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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Ammon, Ulrich; Schmidt, Gabriele (Hrsg.): Förderung der deutschen Sprache weltweit. Vorschläge, Ansätze und Konzepte. Berlin: De Gruyter, 2019. – ISBN 978-3-11-047670-5. 934 Seiten, € 129,95.

Stephan Schütz EMAIL logo

Rezensierte Publikation:

Ammon, Ulrich; Schmidt, Gabriele (Hrsg.): Förderung der deutschen Sprache weltweit. Vorschläge, Ansätze und Konzepte. Berlin: De Gruyter, 2019. – ISBN 978-3-11-047670-5. 934 Seiten, € 129,95.


Es geht in diesen Themenband um die Fördermöglichkeiten für DaF und Germanistik und die Förderung der deutschen Sprache international, wobei auch Deutsch als Minderheitensprache thematisiert wird (VI). Das vorliegende Buch basiert auf früheren Arbeiten des 2019 verstorbenen Mitherausgebers Ulrich Ammon (Ammon 2015). Die insgesamt 57 Beiträge sind in zwei Teile, „Allgemeine thematische Beiträge“ (30 Beiträge) und „Länder- und regionenspezifische Beiträge“ (27 Beiträge), gegliedert und können hier nur auszugsweise dargestellt werden.

Teil 1 behandelt Entwicklungspotenziale und Fördermöglichkeiten, aber auch die verpassten Möglichkeiten und Probleme angesichts der weltweiten Dominanz des Englischen in den verschiedensten Domänen: Diplomatie, Kulturpolitik, Medien, Wirtschaft, Schulen, Hochschulen, Pädagogik, Ausbildung und Weiterbildung, Wissenschaft und Tourismus werden untersucht. Ammon erinnert in seinem Beitrag (3 ff.) daran, dass Deutsch als internationale Sprache (8) besonders durch die Wirtschaftskraft der deutschsprachigen Länder bei den internationalen Wirtschaftsbeziehungen für Lernende attraktiv ist, woran deutsche Geschäftsleute zu erinnern seien, da sie „zu übermäßigen Englischgebrauch“ (18) tendieren. Ebenso bemängelt er wie bereits in seinen früheren Veröffentlichungen die fehlende politische Unterstützung der deutschen Sprache in der Außenpolitik und Diplomatie durch deutsche Regierungen (19), was sich bei der zurückgehenden Rolle des Deutschen bei der Deutschen Welle (20) zeige. Dazu auch Jan Kruse mit seinem Beitrag: „Deutschförderung durch staatliche Medien – am Beispiel der Deutschen Welle“ (117 ff.).

Reiner Pogarell, als Mitglied des Vereins Deutsche Sprache in einer gewissen Außenseiterposition (s. d. Göz Kaufmann im selben Band, 62 f.), kritisiert in „Der Beitrag deutscher Unternehmen zur Verbreitung der deutschen Sprache“ (107 ff.) eine „Anglisierungswelle in der deutschen Großindustrie“ (112) zu Beginn des Jahrtausends zum Schaden der deutschen Sprache im Ausland, wobei sich aber der tatsächliche Sprachgebrauch in den Unternehmen im Ausland von der „englischen Außendarstellung“ (114) unterscheide und die Wirtschaft daher weiterhin Bedarf an Ortskräften mit guten Deutschkenntnissen habe.

Der Diplomat Jakob Haselhuber (169 ff.) bemängelt zum Thema Festigung von Deutsch in den EU-Institutionen, dass insbesondere beim EAD (Europäischen Auswärtigen Dienst) die Bundesregierung in der Sprachenfrage auf eine Vertretung der deutschen Sprache verzichtet habe (172, 180). Er räumt aber die Schwächen der bisherigen Vollsprachenregelung der EU ein und plädiert als Fördermöglichkeit für eine Lösung, bei der die größten europäischen Sprachfamilien perspektivisch berücksichtig werden: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und auch Russisch: „Der vorgeschlagene ‚Sprachenkorb‘ könne mit der Formel ‚1 plus 4‘ beschrieben werden“ (176). Dem Englischen komme hierbei trotz des Brexits weiterhin eine führende Rolle zu (182 f.).

Christian Efing und Rudolf Hoberg, die sich mit dem Bildungsbereich im Inland beschäftigen (75 ff.), kommen anhand von empirischen Untersuchungen zur „Sprachbewusstheit“ (75 ff.) unter Lehrkräften für alle Fächer in deutschen Schulen zu der pessimistischen Schlussfolgerung, dass diese „stark eurozentristisch sowie durch die in Deutschland typischen Schulsprachen geprägt sind und den Stellenwert des Englischen (als Muttersprache) überschätzten, während sie die weltweite Sprachenvielfalt unterschätzten“ (81).

Christian Fandrych und Elisa Müller (291 ff.) beschäftigen sich in „Deutsch in der Hochschullehre der deutschsprachigen Länder“ mit den Folgen der Internationalisierungsbemühungen der deutschsprachigen Länder wie etwa Studiengängen in englischer Sprache und kommen hier zum ernüchternden Schluss, „[...] dass es für internationale Studierende in englischsprachigen Studiengängen [...] praktisch keine Durchlässigkeit zu deutschsprachigen Lehrveranstaltungen gibt“ (309). Sie plädieren daher für eine systematischen Spracherwerb Deutsch in den internationalen Studiengängen. Ähnliche negative Schlussfolgerungen finden sich bei Yu Chen über Deutschkenntnisse ausländischer Studierender in Deutschland allgemein (333).

Hans-Joachim Althaus und Uwe Koreik (215 ff.) beschreiben die Förderung der deutschen Sprache beim Export von Studiengängen und ganzen Hochschulen ins Ausland, die vor allem vom DAAD organisiert werden, wie z. B. beim Programm DSG (Deutschsprachiger Studiengang). Sie bemängeln hierbei eine fehlende wissenschaftliche Begleitung der sprachlichen Förderungsmaßnahmen (220). Ähnliche Probleme habe es bereits in der Implementierungsphase von binationale Universitäten gegeben (225).

Mehr didaktisch-methodisch ausgerichtet sind die Beiträge von Britta Hufeisen (337 ff.), Holger Steidele (381 ff.), Gabriele Kecker u. a. (393 ff.), Christian Hoffmann u. a. (425 ff.) und Diana Stantcheva/Gabriele Dillmann (465 ff.). Hufeisen schlägt beim Thema Mehrsprachigkeit eine Vernetzung des DaF-Unterrichts mit anderen Sprachfächern und auch mit Sachfächern durch bilingualen Unterricht in den Schulen als Fördermöglichkeit für DaF vor (346 f.). Christian Hoffmann u. a. (425 ff.) schreiben über das sehr wichtige Förderinstrument „Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)“, wobei die Beitragenden zu Recht auch auf die außersprachlichen Ziele des Programms angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland hinweisen (428).

Holger Steidele (381 ff.) stellt die Sonderrolle muttersprachlicher DaF-Lehrkräfte im Hochschulbereich im Ausland aus der Praxis seiner eigenen Tätigkeit als wichtiges Förderinstrument heraus: Sie seien Repräsentanten ihrer Kultur, spielten eine Sonderrolle im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung und hätten ein besonders Verhältnis zu den einheimischen Studierenden. Er kritisiert in diesem Zusammenhang, dass diese Lektoren häufig keine Germanisten seien (386). Gabriele Kecker u. a. (393 ff.) vom TestDaF-Institut gehen auf die Frage ein, wie Sprachtests zum Nachweis der Deutschkenntnisse für ein Studium in Deutschland zur Förderung der deutschen Sprache beitragen und eine positive Rückwirkung auf den Unterricht haben können (395). Hierbei stellen Kecker u. a. die digitale Weiterentwicklung des TestDaF vor (402), um die Authentizität in einer multimedialen Lernumgebung zu steigern. Ein interessanter Beitrag, der ohne die häufigen Anglizismen noch überzeugender wäre.

Diana Stantcheva und Gabriele Dillmann (465 ff.) gehen auf die Förderung der deutschen Sprache durch transnationale digitale Vernetzung ein und betonen dabei als positives Ergebnis eine Erweiterung der Sprachkompetenz, „insbesondere eine deutliche Verbesserung der Sprechfertigkeit“ (478). Den zentralen Aspekt der computerbasierten Förderung des Deutschen international behandeln dieser Beitrag und der Beitrag des TestDaF-Instituts leider nur teilweise.

Die Förderung der deutschen Sprache erfolgt also durch das Aufzeigen von Berufs- und Bildungschancen, die Weiterbildung von einheimischen und deutschen DaF-Lehrkräften zur Verbesserung des Unterrichts und die Modernisierung von Curricula, Medieneinsatz und Prüfungen.

