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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter April 7, 2022

Mit den FakeHuntern auf der Suche nach der Wahrheit – das Planspiel der Büchereizentrale Schleswig-Holstein bringt Schulen und Bibliotheken im Kampf gegen Fake News zusammen

In Search of the Truth with the FakeHunters – The Simulation Game of the Büchereizentrale Schleswig-Holstein Connects Schools and Libraries in the Fight against Fake News
Kathrin Reckling-Freitag

Zusammenfassung

Medienkritik ist eine der Schlüsselkompetenzen für das Leben im 21. Jahrhundert und wir können nicht früh genug damit beginnen, unseren jungen Menschen diese Kompetenz zu vermitteln. Das Projekt Die FakeHunter schafft mit seinen Methoden und seinem Ansatz die Grundlage für einen kritischen Umgang mit multimedialen Informationen.Eingebettet in ein Planspiel lernen die Schüler*innen fünf Testwerkzeuge kennen, mit denen sie Fake News erkennen können. Das Projekt ist in Bezug auf Umfang und Dauer äußerst flexibel. Es kann an einem einzigen Tag in der Bibliothek oder über mehrere Wochen durchgeführt werden. Die Schüler*innen arbeiten an einem passwortgeschützten Nachrichtenportal mit exklusivem Zugang für jede Klasse. Aufgrund des Erfolgs und der internationalen Nachfrage nach den FakeHuntern ab Klasse 8 wurde auch eine Version für Viert- und Fünftklässler*innen entwickelt, die sich dem Thema auf spielerische Weise nähert.Das Projekt wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert und alle Arbeitshilfen und Materialien werden kostenlos unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Abstract

Media criticism is one of the key skills we need to acquire for living in the 21st century and we cannot start early enough enabling our young people to acquire that competence. With its methods and approach, the project Die FakeHunter provides the basis for a critical attitude towards multimedia information.Embedded in a simulation game, the students are introduced to five testing tools they can use to identify fake news. The project is extremely flexible in terms of extent and duration. It can be carried out on a single day in the library or over several weeks. Students work on a password-protected news portal with exclusive access for each class. Due to the success and international demand for the FakeHunters from grade 8, a version for fourth and fifth graders has also been developed, which approaches the topic in a more playful way.The project was financed with public funds and all working aids and materials are provided under creative commons licence.

1 Eine Idee beim Pizzaessen – Wie es zu den FakeHuntern kam

Was passiert, wenn sich ein Medienpädagoge und eine Bibliothekarin beim Pizzaessen Gedanken zum Thema Fake News machen?

Abb. 1 
          FakeHunter Logo

Abb. 1

FakeHunter Logo

Bereits 2015 begann diese kreative und fruchtbare Kooperation zwischen der Büchereizentrale Schleswig-Holstein (BZSH) und der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e. V. (AKJS). Kathrin Reckling-Freitag, Stabsstelle Bibliothekspädagogik der BZSH, und Andreas Langer, zu dem Zeitpunkt Medienpädagoge der AKJS, entwickelten gemeinsam die grundlegende Idee für ein Planspiel, bei dem die Schüler*innen fit gemacht werden sollten im Umgang mit Fake News. Angeregt durch die Flut von Fake News in den Medien war die Motivation, zu diesem Thema Bibliotheken und Schulen zusammenzubringen, sehr groß.

Es wurden Fördermittel beim Land Schleswig-Holstein beantragt und eine Arbeitsgruppe gemeinsam mit Bibliothekarinnen aus Schleswig-Holsteinischen Bibliotheken gegründet. Mit der Krimiautorin Sabine Trinkaus, dem Trickfilmproduzenten Till Penzek (Junior-Version) und der Grafik-Agentur arebo-Design wurden weitere multiprofessionelle Partner*innen für die Umsetzung dazugewonnen. Gerade die Verbindung dieser vielfältigen Fähigkeiten und Talente macht einen Teil des Erfolges der FakeHunter aus. Bereits in der Entwicklungsphase wurde durch zahlreiche Tests und Evaluationsverfahren sichergestellt, dass das Planspiel auch vor Ort in den Bibliotheken mit den Schüler*innen funktionieren würde.

