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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter April 7, 2022

Bibliotheca Somnia – die digitale Zaubererschule der Stadtbibliothek Weinheim

Web Forms of Two Associations in the Virtual Reference Service
Elisabeth Ebel and Anna Sonnenfeld

Zusammenfassung

Während der Corona-Krise entwickelten die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek Weinheim eine digitale Zaubererschule. So gab es für die Weinheimer Kinder trotz aller Einschränkungen einen aufregenden Sommer, der für Abwechslung sorgte. Alle paar Tage gab es magische Aufgaben zu lösen, für die es Punkte für das eigene Haus gab. Am Ende konnte jedes Kind einen kleinen Preis gewinnen.

Abstract

During the pandemic the employees of the public library in Weinheim created a digital school for wizards. This offer ensured children in Weinheim despite of all the restrictions a varied and exciting summer. On every other day they had to solve a magical task to get points for their house. At the end every kid won a price – if not the house cup.

1 Einleitung

Die Stadtbibliothek Weinheim ist eine moderne Bibliothek mit rund 45 000 Medieneinheiten, 120 000 Besuchern und durchschnittlich 170 Kinderveranstaltungen im Jahr. Unser Team aus acht Festangestellten besetzt die 37 Öffnungsstunden in der Woche täglich mit sechs Personen.

Neben den üblichen Angeboten und Tätigkeiten, die eine Öffentliche Bibliothek ausmacht, sind wir besonders stolz auf unsere Aktionen für Kinder. Wir beide, die Autorinnen dieses Berichts, sind für die Altersgruppe Kita und Grundschule zuständig, arbeiten bereits seit fünf Jahren eng zusammen und haben schon viele Veranstaltungen gemeinsam bestritten. Für Kinder ab vier Jahren findet in den Sommermonaten einmal, in den Wintermonaten zweimal im Monat der Kindernachmittag mit Vorlesen und Basteln statt.

Neben den verschiedensten Arten der Klasseneinführungen für Grundschulkinder bieten wir einmal monatlich den sogenannten Lese- und Rätselspaß zu unterschiedlichen Themen wie Harry Potter, Detektive, Star Wars u. v. m. für Acht- bis Zwölfjährige an.

Bei dieser Veranstaltungsart geht es darum, die Bibliothek näher kennenzulernen und eine positive Verbindung mit ihr zu schaffen. Leseförderung wird so in spaßigen, anziehenden Mottos verpackt, die nicht nur die Kinder, sondern auch uns begeistern – und die Begeisterung wollen wir dann auf die Bibliothek projizieren.

Ein Lese- und Rätselspaß läuft immer so ab, dass wir anfangs die Regeln in der Bibliothek klarstellen, darüber reden, wie die Ausleihe funktioniert und in einer kleinen Führung durchs Haus den Ort des Geschehens entdecken. Wenn die Kinder dann die Räumlichkeiten gesehen haben, startet der Wettbewerb. Normalerweise werden die Kinder in verschiedene Gruppen, bei Harry Potter zum Beispiel die vier Häuser von Hogwarts, eingeteilt und müssen einige Aufgaben bestehen. Je nach Motto gibt es eine spannende Geschichte und eine Rallye, die die Kinder über zwei Stunden durch die Veranstaltung führt. Ob ein verschwundener Schatz als Piraten gefunden, die Entführung des Burgfräuleins aufgeklärt oder der Vampir gejagt werden muss – die Kinder müssen zahlreiche Rätsel lösen und Spiele gewinnen, um Punkte für ihr Team zu sammeln. Die Rätsel haben hierbei verschiedene Schwierigkeitsgrade, sodass für jede Altersklasse etwas dabei ist. Immerhin ist die Spanne von acht bis zwölf Jahren recht groß und man kann nicht voraussetzen, dass jedes Kind Experte in Zaubersprüchen ist.

Bei den Spielen orientieren wir uns oft an klassischen Kindergeburtstagsspielen wie zum Beispiel Eierlaufen, das zum Dracheneier-Transport wird, Stop-Tanz, der zum Gefrier-Zauber wird oder Dosenwerfen, wo man anstelle von Dosen als Ritter einen Drachen befeuern muss. Wann immer möglich bauen wir auch bibliotheksbezogene Aufgaben ein. Beispielsweise müssen bestimmte Orte, an denen etwas versteckt ist, oder Bücher, in denen wichtige Informationen stehen, gefunden werden.

Das Portfolio, das sich über viele Jahre bewährt hat, ergänzen wir stets mit neuen Ideen und nutzen seit einiger Zeit vermehrt iPads, getarnt als magischer Spiegel oder kleiner Supercomputer, um die Rallye mit Actionbound oder die Rätsel mit der Lernplattform Kahoot! einzubauen.

In einer Pause dürfen die Kinder sich auch Medien ausleihen oder wir machen Ausweise für sie fertig, wenn die Eltern ihnen einen ausgefüllten Anmeldezettel mitgegeben haben. Tische mit Medienausstellungen zu dem jeweiligen Thema bereiten wir extra vor und die Eltern können auch direkt im Anschluss noch Ausweise ausstellen lassen.

