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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 27, 2021

Von anderen lernen. Bibliothekarische Verbandsinitiativen zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele im deutschsprachigen Raum

Learning From Others. Library Initiatives to Achieve the Sustainable Development Goals in the German-Speaking Region
Katharina Portugal

Büchereiverband Österreichs, Museumstraße 3/B/12, A-1070 Wien, Österreich

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Zusammenfassung

Die vier deutschsprachigen Bibliotheksverbände initiierten gemeinsam die Plattform biblio2030. Diese macht Projekte deutschsprachiger Bibliotheken, die sich im Sinne der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung einsetzen, sichtbar. In diesem Beitrag werden die gemeinsamen sowie nationalen Initiativen der vier Bibliotheksverbände zur Umsetzung und Bekanntmachung der 17 globalen nachhaltigen Entwicklungsziele sowie als verbandsunabhängige Initiative das „Netzwerk Grüne Bibliothek“ vorgestellt.

Abstract

The four library associations in the German-speaking region jointly initiated the biblio2030 platform. This platform makes projects of German-speaking libraries visible that are committed to implementing the United Nations’ Sustainable Development Goals. This article presents the joint and national initiatives of the four library associations to implement and publicize the 17 global Sustainable Development Goals. The independent German “Green Library Network” will also be presented.

1 Anfänge und biblio2030

Der internationale Bibliotheksverband IFLA[1] setzte sich bereits 2014[2] intensiv dafür ein, dass Bibliotheken als wichtige Akteure in der Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen anerkannt werden. IFLA zeigte auf, dass der freie Zugang zu Informationen, der von Bibliotheken gewährleistet wird, essenziell für nachhaltige Entwicklung ist. Seither unterstützt der Verband Bibliotheken weltweit in ihrer Arbeit zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele und engagiert sich durch Lobbyarbeit für die Etablierung von Bibliotheken als kompetente Partner der UN-Agenda 2030.

Auf diese Bestrebungen reagierten auch die deutschsprachigen Bibliotheksverbände und so kamen im Herbst 2017 in Wien, in der Geschäftsstelle des Büchereiverbandes Österreichs, 22 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu einem Workshop zusammen. Vertretungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol (DACHS) setzten sich mit der Frage auseinander, wie Bibliotheken zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Man war sich einig, dass die Bibliothek bereits als Institution und durch ihre Kernaufgaben – zum Beispiel durch die Zirkulation von Medien – nachhaltig agiert. Einige der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Agenda 2030 beschreiben Kernaufgaben und -kompetenzen von Bibliotheken, so etwa den freien Zugang zu Informationen oder die Gewährleistung hochwertiger Bildung sowie Möglichkeiten des lebenslangen Lernens.

Neben Austausch und Vernetzung war das Ziel des Workshops, Weichen zu stellen, wodurch ein umfassenderer Beitrag von Bibliotheken zur nachhaltigen Entwicklung erreicht werden kann. Erarbeitet wurde außerdem, wie Bibliotheken diese Arbeit zu ihrer gesellschaftlichen Positionierung sowie Lobbyarbeit nutzen können. Kooperativ wurden mögliche Initiativen und Kampagnen besprochen und geplant. Dieses Zusammentreffen war der Ausgangspunkt für eine gemeinsame Plattform der vier deutschsprachigen Bibliotheksverbände – Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv), Bibliothek Information Schweiz (BIS),[3] Büchereiverband Österreichs (BVÖ), Bibliotheksverband Südtirol[4] (BVS).

Angelehnt an die Library Map of the World[5] der IFLA wurde die Plattform biblio2030[6] initiiert. Diese Plattform macht Projekte deutschsprachiger Bibliotheken, die sich im Sinne der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung einsetzen, sichtbar. Bibliotheken sind aufgerufen, ihre Projekte einzureichen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese öffentliche Präsentation von Projekten ist wiederum von anderen Bibliotheken als Inspiration und Ideenquelle nutzbar. Jede Bibliothek hat die Möglichkeit, eigenständig und unkompliziert mit einem Online-Einreichformular ihre Projekte zu präsentieren. Im Mai 2021 sind über 50 Projekte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol auf der Plattform versammelt und zeigen die vielfältige Arbeit auf, die Bibliotheken im Sinne der Nachhaltigkeit leisten: Saatgutbibliotheken, Bestandsschwerpunkte zu Umweltthemen oder Upcycling-Projekte werden präsentiert, Projekte zu nachhaltigen Arbeitsabläufen und nachhaltigem Hochschulbetrieb vorgestellt und Initiativen zu gleichberechtigtem Bildungszugang oder Sensibilisierung zu Ungleichbehandlung bekannt gemacht. Die einzelnen Projekte sind bebildert und den jeweiligen Nachhaltigkeitszielen zugeordnet.

