Sarah Fallert and Tilman Scheel

AVA – europäische und internationale Arthouse- und Festivalfilme

De Gruyter | 2020

Zusammenfassung

AVA (Audio Visual Access) ist ein europäischer Video-Streaming-Dienst für Bibliotheken, der eine kuratierte Auswahl an europäischen und internationalen Arthouse- und Festivalfilmen aller Genres und Filmtypen anbietet. AVA verfolgt einen modularen und flexiblen Ansatz, der es Bibliotheken ermöglicht, eine für die spezifischen Bedürfnisse der Einrichtung passende Streaming-Plattform zusammenzustellen.

1 Einleitung

AVA (Audio Visual Access) ist ein europäischer Video-Streaming-Dienst für Bibliotheken, der eine kuratierte Auswahl an europäischen und internationalen Arthouse- und Festivalfilmen aller Genres und Filmtypen anbietet – neben Spielfilmen kommen Bibliotheksnutzer in den Genuss von Dokumentationen und Kurzfilmen, die auf anderen Streaming-Plattformen nur schwer zu finden sind.[1] AVA verfolgt einen modularen und flexiblen Ansatz, der es Bibliotheken ermöglicht, eine für die spezifischen Bedürfnisse der Einrichtung passende Streaming-Plattform zusammenzustellen. Jede Bibliothek erhält dabei eine eigene Plattform mit eigener URL, eigenem Branding (z. B. durch Integration des Logos) und der von ihr gewünschten Authentifizierungsmethode für die Nutzer. Die auf AVA eingestellten Inhalte sind für die Nutzer bequem von zu Hause aus und ohne zusätzliche Kosten rund um die Uhr unbegrenzt nutzbar – ohne Einschränkungen hinsichtlich der parallelen Nutzung durch mehr als eine Person.

Abb. 1 Homepage einer AVA-Plattform

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Homepage einer AVA-Plattform

AVA ist ein Produkt der reelport GmbH, die seit 2005 besteht und Online-Plattformen für die Filmindustrie betreibt. Zu den Kunden der reelport GmbH zählen die European Film Academy, deren Mitglieder über den Streaming-Server der reelport GmbH die Filme auswählen, die einen Preis erhalten sollen, oder die MIP, der größte TV-Markt der Welt, für die reelport Video-Server vor Ort bereitstellt, aber auch das Online-Ausspiel der im Markt gehandelten Filme übernimmt.

2 AVA’s europäische Dimension

AVA hat seit seinen Anfängen eine europäische Dimension und wurde 2016 bis 2019 durch die Europäische Kommission durch das Programm Creative Europe MEDIA gefördert. Wir arbeiten mit Festivalpartnern und Bibliotheken in verschiedenen europäischen Ländern zusammen – vom hohen Norden in Finnland bis ins sonnige Süditalien, von Portugal an der Westküste des Kontinents bis nach Serbien im Herzen Südosteuropas.

Entstanden ist AVA 2016 aus der zunächst lokalen Kooperation von Öffentlichen Bibliotheken und Filmfestivals aus der jeweiligen Region, beispielsweise zwischen der Serbischen Nationalbibliothek sowie den Öffentlichen Bibliotheken Belgrads und dem Belgrader Dokumentarfilmfestival Beldocs[2] oder zwischen den Öffentlichen Bibliotheken im irischen Cork und dem Cork International Film Festival.[3]

Inzwischen wandern die von unseren europäischen Festivalpartnern kuratierten Filmpakete durch ganz Europa, Dokumentarfilme des tschechischen Festivals Ji.hlava IDFF[4] und des serbischen Festivals Beldocs beispielsweise sind auf der AVA-Plattform der UB Bern zu sehen und bestücken zu großen Teilen die Filmkollektion zu Osteuropa.[5]

2019 haben wir außerdem eine pan-europäische Plattform für verschiedene Bibliothekspartner in ganz Europa aufgesetzt: AVA EU.[6] Insgesamt 15 Bibliotheken aus Tschechien, Serbien, England, Irland, Portugal und Finnland konnten auf die Filme der Plattform zugreifen, die allesamt von Festivalpartnern von AVA kuratiert wurden. Gezeigt wurden Dokumentar- und Kurzfilme von Filmfestivals aus Serbien (Beldocs), Portugal (Doclisboa[7]), Irland (Cork International Film Festival), England (Sheffield Doc/Fest[8]) und Italien (La Guarimba International Film Festival[9]).

