Accessible Published by De Gruyter August 25, 2017

Empirische Forschung im kulturwissenschaftlichen Bereich von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache

Einführung in das Themenheft

Roger Fornoff, Claus Altmayer and Uwe Koreik

1 Die empirische Wende der Kulturwissenschaft DaF/DaZ

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat sich die Landeskunde im Fach Deutsch als Fremd- und Zweit­sprache von einem tendenziell untertheoretisierten Praxisbereich zu einer ernstzunehmenden Fremd­kulturwissenschaft weiterentwickelt, für die sich mittlerweile die Bezeichnung Kultur­stu­dien eingebürgert und die auch bereits ein eigenständiges wissenschaftliches Profil sowie eine eigenständige Forschungsagenda ausgebildet hat. Ausgangspunkt dieses Prozesses war eine grund­legende wissenschaftstheoretische Neuverortung der herkömmlichen Landeskunde, die diese nicht mehr von ihren Gegenständen und damit von ihren möglichen Bezugswissenschaften her definiert, sondern von ihrem ureigenen Interesse an der Initiierung und Optimierung von kulturbezogenen Lern­prozessen (vgl. Altmayer/Koreik 2010a). Durch diese Neujustierung der Erkenntnis­perspek­ti­ven hat sich der Fokus der kulturwissenschaftlichen Forschung grundlegend verschoben: Konzen­trier­te sich diese lange Zeit auf inhaltliche Bezüge, auf normativ definierte Lernziele und Kompetenzen sowie auf didaktische Konzepte und Strategien, so rücken nun zunehmend die kulturellen Lern- und Aneig­nungs­vorgänge der DaF/DaZ-Lernerinnen und Lerner und damit der Unterricht selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit Fug und Recht lässt sich daher von einer veritablen empirischen Wende, von einem „empirical turn“ (vgl. Fornoff 2016, 40ff.), sprechen, in dessen Rahmen es darum geht, empirisch gesichertes Wissen über Möglichkeiten und Grenzen kulturbezogenen Lernens in landeskundlich-kulturwissenschaftlichen Vermittlungszusammenhängen zu erarbeiten.

2 Erste Erfolge: Neuere empirische Studien im Kontext der Kulturwissenschaft DaF/DaZ

Im Anschluss an diese Umorientierung der Forschungs- und Erkenntnisperspektiven im landeskundlich-kulturwissenschaftlichen Bereich von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sind in den letzten Jahren einige wegweisende Studien erschienen, die ihre Forschungsrelevanz primär aus ihrer empirischen Dimension gewinnen, d. h. aus der methodisch fundierten Evaluation ihrer theoretischen, didaktischen und inhaltlichen Modellierungen und der von diesen Modellierungen bewirkten Lerneffekte.

Katja Grupp (2014) hat unter dem Titel Bild Lücke Deutschland in einer empirischen Langzeitstudie herausgearbeitet, welche Vorstellungen Germanistikstudierende in Kaliningrad von Deutschland haben, woher diese Vorstellungen stammen, welche Faktoren sie beeinflussen, was das Individuelle und was das Über-Individuelle (kollektive) dabei kennzeichnet und wie und warum sich diese Vorstellungen auch ändern.

Mit der umfassenden Studie von Roger Fornoff (2016) zu Landeskunde und kultur­wissenschaftliche Gedächtnisforschung: Erinnerungsorte des National­sozia­lis­mus im Unterricht Deutsch als Fremdsprache liegt nicht nur die zurzeit gründlichste und informativste Arbeit zum Stand der Landeskundediskussion im Fach DaF/DaZ sowie zu weitreichenden theoretischen Bezügen zum kollektiven Gedächtnis und dem Erinnerungsorteansatz vor, sondern es wird zugleich in einer wegweisenden mehrschichtigen Longitudinalstudie durch Interviewanalysen herausgearbeitet, welche Kenntnisse, Vorannahmen und Einstellungen Studierende der Germanistik in Belgrad zum Thema Nationalsozialismus haben und wie sich durch intensive thematische Arbeit über ein Semester hinweg Veränderungen ergeben.

