Accessible Published by De Gruyter April 17, 2020

Primarstufen-LehrwerkeEndt, Ernst; Koenig, Michael; Pfeifhofer, Petra; Ritz-Udry, Nadine: Wo ist Paula? 4. Deutsch für die Primarstufe. Kursbuch. Stuttgart: Klett, 2018. – ISBN 978-3-12-605287-0. 64 Seiten, € 10,99.Bovermann, Monika; Georgiakaki, Manuela; Zschärlich, Renate: Paul, Lisa & Co. Deutsch für Kinder A1/2. Kursbuch. München: Hueber, 2018. – ISBN 978-3-19-601559-1. 100 Seiten, € 9,50.Bovermann, Monika; Georgiakaki, Manuela; Zschärlich, Renate: Paul, Lisa & Co. Deutsch für Kinder A1/2. Arbeitsbuch. München: Hueber, 2018. – ISBN 978-3-19-611559-8. 100 Seiten, € 9,50.Lundquist-Mog, Angelika; Obradovic, Aleksandra; Sperling, Susanne; Ciepielewska-Kaczmarek, Luiza; Valman, Giselle: Prima – Los geht’s! Deutsch für Kinder. Band 1. Schülerbuch mit Audios online. Berlin: Cornelsen, 2018. – ISBN 9783065206259. 80 Seiten, € 12,99.Ciepielewska-Kaczmarek, Luiza: Prima – Los geht’s! Deutsch für Kinder. Band 1. Arbeitsbuch mit Audio-CD und Stickerbogen. Berlin: Cornelsen, 2018. – ISBN 9783065206273. 64 Seiten, € 9,99.Garve, Dagmar: Bruno und ich 1. Deutsch für Kinder. Schülerbuch. Berlin: Cornelsen, 2018. – ISBN 9783061207922. 68 Seiten, € 10,99.Garve, Dagmar: Bruno und ich 1. Deutsch für Kinder. Arbeitsheft mit Audio-CD. Berlin: Cornelsen, 2018. – ISBN 9783061207953. 60 Seiten, € 7,99.

Monika Sugimoto

Gegenstand der vorliegenden Sammelrezension sind vier Neuerscheinungen[1] aus dem Lehrbuchbereich DaF für die Primarstufe. Nachdem das Lehrbuchangebot im DaF-Primarbereich über viele Jahre hinweg mit den zwei bekanntesten Titeln Planetino (Hueber) und Der grüne Max (Klett) sehr überschaubar gewesen war, hat sich im Anschluss an den Boom im DaZ-Bereich nach 2015 nun auch in diesem Segment erfreulich viel getan, was an den steigenden Zahlen der Lerner an den deutschen Auslands- und PASCH-Schulen liegen mag (Auswärtiges Amt o. J.).

Allen besprochenen Lehrwerken ist gemein, dass sie sich am Rahmenlehrplan DaF orientieren, den eine Expertenkommission im Jahr 2009 entwickelt hatte. Mit diesem Lehrplan wurde auch für den DaF-Bereich vollzogen, was nach den Veröffentlichungen der PISA-Ergebnisse in den Lehrplänen der Bundesländer verändert worden war; man wollte weg von konventionellen Lernplänen und hin zu kompetenzorientierten Curricula. Neben dem neuen Rahmenlehrplan bildet der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) die zweite Grundlage für die Konzepte der vorliegenden Lehrwerke. Sie alle führen zum Niveau A1 des GER – mit einer Ausnahme: Während sich drei der vier Lehrwerke an junge Lerner ab einem Alter von etwa neun Jahren wenden, ist nur Bruno und ich für Kinder ab der 1. Grundschulklasse konzipiert und daher auch vom Lernziel her unterschiedlich. Die Inhalte und Besonderheiten der vier Lehrwerke sollen im Folgenden kurz skizziert werden.

Das Klett-Lehrwerk Wo ist Paula? 4 ist in die zwei Kapitel „Rund um die Schule“ und „Wetter, Freizeit und Ferien“ mit je sechs Einheiten gegliedert und bewegt sich damit inhaltlich im Interessenbereich der Zielgruppe. Die Lernziele sind durch Kann-Beschreibungen zu Beginn des jeweiligen Kapitels ersichtlich. Besonders viel Platz wird den Fertigkeiten Hören und Sprechen eingeräumt, für die es pro Kapitel je vier Extraseiten gibt. Abgerundet wird das Lernangebot durch Wiederholungsspiele, Lektüreseiten, landeskundliche Informationen, Lieder, Gedichte und Zungenbrecher. Einfache Symbole wie Sprechblasen oder Kopfhörer verdeutlichen die Lernform. Überschriften sowie Arbeitsanweisungen sind grafisch klar von den Übungsinhalten abgesetzt.