Um die Kinder zu animieren, beim nächsten Mal wiederzukommen, gibt es das sogenannte Bonusheft. Darin können die Kinder für jede erlebte Veranstaltung einen Stempel bekommen. Für jeden dritten Stempel dürfen sie sich einen besonderen Preis aus der Überraschungskiste aussuchen.

Am Ende des Lese- und Rätselspaßes verkünden wir natürlich das Gewinnerteam, es gibt eine kleine Preisverleihung und Flyer für die nächste Veranstaltung werden verteilt. Wir haben „Stammkinder“, die wirklich regelmäßig dabei sind und die bringen dann aus Begeisterung ihre Freunde mit oder es kommen Kinder, die erst vor kurzem eine Klassenführung mitgemacht haben und so Wind von unseren Angeboten bekommen haben. Wir profitieren also bei unseren offenen Veranstaltungen von Mundpropaganda und unseren Kooperationen mit den Weinheimer Grundschulen.

In den Ferien weiten sich diese Aktionen auf weitere Kinderveranstaltungen aus, die stets an dem geschlossenen Montag stattfinden. Der Lese- und Rätselspaß zum Beispiel ist dann statt zwei sogar vier Stunden lang – und auch diese Zeitspanne reicht nicht aus, um all unsere Ideen unterzubringen. Selbst ein ganzer Abend – wie bei den Lesenächten für Grundschulklassen – ist noch nicht genug!

Wir haben immer genug begeisternde Ideen, hatten für 2020 sogar die Einführung eines machMittwochs geplant, ein Tag im Monat, der extra geschlossen bleibt, um tollen Veranstaltungen, nicht nur für Kinder, Zeit und Platz zu schaffen. Wir hätten niemals gedacht, dass unser gut angenommener Fokus auf die Veranstaltungsarbeit eine so jähe Unterbrechung finden würde.

2 Die Einschränkungen

Doch 2020 kam es ganz anders: Die Covid-19-Pandemie machte all unseren Plänen einen Strich durch die Rechnung. Am 17. März 2020 musste die Stadtbibliothek für den Regelbetrieb schließen, an Veranstaltungen vor Ort war überhaupt nicht mehr zu denken.

Unser Team nutzte die Zeit, im Haus und in den Regalen Ordnung zu machen. Zum 2. April startete sogar ein Lieferdienst, der allerdings nicht das ersetzen konnte, was wir an unserer Arbeit schätzen: Veranstaltungsarbeit und Kundenkontakt, vorrangig natürlich mit unserer liebsten Zielgruppe, den Kindern.

Die Regeln besagten klar, dass Abstand das oberste Gebot sein musste und wir am besten alle zuhause bleiben sollten – die Prognosen für den Sommer entmutigten und nahmen uns vollständig die Lust, etwas zu planen, was nur mit geringer Wahrscheinlichkeit stattfinden durfte. Es half wenig, dass wir so vielen Familien, Schulklassen und Kindern immer wieder absagen und erklären mussten, dass es momentan einfach nicht anders ging.

Die Wahl zwischen untätig auf eine Besserung zu hoffen oder etwas ganz Neues zu machen, fiel uns nicht schwer. Wir wussten schnell, dass wir unser Ferienprogramm nicht sang- und klanglos ausfallen lassen konnten. Eine Alternative sollte her und es musste etwas sein, mit dem wir die Kinder zu Hause erreichten, denn zu uns konnten sie ja nicht mehr kommen.

Da wir beide riesige Harry-Potter-Fans sind und die Geschichte von J. K. Rowling auch bei den Bibliothekskindern immer besonders gut ankommt, wussten wir genau, was wir machen wollten: Wir nahmen das Beste aus Harry Potter – eine Zaubererschule, die wir Bibliotheca Somnia, die träumende Bibliothek, nannten und wollten den Kindern ermöglichen, selbst Zauberschüler zu werden. Wir wollten mit ihnen abwechslungsreiche und spannende Abenteuer erleben und ihnen selbst unter Pandemiebedingungen dank Internet und eigener Webseite ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl bieten.

3 Idee und Planung

An Ideen mangelte es uns zu keinem Moment. Als eingespieltes Team kennen wir unsere Stärken natürlich und die Arbeitsbereiche verteilten sich ganz instinktiv: Eine war für den kreativen Part der Geschichte zuständig, die andere baute Rätsel, erfand Aufgaben und gemeinsam planten wir in kürzester Zeit eine zweieinhalbmonatige Veranstaltung. Fachwissen zur Welt von J. K. Rowling war vorhanden, Erfahrung aus der langjährigen Veranstaltungsarbeit natürlich auch. Jetzt, wo wir endlich genug Zeit hatten – zumindest während des ersten Lockdowns, später war es nicht mehr ganz so einfach – konnten wir uns kopfüber in die Planung stürzen.