Rebecca Zabel (2016) hat Unterrichtsdaten aus Orientierungskursen mittels rekonstruktiv-explorativer Sequenzanalysen präzise ausgewertet und ist dabei der Frage nachgegangen, inwieweit der Orientierungskurs als Ort gesehen werden kann, der tatsächlich Orientierung schafft, oder inwiefern er auch ein Ort der Desorientierung sein kann. Unter anderem am Beispiel des im Curriculum des BAMF vorgeschriebenen Themas „religiöse Vielfalt“ wird nicht nur eine Beziehung zum deutsch­sprachigen Diskurs in den Medien hergestellt, sondern auch der Widerspruch zwischen Lernzielbestimmungen mit klar formulierten Maßgaben zur gesellschaftlichen Eingliederung und den vorgegebenen methodisch-didaktischen Prinzipien wie „partizipative“ Handlungs- und Teilnehmerorientierung auf der anderen Seite.

Sara Agiba (2017) hat in ihrer jüngst erschienenen Studie am Beispiel ägyptischer Deutschlernender gezeigt, welche Rolle das Moment der Irritation vorhandener Deutungsressourcen beim kulturbezogenen Lernen spielt und welche Strategien die Lernenden anwenden, um mit solchen das Gewohnte und Vertraute irritierenden und in Frage stellenden Erfahrungen umzugehen.

Marina Ramishvili (im Druck) hat in einem Germanistikstudiengang in Georgien den Film Die fetten Jahre sind vorbei von Hans Weingartner (2004) mit einem ausgefeilten methodisch-didaktischen Konzept eingesetzt und mit Hilfe von teilnehmender Beobachtung, retrospektiven Interviews und festgehaltenen Gruppendiskussionen versucht herauszufinden, wie bei den georgischen DaF-Lernenden „kulturelles Lernen“ beim Einsatz von didaktisierten Filmen abläuft und dabei interessante Ergebnisse herausarbeiten können.

3 Probleme und Defizite empirischer Forschung in der Kulturwissenschaft DaF/DaZ

Trotz der in den letzten Jahren erzielten Fortschritte und Erfolge bei der empirischen Analyse kulturbezogener Lernprozesse im Kontext des Deutsch als Fremd- und Zweitsprache-Unterrichts, zu denen insbesondere die genannten Studien beigetragen haben, kommt man jedoch nicht umhin zu konstatieren, dass die Forschung auf diesem Feld nach wie vor in den Kinderschuhen steckt. Zurückzuführen ist dies vor allem auf vier Faktoren: erstens auf die geringe Größe des landeskundlich-kulturwissenschaftlichen Bereichs im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und damit auf die kleine Zahl entsprechender empirischer Studien; zweitens auf den großen, nicht selten abschreckend wirkenden Aufwand, der für methodisch wasserdichte empirische Untersuchungen, gerade wenn es sich um longitudinale Projekte handelt, vonnöten ist; drittens auf die potenziell schlechteren Berufsperspektiven, die mit einer kulturwissenschaftlichen Spezialisierung in fremdsprachendidaktischen Kontexten erfahrungsgemäß verbunden sind. Hinzu kommt viertens, dass bislang kein klares methodisches Paradigma für die Erhebung, vor allem aber für die Auswertung empirischer Daten in diesem Bereich existiert, an dem sich potenzielle Studien in ihrer eigenen methodischen Ausrichtung orientieren und abarbeiten könnten. All dies zusammengenommen führt dazu, dass bis heute jene kritische Masse an empirischen Untersuchungen fehlt, die notwendig wäre, um bereits vorhandene Hypothesen und Befunde abzusichern, neue Hypothesen und Befunde in ausreichender Zahl zu generieren und auf diesem Wege den bisher eher langsam und stockend verlaufenden Prozess empirisch verfahrender kulturdidaktischer Erkenntnisgewinnung signifikant zu beschleunigen. Mit Einschränkungen gilt daher noch immer die einschlägige Diagnose von Altmayer und Koreik aus dem Jahr 2010, die diese im Rahmen der ersten Schwerpunktausgabe zum Thema „Empirische Forschung zum landeskundlich-kulturbezogenen Lernen in Deutsch als Fremdsprache“ in der Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht formulierten. Im Hinblick auf traditionelle ebenso wie auf theoretisch avancierte Landeskundemodelle machten Altmayer/Koreik darauf aufmerksam, dass diese vor allem „normativ und konzeptionell“ argumentieren, d. h.