Neben Lehrbuch und Arbeitsbuch bietet der Verlag ein Lehrerhandbuch (als Print- und Digitalausgabe) an. Im Downloadbereich der Webseite stehen außerdem zahlreiche Zusatzmaterialien wie Arbeitsblätter und Kopiervorlagen, Leitfäden, Tipps zur Unterrichtsplanung und Kapiteltests zum Herunterladen bereit. Die Audio- und Videodateien lassen sich mit der dazugehörigen App Klett Augmented kostenlos abspielen oder herunterladen, sodass sie offline weiter genutzt werden können.

Besonders positiv hervorzuheben sind einige der didaktischen Anregungen, etwa die Aufgabe, eine Fächerhitparade der eigenen Klasse als Plakat zu erstellen. Auch das „Sprechen im Quartett“ ist eine schöne Idee, wie auf unterhaltsame Weise Chunks automatisiert werden können. Für den meisten Spaß (und auch für Bewegung) sorgt vielleicht die Aufgabe am Ende des ersten Kapitels, ein kommentiertes Handyvideo über die eigene Schule zu erstellen und das Gelernte dabei handlungsorientiert anzuwenden. Die angebotenen Witze sind für die Lernstufe eventuell eine Herausforderung, ebenso wie die handschriftlich dargestellten „Klebezettel“ (in Ländern ohne alphabetische Schrift). Die Lieder kommen nach Liedermacherart etwas konventionell daher, was je nach Klasse funktionieren oder als peinlich empfunden werden mag. Zumindest erfordert der Einsatz eventuell eine Portion Mut von der Lehrperson. Illustrationen, Fotos und Texte (in angenehm großer Schrift) befinden sich in einer stimmigen Mischung, ohne die Seiten überfrachtet wirken zu lassen, auch wenn die Illustrationen nicht durchgängig einem Stil folgen, sodass die einzelnen Bestandteile der Seiten manchmal etwas zusammengewürfelt wirken. Gut gelungen ist hingegen die Identifikationsfigur des Buchs, eine Schildkrötendame namens Paula, die schnittig gezeichnet ein wenig an die Ninja-Turtles der 1990er-Jahre erinnert, passend für die bereits etwas älteren Lerner, die in Band 4 angesprochen werden. Vernachlässigt wird leider die Phonetik, denn im Kursbuch gibt es keine speziellen Ausspracheübungen. In der kostenlosen App dauert es zwar eine Weile, bis man das Lehrwerk in der langen Angebotsliste des Verlags findet, und auch die Scanfunktion per Handykamera funktionierte beim Ausprobieren trotz guter Lichtverhältnisse leider nicht, doch trotzdem ist die Klett Augmented-App nicht nur die kostengünstigste, sondern auch technisch die beste und einfachste Lösung, um die Audios und Videos zu nutzen. Trotz der erwähnten kleinen Schwächen handelt es sich bei Wo ist Paula? 4 insgesamt um ein übersichtlich aufgebautes, altersgerechtes Lehrwerk mit ansprechendem Layout und abwechslungsreichen Lernangeboten.

Das Lehrwerk Paul, Lisa & Co A1/2 vom Hueber-Verlag ist, im Format A4, in fünf farbig markierte Module mit jeweils zwei Lektionen aufgeteilt. Die insgesamt zehn Einheiten befassen sich mit den Themenbereichen Tagesablauf, Mode, Körper & Gesundheit, Ferien & Wohnen, Essen & Trinken. Durch das Buch führen fünf Freunde namens Paul, Felix, Alex, Julia und Lisa sowie der Grammatikhund Tobi mit Detektivmütze und Lupe. Bindeglied sind hier die Erlebnisse der Kinder, präsentiert als einzelne Episoden aus dem Schul- und Familienalltag, die man anhand von Fotos nachvollziehen kann. Die Lernziele sind am unteren Rand der Einstiegsseite jedes Moduls klar ersichtlich. Auch in diesem Lehrwerk gibt es viele Höraufgaben, ganze 70 Titel auf 85 Seiten. Die Audiodateien stehen auf einer extra bestellbaren CD oder (für angemeldete Benutzer) im Downloadbereich der Verlagswebseite zur Verfügung. Am Ende jedes Moduls finden sich wechselnde Rubriken wie Spiele, Projekte, Gedichte oder Lieder sowie eine Zusammenfassung der kommunikativen Lerninhalte und eine Grammatikübersicht. Auch die Phonetik ist in diesem Werk vertreten und berücksichtigt die Ausspracheprobleme verschiedener Ausgangssprachen. Auf den letzten Seiten des Teilbands A 1.2 finden sich landeskundliche Lesetexte und eine alphabetische Wortliste.

