Accessible Published by De Gruyter August 25, 2017

„Früher hatte ich so ein ganz positives Bild. Dann hat es jetzt so negative Punkte.“

Wie Studienaustauschaufenthalte in Deutschland die Deutschlandbilder japani­scher Studierender verändern können und was uns dies über Nationenbilder sagt

Manuela Sato-Prinz
An erratum for this article can be found here: https://doi.org/10.1515/infodaf-2017-2086.pdf

Zusammenfassung

Der vorliegende Artikel fasst die Ergebnisse einer empirischen Longitudinalstudie mit Vergleichsgruppe zusammen, die exemplarisch am Beispiel japanischer Austauschstudierender untersucht, ob, inwiefern und unter welchen Bedingungen sich Deutschlandbilder im Laufe eines Studienaustauschaufenthalts in Deutschland verändern. Zu den wichtigsten Ergebnissen des Projekts gehört, dass die Bilder der Studierenden inhaltlich vielfältiger und individueller werden, besonders präsente, tradierte Bestandteile der Deutschlandbilder jedoch bestehen bleiben. Wenngleich die Studierenden am Ende ihres Aufenthalts weniger auf stereotype, tradierte Bildinhalte zurückgreifen als früher, so zeichnen sie ihre veränderten Deutschlandbilder doch weniger differenziert und mit mehr Überzeugung. Die Einstellung der Studierenden gegenüber Deutschland bleibt positiv bis neutral, jedoch finden negative Aspekte Eingang in die Deutschlandbilder, die dadurch realistischer erscheinen. Faktoren wie die Vorerfahrung mit Deutschland, Deutsch und Deutschen, die Aufenthaltsdauer oder die Integration am Gasthochschulort können die Entwicklung der Bilder beeinflussen.

Abstract

This article compiles the results of a longitudinal study with a comparative group, which uses a group of Japanese exchange students as an example of whether, to what extent and under what conditions their images of Germany change in the course of an extended stay in Germany. One of the most important results is that the content of their images becomes more complex and more individualized, particularly relevant, socially transmitted aspects remain parts of their images. As a result it can be observed that even though the students make less use of traditional, stereotypical content than before their sojourn abroad, they describe their new images in a less differentiated way, and with more conviction. The students’ attitude towards Germany remains positive to neutral, although negative aspects are allowed to surface, but seem to make their images more realistic. Factors like previous experience with Germany, German and Germans, the length of their stay or how integrated they are in their place of study can influence their images of Germany.

1 Einleitung

Studienbezogene Auslandsaufenthalte erfreuen sich unter Fremdsprachenlernerinnen und Fremdsprachenlernern an Universitäten großer Beliebtheit. Die Kultusministerkonferenz (KMK) empfiehlt deutschen Hochschulen, für solche Auslandsaufenthalte regulär Mobilitätsfenster in ihre Studiengänge einzubauen (vgl. KMK 2009), und auch für Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrer bergen Aufenthalte ihrer Lernerinnen und Lerner im Land der Zielsprache ein großes Potenzial: eine Auslagerung interkulturellen Lernens aus der Unterrichtssituation hinaus, dorthin, wo die Zielsprachenkultur in ihrer vollen Diversität und Fluktuation erfahrbar ist (vgl. Levine 2008: 192). Der vorliegende Artikel basiert auf der Dissertationsschrift der Verfasserin und fasst die Ergebnisse einer Longitudinalstudie mit Vergleichsgruppe zusammen, die sich mit der Frage befasst, welche interkulturellen Lernprozesse im Rahmen studienbezogener Auslandsaufenthalte ablaufen (vgl. Sato-Prinz 2017). Da interkulturelles Lernen vielfältig ist, fokussiert das Projekt den für Deutsch als Fremdsprache (DaF) von jeher relevanten Bereich der Nationenbilder als interkulturelle Wahrnehmungsmuster (vgl. Altmayer/Koreik 2010: 1383, Deckers 2010: 521). Die konkrete Forschungsfrage lautet: Verändern sich die Nationenbilder der mobilen Studierenden durch Studienaustauschaufenthalte, und wenn ja, welche studien- und austauschrelevanten Faktoren beeinflussen eine solche Veränderung?

Bevor das Forschungsdesign und die Ergebnisse der Studie vorgestellt werden, gibt der folgende Abschnitt einen Überblick über den Forschungsstand zum Thema. Abschließend sollen Grenzen und Stärken der Untersuchung diskutiert werden sowie in Hinblick auf mögliche Empfehlungen sowohl forschungspraktische als auch theoretische Schlussfolgerungen gezogen werden.

2 Forschungsstand

2.1 Nationenbilder als interkulturelle Wahrnehmungsmuster

Nationenbilder sind der zentrale Untersuchungsgegenstand dieses Projekts. Jedoch ist die Frage, was ein Nationenbild eigentlich ist, nicht eindeutig geklärt. Der Begriff Nationenbild im vorliegenden Artikel orientiert sich an der folgenden Definition Löschmanns (1998: 21 f.):

„Das Bild, das wir von etwas – zum Beispiel vom Zielsprachenland – haben, ist auf jeden Fall mehr als nur etwa ein Bündel von Stereotypen. Es ist eher eine komplexe Vorstellung, eine mehr oder weniger strukturierte Ganzheit, in die Wahrnehmungen, Vorstellungen, Erfahrungen, Kennt­nisse und Erkenntnisse, Ideen, Vermutungen, Gefühle und natürlich auch Stereotype und Vor­urteile eingehen. Anders ausgedrückt, läßt sich das Bild als subjektiv gewertetes, aber sozial ver­arbeitetes Bild der Wirklichkeit begreifen, das unabhängig vom Beobachter existiert, aber kei­neswegs in dem Sinne objektiv ist, daß es mit der Realität übereinstimmen muß. Von hier aus wird auch einsichtig, daß sich ‚Nationenbilder‘ viel schneller wandeln können als Stereotype.“

Neben den allgemein eher verständlichen, individuellen Komponenten wie Erfahrungen oder Gefühlen kommt Stereotypen[1] somit eine Sonderstellung innerhalb des Bildbegriffs zu. Stereotype erfüllen sowohl für das Individuum als auch für seine Gruppen unterschiedliche Funktionen, die von essentieller Natur sind. Hierzu zählen kognitive, psychodynamische sowie soziale, Gruppen definierende Funktionen (vgl. Lippmann 1922, Adorno et al. 1950, Allport 1966, Schneider 2004). Auch resultiert im Sinne der Stereotype ein beachtlicher Teil von Nationenbildern aus tradiertem Wissen, das uns durch die Sozialisation zugetragen wird, bevor wir uns selbst ein Bild von einer anderen Nation, im Sinne einer anderen Gruppe, machen können (vgl. Lippmann 1922: 60). Ferner geht diese Studie davon aus, dass weder Stereotype noch Nationenbilder als Ausformungen subjektiver Wahrnehmung Wahrheitsanspruch haben (vgl. Sato-Prinz 2017: 26 f.).

2.2 Veränderung von Nationenbildern durch studienbedingte Auslandsaufenthalte

Betrachtet man frühere Forschungsarbeiten zum Thema Nationenbilder, vor allem auch im Kontext des Faches DaF, deutet sich in verschiedenen Studien an, dass sich Personen mit Aufenthaltserfahrung im jeweiligen Land in ihrem Antwortverhalten von Personen unterscheiden, die selbst noch nie vor Ort waren. Bei Spaniel (2002) und Grünewald (2005) wird ein solcher Zusammenhang vermutet, bei Sammon (1998) und Bolten (2006) wird die Aufenthaltserfahrung als intervenierende Variable benannt, die zum Beispiel zu einer Differenzierung der Antworten beiträgt (vgl. Bolten 2006: 7 f.).

Aus theoretischer Perspektive gibt es verschiedene Argumente dafür, weshalb Auslandsaufenthalte eine Veränderung der Sichtweise der mobilen Personen auf ihr Gastland hervorrufen können. Die am häufigsten angewandte Erklärung geht davon aus, dass Auslandsaufenthalte eine Vielzahl an Kontaktmöglichkeiten mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Gastlandes bieten (vgl. Budke 2003: 41). Dadurch werden nicht nur neue Erfahrungen und neues Wissen, als Teilbereiche von Nationenbildern nach Löschmanns (1998) Definition, generiert, sondern auch die stereotypen Anteile an Nationenbilder können beeinflusst werden. Die letztere Behauptung basiert auf der von Allport erstmals 1954 aufgestellten (vgl. Allport 1966) und von Pettigrew (1998) weiterentwickelten Kontakthypothese. Die Kontakthypothese beschreibt, dass der Kontakt zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Personengruppen unter bestimmten förderlichen Bedingungen und über verschiedene Stufen zur Übertragung positiver Wahrnehmungen auf die andere Interaktionsgruppe sowie zu neuen Gruppendefinitionen führt (vgl. Stürmer 2009: 286 f.).

