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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter April 7, 2022

„Informationsvermittlung kooperativ“ an der Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

“Cooperative Information Literacy” at the Library of the University of Applied Sciences (HTW) Dresden
Rebecca Krentz and Petra-Sibylle Stenzel

Zusammenfassung

Ein sowohl breites als auch zeitgemäßes Schulungs- und Workshopangebot für Studierende, Lehrende und MitarbeiterInnen zu ermöglichen, stellt für viele kleinere wissenschaftliche Bibliotheken eine große Herausforderung dar. An der Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) wird dies mit eigener Inhouse-Expertise und gezielter Zusammenarbeit mit AkteurInnen aus unterschiedlichen Bereichen erfolgreich realisiert. Dieser Beitrag beschreibt die Vorgehensweise beim Aufbau eines solchen Netzwerkes und zeigt die Chancen, aber auch Risiken für derartige Kooperationen auf.

Abstract

Providing a broad and up-to-date range of training and workshops for students, faculty and staff can be a major challenge for many smaller libraries. At the Library of the Dresden University of Applied Sciences (HTW), this is realized with in-house expertise and targeted cooperation with partners from several departments. This article describes the approach for setting up such a cooperation network and highlights opportunities as well as risks for such cooperations.

1 Kreativ mit Kooperation

Informationsvermittlung ganzheitlich zu denken, so wie es bereits 2012 von der Hochschulrektorenkonferenz[1] gefordert wurde, heißt für uns, Studierende beim Erlernen von guter wissenschaftlicher Praxis zielgerichtet und individuell zu unterstützen, aber auch hilfreiche Services für Lehre und Forschung anzubieten. Als kleine Hochschulbibliothek mit 12 MitarbeiterInnen und einer potentiellen NutzerInnenanzahl von fast 5 000 Studierenden, ca. 500 Beschäftigten sowie knapp 1 500 externen NutzerInnen ist dies personaltechnisch jedoch nicht allumfänglich möglich und zufriedenstellend realisierbar. Daher setzen wir besonders auf das Know-how und die Expertise, die wir innerhalb der Hochschule vorfinden. Diese erwies sich auch während der Zeit der Coronapandemie als wertvolle Unterstützung. Unseren Ansatz „Informationsvermittlung kooperativ“ möchten wir auf den folgenden Seiten näher ausführen.

2 Anfänge kooperativer Strukturen

Seit der Gründung der Hochschulbibliothek 1992 spielt Informationsvermittlung eine wichtige Rolle. Ab 2016 konnte das Portfolio angebotener Schulungen durch personelle Veränderungen, individuelle Weiterbildung und Neustrukturierungen jedoch wesentlich ausgebaut werden. Das neu erstellte Schulungskonzept[2] umfasste die Themenbereiche „bibliothekarische Recherche“ sowie „wissenschaftliches Arbeiten“. Beworben wurde es über die Webseite sowie über Rundmails an Studierende, Beschäftigte und Lehrende. Das erste bereichsübergreifende Projekt ließ nicht lange auf sich warten und ergab sich aufgrund des glücklichen Umstandes, dass im Zuge eines internen Projektes innerhalb des Prorektorates für Lehre und Studium und des e-Campus-Teams[3] alle an der Hochschule bestehenden Schulungsangebote zum Thema wissenschaftliches Arbeiten gebündelt, neu aufbereitet und sichtbar gemacht werden sollten. Die Bibliothek wurde angefragt und konnte sich als aktive Projektpartnerin in die Neugestaltung miteinbringen. So entstand ab Sommer 2017 ein Online-Kurs[4] im internen Lernmanagement-System OPAL, der seitdem die Studierenden in den verschiedenen Phasen beim Erstellen einer schriftlichen Arbeit unterstützt. Zudem bestand nun die Möglichkeit, innerhalb der Kursbausteine auf bereits vorhandene Workshops Bezug zu nehmen und ggf. zu verlinken.