Neben dieser Beispielsammlung werden auf der Plattform auch grundlegende Informationen zur UN-Agenda 2030, Details zu den einzelnen Zielen und Ideen, wie diese in der Bibliothekspraxis implementiert werden können, angeboten. Ferner gibt es eine Linksammlung mit frei zugänglichen Werbematerialien, etwa Plakate oder Lesezeichen.[7]

Der Workshop 2017 war einerseits Startschuss für diese gemeinsame Plattform, andererseits hatte diese kollaborative Auseinandersetzung mit den Sustainable Development Goals auch zur Folge, dass die Verbände die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in ihre individuelle Verbandsarbeit aufnahmen oder ihre Arbeit in diesem Bereich intensivierten. Im Folgenden werden exempla

Abb. 1 
          Werbeplakat „Diese Bibliothek unterstützt die Nachhaltigkeitsziele“, ©IFLA
Abb. 1

Werbeplakat „Diese Bibliothek unterstützt die Nachhaltigkeitsziele“, ©IFLA

risch Initiativen und Projekte der einzelnen Verbände vorgestellt.

2 Deutscher Bibliotheksverband e. V. (dbv)

Der Deutsche Bibliotheksverband betreibt intensive Lobbyarbeit zum Themenfeld „Bibliotheken und Nachhaltigkeit“ und konzentriert sich dabei auf die Vermittlung der Bibliothek als nachhaltige Institution. 2016 wurde ein Positionspapier veröffentlicht, in dem die Bibliotheken als Kultur- und Bildungseinrichtungen und dadurch als wichtige Akteure zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele etabliert wurden. Unter dem Titel „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung – der Beitrag der Bibliotheken zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen“[8] richtete sich der dbv direkt an die Bundesregierung und machte diese „darauf aufmerksam, dass Bibliotheken relevante Kultur- und Bildungseinrichtungen mit dem Auftrag des freien Zugangs zur Information sind, die bei der Erfüllung der Agenda-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung eine wichtige Rolle spielen können.“[9] Im Positionspapier wird aufgeschlüsselt, wie der Beitrag der Bibliotheken im Bereich der 17 Ziele aussehen kann und welches Potenzial darin liegt: Da Bibliotheken in Deutschland flächendeckend vertreten sind, haben diese die Möglichkeit, die Nachhaltigkeitsziele einer allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen und lokal in den Kommunen zu verankern.

Seither engagiert sich der Deutsche Bibliotheksverband laufend, um die Rolle der Bibliotheken zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bei politischen Entscheidungsträgern bekannt zu machen und fordert diese auf, Bibliotheken als Partner zu nutzen.[10] Auch im aktuellen „Bericht zur Lage der Bibliotheken“ wird gefordert: „Potenziale von Bibliotheken zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele stärken“.[11]

Im April 2020 veröffentlichte der dbv die Broschüre „Bibliotheken und Nachhaltigkeit. Praktische Beispiele zum Beitrag von Bibliotheken zu den Nachhaltigkeitszielen“.[12] Neben der Präsentation der Best-Practice-Beispiele wird die UN-Agenda 2030 vorgestellt. Es wird aufgezeigt, wie die Umsetzung und Beschäftigung auf verschiedenen Ebenen – von international bis lokal – stattfinden, sowie auf nationale und internationale Akteure und Initiativen hingewiesen.