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass nicht jeder Auslandsaufenthalt automatisch eine Veränderung von Nationenbildern bewirkt (vgl. Schneider 2004: 384, Roche 2007: 27, Vande Berg 2007: 393 f., Ehrenreich 2008: 32). Auch Allport (1966) spricht davon, dass vor allem „acquaintance“ (264) oder „contact that leads people to do things together is likely to result in changed attitudes [Hervorhebung im Original]“ (276). Koester (1985) und Chen (2008) untersuchen in diesem Sinne unterschiedliche Aufenthaltsformen im Ausland hinsichtlich ihres stereotypenverändernden Potenzials. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Aufenthaltsformen, die nicht in etablierten Gruppen stattfinden, sondern ein gewisses Maß an Selbstständigkeit erfordern und damit Raum für intensive Interaktionen mit Angehörigen der Gastgesellschaft schaffen, am besten interkulturelle Lernprozesse initiieren können (vgl. Koester 1985: 60, Chen 2008: 188 f.). Dies erlaubt die Schlussfolgerung, dass auch traditionelle Auslandsstudienaufenthalte von individuellen Studierenden, die für ein bis drei Semester in die regulären Strukturen der Gastuniversitäten eingebettet werden, das Potenzial haben, die Nationenbilder der Studierenden im Sinne eines interkulturellen Lernprozesses zu verändern.

2.3 Bisherige Ergebnisse der Austauschforschung

Forschung zu verschiedenen Aspekten studentischer Auslandsmobilität wird von Angehörigen unterschiedlicher Fachdisziplinen betrieben. Deshalb gestaltet sich das Forschungsfeld der sogenannten Austauschforschung sehr interdisziplinär (vgl. Budke 2003: 23, Teichler 2007: 324, Ehrenreich 2008: 35). Die Diversität des Forschungsfelds bringt Vorteile mit sich wie vielfältige Perspektiven auf den Untersuchungsgegenstand, aber auch Nachteile wie einen unübersichtlichen, wenig systematisch angelegten, bisweilen widersprüchlichen Forschungsstand (vgl. Teichler 2007: 323). Mit Blick auf die Entwicklung von Nationenbildern im Speziellen gibt es sowohl Studien, die zeigen, dass sich die Nationenbilder mobiler Studierender verändern, und zwar im positiven wie im negativen Sinne, als auch Studien, die besagen, dass die Bilder der Studierenden unverändert bleiben. Eine Möglichkeit, um den Ursachen dieser Unterschiedlichkeit der Ergebnisse auf den Grund zu gehen, ist der Versuch, den Forschungsstand zu ordnen und zu systematisieren. Hierzu bieten sich drei Leitfragen an:

  • Welches Forschungsdesign wird angewandt?

  • Welche Aspekte von Nationenbildern werden genau untersucht?

  • Welche Einflussfaktoren werden untersucht beziehungsweise kontrolliert?

Hinsichtlich des Forschungsdesigns lassen sich die Studien in eine Matrix einordnen, die sich zwischen den Polen LängsschnittQuerschnitt sowie mit Vergleichsgruppeohne Vergleichsgruppe aufspannt. Soll der Gegenstand der Untersuchung eine Veränderung sein, so steht fest, dass allein Studien im Längsschnitt eine solche feststellen können. Studien im Querschnitt imitieren den zeitlichen Aspekt, zum Beispiel indem mit Probandengruppen unterschiedlicher Studierendenjahrgänge gearbeitet wird. Möchte man sichergehen, dass gegebenenfalls ermittelte Veränderungen tatsächlich von der zu untersuchenden Maßnahme Studienaustausch herrühren, so kann im Setting eines Quasiexperiments das Hinzuziehen einer Vergleichsgruppe helfen, um einzuschätzen, welche Veränderungen auch ohne die jeweilige Maßnahme zum Beispiel aus biographischen Gründen eingetreten wären. Wendet man sich ferner der angewandten Methodik zu, so ergeben sich unterschiedliche Präferenzen je nach Fachbereich: Während beispielsweise in den Sozialwissenschaften vor allem quantitative Methoden – insbesondere Fragebögen – zum Einsatz kommen, so mehren sich im sprach- und kulturwissenschaftlichen Bereich neben Längsschnittstudien auch kombinierte, quantitativ und qualitativ arbeitende Designs.

Betrachtet man näher, was genau in Studien zur Studierendenmobilität im Bereich der Nationenbilder untersucht wird, lassen sich bei diesen Studien, obwohl sie alle im weiteren Sinne Nationenbilder behandeln, drei Teilbereiche unterscheiden: So werden entweder, erstens, der Inhalt der Nationenbilder untersucht, zweitens, die affektiv-emotionale Einstellung, die mit den Nationenbildern (zumeist) gegenüber der Gastlandgesellschaft zum Ausdruck gebracht wird, und/oder, drittens, die Art und Weise, wie über die andere Nationalgruppe gesprochen wird; wie sich der Umgang mit den Nationenbildern gestaltet. Diese drei Bestandteile sind laut Edwards (1982: 20) auch die Dispositionen, die Einstellungen, als Oberbegriff zu Nationenbildern und Stereotypen, zugrunde liegen, und so liegt es nahe, diese Dreiteilung auch auf Nationenbilder als Gegenstand der Einstellungsforschung anzuwenden.

Studien, die die inhaltliche Komponente von Deutschlandbildern betrachten, befassen sich mit selbst erfahrenen und vermittelten Bestandteilen der Bilder. Die Mehrheit der longitudinalen Studien, die sich diesem Bereich widmen, belegen, dass Nationenbilder in ihren Inhalten wandlungsfähig sind. In der Regel werden die Bilder differenzierter und vielschichtiger (vgl. zum Beispiel Medina 2008, Seebauer 2009, Wernicke 2013, 2014). Werden affektiv-emotionale Bestandteile von Nationenbildern untersucht, im Sinne der Einstellung zum Zielland und seiner Bevölkerung, die durch die Nationenbilder zum Ausdruck kommt, indizieren die Ergebnisse unterschiedlicher Studien unterschiedliche Entwicklungsverläufe. Als eine der wenigen Längsschnittstudien weisen Carlson et al. (1991) eine tendenzielle Verschlechterung der Einstellungskomponente nach, die einhergeht mit einer Verbesserung der Einstellung gegenüber dem eigenen Heimatland. Für den Verhaltensaspekt finden sich sowohl Ergebnisse, die sich für eine Entwicklung hin zu reflektierten Äußerungen aussprechen (vgl. zum Beispiel Nguyen/Kellogg 2010) als auch Studien, die in weiten Teilen keine Veränderungen aufzeigen können (vgl. zum Beispiel Papatsiba 2006).

Trotz der Aufgliederung in die drei Teilbereiche Inhalt, Einstellung und Verhalten lässt sich somit nicht für jeden Bereich eine eindeutige Aussage bezüglich der Entwicklungstendenz feststellen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Ergebnisse in Abhängigkeit stehen zu weiteren Einflussfaktoren, die als direkt oder indirekt intervenierende Variablen operieren. Je nach Kontext der Studie und Teilnehmerschaft spielen hierbei unterschiedliche Variablenkomplexe eine Rolle, die sich von Persönlichkeitsfaktoren über die Vorbereitung zuhause bis hin zur Programmgestaltung vor Ort erstrecken. Von Besonderheit ist dabei in Anlehnung an die Modelle des Kulturschocks (Oberg 1960), der U-Kurve (Lysgaard 1955) und der interkulturellen Sensibilisierung (Bennett 1993) der Faktor Zeit im Sinne der Aufenthaltsdauer.

Aus dem kurz skizzierten Stand der Forschung werden die folgenden Hypothesen abgeleitet:

  1. 1)

    Deutschlandbilder verändern sich durch Studienaustauschaufenthalte (a) inhaltlich, (b) bezüglich der mit ihnen verbundenen Einstellung und (c) hinsichtlich des Umgangs mit Generalisierungen.

  2. 2)

    Die Veränderung der drei Komponenten (1a-c) erfolgt in die gleiche Richtung (Annahme der Nullhypothese wird angestrebt).

  3. 3)

    Deutschlandbilder differieren je nach verschiedenen Einflussfaktoren.

Diese Hypothesen werden im Rahmen einer empirischen Studie überprüft. Für das Design dieser Studie lassen sich aus der Beschäftigung mit den früheren Studien ebenfalls Schlussfolgerungen ziehen, die im Folgenden zusammen mit der gewählten Methodik dargestellt werden.