Als sich Ende 2017 das Zentrum für fachübergreifende Bildung (ZfB)[5] an der Hochschule gründete, bekam die Hochschulbibliothek zeitnah die Möglichkeit, ihr Angebot dem Institutsdirektor vorzustellen. Eine enge Kooperation wurde vereinbart, in deren Folge ab dem Sommersemester 2018 bis zum Sommersemester 2020 unter anderem sowohl eine Schreib- als auch eine Sprachberatung in den Räumen der Hochschulbibliothek stattfand. Dies stellte gemeinsam mit dem neuen, individuellen Bibliotheks-Beratungsangebot „Fit für die Bachelorarbeit“[6], welches fast zeitgleich an den Start ging, sowie dem Online-Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten, eine optimale Verzahnung von Theorie und Praxis sicher.

Auch bei der Organisation von Veranstaltungen können wir Synergien nutzen, die sich nicht zuletzt aus bereits erfolgreich abgeschlossenen, gemeinsamen Projekten ergeben. So findet seit 2018 in der Hochschulbibliothek jährlich die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ statt. Diese wird vom Team Informationsvermittlung der Hochschulbibliothek organisiert, lebt aber vom Engagement vieler Beteiligter innerhalb der Hochschule. Für das im Rahmen dieses Events angebotene „Speed Dating mit deinen Profs“ konnten Lehrende aus allen Fakultäten der Hochschule gewonnen werden, die gern den Studierenden individuelle Beratung ermöglichten. ProfessorInnen hielten Vorträge zum richtigen Zitieren sowie zum Zeit- und Selbstmanagement und die Schreib- und Sprachwerkstatt bot einen Workshop an. Da die Vorträge teilweise zusätzlich auf Englisch gehalten wurden, konnten wir auch unseren ausländischen Studierenden attraktive Programmpunkte bieten. Unser externer Partner im betrieblichen Gesundheitsmanagement der HTW war mit einem Smoothie-Bike und Gesundheitstipps vor Ort und die psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerkes Dresden gab Tipps zum Umgang bei Prüfungsangst. Nicht zuletzt engagierten sich unsere KollegInnen der Bibliothek bei der Zusammenstellung eines kostenlosen Buffets. Mit angeleiteten Yoga-Stunden zwischen den Workshops verschaffte eine unserer MitarbeiterInnen tiefe Entspannungsmomente. Die Werbung für derartige Veranstaltungen gestalten wir i. d. R. in Eigenregie. Unterstützt wurden wir dabei stets von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule, die auf all ihren verfügbaren Kanälen für unsere Events warb.

Die Zusammenarbeit mit dem e-Campus-Team ermöglichte uns „fast nebenbei“ die Aneignung notwendiger Kompetenzen, um schon bald einen eigenen Bibliotheks-Kursraum innerhalb von OPAL zu erstellen. Dort platzierten wir die wichtigsten Schulungsinhalte und Handouts, die wir mit kurzen Screencasts ergänzten.

Als die Türen der Bibliothek im März 2020 coronabedingt für unbestimmte Zeit schließen mussten, konnte dieser Kursraum unmittelbar danach online gehen. Die über 4 500 Zugriffe im Jahr 2020 sprechen für das hohe Interesse an diesen Themen, aber auch für das Bedürfnis, die eigene Recherchekompetenz zu verbessern – und dies sogar freiwillig und außercurricular.