Die Grundidee sollte ja eine Zaubererschule, ganz ähnlich wie Hogwarts sein. Natürlich in Weinheim, getarnt als Stadtbibliothek – was hervorragend zur Geschichte unseres Hauses passte, denn früher war das Gebäude einmal eine Schule gewesen.

Wir ließen es uns nicht nehmen, für unsere eigene Schule auch vier ganz neue Häuser zu kreieren, wobei wir natürlich kein „böses Haus“ á la Slytherin haben wollten. Jedes Kind sollte stolz auf sein eigenes Haus sein und um Punkte fiebern.

Wie auch bei dem Schulnamen griffen wir auf Latein zurück, benannten unsere vier Häuser nach den Elementen, was sich dann sogar in ihren Farben widerspiegeln sollte. Jedes Haus erhielt ein Element, zwei Farben, ein magisches Wesen (denn wozu nur auf „normale“ Tiere zurückgreifen?) und einen eigenen Hauslehrer oder eine Hauslehrerin, wie in der Tabelle zu sehen ist.

Tab. 1

Übersicht über die vier Zaubererhäuser

Name Element Farben Wesen HauslehrerIn
Aeris Luft Gelb, Weiß Irrlicht Professor Funkelmond
Aqua Wasser Blau, Violett Selkie Professor Grauschimmer
Ignis Feuer Rot, Orange Drache Professor Aquila
Terra Erde Grün, Braun Einhorn Professor Tausendschön

Wir überlegten, wie sehr wir als Kinder selbst auf unseren Hogwarts-Brief gewartet hatten und was wir uns gewünscht hätten: von einer unentdeckten magischen Familiengeschichte, bis hin zur Auswahl unseres Hauses, beruhend auf unserem Charakter.

Wir wollten jedem Kind eine magische Rolle ermöglichen, in dem es sich wiederfindet und als die es mitspielen konnte. Dazu gehörte ein magischer Name, der am besten aus ungewöhnlichsten Wortkombinationen bestehen sollte und ein Persönlichkeitstest, in dem wir nicht nur Vorlieben wie Lieblingsfarben, -geschöpfe und -zauber abfragten, sondern auch schon einen Überblick über die vorhandenen Harry-Potter-Kenntnisse erlangen wollten.

Unsere Zielgruppe bestand aus Kindern, die bereits lesen konnten, also ab sieben Jahren, und die Lust hatten, sich kreativ in ein magisches Abenteuer einzubringen. Wir wollten, dass alle Kinder mitspielen konnten – HarryPotter-Kenntnisse waren natürlich von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig.

Eine Geschichte war schnell erdacht: Mysteriöse Vorkommnisse in der Bibliotheca Somnia machten den Präsenzunterricht unmöglich. Das war die große Gemeinsamkeit mit dem realen Leben der Kinder. Von der Pandemie hatte man in unserer Zauberergemeinschaft von Weinheim zwar auch schon gehört, aber es gab noch ganz andere Gründe, warum die Kinder von zuhause rätseln, lernen und zaubern mussten. Es sollte drei Phasen geben, eingebettet in viele verschiedene Aufgaben: Zuerst wusste niemand was wirklich los war, nicht einmal die Professoren. Man vermutete Streiche vom Poltergeist und Sabotage durch andere Schulen. Dann spitzte sich die Lage zu und der Bösewicht musste identifiziert werden. Schließlich ging es darum, Peter Grindelmord, einen ehemaligen Schüler, festzusetzen.

Zu dieser Grundidee einer Zaubererschule mit Escape-Game- und Krimielementen kamen dann unsere Überlegungen hinzu, wie wir das alles überhaupt bewerkstelligen wollten.

Die kontaktlose Form der Kommunikation per E-Mail hat sich natürlich angeboten. Zusätzlich wollten wir eine Möglichkeit für die Kinder schaffen, jederzeit ihre eigenen Punkte, die Hauspunkte und alle nötigen Informationen einzusehen. Dafür eignete sich besonders eine eigens erstellte Webseite. Neben den Regeln und der Geschichte der Schule sollten dort auch die teilweise sehr kreativen Lösungen der Kinder gesammelt werden, damit das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt wird.

Nachdem die Entscheidung für elektronische Eulen und ein magisches schwarzes Brett gefallen war, planten wir den schwierigsten und auch unvorhersehbarsten Punkt unserer Idee:

Seit Beginn der Pandemie war Weinheims Innenstadt wie ausgestorben und als Freunde von Kombinationsangeboten – analog und digital gemischt – wollten wir die Kinder auch aus ihren Wohnungen holen und ihnen etwas anbieten, das eben nicht nur vor dem Bildschirm stattzufinden hatte. Gerade, wenn sie schon stundenlang durch Homeschooling zuhause festsaßen.

Unser Haus mag schön sein, aber die Möglichkeiten von außen etwas zu verstecken sind nach zwei oder drei Aufgaben auch schon erschöpft. Wir überlegten also, wie wir unsere bisherigen Kooperationspartner wie Volkshochschule, Museum und Buchhandlungen, mit einbeziehen konnten. Betreten durften die Kinder ja keine dieser Einrichtungen, für sie galten die gleichen Regeln wie für uns.

