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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 27, 2021

Zwischen kulturellem Erbe und digitaler Herausforderung

Das Engagement der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln für die Nachhaltigkeitsziele der UN

Between Cultural Heritage and Digital Challenge
The Cologne University and City Library’s Commitment to the UN’s Sustainable Development Goals
  • Maria Schrempp

    Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Leiterin der Stabsstelle Marketing | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

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    , Ralf Depping

    Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Dezernent für Forschungs- und Publikationsunterstützung, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

    , Claudia Piesche

    Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Dezernat 1 – IT-Dienste, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

    and Hildegard Schoel

    Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Stabsstelle Marketing | Dezernat Historische, Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

Zusammenfassung

Als eine der größten Wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands sehen wir uns in der Verantwortung Wissen zu vermitteln, Bildung zu fördern und eine zuverlässige Informationsversorgung zu realisieren. Mit vielen unserer Kernaufgaben leisten wir einen Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen, was uns zu einem relevanten Akteur bei der Umsetzung der UN-Agenda-Ziele macht. Neben unserem eigenen Engagement ist es uns ein Anliegen, ein Bewusstsein bei unserer Nutzerschaft für das Thema zu schaffen. Das passiert schon jetzt auf vielfältigen Wegen: Im Bereich Open Access fördern wir den ungehinderten Zugang zu wissenschaftlicher Information, wir digitalisieren und bewahren kulturelles Erbe für künftige Generationen und ermöglichen den Zugriff auf mehr als acht Millionen Titel. Diese Bemühungen um Nachhaltigkeit, die sich unmittelbar aus unserer Arbeit ergeben, möchten wir in einer Strategie zum Thema bündeln. Dazu zählt eine Vision für die Zukunft genauso wie eine realistische Einschätzung der Grenzen einer Strategie, beispielsweise im Rahmen der CO₂-Bilanz der Gebäude.

Abstract

As one of the largest academic libraries in Germany, we see it as our responsibility to impart knowledge, promote education, and realise a reliable supply of information. Our core tasks alone make us a sustainable institution and thus a relevant player in the implementation of the UN Agenda Goals. In addition to our own contribution to sustainability, we are committed to a raising awareness of the issue among our more than 63,000 users. This is already happening in a variety of ways: in the area of open access we promote unhindered access to scientific information, we digitise and preserve cultural heritage for future generations, and we provide access to more than eight million titles. We would like to bundle these efforts for sustainability which result directly from our work in a strategy on the topic. This includes a vision for the future as well as a realistic assessment of the limits of a strategy, for example in the context of the CO₂ balance of the buildings.

1 Einleitung

Hochschulbibliotheken sind frei zugängliche, konsum- und vorurteilsfreie Lernorte und bieten damit optimale Möglichkeiten, sich als Multiplikatoren für die UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 einzusetzen. Wer heute viele Stunden in einer Bibliothek lernt, erinnert sich vielleicht morgen an die Agenda-Ziele, die dort thematisiert wurden und wird diese idealerweise im eigenen Alltag oder Berufsleben berücksichtigen. Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) fühlt sich den Zielen der Vereinten Nationen allein schon aufgrund ihrer traditionellen Kernaufgaben verpflichtet. Als Ausleihbibliothek mit über 63 000 angemeldeten Nutzerinnen und Nutzern, über 900 000 Ausleihen von Printmedien und mehr als 4 Mio. E-Books handelt die USB per se nachhaltig, denn Studierende aller öffentlichen NRW-Hochschulen, die Beschäftigten der Universität, Schülerinnen und Schüler sowie Menschen mit geringem Einkommen erhalten einen kostenlosen Zugang zum gesamten Print- und E-Medienangebot.

Besonders das Ziel Nummer 4 der UN-Agenda, das eine hochwertige Bildung für alle Menschen anstrebt, wird in einer Wissenschaftlichen Bibliothek selbstverständlich unterstützt. Das Thema spielt eine zentrale Rolle, da Bildung und Wissenschaft eine Grundvoraussetzung dafür sind, zahlreiche der anderen Agenda-Ziele zu erreichen. Forschung und Innovationen beflügeln im Idealfall verschiedenste Lebensbereiche. Medizinische Forschung führt dazu, dass mehr Krankheiten behandelbar sind, Innovationen in der Wissenschaft tragen maßgeblich zum Wohlstand bei und zahlreiche Forschende entwickeln umweltfreundliche und nachhaltige Produkte, Produktionsverfahren, Verfahren zur Luftreinhaltung, Erhaltung der Wasserqualität, Verbesserung unserer Nahrungsmittel und vieles mehr.