3 Methodik

Die Auseinandersetzung mit den methodischen Aspekten früherer Studien impliziert die wesentlichen Eckpunkte des Designs der empirischen Erhebung. Da eine Veränderung der Nationenbilder untersucht werden soll, eignet sich am besten eine Studie im Längsschnitt. Um die gemessenen Veränderungen mit höherer Wahrscheinlichkeit auf die Maßnahme des Austauschaufenthalts zurückführen zu können, soll eine Vergleichsgruppe implementiert werden, die aus nicht am Austausch teilnehmenden Mitstudierenden besteht. Für die Datenerhebung kommen quantitative und qualitative Methoden gleichermaßen zum Einsatz, um die perspektivischen Präferenzen der unterschiedlichen Ansätze gewinnbringend kombinieren zu können. Konkret werden Fragebögen und leitfadengestützte Interviews eingesetzt. Die Datenerhebung soll ferner mehrere Testzeitpunkte umfassen, um auch solche Entwicklungen beobachten zu können, die durch ein Pre-Posttest-Setting nicht erfasst werden können.

Die Gewinnung geeigneter Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die beiden Teilstudien, die Fragebogen- und die Interviewstudie, erfolgt mithilfe der dankenswerten Unterstützung zahlreicher Dozentinnen und Dozenten für DaF und Germanistik japanischer Universitäten, der DAAD-Außenstelle in Tokio sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der International Offices von über 60 deutschen und japanischen Universitäten. Durch sie werden über 300 japanische Austauschstudierende erreicht, von denen sich zunächst circa 35,0 % an der Studie beteiligen. Unter anderem über die beteiligten Austauschstudierenden können Probandinnen und Probanden für die Vergleichsgruppe gewonnen werden. Die finalen, in die Analyse einbezogenen Fallzahlen zeigt Tabelle 1:

Tabelle 1

Fallzahlen der Teilstudien

AustauschstudierendeVergleichsgruppe
PersonenDatensätzePersonenDatensätze
Fragebogenstudie631882054
Interviewstudie17511023

Die Fragebögen beziehungsweise die Leitfäden der Interviews basieren grundsätzlich auf den Erhebungsinstrumenten, die sich bereits in einer Vorstudie der Verfasserin (vgl. Sato-Prinz 2011) bewährt hatten und für diese Studie angepasst und erweitert werden. Sie bestehen aus den folgenden Teilbereichen[2]:

Tabelle 2

Übersicht abgefragte Themenbereiche zu den verschiedenen Erhebungszeitpunkten (aus Sato-Prinz 2017)

ZeitpunktInhalt
1– Frühere Auslandsaufenthalte und Deutschlandkontakte

– Deutschlandbild (gleichbleibend)

– Fragen zum bevorstehenden Deutschlandaufenthalt (nur Austauschstudierende)

– Demographische und sonstige studienrelevante Angaben
2– Zwischenzeitliche Auslandsaufenthalte (nur Vergleichsgruppe)

– Deutschlandbild (gleichbleibend)

– Fragen zum Deutschlandaufenthalt (nur Austauschstudierende)

– Reduziert: Demographische Angaben
3– Zwischenzeitliche Auslandsaufenthalte (nur Vergleichsgruppe)

– Deutschlandbild (gleichbleibend)

– Fragen zum Deutschlandaufenthalt (nur Austauschstudierende)

– Reflexion Veränderung des Deutschlandbildes

– Reduziert: Demographische Angaben

Die Datenerhebung für die Hauptstudie unterteilt sich in zwei Erhebungszyklen und findetzwischen Juni 2012 und April 2014 statt. Die Studie umfasst somit Auslandsmobilitäten zwischen dem Wintersemester 2012/13 bis einschließlich dem Wintersemester 2013/14. Die Daten der ersten Erhebungsphase werden vor oder zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland erhoben. Zu Zeitpunkt zwei befinden sich die beteiligten Studierenden der Austauschgruppe in Deutschland. Die dritte Datenerhebung findet größtenteils vor der Rückkehr nach Japan statt. Die Erhebungen in der Vergleichsgruppe finden jeweils parallel statt. Alle Fragebögen werden online durchgeführt. Die in etwa 30–45-minütigen Interviews werden mehrheitlich in einer realen Face-to-Face-Situation auf Deutsch und/oder Japanisch am jeweiligen Aufenthaltsort der Studierenden geführt. Einige wenige Interviews in der Versuchsgruppe sowie einige exemplarische Interviews zu Zeitpunkt zwei in der Vergleichsgruppe werden online per Videoanruf geführt. Die Datenanalyse erfolgt, soweit möglich, deskriptiv- und prüfstatistisch sowie in Anlehnung an die Qualitative Inhaltsanalyse. Für die qualitativen Auswertungen kann teilweise auf einen zweiten Rater zurückgegriffen werden. Tabelle 3 fasst die wichtigsten Daten zu den Erhebungen zusammen.

Tabelle 3

Erhebungszeitpunkte und -zyklen (aus Sato-Prinz 2017)

ZyklusErhebung 1Erhebung 2Erhebung 3
1Juni bis Oktober 2012InterviewsFragebögenFebruar bis April 2013InterviewsFragebögenJuni bis Oktober 2013InterviewsFragebögen
2Februar bis April 2013FragebögenAugust bis Oktober 2013FragebögenFebruar bis April 2014Fragebögen

4 Ergebnisse

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse beider Teilstudien hypothesengeleitet vorgestellt. Dabei wird aus Platzgründen vor allem der Vergleich zwischen den Testzeitpunkten in der Gruppe der Austauschstudierenden in Bezug auf die Fremdwahrnehmung der Deutschen und Deutschland fokussiert. In Sato-Prinz (2017) werden auch verstärkt Bezüge zur Vergleichsgruppe sowie auf die Selbstwahrnehmung hergestellt.

4.1. Hypothese 1: Deutschlandbilder und ihre Veränderung

4.1.1 Hypothese 1 a: Parallele Existenz individueller und tradierter Bildinhalte

In der ersten inhaltlich relevanten Frage der Fragebögen werden alle Studierenden gebeten, drei spontane Assoziationen zu dem Stimulus Deutschland zu notieren. Die Top-5-Nennungen sowie -Assoziationskategorien der Austauschstudierenden stellt Tabelle 4 dar. Bier und Wurst stellen über alle drei Zeitpunkte hinweg die Hauptassoziationen der Austauschstudierenden dar. Folglich ist es die Kategorie Essen und Trinken, die für Ein-Wort-Assoziationen am wichtigsten ist und bleibt, gefolgt von der Kategorie Eigenschaften, die deutschen Menschen zugeschrieben werden und Assoziationen wie freundlich oder fleißig umfasst. Änderungen machen sich erst auf Position drei des Rankings der wichtigsten Kategorien bemerkbar: Geschichtliches, wie Zweiter Weltkrieg oder Berliner Mauer, wird zunächst durch Geographisches, wie Mitte Europas oder Bayern, und dann durch Politisches/Gesellschaftliches, wie EU oder gegen Atomkraft, abgelöst. Die Ergebnisse der Interviewstudie unterstützen diesen Befund: Auch in den dort gegebenen Antworten deutet sich eine Veränderung der Bilder an, die zu Zeitpunkt eins insbesondere frühere Deutschlandreisen thematisieren, und zu Zeitpunkt zwei und drei vor allem den aktuellen Aufenthalt sowie die eigenen Erlebnisse im Vergleich zu Japan darstellen. Thematisch befassen sich die Studierenden dabei mit Alltäglichem wie dem Wetter, dem Essen oder mit Interaktionen mit deutschen Personen zum Beispiel in Geschäften und später mit Bekannten.

Tabelle 4

Top-5-Assoziationen und -Assoziationsbereiche zu Deutschland – Austauschstudierende

Zeitpunkt 1Zeitpunkt 2Zeitpunkt 3
Top-Assoziationen1. Bier (61,9 %)

2. Wurst (25,3 %)

3. ernst (15,8 %)

4. fleißig (14,2 %)

5. Fußball (9,5 %)
1. Bier (50,0 %)

2. Wurst (16,1 %)

3. freundlich/nett (12,9 %)

4. Fußball (11,2 %)

5. ernst (9,6 %)
1. Bier (60,3 %)

2. Wurst (25,3 %)

3. Fußball (19,0 %)

4. freundlich/nett, ernst je (6,3 %)
Top-Assoziations-bereiche1. Essen und Trinken (34,4 %)

2. Eigenschaften (25,4 %)

3. Geschichtliches (6,9 %)

4. Politisches/Gesellschaftliches (6,3 %)

5. Kulturelles, Industrie und Wirtschaft (je 4,2 %)
1. Essen und Trinken, Eigenschaften (je 29,3 %)

2. Geographisches (9,8 %)

3. Politisches/Gesellschaftliches (6,5 %)

4. Industrie und Wirtschaft (4,9 %)
1. Essen und Trinken (32,6 %)

2. Eigenschaften (21,4 %)

3. Politisches/Gesellschaftliches (9,6 %)

4. Geographisches (7,0 %)

5. Sport (6,4 %)

Abbildung 1 stellt die Verläufe der Assoziationen Bier und Wurst im Vergleich zur Vergleichsgruppe dar. Beide Nennungen werden auch von Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Gruppe favorisiert. Die Entwicklungen über die Erhebungszeitpunkte hinweg verlaufen ähnlich, jedoch erfahren beide Verläufe zu Zeitpunkt zwei in der Austauschgruppe einen deutlich wahrnehmbaren Einbruch. Des Weiteren wurde berechnet, wie viele Assoziationen je Gruppe nur von einer Person genannt werden. Die Entwicklung dieses Anteils ist ebenfalls in Abbildung 1 abgebildet. Hierbei zeigt sich, dass diese individuellen Assoziationen vor allem von Zeitpunkt eins auf zwei einen deutlichen Anstieg erfahren: Knapp 80,0 % aller genannten Assoziationen sind während und am Ende des Austauschaufenthalts individuelle Eindrücke[3].