Schaufenster, Zäune, Bäume und Schilder – wir entschieden uns alles, was von außen sichtbar war, in unsere Planung mit einzubeziehen. Wir wollten jedes Geschäft und jede Einrichtung, die Lust und Ideen hatten, mitmachen lassen. Unser Ziel war es, die digitalen Zuhause-Aufgaben mit den Vor-Ort-Aufgaben in der Stadt abwechseln zu lassen. Bei elf geplanten Wochen mit insgesamt 36 Aufgaben ein aufwendiges Projekt.

4 Vorbereitung

Das festgelegte Startdatum war der 1. Juli 2020. Die Werbung starteten wir am 3. Juni. Wir hatten Zweifel, ob unser Angebot gut angenommen werden würde, denn sechs Wochen für die Planung einer so großen Aktion kamen uns recht gewagt vor. Wir rechneten mit höchstens 25 Teilnehmern – so viele Kinder kamen auch zum Lese- und Rätselspaß.

Interessanterweise benötigte unsere Bibliotheca Somnia kaum Werbung. Nach dem gerade erst beendeten Lockdown wollten alle wieder etwas erleben und da die meisten Einrichtungen noch geschlossen waren, hatten wir kaum Konkurrenz in Form von alternativen Veranstaltungen.

Wir berichteten in unserem etablierten Newsletter für Bibliothekskunden von der Idee und verteilten in der Bibliothek, die zwischenzeitlich wieder öffnen konnte, Flyer.

Die meisten Anmeldungen gewannen wir jedoch durch Mundpropaganda unter den Kindern. Viele Kinder meldeten sich an, weil Freunde davon erzählt hatten und sie auch noch mitmachen wollten. Ursprünglich wollten wir, dass die Teilnehmer mindestens acht Jahre alt sind. Ab diesem Alter können die Kinder in der Regel selbstständig lesen und schreiben. Nach vielen Rückfragen setzten wir das Alter auf sieben Jahre herab, damit möglichst viele Kinder (und auch ihre Eltern) teilnehmen konnten.

Die Kinder wurden von ihren Eltern angemeldet. Diese mussten unterschreiben, dass die Arbeiten ihrer Kinder im Internet veröffentlicht werden dürfen und sie die Datenschutzbedingungen akzeptieren. Um die Privatsphäre der Kinder und ihrer Familien zu wahren, durfte sich jedes Kind einen Zauberernamen aussuchen. Wer sich keinen ausdenken konnte oder wollte, bekam einen zugeteilt. Ausschließlich diesen veröffentlichten wir auf der Webseite, dem magischen schwarzen Brett. Es gab viele Aufgaben, für die man Fotos von gebastelten, gemalten oder gefundenen Gegenständen einschicken musste – wir verlangten allerdings nie, dass Gesichter oder etwas Persönliches zu sehen sein musste. Wenn die Kinder wollten, konnten sie aber natürlich auch Bilder von sich selbst schicken. So wurde dafür gesorgt, dass die Eltern jederzeit kontrollieren konnten, was über ihre Kinder im Internet auftauchte.

Von Anfang an war klar, dass dieses Projekt nur funktionieren konnte, solange die Kinder nicht „normal“ in die Schule gehen durften. Wir wussten, dass dieses für alle Beteiligten, für uns genauso wie für die Familien, aufwendige Spiel, nicht mit Hausaufgaben und Freizeitbeschäftigungen zu vereinbaren war. Wir entschieden uns daher, die Sommermonate um die Ferien miteinzuschließen. Unser normales Ferienprogramm konnte ohnehin nicht stattfinden, da passte die Bibliotheca Somnia perfekt hinein.

Enden sollte das magische Schuljahr zu Beginn des normalen Schuljahres, also am 13. September. Insgesamt rechneten wir mit zweieinhalb Monaten. Eine Zeitspanne, die wir vom Arbeitsaufwand bewältigen konnten und für die Kinder hoffentlich nicht zu lang werden würden, sodass sie die Lust verlieren könnten.

Zu den Vorbereitungen zählte natürlich auch, wo wir die Rätsel und Aufgaben herbekommen, das Merchandise, und wie wir die Geschäfte akquirierten. Die Fragen, wann wir die Rätsel jeweils verteilten, wie oft wir die Geschäfte fragen mussten und wie die einzelnen Rätsel für die Geschäfte angepasst werden könnten, beschäftigten uns lange.

Damit die Kinder auch aus dem Haus kamen, schlossen wir uns mit den Weinheimer Geschäften zusammen. Wir durften in Weinheimer Schaufenstern magische Gegenstände oder Rätsel verstecken, die von den Kindern gefunden werden mussten. Auch hier achteten wir darauf, dass die Aufgaben unabhängig von Öffnungszeiten erledigt werden konnten. So wurde vermieden, dass sich viele Menschen auf kleinem Raum trafen.