Ziel der Plattform war es, Festivalinhalte auch außerhalb der Filmscreenings europaweit zu verbreiten und das audiovisuelle Kulturerbe Europas Bibliotheksnutzern an verschiedenen Orten des Kontinents bequem und kostenfrei zugänglich zu machen. AVA EU wurde durch die Förderung durch Creative Europe MEDIA ermöglicht und stand den beteiligten Bibliotheken ein Jahr lang kostenfrei zur Verfügung.

3 Lizenzierung von Filmen für den AVA-Katalog

Die reelport GmbH übernimmt für die auf AVA verfügbaren Filme die Rechteklärung mit den Rechteinhabern. Dies können die Filmemacher selbst sein, lokale Filmverleihe oder weltweit agierende World Sales Agents.

Die reelport GmbH erwirbt für den AVA-Filmkatalog nicht-exklusive Subskriptions-Video-on-Demand-Lizenzen für den Bildungsbereich (Educational Subscription-Video-on-Demand Licenses), d. h., die Filme werden nicht gekauft, sondern über den vereinbarten Zeitraum lizenziert und können ausschließlich durch Bildungseinrichtungen und deren Nutzer ausgewertet werden.[10] Wir schließen standardmäßig Lizenzverträge mit einer Laufzeit von zwei Jahren ab, mit automatischer Verlängerung um jeweils ein weiteres Jahr. Die für AVA lizenzierten Filme bleiben somit in aller Regel langfristig, d. h. über die Zeitdauer der automatisch verlängerten Lizenzierung, im Programm und können von den Bibliotheken, sofern gewünscht, auf unbestimmte Dauer über AVA angeboten werden.

Rechteinhaber sind natürlich grundsätzlich berechtigt, den Lizenzvertrag nach Ablauf des Lizenzierungszeitraums zu kündigen, d. h. nach Ablauf von zwei Jahren bzw. bei automatischer Verlängerung nach jedem weiteren Jahr. Dies ist bisher nicht vorgekommen und passiert normalerweise auch nur dann, wenn ein Film an einen anderen Anbieter exklusiv lizenziert wird, d. h. nicht mehr parallel auf anderen Plattformen gezeigt werden darf. Im Bereich der Arthouse- und Festivalfilme, die AVA vertreibt, ist dies kaum zu erwarten, da exklusive Rechte sehr teuer sind und nur von den „Big Playern“, den internationalen, global operierenden Video-Streaming-Anbietern für große Produktionen aus Hollywood o. ä. bezahlt werden.

Die reelport GmbH kooperiert mit Filmverleihern in einem Revenue-Share-Modell, d. h., die Einnahmen aus den Lizenzgebühren, die den Bibliotheken in Rechnung gestellt werden, werden zu variablen Prozentsätzen mit den Rechteinhabern geteilt. In manchen Fällen wird ein Teil der Einnahmen aus den Lizenzgebühren, die an AVA gezahlt werden, noch mit weiteren „Zwischenhändlern“ geteilt, z. B. mit Filmfestivals, die für AVA thematische Pakete zusammenstellen und für ihren kuratorischen Aufwand entschädigt werden.

Bei der Auswahl der Filme arbeiten wir sowohl mit renommierten Filmverleihern zusammen als auch eng mit verschiedenen europäischen Filmfestivals, die für AVA Festivalpakete kuratieren. Neben Spielfilmen können Bibliotheksnutzer auch Dokumentarfilme und Kurzfilme streamen, die außerhalb von Festivals kaum zu sehen sind und bei kommerziellen Anbietern keinen Platz finden. Uns ist es besonders wichtig, europäische Arthouse- und Festivalfilme zu verbreiten und möglichst diverse Nutzergruppen mit unserem Angebot anzusprechen.