Das Thema Nachhaltigkeit war an der USB Köln anfangs eine Bottom-up-Initiative aus dem Kreis der Bibliotheksbeschäftigten und musste erst seinen Weg in die Bibliotheksleitung finden. Deren Aufgabe ist es nun, Nachhaltigkeit in den Strategieplan der USB zu integrieren. Zudem haben das Rektorat und der Senat der Universität zu Köln im Oktober 2020 beschlossen, rund um das Thema Nachhaltigkeit Maßnahmen und Projekte zu erheben und zu bündeln, um auf dieser Basis ein universitäres Nachhaltigkeitskonzept zu entwickeln.[1]

2 Neue Aufgaben für Hochschulbibliotheken

Bei allen Wissenschaftlichen Bibliotheken gehört es zu den Kernaufgaben, die Lehre und Forschung der jeweiligen Hochschule zu unterstützen, indem die dafür notwendigen Informationsressourcen bereitgestellt werden. Auch wenn Hochschulbibliotheken immer mehr elektronische Dienstleistungen anbieten, ist diese Grundaufgabe über die Jahrhunderte gleich geblieben. In einer Hinsicht hat sich die Aufgabe der Hochschulbibliotheken im Laufe der letzten Jahrzehnte aber deutlich ausgeweitet: Während es früher Kernaufgabe war, die Angehörigen der eigenen Hochschule und gegebenenfalls noch die Bevölkerung der Region mit Informationsressourcen zu versorgen, hat es mit der zunehmenden Bedeutung von Open Science und Open Access einen deutlichen Paradigmenwechsel gegeben, so dass große Hochschulbibliotheken einen Beitrag dazu leisten, dass die Forschungsleistungen (in Form von Publikationen und Forschungsdaten) der eigenen Hochschule international noch besser wahrnehmbar und nutzbar sind.

Die Zusammenarbeit der Wissenschaft in der aktuellen Covid-19-Pandemie hat eindrücklich bewiesen, dass über einen offenen Austausch von Forschungsergebnissen Erfolge zum Beispiel bei der Impfstoffentwicklung in einer Geschwindigkeit möglich sind, die bisher undenkbar waren. Das Prinzip Open Science verhilft zu deutlich verbesserten Möglichkeiten der Kooperation und setzt auf die freie Zugänglichkeit von Wissen. War bisher der Großteil des wissenschaftlichen Fortschritts hinter kostspieligen Bezahlschranken zum Beispiel durch die Veröffentlichung in teuren Zeitschriften verborgen, so ermöglicht das Open-Science-Prinzip eine schnelle und leichte Zugänglichkeit der Forschungsergebnisse. Damit unmittelbar verbunden ist die durch den offenen Zugriff und durch Transparenz entstehende Chancengleichheit für Länder und Regionen, die sich den Zugang zu kostenpflichtiger Literatur nicht leisten können.

3 Open Science und Open Access in der USB

Da sich die USB Köln den Grundsätzen der Open Science verpflichtet fühlt, informiert sie auf ihrer Homepage[2] ausführlich über das Thema und bietet individuelle Beratungen und Schulungen an. Sie ermöglicht sowohl die Erst- als auch Zweitveröffentlichung von Publikationen im Open Access und hostet eine wachsende Anzahl von Open-Access-Journalen, die mit dem international gebräuchlichen Open-Journal-System[3] administriert werden. Das eröffnet die Möglichkeit, eigene Open-Access-Journale herauszugeben oder auch Journale auf Open Access umzustellen, die bisher in Print erschienen sind.

