Accessible Published by De Gruyter December 6, 2017

Ankündigung der 45. JahrestagungDeutsch als Fremd- und Zweitsprache 2018 an der Universität Mannheim

Die nächste Jahrestagung Deutsch als Fremd- und Zweitsprache findet vom 5. bis 7. April 2018 an der Universität Mannheim statt. Die Einreichung von Vortragsvorschlägen ist ab sofort bis zum 31. Dezember 2017 über ein Online-Formular auf der FaDaF-Homepage möglich. Themenschwerpunkte (= TSP) und Praxisforen sind:

TSP 1: DaF/DaZ-Lehrmaterialforschung und -kritik, TSP 2: Sprachberatung und Sprachcoaching, TSP 3: Lexik und ihre Vermittlung (insbesondere korpusbasiert), TSP 4: Deutsch lernen in Vorbereitungsklassen, Praxisforum A: Unterricht, Praxisforum B: Beruf und Qualifizierung (Hier können keine Vortragsvorschläge eingereicht werden.)

Interessierte Referentinnen und Referenten werden gebeten, ab sofort bis zum 31. Dezember 2017 ihre Vorschläge für einen Beitrag in Vortragsform (ca. 30–35 Minuten + 20 Minuten Diskussionszeit) mit einem Abstract von ca. 20 Zeilen Länge über das Online-Formular einzureichen, das auf der FaDaF-Homepage freigeschaltet ist. Abstracts, die direkt an die Betreuerinnen und Betreuer des TSP oder Forums gehen, können nicht berücksichtigt werden. Die Betreuerinnen und Betreuer stehen aber sehr gern per E-Mail oder telefonisch für Rückfragen zur Verfügung.

Alle, die einen Vorschlag eingereicht haben, werden nach dem 21. Januar 2018 von den TSP-Betreuerinnen und Betreuer persönlich informiert, ob der Beitrag angenommen wurde. Referentinnen und Referenten der Jahrestagung erhalten einen Tagungsrabatt von ca. 50 % und zahlen nur 50 € Tagungsgebühr. Sie haben außerdem die Möglichkeit, ihren Vortrag im Tagungsband, der in der Reihe „Materialien DaF“ erscheint, zu veröffentlichen, sofern er den Qualitätskriterien entspricht. Die Reise- und Unterkunftskosten müssen von den Referentinnen und Referenten selbst getragen werden.

Themenschwerpunkt 1: DaF/DaZ-Lehrmaterialforschung und -kritik

Koordination:Prof. Dr. Gabriele Kniffka (FaDaF, PH Freiburg): kniffka@fadaf.deProf. Dr. Winfried Thielmann (FaDaF, PH Freiburg): thielmann@fadaf.de

Die Analyse und Kritik von Lehrwerken und Lehrmaterialien gehören zu den laufenden Standardaufgaben im DaF- wie im DaZ-Bereich. Zugrunde liegende Zielsetzung ist die Optimierung des Unterrichts zur Unterstützung des Spracherwerbs. Inwieweit Ergebnisse der Zweitspracherwerbsforschung Berücksichtigung finden, wird seit einiger Zeit diskutiert (vgl. Ellis/Shintani 2013).

Die Resultate der Spracherwerbsforschung sind inzwischen in einer Weise belastbar, dass sie für die Sprachdidaktik (also die Festlegung von Lehr- und Lernzielen und die Bestimmung und Auswahl der zu vermittelnden Gegenstände sowie deren Sequenzierung) in beiden Situationen der Sprachvermittlung von unmittelbarer Relevanz sind und auch verschiedentlich bereits in Zusammenhang mit sprachlichem Handeln gebracht wurden. So ist empirisch belegt, dass Lerner sich zunächst vor allem sequentiell die deutschen Satzstrukturen und die Morphologie im Verbalbereich aneignen, bevor sie Strukturen wie etwa Objekt-Kasus erwerben (exempl. Clahsen/Meisel/Pienemann 1983, Diehl et al. 2000). Die Aneignung der Zweitstellung des finiten Verbs unabhängig von der Vorfeldbesetzung („Inversion“) ist nicht nur Bedingung für eine hörerorientierte Verbalisierung; sie ist auch zentral für sprachlichen Handlungskompetenzen etwa im Bereich des Erzählens (Grießhaber 2005).