Die Akquise von Filmen folgt bei AVA verschiedenen Qualitätskriterien, z. B. Ratings und Bewertungen in einschlägigen Filmdatenbanken (IMDb, Rotten Tomatoes), Kritiken in relevanten Fachzeitschriften, Screening der Filme bei renommierten Festivals, Auszeichnung mit Preisen und Kinoauswertung der Filme. Um nur ein paar Beispiele an Filmen zu nennen, die im AVA-Katalog zu finden sind: Der erste südafrikanische Spielfilm mit Besetzung durch ausschließlich schwarze Schauspieler „Joe Bullet“[11] (1973, Südafrika) von Louis de Witt, der preisgekrönte Spielfilm „Winterschlaf“[12] (2014, Türkei) von Nuri Bilge Ceylan, der mit der Goldenen Palme bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wurde, der ebenfalls preisgekrönte Dokumentarfilm „Seefeuer“[13] (2016, Italien) von Gianfranco Rosi, der bei der Berlinale den Goldenen Bären gewann, der Kurzfilm „Blue“[14] (2018, Frankreich) des mehrfach preisgekrönten thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul, der Dokumentarfilm „Ex Libris“[15] von Frederick Wiseman (2017, USA) über die New York Public Library, der Spielfilm „Sag nicht, wer du bist!“[16] des gefeierten kanadischen Regisseurs Xavier Dolan (2013, Kanada) und viele mehr.

4 Kuratierte Filmangebote für Bibliotheken

Wir geben Bibliotheken die Möglichkeit, bereits bei der Auswahl der Filme aktiv beteiligt zu sein und den AVA-Katalog mit dem jeweiligen Erwerbungsprofil der Einrichtung abzustimmen. Dafür kuratieren wir unsere Filme in verschiedene Filmpakete, mit formalem (z. B. Kurzfilme, Animationsfilme usw.), regionalem (z. B. lateinamerikanische Filme) oder inhaltlichem Fokus (z. B. Filme zum Thema Migration). Diese Filmpakete können entweder zusätzlich zu unserem Basispaket „AVA Library“ dazu gebucht oder frei kombiniert werden. „AVA Library“ umfasst in Deutschland aktuell einen Katalog von 500 Filmen unterschiedlicher Filmtypen und -genres, in der Schweiz und in Österreich einen Katalog von 300 Filmen.[17] Daneben bietet AVA eine Vielzahl thematischer Filmpakete zur Auswahl an, darunter solche mit regionalem Fokus (z. B. Fokus: Lateinamerika, Fokus: Afrika, Fokus: Osteuropa, Made in Germany), formalem Fokus (z. B. Musikdokumentationen, Animierte Traumwelten, Vom Papier auf die Leinwand) oder inhaltlichem Fokus (z. B. Fokus: Migration, Fokus: LGBTQ, Frauen auf der Leinwand, Kulinarisches Kino) sowie Festivalkollektionen (z. B. Auswahl Berlinale, Auswahl Cannes) (siehe Abb. 2).[18]

Abb. 2 AVA’s Angebot an thematischen Filmpaketen

Abb. 2

AVA’s Angebot an thematischen Filmpaketen

Durch den Schwerpunkt auf der Kooperation mit Festivals bietet AVA Bibliotheken außerdem die Möglichkeit, regionale oder thematische Schwerpunkte zu setzen und Filme von Festivals aus der Region auch nach Ende der Filmvorführungen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB)[19] beispielsweise bezieht seit Beginn der Kooperation mit AVA Filme des Berliner Kurzfilmfestivals interfilm,[20] und für die Universitätsbibliothek Bern stellen wir ein Paket des Berner Musikdokumentarfilmfestivals Norient[21] zusammen, das seit November auf der entsprechenden AVA-Plattform[22] verfügbar ist.

