Accessible Published by De Gruyter April 17, 2020

Akukwe, Bettina; Grotjahn, Rüdiger; Schipolowski, Stefan (Hrsg.): Schreibkompetenzen in der Fremdsprache. Aufgabengestaltung, kriterien-orientierte Bewertung und Feedback. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2017 (Narr Studienbücher). – ISBN 978-3-8233-8069-6. 303 Seiten. € 28,95.

Luisa Friederici

Die sechsköpfige Autorengruppe um die Herausgeber Akukwe, Grotjahn und Schipolowski setzt sich in ihrem Sammelband zum Ziel „Möglichkeiten und Wege [aufzuzeigen], um Schreibkompetenzen unter Berücksichtigung verschiedener Voraussetzungen zu überprüfen“ (10). Dabei stellen sie als Besonderheit des Bandes heraus, dass auch auf Kontexte und Rahmenbedingungen für Evaluationen eingegangen und konsequent kompetenz- und aufgabenorientiert vorgegangen wird. Der Band richtet sich explizit an Fortbildner*innen, Lehrkräfte, Studierende und Fachdidaktiker*innen aller Fremdsprachen (auch DaF), obwohl Beispiele einzig aus den Fächern Englisch und Französisch gegeben werden. Um diesem Ziel gerecht zu werden, wurde eine Autorengruppe zusammengestellt, die unterschiedliche Schwerpunkte und institutionelle Hintergründe aufweist. So finden sich Personen aus dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, kurz IQB, die insbesondere im VERA- Projekt tätig sind. Hauptberuflich am IQB arbeiten Akukwe und Schipolowski. Grotjahn und Kleppin betätigen sich, abgesehen von ihren Professuren für Sprachlehrforschung, im Bereich VERA-8. Die eher wissenschaftlich ausgerichtete Gruppe wird durch Philip, tätig als Lehrkraft an einer Gesamtschule und am LISUM im Bereich Fortbildung und Erarbeitung von didaktischen Materialien, und durch den Lehreraus- und -fortbildner Sommerschuh um eine praxisorientierte Perspektive ergänzt.

Der Sammelband teilt sich in zehn Kapitel, die von den Autoren in unterschiedlicher Kombination verfasst wurden. Jedes Kapitel weist am Ende kommentierte Hinweise zum Weiterlesen und die Quellenangaben des jeweiligen Kapitels auf. Die Hinweise zum Weiterlesen belegen den Charakter des Sammelbands als eines Überblicks- und Einführungswerks. Im Folgenden wird der Inhalt jedes Kapitels kurz geschildert. Dazu soll angemerkt werden, dass sich die Kapitel 2 bis 6 mit theoretischen Grundlagen befassen, während Kapitel 7 bis 9 praktische Hinweise enthalten und sich das letzte Kapitel mit aktuellen Trends befasst.

In Kapitel 2 werden Rahmenbedingungen für das Evaluieren von Schreibkompetenzen im Sinne des GER und Bildungsstandards erläutert. In Kapitel 3 gehen die Autoren auf Typen und Funktionen der Evaluation von Schreibkompetenzen ein. Dabei werden in dialektischer Weise verschiedene Evaluationsformen beschrieben, wie beispielsweise formelle und informelle oder summative und formative Evaluationen. Schließlich werden Funktionen von Evaluationen in Bezug auf die Schreibkompetenz begründet. Das Kapitel 4 beschreibt ausführlich Typen und Funktionen von Gütekriterien. Die Beschreibung geht über die klassischen drei Kriterien Objektivität, Validität und Reliabilität hinaus. Viele Teile dieser Ausführungen lassen sich auf Testkonstruktion im Allgemeinen übertragen, werden jedoch stets mit Beispielen für die Evaluation von Schreibkompetenz illustriert. Kapitel 5 widmet sich dem Testkonstrukt und der Testspezifikation. Als Testkonstrukt wird bezeichnet, „was mit Hilfe der Aufgaben und Bewertungskriterien eines Tests gemessen werden soll“ (71). Im Anhang dieses Kapitels finden sich die GER-Skalen zu den verschiedenen Teilfertigkeiten.