Die an der Universität zu Köln entstehenden digitalen Publikationen und Forschungsdaten erhalten über die USB eine DOI als persistenten Identifikator, mit der die einfache Auffindbarkeit der Materialien gewährleistet wird. Außerdem beteiligt sich die Bibliothek an Transformationsverträgen, wie zum Beispiel DEAL,[4] mit denen Zeitschriften, die bisher lizenzpflichtig waren, in Open Access transformiert werden.

Die USB engagiert sich darüber hinaus im Bereich der Forschungsdaten, wo die Prinzipien des Open Science als „FAIR Data Principles“ konkretisiert werden.[5] Das Streben nach Auffindbarkeit, freier Zugänglichkeit, Interoperabilität und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Open-Science-Prinzipien einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit von Forschung leisten. Als Kooperationspartner des Cologne Competence Center für Research Data Management C3RDM[6] bietet die USB umfassende Beratungs- und Schulungsdienstleistungen zum Umgang mit Forschungsdaten an und entwickelt perspektivisch auch technische Dienstleistungen wie ein Repositorium für Forschungsdaten. Als Teil des Konsortiums nfdi4Health[7] wirkt die Bibliothek am Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur für personenbezogene Gesundheitsdaten mit.

4 Kultur gestalten und erhalten

Die USB verfügt über einen umfangreichen und bedeutenden historischen Bestand und hat inzwischen bereits 81 unterschiedliche Sammlungsportale online gestellt,[8] über die der Forschung teilweise retrodigitalisierte Bestände in Open Access zur Verfügung gestellt werden. Sie dokumentiert, digitalisiert und bewahrt kulturelles Erbe für zukünftige Generationen. Dazu gehört natürlich auch die Buch- und Papierrestaurierung des Altbestands, wofür ausschließlich säurefreie Papiere und keine Materialen aus Kunststoff verwendet werden.

Weil die Sammlungsportale mit dem Online-Katalog verknüpft sind, ergibt sich durch die Suche im USB-Bestand ein Mehrwert an Informationen. Die Verlinkungen zu den einzelnen Sammlungsportalen klären Fragen wie: Welcher Sammlungskontext besteht hier? Wie ist ein bestimmtes Buch in die Bibliothek gelangt? Ohne Sammlungsportale gingen diese Informationen verloren. Ein Beispiel hierfür ist die „Bibliothek Ferdinand Franz Wallraf“.[9] Mit derselben Technik erstellt die USB auch Portale für Institutssammlungen und berät bei der Erfassung von besonderen Medien, wie dem „Kölner Münzportal“ [10] oder auf kommunaler Ebene der „Kölner Jesuitensammlung“[11].

Auch aus dem Ausland werden die historischen Bestände vermehrt angefragt, wodurch die USB zur internationalen Forschungsunterstützung beiträgt. Im Rahmen der Provenienzforschung werden die Herkunft und die wechselnden Besitzerverhältnisse des Altbestandes geklärt, überregional verzeichnet und im Fall von NS-Raubgut restituiert.

Museen und Dokumentationszentren richten Leihanfragen an die USB, um die historischen Bestände im Rahmen von Ausstellungen zu präsentieren. Wenn keine konservatorischen Gründe dagegensprechen, werden die Bücher des Altbestands für diesen Zweck verliehen. Doch auch die USB nutzt ihre eigenen Räumlichkeiten regelmäßig als Ausstellungsfläche, da sie sich neben ihrer Eigenschaft als klassische Ausleihbibliothek auch als ein kulturelles Zentrum in der Stadt Köln versteht. Als kulturelle Einrichtung trägt sie zum Agenda-Ziel Nummer 11 – Nachhaltige Städten und Gemeinden – bei.

Im Haus finden zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen statt, die sich an Studierende, Angehörige der Universität zu Köln sowie an die interessierte Bevölkerung richten. Ein Beispiel ist die Ausstellung „Concrete:Imagination. Die Ästhetik des Brutalismus“.[12] Von Februar bis September 2020 zeigte die USB, die selbst ein Bau des Brutalismus ist, spektakuläre Architekturfotografien des Künstlers Gregor Zoyzoyla. Gerade der Brutalismus hat es dem Frankfurter Fotografen angetan und so reist er zu den Betonbauten nach Belgrad, London, Marseille oder Köln und dokumentiert die rohe Schönheit ihrer Treppenhäuser, Fassaden und brutalistischen Details.