Die vorgestellten Projekte decken unterschiedliche Handlungsbereiche ab:

  1. „Ernte deine Stadt“ – Urban Gardening in der Stadtbibliothek Bad Oldesloe (Entwicklungsziel 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden),

  2. „Wie kommt das W in den Baum?“ – Integrationsprojekt der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam (Entwicklungsziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen),

  3. „Umwelt hautnah – Natur verstehen und erfahren“ – Kompetenzvermittlung zum Thema Nachhaltigkeit in der Berliner Bibliothek Tiergarten-Süd (Entwicklungsziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz),

Abb. 2 
          Broschüre „Bibliotheken und Nachhaltigkeit. Praktische Beispiele zum Beitrag von Bibliotheken zu den Nachhaltigkeitszielen“, ©dbv
Abb. 2

Broschüre „Bibliotheken und Nachhaltigkeit. Praktische Beispiele zum Beitrag von Bibliotheken zu den Nachhaltigkeitszielen“, ©dbv

  1. „Wissen, das ankommt. Wir machen Bücher lesbar“ – Digitalisierungsprojekt der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln für sehbehinderte Studierende (Entwicklungsziel 10: Weniger Ungleichheiten).

Auf der Webseite des dbv finden sich alle gesammelten Informationen zu den Aktivitäten des Verbandes zur UN-Agenda 2030.[13]

3 Büchereiverband Österreichs (BVÖ)

Die Ausgabe 2/15 der Fachzeitschrift des Büchereiverbandes Österreichs, die an alle Mitgliedsbibliotheken verschickt wird und als E-Paper online zur Verfügung steht, widmete sich bereits 2015 dem Thema „Go green! Bibliothek und Umwelt“.[14] In diesem Schwerpunkt wurde der Frage nachgegangen, wie Bibliotheken ihren ökologischen Fußabdruck verringern und Themen wie Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit vermitteln können. Internationale Best-Practice-Beispiele veranschaulichten gelebte Nachhaltigkeit in der Bibliothek.

Der Büchereiverband Österreichs rief Bibliotheken in der Ausgabe 1/19 der „Büchereiperspektiven“[15] sowie auf der Verbandswebseite[16] auf, ihre Projekte auf biblio2030.de zu veröffentlichen.

Im Jahr 2020 wurde die UN-Agenda 2030 in mehreren Bereichen der Verbandsarbeit miteinbezogen. Der BVÖ suchte erstmals um eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus+[17] an, gefördert wurde die Lernmobilität von Einzelpersonen. Dadurch sollte Bibliotheksbeschäftigten die Möglichkeit geboten werden, an Konferenzen und Kongressen teilzunehmen, Fortbildungskurse zu besuchen, geförderte Lehraufträge an Gastinstitutionen zu übernehmen oder Jobshadowing in Bibliotheken in Europa zu machen. Das Thema des vom BVÖ begleiteten Programmes waren die Ziele der UN-Agenda 2030, die jeweilige Mobilität musste Lernerfahrungen im Bereich der Nachhaltigkeitsziele ermöglichen.[18]

Das Thema Nachhaltigkeit wurde auch in den Aus- und Fortbildungsangeboten berücksichtigt, 2020 bot der BVÖ den von Petra Hauke geleiteten Fortbildungskurs „Die grüne Bibliothek. Nachhaltige Projekte für Bibliotheken vorstellen, diskutieren und ausprobieren“[19] an.

Unter dem Titel „UN-Agenda 2030. Nachhaltigkeit in der Bibliothek“ wurden in den Büchereiperspektiven 2/20 Bibliotheksprojekte aus Österreich vorgestellt, die zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 beitragen.

Abb. 3 
          Schwerpunktthema der „Büchereiperspektiven“ 2/20: „UN-Agenda 2030. Nachhaltigkeit in der Bibliothek“, ©BVÖ
Abb. 3

Schwerpunktthema der „Büchereiperspektiven“ 2/20: „UN-Agenda 2030. Nachhaltigkeit in der Bibliothek“, ©BVÖ

Unter anderem wurden folgende Best-Practice-Beispiele präsentiert:

  1. „Riot Kids“ – eine Veranstaltungsreihe für Kinder und Jugendliche in der Bücherei Philadelphiabrücke in Wien (Entwicklungsziel 5: Geschlechtergleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen),[20]

  2. „Gemeinsam die Welt verändern“ – Workshop der Stadtbibliothek Landeck in Kooperation mit dem Welthaus der Diözese Innsbruck (Entwicklungsziel 10: Weniger Ungleichheit),[21]

