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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg November 5, 2013

Vom Besonderen zum Allgemeinen? Die Fallstudie als geschichtstheoretisches Problem

From the Particular to the General. The Case Study as a Problem of Historical Theory
  • Matthias Pohlig EMAIL logo
From the journal Historische Zeitschrift

Zusammenfassung

Historiker sind traditionell damit beschäftigt, Partikulares zu erforschen. Ihnen geht es nicht, oder zumindest nicht nur, um Allgemeines. Systematische Perspektiven haben deshalb einen etwas unklaren Stand in der Geschichtswissenschaft. Historiker erforschen in der Regel Einzelfälle – sie tun dies aber implizit oder explizit oft, um in irgendeinem Sinne allgemeine Erkenntnisse zu gewinnen. Welche allgemeinen Erkenntnisse dies sein könnten und wie es möglich ist, von der Erforschung des Einzelnen zur Erkenntnis des Allgemeinen zu gelangen, ist ein klassisches Thema geschichtstheoretischer Reflexion. Der Aufsatz geht dem Problem nach, wie diese Operation methodisch vor sich geht, vor allem aber, welchen Status die zu selten reflektierte Vorgehensweise der „Fallstudie“ eigentlich für die Arbeit des Historikers besitzt. Die Fallstudie ist ja nicht Selbstzweck, sondern dient dazu, Erkenntnisse von größerer Reichweite zu gewinnen. Doch wie kann vom Einzelnen aus legitim überhaupt ein allgemeineres Wissen gewonnen werden? Dieser Frage wird im Rekurs auf einige geschichtstheoretische, literaturwissenschaftliche, soziologische und philosophische Positionen nachgegangen. Der Aufsatz schlägt dabei weniger eine programmatische Methodik vor, sondern versucht transparent machen, was Historiker normalerweise tun, wenn sie eine Fallstudie konzipieren. Dabei wird in drei Schritten vorgegangen: Zuerst werden einige Überlegungen zum Zusammenhang von Besonderem und Allgemeinem angestellt; zweitens wird die Fallstudie vom Beispiel abgegrenzt; im dritten Schritt wird das Problem der „Repräsentativität“ von Fällen diskutiert.

Abstract

Traditionally, the historian’s work focusses on particular phenomena. Historians are not (or not so much) interested in generalities. Therefore, the status of systematic reasing within historical research remains unclear. Normally, historians investigate single cases – but often this investigation is (implicitly or explicitly) meant to generate some kind of more or less generalized knowledge. It is a classical topic of the theory of history to discuss which kind of generalized knowledge that could be, and how it should be possible to get from the particular to the general. The article tries to show how this operation is pursued methodically. Besides that, the article explores the following question: Which status does the (too rarely discussed) approach of „case study“ have for the historian’s work? Case studies aim at generating knowledge of a more generalized kind. But how can we legitimately claim to achieve a more general knowledge from particulars? This question is discussed in examining some positions from the theory of history, from literary criticism, sociology, and philosophy. The article aims less at a programmatic methodology but tries to shed light on what historians normally do when „thinking in cases“. I proceed in three steps: Firstly, I explore the connection between particular and general knowlege. Secondly, I distinguish case studies from examples. Thirdly, I discuss the problem of „representativeness“ of cases.

Online erschienen: 2013-11-05
Erschienen im Druck: 2013-11-04

© by Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München, Germany

Downloaded on 8.2.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/hzhz.2013.0405/html
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