Accessible Published by De Gruyter March 15, 2018

Kooperatives Filmseminar zum Thema Heimat

Cooperative film seminar on the topic Heimat
Nicola Huson, Ahmet Golbol and Geske Taubitz

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird ein im Studienjahr 2015/16 durchgeführtes kooperatives Filmseminar vorgestellt, in dem Studierende im Master-Studiengang Deutsch als Fremdsprache (M.A. DaF) und Studierende im Bachelor-Studiengang Design (B.A. Design) an der German-Jordanian University in Amman (Jordanien) gemeinsame Filme zum Thema Heimat drehten. Die hinter diesem Projekt stehende Idee war, Studierende des M. A. DaF, die sich mit kulturellen Deutungsmustern bzw. Konstruktionen in dem Seminar Kulturstudien beschäftigen und B. A.-Design-Studierende, die lernen mit einer hochwertigen Filmausrüstung professionell umzugehen, für ein Semester zusammenzuführen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Vier Kurzfilme in den Genres Komödie, Portrait, Drama und Reportage zum Thema. Während die technische Produktion der Filme für die B. A.-Design-Studierenden im Sinne der Medienverwendung im Vordergrund stand, war der Fokus bei den M. A.-DaF-Studierenden im Sinne der Mediendidaktik auf den inhaltlichen Prozess gerichtet, d. h. von der Ideenentwicklung bis zur filmischen Umsetzung. Beiden Studiengängen gemeinsam war das handlungsorientierte Lernen und die Förderung der Kernkompetenzen Teamarbeit, Organisationsgeschick, Leitungsfähigkeit und Zeitmanagement. In dem Beitrag wird nach einer theoretischen Diskussion zu dem Einsatz von Filmen als Medium im DaF-Unterricht und dieses insbesondere vor dem Hintergrund der machtvollen Bildorientiertheit der neuen Medien, dessen Eignung zur Vermittlung kultureller Inhalte, die Vorgehensweise, der Verlauf und die Bewertungsgrundlagen des Projektes vorgestellt. Nicht zuletzt werden die Vorteile und Herausforderungen eines solchen interdisziplinären Projektes thematisiert.

Abstract

This contribution describes a film seminar in which students in the Master of German as a Foreign Language cooperated with students in the Bachelor Design at the German-Jordanian University in Amman (Jordan) in producing films on the topic Heimat (my home country). The basic idea was to bring together the students of German as a Foreign Language involved in cultural studies with the students of Design involved in learning how to handle valuable filming equipment professionally with the common goal of producing four short films in the genres comedy, portrait, drama and report on the topic. While the Design students concentrated on the technical production and the media use, the German students emphasized the content side and media didactics, how to go from the idea to its realization in film. In both groups, it was necessary to orientate their activities towards learning and to promote the core competences of team cooperation, skill in organization, ability to lead and time management. After a theoretical introduction in how to use film as a medium in teaching German as a Foreign Language, especially in view of the powerful orientation of the new media towards pictures and how suitable they are for teaching cultural content, the sequence of events, the process and the basis of evaluation of the project are presented. In the conclusion the advantages and challenges of such a project are discussed.

0 Einleitung

Im folgenden Beitrag wird ein im Studienjahr 2015/16 durchgeführtes kooperatives Filmseminar vorgestellt, in dem M. A. DaF- and B. A. Design-Studierende der German Jordanian University (GJU) gemeinsame Filme zum Begriff Heimat drehten.[1] Die hinter diesem Projekt stehende Idee war, Studierende des M. A. Deutsch als Fremdsprache, die sich in dem Seminar „Kulturstudien“ mit kulturellen Deutungsmustern nach Altmayer (2007) bzw. der kognitiven Sprachdidaktik von Roche (2012) und Roche et al. (2012) beschäftigen und B. A. Design-Studierende, die in dem Seminar „Realization of TV Production“ lernen mit einer hochwertigen Filmausrüstung professionell umzugehen, für ein Semester zusammenzuführen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Vier Kurzfilme in den Genres dazu veranlasst Komödie, Portrait, Drama und Reportage zu dem Thema Heimat zu produzieren.

Hierbei waren sich die Akteure einig, dass sich der Einsatz von Filmen als Medium im DaF-Unterricht und dessen Eignung zur Vermittlung kultureller Inhalte insbesondere vor dem Hintergrund der Bildorientiertheit der neuen Medien hervorragend eignet. Die Überlegung war, dass – während die heutige Generation von Studierenden visuelle Medien für selbstverständlich hält –, ihnen die Macht der Bilder nicht unbedingt bewusst ist. Zu hoffen war, dass den Studierenden in der konkreten Herausforderung, Wissen und Ideen durch Bilder auszudrücken, die perspektivische Wirkung von Bildern deutlich und die perspektivische Selbstwahrnehmung bzw. die Wahrnehmung bewusst wird (vgl. Fischhaber 2002: 16). Des Weiteren sollten Studierende aufgefordert werden, Ideen und Gedanken in der Koordinierung zwischen den Teilmedien Bild/Bewegtbild und Ton/Sprache (fremd)sprachlich zu realisieren.

Während die technische Produktion der Filme für die B. A.-Design-Studierenden im Sinne der Medienverwendung im Vordergrund stand, war der Fokus bei den M. A.-DaF-Studierenden auf den inhaltlichen Prozess gerichtet, d. h. Heimat als Konzept bzw. Begriff von der Ideenentwicklung bis zur filmischen Realisierung umzusetzen. Beiden Studiengängen gemeinsam war das Ziel durch ein handlungsorientiertes bzw. konstruktionistisches Projekt (siehe 1.2.2) den Studierenden authentische Lernbedingungen zu bieten, die in den jeweiligen Seminaren zur Förderung der seminarrelevanten Lernziele beitragen. Trainiert werden sollten dabei sowohl fachübergreifende Schlüsselkompetenzen, wie Teamarbeit, Organisationsfähigkeit, Leitungsfähigkeit und Zeitmanagement als auch Sprachkompetenz und Kommunikationsfähigkeit.

In dem vorliegenden Beitrag werden unterschiedliche studienrelevante Beweggründe für das Projekt aus Sicht der M.A.-DaF- und der B.A.-Design-Studierenden reflektiert. Ebenfalls werden Bewertungsgrundlagen und Ergebnisse des Projektes vorgestellt.

Nicht zuletzt werden die Vorteile und Herausforderungen eines solchen interdisziplinären Projektes thematisiert. Die Filme und weitere Projektprodukte werden zur Ansicht bzw. Verwendung durch einen Webseitenlink zur Verfügung gestellt.

1 Das Filmprojekt Heimat aus Sicht des M. A.-DaF-Studiengangs

1.2 Herausforderungen eines Kulturstudienseminars

Mit dem vierstündigen Seminar Kulturstudien bestand im ersten Studienjahr 2015/16 des zweijährigen an der German Jordanian University (GJU) die Herausforderung, die in diesem Studiengang auszubildenden zukünftigen Deutschlehrenden aus Jordanien und der Region, d. h. Algerien, Tunesien, Marokko und dem Jemen, in Kulturstudien, d. h. zu den Themengebieten Landeskunde und Kultur in den ersten zwei ihrer vier Semester zu unterrichten. Die Aufgabe war in mehrfacher Hinsicht herausfordernd.

Die Studierenden aus den oben genannten Ländern schließen ihre Bachelor-Studiengänge in der Regel in Deutsch in Kombination mit Englisch, im Rahmen eines Übersetzungsstudiengangs oder als Germanistik, jedoch selten mit DaF, ab. Des Weiteren waren die Studierenden des betreffenden Studienjahres im Kontext ihrer universitären Ausbildung höchstens einmal als Deutschlernende zu einem kurzen Besuch in Deutschland oder deutschsprachigen Ländern. Das bedeutet, dass ihnen aktuelle Erfahrungen bzw. tiefergehende Kenntnisse in der Auseinandersetzung mit den deutschsprachigen (Alltags)Kulturen fehlten und sie sich auf unterschiedlichen Lernstufen des faktischen Wissenserwerbes befanden.