5 Kundenspezifische Präsentation von Inhalten

AVA’s kuratorischer Ansatz geht jedoch über die Zusammenstellung thematischer Pakete hinaus. Auch bei der Präsentation der Inhalte auf den Kundenplattformen stellen wir in Kooperation mit den Bibliothekspartnern zu aktuellen Anlässen und Programmschwerpunkten inhaltliche Kollektionen zusammen.

So kuratieren wir für die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), die Teil des VÖBB ist, in regelmäßigen Abständen inhaltliche Kollektionen oder kleinere Themenslider, die auf die von der Bibliothek kuratierten Themenräume abgestimmt sind. Als Beispiele wären die „Auswahl Berlinale“ zu nennen, die wir seit 2019 aus Anlass des gleichnamigen Themenraums gestartet haben, die Auswahl an filmischen Highlights zum 75. Jahrestag des Kriegsendes „Mai 1945 erinnern“ oder seit August 2020 eine Auswahl zum Thema „Umwelt und Klima“.

Bei dieser Art der kundenspezifischen Kuratierung stehen wir in engem und kontinuierlichem Austausch mit unseren Ansprechpartnern in den Bibliotheken. Wir machen Themenvorschläge oder werden gezielt zu Filmen für bevorstehende Veranstaltungen oder Themenschwerpunkte angefragt. Auch aktuell kooperieren wir mit dem Themenraum-Team der ZLB. So werden im Themenraum „Klima“ in der Amerika-Gedenkbibliothek Kurzfilme aus dem AVA-Katalog an Sichtungsstationen und an einem Bildschirm zwischen Ende August und Anfang Oktober 2020 zu sehen sein.

Wir unterstützen Bibliotheken zudem bei der öffentlichkeitswirksamen Bewerbung der AVA-Plattformen: durch unsere Auftritte in den Sozialen Medien (Facebook, Twitter), durch individuelles Marketingmaterial für die einzelnen Plattformen (z. B. Online-Banner, die auf den Webseiten der Einrichtungen platziert werden können) und durch Printmaterialien wie Poster, Postkarten oder Lesezeichen. Daneben sind wir daran interessiert, bei Veranstaltungen vor Ort in das jeweilige Angebot der AVA-Plattform einzuführen und Fragen der Mitarbeiter und Nutzer zu beantworten. An der ZLB stellte das AVA-Team mehrfach vor Ort im Haus Amerika-Gedenkbibliothek das Filmangebot AVA vor, z. B. im Rahmen des Forum Film Berlinale 2019 oder bei dem Format „Gewusst wie ... in 30 Minuten. AVA – digitales Filmstreaming“ 2019.

6 Maßgeschneiderte Kundenplattformen

Die reelport GmbH setzt für jeden Bibliothekskunden eine eigene, individuelle Plattform auf. Dies betrifft sowohl die Auswahl der Filme als auch die Präsentation der Inhalte und die Gestaltung des Web-Interfaces. Alle AVA-Plattformen sind frei von Werbung und es werden keinerlei personenbezogene Daten der Nutzer gespeichert.

Alle AVA-Kunden erhalten ihre individuelle Plattform mit eigener URL, eigenem Branding und der von ihnen gewählten Authentifizierungsmethode für die Nutzer. Dies kann, v. a. bei Hochschulen, z. B. per VPN-Zugriff geschehen, d. h., die Nutzer sind bei AVA angemeldet, sobald sie sich in das VPN-Netzwerk ihrer Einrichtung einwählen. In Öffentlichen Bibliotheken authentifizieren wir üblicherweise per Schnittstelle zu dem Bibliothekssystem der Einrichtung und bekommen aus diesem in Form eines „hash values“, d. h. in anonymisierter Form die Information zurückgespielt, ob die eingegebenen Ausweisdaten zu einem gültigen Bibliotheksausweis gehören und welches Alter der Nutzer hat. Bei dieser Art der Authentifizierung ist es zudem möglich, einen Abgleich zwischen der Altersfreigabe eines Films und dem Alter der Nutzer automatisch durchzuführen und den Nutzern ausschließlich Zugang zu altersgerechten Filmen zu geben.