Im Teil II „Länder- und regionenspezifische Beiträge“ finden sich 27 Beiträge über verschiedene Regionen mit einem eurozentrischen Fokus, da nur gut 50 % andere außereuropäische Regionen behandeln, für Asien immerhin 8 (mit der Türkei, aber ohne Russland), was damit zusammenhängen dürfte, dass der Band aus einer Sektion auf dem Weltkongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Schanghai 2015 hervorgegangen ist (Vorwort, V). Zur Rolle des Deutschen in Afrika finden sich dagegen lediglich zwei Beiträge von Marianne Zappen-Thomson über deutschsprachige Minderheiten in Namibia (517 ff.) und Simone Jore u. a. über DaF in Ägypten (763 ff.). Darüber hinaus ist dies auch der einzige Beitrag zum Thema DaF und arabische Länder.

Die Beiträge befassen sich mit den wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen mit den deutschsprachigen Ländern, der Rolle des Englischen als dominierender Fremdsprache und der Bildungs- und Sprachenpolitik in den Ländern.

Lediglich Goranka Rocco (567 ff.) beschäftigt sich mit den Migrationsbewegungen und ihren Auswirkungen auf die deutsche Sprache: Er sieht in der Arbeitsmigration in Analogie zu früheren Zuwanderungen nach Deutschland keine nachhaltige Förderung der internationalen Stellung des Deutschen, weil die Zuwanderer „[...] sich aus der Perspektivlosigkeit ihrer Heimatländer über instrumentelles Deutschlernen nach Deutschland zu retten gedenken, langfristig also zu deutschsprachigen Bürgern Deutschlands werden sollen [...]“ (574).

DaF in Polen, wo Deutsch am häufigsten auf der Welt gelernt wird, beschreibt Maciej Mackiewicz (679 ff.). Deutsch profitiere hier besonders von der jüngst eingeführten zweiten obligatorischen Fremdsprache in Gymnasien (681). Hierbei beobachtet der Autor Unterschiede zwischen Westpolen, wo durch den alltäglichen Austausch das Interesse an Deutsch groß sei, und den östlichen Landesteilen, wo Fördermaßnahmen notwendiger seien (697). Mit Bedauern stellt er zur Motivation des Deutschlernens fest: „Polnische DaF-Lernende sind also in erster Linie instrumentell und extrinsisch motiviert. Interkulturelle Motive spielen dabei eine geringe Rolle“ (688).

Ähnliche Entwicklungen erhoffen sich Anne Schönhagen u. a. (720 ff.) zur Förderung von DaF in Russland, wo – im Gegensatz zu Polen – die Zahlen für DaF nach dem Ende der Sowjetunion lange rückläufig waren. Auch hier sei die geplante Einführung einer zweiten obligatorischen Fremdsprache in den Bildungsstandards des zuständigen Ministeriums ein positives Signal. Angesichts der politischen Krisen in den letzten Jahren ist es bemerkenswert, dass die Zahlen der Deutschlernenden seit einigen Jahren wieder steigen. Besonders sei auch ein Zuwachs bei Kinder- und Jugendkursen zu verzeichnen, gefördert durch die deutschen Kulturmittler (GI, DAAD, ZfA), die weiterhin vor Ort sind.

Jun He (787 ff.) beschäftigt sich mit der Förderung der deutschen Sprache in China und zeigt Plus und Minus der momentanen Situation klar auf: Obwohl Studierende aus China seit Jahren die größte Gruppe der ausländischen Studierende in Deutschland darstellten, sei ihre sprachliche Vorbereitung im Heimatland unzureichend und würden sich die Sprachkenntnisse während des Aufenthaltes in Deutschland nicht grundlegend verbessern (792 f.). Ein Problem sieht er darin, dass die deutschen Kulturmittler (GI, DAAD) in China dem steigenden Bedarf nicht immer gerecht würden (788–793).

Abschließend sei vermerkt, dass leider ein Verzeichnis der Beitragenden fehlt, was die Übersicht erleichtert hätte. Viele sind zwar in ihrem Fach renommiert und der Fachwelt bekannt, aber gerade über die weniger bekannten wären mehr Informationen wünschenswert gewesen. Auch wäre ein Register sinnvoll gewesen, um die Vernetzung der Beiträge besser nachvollziehen zu können.

Das Buch kann als Handbuch verwendet werden, um sich einen Überblick über die Förderung der deutschen Sprache in verschiedenen Ländern und Regionen zu verschaffen, bleibt aber hinter der grundlegenden Arbeit von Ammon von 2015 zurück.

Literatur

Ammon, Ulrich (2015): Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt. Berlin: De Gruyter.10.1515/9783110241075Search in Google Scholar

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 26.11.2022 from frontend.live.degruyter.dgbricks.com/document/doi/10.1515/infodaf-2021-0013/html
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