Es konnte jedoch in dem Kurs nicht darum gehen, ihnen landeskundliches Wissen zu vermitteln (obwohl sich die Studierenden dieses zum Teil erhofft hatten), sondern es musste darum gehen, sie zu befähigen, selbst als zukünftige nicht-muttersprachliche Deutschlehrende landeskundliche und kulturdefinierende Ansätze zu kennen und zu erkennen. Auch sollten sie den Stellenwert dieser Ansätze innerhalb des fachbezogenen Diskurses verorten und Wege eines handlungsorientierten/konstruktivistischen Lernens und Lehrens aufzeigen können, damit sie im Sinne einer interkulturellen Fremdsprachendidaktik (Roche 2012: 203 ff, Fischhaber 2002: 16) der Aufgabe gewachsen sind, Studierende im Ausland DACH-Landeskunde zu unterrichten und Kulturbewusstsein zu fördern (vgl. Byram/Risanger 1999: 4). Auch sollten sie dabei der Versuchung widerstehen, in Stereotypisierungen und/oder Faktenvermittlung zu verfallen.

Den vielfältigen Diskussionen zu einer Definition von Kultur im Zusammenhang von Fremdspracherwerb und Kultur, dem erhitzten und komplexen wissenschaftlichen Diskurs zur Bestimmung der vermeintlichen Perspektiven Interkulturelle Kompetenz, Interkulturalität, Transkulturalität, Hybridität und/oder Multikulturalität[2], auf die man unweigerlich bei der Suche nach dem für das Fach Deutsch als Fremdsprache zugrundeliegenden Kulturverständnis stößt, gilt es hierbei den entsprechenden Respekt zu zollen und zumindest die Wahrnehmung für unterschiedliche Denkansätze bei den Studierenden zu schärfen.

Die Studierenden müssen sich in Rahmen des Seminars „Kulturstudien im M. A. DaF“ kulturtheoretisches Wissen aneignen, die eigene Kulturgeprägtheit erforschen und den mit dem Fremdsprachenerwerb verbundenen (Lingua)kulturellen Lernprozess (vgl. Risager 2012: 9) bzw. den Zusammenhang von Identität, Sprache und Denken (vgl. Roche 2012: 18–23) verstehen; sich die implizite „Bedeutung und Philosophie“ bzw. die „bewertende Perspektive“ (Wyss 2008: 2) der Unterrichtsinhalte in zukünftigen Unterrichtsstunden bewusst machen (vgl. auch Byram/Risager 2009: 6) und für die Vermittlung dieser geeignete Lehr- und Lernformen entwickeln.

Es bestand eine weitere Herausforderung: Das auf nur zwei Jahre ausgerichtete Studium erlaubt den Dozentinnen und Dozenten lediglich Grundlagen zu vermitteln und Einblicke in die DaF-Lern- und Lehrwelt zu geben. Studierende müssen daher Anstöße erhalten bzw. Ansätze geboten bekommen, die sie ermutigen bzw. befähigen in möglichst kurzer Zeit autonom ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln und diese bis weit in das anschließende Arbeitsleben als DaF-Lehrkraft selbständig zu erweitern. Dieses setzt die Bildung eines Bewusstseins voraus, das um einiges komplexer ist, als mit der Vermittlung von Lern- oder Studierstrategien oder Lehrkompetenzen zu verwirklichen wäre.

Angesichts der oben beschriebenen Komplexität im Umgang mit dem Kulturbegriff und dem Landeskundeverständnis, der fehlenden Zeit, der mehrdimensionalen Herausforderungen für die Studierenden (zugleich Lernende und Lehrende zu sein) und dem Anspruch zumindest Ansätze bzw. Anregungen zu einer kultursensiblen Wahrnehmung zu bieten, auf die anschließend weiteres Lernen und Lehren aufgebaut werden kann, war es erforderlich einen anderen als einen traditionellen Ansatz zu beschreiten, in dem Studierende versuchen sich den komplexen theoretischen Diskussionen durch das Lesen von Texten und/oder Halten von Referaten bzw. dem Didaktischen durch die Analyse von Lehrwerken oder Entwürfen von Unterrichtssequenzen zu nähern.

Experimentieren birgt natürlich immer die Gefahr des Scheiterns und in der Welt des Lehren-Lernens kann das anschließend für einige Generationen von DaF-Lernenden folgenreiche Konsequenzen haben. Das hier beschriebene interdisziplinäre und medienorientierte Projekt stellte eine große Chance dar, den Studierenden eine Palette von Lernzielen und Erfahrungen zu bieten, die über das Fördern der kulturellen Kompetenzen hinausgehen.

1.2 Kulturstudien (Erstes Semester 2015/16)

Im ersten Semester des Studienjahres erfolgte zuerst eine generelle Einführung in das Thema Kulturstudien und Landeskunde, in dem der Kulturbegriff und seine Relevanz für das Fach DaF und die Lehrendenausbildung thematisiert, diskutiert und diversifiziert wurde. Dabei spielten zentrale Begriffe und Definitionen wie soziale Identität (Byram/Risanger 1999: 2), kulturelle Wahrnehmung (vgl. Fischhaber 2002: 2), Fremdverstehen und Perspektivwechsel (vgl. Bredella 2010), Wahrnehmung von Deutungsmustern (vgl. Altmayer 2007) und der kognitive sprachdidaktische Ansatz (vgl. Roche 2012 und Roche et al. 2012) bzw. die Verwobenheit von Welt und Sprache (vgl. Heringer 2004: 174) eine zentrale Rolle.

1.2.1 Seminarteil – Landeskunde

Hierbei konnte gut auf das Vorwissen der Studierenden anhand geläufiger Modelle, wie den Eisberg und die Kulturzwiebel[3], auf Erfahrungswerte aus dem eigenen Landeskundeunterricht und aus den persönlichen (Lern)erfahrungen zurückgegriffen werden.

Es wurde versucht eine für den DaF-Landeskundeunterricht handhabbare Kulturdefinition zu bestimmen und in Form des „Kultur-ABC“ von Ruth Eßer (2005: 3 ff) gefunden, in der sie die Definitionsvielfalt des Kulturbegriffs berücksichtigt und für das Fach Deutsch als Fremdsprache nutzbar macht.

Abschließend wurden im Seminaranteil zur Landeskunde die lerntheoretischen landeskundlichen Ansätze für den DaF Unterricht chronologisch erarbeitet und exemplarisch anhand von Lehrwerken und Beispielen didaktisch und methodisch diskutiert.

1.2.2 Seminarteil – Kultur

In dem Seminarteil zur Kultur wurde in einem weiteren Schritt der Ansatz zu „kulturellen Deutungsmustern“ von Altmayer (2007) näher thematisiert und die „Bedeutungskonzeptualisierung“ nach Roche (2012)[4] diskutiert, um durch eine reflektierende Herangehensweise sowohl implizite kulturelle Denkschemata als auch in der Konsequenz linguakulturelle Lernprozesse bewusst zu machen.

Die Studierenden wählten dann aus der zur Verfügung stehenden Zeitschrift Spiegel Artikel aus, die sie thematisch interessierten. Ihre Aufgabe war es, entweder aus den vorliegenden Texten oder Bildern (im Sinne von Altmayer 2007: 10 f) diese mit einem assoziativen Begriff zu versehen, z. B. (Männer, Familie, Ehe, Korruption, Nationalsozialismus etc.), und diesen Begriff als Ausgangspunkt für eine Recherche hinsichtlich kultureller Deutungsmuster zu verwenden. Dabei sollten besonders die linguakulturellen Konsequenzen für den DaF-Unterricht berücksichtigt werden, indem der Begriff sowohl aus der deutschsprachigen als auch aus der arabischsprachigen Perspektive beleuchtet wurde (und möglichst didaktische Aspekte berücksichtigt werden sollten).