In beiden Teilstudien werden die Studierenden ferner gebeten, deutsche Menschen zu charakterisieren. Tabelle 5 stellt die meist gegebenen Antworten der Interviewstudie in Bezug auf deutsche Menschen im Überblick dar. Es wird deutlich, dass die Studierenden zu allen drei Zeitpunkten viele in erster Linie positive Eigenschaften mit Deutschen verbinden wie fleißig oder pünktlich. Ab Zeitpunkt zwei durchmischen sich diese jedoch vermehrt mit prinzipiell eher negativen Eigenschaften wie rücksichtslos oder unfreundlich.

Abbildung 1 Verläufe Bier, Wurst und Anteil individuelle Assoziationen

Abbildung 1

Verläufe Bier, Wurst und Anteil individuelle Assoziationen

Tabelle 5

Eigenschaften deutscher Menschen – Austauschstudierende, Interviewstudie

RangZeitpunkt 1Zeitpunkt 2Zeitpunkt 3
1fleißig / nicht faulenzen /strengen sich an (13 Nennungen (N.), 76,5 %)freundlich/nett (12 N., 70,6 %)freundlich/nett, sprechen direkt/deutlich

(je 7 N., 50,0 %)
2pünktlich (11 N., 64,7 %)genau/zuverlässig/akkurat, hilfsbereit/sorgen sich um einen

(je 8 N., 47,1 %)
hilfsbereit / sorgen sich um einen (6 N., 42,9 %)
3ernst (10 N., 58,8 %)fleißig / nicht faulenzen / strengen sich an (je 7 N., 41,2 %)fleißig / nicht faulenzen / strengen sich an, mögen/trinken Bier, frei / passen sich nicht an das Umfeld an, verschieden/individuell, diskutieren gern / Meinungsaustausch wichtig (je 5 N., 35,7 %)
4genau/zuverlässig/akkurat, ähneln JapanerInnen (je 8 N., 47,1 %)sprechen mit Fremden, melden sich / aktiv im Unterricht

(je 6 N., 35,3 %)
unpünktlich / lassen einen warten, sprechen mit Fremden, sich anzufreunden ist schwierig, ernst

(je 4 N., 28,6 %)
5freundlich/nett, äußern ihre Meinung (je 6 N., 35,3 %)anders als JapanerInnen, rücksichtslos (je 5 N., 29,4 %)witzig/erzählen Witze, melden sich/aktiv im Unterricht, beharrlich/zielbewusst, nicht fleißig/faul, unfreundlich, nicht typisch deutsch, genau/zuverlässig, ordentlich, ähneln JapanerInnen, sprechen viel/oft, gehen gern nach draußen (je 3 N., 21,4 %)
6erscheinen furchteinflößend, fröhlich/heiter/ausgelassen

(je 5 N., 29,4 %)
ungenau/grob, unfreundlich, sprechen direkt/deutlich, ähneln JapanerInnen (je 4 N., 23,5 %)
7offen/aufgeschlossen, frei / nicht beeinflusst durch Umfeld, mögen Bier/Alkohol, öko/umweltbewusst, sprechen direkt/deutlich, verschieden/individuell, aktiv/lebhaft (je 4 N., 23,5 %)
Abbildung 2 Entwicklung Skalen gute Menschen Deutschlandbild und typisches Deutschlandbild (nach Sato-Prinz 2017)

Abbildung 2

Entwicklung Skalen gute Menschen Deutschlandbild und typisches Deutschlandbild (nach Sato-Prinz 2017)

Aus den in der Fragebogenstudie abgefragten Eigenschaftenlisten lassen sich ferner zwei Skalen ableiten:

  • die Skala gute Menschen Deutschlandbild, die grundsätzlich positive Eigenschaften von Menschen umfasst wie freundlich und ehrlich

  • die Skala typisches Deutschlandbild, die Eigenschaften vereint, die von Relevanz sind für ein japanisches Deutschlandbild wie pünktlich und ernst

Die Entwicklung der beiden Skalen stellt Abbildung 2 dar. Während sich die Skala gute Menschen Deutschlandbild im Mittelwert über die Studie hinweg nicht verändert, erfährt die Zustimmung zur Skala typisches Deutschlandbild einen merklichen Einbruch, der von statistischer Signifikanz ist (p=0,012). Vor allem in der Mitte ihres Aufenthalts empfinden die Austauschstudierenden deutsche Menschen als weniger typisch deutsch. Richtung Ende des Aufenthalts nimmt die Zustimmungsrate leicht zu. Dieser Befund wird ebenfalls durch die Interviewstudie gestützt. In ihr zeigt sich, dass die Aufzählung von im japanischen Kontext klassischen deutschen Stereotypen wie pünktlich, akkurat oder umweltbewusst im Verlauf der Erhebung von 29,3 % auf 13,3 % nachlässt. Einzelne, individuelle Nennungen innerhalb der Charakterisierungen steigen hingegen an von 31,3 % auf 51,8 %.

Zusammengefasst ergibt sich für die Inhaltskomponente der Deutschlandbilder somit folgende Situation: Die Deutschlandbilder verändern sich, indem sie

Abbildung 3 Entwicklung Einstellungsskalen im Vergleich – Austauschstudierende (nach Sato-Prinz 2017)

Abbildung 3

Entwicklung Einstellungsskalen im Vergleich – Austauschstudierende (nach Sato-Prinz 2017)

vielfältiger und individueller werden. Einige typische Assoziationen halten sich gleichzeitig auf den Spitzenpositionen. Außerdem werden Aspekte ergänzt, die, inhaltlich betrachtet, eher negativ ausgerichtet sind. Dies erlaubt den Schluss, dass sich sehr individuelle und plakative, stereotype Bildinhalte nicht zwangsläufig ausschließen. Sie sind gleichermaßen im Pool der Deutschlandbildassoziationen vorhanden und können je nach Situation und Gesprächspartnerin oder Gesprächspartner aktiviert werden.

4.1.2. Hypothese 1 b: Vom Paradies zurück auf den (neutralen) Boden der Realität

Abbildung 3 stellt einige Skalenverläufe im Bereich der Einstellungskomponente der Deutschlandbilder dar. Es zeigt sich zunächst, dass die Austauschstudierenden im Verlauf ihres Deutschlandjahres eine geringfügige Zunahme positiver Emotionen gegenüber deutschen Menschen erfahren. Auch der Wunsch, sich nach dem Studium weiterhin mit Deutschland zu befassen, nimmt zu. Richtung Ende des Aufenthalts ist diese Zunahme sogar statistisch signifikant (p=0,016). Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass der Deutschlandaufenthalt eine geringfügige Verbesserung der vormals bereits positiven Gesinnung gegenüber dem Gastland und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern bedingt. Umso mehr überrascht es, dass gleichzeitig negative Gefühle gegenüber deutschen Menschen weniger abgelehnt werden als noch vor dem Antritt des Auslandsstudiums. Insbesondere nach dem ersten Semester tritt diese Entwicklung stark hervor und ist von hoher statistischer Relevanz (p=0,000). Ein gegenläufiger Trend zeigt sich in Hinblick auf dieselben Emotionen gegenüber japanischen Mitmenschen: Die Zustimmung zu positiven Gefühlen gegenüber Japanerinnen und Japanern steigt zwischen den Messzeitpunkten eins und zwei geringfügig, aber signifikant an (p=0,011). In der Einschätzung der negativen Gefühle gegenüber Deutschen und Japanerinnen und Japanern nähern sich die Antwortenwerte der Studierenden signifikant an (p=0,000).