Die Idee dieses Themenschwerpunkts ist es daher, Lehrmaterialien unter der Fragestellung in den Blick zu nehmen, in welchem Maße die ihnen zugrundeliegende Didaktik und Progression an den Befunden der Zweitspracherwerbsforschung orientiert ist und welche Konzeptionen sprachlichen Handlungsvermögens, also des Zieles eines jeden Sprachunterrichts, in ihnen konkretisiert sind. Außerdem gilt es zu klären, wie die Methodik jeweils auf die didaktischen Entscheidungen und Zielsetzungen bezogen ist. Folgende Fragestellungen sind mithin für den TSP unmittelbar einschlägig:

  • In welchem Maße sind Didaktik und Progression gegenwärtiger bzw. neuer Lehrmaterialien durch die Befunde der Zweitspracherwerbsforschung informiert?

  • Was für Konzeptionen von „Kommunikation“ sind in den gegenwärtigen Lehrwerken realisiert und wie werden sie methodisch umgesetzt?

  • Wie sind Didaktik (im oben ausgeführten Sinne) und Methodik in den gegenwärtigen Lehrwerken aufeinander bezogen?

Literatur

Clahsen, Harald; Meisel, Jürgen M.; Pienemann, Manfred (1983): Deutsch als Zweitsprache: Der Spracherwerb ausländischer Arbeiter. Tübingen: Narr.

Diehl, Erika et al. (2000): Grammatikunterricht: Alles für der Katz? Untersuchungen zum Zweit-spracherwerb Deutsch. Tübingen: Niemeyer.

Ellis, Rod; Shintani, Natsuko (2013). Exploring Second Language Pedagogy Through Second Language Acquisition Research. New York, London: Routledge.

Grießhaber, Wilhelm (2005): Sprachstandsdiagnose im kindlichen Zweitspracherwerb: funktional-pragmatische Fundierung der Profilanalyse. Online: http://spzwww.uni-muenster.de/griesha/pub/tprofilanalyse-azm-05.pdf.

Themenschwerpunkt 2: Sprachberatung und Sprachcoaching

Koordination:PD Dr. Olaf Bärenfänger (FaDaF, Universität Leipzig): baerenf@uni-leipzig.deDr. Matthias Jung (FaDaF, IIK Düsseldorf/Berlin): jung@fadaf.de

Neben dem Unterricht als institutionalisiertem Ort von Sprachlernprozessen erweitert sich auch das Spektrum an Lerngelegenheiten kontinuierlich: Neben Sprachreisen oder Sprachcamps, Sommerakademien, Austausch- oder Tandemprogrammen stehen diverse Materialien für das Selbststudium, Portfolios, elektronische Vokabeltrainer, Video- oder Audiokonferenzen, Blogs, Chats und Plattformen zum kollaborativen Schreiben oder digitale Übungspools.

Gleichzeitig hat die verstärkte Aufmerksamkeit für die sprachliche Integration von Zuwanderern außerunterrichtliche Spracherwerbsprozesse, die vor, nach, parallel zu bzw. ganz unabhängig vom gesteuerten Zweitsprachlernen insbesondere in schulischen und beruflichen Kontexten ablaufen, wieder stärker in den Forschungsfokus rücken lassen.

Beiden Perspektiven ist ‒ mal aus pädagogischen Gründen, mal aus pragmatischen oder ökonomischen Notwendigkeiten ‒ die Verlagerung von Verantwortung für Sprachlern-prozesse von den professionellen Lehrenden auf die Selbstlernenden gemeinsam, was ganz auf der Linie des seit vielen Jahren propagierten Konzepts der Lernerautonomie liegt. Diese Verschiebung der Verantwortung rückt aber auch das Kompetenzgefälle zwischen Sprachvermittlungsexperten und Sprachvermittlungslaien in den Blickpunkt, denn Selbstlernende sind in der Regel nicht nur mit den Regularitäten einer Sprache, sondern auch mit der Planung, Steuerung und Überwachung von Sprachlernprozessen wenig vertraut.

Zur Überbrückung dieser Defizite nimmt daher die Zahl allgemeiner oder spezieller Sprachlernberatungsangebote (z. B. Schreibberatung) seit geraumer Zeit kontinuierlich zu und es haben sich neue Konzepte wie Sprachcoaching oder Lernkliniken (Language Clinics) etabliert.

Vor diesem Hintergrund geht der TSP 2 den folgenden Fragen nach:

  • Welche Voraussetzungen müssen Lernende mitbringen bzw. welche müssen ihnen für das erfolgreiche Selbstlernen vermittelt werden?

  • Worin bestehen die Beratungsbedarfe von Lernenden?

  • Welche Beratungsmodelle werden implementiert? Welche Balance zwischen direktiven und nicht-direktiven Konzepten ist erstrebenswert?