Abb. 1 
          Poster zur Ausstellung „Concrete:Imagination. Die Ästhetik des Brutalismus“, Foto: Gregor Zoyzoyla, Gestaltung: Simon Epp
Abb. 1

Poster zur Ausstellung „Concrete:Imagination. Die Ästhetik des Brutalismus“, Foto: Gregor Zoyzoyla, Gestaltung: Simon Epp

5 Besondere Services für Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen

Die USB richtet ein besonderes Augenmerk darauf, dem sehr unterschiedlichen Publikum und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. In Zusammenarbeit mit dem Servicezentrum Inklusion der Universität zu Köln[13] werden Bücher, Lernmaterialien und Skripte digitalisiert und somit lesbar für sehbehinderte Studierende gemacht. Damit kommt die USB dem Agenda-Ziel Nummer 10 – Weniger Ungleichheit – näher.

Mit ihren langen Öffnungszeiten bis Mitternacht und am Wochenende ermöglicht die USB Menschen den Zugang zur Bibliothek, die zum Beispiel aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit auf Randzeiten angewiesen sind. Einkommensschwache Menschen bekommen vor Ort kostenlose Bibliotheksausweise.

Für Eltern mit Kindern gibt es einen abgetrennten Eltern-Kind-Raum, wohin der Nachwuchs bei Betreuungsengpässen mitgebracht werden kann. Dort gibt es neben vier vollwertigen Arbeitsplätzen mit Stromanschluss Spielzeug, Stifte und Bücher für die Kinder sowie einen Stillsessel. Das entlastet die Eltern und ermöglicht ihnen so die bessere Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie. Die USB kooperiert in der Sache mit dem Dual Career & Family Support der Universität, dem AStA-Referat Studium mit Kind und dem Büro der Gleichstellungsbeauftragten.

Abb. 2 
          Eltern-Kind-Raum, ©Mihailo Trifunovic
Abb. 2

Eltern-Kind-Raum, ©Mihailo Trifunovic

6 Umwelt- und Klimaschutz an der USB

Bezogen auf den Umwelt- und Klimaschutz geht die USB verschiedene Wege, um ihr Handeln nachhaltig zu gestalten und einen Beitrag zu den Agenda Zielen 12 – Verantwortungsvoller Konsum – und 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz – beizutragen. Im Haus gibt es zahlreiche Initiativen, um den Verbrauch von Papier zu reduzieren. Das ehemals vielfältige Angebot von Informationsbroschüren wurde umgestellt auf einen zentralen Flyer, der neue Nutzerinnen und Nutzer mit Einstiegsinformationen versorgt und sie auf weitere digitale Informationsquellen verweist. An den Selbstbedienungsgeräten der Bibliothek werden Quittungen nur bei Bedarf und auf Anforderung hin ausgedruckt. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, kostenlos zu scannen als Alternative zu Papierkopierern. Dabei setzt die USB auf Recyclingpapier.

Unter dem Motto „Green (durch) IT“ beteiligen sich auch die IT-Dienste am Nachhaltigkeitsgedanken und tragen zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Ein Beispiel dafür ist die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Virtualisierung von Arbeitsplätzen, die gemeinsames Arbeiten trotz verschiedener Standorte ermöglicht. Durch den Einsatz von Kommunikations- und Konferenztools für virtuelle Meetings anstatt realer Vor-Ort-Termine ergeben sich unter anderem positive Auswirkungen auf die Ressourcennutzung und die Umweltverschmutzung. Ebenso ermöglicht die Virtualisierung im Desktop-Bereich das Zur-Verfügung-Stellen virtueller Arbeitsplätze. Die USB nutzt für die Virtualisierung eine Citrix-Umgebung, die allen Beschäftigten den gleichen Arbeitsplatz vor Ort und im Home-Office bereitstellt.