Im Rahmen der Interviewstudie wird den Einstellungen der Studierenden auf verschiedene Arten nachgegangen: Zunächst werden die Studierenden bei jeder Erhebung um eine Bewertung ihres Bildes in den Kategorien positiv, negativ und neutral gebeten. Diese Äußerungen werden am Ende chronologisch betrachtet. Des Weiteren geben die Studierenden bei der Abschlusserhebung selbst eine Einschätzung ab, wie sie retrospektiv die Veränderung ihrer Bilder bewerten. Chronologisch betrachtet, verschlechtert sich das Bild bei der Hälfte der Studierenden. Während zuhause in Japan noch alle Studierenden ihr Deutschlandbild als positiv beschreiben, trifft dies am Ende des Auslandsjahres nur noch auf 50,0 % der Studierenden zu. Fragt man die Studierenden jedoch, wie sie selbst die Entwicklung ihres Deutschlandbildes bewerten, so sprechen sich die meisten Befragten für eine Verbesserung aus. Die Austauschstudentin Midori durchlebt, chronologisch betrachtet, eine leichte Abstufung ihres Bildes von zunächst positiv zu „positiv-neutral“ (Midori, 3, AG, 53:04). Sie reflektiert über ihre Veränderung, wie folgt:

„Ahm, hm, ja, für mich ist es besser, aber hm, ja, das ist komischerweise sehr, sehr schwieriger; es ist für mich schwieriger geworden, ähm, etwas über Deutschland oder über Deutsche meine Meinung zu sagen. Ja, ah, ah, ah, ja, wir sind Menschen. Was; so ein Gedanke ist mir gekommen und ja, im Prinzip [gibt es; MSP][4] keinen großen Unterschied und (...) Ja, ich habe vorher so sehr, sehr, mehr ein Paradies oder so etwas vorgestellt. Aber ja, ja, nachdem ich hier gewohnt habe, ja, so, natürlich ist es kein Paradies mehr, so, aber ich sage [nicht; MSP], das ist, das heißt, dass etwa, etwas schlechter geworden wäre, so etwas, sondern eher neutral. (...)“ (Midori, 3, AT, 55:12)

Midori bringt zum Ausdruck, dass sie Deutschland zuhause in Japan zu positiv betrachtete. Sie wählt dafür den Vergleich mit einem Paradies. Weiter bringt sie Unsicherheit darüber zum Ausdruck, wie sie nun über Deutschland urteilen soll. Die Austauschstudentin Yuka ergänzt einen weiteren wichtigen Aspekt:

„Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich nur positive Sachen, aber jetzt habe ich auch negative Sachen kennengelernt. [Negativer, positiver?] Nicht das ganze Bild, so, wird negativ. Ja. Früher hatte ich so ein ganz positives Bild. Dann hat es jetzt so negative Punkte.“ (Yuka, 3, AT4, 37:32)

Die reale Erfahrung vor Ort in Deutschland bedingt somit, dass positive und negative Aspekte des Gastlandes wahrgenommen werden und als Elemente in das Deutschlandbild integriert werden.

Schlussfolgernd lässt sich festhalten, dass die Einstellungskomponente von Deutschlandbildern ebenfalls Veränderungsprozessen unterliegt. Schwieriger ist es jedoch, die Richtung der Veränderung zu beschreiben, da positive und negative Teilbestandteile gleichermaßen zunehmen. Es liegt nahe, von einer Relativierung der einst zu positiven Vorstellungen zu sprechen.

4.1.3 Hypothese 1 c: Zwischen pauschalem Urteilen und kultureller Neuverortung

Unter dem Oberbegriff Umgang mit Generalisierungen wird auf verschiedene Arten versucht, darüber Daten zu erheben, wie die Studierenden mit ihren Bildbeschreibungen umgehen. Hierzu gehören einige wenige geschlossene Fragen in den Fragebögen sowie vor allem die Auswertung der Äußerungsstrategien der Studierenden in Anlehnung an die Theorie der linguistischen Stereotype (vgl. Quasthoff 1973, Telus 2002, Zoll 2002, aber auch Deckers 2010). Diese Auswertungen werden sowohl anhand der Antworten auf eine offene Frage in den Fragebögen als auch bezüglich der Frage nach den Charakteristika deutscher Menschen in den Interviews vorgenommen. Dabei wird zwischen den in Tabelle 6 dargestellten Arten von Äußerungen unterschieden.

Tabelle 6

Kategorisierungsschema Verbalisierungsstrategien (nach Sato-Prinz 2017)

KategorieAllgemeines Beispiel
Generalisierende AussageSie sind ernst.
Generalisierende Aussage mit VerstärkungSie sind alle ernst.
Differenzierung/ eingeschränkt beziehungsweise unsicherEs gibt viele ernste Menschen.
Differenzierung/ Referenz eigene Erfahrung oder MeinungIch glaube, die Deutschen sind ernst.
Differenzierung/ In Japan sagt man, sie sind so, aber ...In Japan sagt man, sie seien ernst, aber sie sind nicht so.
Differenzierung/ SubgruppenÄltere Menschen sind ernst.
Differenzierung/ reduzierte Abstraktheit durch konkretes BeispielWenn sie sich zum Beispiel auf Prüfungen vorbereiten, sind sie ernst.
Vergleich/ relatives StereotypDeutsche sind so ernst wie JapanerInnen.
Wandel, vor allem zeitlich, aber auch sehen aus, aber ... / sind zuerst, aber dann ...Anfangs dachte ich, sie sind ernst, aber sie sind lustig.

Mit Blick auf die Auswertung der offenen Frage in den Fragebögen werden in Abbildung 4 die drei wichtigsten Verbalisierungsstrategien betrachtet. Es wird deutlich, dass die normale, generalisierende Aussage die häufigste Äußerungsform darstellt. Etwa 80,0 % aller Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer verwenden diese Verbalisierungsstrategie. Jedoch sind eingeschränkt oder mit Unsicherheit geäußerte Aussagen zu Zeitpunkt zwei fast gleich stark repräsentiert. Am Ende des Aufenthalts kehrt der Anteil dieser Äußerungsstrategie in etwa auf das Ausgangsniveau zurück. Interessant ist ferner, dass die Kennzeichnung einer Äußerung als eigene, subjektive Meinung oder Erfahrung ebenfalls vor allem nach der zweiten Erhebung stark zurückgeht, sodass pauschale, undifferenzierte Aussagen, im Verhältnis betrachtet, sehr dominant sind. In der Interviewstudie werden die Verbalisierungsstrategien numerisch je Testperson ausgewertet. Auf diese Weise ergibt sich anfangs das Bild, dass als eigene Meinung dargestellte Aussagen am häufigsten genutzt werden. Im Verlauf des Austauschjahres nehmen jedoch die als differenzierend zu wertenden Äußerungsstrategien ab und liegen zu Zeitpunkt drei durchschnittlich hinter den Generalisierungsstrategien zurück. Setzt man beides in Vergleich, so stellt sich heraus, dass zu Zeitpunkt eins gilt: Je mehr die Austauschstudierenden zu Generalisierungen tendieren, desto weniger differenzierend äußern sie sich über Deutsche (r=-0,693, p=0,006). Zu Zeitpunkt zwei und drei jedoch trifft diese Aussage nicht mehr zu (p>0,050). Differenzierendes und generalisierendes Äußerungsverhalten

Abbildung 4 Verläufe der wichtigsten Verbalisierungsstrategien ­– Austauschstudierende

Abbildung 4

Verläufe der wichtigsten Verbalisierungsstrategien ­– Austauschstudierende

schließen sich somit im späteren Verlauf tendenziell nicht mehr aus. Diese Erkenntnis wird durch eine weitere Korrelationsanalyse mit Bezug auf die Fragebogendaten gestützt: Vor oder zu Beginn des Auslandsjahres tendieren Studierende, die Differenzierungsstrategien in ihrer Textantwort anwenden, signifikant dazu, das Urteilen über Personengruppen als eher schwierig einzustufen (p=0,020). Am Ende des Aufenthalts ist ein solcher Zusammenhang nicht mehr festzustellen (p>0,050). Abbildung 5 und Abbildung 6 stellen dieses Ergebnis grafisch dar.

Des Weiteren werden die Interviewantworten daraufhin analysiert, wie die Studierenden mit den Konstrukten typisch deutsch und typisch japanisch umgehen in Hinblick auf die Beschreibung ihrer deutschen Mitmenschen und bei der Darstellung ihrer eigenen Identität. Hierbei lassen sich zwei Arten von Äußerungen unterscheiden: Äußerungen des Typs eins plädieren für eine generelle Anpassungsfähigkeit des Verhaltens einer Person an Situation und Umfeld. Als erste Inspiration für diese Idee spielen deutsche Austauschstudierende in Japan eine wichtige Rolle, die für die japanischen Studierenden meist die ersten Deutschen darstellen, zu denen sie neben ihren Lehrerinnen und Lehrern intensiven Kontakt pflegen. Verwenden diese Austauschstudierenden etwa die japanische Jugendsprache adäquat oder werden auf andere Weise als gut angepasst wahrgenommen, so entsteht oft schon vor dem eigenen Auslandsaufenthalt die Vorstellung, dass das eigene Verhalten an das Umfeld angepasst werden kann. Äußerungen dieser Art sind deshalb vor und am Ende des Aufenthalts etwa gleich stark vertreten (35,3 % beziehungsweise 41,1 %).