Während durch dieses Vorgehen sicherlich eine Sensibilisierung für die kulturspezifische Wahrnehmung erzielt werden konnte[5], entsprach es jedoch noch immer einer textlastigen und somit theoretischen Herangehensweise und manche Studierende konnten den Schritt– vom Denken durch Kultur zum Denken von Kultur – im Sinne von Aydt (2016: 10) nicht nachvollziehen.

Es war zu beobachten, dass die Studierenden weiterhin in der Erwartungshaltung der rezeptiven Wissensaneignung (vgl. Fischhaber 2002: 3) und Wiedergabe und dem traditionellen Verständnis der Rolle der Lehrenden als Wissensvermittlelnde (vgl. Wyss 2008: 1) verweilten, d. h. sie eigneten sich unreflektiert Daten und Fakten an und arbeiteten ihre Themen systematisch und eher stereotyp ab. Sie konnten keinen Ansatz entwickeln, in dem sie sich konstruktiv und reflexiv mit den Themen und den entsprechenden Perspektiven und Sprachlernimplikationen auseinandersetzten.

1.3 Kulturstudien – Kooperatives Filmseminar Heimat (Zweites Semester 2015/16)

Mit dem im 2. Semester angesetzten kooperativen Filmprojekt bot sich die Gelegenheit, diesen begonnenen Reflexionsprozess zu vertiefen und sich dem Mythos Kultur nun kreativ zu nähern.

Hierbei war die Wahl des Begriffes Heimat fast zufällig – es hätte auch ein anderer Begriff sein können, wie Wasser, Liebe, Freundschaft, Arbeit, etc. – doch führte letztendlich die aktuelle Flüchtlingssituation in Jordanien und die Tatsache, dass eine große Anzahl von M. A.-DaF-Studierenden keine Jordanierinnen oder Jordanier und somit fern von der Heimat sind, zu der Entscheidung Heimat als Thema bzw. Begriff zu wählen.

Die Möglichkeit mit einem professionellen Filmemacher und einer begeisterten Kollegin zu arbeiten, waren weitere entscheidende Faktoren, das Experiment zu wagen, denn die Umsetzung eines solchen Projektes ist erfahrungsgemäß nicht nur aufwendig und anstrengend, sondern erfordert zudem eine gute Koordination.

Während die konstruktive und kreative Arbeitsform, der Einblick in die Welt des Filmens und die Erfahrungen mit Projektarbeit für die Studierenden als Seminarinhalte nachvollziehbar und motivierend waren, erschloss sich ihnen nicht selbstverständlich das Lernziel, die Bewusstmachung von kultureller Wahrnehmung und die Initiierung von Denkprozessen hinsichtlich der Eigenwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung.

Dieses war an Fragen zu Beginn des Seminars, die das „Ziel des Ganzen“ betrafen, erkennbar. Diese Fragen blieben zunächst auch unbeantwortet, da diese tieferliegenden Projekt- bzw. Lernziele u.E. für Lernende bzw. Studierende erst in der Reflexion fassbar sind.

So waren die Lerninhalte für die Studierenden anknüpfend an das vorherige Semester formuliert (siehe Abb. 1: Seminarplan) mit der Aussicht, durch die Kooperation mit einem B. A.-Studierendenteam, etwas Kulturrelevantes zu produzieren, dafür die fremdsprachliche Verantwortung zu übernehmen, die eigenen soziokulturellen Kompetenzen zu erweitern und letztendlich das Ergebnis öffentlich zu präsentieren.

Abbildung 1 Seminarplan Kulturwissenschaften II (2. Semester 2015/16)

Abbildung 1

Seminarplan Kulturwissenschaften II (2. Semester 2015/16)

Mit dem Medium Film wurde ein konstruktionistischer Ansatz verfolgt (vgl. Papert in Fischhaber 2002: 3), der das konstruktivistische Lernen, d.h. „die Vermittlung von Fähigkeiten, die in der realen Lebenswirklichkeit der Lerner angewendet werden können, die Bewusstmachung des eigenen Wissenskonstruktionsprozesses, die selbständige Auswahl von Lern- und Arbeitstechniken sowie die Umsetzung kooperativer Lernformen“ (Fischhaber 2002 : 3) um die Realitätsbezogenheit (ebd: 6) erweitert.

Mit dem Einsatz von digitalen Medien ist es nach Fischhaber (2002: 6 f.) möglich, kulturelle Momente aufzuzeichnen, die durch die Verwendungsmodi der Kamera verschiedene Perspektiven einbeziehen. Mit der anschließenden Präsentation und Weitergabe wird das erworbene Wissen zu „ein(em) Stück der gesellschaftlichen Wirklichkeit im Unterricht“ (ebenda: 4), bei der die authentische Handlungssituation den Aufbau von „neue(n) Beziehungen zwischen eigenen Wissensstrukturen“ (ebd.) unterstützt.

Fischhaber (2002: 4) hebt die konstruktionistischen Lernprinzipien als folgende hervor:

– „Der konstruktionistische Unterricht muss Lernumgebungen bieten, die den Lerner darin unterstützen, sich mit Aktivitäten und Projekten auseinander zu setzen, die für seine reale Lebenswelt bedeutungsvoll sind.“

Sich mit dem Thema Heimat zu beschäftigen und die mit dem Begriff ausgelösten Assoziationen durch das Medium Film zu vermitteln, spricht sowohl inhaltlich als auch medientechnisch die reale Lebenswelt der Studierenden an und fordert sie auf, Ideen und Konzepte in Bilder umzusetzen, die von anderen verstanden werden sollen.

– „Der konstruktionistische Fremdsprachenunterricht ist durch die Betonung der unterschiedlichen Perspektiven aller Beteiligten gekennzeichnet, da die hier geschaffenen Lernumgebungen verschiedene Lern- und Präsentationsstile zulassen und fördern.“ (ebenda: 4).

Während das Medium Film als technischer Präsentationsstil vorgegeben war, wurde die Verantwortung für die Umsetzung der Filminhalte den Studierenden überlassen. Die Umsetzung des Drehbuches, die das Aushandeln des Filmteams zu den Präsentationsformen der Filminhalte und den perspektivischen Kameraeinstellungen erforderte und ihre (fremd)sprachlichen Realisierungen waren alleinige Ergebnisse der studentischen Arbeit.

– „Schließlich wird im konstruktionistischen Fremdsprachenlernen in Erweiterung des konstruktivistischen Konzeptes auch betont, dass die Präsentation und Weitergabe des erworbenen Wissens ebenso wichtig ist, wie neue Beziehungen zwischen eigenen Wissensstrukturen aufzubauen.“ (ebd: 4).

Die öffentliche Präsentation der Filme am Ende des Seminars und die anschließende Diskussion mit den Teilnehmenden ermöglichte den Studierenden, ihre Beweggründe für die Filminhalte zu vermitteln, womit auch sie wieder zu einer Reflexion angeregt wurden.