Im dazugehörigen Arbeitsbuch werden die Lerninhalte geübt und vertieft, wobei der Wechsel zwischen Arbeits- und Kursbuch durch ein klares Verweissystem erleichtert wird. Die Übungsformen sind vielfältig und abwechslungsreich; neben Lese- und Schreibaufgaben finden die Lerner Rätsel und Übungen zum Entdecken der Grammatik. Zum Abschluss jeder Einheit stehen bebilderte Lernwörterlisten mit Beispielsätzen und je nach Genus farblich markierten Nomen bereit. Den Abschluss jedes Moduls bildet eine Seite zur Selbstevaluation. Als Ergänzung zum Kurs- und Arbeitsbuch stehen auf der Verlagswebseite zahlreiche weitere Materialien wie Glossare, Kopiervorlagen, Lösungen, Transkriptionen, Unterrichtshandreichungen, Tests etc. zur kostenlosen Verfügung. Das Highlight für die Alterszielgruppe sind jedoch sicherlich die im Anhang befindlichen Sticker, die an passender Stelle ins Arbeitsbuch eingeklebt werden können.

Optisch wirkt das Hueber-Lehrwerk etwas nüchterner und weniger verspielt als das von Klett, sowohl in den Illustrationen als auch in der Wahl der Schriftart und -größe und der Anzahl der Fotos (ein kindgerecht-charmantes Detail ist allerdings, dass die Begriffe in den Schüttelkästen durch Pfotenabdrücke getrennt sind, die wahrscheinlich der Grammatikhund Tobi hinterlassen hat). Trotzdem haben die einzelnen Elemente genug Platz, sodass die Seiten nicht überfrachtet wirken und Raum für eigene Notizen lassen. Auch in diesem Werk werden zur Verdeutlichung der Tatsache, dass es sich um handschriftlich geschriebene Texte handelt, Textteile in Schreibschrift präsentiert (z. B. S. 37) und stellen damit für Lerner aus Ländern ohne Alphabetschrift eine unnötige Hürde dar.

Da es zur jeweiligen Lernform keine Symbole gibt, ist die Gewichtung nicht so einfach zu erkennen. Der eingeführte Wortschatz und die behandelten Themen- und Grammatikbereiche erscheinen breitgefächerter als im zum Vergleich stehenden Klett-Lehrwerk. Didaktischen Einfallsreichtum beweisen spielerische Anregungen wie Pantomime zu dritt (9), oder das Spiel „Was ist weg?“ (19), bei dem Alltagsdinge auf einem Tisch ausgebreitet werden, von denen eines hinter dem Rücken versteckt und (unter Einsatz des Personalpronomens im Akkusativ) erraten werden muss. Kettenspiele wie „Was macht Spaß?“ sorgen auf unterhaltsame Weise für das Automatisieren von Chunks. Eine schöne, wenn auch nicht ganz neue Idee zum Visualisieren von Wortschatzgruppen ist die Aufgabe, einen Menschen aus den Wörtern für die Körperteile zu zeichnen (31). Ein Lesespiel, bei dem es darauf ankommt, wie gut man die Antworten seines Nachbarn voraussagen kann (75), macht vermutlich auch lesefaulen Lernern Spaß. Außerdem wird das Erstellen eines eigenen Portfolios angeregt, in das man anhand einiger Leitfragen etwas malen, einkleben und schreiben kann. So werden nicht nur Lernfortschritte verdeutlicht, es kann auch eine schöne bleibende Erinnerung ans Deutschlernen entstehen. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis hat das Hueber-Lehrbuch mit den vielen kostenlosen Downloadangeboten eindeutig die Nase vorn.