Es wurde aber auch deutlich, dass der Wunsch sowohl von den Lehrkräften als auch von den Bibliotheken groß war, die FakeHunter auch für jüngere Schüler*innen einsetzen zu können. Daher wurde 2019/ 2020 eine Junior-Version entwickelt, die speziell auf die Erfahrungswelt von Grundschüler*innen zugeschnitten wurde.

Beide Versionen konnten mit Hilfe der Bibliotheksfachstellen in Deutschland und im DACH-Raum aus Schleswig-Holstein heraus in andere Bundesländer und in das deutschsprachige Ausland ausgeweitet werden. Es wurden gemeinsam Konzepte entwickelt, die es nun auch Bibliotheken außerhalb von Schleswig-Holstein ermöglichen, sich zu FakeHunter-Bibliotheken ausbilden zu lassen.

2 Der Umgang mit Medien – Warum brauchen wir Medienkritik?

Die Praxisarbeitshilfe zur Durchführung des Planspiels Die FakeHunter für die Bibliotheken führt die Bibliothekar*innen auch in die medienpädagogischen Hintergründe ein. Es ist wesentlicher Bestandteil dieser Unterstützungsmaterialien, auch eine fachlich-sachliche Basis für die einzelnen Projekte und Angebote[1] zu legen, die die Bibliotheken mit den Schulen gemeinsam umsetzen.

„Medien sind für uns Menschen zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Sie beeinflussen unter anderem, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Die technischen Möglichkeiten, Medien zu konsumieren und zu produzieren werden immer vielfältiger, einfacher und potenter. So ist es mittlerweile bereits möglich, Videomaterial von Personen so zu manipulieren, dass sie von uns vordefinierte Worte sprechen. Solche Fakes sind mit dem bloßen Auge kaum noch von den Originalen zu unterscheiden. Werbefinanzierte und damit meist in Struktur und Inhalt maßgeblich ausgerichtete Fernsehsender, Webvideo-Kanäle und Influencer mit nicht nur jungen Zielgruppen, sind für uns alltäglich.

Dementsprechend ist für uns wichtig, Medien immer auch mit einem kritischen Blick zu konsumieren. Informationen, die uns unwahrscheinlich erscheinen, müssen wir lernen zu hinterfragen. Wir müssen im Kontext unserer Mediennutzung die Fähigkeiten erwerben, mehrere Quellen zu nutzen und das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und zu unterscheiden.

Das Projekt Die FakeHunter legt mit seinen Methoden und der Herangehensweise den Grundstein für eine kritischere Haltung gegenüber multimedialen Informationen. Diese müssen nicht zwangsläufig nur aus dem klassischen Medienkontext kommen. Oft berichten Jugendliche schon aus ihrem privaten Umfeld von Fake News über mittlerweile gängige Kommunikationswege wie z. B. WhatsApp. Hier finden sich Beispiele, die oft keine neuen Phänomene sind. Kettenbriefe die mit der Angst spielen, gezieltes Streuen von Gerüchten oder auch das Verfälschen und Weiterschicken von Bildern. Das bedeutet, falsche Informationen werden in der Regel schon kommuniziert, bevor Kinder und Jugendliche überhaupt mit den klassischen Nachrichten in Kontakt kommen.

Den kritischen Blick auf – und das Hinterfragen von Informationen schon so früh wie möglich zu schulen, halten wir für eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Medienkritik ist eine der Schlüsselkompetenzen, die wir im Leben erwerben müssen um im 21. Jahrhundert zu bestehen.“[2]

3 Fake News in den Bildungsplänen

Viele der Angebote, die die Bibliotheken den Schulen machen, sind direkt in den bundesweiten Bildungsstandards und den jeweils in den Bundesländern geltenden Bildungsplänen verankert. Das erleichtert die Zusammenarbeit und fördert die Bereitschaft der Lehrkräfte, ihre Unterrichtszeit gemeinsam mit den Bibliotheken zu gestalten. So sind die Angebote fester Bestandteil des Unterrichts und unterstützen die Lehrkräfte bei der Umsetzung ihrer lehrplangemäßen Aufgaben.