Abbildung 5 Skala einfaches Urteilen nach Differenzierungsstrategien – Austauschstudierende, Zeitpunkt 1

Abbildung 5

Skala einfaches Urteilen nach Differenzierungsstrategien – Austauschstudierende, Zeitpunkt 1

Abbildung 6 Skala einfaches Urteilen nach Differenzierungsstrategien – Austauschstudierende, Zeitpunkt 3

Abbildung 6

Skala einfaches Urteilen nach Differenzierungsstrategien – Austauschstudierende, Zeitpunkt 3

Äußerungen des zweiten Typs gehen generell, ohne situative Einbindung, davon aus, dass Menschen sich nicht einer starren Kategorie zuordnen lassen, sondern sich eher auf einem Kontinuum dazwischen bewegen. Dies hat Einfluss sowohl auf die Beschreibung anderer Menschen als auch auf die Darstellung des eigenen Identitätskonzepts. Die folgende Äußerung der Austauschstudentin Aina gehört zu diesem zweiten Typ. Sie vermag einen Eindruck davon zu vermitteln, mit welchen Schwierigkeiten und Widersprüchen sie kämpft, um sich zwischen den vermeintlich statischen Polen deutsch und japanisch zu verorten:

„Typisch japanisch. [Schüttelt den Kopf; Anm. MSP] [Nein?] Nein. [Was ist nicht typisch?] Typisch japanisch. [Nicht typisch japanisch, an dir?] Ah, an mir. Ich bin, ich bin relativ offener, glaube ich, als andere Japaner. Das ist ein Grund dafür und, hm, ich bin nicht so schüchtern. Also ich bin offen, ich bin nicht schüchtern; das ist, also das ist. Und ich sage relativ, also, deutlich, deutlich meine Meinung, aber. Und hm, ich spreche viel. Und ah, schwer. Aber ich habe auch die Identität als Japanerin. Also das ist schwer, nicht? Also gleichzeitig. (Ich) bin eine Japanerin, aber nicht typisch. [Schon immer so oder erst seit Kurzem?] Also früher war das auch so, aber, mehr. [Mehr geworden?] Ja. Hm. 33:45 [Selbst typisch deutsch?] Nee. Nein. Noch nie. Weil ich eine Japanerin bin. Ich, ich, ich habe diese Identität. Aber ich glaube, ich bin ein bisschen wie amerikanisiert. Deutsch, deutschisiert. Deutschisiert? Deutschisiert geworden.“ (Aina, 3, AD, 31:37)

Mehrfache Satzabbrüche und Widersprüche sprechen in diesem Zitat zunächst für eine große Unsicherheit. Letztlich findet Aina für sich den Kompromiss, sich als „deutschisiert[e]“ (Aina, 3, AD, 31:37) Japanerin zu bezeichnen. Solche Äußerungen erinnern in Ansätzen an das, was Pütz (2004: 266) mit „sich verorten“ im Sinne einer transkulturellen Persönlichkeit bezeichnet, auch wenn dieses Verorten noch wenig strategisch genutzt wird. Gleichzeitig deutet sich an, dass rein binäre Denkweisen, die allein mit den Kategorien typisch japanisch und typisch deutsch operieren, wenig hilfreich sind, um die Erfahrungen der Austauschstudierenden vor allem am Ende ihres Aufenthalts beschreiben zu können. Weniger statische Konzepte von Kultur scheinen den Studierenden jedoch nicht bekannt zu sein oder finden zumindest in der konkreten Äußerungssituation keine Anwendung. Äußerungen dieses zweiten Typs nehmen innerhalb der Studie im Austauschjahr stark zu und verdreifachen sich fast (23,5 % beziehungsweise 64,7 %).

Zusammenfassend kann für den Bereich des Umgangs mit den Deutschlandbildbeschreibungen festgehalten werden, dass die Äußerungen der Studierenden tendenziell Veränderungen durchlaufen von eher unsicher, eingeschränkt geäußerten Aussagen über deutsche Menschen hin zu mehrheitlich pauschalen, wenig differenziert dargestellten Feststellungen. Die persönliche Erfahrung vor Ort könnte diese Entwicklung im Sinne eines vermeintlichen Expertenwissens gerade am Ende des Aufenthalts legitimieren (vgl. Keller 1998). Weiter scheinen die Studierenden bei der Beschreibung ihrer Deutschlandbilder an die Grenzen rein binärer Modelle von Kultur zu stoßen.

4.2 Hypothese 2: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Entwicklungen in den Teilkomponenten der Deutschlandbilder

Angesichts der Literaturrecherche wurde bereits vermutet, dass die unterschiedlichen Befunde der Austauschforschung darin begründet liegen könnten, dass die Teilbestandteile Inhalt, Einstellung und Verhalten des Konstrukts Nationenbild normalerweise nicht separat betrachtet werden. Umso interessanter erscheint die Frage, ob die Entwicklungen in den drei Teilbereichen tatsächlich in unterschiedliche Richtungen gehen. Dieser Frage lässt sich am besten anhand des quantitativen Datenmaterials in Form von Korrelationsanalysen nachgehen (siehe Tabelle 7). Dabei wird offensichtlich, dass zwischen den Teilbereichen Inhalt und Einstellung nur ein einziger systematischer Zusammenhang besteht, und zwar zwischen den Skalen gute Menschen Deutschlandbild und positive Gefühle gegenüber Deutschen (r=0,289, p=0,022). Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass negative Emotionen (im Sinne der Skala negative Gefühle gegenüber Deutschen) es

Tabelle 7

Pearson-Korrelation Inhalts- und Einstellungsskalen – Austauschstudierende

Differenzwerte Zeitpunkt 3–1Gute Menschen DeutschlandbildPositive Gefühle DeutscheTypisches DeutschlandbildNegative Gefühle Deutsche
Gute Menschen DeutschlandbildPearson-Korrelation1,289*,140–,100
Sig. (2-seitig),022,273,437
Positive Gefühle DeutschePearson-Korrelation1,124–,143
Sig. (2-seitig),333,263
Typisches DeutschlandbildPearson-Korrelation1-,176
Sig. (2-seitig),168
Negative Gefühle DeutschePearson-Korrelation1
Sig. (2-seitig)

nicht ausschließen, dass dennoch inhaltlich gute Eigenschaften mit Deutschen assoziiert werden. Auch wird keine Aussage über die Einstellung einer Person gegenüber deutschen Menschen getroffen, wenn sie ihnen positive, aber für ein japanisches Bild über Deutsche typische Eigenschaften wie pünktlich zuspricht.

Aus den Probandinnen und Probanden der Interviewstudie wurden analog zur chronologischen und zur selbst wahrgenommenen Einstellungsveränderung drei beziehungsweise zwei Gruppen gebildet und in Bezug auf ihre Entwicklungen in den Bereichen Inhalt und Umgang mit Generalisierungen verglichen. Auch bei dieser Analyse ist zwischen den Teilkomponenten kein eindeutiger Zusammenhang zu erkennen. Studierende mit negativer Einschätzung ihrer Deutschlandbilder schneiden beispielsweise im Bereich Reduktion von Generalisierungen nicht schlechter und im Bereich Vielfalt der Deutschlandbilder sogar besser ab als Studierende mit vermeintlich positiven oder verbesserten, teils rosaroten Bildern. Somit geht diese Studie davon aus, dass keine Zusammenhänge zwischen den Richtungen der Entwicklungen der einzelnen Teilkomponenten von Nationenbildern bestehen.

4.3 Hypothese 3: Unabhängige studien- und austauschbezogene Variablen beeinflussen die Entwicklung der Deutschlandbilder

Jedes Projekt der empirischen Sozialforschung unter Nicht-Laborbedingungen bringt eine Vielzahl potenzieller Einflussfaktoren mit sich. Auch das vorliegende Projekt ist solchen intervenierenden Variablen ausgesetzt, die jedoch nicht alle kontrolliert werden können[5]. Es wird deshalb eine Auswahl getroffen und insgesamt werden sieben Variablenkomplexe untersucht (vgl. Sato-Prinz 2017: 57). Vier dieser potenziellen Einflussfaktoren erweisen sich als besonders wichtig für die Interpretation der Ergebnisse dieses Projekts:

  • die Vorerfahrung mit Deutschen, Deutsch und Deutschland,

  • der Messzeitpunkt und damit die Aufenthaltsdauer,

  • die Integration am Gasthochschulort,

  • die Sprachkompetenz im Deutschen.

Ein Faktor, der sich als einflussreich erweist, ist die Vorerfahrung mit Deutschland. Darunter werden verschiedene Arten von Erfahrung vor Beginn des Austauschjahres gefasst wie zum Beispiel der Kontakt zu deutschen Menschen, Deutschlandreisen, aber auch die Auseinandersetzung mit deutschlandbezogenen Themen im Studium oder der deutschen Sprache.

Tabelle 8 stellt dar, wie sich die Studierenden der Interviewstudie in ihrem Antwortverhalten unterscheiden je nachdem, welches Ausmaß an Deutschlanderfahrung im Sinne früherer Deutschlandaufenthalte sie haben.