  • Inwiefern muss sich die Lehrerrolle in Richtung Sprachcoach wandeln? Was unterscheidet Sprachcoaches von traditionellen Sprachlehrkräften? Welche zusätzlichen Kompetenzen benötigt ein Sprachcoach und wie kann man sie erwerben?

  • Welche Prozesse lassen sich im Kontext von Lernberatungen und Sprachcoachings identifizieren?

  • Welche Befunde liegen zur Wirksamkeit und Akzeptanz von Sprachlernberatungen vor? Wie lässt sich die Qualität von Lernberatungen und Sprachcoachings evaluieren und auf welcher theoretischen Grundlage?

  • Wie greifen Sprachlerncoaching bzw. Sprachberatung auf der einen und Sprachunterricht bzw. ungesteuerter Spracherwerb auf der anderen Seite ineinander?

Themenschwerpunkt 3: Lexik und ihre Vermittlung (insbesondere korpusbasiert)

Koordination:Dr. Mattheus Wollert (FaDaF, Goethe-Universität Frankfurt): wollert@fadaf.de

In dem Krashen zugeschriebenen Satz „When students travel, they don’t carry grammar books, they carry dictionaries“ wird der Fremdsprachendidaktik ein Vorrang der Grammatikarbeit gegenüber der Wortschatzarbeit implizit unterstellt und vorgeworfen. Zwar müsste in Krashens Satz „carry dictionaries“ heute durch „use apps“ ersetzt werden, dennoch ist Krashens Vorwurf – berechtigt oder nicht – auch heute noch produktiv und soll in diesem Themenschwerpunkt weitergedacht werden. Internetbasierte Wortschatzarbeit ist aus dem heutigen Fremdsprachenerwerb nicht mehr wegzudenken. Benötigen wir überhaupt noch Wörterbücher? Wie sieht eine zeitgemäße Wortschatzdidaktik heute aus?

Wenn DaF-Lerner oder -Lehrende mittels Apps auf Datenbanken zugreifen, sollten sie über die enormen Chancen und Bedingungen der Korpuslinguistik wissen. Fremdsprachendidaktiker fordern bereits eine „corpus literacy“. Die korpusbasierte Sprachbeschreibung eröffnet einen völlig neuen Blick auf die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Grammatik-progression und Wortschatzplanung sowie Grammatikunterricht und Wortschatzarbeit. Denn in den digital aufbereiteten Sprachdaten werden die physikalisch greifbaren Grenzen zwischen Wörterbuch und Grammatik(buch) in einer „Lexiko-Grammatik“ quasi aufgehoben. Wie können Konkordanzen, d. h. Kollokationen im authentischen Kontext mit Quellenangabe mittels computergestützter Korpusauswertung für die Fremdsprachendidaktik ausgewertet werden? Was kann die Fremdsprachendidaktik aus dem differenzierenden Umgang mit Korpora lernen, wenn sie den Zusammenhang zwischen Wörtern und ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Texten und Diskursarten berücksichtigt? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge in diesem äußerst spannenden und innovativen Feld!

Literaturvorschläge zur Korpuslinguistik:

Fandrych, Christian; Tschirner, Erwin (2007): „Korpuslinguistik und Deutsch als Fremdsprache. Ein Perspektiven-wechsel“ In: Deutsch als Fremdsprache 44, 195–204.

Kallmeyer, Werner; Zifonun, Gisela (Hrsg.) (2007): Sprachkorpora: Datenmengen und Erkennt-nisfortschritt. Berlin etc.: De Gruyter (Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2006).

Lüdeling; Anke; Walter, Maik (2009): Korpuslinguistik für Deutsch als Fremdsprache: Sprachver-mittlung und Spracherwerbsforschung. Online: https://www.linguistik.hu-berlin.de/de/institut/professuren/korpuslinguistik/mitarbeiter-innen/anke/pdf/LuedelingWalterDaF.pdf

Zinsmeister, Heike; Lemnitzer, Lothar (2015): Korpuslinguistik: Eine Einführung. Tübingen: Narr.