Bildungsstandards im Fach Deutsch

„Den Bildungsstandards [der Kultusministerkonferenz] liegt ein weiter Textbegriff zugrunde, der unterschiedliche mediale Erscheinungsformen von Literatur und Sprache einschließt. Damit kommt dem Fach Deutsch eine spezifische Bedeutung für die Entwicklung von Medienkompetenz zu. [...] Das Fach Deutsch trägt wesentlich dazu bei, die Fähigkeit zur Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu entwickeln und zu festigen [...] Das Fach Deutsch fördert darüber hinaus die Reflexionsfähigkeit sowie die allgemeine Lernfähigkeit und Lernbereitschaft, auch im Sinne eines selbstorganisierenden und projektorientierten Arbeitens“.[3]

Die Bildungsstandards beziehen sich auf folgende zentrale, geforderte Kompetenzbereiche:

  1. Sprechen und Zuhören

  2. Schreiben

  3. Lesen

  4. Sich mit Texten und Medien auseinandersetzen

  5. Sprache und Sprachgebrauch reflektieren

Vor allem an den Punkten 4 und 5 setzen die Lernziele des Planspiels Die FakeHunter an.

„Die Schülerinnen und Schüler nutzen für den eigenen Erkenntnisprozess vielschichtige, voraussetzungsreiche Sachtexte, darunter auch wissenschaftsnahe und berufsbezogene Fachtexte aus unterschiedlichen Domänen. Sie erschließen, analysieren und beurteilen Gehalt, Kontext und Wirkungsabsicht pragmatischer Texte.“[4]

Dazu gehört sinnentnehmendes Lesen, Extrahieren von Sachinformationen und anschließendes Bewerten und überprüfen dieser Informationen. Schüler*innen sollen Kritikfähigkeit entwickeln und lernen, zwischen in den Medien dargestellten Welten und der faktisch korrekten bzw. überprüfbaren Wirklichkeit zu unterscheiden. Ebenso sollen sie lernen, Sachinformationen zu überprüfen und Meinungsfärbungen und Absichten der Absender zu erkennen. Nicht alles, was sich als Sachinformation darstellt, ist auch eine korrekte belastbare Information. Und oftmals sind die Informationen – je nach Hintergrund, Absicht oder Ziel des Verfassers – gefärbt und verfolgen bestimmte Ziele. Und dabei ist es egal, ob diese Ziele guten oder bösen Motiven folgen.

Abb. 2 
            Schüler*innen bei den FakeHuntern

Abb. 2

Schüler*innen bei den FakeHuntern

Die FakeHunter unterstützen dabei vor allem die geforderten Fähigkeiten, mit Texten und Medien kritisch umzugehen. Die Schüler*innen

„entnehmen selbstständig Informationen aus Texten, verknüpfen sie miteinander und verbinden sie mit ihrem Vorwissen. Dafür entwickeln sie verschiedene Lesetechniken und setzen Lesestrategien gezielt ein. Sie verfügen über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und historischer Dimension, reflektieren über Texte, bewerten sie und setzen sich auf der Grundlage entsprechender Kriterien mit ihrem ästhetischen Anspruch auseinander. Sie verfügen über ein Orientierungswissen in Sprache und Literatur und nutzen die verschiedenen Medien, um Informationen zu gewinnen und kritisch zu beurteilen.“[5]

„Dabei lernen sie auch, verschiedenste Informationsquellen gezielt zu nutzen und die verschiedenen Informationen mit einem kritischen Blick in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.“[6]

Informationen aus den regulären Medien werden in der Regel geprüft und gefiltert, bevor sie in der Presse und im Fernsehen veröffentlicht werden. Zeitungs- und TV-Redaktionen beschäftigen mittlerweile Faktenchecker, deren Aufgabe es ist, die Ansprüche an einen qualitativ hochwertigen Journalismus zu sichern. Falschmeldungen sollen so verhindert werden.

Im Internet dagegen funktionieren in weiten Teilen diese Kontrollmechanismen nicht. Dort müssen die Nutzer*innen selbst in der Lage sein, die Aufgabe des gate keeping zu übernehmen. Dazu werden die Fähigkeiten benötigt, die die fünf Prüfwerkzeuge der FakeHunter widerspiegeln: Autor und Impressum prüfen, Fakten prüfen, Texte inhaltlich und stilistisch einschätzen, auf Plausibilität (Zeitangaben) untersuchen und Umfeld und begleitende Bilder der Texte kritisch betrachten und bewerten.