Dem Thema kriterialer Evaluation von Schreibkompetenzen widmet sich das Kapitel 6. Dabei wird auf Einflussfaktoren des Urteilsprozesses eingegangen, verschiedene Bezugsnormen, Bewertungskriterien, -skalen und -raster besprochen und der Einsatz verschiedener Raster im schulischen Kontext beschrieben. Des Weiteren werden Anregungen zur Reflexion der eigenen Bewertungspraxis angeführt. Schritt für Schritt wird in Kapitel 8 dargelegt und mit Beispielen illustriert, wie Schreibaufgaben entwickelt werden können. Die Ausführungen zur Evaluation von Schreibkompetenz (Kapitel 9) stellen das längste Kapitel des Bandes dar und scheinen damit das Kernstück des Werks zu sein. Hier wird das von der Expertengruppe entwickelte Bewertungsraster zur Evaluation von Schreibkompetenz vorgestellt. Dabei ist dieses Raster laut den Autoren als Minimalvorschlag anzusehen, der sowohl ergänzt als auch an die eigene Zielgruppe angepasst werden kann. Die Autoren gehen für das Raster davon aus, dass das Erreichen des kommunikativen Ziels und die sprachliche Realisierung als zwei separate Dimensionen zu betrachten sind. Die Bewertung erfolgt nach folgenden Kriterien:

  1. erster Gesamteindruck,

  2. K1 Umsetzung der Aufgabenstellung,K1.1 Inhalt, K1.2 Textsorte, K1.3 Situations- und Adressatenbezug,

  3. K2 Sprachliche Realisierung,K2.1 Verständlichkeit, K2.2 Angemessenheit, K2.3 Kohärenz/Kohäsion, K2.4 Richtigkeit,

  4. abschließendes Urteil.

Im Anschluss an die detaillierte Beschreibung der einzelnen Kriterien folgen Schülerbeispiele in den Fremdsprachen Englisch und Französisch mit kommentierten Bewertungen. Das vorletzte Kapitel des Bandes widmet sich Möglichkeiten des Feedback zu schriftlichen Lernerproduktionen. Feedback, im Sinne von Rückmeldung an die Lerner und nicht beschränkt auf Fehlerkorrektur, ist laut den Autoren ein entscheidender Faktor für den Lernerfolg und rückt seit der Hattie-Studie auch weiter in den Fokus von Publikationen zum Fremdsprachenunterricht. In diesem Kapitel wird besonderer Wert auf die Erklärung der interaktionistischen dynamischen Evaluation gelegt. Im letzten Kapitel wird ein knapper Überblick über aktuelle Trends in Bezug auf die Überprüfung von Kompetenzen allgemein gegeben. Kompetenzorientierter Unterricht und Assessment Literacy, Überprüfung von Sprechkompetenzen, Computerbasiertes Testen, integrierte Aufgabenformate und Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden thematisiert.

Das Werk bietet einen breiten Einblick in das Thema der Schreibkompetenz in der Fremdsprache. Es eignet sich dabei für Personen mit und ohne Vorwissen. Besonders hervorzuheben sind die Hinweise zum Weiterlesen, die das Vertiefen der einzelnen Teilbereiche ermöglichen. Obwohl die Autoren betonen, dass sich das Buch auch an Lehrkräfte und Studierende von DaF richtet, muss die Übertragung der Inhalte auf die Fremdsprache Deutsch vom Leser selbst getätigt werden, da keine Beispiele oder Erklärungen für den DaF-Bereich angeführt werden. Des Weiteren liegt der Fokus stark auf dem schulischen Unterricht und weniger auf der Erwachsenenbildung.

Online erschienen: 2020-04-17
Erschienen im Druck: 2020-04-08

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