2 Das Filmprojekt Heimat aus Sicht des B. A.-Design-Studiengangs:

2.1 Grundlagenvermittlung als Arbeitsvoraussetzung

So einfach Film sich als Medium konsumieren lässt, so schwer lässt er sich realisieren, wenn Grundlagen fehlen. Im Seminar war es zunächst wichtig, eben diese Grundlagen als Arbeitsplattform einzurichten, damit die Seminarteilnehmer von einer gemeinsamen Basis aus in die Realisierung ihrer Filmvorhaben starten konnten, wobei die B. A.-Design-Studierenden zuerst mit der Filmausrüstung vertraut gemacht werden mussten. Das hieß, dass sie sich vor allem zu Anfang des Semesters erst mal mit den physischen Eigenschaften einer Filmausrüstung beschäftigen mussten. Aus Zeitgründen wurden nur die Head-Departments wie Kamera und Ton behandelt. In zweiter Priorität wurden dann arbeitsstrukturelle Abläufe in der Filmrealisierung wie Vorproduktion und Vorbereitung, Organisation und Dreh, Nachbereitung und Postproduktion bzw. Schnitt behandelt. In diesem zweiten Schritt wurde auch konkretisiert, wie Gruppenarbeit beim Film realisiert werden kann, da üblicherweise Design-Studierende vorzugsweise allein oder in sehr kleinen Einheiten gemeinsam arbeiten.

Ziel dieser Grundlagenvermittlung war es, die Studierenden darauf vorzubereiten, sich allein aufgrund der funktionalen Besetzung für ein Projekt entscheiden zu können, da sie die M. A.-DaF-Studierenden zuvor nicht kannten und auch im Verlauf des Semesters nicht genug Zeit war, eingehende Arbeitsbeziehungen aufzubauen. Trotz einiger Schwierigkeiten zu Anfang ist dieses Vorhaben gut gelungen und es entstanden arbeitsfähige und effizient arbeitsteilige Teams, mit welchen die einzelnen Projekte realisiert wurden.

2.2 Einsatz von Film als Mittel zur Behandlung philosophischer Fragen

Das Thema Heimat gab im Rahmen des Seminars die Gelegenheit, ein „nichtmaterielles Gut“ multiperspektivisch zu betrachten und von der eigentlichen morphologischen Bedeutung des Wortes zu entkoppeln, um Gedankenspiele um das Thema herum zuzulassen.

Dem experimentellen Charakter des Kooperationsprojektes zugrunde liegend war Heimat ein sehr geeigneter Begriff, um subjektive Verständnisse auf eine höhere Verstehensebene zu übertragen. Das Medium Film zeigt sich hierbei als kongeniales Element, das Freiräume bietet und zugleich linear strukturierend wirkt.

Die Antizipation von Bildern ist ein so großer und machtvoller soziokultureller Teil des Menschen geworden, dass auf experimenteller Ebene wie auch konventionell narrativer Ebene Bewegtbilder immer Kontexte in uns herstellen und diese Kontexte wiederum mit vorhandenen Erfahrungen kollidieren und dadurch neue Kontexte entstehen. Von daher könnte man meinen, dass es nicht allzu schwer sein dürfte, mit Bewegtbild und Ton entsprechende Reaktionen im Publikum zu evozieren. Genau dies ist jedoch die Herausforderung, die die Studierenden zu bewältigen hatten. Welche Ideen müssen wie ausgelegt werden, damit sie entsprechend dem Willen der Autoren auch vom Publikum verstanden werden können? Es zeigte sich, dass diese Fragen nicht leicht zu beantworten waren und die Studierenden ihre eigene Wahrnehmungswelt überprüfen mussten, um zu einer Lösung zu finden. Gleichzeitig verwies dieser Prozess der eigenen Wahrnehmungsüberprüfung auf etwas Größeres, das durchaus auch im finalen Resultat zu spüren ist. Den Studenten ist es gelungen über Technik und Struktur hinaus universelle Geschichten zu erzählen, die emotional bewegen und sozial-emphatisch sehr gut funktionieren. Das war nicht selbstverständlich und musste hart erarbeitet werden.

2.3 Lernziele

Das faktische Lernziel für die B. A.-Design-Studierenden lag ganz klar im Erwerb technischer Kenntnisse und praktisch anzuwendender Fähigkeiten. Für die M. A.-DaF-Studierenden ging es darüber hinaus um einen kulturellen Diskurs (siehe Abschnitt 1). Das Filmprojekt Heimat aus Sicht des M. A.-DaF-Studiengangs)

Das höher anzusetzende Lernziel geht über diesen Fakt hinaus und sollte befähigen, mit den erworbenen Werkzeugen kreative und relevante Inhalte zu formulieren und umzusetzen. Ein weiterer wichtiger Faktor war natürlich die strukturelle Eigenschaft eines Kooperationsprojektes auch in Hinsicht auf Anwendung sozialer Ideen: Was ist Teamwork? Wie stelle ich ein Team zusammen? Was ist Verlässlichkeit bzw. Verbindlichkeit? Welche Aufgaben übernehme ich? Welche Verantwortung übernehme ich? Wie kommuniziere ich mit meinem Team? usw.

Der tatsächliche Mehrwert dieser Lernziele lässt sich schwer messen. Dennoch lässt sich aus Erfahrung berichten, dass diese Form der Lehre sehr viel zu individueller Reife der Lernenden beiträgt und diese sogenannten Soft-Skills immer wieder auch in anderen Bereichen Anwendung finden.

2.4 Verwendete Technik

Zum Einsatz kam bei diesem Kooperationsprojekt ausschließlich professionelle Filmtechnik. Bildseitig wurde mit Sony EX 300 Kameras gedreht, zusätzlich benutzen die Studenten teilweise noch DSLR-Kameras aus eigenem Fundus. Tonseitig kamen Sennheiser-Richtmikrophone mit Galgen und Aufhängung zum Einsatz. Für vorliegende Arbeitsumstände ist dieses die beste Option, guten Ton aufzuzeichnen. In der Postproduktion wurden die Filme mit Adobe Premiere Pro geschnitten und finalisiert.

2.5 Bewertungsgrundlagen

Die Bewertungskriterien im B. A. Design waren zu 60 % auf den Prozess und zu 40 % auf das Produkt Film und einer anschließenden Auswertung festgelegt. Hiermit wurde eine stärkere Gewichtung der kontinuierlichen Mitarbeit, Übernahme von Verantwortung und Teamarbeit von Beginn an deutlich vermittelt, um Einzelleistungen und Engagement berücksichtigen zu können, die bei Gruppenarbeiten häufig zu kurz kommen. Fristen für die Einreichung von Zwischenergebnissen, Dokumentation und Rückmeldungen zu Drehtagen, Anwesenheit und der Umgang mit Konfliktsituationen spielten somit eine wesentliche Rolle. Es war wichtig die individuelle Mitarbeit und die Teamarbeit in dem Projekt entsprechend evaluieren zu können.

2.6 Herausforderungen

Eine der größeren Herausforderungen und gleichzeitig auch ein Wesenszug des experimentellen Charakters des Kooperationsprojektes war sicherlich der fachliche Unterschied zwischen den beiden Gruppen und vor allem der unterschiedliche Reifegrad zwischen B. A.- und M. A.-Studierenden.

Aus der Unterschiedlichkeit der Fächer heraus lässt sich sagen, dass es einige Missverständnisse zu überwinden gab bzw. Toleranzen entwickelt werden mussten, um Beziehungen zu den Studenten des anderen Faches aufbauen zu können. Hier spielten sicherlich auch fachspezifische Charakteristika eine Rolle; Design-Studierende sind tendenziell visuell orientierte Menschen, wohingegen DaF-Studierende in der Tendenz eher wort-orientiert sind. In einem Team kam es letztlich aufgrund dieser Missverständnisse zu einem kompletten Neudreh des Projektes, was eine gemeinsame Entscheidung des gesamten Teams war und tatsächlich zu einem extrem verbesserten Ergebnis führte.

Eine weitere strukturelle Herausforderung war die räumliche Trennung der beiden Fakultäten, was oftmals dazu führte, dass sich die Studenten in Randzeiten treffen mussten, um sich auf die Realisierung vorzubereiten. Dieses wurde im Allgemeinen als in der Natur der Sache liegender Umstand angenommen und gemeistert.