Das Lehrwerk Prima – Los geht’s von Cornelsen (ebenfalls im Format A4) ist in acht Einheiten mit altersbezogenen Themen aus dem Schul- und Familienalltag eingeteilt. Durch das Buch führen als Identifikationsfiguren ebenfalls fünf Freunde namens Lukas, Lotte, Emil, Mia und Tom plus Hund „Socke“. Die Lernziele sind in der vorangestellten Kapitelübersicht aufgelistet und werden nochmals am unteren Rand der Einstiegsseite jedes Kapitels in Erinnerung gerufen. Nach jeweils zwei Kapiteln gibt es zwei Wiederholungsseiten namens „Kleine Pause“ mit Würfelspielen und Übungen zu animierten Videosequenzen mit dem Mädchen Ella und dem Hafenkater Leo. Nach der letzten „Kleinen Pause“ informieren einige Landeskundeseiten zu den Themen Weihnachten und Ostern. Im Anhang befindet sich eine alphabetische Wortliste und eine Phonetik-Lautliste. Die einzelnen Kapitel bieten viele Sprechanlässe in Partner- und Gruppenarbeit und Sprechspiele wie Ballwurf- und Karussellspiele. Im Vergleich hat dieses Werk die meisten Hörübungen: es sind 80 Audios auf knapp 69 Seiten, die zum Schülerbuch als kostenloser Download bereitstehen. Im dazugehörigen Arbeitsbuch mit beigelegter Audio-CD findet sich eine Wortliste für jedes Kapitel mit Beispielsätzen, ebenso eine Seite zur Selbstevaluation pro Kapitel. Die Gewichtung der Lernmodule ist anhand der Symbole (erklärt auf der Innenseite des Rückumschlags) klar zu erkennen. Je eine Phonetikübung pro Kapitel verdeutlichen Satzmelodie, betonte Silben und Wortakzente. Den jeweiligen Abschluss eines Kapitels bilden eine Zusammenfassung der Lerninhalte, ein Comic und ein „Miniprojekt“: meist ein in Gruppenarbeit zu gestaltendes Plakat. So gibt es zu den Themen der Kapitel auch immer etwas zum Malen, Kleben und Ausschneiden, z. B. eine ABC-Kette aus Wimpeln für jeden Buchstaben mit Beispielwort, die in der Klasse aufgehängt werden kann. Im Arbeitsbuch wird das Erstellen eines Portfolios angeregt, um den Lernern ihre Lernfortschritte zu verdeutlichen und die Lernmotivation zu erhöhen. Auch in diesem Werk gibt es einen Stickerbogen im Arbeitsbuch. Es handelt sich nicht um reine Belohnungssticker, wie sie im Primarbereich häufig zu finden sind, sondern die Auswahl der Sticker ist Teil der Übungsaufgabe.

Positiv hervorzuheben an diesem Cornelsen-Lehrwerk sind die liebevollen Illustrationen im Kinderbuchstil. Die fünf Freunde sind jeweils in einen realen Fotohintergrund hineingezeichnet, was nicht nur die Identifikation erleichtert, sondern gleichzeitig auch ein realistisches Bild vom Leben Gleichaltriger in einer deutschsprachigen Umgebung zeichnet. Eingesetzt werden können die Figuren des Buchs auch als selbst gebastelte Handpuppen, um die Comics und andere Sprechszenen nachzuspielen. Dazu sind im Anhang die fünf Freunde und ihr Hund zum Ausschneiden abgebildet. Zwischen die Vorder- und Rückseite wird einfach ein Strohhalm geklebt – eine ebenso spannende wie kindgerechte Idee für handlungsorientierten Unterricht. Besondere Mühe gegeben haben sich die Autoren auch bei der Gestaltung der illustrierten DACH-Karte auf dem Innenumschlag. Eine knappe Auswahl an bekannteren Städten und Gebieten ist jeweils verknüpft mit „typischen Assoziationen“: für Dresden ein Christstollen, für Köln der Dom, für Salzburg Mozart, für die Ostsee ein Strandkorb, für Bremen die Stadtmusikanten, für das Erzgebirge ein Nussknacker etc. Diese kleinen Hinweise lösen eventuell mehr Entdeckerfreude aus als der Landeskundeteil mit Informationen zu Weihnachten und Ostern. Insgesamt ist Prima – Los geht’s ein gelungenes Lehrwerk für Deutsch als Fremdsprache in der Primarstufe.