Wir bieten Bibliotheken außerdem die Möglichkeit, das Plattform-Interface um weitere Sprachversionen zu ergänzen – im deutschsprachigen Raum bieten wir unsere AVA-Plattformen bereits standardmäßig multilingual auf Deutsch und Englisch an.

Die Nutzungsstatistiken ihrer individuellen AVA-Plattform können Bibliotheken per Zugang zu ihrem eigenen Statistik-Backend einsehen und dort die Daten flexibel nach Zeiträumen filtern. Auch hier werden keinerlei personenbezogene Daten von AVA gespeichert, sondern Zugriffe auf die Filme und Besuche der Plattform-Webseite anonymisiert getrackt.

Neben Statistiken spielen v. a. Metadaten, ihr Austausch und ihre Normierung in Bibliotheken eine große Rolle. Wir stellen Bibliothekseinrichtungen die Metadaten ihrer jeweiligen AVA-Plattform im Austauschformat MARC21 zur Verfügung, das noch immer den De-facto-Standard in den meisten deutschen Bibliotheken darstellt. Die Daten können in den eigenen Bibliothekskatalog eingespielt werden und von Nutzern bereits bei der Recherche am OPAC oder im Discovery System aufgefunden werden. Dadurch werden separate Datensilos vermieden und zudem thematisch zusammengehörende Medien aus dem Bestand gemeinsam aufgefunden, etwa ein Film, der sowohl auf AVA als auch auf DVD in der Bibliothek vorliegt, das dazugehörige Drehbuch usw. Durch die von der Deutschen ISIL-Agentur und Sigelstelle an AVA vergebene ISIL[23] und Produkt-ID,[24] können unsere MARC-Daten außerdem eindeutig AVA als Quelle zugeordnet werden.

Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), das seit Juni für ein Konsortium aus deutschen Hochschulen „AVA Library“ lizenziert, arbeitet beispielsweise mit den MARC-Daten von AVA, die bereits in den Verbundkatalog eingespielt wurden.[25]

Wir stehen bezüglich unserer MARC-Daten zudem mit der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Kontakt, um die Qualität der von uns gelieferten Metadaten sicherzustellen, und sind sehr daran interessiert, diesen Dialog weiter auszubauen und etwa die zentralen Normdateien der Bibliothekswelt in unsere Datensätze einzubinden.

7 AVA’s Geschäftsmodell

Für die Nutzer der Bibliothekseinrichtungen, die mit AVA kooperieren, ist die Nutzung der AVA-Plattformen kostenlos. Die einzigen Kosten, die anfallen können, sind die Jahresgebühren für den Bibliotheksausweis der Einrichtung, mit dem die Nutzer sich in die Plattform einloggen.

Im modularen Paket-Modell von AVA können Bibliotheken flexibel Filmpakete und zusätzliche Services kombinieren (siehe Abb. 3).

Abb. 3 AVA’s modulares Paket-Modell

Abb. 3

AVA’s modulares Paket-Modell

Das Setup bildet den Grundbaustein einer jeden AVA-Plattform. Die einmalige Setup-Gebühr umfasst das Aufsetzen der individuellen Kundenplattform mit eigener URL und eigenem Branding sowie die Anbindung der Authentifizierung der Nutzer nach der von der Bibliothek gewünschten Methode. Der Standardpreis liegt dabei bei 500 Euro. Höhere Kosten fallen lediglich an, wenn spezielle Wünsche bei der Authentifizierung bestehen und dabei zusätzlicher Entwicklungsaufwand anfällt, etwa wenn mehrere Bibliothekssysteme an eine Plattform angebunden werden müssen.

