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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 27, 2021

Stadtbücherei Tübingen – das Konzept „Grüne Bibliothek“

Tübingen Public Library – the “Green Library” Concept
  • Monika Fridrich

    Veranstaltungen, Grüne Bibliothek, Stadtbücherei Tübingen, Nonnengasse 19, D-72070 Tübingen

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Zusammenfassung

Die Stadtbücherei Tübingen bietet als Ort der Integration, Inklusion und Diversität freien Zugang zu Wissen und Information. Als Akteur im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt sie Kompetenz und Bewusstsein für ökologische und globale Themen. Ihre eigenen Arbeitsabläufe gestaltet sie so nachhaltig wie möglich. Damit folgt sie sowohl den Nachhaltigkeitszielen der UN Agenda 2030 als auch den Zielen des Klimaschutzprogramms der Stadt Tübingen.

Abstract

Being a place of integration, inclusion, and diversity, the Tübingen Public Library offers free access to knowledge and information. As a contributor to education for sustainable development it provides competence and awareness in ecological and global issues. It organises its own work processes to be as sustainable as possible. Thereby, it follows the sustainable development goals of the UN Agenda 2030 as well as the goals of the climate protection programme of the city of Tübingen.

1 Einleitung: Nachhaltigkeit, Bibliotheken und Gesellschaft

„[G]ebackenes Brot, schmackhaft und sättigend für einen Tag, aber Mehl kann man nicht säen, und die Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“.[1] 1795 formulierte Johann Wolfgang von Goethe in seinem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ dieses Sinnbild für Nachhaltigkeit. Aber welche Bedeutung haben die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung in heutiger Zeit? Die Suchmaschine Google liefert bei Eingabe der Begriffe Nachhaltigkeit und Sustainability in Sekundenschnelle über vier Millionen Ergebnisse – ein Zeugnis davon, wie sehr die Auseinandersetzung mit den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit derzeit boomt. Menschen fühlen sich zunehmend global zugehörig und verantwortlich, gängige Konsummuster werden immer kritischer hinterfragt. Die Fridays-for-Future-Bewegung hat das Thema Klimaschutz in den Schlagzeilen der Nachrichten und auf den Agenden politischer Diskurse platziert. Getragen von einem wachsenden Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein der Menschen entwickelte sich in den Bereichen Ökologie, Wirtschaft und Ethik über die letzten Jahre eine neue Lebenseinstellung, die mittlerweile unseren kompletten Alltag beeinflusst. „Sharing Economy“ wurde von Wirtschaft und Gesellschaft bereits aufgegriffen und verbreitet sich zunehmend – ein Trend, der die elementare Aufgabe einer Bibliothek beschreibt.[2] Eine Öffentliche Bibliothek steht damit nicht nur inmitten dieser gesellschaftlichen Prozesse, sondern ist in vielerlei Hinsicht selbst Ort nachhaltigen Handelns.

Die Idee von Nachhaltigkeit in Bezug auf das eigene Handeln ist schon Jahrhunderte alt und geht auf den Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) zurück. Er übertrug sie auf die Forstwirtschaft mit dem Ziel der Schaffung eines stabilen Gleichgewichts, was für ihn bedeutete: In einem Wald sollten nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie in absehbarer Zeit nachwachsen können.[3] Dadurch konnte langfristig der Bestand des Waldes sichergestellt werden, der die Basis der Forstwirtschaft bildete.[4] Viel später, im Jahr 1983, erlangte der Begriff internationale Relevanz, vor allem durch den Bericht der sog. Brundtland-Kommission, der erstmals eine Definition von nachhaltiger Entwicklung formulierte: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“[5] Die Vereinten Nationen hatten diese Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter der Leitung der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland eingesetzt. Der Auftrag lautete, langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen, die zugleich umweltschonend sind.Wirtschaftliche Wünsche und Ansprüche, ökologische Bedingungen und sozial vertretbares Handeln sollten in Einklang gebracht werden: Ziele, die als Basis für nachhaltige Entwicklung von der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro entwickelt und festgelegt wurden.[6]Die Frage einer nachhaltigen Entwicklung gewann daraufhin immer stärker an Bedeutung. 2015 verabschiedete die UN-Vollversammlung im Rahmen des UN-Nachhaltigkeitsgipfels die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“[7] mit dem Ziel, innerhalb von 15 Jahren durch eine Vielzahl entsprechender Maßnahmen die Lebensverhältnisse für alle Menschen nachhaltig zu verbessern und für künftige Generationen den Schutz der Erde sicherzustellen. Kernpunkt ist unter anderem der fortschreitende Klimawandel, der inzwischen als reale Bedrohung wahrgenommen wird und dessen Auswirkungen viele andere globale Probleme wie Armut, Hunger und Wassermangel bedingen.

Das übergeordnete Ziel der Agenda 2030, weltweit ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu bewahren, umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Dabei wird die gemeinsame Verantwortung aller Handelnden unterstrichen: die der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft und die jedes einzelnen Menschen. In diesem Zusammenhang sind Bibliotheken relevant, denn sie tragen auf vielfältige Weise zur Erreichung aller 17 Ziele bei.Die Stadtbücherei Tübingen sieht sich in der Verpflichtung, durch eine nachhaltig ausgelegte Konzeption ihren Beitrag dazu zu leisten.

