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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2020

Hauke, Petra; Charney, Madeleine; Sahavirta, Harri (Hrsg.) (2018): Going Green: Implementing sustainable Strategies in Libraries around the World. Buildings, Management, Programmes and Services. IFLA Publications 177; X, 234 S., 1 Abb. (sw), 60 Abb. (Farbe), 14 Tab. (s/w). Gebunden: € 99,95, ISBN 978-3-11-060584-6, eBook: € 99,95, PDF ISBN 978-3-11-060887-8, EPUB ISBN 978-3-11-060599-0

  • Cornelia Vonhof EMAIL logo

Rezensierte Publikation:

Hauke, Petra; Charney, Madeleine; Sahavirta, Harri (Hrsg.) ( 2018 ): Going Green: Implementing sustainable Strategies in Libraries around the World. Buildings, Management, Programmes and Services. IFLA Publications 177; X, 234 S., 1 Abb. (sw), 60 Abb. (Farbe), 14 Tab. (s/w). Gebunden: € 99,95, ISBN 978-3-11-060584-6, eBook: € 99,95, PDF ISBN 978-3-11-060887-8, EPUB ISBN 978-3-11-060599-0


Der lange Titel dieser englischsprachigen Aufsatzsammlung ist sprechend. Er beschreibt den Inhalt in seiner Breite. Er macht aber vor allem deutlich, dass „Going Green“ weit mehr ist, als ökologische Maßnahmen im engeren Sinne zu verfolgen. Das Buch, das als IFLA Publication 177 2018 im De Gruyter Verlag erschienen ist, wurde von Petra Hauke, Madeleine Charney und Harri Sahavirta herausgeben.

Die Entstehungsgeschichte ist ungewöhnlich und soll deshalb skizziert werden. Inhaltlicher Ausgangspunkt für die Beiträge des Buches war ein zweitägiges Satellite-Meeting der IFLA Special Interest Group ENSULIB[1] 2017 in Berlin. „Collaborative Strategies for Successful Green Libraries: Buildings, Management, Programmes and Services“. Die Papers, die auf dem Satellite-Meeting präsentiert wurden, bilden den Grundstock des Buches. Ergänzt werden sie durch Papers, die für den IFLA Green Library Award 2017 eingereicht worden waren und durch Papers für ein Satellite-Meeting in Warschau 2017. An diesen Quellen, die das Buch nutzt, lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie aktiv und engagiert die Green-Library-Community auf dem internationalen Parkett ist. Doch damit nicht genug: Studierende der Fachhochschule Potsdam übernahmen das Projektmanagement des Satellite-Meetings in Berlin, und Studierende des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, haben die Publikation in einem der „Buchidee-Projekte“, einer Lehrveranstaltungsreihe, die schon zahlreiche bemerkenswerte Fachbücher hervorgebracht hat,[2] editorisch betreut. Ein Buchprojekt mit vielen Müttern und Vätern also. Es gibt jedoch eine Person, die das Verbindungsglied zwischen den zahlreichen Akteuren ist: Petra Hauke. Sie ist der Motor, wenn es darum geht, das Thema Nachhaltigkeit in seiner ganzen Breite in die nationale und internationale Fachcommunity zu tragen. Das vorliegende Buch ist ein Musterbeispiel dafür.

Sie ist Lehrbeauftragte am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, und in dieser Funktion leitet sie die Buchidee-Projekte. Seit 2005 ist sie Mitglied in verschiedenen Standing Committees von IFLA-Sektionen und Gründerin der IFLA Environmental Sustainability and Libraries Special Interest Group „ENSULIB“.

Das Buch gliedert sich in drei Teile: Teil 1 General, Teil 2 Public Libraries und Teil 3 Academic Libraries. Beeindruckend ist in allen drei Teilen, die Internationalität der Beiträge. Sie kommen selbstverständlich aus Europa (Finnland, Schweden, Spanien, Portugal, Serbien, Ukraine und Deutschland), aber auch aus Afrika (Kenia, Uganda und Kamerun), aus Asien (Hong Kong, und China) sowie aus Brasilien.

