifizierter Auswahl systematisch zu erwerben und auf die entsprechenden deutschen Bibliotheken zu verteilen.[27]

So erfolgreich die Notgemeinschaft auf der einen Seite war, so ging dies zugleich mit einem Verlust an autonomer Gestaltungsfreiheit bei den einzelnen Bibliotheken einher. Ein Blick in die Erwerbungsstatistik zeigt, dass bei einer ganzen Reihe von Bibliotheken der Anteil der gekauften Bücher denjenigen, der durch Geschenk- und Tauschbeziehungen zustande kam, unterschritt.[28] Nicht zu Unrecht konstatierte Curt Balcke, Bibliothekar an der Preußischen Staatsbibliothek, 1928: „Die Vermehrung der Bestände durch Kauf hat in den letzten Jahren eine schwere Krise durchgemacht“.[29] Dabei stand die schwerste Krise noch bevor. Denn was Balcke im Blick hatte, war die fast vollständige Einstellung des Erwerbs ausländischer Literatur während des Ersten Weltkrieges und der schwierigen Nachkriegsjahre. 1926 konnten die Universitätsbibliotheken mit ihrem Erwerbungsetat erstmals wieder an die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen, doch nur für drei Haushaltsjahre. Mit der Weltwirtschaftskrise und dem Haushaltsjahr 1930/1931 brach der Etat bei fast allen Bibliotheken erneut flächendeckend ein.[30] Dazu kam, dass seit Dezember 1931 auch die Notgemeinschaft keine Zeitschriften mehr an die Bibliotheken lieferte.[31]

Für Bibliothekare, welche die Leistungsfähigkeit ihrer Einrichtungen wesentlich über den Bestand und dessen kontinuierlichen Ausbau definierten, stellte die Etatkrise auch eine Herausforderung für ihre Selbstdarstellung nach außen dar. Dazu kam, dass sich die professionelle Formierung des wissenschaftlichen Bibliothekars von Beginn an als schwierig erwies, da es nicht gelingen wollte, den Spagat zwischen wissenschaftlicher Qualifikation und Selbstverständnis mit den praktischen, verwaltungstechnischen Anforderungen im Alltagsbetrieb einer großen Bibliothek in harmonischen Einklang zu bringen. „Es ist ein Elend, zu sehen, wieviel guter Wille, wieviel jugendliche Kraft an dieser Kleinarbeit zugrunde geht“, schrieb Fritz Milkau 1926 über den wissenschaftlichen Bibliothekar. „Gewiß verstauben und verrosten Leute genug auch in anderen akademischen Berufen, aber nirgends so schnell und so hoffnungslos wie hier, so dass es keine Übertreibung ist, wenn man von einer Tragik des bibliothekarischen Berufs spricht“.[32] Diese resignierte Selbsteinschätzung von einem der renommiertesten Vertreter des Berufsstandes, dem bis 1925 noch als Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek amtierenden Begründer und Herausgeber des maßgeblichen Handbuchs der Bibliothekswissenschaften, illustriert anschaulich das ambivalente Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der wissenschaftlichen Bibliothekare; das freilich zugleich mit einer hohen Identifikation mit der eigenen Institution und der Entstehung eines professionellen Korpsgeistes einhergehen konnte, der sich wesentlich über das durch eine Staatsprüfung abgeschlossene zweijährige Volontariat definierte.[33]

Kurzum: Die konkrete Lage und Entwicklung der Bibliotheken in der Weimarer Republik konnte nur wenig dazu beitragen, diese krisenhafte professionelle Identität zu stabilisieren. Angesichts des Umstandes, dass nur für die Haushaltsjahre von 1926 bis 1930 ein vergleichsweise normaler Bestandsaufbau betrieben werden konnte, kann man eindeutig von einer bibliothekarischen Erwerbungskrise in der Weimarer Republik sprechen. Auch wenn die Konzepte des Bibliotheksausschusses der Notgemeinschaft zukunftsorientiert waren und im Kern in der Nachkriegszeit vom Bibliotheksausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wieder aufgegriffen und in angepasster Form fortgesetzt wurden, somit auch im Bibliothekswesen eine von John für den Wissenschaftsbetrieb insgesamt konstatierte Modernisierung in der Weimarer Republik festgestellt werden kann, so muss man andererseits betonen, dass diese Modernisierung die konkrete materielle Unterversorgung nicht wirklich aufwiegen konnte. Dazu gelang es bei den technisch-naturwissenschaftlichen Bibliotheken nicht, eine zentrale, technische Forschungsbibliothek zu schaffen wie sie seit Ende des Krieges von der Industrie gefordert worden war, um eine möglichst umfassende Dokumentation des technischen Schrifttums zu ermöglichen.[34] Auch war die Stellung der Bibliothekare innerhalb der Institution Universität durchaus noch nicht endgültig gefestigt. Die Konkurrenz durch Seminarbibliotheken sowie die teilweise fehlende akademische Anerkennung und Akzeptanz dürften im beruflichen Alltag spürbar gewesen sein. Die Krise ihrer Institution in der Weimarer Republik dürfte auch bei den Bibliothekaren ihre Spuren hinterlassen haben. Geht man davon aus, dass nicht wenige der wissenschaftlichen Bibliothekare, so wie die akademische Community insgesamt, mehrheitlich nationalkonservativ geprägt war, so kann man vermuten, dass mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 nicht nur bei Richard Fick die Hoffnung keimen konnte, dass neben den politischen und wirtschaftlichen Fragen der Zeit nunmehr auch ihre bibliothekarischen Probleme gelöst würden.

3 Die bibliothekarische Elite im Nationalsozialismus

Die rasche Anpassung des VDB und die gezielte Personalpolitik des Referats Bibliothekswesen im Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung, das als neue Direktoren vorrangig politisch konforme Bibliothekare mit Parteibuch berief, und durch die Änderung der Ausbildungsordnung langfristig den Einfluss der NSDAP im wissenschaftlichen Bibliothekswesen zu sichern suchte, sind hinlänglich bekannt.[35] Nähme man alle wissenschaftlichen Bibliothekare in den Blick, wäre das Spektrum der Haltungen natürlich vielfältiger.[36] Doch bei der Frage, wie die Krise des wissenschaftlichen Bibliothekswesens auf dessen Entwicklung im NS-Staat wirkte, muss man den Blick vor allem auf diejenigen Bibliothekare richten, die vor und nach 1933 Schlüsselpositionen im wissenschaftlichen Bibliothekswesen innehatten, darauf, wie sie reagierten und agierten. Wer aber gehörte zur bibliothekarischen Elite, wer besaß bibliothekspolitischen Einfluss? Eine exakte Definition ist sicherlich nicht möglich, da eine Reihe unterschiedlicher Kriterien hierzu herangezogen werden können. Im Folgenden sollen Bibliothekare zu dieser Gruppe gezählt werden, die in national wichtigen Gremien vertreten und zugleich als Direktoren der führenden Bibliotheken tätig gewesen waren. Die überregional wichtigsten Bibliotheken unter dem Gesichtspunkt der Fernleihe waren primär die beiden Staatsbibliotheken zu Berlin und München sowie die Universitätsbibliothek Göttingen. Nimmt man Bestandsgröße und Etat als weitere Kriterien hinzu, so kann man noch die Universitätsbibliotheken zu Berlin, Breslau, Heidelberg, Köln, Leipzig und München anführen. An bibliothekspolitisch relevanten Gremien sind für die Zeit der Weimarer Republik der Bibliotheksauschuss der Notgemeinschaft der Wissenschaft sowie der Preußische Beirat für Bibliotheksangelegenheiten zu nennen. Im Dritten Reich war der im Dezember 1934 gegründete Reichsbeirat das entscheidende zentrale Gremium. Dazu kann man noch die jeweiligen Vorsitzenden des VDB sowie nach der Gründung des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (REM) auch den dort für das Bibliothekswesen zuständigen Ministerialrat zählen. Auch wenn er bibliothekspolitisch nicht so im Vordergrund gestanden haben mag, so kam doch dem Leiter des Beschaffungsamts des Bibliotheksausschusses der Notgemeinschaft und der Reichstauschstelle eine für alle Bibliotheken wichtige Rolle zu. Natürlich gab es auch noch andere Bibliothekare, die in Ausschüssen aktiv waren und Einfluss besaßen. Die den angeführten Kriterien entsprechenden Bibliothekare hatten aber über ihre Doppelfunktion, ihre Mitgliedschaft in zentralen Gremien bei gleichzeitiger Leitung wichtiger Bibliotheken eine herausgehobene Position inne, die ihnen über die eigene Institution hinaus bibliothekspolitischen Einfluss bot.