2 Die Stadtbücherei in Tübingen

Die Stadtbücherei Tübingen ist die Öffentliche Bibliothek einer jungen, akademisch geprägten Stadt, die eine lange literarische Tradition besitzt und zu den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit einen besonderen Bezug hat. Die Universitätsstadt mit ihren rund 90 000 Einwohnern und etwa 27 000 Studierenden ist Mitglied im europäischen Klimabündnis und seit 2010 ausgezeichnete Fair-Trade-Stadt. Die städtische Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“[8] bezieht Einwohner, Stadtverwaltung, Universität und Stadtwerke gleichermaßen ein. Die Stadtverwaltung gibt unter anderem mit Aktionstagen im Rathaus und Beratungsangeboten Anreize, einen persönlichen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Regionale Naturschutzverbände, Land- und Forstwirte, aber auch alle anderen Interessierten werden bei der ökologisch-nachhaltigen Bewirtschaftung unterstützt, auch die lokale Vermarktung heimischer Produkte wird gefördert. Von Seiten der Bürgerschaft, des Handels, der Gastronomie, der Verwaltung sowie der Politik existiert großes Engagement, den fairen Handel voranzubringen. Davon zeugen zahlreiche Initiativen und Vereine sowie Geschäfte, in denen unverpackte, ökologisch produzierte oder fair gehandelte Produkte angeboten werden.[9]

Die Stadtbücherei Tübingen gehört heute zu den am intensivsten genutzten Öffentlichen Bibliotheken Deutschlands. 16 % der Tübinger Bevölkerung nutzen aktiv die Stadtbücherei, d. h. sie leihen mindestens einmal im Jahr Medien aus. 60 % der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren nutzen ihren Büchereiausweis. Die Stadtbücherei Tübingen ist die zweitgrößte Öffentliche Bibliothek in der Region Neckar-Alb und Teil der lokalen und regionalen Bibliothekslandschaft. Sie besteht aus der Hauptstelle, zwei Schul- und Stadtteilbibliotheken sowie einem Medienzentrum dreier Tübinger Gymnasien. Ihre Angebote richten sich an die gesamte Einwohnerschaft der Universitätsstadt und des Landkreises Tübingen. Sie begleitet mit ihren Angeboten Aus- und Fortbildung, Beruf und Freizeit. Ihre Zielsetzung ist an den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen der Universitätsstadt Tübingen ausgerichtet und eingebunden in das Netzwerk Tübinger Bildungseinrichtungen, vor allem aber in die Programme der kommunalen Konzeptionen – der Kulturkonzeption, der Sozialkonzeption, des Integrationskonzeptes sowie des Klimaschutzprogramms der Universitätsstadt – und unterliegt wie die meisten anderen Bibliotheken auch einem ständigen Entwicklungsprozess.[10]

3 Leitidee „Grüne Bibliothek“

Die Erfüllung nachhaltiger Ziele ist für Öffentliche Bibliotheken nicht von einer Definition oder einer Leitidee als „grüne“ oder „nachhaltige Bibliothek“ abhängig. Jede Bibliothek erfüllt nachhaltige Ziele schon allein durch ihre Kernaufgaben. Jedoch ist eine konsequente Fortentwicklung in diese Richtung zielführender, wenn die dafür erforderlichen Prozesse strukturiert und aktiv geplant werden und eine eindeutige Positionierung kommuniziert wird.

Übernehmen Betriebe nachhaltige Verantwortung, handeln sie im Sinne der Corporate Social Responsibility (CSR).[11] Die Erkenntnis, dass in einer globalisierten Welt die Zukunft unseres Ökosystems und das soziale Miteinander immer mehr an Bedeutung gewinnen, wird für Wirtschaftsunternehmen immer wichtiger, um in der öffentlichen moralischen Wahrnehmung bestehen zu können.[12] Konkret geht es dabei um faire Geschäftspraktiken, mitarbeiterorientierte Personalpolitik, den sparsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen und den Schutz von Klima und Umwelt. Grundsätzlich müssen CSR-Aktivitäten jedoch nicht als Zusatzleistungen verstanden werden, sondern immer Bezug zur eigenen Geschäftstätigkeit haben. Betrachtet man die Stadtbücherei aus unternehmerischer Sicht – beachtet sie doch das Prinzip der Wirtschaftlichkeit, setzt Produktionsfaktoren ein, um Dienstleistungen für Dritte zu erstellen, und fungiert als Arbeitgeber[13] – setzt sie auch mit dem Konzept „Grüne Bibliothek“ eine CSR-Strategie um.

Richtet man den Blick auf das konkrete Handeln der Stadtbücherei, so standen am Beginn des Prozesses zunächst viele einzelne Maßnahmen nebeneinander, die, jede für sich, nachhaltige Ziele erfüllten. In den vergangenen drei Jahren setzte sie ihren Fokus verstärkt auf Nachhaltigkeit im Sinne ökologischer Zielsetzungen. Im Jahr 2019 erfolgte schließlich eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, wie die eigenen Aktivitäten und Prozesse unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu bewerten seien. Die internen Arbeitsvorgänge wurden unter diesem Aspekt beschrieben und neu strukturiert. Das Ergebnis dieses ersten Schritts in die aktive Weiterentwicklung der Bibliothek hin zur Grünen Bibliothek steht in engem Zusammenhang mit den Klimaschutzzielen der Stadt Tübingen und den Absichten der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. „Grün“ steht hier in einem erweiterten Sinn und in Anlehnung an seinen Bezug zu Natur und Leben für „Nachhaltigkeit“ in ihrer Gesamtheit, da auch letztlich alle Ziele der Agenda 2030 für die Erhaltung des Lebens und einer lebenswerten Welt stehen. Der Begriff „Grüne Bibliothek“ geht somit über die enger gefasste Definition hinaus, die die soziale Rolle und Verantwortung von Bibliotheken als Anführer in ökologischer Nachhaltigkeit betont.[14] Als „Grüne Bibliothek“ ist die Stadtbücherei bestrebt, durch die Verknüpfung bibliothekarischer Aufgaben mit Umwelt- und Nachhaltigkeitszielen als bewusst wahrgenommener Akteur für nachhaltige Entwicklung in Erscheinung zu treten.