Bruno und ich 1 für die ganz jungen Lerner ab sechs Jahren soll einen spielerischen Einstieg ins Deutschlernen ermöglichen. Das Schülerbuch im A4-Format ist in zwölf kurze Einheiten gegliedert, die sich thematisch an der Lebenswelt der Schüler orientieren. Die Lerner werden auf ihrem Weg durch das Buch von der Lehrwerkfigur Bär Bruno begleitet. Mithilfe vieler Lieder, Reime und Gedichte werden erste Redemittel und eine richtige Aussprache trainiert. Auf den letzten Seiten des Schülerbuchs finden sich landeskundliche Informationen zu Weihnachten und Ostern und ein bunt bebildertes Bildlexikon. Das Arbeitsbuch vertieft die Lerninhalte des Schülerbuchs. Die Audios stehen als mp3-Download auf der Verlagswebseite kostenlos zur Verfügung. Aus der gleichen Reihe erschienen auch die Folgebände 2 und 3.

Da die Zielgruppe dieses Lehrwerks eine andere ist als in den davor besprochenen Lehrwerken, unterscheidet es sich wesentlich von diesen. Kinder am Anfang der Grundschulzeit sollen besonders viel mit authentischer Zielsprache konfrontiert und in ein Sprachbad getaucht werden. Die Beschreibungen des GER sind nicht auf diese Altersgruppe zugeschnitten. Das Lehrmaterial soll eher die natürliche Neugierde der Kinder ansprechen und dabei ihr Weltwissen, ihre kurze Konzentrationsspanne und ihren Bewegungsdrang berücksichtigen. Der Unterricht soll spielerisch, ganzheitlich und handlungsorientiert sein. Dazu eignen sich Übungen wie das Zeigen mit dem Finger auf Fotos oder Symbole, etwas anzumalen oder anzukreuzen, Hören, Mitsprechen, Mitsingen, Imitieren von Bewegungen. Diese Anforderungen berücksichtigt Bruno und ich 1 und ist daher nur bedingt mit den anderen untersuchten Werken vergleichbar.

Kleine Abstriche gibt es bei den Illustrationen und dem Layout. In die Fotos von Räumen und Schullandschaften sind nach Art einer Collage Dinge oder Figuren hineinkopiert, welche die Perspektive verkehren und alles seltsam unwirklich erscheinen lassen. Die Erwachsenen auf den Fotos (ein Lehrer in Anzug und Krawatte, eine Mutter mit Minikleid, Pumps und Retro-Radio auf einem Bistrotisch) wirken fast wie Karikaturen; die Kinder scheinen geradewegs einem Werbeprospekt entsprungen zu sein. Außerdem grenzt sich das Werk äußerlich nicht klar genug von anderen DaF-Materialien für die Primarstufe ab: Es ist auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen, dass es nicht auf die Prüfung Fit in Deutsch (A1) des GER vorbereiten soll und daher eher als Lehrbuch auf dem Niveau A0 für nicht alphabetisierte Lerner betrachtet werden muss. Als solches schließt Bruno und ich tatsächlich eine Lücke im Lehrbuchangebot und ist für die Zielgruppe durchaus zu empfehlen.

Abschließend sei für die erwähnten Neuerscheinungen lobend erwähnt, dass Abwechslungs- und Einfallsreichtum der einschlägigen DaF-Lehrwerke für erwachsene Lerner nun auch auf der Primarstufe Einzug gehalten haben. Auch wenn die didaktischen Anregungen nicht immer neu sind – Pantomime, Sprachschatten, Klassenspaziergänge etc. gehören seit Jahren zum Standardrepertoire, und wenn sich ein Autorenteam etwas besonders Innovatives hat einfallen lassen, wird es in der Regel schnell von anderen kopiert –, ist es doch erfreulich, so viele Lehrwerke zu finden, mit denen ein handlungs- und kompetenzorientierter Unterricht mit viel Freude am Lernen gelingen kann.

Literatur

Auswärtiges Amt (Hrsg.) (o. J.): Deutsch als Fremdsprache weltweit. Datenerhebung 2015. Berlin: Auswärtiges Amt. Online: .Search in Google Scholar

Online erschienen: 2020-04-17
Erschienen im Druck: 2020-04-08

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