4 Die FakeHunter für Schüler*innen ab der 8. Klasse

Bei dem Planspiel für die Großen werden die Jugendlichen in eine Geschichte eingebunden und selbst so Teil des Detektivteams. Sie werden zu Mitarbeiter*innen einer Detektei ausgebildet, die als Faktenchecker*innen Nachrichten überprüfen und recherchieren. Die Schüler*innen nehmen dann das Newsportal SuperNews-SH unter die Lupe. Dieses bedroht mit seinen reißerischen Nachrichten seriöse Zeitungsverlage. In den gebildeten Teams untersuchen die Schüler*innen dann mit den vorbereiteten Fake-Prüfwerkzeugen, sowie Recherche in Online- und gedruckten Lexika bzw. Datenbanken (z. B. Munzinger, Brockhaus) und Sachbüchern aus der Bibliothek die einzelnen Artikel und belegen die gefundenen Fake News.

Das Newsportal wurde gezielt für das Planspiel erstellt, um eine geschützte und werbefreie Umgebung für die Recherche zu schaffen. Nur so ist es möglich, gleichzeitig den Jugendschutz einzuhalten und trotzdem Fake News anzubieten. So können die Jugendlichen recherchieren, ohne in kritischen Bereichen des Internets unterwegs zu sein.

In der begleitenden Praxisarbeitshilfe für die Bibliotheken wird der Ablauf des Planspiels detailliert beschrieben. Planungsraster und weitere Materialien geben den Bibliotheken Hilfestellung bei der Durchführung. Trotzdem ist es natürlich möglich und sinnvoll, das Planspiel an die eigenen Begebenheiten in der Bibliothek anzupassen, zu variieren und weiterzuentwickeln.

So kann das Planspiel über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen mit den Klassen gespielt werden – oder in einer Veranstaltung innerhalb eines Schultages in komprimierter Form durchgeführt werden. In den drei bis vier Wochen haben die Lehrkräfte und die Schüler*innen dann Zugang zu dem Newsportal, um dort die Artikel zu überprüfen. Ein spezieller Zugang zu dem Newsportal wird von der Bibliothek für jede einzelne Klasse eingerichtet.

Beginn des Spiels: KickOff

Zu Beginn des Spiels wird das Planspiel vorgestellt und die Jugendlichen in die Storyline eingebunden. Die Einbindung in die Geschichte („Storytelling-Ansatz“) bietet eine gute Möglichkeit, sich mit den Hauptfiguren und mit der Aufgabe während des Planspiels zu identifizieren. Die Jugendlichen werden Teil des FakeHunter-Teams und können ihr eigenes Handeln in diesen Zusammenhang einordnen.

Zum Einstieg in das Thema werden die Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Thema Fake News erfragt und in der Gruppe ausgetauscht und diskutiert. Das Einbringen eigener Erfahrungen holt die Jugendlichen in ihrer eigenen Erlebniswelt ab. Sie tauschen sich in kleinen Gruppen und/ oder in der ganzen Klasse aus und nähern sich auf diese Weise dem Thema Fake News. Einzelne Erfahrungen und Erlebnisse werden gemeinsam besprochen. Dies bringt den Jugendlichen die Wertschätzung entgegen, die ihnen hilft, erste Bezüge zu dem nun folgenden Geschehen herzustellen. Durch die Anbindung an bisher Erlebtes entsteht eine Art Wissenslandkarte. Das neue Wissen knüpft an bisherigem an und kann so leichter eingeordnet und verankert werden.

Nun beginnt die Ausbildung der Schüler*innen zu FakeHuntern.

Wichtigster Teil dieser Ausbildung sind die fünf Prüfwerkzeuge, mit denen auf einfache Weise die Nachrichten und Meldungen auf dem Newsportal untersucht werden sollen:

  1. Quelle prüfen

  2. Autor + Impressum prüfen

  3. Zeitschiene + Datumsangaben prüfen

  4. Bilder prüfen

  5. Meinung? Satire? Schlechter Scherz?

Abb. 3 
            Fake-Prüfwerkzeuge

Abb. 3

Fake-Prüfwerkzeuge

Die fünf Prüfwerkzeuge sind einprägsam, an einer Hand abzählbar und bieten trotzdem ein breites Spektrum an Möglichkeiten für die Recherche.