In der Zeit der Weimarer Republik wären nach den genannten Kriterien als bibliothekspolitisch zentrale Akteure zu nennen:[37]Hugo Andres Krüss, Nachfolger von Fritz Milkau als Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek, und eine Ausnahmeerscheinung unter den Bibliotheksdirektoren, da er als Naturwissenschaftler Karriere in der Ministerialbürokratie gemacht und keine spezifische Professionalisierung als Bibliothekar durchlaufen hatte.[38] Als Mitglied der DDP (Deutsche Demokratische Partei) dürfte er der politischen Radikalisierung in der Endphase der Republik zunächst eher distanziert gegenübergestanden haben, ebenso wie Georg Reißmüller, ab 1929 Generaldirektor an der Bayerischen Staatsbibliothek, ebenfalls ein politisch eher liberaler Geist, was man von Richard Fick, von 1921 bis 1932 Direktor in Göttingen, Vorsitzender des VDB und Mitglied im Bibliotheksausschuss sowie im Preußischen Beirat, sicherlich nicht behaupten kann. Ebenfalls als Vorsitzender des VDB, womit er zugleich auch im Bibliotheksausschuss vertreten war, amtierte in der Weimarer Zeit Adolf Hilsenbeck, seit 1925 Direktor der UB München. Langjährige Mitglieder im Bibliotheksauschuss und daneben im VDB als Beisitzer sowie als stellvertretender Vorstand aktiv waren Otto Glaunig, seit 1921 Direktor der UB Leipzig, sowie Georg Leyh, Direktor der UB Tübingen seit 1921. Außerdem kann man noch Emil Jacobs anführen, ab 1912 Direktor der UB Freiburg und ab 1929 erster Direktor, also Vertreter von Krüss, an der Preußischen Staatsbibliothek sowie den Leiter des Beschaffungsamtes, Adolf Jürgens. Alle genannten Personen waren zwischen 1868 und 1882 geboren, nur Jürgens erst 1890. Sie gehörten zur ersten Generation der professionalisierten Bibliothekare und waren, mit der Ausnahme des studierten Physikers und „Nicht-Bibliothekars“ Krüss, durchweg Geisteswissenschaftler, Philologen und Historiker, dazu, mit Ausnahme Reißmüllers, Protestanten. Fick, Hilsenbeck und Jacobs waren die ältesten dieser Gruppe, so dass klar war, dass sie in den Jahren nach 1930 von einer jüngeren Generation abgelöst wurden. Zu dieser natürlichen Fluktuation kam dann nach 1933 noch die Personalpolitik des neuen Regimes, die ab 1934 vom zuständigen Reichsministerium betrieben wurde.

Wie veränderte sich diese engere bibliothekspolitische Führungsgruppe nach 1933? Nur ein Mitglied dieser Gruppe verlor sein Amt unter politischem Druck. Georg Reißmüller wurde durch Rudolf Buttmann ersetzt, ein NSDAP-Mitglied der frühen Stunde mit der Mitgliedsnummer 4, aber als ehemaliger Leiter der Bibliothek des Landtags in München immerhin ein formal ausgewiesener Bibliothekar.[39] Fick war 1932 mit Erreichen der Altersgrenze pensioniert worden. Ihm folgte als Direktor in Göttingen Josef Becker, der aber bereits 1934 als Nachfolger von Emil Jacobs an die Berliner Staatsbibliothek wechselte. Becker war politisch nicht hervorgetreten, passte sich aber nach 1933 den Umständen an.[40] Diejenigen, die in den folgenden Jahren in die engere politische Führungsgruppe einrückten, also auf Direktorenstellen und darüber in die entsprechenden Gremien kamen, waren zumeist 1933 Mitglied der NSDAP geworden, hatten sich zumindest äußerlich dem Regime angeschlossen. Karl Julius Hartmann wurde 1935 Nachfolger von Becker in Göttingen und 1941 in den Reichsbeirat aufgenommen;[41]Gustav Abb war 1935 zum Direktor der UB Berlin ernannt worden und löste 1937 Georg Leyh als Vorsitzender des VDB ab. Bis 1941 war noch Erich von Rath, Direktor der UB Bonn, Mitglied des Reichsbeirats, der dem neuen Regime kritisch gegenüber stand, sich allerdings auch vorzeitig pensionieren ließ,[42] sowie ab 1941 Karl Preisendanz, seit 1935 Direktor der UB Heidelberg.[43] Mit dem Anschluss Österreichs gehörte noch Paul Heigl als Direktor der Österreichischen Nationalbibliothek dem Gremium an.[44] Aus der alten Führungsgruppe war neben Reißmüller nur noch Georg Leyh hinausgedrängt worden, der aber weiterhin sein Amt als Tübinger Direktor behielt und als Herausgeber des Zentralblatts einen gewissen publizistischen Einfluss behielt. Neu in dieser Führungsgruppe war Rudolf Kummer, einer derjenigen wissenschaftlichen Bibliothekare, der sich schon vor 1933 der NSDAP angeschlossen hatte, und der von seiner Bibliotheksratsstelle an der Bayerischen Staatsbibliothek 1935 als Leiter des Referats für die Bibliotheken nach Berlin ans Reichsministerium wechselte.[45] Adolf Jürgens blieb Leiter des Beschaffungsamtes und der Reichstauschstelle, die nach Auflösung des Bibliotheksausschusses der Notgemeinschaft an die Preußische Staatsbibliothek transferiert wurden, und wurde 1941 zum Direktor befördert, als die Arbeit der Reichstauschstelle für den Wiederaufbau der zerstörten Bibliotheken immer wichtiger wurde.[46] Nicht aufgeführt sind diejenigen Mitglieder des Reichsbeirats, die öffentliche Bibliotheken vertraten oder nicht zugleich als Direktor einer herausgehobenen Bibliothek agierten.[47]

Betrachtet man die Veränderungen der Führungsgruppe nach 1933, so kann man zunächst konstatieren, dass teilweise ein Generationenwechsel stattfand, da Abb, Hartmann, Heigl, Jürgens, Kummer und Preisendanz um 1890 geboren waren und damit zur zweiten Generation der professionalisierten Bibliothekare gehörten, die ihre bibliothekarische Sozialisation erst nach dem Ersten Weltkrieg und unter den schwierigen Umständen der Weimarer Republik gemacht hatten. Dass Abb, Hartmann und Preisendanz als neue Mitglieder der bibliothekarischen Elite zu den „Märzgefallenen“ gehörten, also zum 1. Mai 1933 der NSDAP beigetreten waren, kann nicht überraschen. Heigl war in Österreich 1933 in die NSDAP eingetreten. Politisch nach außen agierten vor allem Abb und „der alte Kämpfer“ Kummer, sie traten mit Vorträgen und Aufsätzen hervor, in denen sie sich bewusst für das neue Regime aussprachen und versuchten, bibliothekspolitische Leitlinien zu entwerfen, die der Ideologie der Nationalsozialisten entsprechen sollten. Bei Buttmann war das frühe Engagement für die NSDAP bekannt, da er für diese bereits als Abgeordneter im Bayerischen Landtag aktiv gewesen war. Hartmann und Preisendanz hingegen enthielten sich öffentlich jeder politischen Stellungnahme und agierten dezidiert als bibliothekarische Fachleute wie auch Becker und Krüss.

