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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg June 6, 2017

Überlegungen zu einer historiografischen Bildanalyse

Reflections on the Historiographical Analysis of Images
Jens Jäger
From the journal Historische Zeitschrift

Zusammenfassung

Unübersehbar und vielfältig sind die historiografischen Zugänge zu Bildern als Quelle. Methodisch war und ist Rainer Wohlfeils Überlegung einer Historischen Bildkunde, die er in den 1980er Jahren vorstellte, noch immer ein wichtiger Referenzpunkt. In enger Anlehnung an das kunsthistorische Verfahren der Ikonografie-Ikonologie nach Erwin Panofsky stellte Wohlfeil ein dreistufiges Verfahren vor, welches Bildinhalt und -bedeutung mit dem historischen Kontext eng verband. Kritiker bemängelten an dem Verfahren, dass es zu sehr auf die Frühe Neuzeit ausgerichtet sei, Mehrdeutigkeiten und Eigendynamik von Bildaussagen verneine. Es schenke der Medialität und der Ästhetik zu wenig Aufmerksamkeit und vereinnahme Bilder zu sehr „nur“ als Symptom für historische Prozesse. Diese Einwände finden sich auch generell gegen historiografische Bildanalysen. Die Debatte innerhalb der Geschichtswissenschaft um adäquate analytische Zugänge trägt den kritischen Hinweisen vielfach Rechnung und hat mit der Perspektive der „Visual History“ und Übernahmen von methodischen Zugängen benachbarter Disziplinen das Instrumentarium stets erweitert. Die Überlegung, bei der Analyse von Bildquellen zunächst einen „konventionellen Sinn“ zu ermitteln, versteht sich als Beitrag zu dieser Debatte. Auf Grundlage eines aus Sicht der Geschichtswissenschaft operationalisierbaren Bildbegriffs soll als konventioneller Sinn eines Bildes die je zeitgenössische, innerhalb eines konkreten Kontextes übliche Deutung von Bildaussagen gelten. Nebenbedeutungen werden hierbei nicht ausgeschlossen. Sie erschließen sich aus besonderen Kontexten des Bildgebrauchs. Ausgangspunkt ist der Bildinhalt und seine je konkrete mediale Form, wie sie als Quellenbefund vorliegt. Ein solches Vorgehen empfiehlt sich zwar generell, hilft aber vor allem bei kontextarmen Massenbildern, die gleichwohl die überwiegende Mehrzahl verfügbarer Bildquellen ausmachen.

Abstract

Historiographic approaches towards images are multifaceted. Rainer Wohlfeil presented his methodological ideas of a „Historische Bildkunde“ in the 1980s. Wohlfeil developed his analytical framework following the iconographical-iconological approach elaborated by Erwin Panofsky. In three steps, the content, meaning and larger historical significance of images are determined. Critics observed that the method was applicable especially to images made and used in the Early Modern period. Further, the ambiguity, mediality and aesthetics of images were not adequately considered. Images were and are too often only used as evidence or historical facts. Similar objections are raised against historiographical analyses of images in general. In the unfolding debate these objections were acknowledged and new approaches (such as „Visual History“) and the adaption of analytical tools from neighbouring disciplines took the critical remarks into account. The essay seeks to widen the debate by presenting an analytical approach which proposes as a first step of any analysis the identification of the „conventional meaning“ of visual sources. On the basis of a working definition of „image/picture“ the conventional meaning should be considered as the contemporary reading of an image in its concrete context. The starting point should always be the subject matter of the image as found in its original context and form. However, the conventional meaning is not considered as the only meaning of an image but alternative readings afford an analysis of the specific context of images. This approach is suggested for any type of image but especially for mass produced images which make up for the bulk of visual sources.

Online erschienen: 2017-6-6

© by Walter de Gruyter Berlin/Boston

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