Recherche auf dem Newsportal: Onlinephase

Abb. 4 
            Newsportal Infoseite

Abb. 4

Newsportal Infoseite

Nun wenden die Schüler*innen ihr neues Wissen direkt an und untersuchen die Nachrichten auf dem Newsportal. Selbstentdeckendes Lernen und eigenständige Recherche stehen dabei im Vordergrund. Aufgeteilt in kleine Teams tauschen sich die Schüler*innen bei der Recherche aus und bereiten mit Hilfe der Arbeitsblätter ihre Ergebnisse für die Präsentation beim Abschluss des Planspiels vor.

Folgende Inhalte prägen die Onlinephase:

  1. Selbstständiges Lernen und Recherchieren auf eigenen Geräten (oder Tablets der Bibliothek)

  2. FakeHunter-Azubis untersuchen das Newsportal SuperNews-SH mit den gelernten Fake-Prüfwerkzeugen

  3. Ergebnisse werden gesammelt für die spätere Auswertung

Ergebnissicherung: Abschluss des Planspiels

Nach der Recherche in der Onlinephase werden die Ergebnisse der Schüler*innen zusammengetragen und gemeinsam besprochen. Diskussionen über Schwierigkeiten bei der Recherche, beim Einsatz der Prüfwerkzeuge aber auch die Erfolgserlebnisse stehen dabei im Vordergrund. So kann das gelernte neue Wissen – der Umgang mit den Fake-Prüfwerkzeugen – vertieft und als neues Wissen abgespeichert werden.

In der abschließenden Diskussion wird ein Blick auf Veränderungen im zukünftigen Verhalten geworfen und Möglichkeiten aufgezeigt, die Prüfwerkzeuge auch in angrenzenden Bereichen und neuen Themen einzusetzen. Die Schüler*innen werden sich der Bedeutung von Fake News für die Gesellschaft bewusst (Einstellungsänderung) und passen ihr zukünftiges Verhalten an (Verhaltensänderung).

Die Übergabe der Urkunde zur Ernennung zu FakeHuntern rundet den Abschluss des Planspiels ab.

5 Lerninhalte und Lernziele des Planspiels

„Bei dem Planspiel ‚Die FakeHunter‘ werden u. a. folgende Themen und Inhalte vermittelt:

  1. Überblick über die Presse- und Medienlandschaft

  2. Umgang mit dem Internet, Sicherheit bei der Informationsbeschaffung

  3. Medienkritik

  4. Definition Fake News

  5. Fake-Prüfwerkzeuge

  6. Umgang in unserer Gesellschaft mit Fake News

  7. Einfluss auf und Gefahren von Fake News für das Miteinander aller Menschen

  8. Recherche in Online-Datenbanken, Lexika, Sachbüchern und im Internet“[7]

  9. „Die Lernziele, die bei den FakeHuntern angestrebt werden, lassen sich auf gleich 3 Gruppierungen beziehen:

  10. Schüler*innen werden

    1. Unterschiede zwischen verlässlichen und nicht-verlässlichen Informationen und Quellen kennen und erkennen lernen.

    2. Datenbanken (z. B. Munzinger, Brockhaus) und weitere Nachschlagemöglichkeiten (online und offline) kennen lernen und diese benutzen.

    3. Fake-Prüfwerkzeuge kennen lernen und diese nach dem Planspiel anwenden und auf andere Situationen übertragen können.

    4. ein Problembewusstsein entwickeln für die Schwierigkeiten von uneingeschränkter Informationsverbreitung im Internet.

    5. sich neue Vorgehensweisen für das eigene zukünftige Rechercheverhalten im Internet erarbeiten.

    6. am Ende des Planspiels eine Urkunde über ihre Kenntnisse als „FakeHunter“ erhalten.

  11. Bibliothekar*innen werden

    1. vertiefende Inhalte aus den Bereichen Fake News, Informations- und Medienkritik, Informations- und Recherchekompetenz kennen lernen.

    2. Konzepte zur Schulung sowohl von Schüler*innen, als auch von Lehrkräften kennen lernen und diese auf die Angebote in ihren Bibliotheken übertragen und mit den Lehrkräften dort durchführen können.