Die engere bibliothekspolitische Führungsgruppe wurde nach 1933 durch Bibliothekare geprägt, die sich entweder offen mit den Zielen der neuen Regierung identifizierten oder sich zumindest opportunistisch durch einen Beitritt in die NSDAP angepasst hatten. Was diese Gruppe einte war, dass sie durchweg aus professionellen und meist auch versierten Bibliothekaren bestand, die, wie Krüss oder Becker, schon in der Weimarer Republik zu den führenden Vertretern des Faches zählten und, wie auch Abb als Abteilungsleiter an der Berliner Staatsbibliothek, ihre Führungsqualitäten bereits in den 1920er-Jahren unter Beweis gestellt hatten, und sich erst 1933 oder später, wie zum Beispiel Krüss, der NSDAP anschlossen. Auch Buttmann, dem ohne Zweifel seine enge Verbindung mit der NSDAP zur Direktorenstelle an der BSB verholfen hatte, zeigte sich, wie auch Heigl in Wien, seiner Aufgabe durchaus gewachsen. Allein Kummer war in dieser Führungsgruppe die professionell wohl schwächste Figur, der seine Einstellung Krüss verdankte, der wiederum hoffte, über ihn seinen bibliothekspolitischen Einfluss behalten und die Preußische Staatsbibliothek zur Reichsbibliothek ausbauen zu können.[48] Insgesamt war es der engeren Führungsgruppe weitgehend gelungen, bei politischer Anpassung zugleich eine hohe fachliche Qualität zu wahren. Dies zeigt auch der Umstand, dass noch 1941 mit Theodor Lockemann, dem Direktor der UB Jena, ein Mitglied in den Reichsbeirat aufgenommen wurde, der dem Nationalsozialismus distanziert gegenüberstand, sich freilich äußerlich den Umständen angepasst hatte.[49] Bibliothekarische Professionalisierung bei gleichzeitiger Anpassung oder Identifikation mit dem neuen Regime verband die politisch führenden Mitglieder des wissenschaftlichen Bibliothekswesens. Eine Identifikation mit dem Nationalsozialismus allein reichte für einen Zugang zu dieser Spitzengruppe nicht aus. Bibliothekare, die sich nach 1933 sehr dezidiert als Nationalsozialisten artikuliert hatten, wie Joachim Kirchner, Fritz Prinzhorn oder Hans Peter des Coudres taten das sicherlich nicht zu ihrem Schaden. Kirchner wurde, allerdings nach einigen Mühen, Nachfolger von Hilsebeck an der UB München, Prinzhorn 1939 Nachfolger von Glaunig als Direktor der UB Leipzig, des Coudres Leiter der Landesbibliothek in Kassel, nachdem es ihm nicht gelungen war, eine zentrale Bibliothek für die SS-Ordensburgen aufzubauen.[50] Ihnen gelang aber nicht der Sprung in die engere Führungsgruppe. Dies gilt auch für Joseph Kindervater, der zwar als Direktor der UB Münster zeitweise im Reichsbeirat saß, aber nicht das nötige Format hatte, um sich dort halten zu können.[51]

Wenn Ulrich Herbert bei seiner Frage, Wer waren die Nationalsozialisten?, für die Gruppe der Wissenschaftler konstatierte, dass diejenigen, die das Regime trugen, nicht in erster Linie die alten bereits vor 1933 für die NSDAP aktiv gewesenen Kämpfer waren, sondern diejenigen, die der NS-Bewegung zunächst nicht nahe gestanden hatten und erst nach 1933 der Partei beitraten,[52] so trifft diese Charakterisierung im Kern auch auf die Führungsgruppe der wissenschaftlichen Bibliothekare zu. Hier hatte sich im Wesentlichen eine Gruppe ausgewiesener Fachleute zusammengefunden, die in den 1920er-Jahren, oder zum Teil früher, bibliothekarisch sozialisiert worden waren und die sich mit dem nationalsozialistischen Regime identifizieren oder sich zumindest mit ihm arrangieren konnten. Dabei dürfte die Identifikation mit der eigenen Institution, für die man Verantwortung trug, ebenso eine Rolle gespielt haben wie der persönliche Ehrgeiz. Diese Gruppe behielt die ganze Zeit über bis 1945 ihre Schlüsselpositionen inne und konnte ihren Einfluss mit der zeitweisen Expansion des Reiches im Zweiten Weltkrieg sogar noch ausbauen. Krüss fungierte als Beauftragter für den Bibliotheksschutz in den besetzten Gebieten Westeuropas, Abb als Beauftragter für die besetzten Gebiete in Osteuropa und als Direktor der Staatsbibliothek in Krakau, Hartmann amtierte neben seinem Göttinger Direktorat als kommissarischer Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Straßburg, Becker, der Stellvertreter von Krüss, als kommissarischer Direktor der Universitätsbibliothek in Prag und Heigl war seit 1941 für die wissenschaftlichen Bibliotheken in Jugoslawien zuständig. Es waren also fünf Mitglieder aus der engeren Führungsgruppe, die zumindest formal auch entscheidende Funktionen im Hinblick auf das Bibliothekswesen in den besetzten Gebieten innehatten.[53]

4 Die Kontinuität der bibliothekarischen Krise im Dritten Reich

Trotz der politischen Anpassung der engeren Führungsgruppe an das neue Regime und der Identifikation einiger ihrer Mitglieder mit dem Nationalsozialismus gelang es nach 1933 nicht, der Krise des wissenschaftlichen Bibliothekswesens, wie es Fick gehofft hatte, zu entkommen, im Gegenteil, die Krise verschärfte sich im NS-Staat sogar. „To be a librarian in the Third Reich was to experience frustration, demoralization and insecurity”,[54] schrieb Margaret F. Stieg bereits 1989. Und auch Jan-Pieter Barbian konstatierte, „dass gerade die wissenschaftlichen Bibliotheken im NS-Staat in eine Außenseiterposition abrutschten.“[55] Um das Ausmaß der bibliothekarischen Krise für die wissenschaftlichen Bibliothekare im Dritten Reich ermessen zu können, muss man sich die wesentlichen Krisenfaktoren vor Augen halten.

An erster Stelle stand natürlich die Etatkrise, die nicht nur unvermindert weiterging, sondern sich zeitweise noch verschärfte. Hatte die Gesamtsumme der Ausgaben im Haushaltsjahr 1927/1928 noch bei ca. 4,4 Mio. Reichsmark gelegen, so war sie 1933/1934 auf 3,5 Mio. gefallen und sank bis 1935/1936 auf 3,1 Mio. Sie stieg dann zwar 1937/1938 leicht auf ca. 3,4 Mio., fiel aber mit Beginn des Krieges auf unter 3 Mio. Reichsmark.[56] Hatten die Bibliotheken 1927/1928 noch über 1 Mio. für Zeitschriften ausgegeben, so fiel der Wert bis 1941/1942 auf 643 000 Reichsmark. Grob kalkuliert war der Etat der Bibliotheken gegenüber der Weimarer Republik um ein Drittel zurückgegangen. Interessanterweise blieb der Zugang an bibliografischen Einheiten bis 1939 indessen auf dem Niveau der Zeit der Weimarer Republik, was der Zunahme der Lieferungen über Geschenk und Tausch, und das hieß natürlich auch von NS-Raubgut, geschuldet war.[57] Mit der Etatkrise korrespondierte auch eine Krise der Benutzung, ging doch die Zahl der lokalen Ausleihen und der Lesesaalbenutzung im Dritten Reich deutlich zurück. Wurden 1930/1931 noch über 3 Mio. Benutzer in den Lesesälen gezählt, so war die Zahl bereits 1935/1936 unter 2 Mio. gefallen und mit Kriegsbeginn ging sie noch weiter zurück auf unter 800 000 im Jahr 1941/1942. Der Rückgang der Zahl der lokalen Ausleihen hing auch mit den zurückgehenden Studentenzahlen zusammen, konnte aber auch einen gewissen Bedeutungsverlust der Bibliotheken innerhalb der Universitäten bedeuten.