Einige Geschäfte waren so begeistert, dass sie sich eigene Aufgaben ausdachten, für die anderen haben wir das übernommen. Für die Geschäfte war es eine tolle Werbung und wir konnten die verschiedenen Orte nutzen, um ganz Weinheim mit Magie zu füllen.

Alleine für diese Aufgaben war der Arbeitsaufwand enorm. Die Geschäfte mussten angeschrieben und um Mithilfe gebeten werden. Dann musste für jedes Geschäft eine individuelle Aufgabe erstellt und in die Geschichte eingepasst werden. Am Tag vor der Aufgabe mussten die Utensilien gebracht und nach der Aufgabe wieder abgeholt werden. Außerdem hielten wir mit jedem Geschäft Rücksprache, um zu hören, was wir eventuell beim nächsten Mal verbessern könnten.

5 Das Spiel beginnt

Der normale Betrieb der Bibliothek durfte nicht gestört werden und die Corona-Regeln nicht gebrochen. Also musste unsere Geschichte auch in die reale Welt passen.

Das fing mit der Geschichte an, die wir den Kindern erzählten: Unsere Bibliothek war schon immer eine Schule für Zauberei gewesen, allerdings tarnten wir sie mit starken Heimlichkeitszaubern. Kein Muggel kann die Wahrheit erkennen, außer es blitzt um Punkt Mitternacht. Ansonsten sind wir ja eine ganz normale Bibliothek mit Öffnungszeiten, Corona-Maßnahmen und unwissenden Muggeln, die ständig zu Besuch kommen.

Das magische Schuljahr an der Bibliotheca Somnia begann für die Kinder eigentlich schon vor dem 1. Juli, denn direkt nach der Anmeldung kam schon die erste Aufgabe für die Kinder reingeflattert: Ein Persönlichkeitstest, um das jeweilige Haus zu bestimmen.

Manche Kinder wollten mit ihren Freunden in ein Haus – da wurden die Tests mit ein bisschen Magie „frisiert“ und schon konnten wir Wünsche erfüllen. Das war uns besonders wichtig, denn schließlich dreht sich alles um das eigene Haus und den Wettbewerb zwischen den anderen Häusern, genau wie in Hogwarts. Ebenso wie in den Abenteuern von Harry Potter kämpft man gegeneinander, aber eben auch miteinander, um das Böse, das die gesamte Schule bedroht, aufzuhalten.

Kontakt hielten wir mit den Kindern rein online. Alle zwei bis drei Tage gab es eine Schulaufgabe, ganz im Sinne von Homeschooling. Je nachdem, zu welchem Unterrichtsfach sie gehörten, gaben wir uns für einen anderen Hauslehrer aus und füllten die Aufgabenstellungen mit lustigen Anekdoten der anderen Professoren oder erklärten, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass dies und jenes mal wieder in die Stadt ausgebüxt war.

Diese in unsere Geschichte eingebetteten Aufgaben wurden per elektronischer Eule, also per Mail verschickt. Dann hatten die Kinder zwei Tage Zeit, die Aufgabe zu bewältigen und die Ergebnisse zurückschicken. Dann wurden sie kontrolliert und bewertet, die Ergebnisse auf die Webseite gestellt und schließlich die Punkte dem jeweiligen Haus zugeordnet. Die Excel-Tabelle mit den entsprechenden Daten wurde ganz schön lang!

An manchen Tagen bekamen wir E-Mails im Minutentakt. Wann immer wir Zeit hatten, lasen und beantworteten wir diese. Oft gab es Verständnisfragen, die schnell geklärt werden mussten, damit die Kinder weitermachen und noch rechtzeitig ihre Aufgabe lösen konnten. Andere Male schrieben uns unsere kleinen Zauberlehrlinge einfach so und erzählten, wie toll sie die Aufgaben fanden oder was sie „Magisches“ dabei erlebt hatten.

Jeden Morgen bewerteten wir die Aufgaben und vergaben Punkte. Da die Aufgaben teilweise sehr komplex waren, dauerte dies bis zu zwei Stunden am Tag. Die vergebenen Punkte wurden dann zusammengerechnet auf der Webseite online gestellt. Oft waren die Kinder enttäuscht, wenn die Punkte nicht gleich morgens online waren und sie bis zum Nachmittag warten mussten. Für viele Aufgaben mussten Bilder gemacht werden. Diese sammelten wir dann in Galerien auf der Webseite unter der Rubrik „Alte Magie“.

Aufgaben, die nur auf dem Papier oder zuhause stattfinden konnten, bereiteten wir gerne schon ein paar Tage vorher vor und fertigten eine Mail an, die zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch rausgehen würde. Aufgaben, die mit Gegenständen, die die Kinder in der Stadt oder in unserem Haus finden oder abholen mussten, verknüpft waren, erforderten manchmal die Mithilfe unseres Teams. Es fand sich immer jemand, der die Utensilien in die einzelnen Geschäfte brachte und die Gegenstände der vorherigen Tage einsammelte. Am liebsten gingen wir aber selbst, um Feedback der teilnehmenden Läden zu hören oder ein paar nette Worte auszutauschen. Es war toll, auf diesem Wege die Leute kennenzulernen, die hinter unseren heimischen Geschäften stehen. Leider schafften wir das nicht immer, denn wir hatten in der Vorbereitungsphase nicht genug Zeit gehabt, alles fertigzustellen und jede Aufgabe durchzuplanen. Außerdem änderten sich pandemiebedingt ständig die Regeln und Einschränkungen, auf die wir kurzfristig reagieren mussten.