„nicht auf der Basis belastbaren empirischen Wissens darüber, was genau im landeskundlichen Unterricht geschieht, in welcher Weise Lernende des Deutschen als Fremdsprache (oder anderer Fremdsprachen) mit den kulturellen Aspekten von Texten und Medien umgehen, mit denen sie im Unterricht und auch außerhalb konfrontiert werden, oder welche Lernergebnisse der landeskundliche Unterricht überhaupt erzielt. Vergleicht man den landeskundlichen bzw. kulturbezogenen Teilbereich des Fremdsprachelernens etwa mit dem im engeren Sinne sprachbezogenen, dann fällt vor allem eines auf: Wir wissen aufgrund der mittlerweile doch schon beachtlichen Tradition der empirischen Zweitsprach- bzw. Sprachlehrforschung einiges darüber, wie Sprachlernprozesse funktionieren, welche Verläufe dabei anzunehmen sind und welche inneren und äußeren Faktoren dabei eine Rolle spielen; aber wir wissen so gut wie nichts Vergleichbares über die landeskundlich-kulturbezogenen Lernprozesse im Kontext von Deutsch als Fremdsprache.“ (Altmayer/Koreik 2010b).

4 Die einzelnen Beiträge

Vor diesem Hintergrund ist es nicht besonders überraschend, dass der Call-for-Papers-Aufruf zu diesem Themenheft nicht jene Quantität empirischer Beiträge zum Bereich des kulturbezogenen Lernens erbrachte, die wir erwartet oder zumindest erhofft hatten. Zwar gingen eine ganze Reihe von Abstracts sowohl aus dem deutschsprachigen als auch aus dem nicht-deutschsprachigen Raum bei uns ein; nicht wenige der Beitragsvorschläge argumentierten aber – trotz des dezidierten Hinweises auf den empirischen Schwerpunkt des geplanten Heftes – auch weiterhin „normativ und konzeptionell“ – ohne ihre jeweiligen Konzeptualisierungen dabei auf ihren didaktischen Erfolg oder Misserfolg hin zu befragen. Nach Durchsicht und Auswahl der eingesandten Abstracts und dem anschließenden erneuten Auswahlprozess unter den fertiggestellten Artikeln blieben somit lediglich vier Beiträge übrig, von denen wiederum nur drei eine dezidiert empirische Orientierung besitzen (Becker, Sato-Prinz, Mahmoud), während der vierte zwar auf fremdsprachendidaktischen Unterrichtserfahrungen und -beobachtungen basiert, seine Erkenntnisziele aber letztlich auf dem Weg einer kultur- und lernwissenschaftlichen Grundlagenreflexion einzulösen sucht, die freilich – und dieser Umstand veranlasste uns, den Artikel in das Schwerpunktheft aufzunehmen – über die Anknüpfung an Begriffe und Theoriemodelle des russischen Sprach- und Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin gänzlich neue konzeptionelle und didaktische Perspektiven für die Kulturstudien im Fach DaF/DaZ zu erschließen vermag (Janzen/Voerkel). Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die drei empirisch ausgerichteten Artikel allesamt auf umfangreiche Dissertationsprojekte verweisen und dementsprechend jeweils Einblicke in deren spezifische Frage- und Themenstellungen, methodische Ansätze und empirische Befunde geben. Während die Doktorarbeiten von Christine Becker und Karim Mahmoud jedoch noch in Arbeit oder zumindest noch nicht veröffentlicht sind, ist die Dissertationsschrift von Manuela Sato-Prinz unter dem Titel Deutschlandbilder und Studienaustausch: Zur Veränderung von Nationenbildern im Rahmen von Studienaus­tauschaufenthalten am Beispiel japanischer Austauschstudierender in Deutschland kürzlich im iudicium-Verlag erschienen (vgl. Sato-Prinz 2017). So mühsam die empirische Forschung im Bereich der DaF/DaZ-Kulturwissenschaft mithin vonstattengeht, bedenkt man, dass sich neben den genannten noch eine Reihe weiterer empirisch dimensionierter kulturwissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten im Bereich DaF/DaZ in Vorbereitung befinden, lässt sich unschwer vorhersagen, dass das Wissen über die Wirkungsprozesse kulturbezogener Vermittlungsarbeit im Fremdsprachenunterricht in den nächsten Jahren Zug um Zug anwachsen wird.