Als Schlussfolgerung lässt sich berichten, dass sich der Ausgang eines Experiments schwer vorhersagen lässt. Die Studenten haben die Bedingungen des Projektes angenommen und sich den Herausforderungen gestellt.

3 Zusammenführung und Vorbereitung des Projektes

3.1 Seminarkoordination

Der Zeitrahmen für den Filmentstehungsprozess belief sich auf genau acht Wochen. In diesem Zeitrahmen sollten die Studierenden alle Phasen des Filmproduktionsprozesses, also der Vorproduktion, der Dreharbeiten und der Postproduktion durchlaufen. Vor dem Hintergrund, dass zwei verschiedene Gruppen aus zwei verschiedenen Fakultäten zusammen kooperierten, war die terminliche Koordinierung derselben eine besondere Herausforderung. Klar war von Beginn an, dass für die filmtechnische Umsetzung, d. h. die Positionen der Regieassistenz, der DOP (Director of Photography) und Ton und Schnitt, die B. A.-Design-Studierenden zuständig waren, während die Regie, die Produktion und das Schreiben des Drehbuches in den Aufgabenbereich der M. A.-DaF-Studierenden fallen sollten. Eine besonders wichtige Funktion nahmen – aus organisatorischer Perspektive – die jeweils von den B. A.-Design gestellten Regieassistenten ein, da diese als „rechte Hand“ des jeweiligen M. A.-DaF-Regisseurs eine wichtige Brücke zwischen den Teams der beiden verschiedenen Fakultäten bildeten.

3.2 Kurze Einführung in die Phasen der Filmproduktion und Stoffentwicklung

Wegen der unterschiedlichen Aufgabenbereiche der beiden Gruppen einigte sich das Lehrendenteam darauf, diese vor dem gegenseitigen Kennenlernen getrennt voneinander für ihre jeweiligen späteren Aufgaben zu „briefen“. Die neun B. A.-Design-Studierenden erhielten in ihrer ersten Stunde vom Dozenten für Film eine Einführung in die verschiedenen Positionen und Funktionen am Filmset (Regie, Regieassistenz, Produktion, Ton, DOP und Schnitt), während die sechzehn M. A.-DaF-Studierenden in den ersten drei Sitzungen ebenfalls von dem Dozenten für Film einen Crashkurs in Genretheorie, Genremerkmale, Ideenentwicklung und Drehbuchschreiben erhielten. Um die Kommunikation mit den Studierenden zu erleichtern, legte die Koordinatorin am Anfang des Seminars im Internet einen Webquest an – eine lernerorientierte Plattform, auf der Aufgaben für Lernende definiert und Materialien zur Verfügung gestellt werden können. Dort wurde am Ende der jeweiligen Sitzung die aktuelle Aufgabenstellung für die nächste Sitzung sowie Basisinformationen zur Genretheorie, zu Genremerkmalen (für die zu bearbeitenden Genres Drama, Komödie, Porträt, und Reportage), zur Filmsprache sowie zum Aufbau eines Drehbuchs zur Verfügung gestellt. Weitere, größere Dokumente zu den verschiedenen Themen wurden zusätzlich in eine Dropbox hochgeladen. Da es sich bei dem theoretischen Teil um einen Crashkurs für nicht-muttersprachliche Studierende handelte, wurden die Materialien nach ihrer Verständlichkeit und sprachlichen Angemessenheit ausgewählt und bei Bedarf umgeschrieben. Der Crashkurs der M. A.-DaF-Studierenden endete mit der Aufgabe, bis zur nächsten Sitzung Vorschläge für Filme in den vier Genres zu überlegen.

3.3 Ideenentwicklung

Die somit begonnene Ideenentwicklung umfasste dann drei Sitzungen. Am Ende dieser erfolgte dann auch die Verteilung der Positionen Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. In der ersten Sitzung waren alle Studierenden aufgefordert, Filmideen zu den vier Genres nacheinander kurz vorzustellen. Diese wurden alle vom Dozenten für Film kurz kommentiert und diskutiert. Als erfahrener Filmemacher setzte er die wesentlichen Kriterien für die Auswahl der Filmideen an, die insbesondere die knapp bemessene Kurzfilmdauer von fünf Minuten sowie die inhaltliche und logistische Umsetzbarkeit der Filmidee berücksichtigten. Von besonderer Relevanz war weiterhin, dass der Film nur an einem, maximal zwei Orten spielen sollte, um logistischen Schwierigkeiten (Transport, logistische Koordinierung des Filmteams) von Anfang an vorzubeugen. Zehn Ideen wurden für eine zweite Sitzung ausgewählt, zu der alle ihre Ideen ausformuliert einreichen sollten. Aus den dann eingereichten Vorschlägen wurden am Ende die vier geeignetsten Entwürfe von der Jury, d. h. den drei Dozentinnen und Dozenten, ausgewählt. Im Prozess der Ideenauswahl formierten sich schon die ersten Teams und die Verhandlungen um die Positionen.

3.4 Erstes gemeinsames Treffen und Teambildung

Nach dieser ersten Hürde erfolgte dann die erste gemeinsame Sitzung der DaF- und Design-Studierenden, bei welcher die Filmideen vorgestellt und Teams gebildet werden sollten. Ziel dieser Sitzung war es, dass die Design-Studierenden einen ersten Eindruck von den Filmideen bekommen und sich für eins der vier Teams entscheiden sollten. Da für jedes der vier Filmteams jeweils sechs Positionen zu vergeben waren (siehe 3.1), von denen jeweils drei von den DaF und drei von Design zu besetzen waren, aber weniger Design-Studierende an dem Projekt mitwirkten, mussten diese jeweils zwei verschiedene Positionen in zwei verschiedenen Teams besetzen.

4 Durchführung des Projektes – Erfolge und Herausforderungen

Nach der Teamfindung waren die Studierenden auf sich gestellt, ihre Filme umzusetzen. Sie erhielten Fristen zur Abgabe der Drehbücher, die sprachlich korrigiert oder inhaltlich kommentiert zurückgeschickt wurden. Auch gab es getrennte Seminarsitzungen für die DaF- und Design-Studierenden, die sich jedoch aufgrund der unterschiedlichen Standorte der Fachbereiche außerhalb der Unterrichtszeit oder per soziale Medien koordinieren mussten. Während die Teambildung zwischen den DaF- und Design-Studierenden zu Beginn problemlos war, erwies sich die eigenverantwortliche Weiterarbeit als Herausforderung.

Mit der öffentlichen Vorführung der Filme war den Studierenden eine Frist gesetzt, die unumstößlich war. Bis zu dieser Frist schafften es auch alle (mit Ausnahme einer Gruppe, die anschließend nachgebessert hat) ihre Filme fertigzustellen, jedoch – das muss dazu gesagt werden – nicht ohne entsprechenden Einsatz des Fachdozenten für Film.

5 Filmprodukte – Projektergebnisse

Trotz des teilweise nicht einfachen Realisierungsprozesses sind am Ende des Seminars vier vorzeigbare Filme entstanden, die vom Publikum in einer Abschlussveranstaltung sehr positiv aufgenommen wurden. Im Folgenden werden die Filme, die jeweils etwa fünf Minuten dauern, kurz vorgestellt:

In der Komödie Manzaf with Bride geht es um einen Kultur-, sowie Generationskonflikt. Abu Yousef ist mit seinem Sohn von den USA nach Jordanien zurückgekehrt, um seinem Sohn ganz traditionell eine jordanische Ehepartnerin zu suchen, was seinem in den USA sozialisierten Sohn Joey (in Jordanien wird er Yousef genannt), der noch nicht einmal mehr das traditionelle jordanische Gericht Manzaf kennt, überhaupt nicht passt. Bevor Abu Yousef die Absicht, seinen Sohn ganz traditionell jordanisch zu verheiraten, vor seinem Cousin Abu Ahmed, preisgibt, hält er über die Vorzüge der USA in Hinblick auf Modernität und Organisiertheit des öffentlichen Lebens, das ganz im Gegensatz zu Jordanien steht, einen Vortrag. Die Tatsache seiner tiefen kulturellen familiären Verwurzlung, die im Widerspruch zu seiner sonst so negativen Sicht auf Jordanien steht, wird erst durch die Frage seines Cousins, warum er, wenn so vieles negativ in Jordanien ist, in dieses Land zurückkehren möchte, deutlich.