Doch davon sollten die Kinder nichts mitbekommen und das gelang uns auch. Anfangs wussten wir auch gar nicht, wie sehr die Kinder in die zauberhafte Welt eintauchen und wie viel Zeit sie wirklich investieren würden. Es war gar nicht geplant gewesen, dass ein Kind wirklich alle Aufgaben erledigt ..., aber das sahen unsere eifrigen Zauberlehrlinge anders.

Wir begannen mit einfacheren Aufgaben, die relativ schnell gelöst werden konnten: Das Schuljahr selbst begann am 1. Juli damit, dass die neuen Zauberschüler den versteckten Eingang finden mussten. Um zu beweisen, dass sie tatsächlich vor der Schule standen, mussten sie mit Kreide ihr persönliches magisches Zeichen hinterlassen und es abfotografieren.

Danach mussten Zauberstäbe, Umhang und alles, was ein richtigerer Zauberschüler braucht, organisiert werden. Hier konnten die Kinder kreativ werden und malen oder basteln. Die Ergebnisse wurden mit ihren Zauberernamen auf die Webseite gestellt und so konnten sie sich nach und nach ihren zauberhaften Charakter zusammenstellen und den anderen zeigen, wer sie sind und was sie ausmacht. Es durften immer kleine Texte geschrieben werden, die wir zu den Arbeiten online stellten.

Nachdem die Kinder sich in ihren neuen Zauberercharakter eingefühlt hatten, kam die erste wichtige Aufgabe auf sie zu: Feen suchen. Die sollten nämlich wie in Hogwarts als Dekoration für das Willkommensfest dienen. Das war der Punkt, an dem unser diesjähriges Abenteuer und die Suche nach dem Bösewicht begannen. Jemand hatte die Dekorationen zerstört und die Feen vertrieben. Die Kinder mussten die ganze Stadt durchkämmen, um sie wiederzufinden – zufällig hatten sie sich in einem kleinen Laden in der Innenstadt versteckt.

Nach so einem Schrecken gab es erstmal Hausaufgaben in Form von Quizfragen und Rätseln zu lösen. Damit konnten die Schüler ihren Punktestand aufbessern.

Wir wählten die Aufgaben so, dass abwechselnd etwas von zuhause und dann etwas in der Stadt gelöst werden musste. Alle paar Tage wurde die Geschichte weitererzählt und Hinweise, die ganz am Schluss zum Täter führen sollten, gegeben. Wir hatten jede Aufgabe mit Liebe zum Detail erarbeitet und sowohl an die Geschäfte, als auch in unsere Geschichte angepasst.

Zum Beispiel gab es Besuch von Dobby, dem Hauselfen. Dieser kam natürlich mit einem fliegenden Auto, das auf dem Hof eines Autohauses gefunden werden musste. Danach mussten auf Aufruf des Vereins b.Elfe.r Socken gefunden werden, um möglichst viele Hauselfen zu befreien.

Es gab auch immer wieder Kreativaufgaben, die den Kindern halfen, ihre Zaubererpersönlichkeit besser darzustellen und unsere Welt ein bisschen zu verändern. Zum Beispiel durften sie Zaubersprüche kreieren, Butterbier brauen und Ahnenforschung betreiben. Wie sich herausstellte, hatte jedes Kind magische Vorfahren mit den abenteuerlichsten Geschichten.

Damit wir den ganzen Unterricht nicht alleine stemmen mussten, schickten wir sie einmal ins Museum der Stadt Weinheim. Dort mussten Aufgaben zu den Exponaten beantwortet werden und Dämonen bekämpft werden.

Die Weinheimer Polizeistation beteiligte sich ebenfalls an unserem Spiel. Auf ihrem Gelände durften wir Bilder bekannter Todesser, die identifiziert werden mussten, aufhängen. Das warf bei vielen Passanten Fragen auf und landete sogar für uns überraschend in der Tageszeitung. In der Bank galt es verlorene Galleonen, Sickel oder Knuts zu finden und zusammenzurechnen. Die hatte nämlich ein entlaufener Niffler aus dem Schultresor entwendet. Gleich zwei Apotheken stellten Zaubertrankflaschen in ihren Schaufenstern aus, die erkannt und nach ihren Wirkungen sortiert werden mussten. Im Reformhaus galt es, eine Alraune zu finden und das Fotogeschäft um die Ecke beherbergte Drachen, die in einem bestimmten optischen Winkel fotografiert werden mussten.

Für die Schüler lief es eigentlich gut, bis die Schule verflucht und sämtliche Professoren in ihren Büros eingesperrt wurden. Der gewöhnliche Unterricht musste unterbrochen werden, um den Übeltäter zu finden.