Dazu kann das Basispaket „AVA Library“ gebucht werden, das eine kuratierte Auswahl von 500 Filmen in Deutschland und 300 Filmen in Österreich und der Schweiz bereitstellt. Das Basispaket kann optional um weitere thematische Pakete ergänzt werden.

Es ist ebenfalls möglich, auf das Basispaket zu verzichten und zum Setup passgenau thematische Pakete zu buchen. Die thematischen Pakete können dabei ganz frei kombiniert werden.

Zu der Kombination aus Setup und Filmpaketen können flexibel weitere Pakete mit Zusatzleistungen hinzugebucht werden, z. B. die Übersetzung des Web-Interfaces in eine weitere Sprache, das Einstellen eigener Inhalte auf AVA oder die Akquise von einzelnen Filmen durch AVA „on demand“.

Die Lizenzierung einer AVA-Plattform ist sowohl für Einzeleinrichtungen als auch im konsortialen Verbund möglich. Konsortien bieten wir darüber hinaus Rabatte mit wachsender Zahl an Konsortialteilnehmern an.[26]

8 Ausblick

Der Streaming-Markt ist sehr dynamisch und wächst kontinuierlich. Wir arbeiten nicht nur beständig daran, unseren Filmkatalog zu erweitern und eine möglichst große Spannbreite an Themen abzubilden, sondern auch daran, die AVA-Plattformen auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Usability, Barrierefreiheit und Multilingualität sind für uns zentral. Außerdem ist es uns wichtig, den Anforderungen von Bibliotheken mit Blick auf Datenaustausch, technische Anbindung der Plattformen und statistische Auswertung der Nutzungsdaten gerecht zu werden. Die Anforderungen können hierbei je nach Land und Bibliothekstyp variieren und sich im Laufe der Zeit zudem verändern.[27]

An dieser Stelle wären insbesondere zwei Aspekte zu nennen, auf die wir in der Weiterentwicklung der AVA-Plattformen aktuell den Fokus legen. Zum einen arbeiten wir daran, Bibliotheken das Einstellen eigener Inhalte auf den AVA-Plattformen zu ermöglichen. Digitale oder retrodigitalisierte Inhalte, für die die Bibliothekseinrichtungen bereits Lizenzen vorhalten oder die lizenzfrei sind, sollen auf der entsprechenden AVA-Plattform hochgeladen und den Nutzern der Einrichtung zugänglich gemacht werden. Eine solche Repositoriumsfunktion wird vielfach gewünscht und an uns herangetragen, allerdings sind die genauen Anforderungen nicht immer eindeutig, um welche Inhalte in welcher Menge es sich handeln würde, ob entsprechende Rechte vorliegen und welche Anforderungen an die dauerhafte Speicherung und Archivierung der Filmdateien gestellt werden.

Zum anderen arbeiten wir an der weiteren Personalisierung der AVA-Plattformen, z. B. durch das Anlegen einer Merkliste oder Empfehlungen ähnlicher Filmtitel zu den gesuchten, gemerkten oder bereits geschauten Inhalten im Rahmen der strengen Datenschutzauflagen der Datenschutz-Grundverordnung.

Literaturverzeichnis

Bohn, Anna (2017): Sharing Moving Image Metadata and Streaming Video on Demand Content – The Project AVA as a Use Case for Cross Domain Cooperation between Film Festivals and Public Libraries. In: IFLA WLIC 2017. Wrocław. Libraries. Solidarity. Society. Verfügbar unter http://library.ifla.org/1769/1/114-bohn-en.pdf. Search in Google Scholar

Bohn, Anna; Mutter, Moritz (2020): Video-Streaming in Bibliotheken – vom Pilotprojekt zum internationalen Publikum. In: BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis, 44 (2),135–47. DOI: 10.1515/bfp-2020-2090. Search in Google Scholar

Fallert, Sarah; Scheel, Tilman (2020): Video-Streaming in Bibliotheken: Herausforderungen und Chancen aus Anbietersicht. In: BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis, 44 (3), 454–69. DOI: 10.1515/bfp-2020-2031. Search in Google Scholar