Mit dem abschließenden Pakt zwischen Abu Yousef und Abu Ahmed, ihre Töchter und Söhne miteinander zu verheiraten, ist Joey (Yousef) dann allerdings überhaupt nicht einverstanden ....

In dem Portrait Home is ... geht es um Frauen, die mit einem Jordanier verheiratet sind. Der Film gibt Einblicke in das Leben der Schweizerin Jasmin, die mit ihrem Mann nach Jordanien übersiedelt ist, dort arbeitet und ihre zwei Kinder großzieht. Den ersten Witz auf Arabisch verstanden zu haben, war für sie der entscheidende Punkt des Ankommens in einem fremden Land und einer fremden Kultur. Im Laufe des Films spricht sie über Dinge, die sie sowohl in Jordanien, als auch in der Schweiz vermisst.

Die beiden weiteren Kurzfilme beschäftigen sich mit den in Jordanien lebenden Arbeitsmigranten, Menschen, die aufgrund sozialer und materieller Not sehr oft ihre Familien in ihrem Herkunftsland zurücklassen, um in Jordanien zu arbeiten und ihre Familien von dort aus finanziell unterstützen.

Das Drama Land of Plenty handelt von einer philippinischen Dienstfrau, die ihren vier in ihrer Heimat lebenden Kindern ein sehr positives Bild von ihren Arbeits- und Lebensbedingungen in ihrer jordanischen Familie zeichnet, während ihre Realität eher ein sklavisches Dasein darstellt, bei dem sie der Willkür ihrer Dienstfamilie ausgesetzt ist. Angewiesen auf ihr Gehalt, ist es ihr aber nicht möglich, diesen Umständen zu entkommen. Der Film zeigt somit das Schicksal zahlreicher – meistens aus den Philippinen stammenden – Dienstfrauen.

In der Reportage A life below ... wird ein aus Ägypten stammender Hausmeister porträtiert. Der 31-jährige Muhammad arbeitet bereits seit fünf Jahren in Jordanien, während seine Familie in Ägypten lebt. Er beschreibt sein schwieriges Leben in Jordanien und Ägypten und die teils mangelnde Akzeptanz von Seiten der jordanischen Bevölkerung.[6]

6 Bewertungsgrundlagen M. A.-DaF

Die Bewertungskriterien im M. A. DaF waren wie bei dem B. A.-Design-Kurs zu 60 % auf den Prozess gelegt; weitere 20 % wurden auf das Produkt „Film“ und 20 % auf eine abschließende Reflexion festgelegt. 20 % der Prozessnote wurde für mögliche Aufgaben bis zuletzt aufbewahrt, um unvorhersehbare Aufgaben berücksichtigen zu können. So konnten für die Gestaltung des Posters, der Flyer und der Gesamtorganisation des Nachmittages, an dem die Filme öffentlich präsentiert wurden, motivierte Studierende gefunden werden. Anzumerken gilt, dass eine Messung einer sich wie auch immer ausdrückenden oder gesteigerten interkulturellen Wahrnehmung bzw. Kompetenz nicht möglich und nicht zielführend ist, da es sich hierbei um die Entwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen handelt, zu denen keine validen Testverfahren vorliegen (vgl. Koreik 2011: 588). Mit der Reflexion wurde ein Tool gewählt, das durch die Fragestellung dazu anregt, Denk- und Wahrnehmungsprozesse anzustoßen, die sich dann in der Verbalisierung widerspiegeln. Lediglich die Bereitschaft, sich auf den Reflexionsprozess einzulassen, war Bewertungsgrundlage für die 20 % der Reflexion.

6.1 Reflexion

Somit wurden in der Reflexion (siehe Abb. 2) sowohl explizite wie implizite Lernziele abgefragt. Die vier für den vorliegenden Kontext relevantesten sind folgende:

  1. 1

    Können Studierende das kulturtheoretische Wissen aus dem 1. Seminar (zu kulturellen Deutungsmustern und linguakulturellen Prozessen) übertragen und haben sie eigene Wissensstrukturen hinsichtlich der kulturellen Wahrnehmung erweitert (siehe Kapitel 1.3)? (Fragen 1 (a-c) und 6)?

  2. 2

    Haben Studierende für das Lehren und Lernen relevante Schlüsselkompetenzen erlernt? (Fragen 1 d, 3 c, 4 (d-e), und 5 b)?

  3. 3

    Eignet sich das Medium „Film(en)“ für den Einsatz in diesem Seminar und im Allgemeinen für den DaF-Unterricht? (Frage 5)?

  4. 4

    Konnten Studierende ihre (fremd)sprachlichen Kompetenzen erweitern? (Frage 1 d)?

Abbildung 2 (Final Exam M. A. DaF 732)

Abbildung 2

(Final Exam M. A. DaF 732)

Die Reflexion umfasste auch weitere Fragen, die arbeits- und koordinationstechnische Aspekte für ein mögliches Wiederholen des Projektes im nächsten Studienjahr erhoben. (Fragen 2, 3 (a-b), 4 (a-c ; f-g) und 7 und 8).

Abbildung 3 (Final Exam M. A. DaF 732)

Abbildung 3

(Final Exam M. A. DaF 732)

Aus Platzgründen werden hier nur auszugsweise Textstellen (im Original und ohne Korrektur) aus den Reflexionen wiedergegeben, die selbsterklärend das Erreichen oder Nicht-Erreichen des jeweiligen Lernziels dokumentieren:

Zu 1. Können Studierende das kulturtheoretische Wissen aus dem ersten Seminar (zu kulturellen Deutungsmustern und linguakulturelle Prozesse) übertragen und haben sie damit eigene Wissensstrukturen hinsichtlich der kulturellen Wahrnehmung erweitert?