4 Ebenen des Konzepts „Grüne Bibliothek“

  1. Die Stadtbücherei bietet als Ort der Integration, Inklusion und Diversität freien Zugang zu Wissen und Information. Sie setzt damit die Ziele der UN Agenda 2030 um, insbesondere Ziel 1 „Keine Armut“, Ziel 4 „Hochwertige Bildung“, Ziel 5 „Geschlechtergerechtigkeit“ und Ziel 10 „Weniger Ungleichheiten“.

  2. Die Stadtbücherei ist wichtiger Akteur im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie vermittelt Informationen und Fachwissen zu Umweltschutz, Nachhaltigkeit und globalen Themen. Damit erfüllt sie Ziele des städtischen Klimaschutzprogramms und der UN Agenda 2030, insbesondere Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“, Ziel 12 „Nachhaltiger Konsum und Produktion“, Ziel 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“.

  3. Die Stadtbücherei gestaltet ihre eigenen Arbeitsvorgänge nachhaltig.

4.1 Die Stadtbücherei als Ort der Integration, Inklusion und Diversität

4.1.1 Bildung und Information für alle

Die Stadtbücherei agiert zunächst als öffentliche Einrichtung. Als Ort der Integration, Inklusion und Diversität gewährt sie Zutritt für alle und ermöglicht den einfachen Zugang zu Wissen und Information. Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten haben das Bedürfnis nach einem Ort der Begegnung, der zweckfrei, selbstbestimmt und ohne eine feste Verpflichtung genutzt werden kann – hierbei übernimmt sie eine wertvolle Funktion als sog. „Dritter Ort“.[15]

Alle Angebote vor Ort, sowohl in der Hauptstelle als auch in den Zweigstellen, sind ohne Leseausweis nutzbar, also kostenfrei. Das betrifft alle Print- und digitalen Medien sowie die entsprechende Unterstützung und Beratung zur Recherche. Es besteht die Möglichkeit, PC-Arbeitsplätze und freies WLAN zu nutzen. Auch für dieses Angebot ist kein gültiger Leseausweis notwendig, Logins können durch die Vorlage eines amtlichen Ausweises erstellt werden. Der Umgang mit Internet und digitalen Medien soll für alle, auch für diejenigen ohne Computerkenntnisse, möglich sein: Kurzanleitungen per Film erklären die Grundlagen. Dazu können persönliche Online-Sprechstunden kostenfrei gebucht werden – ein Angebot, welches insbesondere gern von Älteren in Anspruch genommen wird.

Für Empfangsberechtigte von Sozialleistungen und Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren ist auch die Nutzung der leihbaren Angebote nicht mit Kosten verbunden, für Geflüchtete bestehen spezielle, niederschwellige Ausleihmöglichkeiten.

Bildung für alle bedeutet die Beachtung inklusiver und gerechter Bildungsangebote. Grundlegende Kontakte und der inhaltliche Austausch wie zum Beispiel mit der „Lebenshilfe Tübingen“[16] und dem „Arbeitskreis Barrierefreies Tübingen“ sind die Grundlage für Maßnahmen in den Bereichen Inklusion, Barrierefreiheit und Teilhabe. Das Medienangebot wurde um Bücher und eine Zeitung in einfacher Sprache sowie Hörbücher im DAISY-Format[17] erweitert. Auch im Veranstaltungsbereich ist die Lebenshilfe Tübingen ein verlässlicher Kooperationspartner der Stadtbücherei. So ist die jährlich stattfindende Lesung in einfacher Sprache im Rahmen eines Frühstücks inzwischen zur festen Einrichtung des Sommerprogramms geworden.

Abb. 1 
              Lesefrühstück in einfacher Sprache, ©Stadtbücherei Tübingen
Abb. 1

Lesefrühstück in einfacher Sprache, ©Stadtbücherei Tübingen

In vielen Tätigkeitsfeldern steigen die Anforderungen, sodass Grundkenntnisse in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen Voraussetzung von Beschäftigung sind. Ein Grundbildungsangebot der Stadtbücherei Tübingen ist im Aufbau. Erste Maßnahme ist die Einrichtung des Lerntreffs in einem separaten Raum der Bibliothek. Das „Lernstudio“ ist ein Lernort für Erwachsene, die nicht oder nur wenig lesen und schreiben können. Neben der Bereitstellung von Leichtlese- und Hörmaterialien begleitet eine Kursleiterin der Volkshochschule Tübingen zwei Arbeitsplätze, an denen das Lernportal „ich-will-lernen.de“ – Deutschlands größtes Online-Lernportal für Menschen mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf – genutzt werden kann. Das Portal bildet im Lesen, Schreiben, in den Grundrechenarten sowie im Bereich der finanziellen Grundbildung fort und bereitet auf schulische und berufliche Abschlüsse vor. Eine Kursleiterin der Volkshochschule Tübingen unterstützt und begleitet die Interessenten jeden Samstag für 1,5 Stunden.

Für Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch für diejenigen, die an interkulturellem Austausch und an Mehrsprachigkeit Interesse haben, bietet die Stadtbücherei Medien zum Spracherwerb und zur Pflege der Herkunftssprachen an. Jene, die aufgrund vorheriger Bildungserfahrungen in ihren Heimatländern mit Selbstlerntechniken und -materialien zurechtkommen, nutzen die Bibliothek heute täglich als frei zugänglichen Lernort. In Kooperation mit allen Sprachlerninstituten in Tübingen werden regelmäßig Führungen für Deutschlernende veranstaltet, die ihnen in einfacher Sprache die Angebote der Bücherei vermitteln.

Abb. 2 
              Sprachen lernen in der Stadtbücherei, ©Stadtbücherei Tübingen.
Abb. 2

Sprachen lernen in der Stadtbücherei, ©Stadtbücherei Tübingen.