Der deutliche Rückgang der regulären Haushaltsmittel und damit die Verschärfung der Etatkrise dürfte aus der Perspektive der Bibliothekare der entscheidende Punkt gewesen sein. Und es war sicher auch kein Grund zur Entspannung, dass es nicht „der Führer“, sondern die Preußische Oberrechnungskammer war, die im Jahr 1935 begann, sich der Probleme der wissenschaftlichen Bibliotheken anzunehmen und eine Datenerhebung für ein Gutachten zu Organisationsfragen initiierte,[58] denn dass es hier um mögliche Rationalisierungen und Einsparungen ging, lag auf der Hand. Immerhin barg ein Eingreifen des Rechnungshofes auch gewisse Chancen. Einen Hoffnungsschimmer bot ein durch den Rechnungshof angestoßenes Projekt zur Erprobung einer Kooperation von zentraler Universitätsbibliothek und dezentralen Seminarbibliotheken an der Universität Göttingen. Georg Leyh sah in der Konkurrenz der Seminarbibliotheken eine Existenzkrise für die zentralen Universitätsbibliotheken. Da diese seiner Meinung nach den Ansprüchen des wissenschaftlichen Betriebs nicht mehr genügten, hatte sich an den Universitäten als zweites Büchersystem das der Seminarbibliotheken herausgebildet, das, wie er 1936 in einem Aufsatz betonte, „heute umfangreiche Teile der Universitätsbibliothek als sterbende Glieder am Körper der Wissenschaft erscheinen läßt.“[59] Insofern war ein Projekt, das perspektivisch darauf zielte, diese Konkurrenz zugunsten einer stärkeren zentralen Koordination aufzulösen, aus seiner Sicht von zentraler bibliothekspolitischer Bedeutung. Dass die konkreten Ergebnisse des Projektes eher ernüchternd waren, wie Hartmann intern gegenüber Leyh wohl angedeutet hatte,[60] und Hartmann bei der einzigen Publikation über das Projekt sich auffällig vage und vorsichtig äußerte,[61] spielte in der Praxis freilich keine Rolle mehr, da der beginnende Weltkrieg 1939 keine Zeit mehr für bibliothekspolitische Folgerungen und universitäre Reorganisationen ließ. Das Problembewusstsein, insbesondere bei Leyh, blieb aber erhalten. Noch 1941 schrieb er an Hartmann: „Wer die Zeichen der Zeit im wissenschaftlichen Bibliothekswesen einigermassen deuten kann, steht unter dem Eindruck, dass den Universitätsbibliotheken allmählich der Boden unter den Füssen weggezogen wird infolge der Ausbreitung der Spezialbibliotheken der Kliniken, Institute und Seminare. Es handelt sich um die Existenzfrage der Universitätsbibliothek.“[62] Dass Leyh dies als eine bibliothekspolitisch zentrale Frage ansah, lässt auch erkennen, wie unsicher die Bibliothekare sich ihrer Position innerhalb der Universität waren.[63]

Bibliothekarische Konkurrenz beschränkte sich aber nicht nur auf die Seminarbibliotheken. Im Dritten Reich entstand ein neues Feld konkurrierender Einrichtungen durch ehrgeizige Bibliotheksprojekte nationalsozialistischer Organisationen, die begannen, eigene wissenschaftliche Fachbibliotheken aufzubauen.[64] Am erfolgreichsten war hier zunächst die Deutsche Arbeitsfront, was angesichts ihrer Mitgliederstärke und ihrer finanziellen Macht im NS-Staat auch nicht verwunderlich war. Sie bildete aus beschlagnahmten Gewerkschafts- und Arbeiterbibliotheken den Grundstock einer aus ca. 300 000 Bänden bestehenden Fachbibliothek für die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, die als Arbeitsinstrument für ihr Arbeitswissenschaftliches Institut, eine ihrer einschlägigen Denkfabriken, dienen sollte[65] und mit dem Aufbau eines nationalen Bestandsverzeichnisses volkswirtschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Zeitschriften sogar begann, überregionale bibliothekarische Aufgaben zu übernehmen.[66] Die andere NS-Organisation, die versuchte, ein eigenes bibliothekarisches Reich aufzubauen, war die SS. Peter des Coudres hatte als Leiter der Bibliothek auf der Wewelsburg gehofft, dass die Bibliotheken der SS-Ordensburgen sich innerhalb der SS als eigene, bibliothekarische Einrichtung etablieren würden. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.[67] Trotzdem blieb die SS nicht ohne ein eigenes „Bibliotheksprojekt“, nur waren es nicht die Ordensburgen, sondern der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und das Reichssicherheitshauptamt, die begannen, eine große Bibliothek zur „Gegnerforschung“ aus beschlagnahmten Bibliotheken anzulegen. Vor allem die Bibliotheken von Freimaurerlogen und jüdische Gemeindebibliotheken bildeten hierfür den Grundstock. Während des Krieges wurden dann im großen Maßstab Bücher aus den besetzten Gebieten geraubt, so dass bis 1944 wahrscheinlich ca. 2–3 Mio. Bände zusammengekommen waren.[68] Das dritte große NS-Bibliotheksprojekt betrieb Alfred Rosenberg, der bereits ab 1939 begann, für die geplante Hohe Schule der NSDAP, die nach dem Endsieg am Chiemsee errichtet werden sollte, die Bestände für eine Bibliothek in ganz Europa zusammen zu rauben und ebenfalls mehrere hunderttausend Bände zusammenbrachte, die gegen Kriegsende in Kärnten gelagert waren.[69] Das „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ in Frankfurt, dem einzigen, bereits etablierten Institut der Hohen Schule, hatte eine Bibliothek aufgebaut, die bei Kriegsende im hessischen Schloss Hungen in 2 000 bis 3 000 Kisten untergebracht war.[70] Nimmt man noch die deutlich kleinere Bibliothek des „Reichsinstituts zur Erforschung der Geschichte des neuen Deutschland“ hinzu,[71] so wird erkennbar, dass sich hier in Umrissen der Aufbau eines eigenen Bibliothekswesens der NSDAP abzeichnete, das den Bereich der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften umfasste.

Nur Naturwissenschaften und Technik blieben außen vor. Hier setzten die Nationalsozialisten auf die etablierten Einrichtungen und förderten insbesondere die Bibliothek des Deutschen Museums in München, die nach dem Vorbild der amerikanischen Public Libraries eine „zentrale Sammelstätte naturwissenschaftlicher und technischer Literatur“[72] für eine breitere Öffentlichkeit werden sollte, so dass deren Etat noch nach 1939 signifikant erhöht wurde. Immerhin wurde bis 1942 fast die Größe der Bibliothek der TH Berlin erreicht.[73] Die für die Industrie und Forschung wichtigere Bibliothek war indes die der TH in Berlin, die seit 1933 eine zentrale Fachinformationsstelle für technische Schriften und einen Photokopierservice aufgebaut hatte und 1939 als kriegswichtige Einrichtung eingestuft wurde.[74] Dass insbesondere während des Krieges die Bedeutung der technischen Bibliotheken zunahm, zeigen auch die steigenden Fernleihzahlen der Bibliothek der TU Wien nach 1943, als die Bibliothek der TH Berlin ausgebombt und die der TU Wien damit die größte ihrer Art im Reich war.[75]

Als kriegswichtige Einrichtung kann man in diesem Kontext auch die Bewegung der Dokumentare nennen.[76] 1941 wurde unter maßgeblichem Anteil von Fritz Prinzhorn die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation gegründet, in deren Beirat unter anderem auch Abb und Krüss vertreten waren. Dass an deren Gründung das Reichssicherheitshauptamt, das Oberkommando der Wehrmacht, das Auswärtige Amt und das Reichswirtschaftsministerium beteiligt waren, zeigt, welchen Nutzen man sich für die Rüstungsforschung davon erhoffte.[77] Auch wenn viele Bibliothekare die Dokumentationsbewegung noch als die geringere professionelle Bedrohung wahrgenommen haben mögen, so haben sie diese doch immerhin in ihrer Entwicklung genau beobachtet.[78]

