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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Carrió-Pastor, María Luisa (Hrsg.): Teaching Language and Teaching Literature in Virtual Environments. Singapore: Springer Nature, 2019. – ISBN 978-981-13-1357-8. 314 Seiten, € 103,99.

Gunnar Klatt

Rezensierte Publikation:

Carrió-Pastor, María Luisa (Hrsg.): Teaching Language and Teaching Literature in Virtual Environments. Singapore: Springer Nature, 2019. – ISBN 978-981-13-1357-8. 314 Seiten, € 103,99.


Teaching Language and Teaching Literature in Virtual Environments, herausgegeben von María Luisa Carrió-Pastor, ist kein Buch speziell für DaF. Lohnt es sich trotzdem für DaFler, dieses Buch zu lesen? Dazu soll hier der Inhalt dargestellt und entsprechend hinterfragt werden.

Es handelt sich um einen Sammelband, der insgesamt 15 Beiträge umfasst, die sich wiederum in vier Abschnitte aufteilen. Im ersten Abschnitt gibt es fünf Beiträge mit der Thematik Methodik, im zweiten finden sich vier Beiträge zum Bereich Anwendungen, im dritten Abschnitt werden drei Beiträge zu speziellen Anwendungssituationen gesammelt. Drei Beiträge zum Literaturunterricht beenden die Sammlung im vierten Abschnitt. Das Buch ist, dies deutet der Titel bereits an und das zeigt auch schon der oberflächliche Blick auf die einzelnen Abschnitte, sehr an Technik orientiert. Es geht dabei, dies sollte eingangs schon klargestellt werden, nicht um Online-Unterricht mit Videokonferenzprogrammen, sondern um elektronische Hilfsmittel für den Unterricht im Klassenraum. Blended Learning spielt dabei als Thema nur eine Nebenrolle, denn es geht in der Hauptsache um die Unterstützung des Präsenzunterrichts mit technischen Mitteln.

Der erste Abschnitt des Sammelbandes zur Thematik Methodik beginnt mit einem Beitrag zum Vokabellernen, der sowohl umfassend in der Theorie wie auch mit zahlreichen Vorschlägen für die Praxis gestaltet ist. Der zweite Beitrag ist im Gegensatz dazu die Analyse eines realen Kurses, in dem sich der Blick auf die aktuellen Möglichkeiten richtet, aber auch die noch immer bestehenden Probleme und Entwicklungswünsche werden angesprochen.

Gerade wenn es um die weitere Entwicklung der Lehrmethoden geht, verdient der dann folgende Beitrag zum informellen Sprachenlernen Beachtung, da er besonders auf DaF Bezug nimmt. Die beiden Autorinnen dieses Artikels stellen die Möglichkeiten des informellen Sprachenlernens im Onlinebereich als eine sehr positive Variante des Fremdsprachenerwerbs heraus und beklagen die bisherige fast ausschließliche Nutzung im Englischunterricht. Die Möglichkeit der Ausweitung auf den DaF-Bereich wird als Beispiel herangezogen, weil dieser z. B. kaum die Möglichkeit von Untertiteln für Filme nutzen kann, während es diese zahlreich für den Englischunterricht gibt. Damit wird ein konkretes Forschungs- und Entwicklungsziel für DaF aufgezeigt.

Der vierte Beitrag des ersten Abschnitts greift dann aber in die Zukunft, denn es geht um die Entwicklung von Augmented Reality und Virtueller Realität. Dies sind Ansätze, die mit ihren hohen technischen Anforderungen wie Drei-D-Brillen noch weit vom aktuellen Klassenraum vieler Lehrender und Lerner entfernt sind. Dieser Bereich wird zudem auch von Google beherrscht und dürfte damit für den nicht unbedeutenden chinesischen DaF-Bereich zunächst verschlossen bleiben, wie hier ebenfalls noch anzumerken ist.

Der fünfte und letzte Beitrag des ersten Abschnitts kehrt zurück zu bereits etablierten Gesprächssituationen mit Computerunterstützung, dazu wird jedoch auf eine spezielle Anwendung aus dem englischen Sprachbereich (Talk Abroad) zurückgegriffen, so dass sich hier wenig Konkretes für den DaF-Bereich ergibt. Die Überschrift Methodik für den ersten Abschnitt ist insgesamt irreführend, da grundsätzliche Fragen immer wieder mit der Darstellung sehr spezieller Anwendungen verbunden werden. Die Problematik der Abhängigkeit von bestimmten Anbietern und Programmen und die begrenzte bis nicht vorhandene Flexibilität dieser Lösungen, wenn es um andere Sprachen geht, wird dabei fast ganz außer Acht gelassen, genauso wie die hohen Ansprüche an die technische Ausstattung als Voraussetzung für den Einsatz in den Beiträgen ungesagt vorausgesetzt werden.