4.1.2 Bibliothek von Anfang an

Leseförderung und die Vermittlung von Kinder und Jugendliteratur bilden einen Schwerpunkt in der Kulturkonzeption Tübingens. Familien mit Kindern sowie Schulen und Kindertagesstätten sind damit zentrale Zielgruppen der Stadtbücherei. Entsprechend bietet sie ein umfassendes Angebot an Kinder- und Jugendmedien, Vorleseaktionen und weiteren Veranstaltungen sowie vielfältige Schulungsangebote für Gruppen und Schulklassen. Durch die kontinuierliche Kooperation während der gesamten Schulzeit sollen ein dauerhaftes Leseinteresse sowie die Fähigkeit und die Motivation zur qualitätsbewussten Informationsrecherche und selbstständigen Wissensaneignung systematisch unterstützt werden. Beginnend mit spielerischen Ersteinführungen zum Kennenlernen für die Allerjüngsten, über erste Rechercheversuche am OPAC für Grundschulklassen bis hin zu umfangreichen Literaturrecherche-Schulungen für die Mittel-und Oberstufe hat das Team der Stadtbücherei ein umfassendes, modulares Angebot an Führungen und Schulungen entwickelt, die rund 150-mal im Jahr durchgeführt werden. Die Zweigstellen der Stadtbücherei spielen eine wichtige Rolle als Lernorte in der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz und in der Leseförderung für Schul- und Kindergartenkinder. Sie sind an zentralen Schulstandorten in Tübingen angesiedelt und fungieren dort auch als Schulbibliothek.

Die Initiative „Lese-Haus“ hat zum Ziel, Kindern von klein auf Spaß am Lesen zu vermitteln und ihre Sprach- und Wortschatzentwicklung zu fördern. Seit 2008 werden ehrenamtlich tätige Lesepatinnen und Lesepaten in speziellen Schulungen qualifiziert und an Kindertageseinrichtungen vermittelt. Mit dem Angebot „lesen lohnt sich“ werden seit 2013 zusätzlich Lesementoren geschult, die Grundschulkinder beim Lesenlernen unterstützen. Die Eins-zu-eins-Betreuung vermittelt spielerisch das Erlernen der Lesetechnik. Im Rahmen des Lese-Hauses finden Vorleseaktionen und Lesefeste für Kinder, auch mehrsprachig und themenbezogen, statt.

Abb. 3 
              Vorlesen im Grünen mit dem Lese-Haus, ©Stadtbücherei Tübingen
Abb. 3

Vorlesen im Grünen mit dem Lese-Haus, ©Stadtbücherei Tübingen

Die Stadtbücherei ist hinsichtlich der beschriebenen Projekte und Aktionen eng vernetzt mit den städtischen Institutionen der Bereiche Bildung und Soziales, vor allem mit der Volkshochschule Tübingen,[18] der Familienbildungsstätte Tübingen,[19] der Lebenshilfe Tübingen,[20] dem Institut culturel franco-allemand,[21] dem Deutsch-Amerikanischen Institut,[22] dem Museum der Universität, der HIRSCH Begegnungsstätte für Ältere e.V.[23] und dem Asylzentrum Tübingen e.V.[24]

4.1.3 Bildungsgerechtigkeit trotz Pandemie

In Zeiten der Pandemie gestaltet sich die die Gewährleistung von Bildungsgerechtigkeit schwierig. Der „Ort Bibliothek“ kann plötzlich nicht mehr oder nur eingeschränkt aufgesucht werden, dennoch ist der Anspruch, Angebote niederschwellig und für alle zugänglich zu machen, in Krisenzeiten noch wichtiger als im gewöhnlichen Alltag. Auch die Stadtbücherei Tübingen musste ihre Dienstleistungen und Angebote immer wieder verändern und neue Formate entwickeln: den Ausleihbetrieb durch Click & Collect, die Unterstützung bei Literaturrecherchen zu schulischen Themen über E-Mail oder die Bereitstellung von Kurzfilmen, die den Umgang mit E-Medien erleichtern. Ein Lieferdienst für Risikogruppen konnte durch das Engagement von Ehrenamtlichen eingerichtet werden – ein wichtiges Angebot für Menschen, die derzeit kaum ihre eigenen vier Wände verlassen können.

4.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wissen, Fähigkeiten und Werte sind erforderlich, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist vor allem die Verankerung von Umweltbewusstsein im Alltag der Menschen in möglichst vielen Lebensbereichen und die Fähigkeit, kreative Lösungen für einen ökologisch und ökonomisch verträglichen Lebensstil zu entwickeln.

Die Vereinten Nationen unterstützen dieses Ziel mit dem UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.[25] Deutschland leistet dazu seinen Beitrag mit dem „Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung: (BNE)“,[26] einer Strategie für die Veränderung unseres Bildungssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das übergreifende Ziel dieses Aktionsplans ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen des deutschen Bildungswesens strukturell zu verankern. Entscheidend für die erfolgreiche Verbreitung von Fakten über ökologische Zusammenhänge sowie die Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung ist die Zusammenarbeit mit Multiplikatoren – hierbei kommen nun Öffentliche Bibliotheken ins Spiel.[27] Sie wenden sich an die ganze Bevölkerung, ungeachtet ihres Alters, ihrer Herkunft, ihrer Bildung oder ihres sozialen Status, auch an diejenigen, die bisher keine Berührung mit ökologischen Themen hatten oder nur wenig Interesse dafür aufbringen konnten. Die Bevölkerung wird im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft als wichtigster Akteur eingestuft, nimmt sie doch mehrere Rollen ein. Als Konsument ist sie der wichtigste Ressourcenverbraucher und kann durch entsprechendes Verhalten Veränderungsprozesse bewirken. Wahlberechtigte können politische Entscheidungen für mehr Nachhaltigkeit erzwingen oder gezielt Umweltorganisationen unterstützen. Gesichertes Wissen um die Relevanz nachhaltiger Zielsetzungen ist jedoch die Voraussetzung dazu.[28]