Um als Hochschulbibliothek auch unter diesen extremen Bedingungen mit der Hochschule und ihren Studierenden in Kontakt zu bleiben und um als Einrichtung weiterhin gesehen und wahrgenommen zu werden, schnürten wir in kurzer Zeit ein kompaktes Maßnahmenpaket. Dazu gehörte selbstverständlich die verstärkte Erwerbung und anschließende Verfügbarkeit von elektronischen Ressourcen, aber auch das Bestreben, schnellstmöglich Schulungsveranstaltungen als Web-Seminare anzubieten. Über einen speziell eingerichteten virtuellen Raum wurde unseren BibliotheksnutzerInnen die Möglichkeit gegeben, online an Kursen teilzunehmen. Das Ziel war, ein niedrigschwelliges Angebot zu kreieren und dieses nicht nur für Mitglieder der Hochschule, sondern auch für weitere Interessierte zu öffnen. Dadurch wollten wir als kompetente Partnerin unkompliziert und direkt ansprechbar bleiben. Da diese Veranstaltungen von den Studierenden sehr gut angenommen wurden, fühlten wir uns ermutigt, als eine der ersten Bibliotheken die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ am 5. Mai 2020 erstmals virtuell zu veranstalten. Zentral waren hierbei wieder der Gedanke der Zusammenarbeit und das Zurückgreifen auf Kompetenzen und Expertise innerhalb der Hochschule, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass dieser Abend, trotz des bis dato noch eher ungewöhnlichen und ungewohnten Formates, für alle Beteiligten äußerst gewinnbringend war. Auch im folgenden Jahr veranstalteten wir eine „Virtuelle Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“, in bewährter Weise unterstützt vom e-Campus-Team, dem Prorektorat für Lehre und Studium sowie von der psychosozialen Beratungsstelle Dresden. Besonders freute uns, dass wir dafür außerdem zwei ProfessorInnen aus der HTW gewinnen konnten, die erstmals zu den Themen LaTex sowie „Achtsames Schreiben“ einen Workshop beisteuerten.

3 Risiken ...

Während für einen großen Teil der Öffentlichen Bibliotheken Kooperationen jeglicher Art mittlerweile zum Tagesgeschäft gehören, sind für wissenschaftliche Bibliotheken diese – wenn sie nicht innerhalb von geförderten, wissenschaftlichen Projekten entstehen – schwieriger zu realisieren. Besonders Kooperationen, die innerhalb der Hochschule gefunden werden, sind in der Regel nicht schriftlich oder vertraglich geregelt, zudem meist nicht auf Dauer angelegt, sondern punktuell und projektbezogen. Funktionierende Zusammenarbeit liegt im „Goodwill“ der Beteiligten und lebt maßgeblich von deren intrinsischer Motivation und Überzeugung, einen Mehrwert für die Institution zu schaffen. Daher ist es für alle Beteiligten essentiell, im Vorfeld genau auszuloten, inwiefern zeitliche Kapazitäten für die geplante Dauer des gesamten Projektes belastbar vorhanden sind, zumal in aller Regel für diese Art der Zusammenarbeit keinerlei zusätzlichen finanziellen oder gar personellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Gegebenenfalls müssen Ideen zunächst zurückgestellt oder auf Eis gelegt werden, wenn die Bedingungen keinen optimalen Projektverlauf verheißen. Ein weiteres Risiko kann darin bestehen, dass sich PartnerInnen im Laufe des Projektes nicht mehr kooperativ zeigen. Wichtig sind daher klare Absprachen im Vorfeld sowie ein kontinuierlicher Austausch, sodass auftretende Probleme rechtzeitig erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Vermutlich haben Projekte, die den übergeordneten Zielen und Strategien der gesamten Organisation zuträglich sind, Projekte mit Prestigecharakter sowie im Anschluss gut vermarktbare Projekte insgesamt gesehen größere Chancen, erfolgreich beendet zu werden.

4 ... und Chancen erfolgreicher Kooperation

Wie sollte man bei der Akquise potentieller PartnerInnen vorgehen, um erfolgversprechende Beziehungen anzubahnen? Nach unserer Erfahrung ist es wichtig, Trends innerhalb der Hochschule stets aktiv zu beobachten und zu versuchen, Bezüge zum selbst erstellten Bibliotheksstrategiekonzept herzustellen. Der Hochschulentwicklungsplan der eigenen Einrichtung bietet zudem einen reichen Fundus an Möglichkeiten, weitere Anknüpfungspunkte zu erkennen. Auch die genauere Betrachtung von Institutsgründungen und deren fachlichen Ausrichtungen, von Forschungsschwerpunkten neu berufener ProfessorInnen oder von Betätigungsfeldern der diversen Beauftragten der Hochschule, können erhellend sein. Die Beobachtung des aktuellen Projektgeschehens und der informelle Austausch mit den dort Agierenden sind ebenfalls aussichtsreiche Ansätze, um fündig zu werden. Sind konkrete Ideen und Vorhaben identifiziert, sollten sie kurz skizziert werden, um damit proaktiv auf Beteiligte zuzugehen und sie für die gewünschte Zusammenarbeit zu gewinnen.