Tabelle 8

Einflussfaktor Vorerfahrung mit Deutschland, Deutsch und Deutschen – Austauschstudierende, ZP=Zeitpunkt

Keine DeutschlandaufenthalteTouristische AufenthalteSprachkursaufenthalte
Anzahl Personen[6]574
Inhalt
Veränderung Einzelnennungen Eigenschaften, ZP 1 auf ZP 3+14,3 %+13,5 %+17,7 %
Bestätigte Eigenschaften, ZP 1 auf ZP 312,5 %14,6 %18,6 %
Widerlegte Eigenschaften, ZP 1 auf ZP 311,4 %9,5 %1,3 %
Einstellung
Tatsächliche Veränderung100,0 % negativer28,6 % negativer

71,4 % unverändert
50,0 % negativer

50,0 % unverändert
Gefühlte Veränderung60,0 % negativer

40,0 % positiver
57,1 % unverändert

42,9 % positiver
25,0 % negativer

75,0 % positiver
Wunsch nach beruflichem Bezug, ZP 380,0 %71,4 %100,0 %
Umgang mit den Bildbeschreibungen
Veränderung Generalisierungen, ZP1 auf ZP3-4,9 %-5,6 %+33,2 %
Veränderung Differenzierungen, ZP 1 auf ZP 3-2,5 %-5,5 %-26,8 %
Studierende mit Abnahme Generalisierungen60,0 %42,9 %0,0 %
Studierende mit Zunahme Differenzierungen40,0 %42,9 %0,0 %

Auch an dieser Stelle zeigt sich die Ambivalenz der Veränderungen: Während die Studierenden ohne frühere Deutschlandaufenthalte die größte Tendenz aufweisen, eine Verschlechterung ihrer Einstellungskomponente zu durchlaufen, richten sie ihre Bilder inhaltlich individueller aus, revidieren diese am meisten und tun dies zudem auf abnehmend generalisierende Weise. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass alle Studierenden dieser Studie, die vorher beziehungsweise im Erwachsenenalter nie in Deutschland waren und zudem kein Fach im Bereich der Germanistik studieren, eine Verschlechterung ihrer Einstellung durchleben. Gleichzeitig unterstützt der Aufenthalt die Studierenden dabei, ihre Bilder zu individualisieren und weniger pauschal zu halten. Führt man dies auf die Konfrontation mit dem realen Deutschland zurück, so scheint umgekehrt die Beschäftigung mit Deutschland, Deutsch und Deutschen oder auch anderen ausländischen Menschen zuhause in Japan diese Konfrontation abzumildern. In der Folge besteht vor Ort weniger Bedarf, die eigenen Deutschlandbilder umzugestalten, oder aber es werden gezielt bestätigende Informationen gesucht (vgl. Allport 1966: 264, Schneider 2004: 226 f.). Dennoch profitieren auch Studierende, die sich mit Deutschland bereits auskennen, von der Austauscherfahrung: Sie sind es, die am Ende als selbst schlechter oder neutral eingestufte Bilder im Sinne eines Zugewinns an Erfahrung positiv wahrnehmen.

Dass der Messzeitpunkt und damit die Aufenthaltslänge unterschiedliche Ergebnisse produzieren, wurde in den bisherigen Ausführungen bereits deutlich. Zum Beispiel die Skala typisches Deutschlandbild fällt zu Zeitpunkt zwei signifikant anders aus als zu Zeitpunkt eins und drei. Auch im Falle der Skala negative Gefühle gegenüber deutschen Menschen sowie den Einstellungsskalen gegenüber Japanerinnen und Japanern zeigt sich dieses Phänomen. Weiter setzen sich die Studierenden gerade zu Zeitpunkt zwei sehr intensiv, individuell und differenzierend mit ihren Erfahrungen und deren Einflüssen auf ihre Deutschlandbilder auseinander. Ein reines Pre-Posttest-Setting könnte diese Veränderung nicht darstellen und würde fälschlicherweise zu der Annahme führen, dass durch den Aufenthalt keinerlei Entwicklungsprozesse initiiert werden. Zwar kann anhand der vorliegenden Ergebnisse nicht eindeutig beantwortet werden, ob eine Aufenthaltsdauer von einem oder zwei Semestern sinnvoller ist. Auch wenn am Ende des Aufenthalts keine vollständige Erholung festzustellen ist, lassen die sehr signifikanten Veränderungen, die nur nach dem ersten Auslandssemester auftreten, jedoch Parallelen zu den gängigen Kulturschockkurvenmodellen erkennen. In diesem Sinne könnte das zweite Aufenthaltssemester einen positiven weiteren Verlauf ermöglicht haben. Wie bei Carlson et al. (1991) spiegeln sich diese Tendenzen auch in der Einstellung gegenüber der eigenen Gruppe wider.

Hinsichtlich der Sprachkompetenz zeigt sich zunächst, dass die Einschätzungen der Studierenden in Bezug auf ihre eigene Deutschkompetenz zu allen drei Zeitpunkten stark positiv miteinander korrelieren. Studierende mit geringer Deutschkompetenz greifen insbesondere in der Interviewstudie stärker auf ihre Muttersprache Japanisch zurück als im Deutschen ausdrucksstärkere Studierende. Letztere tendieren jedoch vermutlich deshalb mehr zu generalisierenden Aussagen im Zuge der Interviews, da sie nicht in ihrer Muttersprache antworten. In der Fragebogenstudie zeigt sich hingegen, dass am Ende des Aufenthalts Studierende mit höher eingestuften Deutschkenntnissen tendenziell mit weniger Bestimmtheit im Stil des Fragebogens über andere Menschen urteilen wollen (r=-0,297, p=0,020). Konstant bleibt, dass Personen mit guten Deutschkenntnissen diese Sprachkompetenz auch im zukünftigen Berufsleben anwenden wollen (r=0,274, p=0,033).

Der Variablenkomplex Integration am Gasthochschulort wurde in Anlehnung an Liu (2012) definiert. Korrelationsanalysen liefern das Ergebnis, dass es drei zentrale Variablen gibt, die auf die Entwicklung der Deutschlandbildkomponenten Einfluss nehmen: Zufriedenheit in Deutschland, Identifikation mit der Gastuniversität sowie Kontaktqualität zu Deutschen. Für je besser beispielsweise der Kontakt zu Deutschen wahrgenommen wird, und je mehr sich die Studierenden mit ihrer Gastuniversität identifizieren, als desto ähnlicher erachten die Studierenden ihre deutschen Kontaktpersonen im Vergleich zu japanischen Menschen (r=-0,333, p=0,010 bzw. r=-0,295, p=0,023). Die Identifikation korreliert außerdem signifikant positiv mit den Einstellungsvariablen positive Gefühle gegenüber Deutschen (r=0,347, p=0,007) sowie Zukunftswunsch Deutschland (r=0,301, p=0,021). Das Wohlbefinden der Studierenden wirkt sich ferner auf die affektiv-emotionale Einstellung gegenüber dem Gastland und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern aus: Sowohl die Skala positive Gefühle gegenüber Deutschen (r=0,407, p=0,001) als auch die Skala Zukunftswunsch Deutschland (r= 0,397, p=0,002) korrelieren hochsignifikant positiv mit den Zufriedenheitswerten der Studierenden, die Skala negative Gefühle gegenüber Deutschen signifikant negativ (r=-0,316, p=0,015). Weiter halten die Studierenden es bei hoher Zufriedenheit eher für möglich, sich auch selbst manchmal wie eine Deutsche oder ein Deutscher zu verhalten (r=0,478, p=0,000). Gerade die Werte in Bezug auf die wahrgenommene Ähnlichkeit zwischen den Studierenden selbst und deutschen Menschen beziehungsweise ihrer deutschen Mitmenschen mit Japanerinnen und Japanern geben Anlass zu der Frage, ob für die gut integrierten Studierenden bereits die Phase der Rekategorisierung der Kontakthypothese einsetzt (vgl. Pettigrew 1998).