Den bibliothekspolitisch wachen Zeitgenossen blieben diese verschiedenen Entwicklungen nicht verborgen. 1939 wies der Weimarer Bibliothekar Hermann Blumenthal, vorsichtig formulierend, darauf hin, dass unter den Spezialbibliotheken sich ein neuer „Typus von Forschungsbibliotheken [abzeichnet], die einem politischen Impuls entspringen, ein nationalpolitisches Anliegen wissenschaftlich fördern wollen und damit den Kontakt zwischen dem Bibliotheksleben und den Geisteskämpfen der Zeit wieder herstellen“.[79] Natürlich waren die meisten der genannten NS-Bibliotheksprojekte zunächst nur große Sammlungen geraubter und rasch gekaufter Bücher und noch keine oder nur partiell funktionierenden Bibliotheken im eigentlichen Sinne. Doch für den Zeitgenossen im Jahr 1939 war das Scheitern dieser Projekte noch nicht absehbar. Wer die aktuellen bibliothekspolitischen Trends beobachtete, musste davon ausgehen, dass die NSDAP, so wie sie es in vielen Bereichen des Staates tat, auch im Bibliothekswesen ein paralleles, eigenes System großer Fachbibliotheken in Konkurrenz zu etablierten Institutionen aufzubauen versuchte. Und sogar ein Vertreter der Profession wie Fritz Prinzhorn, Direktor der Leipziger Universitätsbibliothek, betonte die Bedeutung künftiger Fachbibliotheken, insbesondere auch angesichts der Defizite der Universitätsbibliotheken.[80]

Die Reihe konkurrierender Institutionen und Organisationen war aber damit noch nicht beendet. Denn den Bibliothekaren der wissenschaftlichen Bibliotheken dürfte auch rasch deutlich geworden sein, dass den Nationalsozialisten aus augenfälligen Gründen die Förderung des öffentlichen Büchereiwesens mehr am Herzen lag, schienen doch hier die propagandistischen Möglichkeiten für die Partei weitaus verlockender zu sein. Auch wenn sich dies, insbesondere während des Krieges nur bedingt bewahrheitete, da die „Volksgenossen“ Unterhaltungsliteratur dem parteikonformen Schrifttum eindeutig bevorzugten,[81] so ist zugleich unstrittig, dass das zuständige Reichsministerium konsequent den Ausbau der Volksbüchereien förderte, deren Zahl sich von 1934 bis 1940 um 40 % erhöhte.[82]

Kurzum, für die klassischen wissenschaftlichen Bibliothekare war die Lage im Dritten Reich nicht sonderlich vielversprechend. Die gerade einmal zweite Generation der professionellen Bibliothekare sah sich nicht nur mit einer Reihe konkurrierender Institutionen und Entwicklungen konfrontiert, sondern musste zugleich unter finanziellen Bedingungen arbeiten, die noch deutlich hinter dem für kurze Zeit in den goldenen Jahren der Weimarer Republik erreichten Stand zurückfielen. Dazu trug bei, dass die NS-Regierung das Bibliotheksförderprogramm der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in seiner alten Form 1934 beendet hatte,[83] auch wenn die bestehenden Strukturen und Mitarbeiter als Abteilungen der Preußischen Staatsbibliothek angegliedert wurden (Beschaffungsstelle für die Beschaffung ausländischer Literatur; Deutsch-ausländischer Buchtausch; Reichstauchstelle).[84] In diesem Punkt unterschied sich somit die Lage der wissenschaftlichen Bibliothekare von denen der Wissenschaftler im Dritten Reich. Während für eine Reihe häufig jüngerer Wissenschaftler die Wissenschaftspolitik des Dritten Reiches Chancen eröffnete, um neue Forschungsfelder und neue Institutionalisierungen aufzubauen, sahen sich die Bibliothekare blockiert, ja, mehr noch, dem Druck konkurrierender Institutionen ausgesetzt. Allein die Preußische Staatsbibliothek hatte sich durch die Zentralisierungstendenzen des Regimes gewisse Vorteile verschafft, konnte aber ihre Rolle nicht zu der einer Reichs- oder Nationalbibliothek ausbauen, wie Krüss es sich erhofft hatte, da sich das zuständige Reichsmininisterium für Wissenschaft dem Propagandaministerium gegenüber nicht durchsetzen konnte, zu dessen Kompetenzbereich die Deutsche Bücherei in Leipzig gehörte.[85]

Trotz aller Konkurrenz und Krisen – oder vielleicht auch gerade deswegen – kann man zugleich konstatieren, dass die wissenschaftlichen Bibliothekare alles taten, um ihre Aufgaben zu erfüllen und die Literaturversorgung für die Wissenschaft im Dritten Reich zu gewährleisten. Trotz schwieriger Umstände versuchten sie, auch in den Kriegsjahren so lange wie möglich ein effizientes Funktionieren der Bibliotheken zu gewährleisten. Die Zahl der Fernleihen blieb kontinuierlich hoch. Von 1933 bis 1942 wurden in Deutschland über 1,5 Mio. Fernleihen durchgeführt.[86] Als im November 1943 die Bibliothek der TH Berlin bei einem Luftangriff zerstört wurde, lagerte der Leiter, Friedrich Predeek, die kriegswichtige Arbeit der Bibliothek in den Harz nach Roßla aus.[87] Und in Göttingen wurde bereits im Februar 1945, nachdem am 24. November 1944 das Gebäude der Bibliothek durch eine Luftmine getroffen worden war, der Ausleihbetrieb wieder aufgenommen.[88]

5 Raub und Expansion als Kern nationalsozialistischer Bibliothekspolitik?

Diese Beispiele unterstreichen die hohe Identifikation der Bibliothekare mit ihrer Institution und ihren Aufgaben, aber letztlich handelte es sich hier zunächst einmal um Reaktionen auf äußere Umstände, auf Anforderungen, die sich aus der Situation im Krieg und einem Berufsethos der Pflichterfüllung ergaben. Doch gab es nicht nur Reaktionen auf Krisen und Krieg, sondern auch Aktionen, Ansätze genuin nationalsozialistischer Bibliothekspolitik? Was sich für die Zeit nach 1933 erkennen lässt, sind eine zunehmende Zentralisierung und eine sukzessive Politisierung des Berufsstandes, wobei Susanne Wanninger in ihrer Studie über Buttmann auf die zentrale Rolle Rudolf Kummers für die Konzipierung einer „nationalsozialistischen Bibliothekspolitik“ verweist.[89] Zentralisierungstendenzen hatten sich freilich schon in der Weimarer Republik abgezeichnet und dürften bis zu einem gewissen Grad auch im Interesse von Krüss als Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek und Vorsitzenden des Reichsbeirats gelegen haben. Neu ist in der Tat der Gesichtspunkt der Politisierung, der Bevorzugung von Parteimitgliedern bei der Besetzung von Direktorenstellen, die Voraussetzung einer Parteimitgliedschaft für den Eintritt in das Volontariat, aber auch der Versuch, wissenschaftlichen Bibliothekaren weltanschauliche Aufgaben zuzuschreiben und wissenschaftliche Bibliotheken über verstärkte Ausstellungsaktivitäten in die ideologische Propagandaarbeit des Regimes zu integrieren. Diese Entwicklungen sollte man nicht unterschätzen, zugleich berührten sie die klassischen bibliothekarischen Aufgaben der Erwerbung und Katalogisierung nur am Rande.