Die Stadt Tübingen verpflichtet sich, bis 2030 klimaneutral zu werden und so ihren Teil zur Erfüllung des Pariser Klimaschutzabkommens beizutragen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Ausbau von Maßnahmen zur Umweltbildung ist ein Aspekt des Programms. Die Stadtbücherei Tübingen versteht sich durch die Vermittlung entsprechender Kenntnisse, die für klimaneutrales Handeln notwendig sind, als Partner für die Umsetzung des am 26.11.2020 vom Tübinger Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzprogramms.[29]

4.2.1 Vermittlung von Wissen und Informationskompetenz

Um abschätzen zu können, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Regionen auswirkt, sind gesicherte Kenntnisse über lokale, regionale und internationale Zusammenhänge und Herausforderungen wie den Klimawandel oder globale Gerechtigkeit sowie die vielschichtigen Ursachen dieser Probleme erforderlich. Im Sinne ihrer Kernaufgabe unterstützt die Bibliothek sowohl Recherchen zu speziellen Fragen als auch die kritische Auswahl und Bewertung der gefundenen Materialien. Medien zu Natur, Umwelt und Gesellschaft werden in im Katalog abrufbaren Medienlisten zum Thema Nachhaltigkeit und Ökologie, mittels Buchausstellungen oder auf Thementischen präsentiert.

4.2.2 Impulse für Recycling

Recycling hat eine hohe Bedeutung für den Schutz der natürlichen Ressourcen und der Umwelt. Gleichzeitig sind viele Maßnahmen einfach umzusetzen und lassen sich problemlos in den Alltag integrieren. Es gibt vielfältige Wege, wie jeder Einzelne durch Recycling einen aktiven Beitrag zu einem nachhaltigen Leben leisten kann. Ziel von Recycling ist, anfallende Wertstoffe zu sammeln und wiederzuverwenden. Neben Papier und Kunststoffen sind die Möglichkeiten hinsichtlich Elektro- und Elektronikgeräten besonders zu beachten. Die schnell fortschreitende Digitalisierung und damit einhergehende Technologieschübe sorgen dafür, dass wir immer mehr Rohstoffe benötigen, Rohstoffe, die unter immer schwierigeren Bedingungen für Mensch und Natur in den Abbauländern entnommen werden. Der Umweltverband NABU fordert in diesem Zusammenhang, die Sammlung von Altgeräten verbraucherfreundlicher zu gestalten.[30] Hierbei kann die Stadtbücherei wichtiger Impulsgeber sein, ist sie doch schon seit einigen Jahren Sammelstelle für Handys und Teil der „Handy-Aktion“ des Landes Baden-Württemberg. Abgestoßene Geräte werden mittels dieser Initiative[31] fachgerecht verwertet, funktionstüchtige weiterverkauft. Der Erlös kommt gemeinnützigen Projekten wie beispielweise dem Deutschen Institut für ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen zugute.

Auch das Sammeln von CDs und DVDs lohnt sich. Die Scheiben bestehen überwiegend aus Polycarbonat, einem hochwertigen und teuren Kunststoff, und lassen sich mit geringem Aufwand recyceln. Die Stadtbücherei ist Sammelstelle für CDs und DVDs und damit Teil des Rücknahmesystems. Die Scheiben werden an die örtliche Verwertungsstelle verschickt.

4.2.3 Papierproduktion und -verbrauch

Jeder fünfte Baum, der auf dieser Welt gefällt wird, landet in der Papierherstellung.[32] Angesichts des großen Papierverbrauchs in Deutschland ist das Einsparen von Papier ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz. Als wichtigste Sorten machen Druck-, Presse- und Büropapiere fast die Hälfte unseres Papierverbrauchs aus. Dazu verbraucht die Papierindustrie Wasser und sehr viel Energie.[33] Es lohnt sich also, eine Senkung des Papierverbrauchs anzustreben.

So werden innerhalb des Publikumsbereichs der Stadtbücherei Tübingen

  1. ausschließlich Papiere in Recycling-Qualität angeboten,

  2. alle Geräte für den doppelseitigen Ausdruck eingestellt,

  3. Impulse für einen bewussten Umgang mit dem Rohstoff Papier gesetzt.

Hinsichtlich des letzten Punktes verfügt die Bibliothek seit kurzem über eine Papier-Bindestation, zur Verfügung gestellt und eingerichtet von der Initiative „PapierPilz“, einem Verein, der ursprünglich von Studierenden der Universität Tübingen ins Leben gerufen wurde.[34] Der Verein wurde 2019 mit dem Umweltpreis der Stadtwerke Tübingen ausgezeichnet. Der Gedanke hinter „PapierPilz“ ist, bestehende Rohstoffe zu nutzen, um neue Produkte herzustellen, die so weit wie möglich ressourcenschonend sind. Daher rührt auch der Name: Pilze verwerten totes, organisches Material, wandeln es um und lassen ihr Produkt schließlich wieder in den Produktkreislauf einfließen. Die Station – ein Holztisch ausgestattet mit einer kombinierten Stanz- und Bindemaschine, Fehlkopien und Papierabfällen – lädt ein, aus einseitig bedrucktem Altpapier und Kartonagen neue Papierprodukte, wie zum Beispiel Spiralblöcke, herzustellen. Ziel ist es, mit diesem Angebot möglichst viel Altpapier der Wiederverwertung zuzuführen. Die Station ist frei zugänglich und kann selbstständig mit bereitgestelltem oder mitgebrachtem Papier bedient werden. Veranstaltungen und Aktionen bieten sich in diesem Zusammenhang ebenfalls an und sind, für die Zeit nach der aktuellen Coronapandemie, in Planung.