Auf diese Art und Weise ist es uns in den letzten Jahren gelungen, verschiedene Projekte anzubahnen, durchzuführen und erfolgreich abzuschließen. So genießt die bibliotheksspezifische Komponente innerhalb des wissenschaftlichen Arbeitens mittlerweile campusweite Beachtung. Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

  1. Durch enge Kooperation mit dem Prorektorat für Lehre und Studium, dem die Organisation von „Studieren+“[7] obliegt, wurde es möglich, unsere Schulungen und Workshops in das Studienprogramm des „Studium Integrale“ zu integrieren, wo sie von Studierenden auf freiwilliger Basis zusätzlich besucht werden können.

  2. Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Prorektorat für Forschung und Entwicklung resultierte das zertifizierte Schulungsangebot samt Teilnahmebestätigung innerhalb des Graduiertenservice[8]. Dieses kann sowohl von Promovierenden als auch von Beschäftigten der Hochschule absolviert werden.

  3. Nach unserer ersten virtuellen „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“, bei der wir ein großes Interesse unserer Studierenden an LaTeX feststellten, gelang es uns, die beitragende Professorin dafür zu gewinnen, einen einsemestrigen Einführungskurs zu diesem Thema kostenfrei in der Bibliothek anzubieten.

ProfiteurInnen sind in allen Fällen nicht nur die Studierenden, die selbstverständlich in erster Linie unserer Hilfe bedürfen, sondern erfreulicherweise zunehmend auch MitarbeiterInnen und ProfessorInnen der Hochschule, die nicht nur in ihrer Lehrtätigkeit unterstützt werden, sondern auch für ihre eigene wissenschaftliche Tätigkeit Nutzen daraus ziehen können.

5 Kooperationen als integraler Bestandteil unserer Bibliothekspolitik

Für uns ist der beschriebene kooperative Ansatz inzwischen integraler Bestandteil einer trag- und zukunftsfähigen Bibliothekspolitik geworden. Aus den ersten kleineren Projekten sind nachhaltige Strukturen entstanden, neue Netzwerke haben sich gebildet und als Bibliothek sind wir heute gefragte Partnerin – nicht nur auf dem Gebiet des wissenschaftlichen Arbeitens.

Wir sind näher an unsere „KundInnen“ herangerückt, an die Studierenden, an die ProfessorInnen und an die MitarbeiterInnen der Hochschule, die jeweils unterschiedliche Erwartungen an die Bibliothek haben. Durch den engen Austausch und Kontakt können wir diese „aus erster Hand“ erfahren und sind nun besser in der Lage, bedarfsgerechte, maßgeschneiderte Dienste und Angebote zu erstellen und unsere Strategiekonzepte dynamisch nach den aktuellen Erfordernissen anzupassen.

Nicht zuletzt eröffnet der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen innerhalb der Hochschule neue Perspektiven für die eigene Arbeit, gibt Impulse und ermöglicht die Aneignung neuer Kompetenzen. Deshalb möchten wir ausdrücklich dazu ermutigen, sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der eigenen Einrichtungen aktiv Verbündete zu suchen und Kooperationsbereitschaft zu signalisieren. Gerade für kleinere Bibliotheken mit geringen Personalkapazitäten bietet dies die Chance, vielseitigere Angebote in hoher Qualität anzubieten und sich ggf. für weitere Vorhaben zu empfehlen.

Online erschienen: 2022-04-07
Erschienen im Druck: 2022-04-30

© 2022 Rebecca Krentz und Petra-Sibylle Stenzel, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.