Den Anfang dieses Themenheftes macht ein Beitrag von Christine Becker (Stockholm), in dem kulturbezogene Lern- und Aushandlungsprozesse am Beispiel von asynchronen Online-Diskussionen innerhalb eines kulturwissenschaftlich orientierten Blended-Learning-Seminars an der Universität Stockholm zu bundesdeutschen Gründungsmythen untersucht werden. Auf der Grundlage einer interaktionsanalytischen Methodik arbeitet Becker dabei anhand von Chatverläufen und einzelnen Chatbeiträgen drei grundlegende Modi des Umgangs mit den im Unterricht behandelten historisch-kulturellen Bedeutungskomplexen heraus: die Fokussierung auf faktenbezogene Wissensinhalte seitens der Studierenden, ihre Bemühungen um eine „historische Perspektivenübernahme“, d. h. ihr Versuch, sich in „kulturell und/oder zeitlich entfernte historische Akteure hineinzuversetzen“, sowie ihre Reflexion auf die von der Seminarleiterin vorgegebene Deutung bestimmter Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte als Gründungsmythen.

Es folgt ein Artikel von Manuela Sato-Prinz (München), der sich mit der Veränderung von Deutschlandbildern japanischer Studierender im Kontext von Studienaustauschaufenthalten in Deutschland beschäftigt. In methodischer Hinsicht bestehen manifeste Übereinstimmungen zwischen diesem und dem nachfolgenden Beitrag, denn beide die sich mit der Veränderung von Deutschlandbildern japanischer Studierender im Kontext von Studienaustauschaufenthalten in Deutschland beschäftigt. In methodischer Hinsicht bestehen manifeste Übereinstimmungen zwischen diesen Projekt und dem nachfolgenden Beitrag, denn beide knüpfen an die Qualitative Inhaltsanalyse an, fokussieren ihr Untersuchungsfeld im Längsschnitt und arbeiten mit dem Instrument der Vergleichsgruppe. Im Unterschied zu Mahmoud fügt Sato-Prinz jedoch noch eine quantitative Komponente hinzu, die ihr neben der Einbeziehung eines größeren Personenkreises in die empirische Untersuchung die wechselseitige Validierung qualitativer und quantitativer Befunde ermöglicht. Zudem gewährt sie umfassende Einblicke in die Ergebnisse ihrer Studie, wobei vor allem deutlich wird, dass die untersuchten Deutschlandbilder sich durch die Austauschaufenthalte in Deutschland ausdifferenzieren und an Komplexität zunehmen. Im Falle der japanischen Austauschstudierenden bedeutet dies vor allem, dass sich ihre zu Beginn des Deutschlandaufenthalts meist positiv überzeichneten Bilder relativieren und infolge realer Erfahrungen vor Ort verstärkt auch negative Sichtweisen und Einstellungen aufnehmen.

In thematischer Hinsicht durchaus vergleichbar ist die im dritten Beitrag des Themenheftes präsentierte empirische Studie von Karim Mahmoud (Leipzig), in dem dieser sein Dissertationsprojekt über mögliche Veränderungen stereotyper Selbst- und Fremdbilder ägyptischer Deutschlernerinnen und -lerner durch den DaF-Unterricht an Schulen und Universitäten in Ägypten vorstellt. Nach einer Diskussion der maßgeblichen Konzeptualisierungen des Stereotyp-Begriffs konzentriert sich Mahmouds Artikel auf die präzise Beschreibung des von ihm erarbeiteten empirischen Forschungsdesigns, das methodisch von der Qualitativen Inhaltsanalyse in der Tradition Mayrings ausgeht und eine insgesamt achtmonatige Längsschnittuntersuchung mit Einbeziehung von Kontrollgruppen beinhaltet. Was die empirisch gewonnenen Befunde über mögliche Transformationsformen auto- und heterostereotyper Bilder und Einstellungen in ägyptischen DaF-Kontexten betrifft, so verweist Mahmoud auf seine in absehbarer Zeit vorliegende Dissertationsschrift.