5 Grenzen, Stärken und Empfehlungen

Die in diesem Artikel beschriebene Studie stößt in verschiedener Hinsicht an Grenzen, weist jedoch auch einige wichtige Stärken auf. Zunächst ist festzuhalten, dass das Projekt in statistischer Hinsicht dem Kriterium der Repräsentativität nicht gerecht wird. Zwar sind die Studierenden als Individuen repräsentativ für die jeweilige Gruppe japanischer Studierender beziehungsweise Austauschstudierender in Deutschland. Dennoch ergab sich die Gruppe der Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip, ohne Berücksichtigung der anzunehmenden Grundgesamtheit. Des Weiteren kann die Longitudinalität der Studie und die damit verbundene mehrfache Exposition mit den gleichen Fragestellungen das Antwortverhalten der Studierenden zu den späteren Zeitpunkten beeinflusst haben, denn sie konnten sich spätestens nach der zweiten Erhebung gedanklich bereits auf die Fragen einstellen. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass die sich wiederholenden Fragen zu Ermüdungserscheinungen führten, was konkret vermutlich in den immer kürzer werdenden Textantworten der Fragebogenstudie resultierte. Gerade für die Vergleichsgruppe, für die die Themen und der Rhythmus der Untersuchungen weniger Relevanz hatten, äußerte sich dieser Effekt in einer hohen Abbrecherquote. Die mehrfachen Messzeitpunkte sowie die Kombination unterschiedlicher Erhebungsmethoden führten des Weiteren zu logistischen Herausforderungen, die leicht abweichende Erhebungszeitpunkte bedingten. Die freie Sprachwahl innerhalb der Untersuchung erwies sich als motivierend für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, kann jedoch auch generalisierend, pauschalisierend formulierte Äußerungen in der Fremdsprache provoziert haben. Gleiches gilt für die Gestaltung der Fragen, in denen von den Deutschen und den Japanerinnen und Japanern die Rede war und somit aus verschiedenen Gründen das Konzept der Nationalkultur zum Einsatz kam. Zuletzt war die anderskulturelle, nicht muttersprachlich japanische Forscherin persönlich im Projekt präsent und musste einen Kompromiss finden zwischen einem vertrauensvollen Verhältnis, das zur mehrfachen Teilnahme an den Befragungen motiviert, und einer professionellen Distanz, um keine Beeinflussung der Antworten durch die eigene Person zu riskieren. Auszuschließen ist ein solcher Effekt jedoch nicht. Neben der Gefahr, dass die Studierenden sich sowohl sprachlich als auch inhaltlich gegenüber einer Angehörigen der vermeintlichen Zielgruppe anders ausgedrückt haben könnten, spielt in der empirischen Sozialforschung auch der Aspekt der sozialen Erwünschtheit im Antwortverhalten eine Rolle. Ferner ist auch nicht erfassbar, inwiefern die äußeren, verbalisierten Deutschlandbilder bewusst oder unbewusst mit den inneren, tatsächlich vorhandenen Deutschlandbildern der Studierenden (vgl. Wernicke 2013, 2014) übereinstimmen.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich bei paralleler Reflexion der Gütekriterien empirischer Sozialforschung eine Longitudinalstudie mit mehr als nur zwei Erhebungszeitpunkten, gepaart mit einer Vergleichsgruppe und verschiedenen methodischen Herangehensweisen, als äußert ertragreich erweist:

  • Die Longitudinalität erlaubt es, tatsächlich Aussagen über eine Veränderung zu treffen, und lohnt sich deshalb, wenn Veränderungen als Untersuchungsgegenstand betrachtet werden.

  • Die mehrfachen Messzeitpunkte zeigen Veränderungen auf, die ein Pre-Posttest-Setting nicht aufdecken können und fördern das Verständnis für die Entwicklungsprozesse.

  • Die Vergleichsgruppe macht es möglich, abzuschätzen, ob tatsächlich die Maßnahme des Austauschaufenthalts eine Veränderung bedingt. Allerdings ist es eine Herausforderung, diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer, insbesondere bei mehreren Erhebungen, ohne extrinsische Motivation bis zum Ende im Projekt zu halten.

  • Der Methodenmix ermöglicht verschiedene Zugänge zum Untersuchungsgegenstand und eine interne Validierung der Ergebnisse der Teilstudien.

  • Die Wahl einer Versuchsgruppe, der die Möglichkeit gegeben ist, in ihrer Mut-tersprache zu antworten, erlaubt tiefere Einblicke in die Deutschlandbilder der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und mindert innerhalb der Untersuchung das Fehlerpotenzial aufgrund von sprachlichen Missverständnissen zumindest seitens der Testpersonen. Es wird vermutet, dass die Verbalisierungsarten bei Äußerungen in der Muttersprache valider erhoben werden können.

Darüber hinaus sprechen die Ergebnisse dieser Studie dafür, dass sich Eigenschaftenlisten als prominentes Tool der Einstellungsforschung nicht zum Abprüfen von affektiv-emotionalen Einstellungen eignen, wenn die abgefragten Eigenschaften für das jeweilige Nationenbild eine Schlüsselrolle haben. Des Weiteren könnten einzelne, einmalige Befragungen weiterer Personen helfen, etwaige Lerneffekte angesichts der Longitudinalität einzuschätzen. Post-Posttest-Designs könnten zusätzliche Erkenntnisse über die Stabilität der Entwicklungen auf kurze, mittelfristige und lange Sicht ermöglichen.

6 Abschließende Gedanken

Aus der vorliegenden Studie lassen sich Schlussfolgerungen für verschiedene Zielgruppen ziehen. Angesichts des Fokus dieses Themenhefts sollen im Anschluss an die bereits sehr forschungspraktischen Empfehlungen unter Abschnitt 5 einige abschließende Gedanken der Fachdiskussion im Bereich Kulturstudien gewidmet werden.

Zunächst sprechen die Ergebnisse dieser Studie dafür, dass das Konstrukt der Nationenbilder einer besseren Definition bedarf. In Anlehnung an die gängigen Definitionen von Einstellung als Oberbegriff zu Phänomenen wie Stereotypen, Vorurteilen oder Bildern liegt es nahe, auch Nationenbilder zu differenzieren nach inhaltlichen, affektiv-emotionalen und Verhaltensbestandteilen. Die vorliegende Studie zeigt, dass eine solche Unterteilung praktikabel und aufschlussreich ist, denn sie führt zu differenzierten Aussagen und liefert einen Erklärungsansatz für die Widersprüchlichkeit der verschiedenen Studien im Bereich der Nationenbilder. Auch würde die Vergleichbarkeit verschiedener Studien steigen, indem Ergebnisse bereichsweise verglichen werden könnten. Auf diese Weise können ähnliche Ergebnisse über Studien hinweg schneller erfasst werden. Gleichzeitig bestünde genügend Freiraum, um weiter am Konzept der Operationalisierung der Teilbestandteile zu arbeiten und neue Messmethoden auszutesten.

Interessant ist weiter, dass ein Großteil der Studierenden der Interviewstudie sich auch ohne Treatment von einer statischen Einordnung ihrer Mitmenschen als japanisch oder deutsch verabschiedet. Eine rein binäre Kategorisierung reicht für viele Studierende am Ende somit nicht aus, um die Erfahrungen eines Aufenthalts in einem anderen Land, und seine Wirkung auf das eigene Identitätskonzept, zu beschreiben. Dieses Ergebnis unterstützt moderne Konzepte von Kultur und Interkulturalität, die davon ausgehen, dass Kultur zwar im Sinne von gemeinschaftlich tradiertem Wissen vorhanden ist, aber in jeder Interaktionssituation bewusst oder unbewusst ausgehandelt wird und damit dynamisch ist (vgl. Altmayer 2004, Pütz 2004, Allolio-Näcke/Kalscheuer 2005, Roche 2013). Im Falle der untersuchten Studierenden ist anzunehmen, dass ihnen solche Konzepte von Kultur nicht bekannt sind. Es wäre deshalb interessant, zu beobachten, welche Verläufe Nationenbilder nehmen könnten, wenn über ein gesteuertes Treatment solches Wissen eingesteuert würde. Dies könnte die mobilen Lernerinnen und Lerner auch dabei unterstützen, die in diesem Projekt offensichtlich gewordene Tendenz zur Übergeneralisierung der gemachten Erfahrungen zu vermeiden.

Analog dazu unterstützt dieses Projekt die Annahme, dass sich auch Nationenbilder als Teilbereich menschlicher Wahrnehmungs- und Denkmuster nicht statisch als tradiert-stereotyp oder individuell-vielfältig, gut oder schlecht, differenziert oder generalisierend einstufen lassen. Als ein Aspekt interkultureller Interaktion sind Nationenbilder vielfältig und beherbergen teils widersprüchlich anmutende Bestandteile gleichermaßen, die je nach Kontext oder Interaktionspartnerin oder Interaktionspartner unterschiedlich aktiviert werden können (vgl. Roche 2016: 162). Als eingängiges Beispiel hierfür werden gern Witze angeführt, die auf intergruppalen Unterschieden basieren, und die nur deshalb funktionieren, weil die impliziten Zuschreibungen zu den jeweiligen Gruppen einem breiten Publikum passiv bekannt sind (vgl. Quasthoff 1973: 225, Roche 2016: 162). Auch bei Nationenbildern könnte es sich so verhalten: Insbesondere neue Bildinhalte scheinen vielmehr addiert zu werden, als dass sie frühere Bestandteile ersetzen. Interessant wäre es deshalb, die Nationenbilder einer Kohorte über einen längeren biographischen Zeitraum zu beobachten und auf unterschiedliche Arten zu erheben.

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Online erschienen: 2017-8-25
Erschienen im Druck: 2017-8-10

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston