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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Digitalisierung im Kontext von Fremdsprachenunterricht [Sammelrezension]Burwitz-Melzer, Eva; Riemer, Claudia; Schmelter, Lars (Hrsg.): Das Lehren und Lernen von Fremd- und Zweitsprachen im digitalen Wandel. Arbeitspapiere der 39. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019 (Gießener Beiträge zur Fremdsprachen-didaktik). – ISBN 978-38233-8325-3. 313 Seiten, € 68,00.Biebighäuser, Katrin; Feick, Diana (Hrsg.): Digitale Medien in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Berlin: Erich Schmidt, 2020 (Studien Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, 8). ISBN – ISBN 978-35031-8291-6. 240 Seiten, € 59,95.

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Rezensierte Publikationen:

, Digitalisierung im Kontext von Fremdsprachenunterricht [Sammelrezension]

Burwitz-Melzer, Eva; Riemer, Claudia; Schmelter, Lars (Hrsg.): Das Lehren und Lernen von Fremd- und Zweitsprachen im digitalen Wandel. Arbeitspapiere der 39. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019 (Gießener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik). – ISBN 978-38233-8325-3. 313 Seiten, € 68,00.

Biebighäuser, Katrin; Feick, Diana (Hrsg.): Digitale Medien in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Berlin: Erich Schmidt, 2020 (Studien Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, 8). ISBN – ISBN 978-35031-8291-6. 240 Seiten, € 59,95.


Bei dem von Eva Burwitz-Melzer, Claudia Riemer und Lars Schmelter herausgegebenen Sammelband unter dem Titel Das Lehren und Lernen von Fremd- und Zweitsprachen im digitalen Wandel handelt es sich um ein Kompendium aus 26 Beiträgen namhafter Vertreter*innen der Fremdsprachendidaktik verschiedener Fachrichtungen in Deutschland[1], Ergebnisse der 39. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts 2019.

Allen Beiträgen gemein ist die Orientierung an 4 Leitfragen zum digitalen Wandel, die im Vorwort der Herausgeber*innen erläutert werden: 1. die größten fachlichen und didaktischen Herausforderungen; 2. die Notwendigkeit eines Leitbildes für digitales Lehren und Lernen; 3. konzeptionelle Änderungen in der Fremdsprachendidaktik durch Digitalisierung; 4. die Frage nach Prioritätensetzung (für Lehrerinnen und Lehrer) in Bezug auf Digitalisierung.

Es gilt inzwischen als gesetzt, dass Digitalisierung nicht bloß Einsatz digitaler Medien in schon vertrauten didaktischen Kontexten bedeutet. Vielmehr geht damit ein grundlegender Wandel einher, der so gut wie alle Bereiche des Lebens, Lehrens und Lernens umfasst (Stichwort: digitale Revolution). Insofern sind sich die Autor*innen des Sammelbandes unabhängig ihres fachlichen Hintergrunds darin einig, dass Digitalisierung auch im Fremdsprachenunterricht einschneidende Veränderungen hervorruft. Andererseits setzen sie jeweils eine unterschiedliche Akzentuierung hinsichtlich der von ihnen gewählten Prioritäten, was dem Leser einen facettenreichen Überblick liefert. Darüber hinaus bieten die verschiedenen Perspektiven der Autor*innen zahlreiche Denkanstöße hinsichtlich der praktischen Implikationen.[2]

In einigen Beiträgen geht es um die Frage, inwiefern Fremdsprachenunterricht angesichts der Optimierung von Sprachsoftware obsolet wird bzw. wie der Fremdsprachenunterricht der Gegenwart und Zukunft lernerorientiert attraktiv gestalten sein muss (s. Beiträge von Andreas Grünewald und von Claudia Riemer). In dieser Hinsicht plädiert Britta Viebrock in ihrem Beitrag dafür, die scheinbar Unaufhaltsamkeit der Digitalisierung nicht mit einer unreflektierten Überlegenheit digitaler Medien gleichzusetzen.

Einige Texte besprechen die Herausforderungen der langsamen Digitalisierung an Schulen (Daniela Elsner) und die Integration des Themas der (critical) digital literacy – also der Fähigkeit, digitale Medien sowohl als Konsument, als auch als Produzent kritisch und reflexiv zu benutzen – in die Lehrer*innen-Ausbildung (Mark Bechtel). Hermann Funk betont die Notwendigkeit adäquater Unterstützung der Lehrkräfte durch Institutionen wie Verlage und Schulen sowie durch Aus- und Weiterbildungsangebote. Und um eine stärkere Berücksichtigung veränderter, digitaler Kommunikationsformen in Lehrwerken und Prüfungsformaten geht es in den Beiträgen von Nicole Marx und Christian Fandrych.

Der von Katrin Biebighäuser und Diana Feick 2020 herausgegebene Sammelband Digitale Medien in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache beruht auf dem 1. Mediendidaktischen Symposiums DaF/Z aus dem Juni 2017 an der Universität Wien und umfasst Beiträge, die sich mit verschiedenen Methoden bzw. digitalen Werkzeugen in unterschiedlichen Lernkontexten von Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache befassen.

Digitale Medien dienen der Förderung von Lernerautonomie sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unterrichts und führen dementsprechend auch zu einer veränderten Rolle der Lehrkraft. Diana Feick bringt es in ihrem Beitrag (über die Nutzung von Handys/Smartphones und Tablets an PASCH-Schulen) auf den Punkt: „Lehrende werden im außerunterrichtlichen Kontext nicht nur in ihrer Trainerrolle wahrgenommen, sondern auch als Vorbilder sowie Beratende zur adäquaten Benutzung der Geräte“ (58). Um dieser neuen Vorbildfunktion gerecht zu werden, bedarf es jedoch auch angemessener mediendidaktischer Fortbildungen für Lehrkräfte, wie Michal Dvorecký, Mireille Marx, Hanna Möller und Bernd Reiß in ihrem Beitrag zurecht anmerken.

Inwiefern mediendidaktische Fortbildungen neben der unmittelbaren Wissensbereicherung der Lehrkraft einen langfristigen Nutzen für die Unterrichtsgestaltung haben, ist jedoch bis heute weitestgehend unerforscht. Diesem Thema widmet sich Antje Rüger in ihrem Beitrag über eine Fortbildung des Goethe-Instituts im Blended-Learning-Format.

Für den Schulbereich DaZ mit Lernenden im Grundschulalter bietet der Sammelband zwei Beiträge. Klaus-Börge Boeckmann präsentiert Ergebnisse einer Begleitforschung zum digital gestützten Distanzunterricht für DaZ-Lernende in ländlichen Gegenden in Österreich, der mithilfe von Tablets realisiert wurde, und konstatiert, dass diese Art des Förderunterrichts großes Potenzial bietet. Evghenia Goltsev und Stephanie Krupp evaluieren den Nutzen von sogenannten Hörstiften im Rahmen des DaZ-Förderprojekts Schrittweise DaZ, in dem sich die Lernenden Begriffe zu Bildkarten durch den interaktiven Stift vorsprechen lassen können. Die Autoren erläutern dabei die Unterschiede bei Hörstiften verschiedener Anbieter hinsichtlich interaktiver Funktionalitäten.

Universitäre DaF-Lernende stehen im Fokus der Beiträge von Katrin Biebighäuser und Gabriele Marques-Schäfer sowie von Tamara Zeyer. Erstere untersuchen neue Formen der interkulturellen Landeskunde anhand von deutsch-brasilianischen WhatsApp-Tandems; Zeyer nimmt den eigenständigen Grammatikerwerb mithilfe einer Lernsoftware in den Blick.

Beide hier besprochenen Publikationen sind vor der Covid-19-Pandemie und somit vor dem aktuellen Boom digitaler Medien im Kontext virtueller Unterrichtsszenarien erschienen. Dies erweist sich – zumindest aus Leser*innen-/Lehrer*innenperspektive – als Fluch und Segen zugleich.

Digitale Medien sind in den letzten Jahren zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts und demzufolge auch Gegenstand der Fremdsprachenforschung geworden. Gleichzeitig handelt es sich hier allerdings um einen jungen Forschungsbereich mit noch zahlreichen offenen Forschungsdesiderata.

Publikationen wie die hier besprochenen leisten einen wichtigen Beitrag, und das Erscheinen dieser beiden Sammelbände knapp vor bzw. zu Beginn der Pandemie ist insofern günstig, als die lange geltende Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit digitalen Medien in vielen Lernkontexten einer akuten Notwendigkeit gewichen ist und dementsprechend großer Bedarf an aktueller Forschungsliteratur besteht, die verschiedene Anwendungsbeispiele digitaler Medien analysiert und auswertet (hierzu v. a. Biebighäuser/Feick) und diese mit theoretisch-konzeptionellen Überlegungen unterfüttert (hierzu v. a. Burwitz-Melzer/Riemer/Schmelter).

Darüber hinaus stellt die aktuelle Situation ein Novum dar, insofern weltweit verschiedene Anwender im Kontext von Fremdspracherwerb digitale Medien in einem nie da gewesenen Ausmaß verwenden – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Dieses Szenario konnten die Herausgeber*innen der beiden Sammelbände nicht vorhersehen. Allerdings wird daran auch deutlich, was in Bezug auf die Anwendung digitaler Medien schon allgemein bekannt ist: Technologien kommen schneller und gehen schneller. Wie kann also Fremdsprachenforschung zu schnelllebigen Phänomenen wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen, die eine längerfristige Gültigkeit anstreben?

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 6.12.2022 from frontend.live.degruyter.dgbricks.com/document/doi/10.1515/infodaf-2021-0010/html
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