4.2.4 Entleihbare Taschen aus Recycling-Material

Immer wieder werden an der Ausleihtheke Taschen für den Transport der ausgeliehenen Medien verlangt. Manche Bibliotheken verkaufen Stoff- oder Papiertaschen, doch diese werden oft nur einmal benutzt und landen danach auf dem Müll. Lange wurde nach einer ökologisch sinnvollen Lösung gesucht. Die Taschen sollten durch ihre äußere Gestaltung mit der Stadtbücherei in Verbindung gebracht werden, außerdem strapazierfähig, langlebig und witterungsbeständig sein. Die Entscheidung fiel auf Taschen aus 100 % rPET-Material – aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Die Taschen sind mit Transpondern versehen, können also, wie alle anderen ausleihbaren Medien, verbucht und ausgeliehen werden.

4.2.5 Anreize zum Energie sparen

Auch wenn Wind-, Wasser- und Solarenergie sowie andere regenerative Energien auf dem Vormarsch sind: Strom wird überwiegend noch aus den fossilen Energieträgern Kohle, Erdgas und Erdöl sowie aus Uran hergestellt. Dabei entstehen u. a. gefährliche Abfälle, die Umwelt und Klima schädigen. Energieeffiziente Geräte bilden die Grundlage, um im Privathaushalt Strom zu sparen. Vor allem bei Geräten, die häufig oder durchgehend in Betrieb sind, wie

Abb. 4 
              
                rPET-Tasche zum Ausleihen, ©Stadtbücherei Tübingen
Abb. 4

rPET-Tasche zum Ausleihen, ©Stadtbücherei Tübingen

zum Beispiel Kühl- oder Gefrierschränken, Geschirr- oder Waschmaschinen lohnt sich der Blick auf den Verbrauch.[35] Die Stadtbücherei bietet für diesen Zweck den kostenlosen Verleih von Energiemessgeräten an. Das Messgerät zeigt – zwischen die Steckdose und das zu untersuchende Gerät gesteckt – den Stromverbrauch eines Elektrogerätes an. So ist auch erkennbar, ob ein Gerät im ausgeschalteten Zustand Strom zieht. Ergänzend dazu stellt die Stabsstelle für Umwelt und Klimaschutz ein Messprotokoll zur Verfügung, worüber der Energieverbrauch eines Haushalts sowie die entsprechenden Kosten zusammengestellt und errechnet werden können.[36]

4.2.6 Fair Trade und globale Verantwortung

Die Bestrebungen des Fairen Handels haben große Schnittmengen mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, insbesondere bezüglich Ernährungssicherheit, nachhaltiger Landwirtschaft, Gleichberechtigung und Recht auf Schulbildung.[37] Die Stadtbücherei greift die Thematik z. B. durch Veranstaltungen auf, wobei die Begegnungen mit Menschen, die in nachhaltigen Themengebieten aktiv sind, Kontakte und Wissensaustausch ermöglichen. Ausstellungen sind hier besonders geeignet, vergleichsweise „pandemietauglich“ und passend für die Stadtbücherei, deren Räumlichkeiten über viele Stunden geöffnet sind und eine große Öffentlichkeit garantieren. Ökologische Zusammenhänge können auf diese Weise inszeniert, veranschaulicht und interpretiert werden. Text- und Bildtafeln, Objekte und audiovisuelle Medien sprechen die verschiedenen Sinne an.

So zeigte im Oktober 2020 die Fotoausstellung „Nachhaltig handeln – Arbeitsschwerpunkte von Fairtrade“[38] auf großformatigen, beeindruckenden Bildern, wie Fair Trade die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung mit seinen Arbeitsschwerpunkten umsetzt. In der Ausstellung „Kinderwelten“[39] zum 30. Jahrestag der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention (November 2019) gaben von Armut betroffene Kinder und Jugendliche beeindruckende Einblicke in ihr Leben. Die Fotos zeigten die Welt aus ihrer Perspektive und was es konkret bedeutet, wenig Geld zur Verfügung zu haben. Die Bilder sprachen an, waren z. T. lustig und nachdenklich zugleich. Die Motive wurden von Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren fotografiert.

Zeitgleich mit der Tübinger Schokoladenmesse „Chocolart“ zeigt die Stadtbücherei seit drei Jahren eine große Ausstellung zur Schokoladenherstellung. Die Ausstellungen werden in Kooperation mit der städtischen Fachabteilung für Bürgerengagement, dem Aktionszentrum Arme Welt e. V.[40] und der Kooperative Kallari,[41] einer Kleinbauerngenossenschaft aus dem Amazonasgebiet Ecuadors, geplant und durchgeführt.[42] Die Ausstellung dokumentiert die Entstehung der Schokolade von der Kakaobohne bis zur fertig verpackten Tafel. Im Fokus steht der Unterschied zwischen konventionell und fair produzierter Schokolade, vor allem aber der harte Arbeitsalltag in der Kakaoproduktion – der „bittere“ Beigeschmack der süßen Freude also. Als Erweiterung der Ausstellung gibt es Workshops in Zusammenarbeit mit dem EPiZ (Entwicklungspädagogisches Informationszentrum Reutlingen)[43] und eine Schoko-Werkstatt, in der Schulkinder die Schritte der Schokoladenproduktion nachvollziehen und selbst eine Schokolade herstellen können. Begleitend wird über die Tübinger Stadtschokolade, eine Schokolade der Kooperative Kallari, die es seit 2012 gibt, informiert.[44]

Abb. 5 und 6 
              Ausstellung „Süß und Bitter“, ©Stadtbücherei Tübingen
Abb. 5 und 6

Ausstellung „Süß und Bitter“, ©Stadtbücherei Tübingen

Die Stadtbücherei bringt sich bei vielfältigen Fair-Trade-Aktionen der Stadt Tübingen ein, zum Beispiel anlässlich des Fairen Marktes.[45] Einmal jährlich, direkt vor der Stadtbücherei, präsentiert der Handel aus Tübingen und Umgebung fair produzierte Mode, Accessoires, Literatur, Lebensmittel sowie Dekorations- und Geschenkartikel. Dazu gibt es viele Informationen zum fairen Handel. In diesem Zusammenhang bietet die Stadtbücherei einen Apfel-Mango-Saft zum Probieren an, den die drei Fair-Trade-Städte im Landkreis Tübingen Rottenburg, Mössingen und Tübingen gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Die Äpfel für den Saft stammen von den Streuobstwiesen zwischen Alb und Neckar, die Mangos werden in Zusammenarbeit mit der Organisation PREDA erzeugt, einer philippinischen Organisation, die sich seit 40 Jahren für Menschenrechte und gerechte soziale Entwicklung einsetzt.[46]