7 Nachhaltigkeitsstrategien in der IT

Ein weiteres wichtiges Thema ist die nachhaltige Beschaffung von Hardware nach dem Prinzip „Reparieren bzw. Recyceln vor Neubeschaffung“. Das trägt dazu bei, scheinbar unbrauchbare Teile in anderen Anwendungsszenarien zu nutzen. Die Beschaffungsstrategie für neue Hardware orientiert sich soweit möglich an Kriterien der Ressourcenschonung und Energieeffizienz. Nicht mehr benötigtes Equipment wird umweltschonend entsorgt oder einer externen Nachnutzung zur Verfügung gestellt.

Neben der Beschaffung wird auch im Betrieb der IT-Systeme auf energie- und ressourcensparende Umsetzung geachtet. Dazu zählen unter anderem das Abschalten aktuell nicht benötigter Systeme, die Virtualisierung von Systemen, der Umstieg auf Cloud-Lösungen, die in energieeffizienten Rechenzentren betrieben werden und eine mittelfristige Auslagerung der Serverinfrastruktur in moderne, energiesparende Rechenzentren. Die Nutzung von Ökostrom zum Betrieb der IT-Infrastruktur wurde erfreulicherweise im Zusammenspiel aller Akteure der Universität zu Köln realisiert und wird ab dem 1. Januar 2022 erfolgen. Die Universität zu Köln plant dann regelmäßig ihren CO2-Fußabdruck in einer Jahresbilanz zu ermitteln und ihn weiter zu reduzieren.[14]

8 Nachhaltigkeit durch Softwareentwicklung

Ein Ziel öffentlich geförderter Systementwicklung ist die Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit durch Unterstützung von Open-Source-Strategien. Auch die in der USB implementierten Anwendungen werden als Open-Source-Entwicklungen der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Bestes Beispiel dafür ist die Software hinter unserer Recherche-Infrastruktur KUG, dem „Kölner UniversitätsGesamtKatalog“. Dieser basiert auf der Open-Source-Software OpenBib, die öffentlich in github[15] zur Nachnutzung bereitsteht.

Die Idee hinter offener Software ist die Schaffung eines niederschwelligen Angebots zur Nutzung, wodurch sich die bereits entwickelten Programme etablieren und durch eine breite Community weiterentwickelt werden können. Der Nebeneffekt ist eine gewisse Demokratisierung des Entwicklungsprozesses, da viele Entwickler teilhaben können und den Entwicklungsprozess und das Ergebnis damit robuster machen. Die kostenfreie Nachnutzung von Open-Source-Software ermöglicht es auch für Institutionen aus ärmeren Regionen der Welt, die hohe Lizenzkosten nicht aufbringen können, aktuelle Anwendungen zur Verfügung zu stellen.

9 Strategien für die Zukunft

Auch wenn schon viel erreicht wurde, ist die USB im Sinne der Nachhaltigkeit natürlich noch nicht am Ziel, sondern will sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Die Frage, wie eine zukunftsfähige Nachhaltigkeitsstrategie in einer Universitätsbibliothek aussehen kann, stellte sich erstmals im Zuge einer Fortbildung des Deutschen Bibliotheksverbands im Oktober 2019, unter Leitung von Hella Klauser: „Wir alle sind Agenda 2030 – Nachhaltigkeitsziele als Auftrag und Chance“. Davon motiviert war der erste Schritt, die Bibliotheksservices vor Ort anhand der 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu überprüfen und online zu dokumentieren.[16]

Nach der Bestandsaufnahme „Was wir schon tun“[17] folgt natürlich die Frage „Was können wir darüber hinaus erreichen?“[18] Um Ideen zu entwickeln, bietet es sich an, ein sogenanntes „Green Team“[19] zu bilden, dem Universitätsangehörige aus allen Dezernaten und Abteilungen angehören. Die zentrale Aufgabe des Teams ist es, Ressourcenverschwendung betriebsintern und im Benutzungsbereich zu ermitteln und zu beheben. Wichtig ist hier die interne Kommunikation, denn die Arbeitsergebnisse des Green Teams müssen für alle Beschäftigten nachvollzieh- und umsetzbar aufbereitet werden.

Projekte und Initiativen sollten via Webauftritt, Social Media, in den Bibliotheksräumen und wenn möglich in Tagespresse und Fachartikeln veröffentlicht werden, um ein Bewusstsein für die Themen zu erzeugen. Bei einer sehr ausgeprägten zweischichtigen Bibliothekslandschaft wie in Köln ist auch die Beratung der dezentralen Bibliotheken Teil des Nachhaltigkeitskonzepts. Die dezentralen Standorte müssen deshalb frühzeitig in Initiativen eingebunden werden.