  3. „Werbung handgemacht“ – selbstgenähte Taschen aus Stoffresten zur Bewerbung der Bücherei Purgstall (Entwicklungsziel 12: Nachhaltige/r Konsum und Produktion).[22]

4 Bibliosuisse[23]

Aus dem International Advocacy Programme der IFLA entstand 2017 in der Schweiz die Arbeitsgruppe Biblio2030 unter dem Motto „Bibliotheken verändern die Welt!“, welche 2019 in die Kommission Biblio2030 überführt wurde. Mit der Kommission Biblio2030 unterstützt der Schweizer Bibliotheksverband Bibliosuisse die Bibliotheken in der Schweiz dabei, sich aktiv im Sinne der Nachhaltigkeit zu engagieren. Der Fokus liegt auf der Sensibilisierung und Sichtbarmachung:

„Die Kommission Biblio2030 setzt den Fokus ihrer Arbeit auf die Sensibilisierung. Das ist die zentrale Achse: Kommunikation nach innen mit Weiterbildungsangeboten im regulären Programm des Verbands, mit einem kleinen Sortiment an – aus Kommissionssicht – sinnvoller Merchandise, mit einer Microsite, einem Online-Werkzeugkasten, der Literatur, Tipps, Vorlagen, et cetera“.[24]

2021[25] zeigten Mitglieder der Kommission bei der „Roadshow Biblio2030“ in rund dreistündigen Weiterbildungen auf, was es mit den Nachhaltigkeitszielen auf sich hat und was diese für Bibliotheken bedeuten. Ziel ist, dass die teilnehmenden Bibliotheken einen Bezug zwischen den Nachhaltigkeitszielen und der eigenen Bibliothekspraxis herstellen und die mögliche Vorbildwirkung der Institution Bibliothek vermittelt wird. Die Kommission setzt sich aktiv dafür ein, dass der Bund die Arbeit der Bibliotheken im Kontext der nachhaltigen Entwicklung zur Kenntnis nimmt. Ferner wird bei Stiftungen um Drittmittel zur Finanzierung der Kampagne angesucht und es werden Kooperationen mit NGOs und anderen Akteuren geschlossen. Biblio2030 hat sich der Plattform Agenda 2030[26] angeschlossen und trägt aktiv zu deren Gestaltung bei. [27]

Aus der Arbeit in der Kommission ist auch die nutzerfreundliche digitale Pinnwand „Biblio2030 – Der Werkzeugkasten“[28] entstanden. Unterteilt in verschiedene Kategorien findet sich eine Vielzahl an Materialien, Drucksorten zum Download, Praxisbeispiele, Hinweise auf Kooperationspartner und Veranstaltungen.

2020 entstand gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule Graubünden ein Kampagnentrailer, der die Vielfalt an Bereichen aufzeigt, in denen Bibliotheken bereits für nachhaltige Entwicklung im Einsatz sind.[29]

Auf einer eigenen Webseite von Bibliosuisse finden sich die gesammelten Informationen rund um die Aktivitäten zur UN-Agenda 2030.[30]

5 Bibliotheksverband Südtirol (BVS)

Der Bibliotheksverband Südtirol ist Netzwerkpartner im Südtiroler Netzwerk für Nachhaltigkeit.[31] Insgesamt sind über 100 Vereine, Verbände, Organisationen und Gruppen Teil des Südtiroler Netzwerkes, das Anfang 2020 gegründet wurde. Um die Nachhaltigkeitsziele flächendeckend bekannt zu machen, wurden die Bibliotheken Südtirols als geeignete Partner erkannt. So entstand eine Wanderausstellung: Der Bibliotheksverband Südtirol und die Stadtbibliothek Bruneck gewannen 48 Bibliotheken dafür, im Jahr 2021 je zwei der Nachhaltigkeitsziele über zwei Monate mit einem Medientisch zu präsentieren. Die teilnehmenden Bibliotheken sind wiederum über die Webseite des Südtiroler Netzwerks für Nachhaltigkeit einsehbar.[32]