Selbstverständlich ist am Kaffeeautomat der Stadtbücherei ausschließlich fair produzierter Kaffee erhältlich. Die Bohnen stammen aus Moshi, der Partnerstadt Tübingens in Tansania. Der Kaffee wird an den Hängen des Kilimanjaro in Bio-Qualität angebaut. Die Geschichte des Kaffee-Anbaus geht zurück bis ins Jahr 1898, als katholische Missionare die ersten Kaffeebäume in Kilema am Kilimanjaro pflanzten. 1925 formierten sich die heimischen Bauern in einer Kaffeepflanzer-Organisation, um besser auf dem Markt bestehen zu können. 1988 etablierte sich die genossenschaftliche Organisation der Kleinbauern neu in der Form der Kilimanjaro National Coffee Union (KNCU).[47] Rohkaffee der KNCU ist seit 2004 als Bioprodukt von Naturland[48] und bereits seit 1993 von der FLO (Fairtrade Labelling Organisations International)[49] als fair entstandenes und gehandeltes Produkt zertifiziert.[50] Dies ist ein weiteres Beispiel für die Umsetzung von „SDG 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“, wie Städtepartnerschaft die Zusammenarbeit bezüglich globaler Problemstellungen auf kommunaler Ebene ermöglicht. Es versteht sich von selbst, dass der Kaffee nicht in Wegwerfbechern ausgegeben wird, sondern in Tassen, die zurückgegeben und gespült werden.

4.3 Nachhaltige Betriebsführung

Nachhaltige unternehmerische Verantwortung bedeutet, auch die eigenen Abläufe, also die Geschäftsprozesse der Stadtbücherei zu prüfen und gegebenenfalls zu verändern. Was die Stadtbücherei angeht, so betrifft das ihr Handeln bezüglich der Medienbearbeitung, des Ausleihbetriebs und die täglichen Arbeitsvorgänge im Büro.

Die Beschäftigten der Bibliothek spielen bei der Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie eine große Rolle, sie werden aktiv in den Prozess einbezogen. Fähigkeiten, Interessen und Begabungen im Team werden genutzt, Informationen und Schulungsangebote bringen neue Impulse. Umgekehrt kann sich nachhaltiges Handeln im Betrieb auf den privaten nachhaltigen Lebensstil der Beschäftigten auswirken – es gibt also Wechselbeziehungen in beide Richtungen.[51]

Konkret steht der Umgang mit Papier an erster Stelle. Unnötige Ausdrucke werden weitestgehend vermieden, es wird doppelseitig gedruckt und selbstverständlich Recyclingpapiereingesetzt. Im Bereich der Kundeninformation wurden Vormerkungen und Erinnerungen zur Rückgabe auf digitalen Versand umgestellt. Ausgeschiedene Bücher werden meistens nicht gleich entsorgt, sondern auf Flohmarktwägen vor die Türe gestellt – sehr schnell finden die meisten Titel ihre Abnehmer. Bons für Ausdrucke der Leserkonten und Quittungen mussten früher über die Restmülltonne entsorgt werden. Die neuen Ökobons sind frei von chemischen Farbentwicklern wie zum Beispiel Phenolen und können nach Verwendung im Altpapier entsorgt werden. Der Grundstoff entstammt nachhaltiger Holzwirtschaft.

Auch im Bereich Mobilität konnte nachjustiert werden. Der Medienaustausch zwischen den Zweigstellen wurde früher per PKW vorgenommen und wird nun per Fahrradkurier organisiert, Dienstreisen werden fast ausschließlich per Bahn unternommen, viele Beschäftigte benutzen auf dem Weg zur Arbeitsstelle das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Die Stadtverwaltung bietet hierzu Möglichkeiten, wie beispielsweise das Dienstrad-Leasing oder Vergünstigungen für den Nahverkehr.

Energie sparen lässt sich in einem solch großen Gebäude insbesondere durch entsprechende Beleuchtung. So wurden alle Leuchtmittel auf LED-Beleuchtung umgestellt, denn diese benötigen bei gleicher Helligkeit erheblich weniger elektrische Leistung. Steckdosen in den Büros sowie im Publikumsbereich sind mit Kippschaltern ausgestattet, um den Energieverbrauch der Standby-Geräte zu verringern.

5 Zukünftige Projekte

Die Entwicklung zur Grünen Bibliothek ist ein ständiger Prozess, fortwährend werden neue Projekte und Ideen eingebracht. Kleinere, einfach umzusetzende Maßnahmen werden spontan realisiert. Größere Projekte müssen über einen längeren Zeitraum entwickelt werden. Als weiteren Schritt plant die Stadtbücherei Tübingen, eine „Bibliothek der nachhaltigen Dinge“ einzurichten. Sie soll von den Öffnungszeiten unabhängig sein. Die Idee einer selbstständigen Nutzung entstand auch durch die neuen Bedürfnisse infolge der Coronapandemie.