Sogar das geplante Quidditchspiel zwischen Ignis und Aqua musste ausfallen, weil der Quidditch-Schuppen sabotiert wurde. Die entflogenen Schnatze sollten in der Bibliothek wieder eingefangen werden. Da zu der Zeit jeder Besucher mit Eintrittskarten gezählt werden musste, bauten wir das in die Aufgabe ein, denn diese Karten dienten als Schutzzauber vor den aufgescheuchten Klatschern!

Abb. 1 
          Die entflogenen Schnatze

Abb. 1

Die entflogenen Schnatze

Eine sehr missverständliche Prophezeiung brachte dann die Lehrer- und Schülerschaft darauf, dass es ein Geist gewesen sein könnte. Später stellte sich heraus, dass es lediglich eine falsche Spur war. Wir – also der Bösewicht – haben es den Schülern wirklich nicht einfach gemacht.

Kurz bevor das Schuljahr endete, passierte das Unfassbare: die ehemalige Schulleiterin, unsere ehemalige Bibliotheksleiterin, wurde verletzt! Jemand stieß ein Bücherregal auf sie und sie wurde fast zerquetscht. Während es bis dahin noch schiefgelaufene Scherze hätten sein können, war nun allen klar: Da ist wahrlich Böses im Busch! An dem Tatort fand man übrigens einen Schraubenzieher, der ein entscheidender Hinweis wurde.

Der Unterricht musste natürlich trotzdem weitergehen, bis schließlich das geplante Abschlussfest vor der Tür stand und das, obwohl der Übeltäter immer noch auf freiem Fuß war!

Die Schule bekam Unterstützung von einem Team Auroren, zu dem zufällig der Ehemann einer Professorin gehörte, aber schließlich waren es die Schüler, die alle Hinweise kombinieren konnten. Beim Belauschen eines geheimnisvollen Gesprächs gab es dann endlich den Beweis: Peter Grindelmord, ein ehemaliger Schüler, der wegen unlauterem Verhalten einen Schulverweis erhalten hatte, wollte Rache üben! Und es wäre ihm auch fast geglückt!

Doch die aufmerksamen Zauberschüler fanden in einer Kiste mit Fundsachen den Schraubenzieher, in dem Peter Grindelmord seinen zerbrochenen Zauberstab eingebaut hatte. So konnte er endlich überführt werden.

Trotz all dieser Aufregung musste das Schuljahr ordentlich zu Ende gebracht werden. Also wurden die Punkte gezählt und der Schulsieger (das Haus Terra) ermittelt. Jeder Schüler erhielt ein Abschlusszeugnis. Darauf stand, wie viele Aufgaben der Schüler der die Schülerin gelöst hatte und wie viele Punkte es letztendlich dafür gab. Diese konnten in der Bibliothek abgeholt werden.

Ein bekannter Weinheimer Schokoladenhersteller entwarf außerdem die Preise für alle Teilnehmer. Die bestanden aus einem Beutel voller Süßigkeiten, wie man sie auch im Honigtopf kaufen könnte: Schokofrösche, Zischende Wissbies und Säuredrops. Diese konnten direkt im Schoko-Laden abgeholt werden. Dafür musste nur als allerletzte Aufgabe ein Lösungswort genannt werden.

6 Fazit und Ausblick

Es hatten sich rund 70 Kinder in der Bibliotheca Somnia angemeldet. Mit dieser Begeisterung hatten wir nicht gerechnet. Da wir das ganze Projekt nur zu zweit betreuten, bedeutete das eine Menge Überstunden für uns.

Teilweise wurden unsere Aufgaben zum Familienevent. Oft hörten wir, dass auch die Eltern fleißig bastelten oder an den Rätseln knobelten. Das war für uns sowohl Bestätigung als auch Motivation.

Insgesamt wurden über 1 500 elektronische Eulen empfangen, die beantwortet und benotet werden wollten. Da wir genauso begeistert waren wie die Kinder, fühlte es sich mehr nach Spaß als nach Arbeit an.

Nach zweieinhalb Monaten fiel es nicht nur uns, sondern auch unseren Zauberlehrlingen schwer, von unserer digitalen Bibliotheca Somnia Abschied zu nehmen. Sowohl die Kinder als auch die Eltern waren von der Aktion sehr beeindruckt und bedankten sich für die tolle Zeit, die sie mit unserem Abenteuer verbringen durften. Auch wir konnten kaum glauben, was für einen Zuspruch das Ganze erfahren hatte.

In der letzten E-Mail baten wir um Feedback. Wir wollten ganz genau wissen, was Spaß und was weniger Spaß gemacht hatte, welche Aufgaben gut angekommen und welche nicht so toll waren. Das alles sammelten wir, denn wir hatten nicht vor, die Türen unserer magischen Schule für immer zu schließen.