10 Grenzen und Visionen

Die jährlich stattfindenden Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit[20] bieten einen guten Anlass für konkrete Nachhaltigkeitsaktionen, die auch über die Dauer der Aktionstage hinaus fortgeführt werden können. Als erste Aktion unterstützt die USB das Projekt „BlechWech“, wofür im Foyer eine Sammelstelle für Kronkorken eingerichtet wurde. Durch die Initiative einer Kölner Doktorandin kommt der Erlös der recycelten Kronkorken Impfprojekten in Afrika zugute.[21]

Abb. 3 
          Sammeltonne für Kronkorken, ©Mihailo Trifunovic
Abb. 3

Sammeltonne für Kronkorken, ©Mihailo Trifunovic

Bei kostenintensiven Aktionen lohnt sich die Frage, ob es eventuell Sponsoren oder öffentliche Finanzierungshilfen für Nachhaltigkeitsprojekte gibt. Künftig sollen vor der Einführung von Nachhaltigkeitsprojekten Umfragen auf der Homepage und über die Social-Media-Kanäle durchgeführt werden, bei denen die Nutzerschaft nach ihrer Meinung gefragt werden. Solche Umfragen verbessern die Akzeptanz für das Umweltengagement einer Hochschulbibliothek und sind gleichzeitig ein Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit.

Doch bei aller Motivation gibt es auch Grenzen einer Strategie, mit denen das Green Team sich wird auseinandersetzen müssen. Die USB gerät beispielsweise im Bereich der Gebäudetechnik schnell an ihre Grenzen. Auflagen des Denkmalschutzes und die schlechte Bausubstanz der Gebäude aus den 1960er-Jahren beschränken die Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck der Bibliothek weiter zu verringern. Die Universität zu Köln achtet seit längerem auf nachhaltiges Bauen und Sanieren,[22] in einem unsanierten und ungedämmten Gebäude wie der USB sind ohne eine Generalsanierung jedoch die Spielräume begrenzt.

Platz für Visionen bleibt natürlich trotzdem, und davon gibt es einige: Sei es ein stromerzeugendes Fahrradergometer für Studierende im Foyer,[23] ein offener Bücher

Abb. 4 
          Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, ©Veronika Kraus
Abb. 4

Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, ©Veronika Kraus

schrank[24] zum Teilen von Literatur im Sinne einer Sharing Economy oder Hochbeete[25] und Insektenhotels im Außenbereich der Bibliothek zur Unterstützung der urbanen Biodiversität.

11 Fazit

Hochschulbibliotheken sind heute sehr viel mehr als reine Literaturversorger und Unterstützer von Forschung und Wissenschaft. Sie sind vielerorts auch Kultureinrichtungen, Bildungsstätten und Orte für Begegnungen. In diesem Zuge kann auch die Umsetzung der UN-Agenda-Ziele zu einem wichtigen Aspekt im Alltagsgeschäft werden. Erstens können mit konkreten Projekten Beiträge zu Agenda-Zielen geleistet werden. Und zweitens kann bei der überwiegend jungen Nutzerschaft, die hauptsächlich aus Studierenden besteht, ein Bewusstsein für nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln geschaffen werden. Gerade dieser Aspekt sollte die Akzeptanz für nachhaltige Projekte an Hochschulbibliotheken untermauern und zu Engagement motivieren.

Über die Autoren

Maria Schrempp

Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Leiterin der Stabsstelle Marketing | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

Ralf Depping

Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Dezernent für Forschungs- und Publikationsunterstützung, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

Claudia Piesche

Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Dezernat 1 – IT-Dienste, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

Hildegard Schoel

Universität zu Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Stabsstelle Marketing | Dezernat Historische, Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung, Universitätsstr. 33, D-50931 Köln

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Online erschienen: 2021-11-27
Erschienen im Druck: 2021-12-31

© 2021 Maria Schrempp et al., publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 5.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/bfp-2021-0074/html
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