Accessible Published by De Gruyter February 14, 2020

Nachruf auf Dr. Fritz Neubauer

Uwe Koreik and Lutz Köster

Bereits im Rezensionsheft von InfoDaF 46.3/4 (2019) war zu lesen, dass unser geschätzter Kollege Dr. Fritz Neubauer im Frühjahr 2019 verstorben ist. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte die Redaktionsgruppe von InfoDaF entschieden, Fritz Neubauer einen besonderen Nachruf im Themenheft „Das Thema Holocaust im DaF- und DaZ-Unterricht“ zu widmen, für das er einen eigenen Beitrag hatte beisteuern wollen.

Fritz Neubauer gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache (FaDaF), dem er seitdem treu geblieben war und für den er bis zuletzt Aufgaben übernahm. Wer an Mitgliederversammlungen des FaDaF teilgenommen hat, kann sich sicherlich an seine engagierten Beiträge und seine Tätigkeit als Kassenprüfer erinnern.

Seit 1984 wirkte er in vielfältiger Weise für InfoDaF, man hätte ihn auch als „Cheflektor“ bezeichnen können. Und wer bei einem Artikel von ihm redaktionell betreut wurde, wird sich gewiss daran erinnern, mit welcher Genauigkeit der gelernte Schriftsetzer und im Bereich der Lexikographie und Lexikologie promovierte Linguist auf korrekter Orthographie und Ausdrucksweise bestand.

An der Universität Bielefeld war er seit Beginn der Aufbauphase des Faches Deutsch als Fremdsprache in den frühen achtziger Jahren mit großem Einsatz tätig, was u. a. die FaDaF-Jahrestagung von 2004 in Bielefeld ermöglichte. Er war später auch das „Gedächtnis“ und ein „Archivar“ unseres Faches und konnte auch nach seiner Verabschiedung aus dem Dienst immer wieder unterstützend eingreifen.

Für die meisten unbekannt sein dürfte das große Engagement für sein eigentliches Lebensthema: die Aufarbeitung des Holocaust. Geboren in einem Stadtteil Wiens, in dem es kaum Unterstützung für Hitler gegeben hatte, engagierte er sich schon sehr früh mit der ihm auch eigenen Beharrlichkeit für den Kampf gegen das Vergessen und die Verdrängung.

Auf der kommunalen Ebene Bielefelds war er daran beteiligt, dass die Kaselowskystraße wieder umbenannt und der Name Kaselowsky 2017 von der Gedenkplatte der Kunsthalle entfernt wurde. Richard Kaselowsky war überzeugtes NSDAP-Mitglied, SS-Gruppenführer und ein eingeheiratetes Mitglied der Familie Oetker gewesen.

Vor allem während seiner regelmäßigen Forschungsaufenthalte beim United States Holocaust Memorial Museum in New York beteiligte sich Fritz Neubauer an der Aufarbeitung des Holocaust. Er arbeitete Todeslisten der Konzentrationslager und der Transporte auf, systematisierte sie, nahm Kontakt zu Hinterbliebenen auf und förderte Netzwerke. Aufgrund seiner Forschungen hielt er – von uns weitgehend unbemerkt – Vorträge auf zahlreichen Tagungen, z. B. in New York, Chicago, Paris oder Jerusalem, wo er seine wichtigen Rechercheergebnisse vorstellte. Für seine letzte Publikation „Last letters from Łódź“ (https://www.jewishgen.org/databases/Holocaust/0194_Lodz_letters.html), die auf den Seiten des United States Holocaust Memorial Museum veröffentlicht ist, wertete er Briefe von Personen aus dem Ghetto in Łódź aus. Diese und andere Publikationen werden über seinen Tod hinaus wirken.

Angesichts aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen hätten wir Fritz noch länger als tatkräftige Unterstützung brauchen können.

Uwe Koreik & Lutz Köster

Online erschienen: 2020-02-14
Erschienen im Druck: 2020-02-07

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