(D.B.) „Das Hauptlernziel im Seminar M. A. DaF 732 war, dass wir verschiedene Aspekte der Heimat betrachten, Teamarbeit kommt auch dazu. Emotionen und Gefühle der Menschen waren wahnsinnig ausgezeichnet. Wir haben einfach andere „Lebensarten“ der Personen näher beobachtet. Die Verbindung zwischen dem Seminar M. A. DaF 731 (letztes Semester) und dem Seminar M. A. DaF 732 ist, dass beide Seminare über Landeskunde/Kultur sprechen. Letztes Semester haben wir alleine gearbeitet aber in diesem Semster gab es eine Teamarbeit. Wie könnte man die verschiedene Aspekte der Heimat interpretieren, ist eine Hauptfrage für die beiden Kurse. In beiden Seminaren haben wir an Projekte gearbeitet.“
(R.R.) „Nicht alles was ich denke und fühle, können die anderen denken und fühlen. Und nicht was ich jetzt in diesem Moment denke und fühle gleichbleibend ist, nach einer bestimmten Zeit, die lang oder kurz sein könnte, werden meine Gefühle und Gedanken aufgrund unterschiedlichen Gründe anders. Jeder von uns denkt und fühlt anders, deshalb unterscheidet sich die Definitionen von Begriffen und die Betrachtungsweise von Dinge, nicht nur von einer Gesellschaft zu anderen, sondern auch innerhalb der gleichen Gesellschaft von einer Person zu anderen. Unsere Denkweise und Perspektiven sind sehr stark durch die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, beeinflusst. Jeder von uns hat ein kulturelles Deutungsmuster, wodurch er die Welt deutet, betrachtet und interpretiert. Heimat ist der Begriff, der wir ausgewählt haben, um zu zeigen wie die Menschen unterschiedlich denken. Wir haben versucht diesen abstrakten Begriff durch das Drehen von vier unterschiedlichen Filmen zu konkretisieren. Als Folge haben wir mit unterschiedlichen Definitionen begegnet, manche verbinden das Wort Heimat mit einem Ort, wo sie lange Zeit gelebt haben, andere mit einer Gruppe von Menschen (ihre Familien)...usw.(...) Nach Altmayer deuten wir die Welt auf der Basis von Mustern, die wir im Verlauf unserer Sozialisation erlernt haben. Bei diesen Mustern – Altmayer nennt sie kulturelle Deutungsmuster – handelt es sich um überlieferten, im kulturellen Gedächtnis einer Gruppe gespeicherte und abrufbare Muster von einer gewissen Stabilität“. (zit. nach Erik Schuchort). Aus diesem Zitat können wir schlussfolgern, dass unsere Sicht an der Welt stark durch unseren kulturellen Hintergrund geprägt. Dieser Aspekt reflektiert sich in den vier Filmen. Kultur und kultureller Hintergrund haben beim Schreiben von dem Drehbuch sowie auch bei der Beantwortung dieser Fragen eine unterscheidende Rolle gespielt. Die Schlussfolgerung von diesen Aspekten aus einer realen Situation hilft beim besser Verstehen und Ergreifen von Prinzipien dieses Aspekts.
(A.A). „Unter der Aufsicht von Frau Huson habe ich an dem Seminar M. A. DaF 732 teilgenommen. Tatsächlich war das Lernziel dieses Seminars zu klar und nachvollziehbar für alle TeilnehmerInnen. Als Hauptziel ist es, dass wir in der Lage sind, unsere theoretischen Vorstellungen und Ideen in konkrete und realistische zu konvertieren. In der Tat haben wir viele Ideen und Anschauungen über das Hauptthema des Seminars ,,Heimat,, vorgebracht und haben diese zusammen mit Frau Huson und Herrn Golbol dikutiert. Wir hatten die Gelegenheit, dass wir in diesem Seminar erfahrene Menschen kennenlernen und uns mit ihnen austauschen konnten. Meiner Meinung nach war das auch ein anderes Ziel des Seminars, dass wir unsere eigenen Gedanken und Auffassungen zeigen und von diesen die andere überzeugen. Ebenfalls war die Mitarbeit eines dieser Ziele, vor allem mit Studierenden aus anderem Studiengang. Im Seminar M. A. DaF 731 des letzten Semesters gab es viele kulturelle Themen und lasen wir viel unter dem Begriff ,, Kultur,, aus unterschiedlichen Sichtweisen. Im Seminar M. A. DaF 732 des zweiten Semesters konnte jeder Teilnehmer das Hauptthema ,,Heimat,, , das und die Kultur meiner Meinung nach zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, je nach seiner eigenen Kultur definiert. Sowohl auf der sozialen oder persönlichen Ebene als auch auf der künstlerischen habe ich durch das in diesem Seminar umgesetzte Projekt ,,Film“ viel gelernt, wo ich neue erfahrene Personen und neue Freunde kennengelernt habe, dank denen ich meine Arbeit bestens vervollständigen konnte. Außerdem habe ich gelernt, wie ein Film gedreht wird und wie man mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und individuellen Meinungen bei der Mitarbeit Passenderweise behandeln kann.“
(F.Z.) „Klar hat sich bei mir durch das Filmprojekt etwas in meiner Wahrnehmung zu dem Begriff „Heimat“ geändert. Ich sehe diesen Begriff nun nicht nur als das, was ich in meinem Kopf hatte, sondern auch als ein abstraktes unfassbares Konzept, von welchem jeder seine eigene Interpretation hat und ein Konzept, das auf jeden einzelnen Person anders wirkt. Ich kann nur hoffen, dass die Idee hinter dem Film den anderen so erreicht hat, als wir wollten und dass das so gemacht wurde, dass die zuschauer dadurch gelacht haben. Was mir an diesem Seminar besonders gefallen hat, ist die Einsicht, die ich bekommen habe, über wie groß der Unterschied ist, zwischen dem, was ich in einem Begriff sehe, und dem, was andere Leute wahrnehmen, als sie den gleichen Begriff hören. Was mir am wenigsten gefallen hat, ist die Schwierigkeit der Zusammenarbeit mit Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Hintergründe kommen.“
(A.L.) „Wie schon erwähnt, war unser Fokus an dem Konzept „Heimat“ bei den vier Filmgenres gerichtet. Geändert wird meine Wahrnehmung zur „Heimat“, erst wenn ich ja meine Heimat fürs erste Mal verlassen habe. Ziel unser Projekt war es, die verschiedenen Facetten, welche die Heimat haben könnte, zu untersuchen und dies zum Publikum zu vermitteln. Wünschenswert war also, dass die Zuschauer bewusst wissen, was ein Mensch dazu bringt, seine Heimat so zu verlassen, natürlich in einem jordanischen -aber nicht unbedingt arabischen- Kontext. Mir ist besonders aufgefallen, die Zufriedenheit, die wir alle am Ende bekommen haben.

Zu 2. Haben Studierende für das Lehren und Lernen relevante Schlüsselkompetenzen erlernt?

(R.R.) „Das Lernziel dieses Projekts war nicht nur diese vier Filme herzustellen, sondern auch das Lernen von Gruppenarbeit war von größerer Bedeutung wie kann der Einzelne in einer Gruppe richtig integrieren, wie kann er seine Arbeit adäquat füllen und am wichtigsten die Art und Weise des Umgehens mit Probleme. Auch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen war sehr interessant und sehr nützlich für die Erweiterung meiner Horizont.“
(D.B.) Was ich persönlich durch das Projekt gelernt habe, ist von dem sozialen Aspekt zu betrachten. Ich habe viele Personen kennen gelernt vom Team der B. A. Studenten und den interviewten Frauen. Es war sehr interessant zu sehen, wie andere Menschen in der gleichen Heimat leben und wie sie denken. Deswegen betone ich den sozialen Aspekt. Wenn man die Möglichkeit hat mit Personen zu kommunizieren, dann wird man automatisch mehr Erfahrung mit Gedanken der Leute.

Zu 2b) Anhand der abgebildeten Grafik (Abb. 4) lassen sich die Bewertungen der Studierenden hinsichtlich der aufgeführten Kompetenzen ablesen (Drei Studierende haben keine vollständigen bzw. zahlenzugeordneten Bewertungen vorgenommen und werden daher nicht mit aufgezeigt).

Abbildung 4 Bewertungen der Studierenden hinsichtlich der Kompetenzen

Abbildung 4

Bewertungen der Studierenden hinsichtlich der Kompetenzen

Zu 3. Eignet sich das Medium „Film(en)“ für den Einsatz in diesem Seminar und im Allgemeinen für den DaF Unterricht?