„Was bisher fehlte, war ein übergeordneter Rahmen mit Südtirol-Bezug. Mit dem Netzwerk für Nachhaltigkeit und den von den Bildungsausschüssen mitgetragenen Veranstaltungen werden diese Ziele in den Dörfern greifbar. Die Bibliotheken bieten die Möglichkeit, die Themen zu vertiefen, und dienen als ruhige und stimmige Orte der Begegnung. Das Netzwerk und die Bildungsausschüsse ergänzen dieses Angebot mit lokalen Ansprechpartnern, konkreten Handlungsimpulsen und einem Kreisgespräch in jeder teilnehmenden Bibliothek“,

führt die Geschäftsführerin des Bibliotheksverbandes Südtirol, Irene Demetz, aus.[33]

Der Schwerpunkt der Fachzeitschrift für Südtiroler Bibliotheken „Zum Lesen“ der Ausgabe 1/2021[34] widmete sich den 17 Nachhaltigkeitszielen und dem Beitrag der Bibliotheken zur UN-Agenda 2030.

2021 veröffentlichte der BVS einen Videotrailer[35] zu den 17 Nachhaltigkeitszielen. Es kommen darin Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus verschiedenen Bibliotheken zu Wort und erzählen, wie die Bibliothek zur Erreichung einzelner Nachhaltigkeitsziele beiträgt. Währenddessen sind Videoaufnahmen aus der jeweiligen Bibliothek zu sehen.

Auf der Webseite des Verbandes finden sich eine Linksammlung zu regionalen und internationalen Akteuren im Bereich der UN-Agenda 2030 sowie Materialien zum Download.[36]

6 Netzwerk Grüne Bibliothek

Das „Netzwerk Grüne Bibliothek“ wurde 2018 von Vertreterinnen und Vertretern aus „Grünen Bibliotheken“, aus den Bibliotheks- und Informationswissenschaften sowie Studierenden und FaMI-Auszubildenden gegründet.[37] Das Netzwerk bündelt Informationen darüber, wie Bibliotheken sich gezielt für Klima- und Ressourcenschutz und die 17 Nachhaltigkeitsziele einsetzen können. Es vereint Information, Beratung, Vernetzung, Vorträge, Workshops, Aus- und Weiterbildung, Forschung. Zum Erfahrungsaustausch wird ein virtuelles Ideen-Café geboten, aktive Mitglieder des Netzwerks stehen für Workshops zur Verfügung, außerdem gibt es Handreichungen und Praxis-Guides für verschiedene Nachhaltigkeitsprojekte.[38] Auf der Webseite findet sich eine umfangreiche internationale Bibliografie, in der Quellen nach zwölf Sprachen zum Themenbereich Grüne Bibliothek selektiert werden können.[39]

„Das Netzwerk Grüne Bibliothek möchte das Thema Nachhaltigkeit stärken und Bibliotheken in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz dazu bringen, dahingehend aktiver zu werden. Dabei geht es um den Austausch und darum, Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch institutionell zu verankern. Noch ist das Netzwerk erst im Entstehen und dabei, seine Strukturen zu finden.“[40]

So äußerte sich Tim Schumann, Mitgründer des Netzwerks Grüne Bibliothek, in einem persönlichen Interview.

7 Fazit

In vielen Bibliotheken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol werden Projekte, Veranstaltungen und Initiativen im Bereich der 17 Entwicklungsziele organisiert und umgesetzt, Nachhaltigkeit ist in die Programmarbeit vieler Bibliotheken eingekehrt. Dieses Engagement kann im Einzelnen an dieser Stelle nicht abgebildet werden, es zeichnen sich aber Trends ab, die überregional in Bibliotheken umgesetzt werden: die Bibliothek der Dinge, Upcycling-Projekte, Repair-Cafés oder Saatgutbibliotheken.[41]

Die vier Bibliotheksverbände setzen auf Vernetzung und Kooperation, sie machen die Leistungen der Bibliotheken sichtbar und bieten Unterstützung in der Bibliothekspraxis. Die Lobbyarbeit der Bibliotheksverbände und die Positionierung der Bibliotheken im Kontext der UN-Agenda 2030 zeigen einmal mehr die gesellschaftliche Relevanz von Bibliotheken.

Über den Autor / die Autorin

Katharina Portugal

Büchereiverband Österreichs, Museumstraße 3/B/12, A-1070 Wien, Österreich

Literaturverzeichnis

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Online erschienen: 2021-11-27
Erschienen im Druck: 2021-12-31

© 2021 Katharina Portugal, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 27.1.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/bfp-2021-0072/html
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