    3. das Planspiel kennen lernen und dieses dann in ihren Bibliotheken vor Ort bewerben und durchführen können.

  12. Lehrer*innen werden

    1. vertiefende Inhalte aus den Bereichen Fake News, Informations- und Medienkritik, Informations- und Recherchekompetenz kennen lernen und damit ihre vorhandenen Kenntnisse erweitern.

    2. Bibliotheken als Verbündete wahrnehmen lernen, die gemeinsam mit den Schulen Informations-, Medien- und Recherchekompetenz an die Schüler*innen vermitteln.

    3. Neue Angebote der Bibliotheken kennen und nutzen lernen.“[8]

6 FakeHunter für Schüler*innen der 4. und 5. Klasse: Die FakeHunter Junior

Sicher kann nicht früh genug Aufklärung zum Thema Falschmeldungen betrieben werden. Es stellte sich aber die Frage: Wie lässt sich das Planspiel für Kinder einsetzen, die gerade eben eine ausreichende Lesefähigkeit erworben haben und von denen man sich wünscht, dass sie noch mit einem gewissen Grundvertrauen in die Welt unterwegs sind? Wie erklärt man Kindern das Thema Fake News, ohne ihnen den Glauben und das Vertrauen in die Welt zu erschüttern?

Abb. 5 
          FakeHunter-Junior-Logo

Abb. 5

FakeHunter-Junior-Logo

Die Junior-Version stellt daher ein eigenes Planspiel dar, das in der Seedorf-Welt spielt. Diese wird über die Internetseite der Juniorversion[9] transportiert. Auf der Infoseite zu den FakeHuntern[10] werden die wichtigsten Informationen für Lehrkräfte und Bibliotheken zur Verfügung gestellt.

Abb. 6 
          Karte Seedorf

Abb. 6

Karte Seedorf

Aufruhr in Seedorf

Im Zentrum des neuen Planspiels steht ein Zeitungsbericht über ein geplantes Großbauprojekt, der in der fiktiven Gemeinde Seedorf für Aufruhr sorgt.

Die Bürger*innen in Seedorf sind verunsichert: Soll wirklich das Vereinsheim des Sportvereins abgerissen werden? Macht der Fabrikbesitzer gemeinsame Sache mit der Bürgermeisterin? Und was hat es mit der geheimnisvollen bedrohten Seekuh im Seedorfer See auf sich?

Gemeinsam mit den Hauptfiguren Emma, Ole und Samira kommen die Schüler*innen, eingebunden in die Geschichte Aufruhr in Seedorf, einem falschen Zeitungsartikel auf die Spur. Robbi – der schuleigene Roboter – begleitet die Kinder und hilft bei den Recherchen.

Die Kinder machen sich an die Aufgabe zu recherchieren, ob an diesen unglaublichen Nachrichten aus der Zeitung wirklich etwas dran ist. Die Freunde zweifeln an der Wahrheit der Geschichte. Gemeinsam treffen sie sich nach der Schule in der Bibliothek, um der Sache auf den Grund zu gehen. Bei ihrer Recherche stoßen sie auf verschiedene Zeitungsartikel mit denen sie belegen können, dass der Journalist Leo Rüstig da eine Menge durcheinandergebracht hat.

Im Dorf formieren sich die Erwachsenen bereits zu einer Protestveranstaltung, bei der die Kinder gerade noch rechtzeitig mit den Ergebnissen ihrer Recherchen die Missverständnisse und Fehler aufklären können.

Unterstützung erhalten die Nachwuchsdetektive von den Schüler*innen der teilnehmenden Klassen: Mit verlässlichen Recherchen über Suchmaschinen für Kinder wird der Zeitungsbericht genau unter die Lupe genommen und einem Faktencheck unterzogen. Was Fake News sind und wie man sie erkennt, zeigt ein Trickfilm von Till Penzek,[11] der extra für das Planspiel angefertigt wurde.