Aufgrund des Erfolgs starteten wir im Jahr 2021 das 2. Schuljahr in der Bibliotheca Somnia. Nach dem Feedback des 1. Schuljahres konzipierten wir das zweite Jahr über einen längeren Zeitraum. Dieses Mal ging das Schuljahr ein halbes Jahr, dafür hatten die Schüler jeweils eine Woche Zeit, die Aufgaben zu lösen. Da die Kinder wieder in die Schule gehen durften, beschränkten wir uns mehr auf Aufgaben, die sie bequem von zuhause aus erledigen konnten.

Es gab eine neue Geschichte und neue Zauberlehrlinge. Die Kinder, die schon 2020 dabei waren, wurden zu Zweitklässlern, die Neuen zu Erstklässlern. Wir nutzten teilweise die Aufgaben des ersten Schuljahres für die 1. Klasse und dachten uns für die 2. neue aus.

Es wurden deutlich mehr Rätsel und Logikaufgaben gestellt und es mussten mehr kreative Schreibaufgaben erledigt werden.

Es kam vor, dass die Zweitklässler Aufgaben erstellen mussten, die dann von den Erstklässlern erledigt werden sollten. Alle Zweitklässler konnten sich um das Amt des Vertrauensschülers bewerben. Dazu mussten sie einen kurzen Steckbrief schreiben und erklären, warum ausgerechnet sie dafür geeignet wären.

Da die Corona-Zahlen im Sommer 2021 sehr niedrig waren, konnten wir auch eine Vor-Ort-Veranstaltung planen und durchführen.

Die Veranstaltung fand als Wettbewerb statt, der in der Bibliothek ausgetragen wurde. Für die Kinder, die am Veranstaltungstag nicht dabei sein konnten, gab es zusätzlich digitale Aufgaben.

Es machten Kinder mit, die schon lange Teil der Bibliotheca Somnia waren, aber auch neue Kinder waren dabei. Wir waren überrascht, wie viele Neulinge unbedingt noch einsteigen wollten!

Die Kinder und wir fanden es sehr schön, sich endlich live sehen zu können. Wir dekorierten die Bibliothek und verkleideten uns als Hauslehrer. Die Schüler mussten im Team ihrer Häuser Aufgaben und Rätsel lösen, um den „Magicis Artibus Bellum“ zu gewinnen. Dazu erhielt jedes Haus einen magischen Spiegel (ein Tablet), der sie durch die einzelnen Aufgaben führte.

Hier konnten wir auf die Erfahrung zurückgreifen, die wir aus den vielen Jahren der Kinder- und Veranstaltungsarbeit mitgenommen haben.

Die Punkte, die gesammelt wurden, zählten sowohl für den jeweiligen Tag als auch für die „digitale“ Version. Das brachte noch einmal richtig Bewegung in den Kampf um den Hauspokal.

Am Ende durfte jedes Kind einen kleinen Preis mit nach Hause nehmen.

Abb. 2 
          Preise für alle

Abb. 2

Preise für alle

Wir haben in den anderthalb Jahren „Bibliotheca Somnia“ festgestellt, mit was für einem Ehrgeiz die Kinder sich in Aufgaben stürzen, die sie wirklich begeistern.

Wir hatten noch nie eine Veranstaltung angeboten, die über einen so langen Zeitraum gelaufen ist. Der Kontakt, den wir mit den Kindern aufbauen konnten, war ganz anders als in den vier Stunden, die wir sonst maximal beim Lese- und Rätselspaß hatten. Nicht einmal in einer ganzen Lesenacht können wir eine solche Geschichte erzählen, wie jetzt bei der Bibliotheca Somnia. Auch die Möglichkeiten des Rollenspiels und der Charakterentwicklung, die alle so sehr beeindruckt haben, sind sonst nicht so gegeben.

Erstaunlich fanden wir auch, dass Kinder, die eigentlich schon zu alt oder zu cool für unsere regulären Veranstaltungen sind, wenn sie sich beobachtet fühlen, in der Bibliotheca Somnia aufgegangen sind und richtig Zeit investiert haben.

Es mag uns nicht mehr in dem Ausmaß wie zu den „Corona-Ferien“ möglich sein, aber wir wollen Bibliotheca Somnia auf jeden Fall weiterführen und besser mit unseren Vor-Ort-Veranstaltungen kombinieren. Je mehr Schuljahre wir hinter uns haben, desto mehr wächst unser Aufgaben-Portfolio, aus dem wir schöpfen können. Wir haben also weniger Vorbereitungszeit und können uns im nächsten Jahr wieder mehr auf die Geschichte konzentrieren.

Im 3. Schuljahr erklären sich ja vielleicht ein paar Hauslehrer bereit, Schulclubs zu gründen?

Abb. 3 
          Die Gewinnerinnen des Zukunftsgestalterpreises 2021 im selbstgenähtem Gewande der Hauslehrerinnen

Abb. 3

Die Gewinnerinnen des Zukunftsgestalterpreises 2021 im selbstgenähtem Gewande der Hauslehrerinnen

Online erschienen: 2022-04-07
Erschienen im Druck: 2022-04-30

© 2022 Elisabeth Ebel und Anna Sonnenfeld, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.