Ziel des Konzepts „Bibliothek der nachhaltigen Dinge“ ist, durch die spezifische Auswahl ausleihbarer Gegenstände Impulse für einen nachhaltigen Lebensstil zu geben und gleichzeitig das erforderliche Wissen darüber zu vermitteln. Um den Lebensstil auf Nachhaltigkeit zu fokussieren, bedarf es einerseits entsprechender Kenntnisse, andererseits spezieller Geräte. Beides stellt die Bibliothek der nachhaltigen Dinge zur Verfügung. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig und in verschiedenen Lebensbereichen umsetzbar: Beispielsweise können mittels eines ausleihbaren Feinlötkolben-Sets Dinge repariert werden. Mithilfe eines Entsafters, eines Obsttrockners oder eines Joghurtgeräts können Lebensmittel selbst produziert oder haltbar gemacht werden. Ausgehend von der aktuellen Situation, verursacht durch die Pandemie, ist die umfassende digitale Erschließung des Medienbestandes zum Themenbereich Nachhaltigkeit ein Kernpunkt, ergänzt durch den bereits bestehenden Themenbereich der „Grünen Bibliothek“. Die Vernetzung mit Institutionen vor Ort wird auch hier von Bedeutung sein. Der zweite Kernpunkt des Projektes ist die unkomplizierte Erreichbarkeit und die kontaktlose Ausleihe der Gegenstände.

In Planung ist auch die Umgestaltung des Lesegartens. Die Stadtbücherei verfügt über einen kleinen Außenbereich, der aktuell mit Sitzgelegenheiten und Tischen ausgerüstet ist. Allerdings ist die Pflasterfläche derzeit uneben und die kleine Rasenfläche nicht attraktiv. Der Garten soll nun ökologisch und naturnah neugestaltet und mit heimischen Sorten bepflanzt werden, u. a. mit Naschobstpflanzen und Sträuchern. Jeder soll ernten dürfen, Pflege und Bepflanzung sollen in Gemeinschaft geschehen. Der Garten wird Veranstaltungs- und Wohlfühlort zugleich, die Planungen umfassen Platz für Stühle, Tische und Sonnenschirme. Ein kleines Holzpodest für Lesungen sowie ein Spielgerät für Kinder sind zudem angedacht.

6 Stadtbücherei Tübingen 2030 – eine Vision

Das offene, lichtdurchflutete Gebäude der Stadtbücherei Tübingen ist ein lebendiger, städtischer Ort. Durch ihre zentrale Lage ist eine gute Erreichbarkeit garantiert, auch für die Gäste der Stadt. Ihr Eingangsbereich ist einladend und Schnittstelle zwischen innen und außen, zwischen öffentlich und privat, Urbanität und Naturnähe – ein ständiges Kommen und Gehen wie auf einem Marktplatz. Beim Eintreten streift man direkt an der „Bibliothek der nachhaltigen Dinge“ vorbei. Ausleihbare Gegenstände inspirieren und geben Impulse für einen nachhaltigeren Lebensstil. Innen findet man Bereiche der Ruhe und Räume, in die sich Gruppen zurückziehen können. Ein Garten lädt zum Arbeiten, Werkeln und Entspannen ein – ein kleines Stück Natur, mitten in der Stadt.

Die städtische Bibliothek ist die meistbesuchte Kultur- und Bildungseinrichtung, geöffnet, wenn die Menschen Zeit haben. Sie sorgt für Vernetzung, indem sie unterschiedliche Institutionen, Vereine und Initiativen verbindet. Alle Menschen sind willkommen, der Zugang ist barrierefrei. Man zieht sich zurück in gemütliche Ecken, schirmt sich ab vom hektischen Alltag, liest und informiert sich, entwickelt kreative Ideen, Möglichkeiten gibt es viele. Digitale Medien und neueste Technologien sind vorhanden und werden durch kompetentes Fachpersonal vermittelt. Ältere und kranke Menschen, die die Bibliothek nicht besuchen können, werden durch einen Medien-Lieferservice versorgt. Die angenehme Atmosphäre fördert die Kommunikation zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und Einheimischen, verschiedenen Generationen und sozialen Schichten. Man spricht miteinander und Beziehungen werden aufgebaut – Austausch und Integration finden statt. In einer Gesellschaft, in der lebenslanges Lernen selbstverständlich ist, Wissen sich schnell erneuert, in der es großen Sprachförderungsbedarf gibt, bietet die Bibliothek Raum, um konzentriert zu arbeiten – für Gruppen und Einzelne. Gemeinsame Lernaktivitäten und Informationsaustausch werden meist selbst organisiert, dafür stehen elektronische Medien, E-Learning-Angebote und physische Medien bereit. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten suchen die Bibliothek auf, als niederschwelligen, sympathischen, gut erreichbaren Ort: Gruppen aus Einheimischen und Menschen mit Migrationsgeschichte treffen sich, um gemeinsam Sprachen zu lernen. Sie nutzen das Angebot an fremdsprachigen Medien zum Spracherwerb. Umweltpolitisch Engagierte kommen in die Bibliothek, um an nachhaltigen Projekten zu arbeiten. Kinder stillen hier ihr Informationsbedürfnis, spielen und nehmen an Lesefesten und Vorleseaktionen teil. Jugendliche treffen sich in einem eigenen Bereich, wo sie unter sich sind. Ältere Menschen experimentieren gemeinsam mit neuen digitalen Technologien. Die Stadtbücherei ist eine der führenden Institutionen für Umweltbildung in Tübingen und zugleich ein wichtiger Veranstaltungsort, in der Kultur erlebbar wird. Die Menschen kommen in Kontakt zu Kulturschaffenden und zu denjenigen, die sich aktiv für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit engagieren. Ein Ort, an dem Menschen ihre Haltungen und Werte hinterfragen, Wege für eine nachhaltige Gegenwart und Zukunft suchen und am Diskurs über zentrale gesellschaftliche Themen teilnehmen: Vielfältig praktizierte Nachhaltigkeit, ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Über den Autor / die Autorin

Monika Fridrich

Veranstaltungen, Grüne Bibliothek, Stadtbücherei Tübingen, Nonnengasse 19, D-72070 Tübingen

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Online erschienen: 2021-11-27
Erschienen im Druck: 2021-12-31

© 2021 Monika Fridrich, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 4.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/bfp-2021-0067/html
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