Abb. 7 
            Schulhofszene Erklärfilm

Abb. 7

Schulhofszene Erklärfilm

Abb. 8 
            QR-Code für den Erklärfilm

Abb. 8

QR-Code für den Erklärfilm

Die Seedorf-Welt auf der Internetseite[12] ist so programmiert, dass sie linear durch den Ablauf der Geschichte und der Recherchen führt. Die Geschichte kann sowohl analog, als auch digital unterstützt gespielt werden. Die Bibliotheken werden bei der Durchführung mit einem Downloadpaket der Büchereizentrale Schleswig-Holstein mit den Materialien und Audiodateien (CC BY NC-Lizenz) unterstützt.[13]

Auch bei der Durchführung der Junior-Version können die Bibliotheken das Planspiel flexibel an ihre Bedürfnisse anpassen: So ist es möglich, das Planspiel in vielen verschiedenen und dem Kenntnisstand und der Lesefähigkeit der Schüler*innen entsprechenden Varianten durchzuführen. Ob es als Lesung mit Arbeitsphase durch die Kolleg*innen in der Bibliothek durchgeführt wird oder kombiniert als Hörspiel und Lesevariante in Bibliothek, Zuhause und der Schule stattfindet, ist dabei völlig frei und gut planbar. Durch die Audios gelingt es, selbst schwächere Schüler*innen abzuholen und für das Thema zu begeistern.

Die FakeHunter Junior bieten viele Anknüpfungspunkte, an denen die Lehrkräfte mit weiteren Unterrichtsthemen andocken können.

7 Wie werden Bibliotheken zu FakeHunter-Bibliotheken?

Um das Planspiel in der eigenen Bibliothek durchführen zu können, sollten sich die Bibliotheken zu FakeHunter-Bibliotheken schulen lassen. Nur geschulte Bibliotheken können aus rechtlichen Gründen den Zugang zum Newsportal[14] für das Planspiel ab der 8. Klasse erhalten. Mit diesem Zugang können die Bibliotheken dann selbstständig ihre Klassen für das Newsportal des Planspiels registrieren.

Um es auch Bibliotheken außerhalb von Schleswig-Holstein zu ermöglichen, bei den FakeHuntern teilzunehmen, hat die Büchereizentrale Schleswig-Holstein 2020 gemeinsam mit den anderen Fachstellen in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ein entsprechendes Multiplikatoren-Konzept entwickelt. Dieses Konzept sieht vor, dass zunächst Multiplikatoren in Fachstellen und Großstadtsystemen der Sektion 1 geschult werden. Diese bieten dann wiederum in ihren Bundesländern und Großstädten Schulungen für ihre Bibliotheken an. So besteht nach dem Schneeballprinzip für jede Bibliothek in Deutschland die Möglichkeit, FakeHunter-Bibliothek zu werden.

Umfangreiche Materialien und Anleitungen zur Durchführung werden von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein als offene Bildungsressource unter CC BY NC-Lizenz auf der Homepage[15] zur Verfügung gestellt. Mit diesen Materialien können Bibliotheken außerhalb von Schleswig-Holstein, die noch nicht geschult sind, mithilfe der Beispielnews auf der Webseite[16] eine vereinfachte Version des Planspiels durchführen.

Die Junior-Version geht dabei aber noch einen Schritt weiter: Sie steht mit der Internetseite[17] und den Materialien auf der Homepage der Büchereizentrale Schleswig-Holstein unter CC BY NC-Lizenz vollständig zugangsfrei zur Verfügung.

Mittlerweile hat sich eine große Gemeinschaft der FakeHunter-Bibliotheken entwickelt. Durch die offene Bildungslizenz ist es möglich, das Planspiel selbst weiterzuentwickeln und auf die Bedürfnisse der eigenen Bibliothek zuzuschneiden. Dabei sind auch neue Versionen (z. B. eine reine Online-Version oder eine Version für die Oberstufe) entstanden, die wiederum allen Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden können. Diese werden über die Homepage der Büchereizentrale[18] zugänglich gemacht.

8 Der Wind steht günstig – Gelingensbedingungen

„Besonders günstige Bedingungen haben den Weg für die FakeHunter erleichtert. Das Thema ist zeitlich besonders aktuell, die Fragestellungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt enorm wichtig und fachlich in den Bildungsplänen verankert. Durch die Beteiligung verschiedener Berufsgruppen (z. B. eines Medienpädagogen) konnte das Planspiel besonders eng mit der Welt der Jugendlichen vernetzt werden. Die finanzielle Förderung des Landes Schleswig-Holstein hat die professionelle Umsetzung möglich gemacht. Diese Faktoren tragen wesentlich zur Akzeptanz und zum Erfolg der FakeHunter bei.