Dies gilt allerdings nicht für den Versuch, Bestandsaufbau, insbesondere für die neuen Bibliotheken der NS-Organisationen, durch Bücherraub zu betreiben und das europäische Bibliothekswesen unter deutscher Führung zu organisieren – also eine spezifische Art „nationalsozialistischer Ressourcenmobilisierung“, wie sie Rüdiger Hachtmann generell für den gesamten Wissenschaftsbereich konstatierte.[90] Niemals zuvor wurden so viele Bücher geraubt, quer durch Europa transportiert als in den Jahren nach 1933 und insbesondere in den Jahren von 1940 bis 1944.[91] Auch wenn der Anstoß nicht von den Bibliothekaren ausging, sondern in der Verfolgungspolitik des NS-Staates begründet lag, so haben sie doch die damit verbundenen Optionen genutzt. Mit der Beschlagnahmung von Bibliotheken verbotener und aufgelöster Organisationen wie Parteien, Gewerkschaften usw., aber auch sogenannter verbotener Literatur aus Buchhandlungen, Leihbüchereien, Verlagen gab es von 1933 bis 1935 eine erste Welle von Büchern, die – nicht vollständig, vieles wurde auch zerstört –, an wissenschaftliche Bibliotheken gelangten. Fast alle wissenschaftlichen Bibliotheken dürften davon profitiert haben, da nach dem Erlass des Reichsfinanzministeriums vom 23. März 1934 die Preußische Staatsbibliothek für einige Jahre eine wichtige, zentrale Verteilerrolle einzunehmen begann.[92] Der Umfang geraubter und später im Krieg erbeuteter Bücher, die an Universitätsbibliotheken im Reich gelangten, dürfte von Bibliothek zu Bibliothek unterschiedlich gewesen sein und auch von dem jeweiligen Engagement der Bibliothekare abgehangen haben. Aufgrund ihrer zentralen Rolle im Reich hat zweifelsohne die Preußische Staatsbibliothek eine wichtige Rolle gespielt, wo bei Kriegsende geschätzt ca. 500.000 Bände Raub- und Beutegut in den Depots der Reichstauschstelle lagen.[93] In Österreich hat sich nach dem Anschluss von 1938 die Nationalbibliothek in großem Stil um geraubte und erbeutete Bücher bemüht, was auch mit der Person des Generaldirektors Paul Heigl, einem bewussten Nationalsozialisten, zusammenhing.[94] Spätestens ab 1936 bekamen die wissenschaftlichen Bibliotheken Konkurrenz und zwar vor allem vom SD und der Gestapo, aber auch der Deutschen Arbeitsfront (DAF), die begannen, Raubgut für eigene Bibliotheken zu nutzen. Insbesondere der SD bemühte sich gezielt um Bibliotheken von Freimaurerlogen und jüdische Gemeindebibliotheken, um daraus seine Bibliothek für die „Gegnerforschung“ aufbauen zu können. Nach der Reichspogromnacht wurden als Grundstock ca. 70 jüdische Sammlungen mit ca. 300 000 Bänden für eine „jüdische Bibliothek“ beim SD-Hauptamt konfisziert.[95] Das hieß aber wiederum mit anderen Worten, dass auch hier die etablierten Bibliotheken gegenüber den Institutionen der NSDAP ins Hintertreffen gerieten.

Bis dato nicht gekannte Dimensionen nahm der Bücherraub mit dem Beginn des Krieges an. Neben Büchern jüdischer Privatpersonen sowie den Bibliotheken jüdischer Gemeinden und Organisationen, von denen ca. 4 Mio. Bücher geraubt wurden,[96] waren es vor allem die wissenschaftlichen Bibliotheken im Osten, in Polen und der Sowjetunion, die systematisch geplündert und zerstört wurden. In Polen wurden vier neue Staatsbibliotheken in Krakau, Lemberg, Lublin und Warschau eingerichtet, die zur Konzentration des vorhandenen Bestandes dienten. Die Staats- und Universitätsbibliothek in Posen wurde in den Kriegsjahren zu einer wichtigen Sammelstelle für den Bücherraub in Polen, wo allein ca. 6,6 Mio. Bände beschlagnahmt wurden.[97] In Kiew wurden Bibliotheken mit einem Gesamtbestand von ca. 8–10 Mio. Bänden unter der Leitung von Josef Benzing zusammengefasst.[98] Und dies sind nur einige wenige Beispiele. Allein der Krieg schien also dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen etwas Auftrieb gegeben zu haben. „Als freudigstes Ergebnis der siegreichen deutschen Kriegsführung begrüßen wir auf unserem Fachgebiet die Rückführung zweier Bibliotheken in das Reichsgebiet: derjenigen der Technischen Hochschule in Danzig und der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Bibliothek in Posen“,[99] wie Gustav Abb auf der Mitgliederversammlung des VDB vom 25. Mai 1940 in Berlin vortrug. Weitere Bibliotheken sollten hinzukommen. In Prag wurde mit der von Josef Becker kommissarisch geleiteten Landes- und Universitätsbibliothek eine fast 2,2 Mio. Bände umfassende Bibliothek „ins Reich geholt“. Mit der Annexion Elsass-Lothringens und des Aufbaus der Reichsuniversität Straßburg erhielt auch die kommissarisch von dem Göttinger Direktor Karl-Julius Hartmann geleitete Universitäts- und Landesbibliothek Straßburg ansehnliche Aufbaumittel.

Die Annexion von Bibliotheken war mithin die einzige, wesentliche Form, in der für die wissenschaftlichen Bibliotheken eine Art nationalsozialistischer Bibliothekspolitik, wenn man dies denn so bezeichnen mag, manifest wurde. In den ersten Jahren des Krieges als das nationalsozialistische Deutschland große Teile Kontinentaleuropas unter seine Kontrolle gebracht hatte, schienen sich, zumindest aus der Sicht des Reichsministeriums, konkret aus derjenigen von Rudolf Kummer, damit tatsächlich neue Perspektiven zu eröffnen. Auf der fünften Sitzung des Reichsbeirats für Bibliotheksangelegenheiten in Berlin vom 30. Juni bis 1. Juli 1942, zu einer Zeit, als die militärische Lage für das Reich noch vielversprechend aussah, referierte er über „Die Beziehungen zu den Bibliotheken im europäischen Ausland“. Er stellte dabei fest: „Infolge des siegreichen Vormarsches unserer Truppen befinden sich heute die wissenschaftlichen Bibliotheken Polens, Norwegens, Hollands, Belgiens, Luxemburgs, Frankreichs, des ehemaligen Jugoslawiens, Griechenlands, Lettlands, Litauens, Estlands, der Ukraine und weiterer Gebiete Sowjetrusslands unter deutschem Schutz und deutscher Betreuung. Die Bibliotheken der neu entstandenen Nationalstaaten wie zum Beispiel der Slowakei und Kroatiens stehen bereits in ständigem Verkehr mit deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken. In hohem Maße gilt dies auch für die Bibliotheken der mit Deutschland verbündeten Staaten Europas. Angesichts dieser Sachlage erhebt sich die Frage, ob es nicht zweckmäßig ist, die europäischen Bibliotheken näher an das deutsche Bibliothekswesen heranzuführen und die gemeinsamen Arbeiten enger zu gestalten. Diese Frage ist zu bejahen, denn der heutige Bibliothekar im europäischen Raum ist nicht nur ein Vermittler der wissenschaftlichen Veröffentlichungen der einzelnen Völker, sondern darüber hinaus ein Exponent von politischer Bedeutung geworden. Von ihm hängt es ab, welche wissenschaftlichen Werke über einen Staat und dessen wissenschaftliche Leistungen angeschafft, empfohlen und verliehen werden.“[100] Der expansionistische Tenor, der Versuch, „die vielleicht einmalige Gelegenheit, die durch diesen Krieg geboten worden ist, das europäische Bibliothekswesen eng an die deutschen Bibliotheken zu binden zum Wohle der deutschen Wissenschaft und Forschung und zur Verbreitung des deutschen Geistesgutes“[101] zu nutzen, um eine Führungsrolle des deutschen, wissenschaftlichen Bibliothekswesens in Europa zu etablieren, lässt für einen Augenblick so etwas wie eine nationalsozialistische Bibliothekspolitik aufblitzen; die im Kern freilich nichts anderes versuchte, als eine Dominanz deutscher Wissenschaft und deutscher Publikationen in Europa zu begründen.

Die Reaktionen der Mitglieder des Reichsbeirats auf den Vortrag von Kummer schienen aber, den überlieferten Protokollen zufolge, eher verhalten gewesen zu sein. Die Fachleute im Reichsbeirat dürften sich der Alltagsprobleme zu bewusst gewesen sein, zumal der Krieg nicht nur Expansion, sondern auch Personalknappheit, logistische Probleme bei Auslagerungen und anderes mehr mit sich brachte. Der Bücherraub selbst wurde aber weder im Reichsbeirat noch anderswo öffentlich thematisiert. Ein Gesichtspunkt des Bücherraubs war, so unterschiedlich die praktische Bedeutung für die einzelnen Bibliotheken auch gewesen sein mag, dass es sich hier um einen Vorgang handelte, der alle betraf, an dem alle irgendwie beteiligt waren und von dem daher auch alle wussten. Und es war, insbesondere nachdem im großen Stil aus den besetzten Gebieten Bücher erbeutet wurden, ein Vorgang, der allein hinsichtlich der benötigten personellen und logistischen Kapazitäten eine nicht geringe Bedeutung für sich gehabt haben dürfte. Die erste Frage, die sich dabei stellt, ist natürlich, warum die Bibliothekare sich so ohne jeden Widerspruch, zum Teil sogar bewusst und aktiv, daran beteiligt haben. Das Konzept der Krise kann hier nicht die einzige und wesentliche Erklärung bieten, aber die krisenhafte Situation der Bibliotheken dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Denn so konnten die Bibliotheken wenigstens nach außen dokumentieren, dass sie neue Literatur erhielten und ihre Bestände kontinuierlich wuchsen. Ebenso war es wohl von Bedeutung, dass ein Teil der Bibliothekare dem neuen Regime gegenüber aufgeschlossen war und zudem die Übernahme offiziell beschlagnahmter Literatur aus damaliger Sicht rein formal kein Rechtsbruch war, basierte das Ganze doch auf gültigen Gesetzen. Die scheinbare Legalität des Vorgangs mag einer der entscheidenden Gründe dafür gewesen sein, dass die Bibliothekare diese Art der Erwerbung rasch und, soweit man das aufgrund der bisherigen Forschungen vermuten kann, weitgehend unreflektiert in ihr Erwerbungsportfolio aufnahmen. Im Krieg selbst wird dann die Euphorie der ersten, erfolgreichen Jahre weiter dazu beigetragen haben, sich über diese Art der Erwerbung keine Gedanken zu machen.