Themenschwerpunkt 4: Bedeutung des Deutschlernens / Stellung der deutschen Sprache

Koordination:Prof. Dr. Thorsten Roelcke (FaDaF, TU Berlin): roelcke@tu-berlin.deProf. Dr. Beate Henn-Memmesheimer (Universität Mannheim): henn@phil.uni-mannheim.de

Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt (und in den deutschsprachigen Ländern) sowie – eng damit verbunden – die Bedeutung des Deutschlernens unterliegen vielfältigen Einflüssen und zeigen zahlreiche Veränderungen, auf die nicht zuletzt auch sprachpolitisch und sprachdidaktisch zu reagieren ist. Die internationale Vorherrschaft des Englischen, welche die Bedeutung des Deutschen als Fremdsprache zunächst zurückgedrängt hat, öffnet nun Räume für den Erwerb des Deutschen als zweiter Fremdsprache, die insbesondere in Fernost und Südamerika beobachtet werden können. Der Zustrom an Menschen durch Einwanderung und Flucht nach Mitteleuropa bringt erhebliche Herausforderungen für die Vermittlung von Kompetenzen in der deutschen Sprache mit sich – angefangen bei einer ersten Alphabetisierung über die Schaffung der Möglichkeit zur Teilhabe an alltäglicher und öffentlicher Kommunikation bis hin zur Vermittlung von Fachsprachen und der Befähigung zu beruflicher Kommunikation. – Vor diesem Hintergrund wird sich der Themenschwerpunkt unter anderem mit den folgenden Fragestellungen beschäftigen:

  • Welche Stellung kommt der deutschen Sprache als Erst- und Fremdsprache in den Ländern und Regionen dieser Welt zu: Unter welchen politischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen usw. Bedingungen wird hier jeweils die deutsche Sprache erworben, verwendet und ggf. gefördert?

  • Welche Bedeutung hat der Erwerb des Deutschen als erster oder zweiter Fremdsprache in diesen Ländern und Regionen: Welche Faktoren bestimmen den Wunsch sowie die Art und Weise, Deutsch als eine fremde Sprache zu lehren und zu lernen?

  • Unter welchen institutionellen Bedingungen wird hier Deutsch als Fremdsprache gelehrt und gelernt; welchen Beitrag leisten hierbei deutsche Institutionen wie das Goethe-Institut oder der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)?

  • Vor welchen Herausforderungen stehen das Lehren und Lernen des Deutschen als Fremdsprache in den deutschsprachigen Ländern: Welche Probleme und Lösungen bestehen derzeit, und welche Entwicklungen sind in der näheren und weiteren Zukunft zu erwarten?

Praxisforum A: Unterricht

Koordination:Dr. Annegret Middeke (FaDaF, Universität Göttingen): middeke@fadaf.deDr. Nadja Wulff (FaDaF, PH Freiburg): nadja.wulff@ph-freiburg.de

Das Forum versteht sich als Plattform reflektierter Praxis für die Vorstellung und Diskussion von erprobten Unterrichtsentwürfen, aber auch von neuen didaktischen Ansätzen. Im Fokus steht diesmal das Thema „Sprachliche und gesellschaftlich-kulturelle Integration von geflüchteten Menschen“.

In Ihrem Beitrag (für Präsentation und anschließende Diskussion sind insgesamt 60 Minuten vorgesehen) können Sie z. B. folgende Aspekte der beiden Hauptthemen beleuchten:

  • Unterrichtliche Konzepte für Kita, Vorbereitungsklassen sowie für den Übergang in die Regelklasse (Grundschule, Sekundarstufe),

  • Konzepte und Unterrichtsmaterialien zur Vermittlung fachlicher Inhalte in der Vorbereitungsklasse,

  • Alphabetisierung und Zweitschrifterwerb Jugendlicher in der Sekundarstufe,

  • Konzepte zum Umgang mit Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in der Vorbereitungsklasse,

  • Das Integrationskurssystem von der Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb bis zur sprachlichen Handlungsfähigkeit im Alltag,

  • Fach- und berufssprachliche Kompetenzen in Ausbildung, Berufsschule und Berufskolleg, für die Integration von Geringqualifizierten wie von Fachkräften,

  • Geflüchtete an den Hochschulen und in der akademischen Weiterbildung,

  • Staatbürgerliche Erziehung statt interkulturelle Sensibilisierung? Orientierungskurs und Wertevermittlung im Sprachunterricht.

Aber auch andere unterrichtsrelevante Themen sind im Forum willkommen.

Praxisforum B: Beruf und Qualifizierung

Koordination:

Jens Steckler (FaDaF, Universität Göttingen)

Dr. Annegret Middeke (FaDaF, Universität Göttingen)

Dr. Matthias Jung (FaDaF, IIK Düsseldorf & Berlin)

Dieses Forum versteht sich als Angebot zur Weiterqualifikation sowohl von DaF-/DaZ-Absolventinnen und -Absolventen, seien sie als Lehrkräfte, als Wissenschaftlerinnen oder Wissenschatler bzw. in anderen DaF-/DaZ-relevanten Arbeitsfeldern beschäftigt.

Online erschienen: 2017-12-6
Erschienen im Druck: 2017-12-4

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