Die Projektkoordination durch die Büchereizentrale Schleswig-Holstein bildet einen verlässlichen Rahmen, der die kontinuierliche Begleitung und Aktualisierung des Projektes sicherstellt. [...] Die Veröffentlichung als offene Bildungsressource unter CC BY NC-Lizenz sorgt für einen sehr hohen Verbreitungsgrad und einen praxisnahen Einsatz in den Bibliotheken.

Das Projekt ist theoretisch fundiert und wird fortlaufend evaluiert und weiterentwickelt. Fortbildungsmaßnahmen als fester Bestandteil der Implementation bieten den Bibliotheken einen verlässlichen, inhaltlichen Rahmen und sorgen für die nötige Sicherheit im Umgang mit dem Thema Fake News.“[19]

Die FakeHunter sind inzwischen auch weltweit unterwegs und werden auch in anderen Ländern – nicht nur im deutschsprachigen Raum – durchgeführt. Dabei werden sowohl deutsche Versionen in Schulen im Ausland eingesetzt, erste Übersetzungen z. B. ins Lettische angeboten, als auch Adaptionen für andere Kulturräume entwickelt. Eine arabische Version des Goethe-Instituts Kairo überträgt die Idee auf den Raum Nordafrika und Naher Osten. Dort wird die Idee aufgegriffen und das Konzept umgesetzt. Inhaltlich gibt es ein eigenes Newsportal mit direkten Bezügen zu dem dortigen Kulturraum.

Nicht nur die große Nachfrage aller Bibliotheken nach den FakeHuntern hat die Initiatoren überrascht. Auch die große Resonanz von Presse, Funk und Fernsehen zeigt, wie aktuell und nahe am Puls der Zeit das Aufgreifen des Themas Fake News war. Dies zeigen auch die Preise, mit denen die FakeHunter sowohl für die Förderung der Medien- als auch der Informationskompetenz ausgezeichnet worden sind:

2019: 1. Platz des Medienkompetenzpreises des Landes Schleswig-Holstein in der Kategorie „Außerunterrichtliche Projekte“

2019: 2. Preis des Best-Practice-Wettbewerbs der gemeinsamen Kommission Informationskompetenz von VDB und dbv

2021: Preis „Zukunftsgestalter für Bibliotheken“, gestiftet von De Gruyter und verliehen in Kooperation mit der Zeitschrift BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis (BFP) und dem Netzwerk Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung

Abb. 9 
          Die FakeHunter-Gründer: Andreas Langer, Kathrin Reckling-Freitag – Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2021

Abb. 9

Die FakeHunter-Gründer: Andreas Langer, Kathrin Reckling-Freitag – Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2021

Literaturverzeichnis

Keller-Loibl, Kerstin (Hrsg.) (2021): Handbuch Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit. Bad Honnef: Bock + Herchen.Search in Google Scholar

Kultusministerkonferenz (2014): Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife. Beschluss der Kultusministerkonferenz 2021. Bonn, Berlin: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Verfügbar unter https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiGzYXQ1czzAhUQrKQKHS_oAL4QFnoECBEQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.kmk.org%2Ffileadmin%2Fveroeffentlichungen_beschluesse%2F2012 %2F2012_10_18-Bildungsstandards-Deutsch-Abi.pdf&usg=AOvVaw2KHRyvZDb3b32BBk8N6anT.Search in Google Scholar

Reckling-Freitag, Kathrin; Langer, Andreas (2020): „Die FakeHunter“ Planspiel zur Vermittlung von Medienkritik der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein für SchülerInnen ab der 8. Klasse. aktual. Ausg. Rendsburg: Büchereizentrale SH. Verfügbar unter https://www.bz-sh.de/fileadmin/downloads/projekte/die-fakehunter/bz-sh-DieFakeHunter_AHi.zip. Search in Google Scholar

Online erschienen: 2022-04-07
Erschienen im Druck: 2022-04-30

© 2022 Kathrin Reckling-Freitag, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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