In den Jahren nach dem Krieg wurde der riesige Bücherraub rasch verdrängt. Dank des Offenbach Archival Depots der amerikanischen Besatzungsmacht waren ca. 3 Mio. Bände restituiert worden, wobei es sich vor allem um die Beutebücher handelte, die für die Bibliotheken der NS-Organisationen geraubt worden waren.[102] Das in die Bestände der Universitätsbibliotheken eingearbeitete Raubgut konnte man so leicht aus dem Rampenlicht der frühen Nachkriegszeit rücken, wie es Georg Leyh in der zweiten, 1957 erschienenen und durchgängig überarbeiteten Auflage des Handbuchs der Bibliothekswissenschaft auch tat mit der beiläufigen Einleitung: „Die aus deutschen Beschlagnahmungen gelegentlich überwiesene Literatur war wissenschaftlich fast ausnahmslos wertlos“,[103] um dann anschließend weitgehend kommentarlos auf einige wenige Beispiele geraubter Bibliotheken einzugehen.

6 Kontinuität der Krise oder Krise der Kontinuität nach 1945?

Doch nicht nur das Thema Bücherraub wurde verdrängt, auch die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte im Dritten Reich blieb in den Nachkriegsjahren aus. Vordergründig spielte dafür die schwierige Nachkriegssituation eine Rolle. Im Krieg waren in Deutschland wohl knapp ein Drittel des Gesamtbestandes wissenschaftlicher Bibliotheken und zahlreiche Gebäude zerstört worden.[104] Reorganisation und Wiederaufbau standen im Vordergrund, vor allem nachdem ab 1949 die institutionellen Rahmenbedingungen klar waren. Dazu kommt, wie bei allen Berufsgruppen, das Thema der personellen Kontinuität, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Weiterbeschäftigung von Bibliothekaren, die sich, sei es durch eine reine Mitgliedschaft in der NSDAP, sei es aus Überzeugung mit den Zielen des NS-Regimes, in irgendeiner Form identifiziert hatten, und die zumeist eine offene Diskussion allein durch ihre Präsenz verhinderten. Das Thema personelle Kontinuität muss indes differenziert betrachtet werden. Dabei sind zwei Entwicklungen voneinander zu unterscheiden: So gab es zum einen, was nicht erstaunt, nach 1945 keine offene Distanzierung gegenüber belasteten Bibliothekaren und die Entnazifizierungsprozesse dürften zu keinen größeren personellen Verschiebungen in den Bibliotheken geführt haben. Zum anderen aber kam es bei der bibliothekarischen Führungsgruppe zu einem umfassenden Revirement, das weitgehend dem Umstand zu verdanken ist, dass einige der wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe das Kriegsende nicht überlebten oder in den ersten Nachkriegsjahren starben.

Zur ersten Entwicklungslinie: Auch wenn es keine umfassende Untersuchung zur Entnazifizierung an den wissenschaftlichen Bibliotheken gibt, so kann man doch vermuten, dass belastete Bibliothekare in der Regel als Mitläufer eingestuft und damit ihre Stellen behalten konnten. An der UB Göttingen wurden zum Beispiel mit einer Ausnahme alle ehemaligen Parteimitglieder nach der Entnazifizierung weiter beschäftigt oder regulär in den Ruhestand versetzt.[105] Man darf angesichts der bisherigen Forschungen zur Entnazifizierung vermuten,[106] dass nur wenige Bibliothekare, die den Krieg überlebt hatten, nicht wieder in ihrem alten Beruf tätig werden konnten (oder wollten) und dass es keine Berührungsängste gegenüber ehemaligen Parteimitgliedern gab. Von der ehemaligen Bibliothekselite blieb nur Rudolf Kummer und, wenn man die zweite Reihe noch hinzunimmt, Joseph Kindervater sowie Joachim Kirchner die Rückkehr in den Beruf versagt. Dazu ist noch Walther Grothe anzuführen, der seit 1939 die Bibliothek der geplanten Hohen Schule der NSDAP aufbaute.[107] Karl Preisendanz wurde in Heidelberg zwar das Direktorat genommen, er konnte aber in der Funktion eines Bibliotheksrates weiter arbeiten.[108] Ernst Mehl blieb an der BSB München auf seiner Stelle, nur der geplante Aufstieg zum Generaldirektor war ihm aufgrund seiner Parteimitgliedschaft verstellt.[109] Selbst ein als Gruppe IV entnazifizierter Bibliothekar wie Carl Wehmer konnte 1953 Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg werden.[110] Und Fritz Prinzhorn leitete ab 1951 die Bibliothek des Auswärtigen Amtes. Einem prononcierten Nationalsozialisten wie Hans-Peter des Coudres gelang es, ab November 1950 am Wiederaufbau der Bibliothek des Bundesgerichtshofs mitzuarbeiten und 1952 an die Bibliothek des neuen Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Recht zu wechseln, deren Leitung er 1953 übernahm. Was übrigens von den Kollegen durchaus genau beobachtet wurde. 1952 notierte Karl Julius Hartmann in einem Brief an Georg Leyh im Postskriptum nur lapidar: „Über Dr. Des Coudres Angelegenheit bin ich unterrichtet.“[111] Die „Angelegenheiten“ wurden also beobachtet, aber nicht offen diskutiert, sondern nur intern in Andeutungen angesprochen.

Kontinuität gab es erwartungsgemäß bei der Weiterbeschäftigung ehemaliger Parteimitglieder wie mehr oder minder engagierter Nationalsozialisten, nicht aber bei den bibliothekspolitisch führenden Akteuren. Michael Knoche hat sogar einen „beispiellosen Kontinuitätsbruch“ konstatiert, ein Revirement bei den wissenschaftlichen Bibliothekaren, da viele gefallen oder bis 1950 pensioniert worden waren.[112] Besonders augenfällig ist dies bei den Bibliothekaren, die in der frühen Bundesrepublik die Entwicklung des wissenschaftlichen Bibliothekswesens maßgeblich gestaltet haben.[113] Als sich 1949 der Bibliotheksauschuss der DFG konstituierte, war es nur noch Karl Julius Hartmann, der die Kontinuität zum alten Reichsbeirat verkörperte. Dazu kann man Hermann Corsten nennen, der zwar nicht Mitglied des Reichsbeirats gewesen war, aber als Direktor der Kölner Universitätsbibliothek seine Karriere nach 1945 fortsetzen konnte. Doch war auch die neue bibliothekspolitische Führungsgruppe noch in den 1920er- oder 1930er-Jahren bibliothekarisch sozialisiert worden. Neben Hartmann und Corsten spielten jetzt eine entscheidende Rolle Gustav Hofmann von der BSB in München, Wilhelm Hoffmann von der Landesbibliothek in Stuttgart und Hermann Tiemann von der SUB Hamburg sowie mit Hanns W. Eppelsheimer ein Bibliothekar, den die Nationalsozialisten einst als Direktor der Stadtbücherei Mainz entlassen hatten, und der nach dem Krieg als Direktor der Frankfurter Universitätsbibliothek und Gründungsdirektor der Deutschen Bibliothek eine wichtige Rolle spielte. Dazu trat noch mit Martin Cremer ein Jurist und Nichtbibliothekar, der aus dem Hessischen Kultusministerium kam und 1948 mit der Leitung der Hessischen und später Westdeutschen Bibliothek in Marburg, also dem westdeutschen Zweig der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek, betraut wurde.