In der Orientierung konsequent weitergeführt nach dem Einstieg, ist der zweite Abschnitt zum Thema Anwendungen – hier jedoch fraglos thematisch angemessen – auf spezielle technische Lösungen ausgerichtet. Die Palette der Anwendungen umfasst dabei das allgemein bekannte und weit verbreitete Skype, die Spezialanwendung Framework und das bereits aus dem ersten Teil bekannte Talk Abroad. Aus diesem Rahmen fällt ein Beitrag, der sich sehr grundsätzlich mit der Thematik der Entwicklung von Soft Skills in Hinblick auf den Arbeitsmarkt beschäftigt, dies jedoch mit einem konkreten Projekthintergrund tut. Insgesamt ist der zweite Abschnitt stärker praxisorientiert als der erste Abschnitt und insofern ist diese Aufteilung gerechtfertigt. Es offenbart sich jedoch der Charakter der Veröffentlichung als Sammelband, der eben keine geschlossene aufeinander aufbauende Darstellung des Themas ist. So gibt es Doppelungen in den Themen mit Berichten zum Tool Talk Abroad, während andere wie gerade der Beitrag zu den Soft Skills isoliert stehen.

Der dritte Abschnitt versammelt Beiträge zu sehr speziellen Themen mit einem Beitrag über das Testen des Spracherwerbs im Schifffahrtsbereich, die Lehrerausbildung mit Blended-Learning-Unterstützung und die Beschreibung eines „Projekts zur Spracharbeit im Tourismusbereich. Der letzte Beitrag verdient dabei eine besondere Beachtung, da er die vielfältigen Möglichkeiten der elektronisch gestützten Lehre in besonders guter Weise zeigt.

Der vierte und letzte Abschnitt zur Arbeit mit literarischen Texten stellt drei Beiträge vor, die aus der Praxis berichten. Der erste Beitrag nimmt dabei erneut, wie schon ein Beitrag im dritten Abschnitt, die Lehrerausbildung als Ausgangspunkt, um Auswirkungen auf den Unterricht zu verdeutlichen. Die anderen beiden Beiträge basieren dagegen wieder auf der konkreten Lehrsituation und verstehen sich mit der Beschreibung der Arbeit mit Liedtexten und einem Weblog als durchaus nachvollziehbare, praxisrelevante Modelle zur Nachahmung.

Damit wäre der Inhalt des Buches beschrieben und es ist nun die Frage zu beantworten, ob es für den DaF-Bereich zu empfehlen ist. Das Buch ist durch die Technikorientierung scheinbar nicht sprachgebunden, doch die vorgestellten Lösungen lassen sich nicht immer auf andere Sprachen übertragen. Hier bleibt für einen Leser aus dem DaF-Bereich zunächst nur die Möglichkeit der Kenntnisnahme des Prinzips, die Möglichkeit der Übertragung der Erkenntnisse und Potenziale der vorgestellten Lösungen bleibt an dieser Stelle jedoch offen. Dies schränkt die Nützlichkeit des Buches für eine Anwendung im Bereich der Sprachvermittlung von Deutsch als Fremdsprache ein.

Für die Kenntnisnahme des Buches im DaF-Bereich spricht, dass alle Beiträge mit einem umfangreichen theoretischen Hintergrund ausgestattet sind und entsprechend Sekundärliteratur verzeichnen. Damit wird das Buch sprachübergreifend interessant für die, die sich auf grundsätzlicher Ebene mit dem Thema der elektronischen Unterstützung des Sprachenlernens beschäftigen möchten. Es sollte noch darauf hingewiesen werden, dass alle Beiträge des Sammelbandes zwar auf Englisch verfasst sind, jedoch das Arbeitsumfeld vieler Autoren Spanisch als Fremdsprache ist, so dass ein Teil der aufgeführten Sekundärliteratur ebenfalls auf Spanisch verfasst ist. Während sich das Buch selbst einer internationalen Leserschaft öffnet, schränkt es die Weiterarbeit an der Theorie dann jedoch ein. Diese Einschränkung lässt sich angesichts des insgesamt großen Umfangs des aufbereiteten Materials jedoch verschmerzen.

Zusammenfassend ist das Buch damit trotz kleiner Schwächen durchaus auch für einen Leser aus dem DaF-Bereich ein Gewinn, da es sowohl einen Überblick über die Möglichkeiten des Fremdsprachenunterrichts in Virtuellen Welten gibt wie auch den Einstieg in die weitere Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht. Der Text ist als gedrucktes Buch wie auch als E-Book (https://doi.org/10.1007/978-981-13-1358-5) erhältlich.

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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