(R.R.) „Der Einsatz von Projekten im Unterricht macht Spaß beim Lernen besonders Sprachlernen. Dank diesem Projekt habe ich viel gelernt, aber nicht im Bereiche der deutschen Sprache. Ich habe gelernt, das die Selbständigkeit auch in der Gruppenarbeit sehr wichtig ist, dass das Arbeiten in einer Gruppe, die unterschiedliche Kulturen enthält, fordert das Wissen über die anderen Kulturen, um Missverständnisse zu vermeiden.“
(M. A.) „Akademisch erlente ich, dass Filmen im DaF-Unterricht eine hervorragende Rolle spielen. Filmen sind als künsterische Galtunng der Literatur ebenbürtig und werden von den Lerner viel und gern konsumiert. Hauptsächlich können die Filmen die Sprache und Kultur gut vermitteln.“
(A.M.) „Ich als zukunftiger Lehrer würde ich ein solches Projekt gern durchführen, denn durch solche Projekten überwinden die Studenten Angst und Hindernissen beim Studium. Alle Studierende nehmen an der Filmproduktion teil. Die stärke Studenten arbeiten zusammen mit schwachen Studenten und in solchen homogenen Gruppen helfen die Studenten einander. Der gelernte Stoff durch Filmen bleibt verankert in den Köpfen von Studierenden. Die Studierenden erfahren, was alles zu einem Filmdreh dazugehört (Vorbereitung, Organisation, Durchführung, Nachbereitung). Durch die gemeinsame Vorbereitung und Durchführung wird die Teamfähigkeit gestärkt und der Klassenzusammenarbeit gefördert.“
(R.R.) „Filmeisatz im DaF-Unterricht sowie auch viele andere Arten von Projekten spielt eine wichtige Rolle bei der Aneignung und Verstehen der Sprache. Das Lernen der Sprache durch solche Projekte hilft den Studierenden nicht nur diese Sprache mit Spaß zu lernen, sondern auch hilft ihnen die reale Situation selbst zu erleben und nach Lösungen allein zu suchen. Der Einsatz von diesen Projekten kann auch eine sehr gute Gelegenheit sein, um die Vierfertigkeiten besonders die produktive zu üben und gleichzeitig mehr über die Kultur der Zielsprache zu erfahren. Als Folge wird das Hindernis von den affektiven Variablen, das den Prozess des Spracherwerbs verlangsamt oder hindert, überwinden sowie auch den Interkulturellen Kompetenz entwickeln.“
(D.B.) „Obwohl es eine anstrengende Aufgabe für Studenten wäre, würde ich gerne ein solches Projekt durchführen. Man kann viel lernen, Erfahrungen von den Leuten sammeln und man wird auch später toleranter.“

Zu 4. Konnten Studierende ihre (fremd)sprachlichen Kompetenzen erweitern?

(R.R.) „Sprachlich war die Übersetzung für mich eine sehr gute Übung. Ich habe bemerkt, dass es einige Begriffe sehr schwer zu übersetzen sind, gibt, nicht weil ich das deutsche Wort nicht kenne, sondern weil dieser Begriff aus einer anderen Kultur stammt, deshalb braucht die Übersetzung nicht nur ein sehr weiterer Wortschatz, sonder am wichtigsten ist das Wissen über die Kultur von dieser Sprache und gleichzeitig die Fähigkeit der Interpretation von diesen Wörtern mit der gleichen Bedeutung, die sie in der Herkunftssprache haben.“
(G.A.) Sprachlich: nicht so viel, wir haben am meisten auf Arabisch gesprochen. Aber das Interview war auf Deutsch mit ein österreicher Akzent.
(S.B.) Durch dieses Projekt habe ich die Gelegenheit gehabt: (...) Die Übersetzung eines Teiles des Filmes aus Arabisch ins Deutsch zu machen und zu entdecken, dass es keine wortwörtliche Übersetzung möglich ist, denn, wenn die Kultur sich ändert, ändern sich die verwendeten Begriffe auch.
(A.M.) „Sprachlich: nach diesem Projekt kann ich einfach über Filmen und ihre Genres (Drama, Komödie, Portrait und Reportage) sprechen, weil ich viel neue Informationen in diesem Bereich zum ersten Mal gelernt habe. Ich kann über die Eigenschaften jedes Genre reden. Ich kann auch Hilfe für die Studiernde anbieten, die Informationen in dieser Domäne benötigen.“
(A.L.) „Dabei habe ich wie all meine Kommilitonen vieles in diesem Rahmen gelernt, ich habe gelernt welche Genres die Filme haben und konnte den Unterschied zwischen denen erkennen und sie tatsächlich umsetzen. Es wäre aber eine Lüge zu sagen, dass ich sprachlich entwickelt habe, da ich wider das Drehbuch geschrieben noch auf Deutsch genug unterhalten habe. Ich habe aber dank der Zusammenarbeit mit Prof. Ahmed Golbol und Fr. Taubitz Geske als Experten viele neue Begrifflichkeit gelernt.“

7 Zusammenfassung

Das Experiment bzw. Ziel M. A.-DaF- und B. A.-Design-Studierende zusammenzuführen und gemeinsam vier Kurzfilme in den Genres Komödie, Portrait, Drama und Reportage zu dem Thema Heimat zu gestalten, ist gelungen. Obwohl oder vielleicht gerade, weil die Ausgangspositionen hinsichtlich der Lernziele und Studierendengruppen unterschiedlich waren, gelang es ein durchaus anspruchsvolles Projekt durchzuführen, das mit einer abschließenden gemeinsamen Präsentation zu einem konstruktionistischen Abschluss führte, was – so die Hoffnung der Lehrenden – zu einer bewusstseinsverändernden Wahrnehmung von Perspektiven, Deutungen und Konzeptualisierungen führte.

Aus Sicht des M. A. DaF wäre nach Eßer (2006: 15) „(u)nser Fach (...) gut beraten, diesen – wenn auch schwer greifbaren – Kulturfaktor und seine dennoch bekundete bzw. unterstellte Wirksamkeit in und für fremdsprachenunterrichtliche Lehr- und Lernprozesse/n intensiver zu beschreiben und zu erforschen und den Umgang mit ihm auf eine solidere definitorische, theoretische und empirische Grundlage zu stellen.“

Während das hier beschriebene kooperative Filmprojekt weiterhin keine solide, definitorische und theoretische Grundlage hinsichtlich des Kulturfaktors bietet, stellt das Projekt ein experimentelles Vorgehen dar, das Studierenden ermöglichte, sich kreativ mit ihrem Kulturverständnis auseinanderzusetzen und in diesem Prozess zu erkennen, dass dieses in Hinblick auf Heimat von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Die Begleitung durch die B. A.-Studierenden und des Fachdozenten gab dem Projekt eine Authentizität und Seriosität und durch die perspektivische Kameraführung eine Professionalität, die mit sonst üblichen Handykameras nicht vorhanden gewesen wäre und unseres Erachtens das konstruktionistische Arbeiten erfolgreich machte. Die zu diesem Erfolg führenden benötigten soziokulturellen Kompetenzen setzten die Lernenden unter einen Realisierungsdruck, der letztendlich zur Überwindung der Differenzen innerhalb einer Gruppe und dem erfolgreichen Abschluss aller Filme führte.

Besonders interessant war, dass die Studierenden – mit Ausnahme der Komödie – Geschichten wählten, die aus einer anderen als ihrer eigenen Perspektive erzählt wurden. Dazu wählten sie in zwei Fällen (Drama und Portrait) nachdenklich stimmende Geschichten, die in der anschließenden Diskussion nach der Vorführung der Filme einen nicht-Jordanischen Studierenden sich dafür bedanken ließ, da er – obwohl er sich in einer gänzlich anderen Situation befände – die Einsamkeit sehr gut nachempfinden konnte.

Somit ist den Filmen auffällig gemeinsam, dass der Begriff Heimat zu ähnlichen Assoziationen, wie Einsamkeit, Fremdheit, Akzeptanz, (Un)gleichheit führt. Die Analyse der hier möglicherweise zugrundeliegenden kulturellen Deutungsmuster könnte sicherlich vor dem Hintergrund der regionalen Bedingungen betrachtet werden und Grundlage für eine entsprechende weitergehende Studie bieten.

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Online erschienen: 2018-03-15
Erschienen im Druck: 2018-03-12

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