Die neue bibliothekarische Führungsgruppe war, wenn man von dem 1913 geborenen Martin Cremer absieht, um 1900 geboren, gehörte also noch derselben Generation an wie ihre Vorgänger im Dritten Reich. Personelle Diskontinuität in der Führungsgruppe konnte daher leicht mit Kontinuität der bibliothekarischen Konzepte einhergehen wie auch mit einer Kontinuität der das wissenschaftliche Bibliothekswesen seit den 1920er-Jahren prägenden krisenhaften Momente. So wurde die Krise der Stellung der Universitätsbibliotheken innerhalb der Universität kontinuiert, auch wenn sie zunächst einmal überlagert worden war von Fragen des Wiederaufbaus. Kontinuität gab es vor allem bei den bibliothekspolitischen Konzepten. Hier wurde in der Bundesrepublik an die Strukturen der Weimarer Republik angeknüpft.[114] Dem Bibliotheksausschuss der DFG kam dabei eine entscheidende Rolle zu und es dürfte von nicht zu unterschätzender Bedeutung gewesen sein, dass es dort in der Person von Gisela von Busse, der Leiterin des Bibliotheksreferats der DFG, eine personelle Kontinuität gab, war sie doch Stellvertreterin von Jürgens und Leiterin des Beschaffungsamtes der Notgemeinschaft gewesen.[115] Ebenso entscheidend dürfte gewesen sein, dass die Mehrheit der bibliothekarischen Mitglieder des Ausschusses in den 1920er-Jahren bibliothekarisch sozialisiert worden waren. Die jüngeren Direktoren, wie Gustav Hofmann, Wilhelm Hoffmann und Hermann Tiemann waren es, die zusammen mit Hartmann den einzigen konzeptionellen Dissidenten im Bibliotheksausschuss, Hanns W. Eppelsheimer,[116] bei seinem Versuch, eine große, zentrale National- und Forschungsbibliothek für die Bundesrepublik aufzubauen, scheitern ließen und sich für ein Konzept dezentraler Sondersammelgebiete aussprachen, das konzeptionell deutlich an das Modell der Weimarer Republik anknüpfte. Wie sehr die zweite Generation der Bibliothekare noch in der frühen Nachkriegszeit konzeptionell dominierte, zeigt nicht zuletzt die zweite von Georg Leyh herausgegebene Ausgabe des Handbuchs der Bibliothekswissenschaft, das im Kern eine inhaltliche fortgeschriebene Fortsetzung der Konzeption der ersten von Fritz Milkau herausgegebenen Auflage war.

Kontinuität der Krise oder Krise der Kontinuität? Beides trifft zu. Das wissenschaftliche Bibliothekswesen ist von der Weimarer Republik über das Dritte Reich bis zur frühen Bundesrepublik, von 1920 bis 1960, von Krisen geprägt gewesen. Zunächst war es eine Etatkrise der Weimarer Republik, die sich nach 1933 noch verschärfte, zunehmend aber von anderen krisenhaften Momenten überlagert wurde, wie der Konkurrenz durch Seminarbibliotheken oder durch die neuen, von NS-Organisationen aufgebauten Fachbibliotheken sowie der sich institutionalisierenden Dokumentationsbewegung. Dazu kann man noch die durch den Krieg verursachten Zerstörungen als ein krisenhaftes Moment sui generis hinzunehmen, welches für eine Zeit lang die anderen Krisen in den Hintergrund drängte.

Natürlich kann man die spezifische Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Krise verstehen und muss, insbesondere bei den Handlungen der zentralen Akteuren, von einem Spektrum unterschiedlicher persönlicher wie politischer Motive und Interessen ausgehen. Doch der Begriff der Krise kann ein zentrales und zudem bibliotheksspezifisches Interpretament darstellen, um die Anpassung der wissenschaftlichen Bibliothekare an den NS-Staat zu erklären. Die Angst vor dem Verlust der gerade erreichten Professionalisierung, des gerade erreichten Status, die Identifikation mit der als bedroht angesehenen Institution Bibliothek, konnten zu der Bereitschaft, sich auf das neue Regime einzulassen, beitragen. Zu welch merkwürdigen taktischen Winkelzügen dies führen konnte, illustriert der Versuch von Georg Leyh, 1940 Götz von Selle, damals stellvertretender Direktor an der Universitätsbibliothek Königsberg, zu überreden, eine Rezension über das Handbuch der Bibliothekswissenschaft für den Völkischen Beobachter zu schreiben. „Der Zweck des Aufsatzes soll sein, gegen die Nichtachtung der wissenschaftlichen Bibliotheken Stellung zu nehmen. Als Kennzeichen dieser Nichtachtung kann gelten die übertriebene Förderung der Spezialbibliotheken, die zu einer völligen Aushöhlung der Universitätsbibliotheken führt. Diese Nichtachtung ersieht man an den viel zu geringen Bücheretats, [...] Natürlich darf die wirtschaftliche Frage mit keinem Wort auch nur angedeutet werden.“[117] Hier tauchen in nuce die zentralen Krisenmomente auf, die Konkurrenz der Spezialbibliotheken, wozu insbesondere auch die einschlägigen Projekte der NSDAP gehörten, und die Etatkrise mit all ihren Konsequenzen. Und dies führte dann dazu, dass Leyh noch 1940 glaubte, fast ähnlich naiv wie Fick 1933, mit einer derart lancierten Rezension im Parteiorgan der NSDAP bibliothekspolitische Wirkung erzielen zu können.

Das Interpretament der Krise hat noch andere Facetten. So kann man die Wiederaufbauphase auch als eine Krise der Kontinuität verstehen. Kontinuität bezieht sich dabei vor allem auf die Konzepte. Aus der Erwerbungskrise der Weimarer Republik war ein neues Konzept zentraler Beschaffung durch den Bibliotheksausschuss der Notgemeinschaft entstanden. Dieses Modell wurde mit Modifikationen nach 1945 wieder aufgegriffen. Außerdem wurde das bibliothekarische Modell und Selbstverständnis, wie es vor 1914 ausgebildet worden war, weiter tradiert. Krise der Kontinuität bezieht sich aber auch darauf, dass unterhalb der engeren Führungsgruppe des Bibliotheksausschusses der DFG von einer weitgehenden personellen Kontinuität bei politisch belasteten Bibliothekare ausgegangen werden muss, was auch dazu führte, dass, wie bei den meisten Berufsgruppen, die NS-Zeit nicht oder wenn, nur gleichsam hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde.[118] Das konnte auch einmal zu kurzfristigen Eruptionen führen, wie Sven Kuttner am Beispiel der Buzas-Wieder-Kontroverse gezeigt hat, bei der ein sachlicher Konflikt um das bibliothekarische Selbstverständnis verquickt war mit der Zugehörigkeit eines der Kontrahenten, nämlich Ladislaus Buzas, zur ungarischen Waffen-SS,[119] nicht aber zu einer umfassenden, den lokalen Kontext überschreitenden Debatte.

Erst in den 1960er-Jahren gelang einer neuen, dritten Generation professionalisierter Bibliothekare im Kontext der Gründung neuer Universitäten ein konzeptioneller Durchbruch mit dem Aufbau einschichtiger Bibliothekssysteme und der Einführung computerbasierter Ausleih- und Katalogsysteme.[120] Der Durchbruch kam freilich nicht ganz überraschend. Auch in den 1950er-Jahren hatte es ein agiles Element im deutschen Bibliothekswesen gegeben – das von Gisela von Busse geleitete Bibliotheksreferat der DFG. Vielleicht ist es kein Zufall, dass von Busse als ehemalige Stellvertreterin von Adolf Jürgens aus der Tradition des Beschaffungsamtes der Notgemeinschaft kam, jener Einrichtung, die bereits in der Weimarer Zeit ein zentrales, modernisierendes Element gewesen war.

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Published Online: 2017-11-28
Published in Print: 2017-11-23

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