Ausgehend von einer fundamentalen Kritik an der behaviouristisch geprägten Ausrichtung des schulischen Fremdsprachenunterrichts in Brasilien plädieren Henrique Janzen (Curitiba) und Paul Voerkel (Rio de Janeiro) im letzten Artikel des Themenheftes für eine Integration der sprach- und literaturtheoretischen Ideen und Konzepte Michail Bachtins in die brasilianische Deutschlehrerausbildung und darüber hinaus in die verschiedensten Zusammenhänge globaler Kultur- und Fremdsprachenvermittlung. Janzen/Voerkels Eintreten für eine Ausrichtung kulturdidaktischer Diskurse und Praxen auf Bachtins Literaturtheorie und ihre Schlüsselkonzepte Dialogizität, Polyphonie, Plenivalenz und Exotopie ergibt sich dabei aus einem doppelten Näheverhältnis: zum einen aus deren Nähe zur konstruktivistischen Lernpsychologie und den mit ihr verbundenen Vorstellungen von der Eigenaktivität, Autonomie und Subjektivität von Lern- und Aneignungsprozessen, und zum anderen aus ihrer Nähe zu aktuellen lerntheoretischen und didaktischen Ansätzen im Kontext der DaF-Kulturstudien, allen voran dem Ansatz der kulturellen Deutungsmuster und dem des kulturbezogenen Lernens, die über eine Adaption Bachtinscher Kategorien und Modelle aller Voraussicht nach in beträchtlichem Umfang konzeptionell erweitert und begrifflich ausdifferenziert werden könnten. Für Janzen/Voerkel verbindet sich mit den Konzeptualisierungen Bachtins jedoch nicht nur die Aussicht auf eine Intensivierung kulturwissenschaftlicher Theoriebildung im Bereich Deutsch als Fremdsprache, sie stellen ihrer Meinung nach auch einen Hebel dar, mit dessen Hilfe sich erstarrte und heteronome Formen der Sprach- und Kulturvermittlung, die nicht nur in Brasilien, sondern auch in vielen anderen Ländern existieren, aufbrechen lassen.

5 Ausblick

Auch wenn das vorliegende Heft aus den oben genannten Gründen nur vergleichsweise wenige Beiträge versammelt, können diese doch den eingangs erwähnten „empirical turn“ in der aktuellen Diskussion um Landeskunde bzw. Kulturstudien im Rahmen von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache eindrucksvoll bestätigen. Es bleibt zu hoffen, dass damit möglicherweise auch ein sichtbares Zeichen gesetzt wird, dass es zum einen möglich ist, in diesem Bereich empirisch zu arbeiten, dass sich der dabei entstehende Aufwand bewältigen lässt und dass es sich vor allem lohnt, sich auf die damit natürlich auch verbundenen Mühen einzulassen. Insofern erhoffen wir uns, mit dieser Themenausgabe weitere Projekte zur empirischen Erforschung kulturbezogener Lernprozesse anzuregen und zu ermutigen.

Literatur

Agiba, Sara (2017): Lernen durch Irritation: Ein Beitrag zur Untersuchung kulturbezogener Lernprozesse bei ägyptischen DaF-Lernenden. München: iudicium. Search in Google Scholar

Altmayer, Claus; Koreik, Uwe (2010a): „Geschichte und Konzepte einer Kulturwissenschaft im Fach Deutsch als Fremdsprache“. In: Krumm, Hans-Jürgen; Fandrych, Christian; Hufeisen, Britta; Riemer, Claudia (Hrsg.): Deutsch als Fremd- und Zweitsprache: Ein internationales Handbuch. 2. Auflage. Berlin usw.: De Gruyter (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 35), 1377–1390. Search in Google Scholar

Altmayer, Claus; Koreik, Uwe (2010b): „Empirische Forschung zum landeskundlich-kultur­bezogenen Lernen in Deutsch als Fremdsprache: Einführung in den Themen­schwer­punkt“. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 15, 2, 1–6. Search in Google Scholar

Fornoff, Roger (2016): Landeskunde und kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung: Erinne­rungsorte des Nationalsozialismus im Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Balt­manns­weiler: Schneider Hohengehren. Search in Google Scholar

Grupp, Katja (2014): Bild Lücke Deutschland: Kaliningrader Studierende sprechen über Deutschland (Soviet and Post-Soviet Politics and Society). Stuttgart: ibidem. Search in Google Scholar

Ramishvili, Marina (im Druck): Der Film im Fremdsprachenunterricht DaF: Eine qualitative Studie in Georgien zur Erforschung kultureller Lernprozesse. Diss. Universität Bielefeld. Search in Google Scholar

Sato-Prinz, Manuela (2017): Deutschlandbilder und Studienaustausch: Zur Veränderung von Nationenbildern im Rahmen von Studienaustauschaufenthalten am Beispiel japanischer Austauschstudierender in Deutschland. München: iudicium. Search in Google Scholar

Zabel, Rebecca (2016): Typen des Widerstandes im Kontext Deutsch als Zweitsprache: ‚Kulturelle Orientierung‘ von Teilnehmenden an Integrationskursen, Tübingen: Stauffenburg. Search in Google Scholar

Online erschienen: 2017-8-25
Erschienen im Druck: 2017-8-10

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