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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg February 1, 2020

Der Dreißigjährige Krieg als Motor der Staatsbildung? Heeresverfassung und Herrschaftsverdichtung in Europa in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

The Thirty Years War as Promotor of State Formation? Military Organisation and State Formation in Europe during the First Half of the Seventeenth Century
Alexander Querengässer
From the journal Historische Zeitschrift

Zusammenfassung

Der 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Krieges brachte eine Reihe neuer Publikationen hervor, die mitunter alte Thesen aufwärmten. So bekräftigte Johannes Burkhardt sein Modell vom Dreißigjährigen Krieg als „Staatsbildungskrieg“. Der vorliegende Aufsatz diskutiert die Probleme, die mit diesem Modellbegriff einhergehen. Der Dreißigjährige Krieg wird hierbei sowohl als Schubgeber als auch Hemmnis für den Staatsbildungsprozess analysiert. Demnach lassen sich die Aufstände der Vereinigten Niederlande und Böhmens nicht als Staatsbildungsversuche verstehen, sondern als Abspaltungsprozesse aus althergebrachten Dynastieverbänden. Desweiteren werden unter Staatsbildung auch innere Prozesse, ein Ausbau der Verwaltung und eine zunehmende herrschaftlich-staatliche Durchdringung verstanden. Vor und während des Dreißigjährigen Krieges lässt sich dagegen eine Schwächung des frühmodernen Staates ausmachen, welche in vielen Ländern auf die konfessionellen Spaltungen des 16. Jahrhunderts zurückzuführen war. Bestenfalls kam es im Dreißigjährigen Krieg zur Wiederherstellung einer Form frühneuzeitlicher Staatlichkeit, wie sie Frankreich bereits unter den Valois-Königen und das Reich unter Karl V. gekannt hatten.

Abstract

The 400th anniversary of the beginning of the Thirty Years’ War spawned a plethora of new publications, many of which revived old ideas. Johannes Burkhardt once more brought forward his model of the „war of state formation“. This essay discusses the problems coming along with this term. The Thirty Years’ War is analyzed as booster and as hindrance for state formation. So the rebellions in the Netherlands and Bohemia cannot be understood as wars of state formation, but as attempts to get out of an early modern composite state. Furthermore, state formation also implicates internal processes like an expansion of the administration and a better penetration by the state or ruler. Contrary to that, right before and during the Thirty Years’ War in many European states a weakening of the state due to the confessional divisions of the sixteenth century can be perceived. In the end, during the Thirty Years’ War at best a reconstitution of the early modern state organisation as it had already existed in France under the Valois kings or in the Empire under Charles V, can be detected.

Online erschienen: 2020-02-01

© 2020 by Walter de Gruyter Berlin/Boston