Sehr lesenswert ist der einführende Beitrag von Harri Sahavirta, der den Versuch unternimmt zu definieren, was Nachhaltigkeit im Kontext von Bibliotheken bedeutet. Er bringt es letztlich auf die Formel „Sustainability = Responsibility + Responsiveness + Respectfulness“. Mit diesem weitgehenden Verständnis setzt er den Ton und den Rahmen des Buches. Weitere Beiträge im ersten Teil des Buches untersuchen z. B. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis und der Herangehensweise an das Thema Nachhaltigkeit von Bibliotheken, die sich 2016 für den Green Library Award beworben haben. Überraschend, aber nach der Lektüre durchaus einleuchtend, ist die Aufnahme eines Beitrags über kontemplative Pädagogik in der Hochschulausbildung und in Hochschulbibliotheken der USA. Beleuchtet wird, wie Achtsamkeit und Resilienz einerseits Mitarbeitende in Bibliotheken, andererseits aber auch Studierende in wissenschaftlichen Bibliotheken stärken kann. Den Bezug zu ausgewählten Sustainable Development Goals der UN herzustellen, fällt nicht schwer.

In den weiteren Beiträgen wird anhand konkreter Fallbeispiele gezeigt, was öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken tun, um einerseits ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, aber andererseits auch, was sie tun, um Nachhaltigkeit umfassender zu verstehen (im Sinne der Definition von Sahavirta), indem sie soziale Verantwortung übernehmen und als Multiplikatoren in die Gesellschaften hinein wirken.

Sehr deutlich wird in einzelnen Fallbespielen, dass es zwei zentrale Motivationen der Verantwortlichen in den Bibliotheken gibt, sich für Nachhaltigkeit und „Going Green“ zu engagieren. Es ist zum einen ein sehr persönliches Engagement, aus dem heraus agiert wird. Es ist aber zum anderen aber die Überzeugung, dass es gelingen kann, die Bibliothek in der öffentlichen Wahrnehmung glaubwürdig mit dem Thema Nachhaltigkeit zu verknüpfen. Dies wiederum trägt dazu bei, dass Bibliotheken als gesellschaftlich relevante Institutionen wahrgenommen werden.

Allen Kapiteln sind jeweils ein Quellenverzeichnis und teilweise auch weiterführende Literaturhinweise beigegeben. Grafiken und Fotos lockern das Buch auf und illustrieren die Fallbeispiele sehr gut. Leider ist die Qualität der Illustrationen oft nicht zufriedenstellend.

Möglicherweise ist die Gliederung des Buches nach Bibliothekssparten, also in öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken, der oben geschilderten Entstehungsgeschichte geschuldet. Zwingend ist sie nicht. Denkbar gewesen wäre auch eine thematische Gliederung entlang der Handlungsbereiche, die im Buchtitel genannt sind. Allerdings muss man zugestehen, dass die meisten Beitragenden aufzeigen, dass in ihrer Praxis bereits ein weites und umfassendes Verständnis von Nachhaltigkeit gelebt und daher mehr als ein Handlungsbereich bearbeitet wird. Denkbar gewesen wäre auch eine Gliederung nach Bibliotheksgrößen, denn die Praxisbeispiele zeigen, dass es nicht (nur) von der Größe einer Bibliothek abhängt, ob und wie sie aktiv wird, sondern viel mehr vom Engagement und der Prioritätensetzung der Menschen in diesen Bibliotheken. Mit einer solchen Gliederung hätte man einem zumindest in Deutschland beliebten (Killer-)Argument „wir sind zu klein, um ...“ oder wahlweise auch „wir sind zu groß, um ...“ praktische Gegenbeispiele entgegenhalten zu können.

Das Buch bietet theoretische Grundlagen und ist zugleich eine gut lesbare Fallsammlung, die Anregungen gibt, was unterschiedlichste Bibliotheken bereits tun, wie sie vorgehen, welche Erfahrungen sie gemacht und was sie dabei gelernt haben. Damit bietet es Interessierten und noch Zögerlichen Inspiration und Argumente. Eine gute Mischung.

Online erschienen: 2020-04-09
Erschienen im Druck: 2020-04-03

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 5.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/bfp-2020-0011/html
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